1829 / 29 p. 6 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Wort hier zu gebrauchen ist sehr von einander abwei⸗ chend. Leute, die sehr gut unterrichtet sind, behaupten, daß die Pforte sehr geneigt sey, dem Tractate vom 6. Juli bei⸗ zustimmen, um dadurch England und Frankreich fuͤr das Vnteresse der Tuͤrkei und wo moͤglich auch als Alliirte zu gewinnen, mit welchen vereinigt sie Rußlands Fortschritte eher hemmen zu koͤnnen meint. In Morea scheinen die Franzoͤsischen Truppen, in deren Besitze insel ist, sich durchaus als ruhige Zuschauer zu verhalten. Seit einigen Tagen sind mehrere Tuͤrkische Familien von Modon, Coron, Navarin und Patras hieher gebracht wor⸗ 8 und neue Ankoͤmmlinge von dort werden taͤglich erwar⸗ tet; so daß in der That durchaus nichts Muselmaͤnnisches in Griechenland zuruͤckbleibt. Es wird hier erzaͤhlt und auch allgemein geglaubt, daß eine Landung Englischer Truppen

in Kandien beabsichtigt wird, um auch diese Insel von den Tuͤrken zu reinigen, des unabhängigen Griechenlands zu stellen. Da alle Doͤrfer und das flache Land bereits seit einiger Zeit im Besitze der eingebornen Griechen sind, so dürfte es, unter dem erwaͤhn⸗ ten Beistande, eine leichte Arbeit seyn, die Insel bald ganz

u befreien. Eine bemerkenswerthe Thatsache bleibt es, as mitten in der politischen Verwirrung, in welcher sich ge⸗ genwaͤrtig das Tuͤrkische Reich befindet, doch die oöͤffentliche 1 Kas noch bei keiner Gelegenheit gestoͤrt worden ist und daß ten Unterthanen aller Nationen selbst die Russische nicht

erlaubt ist, nach allen Theilen des Reiches ungehindert zu reisen, und sie uͤberall, wo sie sich aufzuhal⸗ ten wuͤnschen, von den Behoͤrden des Ortes mit aller moͤg⸗ lichen Ruͤcksicht behandelt werden. Die Prltzei befindet sich i Ordnung, und sogar die Janitscharen, sonst so hart⸗ aͤckig allen Beschluͤssen der Regierung entgegen, befreunden sich doch nach und nach mit den Ideen und dem System es Sultans; denn sie fangen an die Ueberzeugung zu ge⸗ innen, daß ihm wirklich das Beste der Nation am een liege, und daß alle seine Maaßregeln darauf abzwecken, die allgemeine Wohlfahrt zu befoͤrdern. Indessen ist aus die⸗ ser Beschreibung der Dinge noch nicht etwa der Schluß zu iechen, daß die Türkei sich jetzt auf irgend eine Weise im lüͤhenden Zustande befindet; es muß vielmehr hinzugefuͤgt erden, daß die Nation verarmt ist, daß die natuͤrlichen und besten Quellen des oͤfflichen Einkommens verstopft und die Kassen des Großherrlichen Schatzes geleert sind. Wie eigent⸗ lsich die Regierung noch im Stande ist, alle ihre Ausgaben zu deecken, das ist kaum zu begreifen; und doch sehen wir, welche große Vorbereitungen sie fuͤr den naͤchsten Feldzug trifft, und wiie sie in den meisten Fällen Alles puüͤnktlich bezahlt, ohne zu EI“ 8 alten Mittel, den Gehalt der Munzen zu verringern, lehre Zuflucht zu nehmen. Auch ist, seit dem letzten Vorgange

8 it den Armeniern der Hauptstadt, durchaus nichts vorge⸗ feine gewaltsame Erpressung beiirgend einer Klasse

er Ottomantschen Unterthanen schließen laäßt. Gewagt wäͤre 728, die Frage zu beantworten, ob die Dinge noch lange auf diesem Fuße fortgefuͤhrt werden koͤnnen; indessen haben sie um so Vieles länger gedauert, als man fruͤher erwartet hat, daß es in der That besser ist, sich alles Prophezeiens zu ent⸗ halten und die Sache ihrem natuͤrlichen Gange zu überlassen. S Selte aber einmal eine guͤnstige Veränderung im Laufe der politischen Begebenheiten eintreten, und eine permanente Ord⸗ nung der Dinge festgestellt werden, so ist es keinem Zweifel unterworfen, daß dieses Land sich bald von seinem 82 2 tigen Druck erheben, und dann in jeder Hinsicht die Achtun der fremden Nationen wieder gewinnen werde. Mehrere Fahr⸗ zeuge, die von Aegypten, Syrien und anderen Haͤfen nach Kon⸗ stantinopel bestimmt waren und Getreide, so wie andere Ge⸗ genstände geladen hatten, die von der Russischen Blokade prohibirt sind, sahen sich genoöͤthigt, in den hiesigen Hafen ein⸗ äzulaufen, und ihre Frachten hier zu Der groͤßere Theil Kieser Ladungen wird landwaͤrts nach onstautinopel geschickt werden; kann man zu aͤhnlichen Expeditionen, in Be⸗

