1829 / 98 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

3

schlicßen wolle. Die Minister, meinte er, haͤtten sich dabei lediglich von dem Einflusse einer gewissen Parthei, die uͤberall nur Gefahren erblicke und das Land verlaͤumde, leiten lassen; sie haͤtten weniger den wahren Gesinnungen des Volkes, das in sei⸗ nen Opfern, wie in seiner Ergebenheit kein Maaß kenne, als den erkuͤnstelten Wehklagen von Maͤnnern, die der Anblick der Befesti⸗ gung des Thrones durch die Verfassung, und der . durch den Thron beleidige, ein Ohr geliehen; 2— n, nern, die nichts als undankbare Freunde des Koͤnigthums waͤren, indem sie das, was sie von demselben an Wohlcha⸗ ten empfingen, ihm nur durch die Erweckung von Besorgnissen aller Art entgelteten. „Ich frage“, fuͤgte der Redner hinzu,

den Minister, der uns den Gesetz⸗Entwurf vorgelegt hat, selbst, wie er nach der Ruͤckkehr von den oͤstlichen Provin⸗ zen, wohin er den Monarchen zu begleiten die Ehre gehabt at, in ein Gesetz willigen konnte, welches die Gefuͤhle der Füegaan in Zweifel zieht? wie, nachdem er selbst gesehen, felbst gehoͤrt und Frankreich kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hatte, es ihm dennoch moͤglich war, mit eigener Hand die Grundzuͤge einer Verfassung zu entwersen, welche das Vertrauen der Nation so tief verletzt? Hat er die Folgen des Gesetzes wohl uͤberlegt? Er hat es nicht. Bei Allem, was uns theuer ist, m. H., beschwoͤre ich daher, sowohl Sie als die Mini⸗ ster, den Keim der Zwietracht, der durch den urspruͤnglichen Ent⸗ wurf in das Land geworfen werden soll, zu ersticken, uns vor kuͤnftigen Stuͤrmen zu bewahren und den Altar zu umfassen, den unsre Commission dem allgemeinen Frieden

errichtet hat. Was mich persoͤnlich betrifft, der ich Gelegen⸗

heit gehabt habe, in den Ergießungen des Vertrauens und der Freundschaft die Tugenden und die aufrichtige Er⸗ gebenheit der Wahlmänner fuͤr den Thron und die Versoß sung kennen zu lernen, so verweigere ich meine Stimme ei⸗ nem Entwurfe, der diese Waͤhler ungerechter Weise von der Ernennung der Raths⸗Mitglieder ausschließen will. Glleich⸗ wie ich aber den Plan des Ministeriums verwerfe, zolle ich dem der Commission meinen ganzen Beifall; der eine ist in meinen Augen nichts als ein Gegenstand des Mißtrauens und der Unordnung; der andere ein Pfand der Sicherheit und des ich nehme ihn mit voller Ueberzeugung an.“ Als Herr Etienne nach seinem Platze zuruͤcktehrte, empfing er die Gluͤckwuͤnsche seiner zahlreichen Freunde von der linken Seite. Nachdem die Bewegung, die auf seine Rede folgte, sich einigermaaßen gelegt hatte, bestieg noch err Thouvenel, auch von der linken Seite, 88 R, ner⸗ 8☛ er mißbilligte das Gesetz in seiner urspruünglichen stalt und drang auf mannigfaltige Verbesserungen. „Wenn der Geist eines s,“ begann er, „noch wenig entwickelt ist, und die Sirten desselben noch erwas von ihrer urspruͤng⸗ lichen Rohheit bewahrt haben, so ist eine kräftige Verwal⸗ tung noͤthig, welche in den Haͤnden Weniger ruhen, und den widerspenstigen Willen der Vielen zuͤgeln muß. Hat sich aber dieses Volk von seiner niedrigen Sens. erhoben, es an Kraft und Bildung zugenommen, so muß man auch von allen Beschränkungen befreien, und ihm einen Thei seiner Angelegenheiten zur eigenen Leitung anvertrauen. Die⸗ sem Grunds gemaͤß scheinen mir die der Kammer vorliegenden esetz⸗Entwuͤrse unserer Bildungsstufe so wenig als der Milde unserer Sitten und dem Umfan unserer Beduͤrfnisse zu entsprechen; sie ersetzen vielmehr die Gesell⸗ schaft um funfzig Jahre muraͤche Der Redner gi hierauf in eine nähere b ein den V 2 ,Aüne ausschl Kind des Senatsbeschlusses vom Jahre X. und des Gesehes 8 ahres VIII., und habe alle 8 vom Pluviose des I jeselb ehler seiner Erzeuger geerbt; es enthalte dieselbe Verachtung gegen die prodneirenden Klassen der Gesellschaft, dieselbe ring⸗ schaͤtzung gegen die Gelehrten, Kuünstler und die W f⸗ ten. Der ean wuͤnschte, unter die —2 fuͤr die Räcg⸗ auch die Geschwornen aufgenommen, und die Anza ecate. zu sehen. Auch trug er —ö die Benennung „Praͤfekt“ an welche sichbeklagenswe rinnerungen tnuͤpften, durch 8. ersetzen. Waͤhrend der 88 serzeit sepen viele Praͤfekte nur gewe⸗ sen, die stets bereit gezeigt haͤtten, Leid und Leben der Buͤrger den riesenhaften Pläͤnen des Alexanders der neueren it aufzuopfern. Unter der Restauration hatten sie die Maske, aber nicht ihren Charakter gewechselt, und sich un⸗ ter das Panier der Jesualten begeben. „Meine Herren“¹, gte der Redner hinzu, „ich wuͤnschte, daß diese Beamten gaftig aus den Rotaheln des Departements, das sie ver⸗ walten sollen, hlt wüͤrden, damit wir nicht fernerhe

