1829 / 48 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

hohen Pflicht entbinden, seinen besten Rath zu ertheilen und

dafuͤr verantwortlich zu seyn.“ Keinesweges, sagte Hr. Peel weiter wolle er hier die Vorwuͤrfe erwiedern, die ihm einige seiner geehrten Freunde gemacht haben; er bewundere vielmehr ihre Meinungs⸗Festigkeit und frage sie nur, ob sie wohl wuͤnschen wuͤrden, daß auch ein Minister seiner Meinung fest anhaͤngend bleibe, sobald er einsehe, daß diese mit den großen Interessen, welche wahrzunehmen er berufen ist, nicht laͤnger vertraͤglich sen? Ob Minister, so⸗ bald sie glauben, daß der fernere Widerstand gegen die Ka⸗ tholiken aufhoͤren muͤsse, daß es fuͤr das Land und fuͤr das protestantische Interesse von Nutzen sey, den Zustand Ir⸗ lands in Erwaͤgung zu ziehen, dann nicht auch pflichtmaͤßig den Rath dazu ertheilen muͤßten? (hoͤrt!) Er behaupte kei⸗ nesweges, daß ihm ein neues Licht uͤber die katholische Frage aufgegangen sey; er hege vielmehr noch dieselbe Mei⸗ nung daruͤber, die er fruͤher in diesem Hause ausgesprochen, er sehe auch noch die mit dieser Frage verbundenen Gefah⸗ ren ein, aber der gegenwaͤrtige Drang der Umstaͤnde sey so groß, daß er sich lieber den Gefahren aussetzen, als den jetzi⸗ gen Zustand des Landes, durch Beibehaltung des bisherigen Systems, fortdauern lassen wolle (Hoͤrt!). Noch habe er seine eigentliche Meinung, die er fruͤher uͤber die katholische Frage gehegt, keinesweges geaͤndert, aber er muͤsse gestehen, daß, in Ruͤcksicht auf die Lage des Landes, auf die der Le⸗ islatur, auf die Uneinigkeit, die zwischen den Ministern ge⸗ herrscht habe, so wie auf die, welche sich seit einigen Jah⸗ ren zwischen den beiden großen Zweigen der Legislatur im⸗ mer mehr habe erkennen lassen, und endlich auch in Ruͤck⸗ sicht auf die Wirkung, welche jene Uneinigkeiten auf Irland gehabt, es ihm hinreichend begruͤndet erschienen sey, von dem angebotenen Auskunftsmittel Gebrauch zu machen. Seit beinahe 25 Jahren seyen die Meinungen wegen der katholischen Emanci⸗ pation im Conseil Sr. Maj. immer getheilt gewesen. „Als (fuhr der Redner fort) Hr. Pitt im J. 1804 sein Amt wieder annahm, ist er unstreitig uͤber diese Frage ganz anderer Mei⸗ nung dn sen, als viele seiner Collegen, aber mehr aus rich⸗ tigen Gruͤnden, wie aus Princip, ließ er es zu, daß die

Nitglieder seines Cabinets sich den Ansprüchen der katho⸗ liken ferner widersetzten. Als im J. 1806 Fox und Lord Melville ins Ministerium traten, wurde ein gleiches Versah⸗ ren und eine vollkommene Neutralitaͤt in Betreff der katho⸗ lischen Frage beobachtet; welcher Verhaltungsweise man bis jetzt auch immer treu geblieben ist. Man hat es waͤhrend vieler Jahre fuͤr thunlich, ja sogar fuͤr nothwendig gehalten, daß die Verwaltung dieses Landes, in Bezug auf die katho⸗ lische Frage, von verschiedenartigen Principien zusammen⸗ gesetzt seyn muͤsse. Nennt man die Theilnahme an einem solchen Systeme ein irrthuͤmliches und unrichtiges Ver⸗ fahren, so muß ich mir freilich diesen Tadel ebenfalls gefallen lassen; aber es ist wenigstens ein Irrthum, dessen sich sehr viele große Maͤnner schuldig gemacht, und ist auch ein Theil davon frei gewesen, so war es doch nur der klei⸗ nere Theil von denen, die seit 25 Jahren das Conseil des Monarchen gebildet haben. Niemand kann es mehr be⸗ dauern, als ich, daß eineUneinigkeit der Art im Cabinette immer vorgeherrscht hat, aber die Differenz in Betreff der katholischen Frage hat es fast unmoͤglich gemacht, eine ganz einige Ver⸗ waltung zu bilden. Man mußte sich in das fuügen, was die Zeit mit sich brachte, und so sehr nachtheilig es auch den Staats⸗Interessen erscheinen moͤchte, wurden doch immer neue Verwaltungen mit dieser Meinungs⸗Verschiedenheit zu⸗ sammengesetzt. Da nun auch das Land seit jener Zeit sich oftmals in einer kritischen Lage befand, und in Bezug auf seine auswaͤrtigen Angelegenheiten mancher Gefahr ausgesetzt war, so mußte es natuͤrlich kommen, daß man eine Eroͤrterung der Frage von Zeit zu Zeit immer verschob; wiewohl sich bei der Verwaltung stets Maͤnner befunden haben, die ihre Ansichten und Gefuͤhle, in Betreff der katholischen Frage, zu unterdruͤcken bereit waren, um nur ihre