84 ausgenommen

jetzt die ganze Halb⸗

und sie alsdann innerhalb der Graͤnzen

]] n 8 8.

e 44. * 2

* 8 2 ..-“ * E

tracht der vielen Kosten, womit sie verbunden sind, durchaus nicht aufmuntern.“

h

Vermischte Nachrichten.

Der Besitzer einer der groͤßten Oel⸗Pressereien in London, Herr Weingarten, ein Muͤnchner, verfertigt ein fei⸗ nes Oel unter dem Namen „Sicherheits⸗Oel““, wovon nach Tische ein Paar Löffel im Sallat, auf Brod oder auch ohne Zusatz genossen, vor zufaͤlliger Vergiftung durch Schwäͤmme, Kupfergeschirr ꝛc. sichern. Herr Weingarten, der als ar⸗ mer Chemiker nach London gekommen, hat sich daselbst durch Fleiß und Geschicklichkeit ein Vermoͤgen von mehr denn einer

halben Millton Gulden erworben. B 2

Koͤnigliche Schauspiele.

Donnerstag, 29. Jan. Im Schauspielhause: Ludwig XI. in Peronne, historisch⸗romantisches Schauspiel in 5 Ab⸗ theilungen, nach Walter Scott's Roman vom Freiherrn v. Auffenberg.

Freitag, 30. Jan. Im Opernhaust: 1) Ouvertüre. 2) Introduction und Variationen uͤber ein Deutsches Thema von Haydn, fuͤr die Harfe componirt und Beßeführt von Dlle. Bertrand, erste Zarse sodehein Sr. Majestät des Ko⸗ nigs von Frankreich. 3) Variationen von Rode, gesungen von der Koͤnigl. Saängerin Fraͤulein v. Schätzel. 3 Varia⸗ tionen übern Nel cor piu non mi sento, componirt und vorgetragen von Derselben. Hierauf: Die schoͤne Muͤllerin, komische Oper in 2 Akten, von Paesiello.

Im Schauspielhause: Les acteurs français auront Phon- neur de donner, pour le premier début de Mr. Alix, ae- teur comique du théatre français de Londres: 1) L. Acte de naissance, comédie en 1 acie et en prose, par Picard. 2) La premieère représentation de: L'Arüste, vaudeville en ¹ acte, par Mr. Mr. Seribe et Perlet. (Mr. Alix remplira le röle de 2'Artiste.) 3) le comédien d'Elampes. vaude- ville comique en 1 acte, par Mr. Moreau. (Mr. Alix rem-

lira le röle da Comédien. Sonnabend, 31. Se- Schauspielhause: Der Braͤu⸗ 8 sam aus Mexiko, in 5 Abtheilungen, von H. auren.

Königsstädtsches Theater.

Donnerstag, 20. Jan. Doctor Johannes Faust, der

wunderthaͤtige Magus des Nordens. Freitag, 30. Jan. Zum Erstenmale: Blinde Liebe, Lust⸗ spiel in 3 Peien, von A. v. Kotzebue. Hierauf: Die Ochsen⸗

menuett.

Auswartige Börsen. Hamburg, 26. Jan. Fonde malt. Oesterr. 5p Cuge Meutallig. 96 ½. Bank- 1097. Fel. A.,. 91 ½. Sinler- Nab-1 86. Han dot. London, 20. Jan. 8 ;

Comolz auf Morgen 87 ½, % und auf Februar Käufer 87v. Red. 86 ½. ¼. Schatz mmer -Fcbeine 65.67. Ruas. 95. h 53 ½. ½,. Buenos-Ayres 47 ½. Columb. 21. Neu-Columb. 18

Wien, 23. Jan.

5pC&. Metall. 9715. Bank-Actien 1105. See. eh. Bepeichtigung. In der gestrigen Nummer der Staats Zeitung S. 4,

Cp. 1, Z. 4 v. u. st Wahlsteuer“ 1. „Mahlsteuer.“ 8 2* 1 4 2 98 8