1829 / 28 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Amtliche Nachrichten. 8 Kronik des Tages.

Seine Majestaͤt der Koͤnig haben dem Kaiserl. Russi⸗ schen General⸗Major, Fuͤrsten Labanof⸗Rostoffski, den Rothen Adler⸗Orden zweiter Klasse zu verleihen geruhet.

Seine Koͤnigliche Majestaͤt haben Allergnaͤdigst geruhet, den Kaufmann José Diogo da Silva zu Pernambuco zum Vice⸗Consul daselbst zu ernennen.

Am Sonnabend den 2A4sten hielt die Koͤnigl. Akademie der Wissenschaften ihre oͤffentliche Sitzung zur Geburtsfeier Friedrich des Zweiten. Dieselbe wurde durch die Anwesen⸗ heit Ihrer Koniglichen Hoheiten des Kronprinzen und der Prinzen Karl und Albrecht verherrlicht. 1

Der Secretair der physikalischen Klasse eroͤffnete die Sitzung mit einem auf die Feier des Tages sich beziehenden Vortrage. Hierauf legte derselbe das so eben erschienene aus den Denkschriften der Akademie vom Jahre 1826 besonders abgedruckte Werk ihres auswaͤrtigen Mitgliedes, des Herrn Professors, Ritter Bessel in Koͤnigsberg, vor, das den Titel fuͤhrt: „Untersuchungen uͤber die Laͤnge des einfachen Se⸗ kunden⸗Pendels“ und als eine der wichtigsten Erscheinungen im physikalisch⸗mathematischen Fache zu betrachten ist. So⸗ dann gab derselbe im Auftrag der Akademie einen vorlaͤufi⸗ gen Bericht uͤber die von Herrn Doctor Erman, Mitgliede der Koͤnigsberger und Moskauer natursorschenden Societaͤten, auf seiner Reise durch Nord⸗Asien, wohin er Herrn Professor Hansteen begleitet, angestellten wissenschaftlichen Forschungen

uͤber Geognosie, Meteorologie, Klimatologie und Magnetis⸗

mus. Darauf las Herr von Buch uͤber die zerstreuten Bloͤcke fremder Formationen, und Herr Weiß uͤber das Vor⸗ kommen von Elephanten⸗- und Mammuths⸗Knochen in der Mark Brandenburg, und namentlich in der naͤchsten Umge⸗ bung von Berlin, mit Vorzeigung der ausgezeichnetsten

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Zeitungs⸗Nachrichten

8 3 Frantvech. Paris, 21. Jan.

Vorgestern hatte die Marschallin, Herzogin von Albufera, begleitet von ihren Kindern, die Ehre, Sr. Maj. dem Koͤnige und der Koͤniglichen Familie die „Memoiren des Marschalls Suͤchet, Herzogs von Albu⸗ fera, uͤber seine Feldzuͤge in Spanien von 1808 bis 18142 (2 Baͤnde in Zvo. nebst Atlas in Folio. Preis 30 Fr.) zu uͤberreichen. 8 .

In Montbrison (Dept. der Loire) hat nach zwei ver⸗ geblichen Abstimmungs⸗Versuchen endlich der constitutionnelle Candidat, von Lachèze, Rath bei der dortigen Praͤfektur, uͤber seine Mitbewerber den Sieg davon getragen; er ist am 15ten mit 57 Stimmen gegen 52, die der Marquis von

Vougy erhielt, gewaͤhlt worden.

Der Messager des Chambres enthaͤlt Folgendes: „Wir glaubten, daß die Frage wegen des, bei dem Mi⸗

nisterium der auswaͤrtigen Angelegenheiten, eingetretenen

Provisoriums schon ein wenig veraltet sey; es muß aber den

öffentlichen Blaͤttern an Stoff fehlen, daß sie dieselbe neuer⸗

dings aufs Tapet bringen. Die Lage des Ministeriums war durch die letzte Verordnung klar und deutlich dargestellt wor⸗ den. Um dem Koͤnige und dem Lande einen ihnen treu er⸗ gebenen Diener, einen aufgeklaͤrten Minister zu erhalten,

Berlin, Mittwoch den 28sten Januar

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gewissenhafte Maͤnner, welcher Parthei sie auch angehoͤren,

gehen?