alente dem Gemeinwohl des Landes widmen zu duͤrfen.“ Eine Ausweichung dieser Art koͤnne man indesseu jetzt nicht mehr gelten lassen; es gaͤbe vielmehr gar nichts mehr, was bei der gegenwaͤrtigen Lage des Landes, das Bestehen einer in ihren Grundsaͤtzen uneinigen Verwaltung ferner nothwen⸗ dig mache (hoͤrt!). Zu einer Zelt, da Jedermann seine Ge⸗ sinnungen eutschieden kund thue, sey es auch dem Lande un⸗ moͤglich, auf demselben Punkte immer stehen zu bleiben und niemals zu einer Entscheidung zu kommen, niemals in Be⸗ treff jener Frage, so wie derer, die damit verbunden sind, eine offene Meinung von sich zu geben. Er, als Protestant, halte es fuͤr die Sicherheit der protestantischen Verfassung durchaus nothwendig, daß die Regierung ihren bisherigen Grund⸗ satz der Neutralitaͤt aufgebe (hoͤrt!). Besonders Irland war

2 4 2 882 5* 14 die Theilung in Betreff der katholischen Frage immer sehr nach⸗ theilig; durch das, was vorgegangen, sey es erwiesen, wie schaͤd⸗ lich diese Uneinigkeit auf die Mitglieder des geheimen Raths fuͤr Irland immer influirt habe. Die Vice⸗Koͤnige, welche wäh⸗ rend der letzten 10 Jahre nach jenem Lande geschickt wor⸗ den, sind daher von sehr ungleichen Gesinnungen gewesen; man habe bald einen Lord⸗Lieutenant gesehen, der den Be⸗ willigungen fuͤr die Katholiken guͤnstig, und bald wieder einen, der ihnen in hohem Grade unguͤnstig war; wiederum habe es Irlaͤndische Administrationen gegeben, wo der Lord⸗Lieu⸗ tenant und drr erste Secretair in ihren Meinungen ganz uͤber⸗ einstimmten, aber doch unter Leitung des Cabinets, wie es hier bestand, uneins verfahren mußten; oͤfter aber noch waͤren diese beiden Beamten uͤber die wesentlichsten Punkte mit einander im Streite gewesen (hoͤrt!). Wenn daher zu⸗ gegeben werden muͤsse, daß die Sachen nicht so bleiben koͤn⸗ nen, wie sie sind, und daß eine Trennung im Conseil vermie⸗ den werden muͤsse, so gebuͤhrt es der Legislatur, leidenschaft⸗ los zu erwaͤgen, was zur Abhuͤlfe gethan werden kann. Zuerst aber moͤge sie untersuchen, ob wohl ein Minister, der den Wunsch hegt, die bestehende Kirche zu schuͤützen, und die Angelegenheiten des Landes erfolgreich zu leiten, jetzt noch eine Verwaltung, auf den Grundsatz eines fortwaͤhrenden Widerstandes gegen alle katholischen Anspruͤche, bilden koͤnne? Wenn dann erklaͤrt wuͤrde, daß in einigen besonde⸗ ren Momenten Gruͤnde vorhanden waͤren, die Verweige⸗ rung von Zugestaͤndnissen beizubehalten, so werde dadurch auch zugegeben, daß sobald diese Gruͤnde nur beseitigt wor⸗ den, man auch die Verwilligung nicht ferner vorenthalten duͤrfe (hoͤrt!). Schon in der letzten Parlaments⸗Session ist ein Beschluß zu Gunsten der Zugestaͤndnisse, oder mindestens zur Erwaͤgung derselben, von 250 Stimmen dieses Hauses gutgeheißen worden; dies thut eine große Majoritaͤt zu Gun⸗ sten derselben