1828 / 341 p. 6 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zußern Mauern des Schlosses. Auf dieser Stelle hatten die

Zoͤglinge der Militair⸗Schule, am Tage vor ihrem Aufbruche aus jener Gegend, ein recht artiges Fest veranstaltet. Um

11 Uhr Abends wurden große Feuer angezuͤndet; einer der Caudetten las eine von ihm selbst verfertigte Rede ab, wor⸗

auf ein Gesang folgte, zu dem ein anderer der jungen Leute den Text geltesert hatte, und an welchen sich ein einstimmi⸗ ges Lebehoch auf das Wohl des Koͤnigs und des Kronprin⸗ zen anschloß. Eine große Zahl von Landleuten aus der gan⸗ zen Umgegend hatte sich zu dem Feste eingefunden und nahm an der froͤhlichen Stimmung der Gemuͤther Theil. Deutschland.

Wuͤrzburg, 11. Decbr. Die Koͤnigl. Kreisregierung hieselbst hat in dem vorgestrigen Intelligenzblatte in Absicht auf den Religionsunterricht der Israeliten eine, auf den Grund einer Ministerial⸗Entschließung gebaute, Verfügung erlassen, in welcher folgende Hauptpunkte bemerkt werden: Der Religionsunterricht, welchen alle juͤdischen Knaben und Maͤdchen ohne Ausnahme zu besuchen haben, hat mit dem zuruͤckgelegten sechsten Lebensjahre zu beginnen und bis zum zuruͤckgelegten zwoͤlften zu dauern, sofern nicht ein Zuruͤck⸗ bleiben in den Kenntnissen die laͤngere Fortdauer des Unter⸗ richts bei Einzelnen erheischt. Vom dreizehnten bis zum achtzehnten Lebensjahre hat die juͤdische Jugend, maͤnnlichen und weiblichen Geschlechts, am Sabbath und an Feiertagen Religionsunterricht in der Synagoge zu erhalten. Aller Re⸗ ligionsunterricht darf kuͤnftig in der Regel nur in oͤffentli⸗ chen Religionsschulen und nur von gepruͤften und bestaͤtigten Lehrern ertheilt werden. Der Privat⸗Religionsunterricht im Hause wird von der K. Regierung nur ausnahmsweise auf besonderes Nachsuchen und nicht ohne dringende Veranlassung gestattet werden. Denselben duͤrfen jedenfalls nur angestellte, öͤffentliche oder solche Lehrer ertheilen, welche gepruͤft und be⸗ staͤtigt worden sind. Diesen Privat⸗Religionslehrern ist der Privatunterricht nur im strengen Sinne gestattet, daher nicht erlaubt, die Kinder mehrerer Familien zu vereinigen und denselben gemeinschaftlich Unterricht zu ertheilen. Alle juͤdischen Religionslehrer muͤssen Inlaͤnder seyn, einen guten Ruf nachweisen koͤnnen, ihre Befaͤhigung bei einer Pruͤfung und die Bestaͤtigung der Kreisregierung erhalten

aben. 8 ortugal. 3 Lissabon, 30. . Die db2- das Vorhandenseyn theil⸗ weiser Aufstaͤnde und Errichtung von Guerilla's in verschie⸗ denen Provinzen Portugals verbreiteten Gerüchte sind durch⸗ aus gruͤndlos; dagegen lassen sich die bedeutenden Auswan⸗ derungen nach dem Auslande und besonders nach England, 8 * die Abnahme der Staats⸗Einkuͤnfte, nicht in Abrede ellen.

Dom Miguel schreitet schnell in der Besserung fort; die verwittwete Koͤnigin hat sich (wie letzthin bereits gemeldet worden) zu ihm, in den nicht weit von der Haupstadt ent⸗ fernten Pallast Queluz begeben, und will vorlaͤufig daselbst

bleiben. Spanien.

Madrid, 1. Dec. Die Madrider Zeitung ent⸗ haͤlt eine, dem Hohen Rathe von Castilien mitgetheilte Kö⸗ nigl. Verordnung vom 19. October, hinsichtlich der Spani⸗ schen Fluͤchtlinge in Portugal, wonach nur Diejenigen, welche, bei ihrem Eintritt auf Spanisches Gebict, mit einem Paß des Koͤnigl. Spanischen General⸗Consuls in Lissabon versehen sind, die Erlaubniß erhalten, sich in das Innere des Landes begeben zu duͤrsen, alle Uebrigen jedoch zuruͤckgewiesen werden sollen.

Im hiesigen Diario wird eine ergiebige, unweit von

hier belegene Blei⸗ und Silber⸗Mine, oͤffentlich zum Verkauf ausgeboten. „In den 4 Monaten Mai, Juni, Juli und August sind uͤberhaupt 359 Schiffe in der Havana angekommen, und 405 von da abgegangen; unter den angekommenen waren 262 fremde und unter den abgegangenen 296.

Das Journal du Commerce schreibt aus Barce⸗ lona, vom 1. Dec.: „Wir beginnen etwas tiefer in die be⸗ klagenswerthe Angelegenheit der 13 Constitutionnellen zu E welche neulich hier hingerichtet wurden. 2 allen eeöschaften der Stadt erzählt man sich, daß der Auditeur bi briich ertheil nicht unterzeichnen wollte, welches ein will⸗

zusammengesetztes Kriegs⸗Gericht gefällt hatte, und

n ganze Verfahren protestirt habe. Gleich⸗

b i guter Royalist, der 1823 nach Frankreich rechelich und kennt die Machinationen ns der Religion dem Gewande des Royalismus gen in Perpignan drohten,

Die Ereignisse und Verhaftun⸗ ihre Intriguen zu enthuͤllen, als

1.“

sie beim Grafen Espana auf die Hinrichtung jener ungluͤck⸗ lichen Constitutionnellen drangen. Unter dieser Bedingung hat diese Secte unserem General⸗Capitain die Hinrichtungen von Tarragona und aus fruͤherer Zeit den Tod Bessidres vergeben. Ein Fremder von Range hat sich die Vertheidi⸗ gungen einiger von jenen Ungluͤcklichen und einen Auszug aus ihrer Untersuchung verschafft; er soll beabsichtigen, das Ganze in London oder Paris drucken zu lassen.“ Schweiz.