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hatte das Cabinet geglaubt, daß der Gesundheits⸗Zustand des Grafen von la Ferronnays die troͤstende Hoffnung ge⸗ waͤhre, ihn an der Spitze der auswaͤrtigen Angelegenheiten zu erhalten. Eine Koͤnigliche Verordnung hatte daher ein In⸗ terimistikum geschaffen und dasselbe dem Großsiegelbewahrer anvertraut; nichts war natuͤrlicher, gesetzlicher, schicklicher. Ueber alles Dieses laͤßt man sich aber jetzt in einer Menge von Vermuthungen aus. Dieser behauptet, daß das Mini sterium sich der rechten Seite, Jener, daß es sich blindlings der linken in die Arme werfen werde; noch ein Anderer ver sichert, daß ein Theil des Cabinets ganz von der verfassungs⸗ maͤßigen Bahn abgehen wolle, und ein Vierter endlich meint, daß das Ministerium nur auf eine Majoritaͤt in den Kame-⸗ mern rechnen koͤnne, wenn es vollzaͤhlig sey. Die ersten Be⸗ hauptungen scheinen uns kaum eine ernsthafte Antwort zu 34 verdienen; was dagegen die letzte anbetrifft, so hoͤrt, unsers Beduͤnkens, ein Ministerium nicht deshalb auf, vollzaͤhlig zu seyn, weil eines seiner Mitglieder genoͤthigt ist, sich augen⸗ blicklich von den Geschaͤften zuruͤckzuziehen. In unsern parlamentarischen Annalen ist das gegenwaͤrtige Provisorium nicht das erste; es gab deren in den Jahren 1820, 1821, 1824, 1826, 1828, und Niemand hat deshalb behauptet, daß das Cabinet unvollstaͤndig sey. In England wurde Lord Liver⸗ pools Posten erst dann in andere Haͤnde gelegt, als man sich uͤberzeugt hatte, daß der edle Pair an den Cabinets⸗Geschaͤf⸗ ten unmoͤglich mehr Theil nehmen koͤnne, und um sich von dieser Unmoͤglichkeit zu uͤberzeugen, befrug man nicht bloß die Vermuthungen der Englischen Zeitungen, sondern man beobach⸗ tete fortgesetzt den physischen Zustand des Lords. Alles be⸗ rechtigt zu der Hoffnung, daß Herr von la Ferronnays den hohen Posten, in welchem es ihm gelungen, dem Namen des Koͤnigs Achtung und dem Lande Wuͤrde zu verschaffen, nicht verlassen werde. Sollte er sich dennoch hierzu genoͤthigt se⸗ hen, so wuͤrde das Cabinet von dem Monarchen solche Be⸗ fehle einzuholen wissen, die seinem Dienste frommen, und Alles, was die Zeitungen uͤber die Unschluͤssigkeit, Furcht und Kleinmuͤthigkeit des Ministeriums fabeln, wuͤrde gar bald Luͤgen gestraft werden. Man versichert, das Ministerium werde die Majoritaͤt nicht fuͤr sich haben, weil eine Majoritaͤt nur solchem Ministerium zu Theil werde, das seine Staͤrke fuͤhle, und einen Entschluß zu fassen wisse. Sollte man nicht mei⸗ nen, daß ein Ministerium taͤglich den Großsprecher machen, Staatsstreiche ausfuͤhren, und viel Laͤrm machen muͤßte. Alle

moͤgen sich selbst fragen: ist die gegenwaͤrtige Verwaltung seit ihrem Entstehen von der Linie der Maͤßigung und Ge⸗ rechtigkeit, die sie sich vorgezeichnet hatte, je einen Augenblick abgewichen? Was hat sie gethan, das nicht dem Geiste ihres fruͤhern Thuns entspraͤche? Ungluͤcklicher Weise giebt es Menschen, welche Brutalitaͤt mit Staͤrke verwechseln, und die es fuͤr unmoͤglich halten, daß man Festigkeit mit Maͤßi⸗ gung verbinden koͤnne. Der Gang des Ministeriums liegt zu klar am Tage, als daß die Majoritaͤt ihm fehlen sollte; den Partheigeist wird es freilich nicht fuͤr sich haben, wohl aber die gute Meinung der Kammern und des ganzen Lan⸗ des. Die Constitutionnellen, sagt man, schonen die Mini⸗ ster. Warum sollten sie sich aber auch gegen eine Verwal⸗ 8 tung erheben, deren Handlungen bisher durchweg von dem Geiste unsers Grundvertrags durchdrungen gewesen sind? Dies waͤre ja unvernuͤnftig und ungerecht. Aber, sagt man ferner, die Minister werden von einer Parthei, die nichts von un⸗ serer Verfassung wissen will, lebhaft angefeindet; warum werfen sie sich zu ihrer Vertheidigung nicht der entgegenge: setzten Parthei in die Arme? Weil nur kleine Geister eine kleinliche Rache uͤben; was thut's, wenn einige Verfechter einer ehrenvollen Meinung sich gegen die Verwaltung erhe⸗ ben? Sollte diese deshalb von der vorgezeichneten Bahn ab⸗ Einige Royͤalisten mögen ungerecht, leidenschaftlich