dar. Wenn außerdem erwogen wird, daß be⸗ reits fruͤhere Majoritaͤten zu Gunsten dieses Gegenstan⸗ des sich gezeigt haben, so erscheint es allerdings unrathsam, noch laͤnger beim Widerstande beharren zu wollen, wenn man nicht bedeutende Mißverstaͤndnisse zwischen den beide Zweigen der Legislatur erzeugen will. Wenigstens haben in den letzten 20 Jahren, von fuͤnf neuerwaͤhlten Parlaments⸗ Haͤusern, vier zu Gunsten der katholischen Frage, sich er⸗ klaͤrt; aber in dieser langen Periode hat zwischen den beiden Zweigen der Legislatur eine Differenz statt gefunden, welche nicht allein der Verwaltung schaͤdlich war und auf ihre Ge⸗ schaͤfte stoͤrend einwirkte, sondern auch das Meiste dazu beia trug, daß die Feindseligkeiten und der Factionsgeist in Ir⸗ land genaͤhrt wurden, und daß die Macht der Katholiken zunahm, waͤhrend die der Protestanten sich stets schwaͤchte (hoͤrt, hoͤrt! bei welchem Ausruf sich besonders Hr. Hume bemerklich machte). Alles dies zusammengenommen laͤßt der Regierung keine Wahl mehr und beide Parlaments⸗ haͤuser muͤssen jetzt den Gegenstand von einer Seite auffassen, die zur endlichen Ausgleichung fuͤhrt (lauter Beifall). Auf die, von einem seiner geehrten Freunde hier aufgeworfene Frage, wegen der von den Ministern einzu⸗ bringenden Maaßregel, erklaͤre er, daß es wie es auch aus der Thron⸗Rede hervorgehe, zuerst die Absicht der Regierung sey, die Irlaͤndische Association zu unterdruͤcken, die einen so ungemein schaͤdlichen Einfluß auf das Land äußere. Ehe dies nicht geschehen sey, werde man dem Hause die Frage, wegen der zu bewilligenden Zugeständnisse wohl nicht vorle⸗ gen (hoͤrt). Ueber die Art und Weise, wie die letztere Frage eingebracht werden soll (ob durch einen Ausschuß, oder sogleich durch eine Bill) gab der Minister eine aͤhnliche Erklaͤrung, wie sie der Herzog von Wellington im Oberhause

f die F Herz auf die Frage des Herzogs von Newcastle gegeben. Nach⸗ dem nun Herr ben noch erklaͤrt hatte, daß er sich fuͤr jetzt auf die geforderten Details der Maaßregel nicht einlassen koͤnne, daß dieselbe aber keinesweges ein bloßes Abkommen mit einer Parthei, das Resultat einer Unterhandlung mit einer auswaͤrtigen Macht seyn werde, versicherte er noch, daß er das⸗ jenige, was bei der Wahl in ⸗der Grafschaft Clare vorgegan⸗ gen sey, ein beklagenswerthes Ereigniß nennen muͤsse, daß er aber uͤberzeugt waͤre, es seyen in diesem Augenblicke we⸗ nigstens noch 23 Grafschaften in Irland bereit, dem Bei⸗ spiele von Clare zu folgen. Dies allein, sagte er, wuͤrde schon eine Dazwischenkunft der Legislatur nothwendig machen. Der Redner füͤhrte hierauf noch Mehreres zur Rechtser⸗ tigung seines eigenen Betragens an und las unter Anderm einen Brief vor, den

erzog von Wellington uͤber die Schwierigkeit der neuen Maaßregel geschrieben hat. Es heißt darin: „Bei einer po⸗