Zuͤrch, 10. Dec. Der große Rath des Kantons Zuͤrch ist zu Eroͤffnung seiner ordentlichen Winter⸗Sitzung durch Beschluß des kleinen Raths vom 6. Dec. auf den 15ten einberufen. Auch der große Rath des Kantons Aargau wird am 15. Dec. seine ordentliche Winter⸗Sitzung eroͤffnen.

In Zuͤrch ist seit voriger Woche der Neapolitanische Minister, Herzog von Calvello, mit dem Abgeordneten von Graubuͤnden, dem Herrn Land⸗Ammann Sprecher von Ber⸗ negg, fuͤr Militair⸗Capitulations⸗Unterhandlungen, zusammen⸗ getreten.

Der große Rath des Kantons Tessin, seit dem 17. Nov. versammelt, schreitet nur langsam in seinen Geschaͤften vor⸗ waͤrts. Er hat den wirklichen Tarif der Zölle bestaͤtigt, die nun neuerdings auf drei Jahre verpachtet werden sollen, und sehr umstaͤndlich eroͤrterte er alsdann einen weitläuftigen Gesetz⸗Vorschlag uͤber die Verwaltung der Gemeinde⸗Guͤter, der vermuthlich am Ende doch verworfen werden duͤrfte.

Blicke auf den Archipel und die Inseln des Weißen Meeres. (Fortsetzung.)

Bara, Paros; westlich von Naxos, weltberuͤhmt durch ihren trefflichen Marmor, der von den Alten als der beste für die Bildhauerei gepriesen wurde. Sie war lange Zeit die maͤchtigste der Cycladen; ihr Handel, ihr Reichthum und ihr Kunstfleiß bluͤheten unter der Griechischen, der Persischen und Roͤmischen Herrschaft, und sanken erst unter den Grie⸗ chischen Kaisern. Anfangs des dreizehnten Jahrhunderts

ward sie mit dem Herzogthume Naxos vereinigt; von die⸗

sem getrennt, und eine kurze Zeit durch die Grafen von Sommariva beherrscht, siel sie durch Heirath an ranz von Venier, aus einem erlauchten Venetianischen schlechte. Der letzte Besitzer von Paros aus diesem Hause vertheidigte sich auf's Ehrenvollste im Castell von St. Antonio gegen die weit uͤberlegene Macht des furchtbaren Barbarossa, dem er die Insel erst dann uͤberließ, als der gaͤnzliche Mangel an Wasser jeden laͤngeren Widerstand un⸗ möͤglich machte. Venier entkam gluͤcklich nach Venedig.

An der Stelle des prachtvollen alten Paros steht heute der armselige, kleine Flecken Parichia; zur Erbauung der Mauern des Schlosses, zu den Haͤusern, zu den Ställen und Feldmarken sind hier die schoͤnsten und kostbarsten Säulen und Piedestale, Architraven und Frisen auf die widersinnigste und schonungsloseste Weise zerstuͤckelt und zertruͤmmert wor, den. Noch findet man in dem Gemäͤuer viele Denkmäler mit Inschriften, die merkwuͤrdigsten jedoch sind bereits der Barbarei der Insulaner durch die Franzosen, Venetianer und Englaͤnder entrissen worden.

Hier ward auch die beruͤhmte Marmor⸗Tafel, das älteste und umfassendste chronologische Monument, welches wir aus dem Alterthume besitzen, gefunden. Thomas, Graf von Arundel (nach dem diese Tafel auch Arundelischer Marmor genannt wird) erkaufte sie 1627, und sein Enkel, Heinrich Howard, schenkte sie 1667 der Universitaͤt Orford, wo sie sich seitdem befindet.

Die Marmor⸗Bruͤche liegen heute unbenutzt; in einem

derselben bemerkt man noch antike Basrelief's, die aber sehr⸗

beschädigt sind.

Der fruchtbare und sorgfaͤltig angebaute Boden * Wein, Getreide, Baumwolle, Sesam und treffliche Fruͤchte. Ehe die Venetianer waͤhrend des letzten Kandischen 332 alle Oelbaͤume auf Paros verbrannten, ward hier viel Oel gewonnen. Die Schaafzucht ist bedeutend, die jungen Ham⸗ mel werden hier mit Brod und Fruͤchten gefuͤttert, wodurch das Fleisch eine besondere Schmackhaftigkeit erhäͤlt. An Reb⸗ huͤhnern und wilden Tauben ist Ueberfluß.

Die Insel zählt nahe an sieben tausend Einwohner, fuͤnf Doͤrfer, sechszehn Moͤnchs⸗Kloͤster und eine große Menge Kapellen. Der Griechische Ritus ist der allein herrschende, seitdem die wenigen Lateinischen Familten, welche fruͤher hier nfasg; waren, nach anderen Insein gezogen sind.

hrlich werden zwei Primaten 1s Das Amt eines Kadi, welches gesetzlich nur durch Muselmaͤnner ver⸗ waltet werden sollte, wurde 82 und öͤfters auch auf anderen Inseln, durch Griechen versehen, welche solches von den