8 laͤcherliche Schauspiel jenes fortwährenden Wechsels 2

Pparlaments⸗Verhandlungen.

Wahldaren auf die Hälfte säͤmmtlicher Wäh⸗

Praͤfekte haͤtten, die man wahrlich den Zugvoͤgeln vergleichen kann. „Unter den gegenwaͤrtigen politischen Verhaͤltnissen, fuhr er fort, sey es besonders nothwendig, daß Frank⸗ reich durch das engste Vuͤndniß zwischen der Regierung und den Buͤrgern seine Kraft erhoͤhe; es sey nothwen⸗ dig, daß eine freie Communal⸗Verfassung von einem Ende Frankreichs bis zum andern, in den Doͤrfern wie in den Staͤdten, herrsche. „Indem Sie, meine Herren“, schloß er, „Frankreich im Innern frei und gluͤcklich machen, verlei⸗ hen Sie ihm Kraft und Stolz nach außen hin. Ihre Com⸗ mittenten rechnen auf Sie; Sie werden die Erwartungen derselben nicht taͤuschen. Sollten Sie indessen, gegen meine Voraussetzung, den Gesetz⸗Entwurf nicht verbessern, so werde ich ihn verwerfen.“ „Tritt denn Niemand“, so ragte nach Beendigung dieser Rede, eine Stimme zur rechten eite, „zur Vertheidigung des Entwurfes der Minister auf? Die —2ö; wurde um 5 ¾ Uhr aufgehoben. Fuͤr den fol⸗ genden Tag waren die ersten eingeschriebenen Redner die Herren Devaur, von Sallaberri, Cunin⸗Gridaine, Marchal, Gouve de Nuncques, Petou u. A.

Paris, 1. April. Am 29sten v. M. war Assemblee und Spiel in den Gemaͤchern des Koͤnigs. Se. Majestaäͤt erschienen um 9 Uhr, unterhielten sich bis 10 Uhr mit Ihren Gaͤsten und setzten Sich demnaͤchst an den Whist⸗Disch mit dem Markgrafen von Baden, dem Neapolitanischen und dem Oesterreichischen Botschafter. Um 11 Uhr verließen Hoͤchstdieselben die Gesellschaft.

Vorgestern hielt der Dauphin einen Kriegsrath, welcher 5 ½ Stunde dauerte.

Die Herzogin von Berry ist vorgestern auf einige Tage nach ihrem Schlosse Rosny abgereist.

Das Bezirks⸗Wahl⸗Collegium zu Réthel (Departement der Ardennen) hat, an die Stelle des verstorbenen Herrn Lefébvre⸗Gineau, den constitutionnellen Candidaten General Clausel mit 106 unter 193 Stimmen, und das Departe⸗ ments⸗Wahl⸗Collegium zu Mont de Marsan (Departement der Heiden) an die Stelle des verstorbenen Barons von Cauna den ehemaligen Deputirten Baron Poyféré de Cdre 28 8 unter 97 Stimmen zu Mitgliedern der Kammer ge⸗ wäaäͤhlt.

Die Commission fuͤr das Budget hat Herrn Ganthier zum Praͤsidenten und den Vicomte von Cormenin zum Se⸗ cretair, die Commission fuͤr den Rechnungs⸗Abschluß von 1827 dem Grafen von la Bourdonnaye zum Praͤsiden⸗ ten, und den Grafen von Laborde zum Secretair, und die

Commission fuͤr die Zuschuͤsse fuͤr 1828 Herrn Allent zum Präsidenten und den Varon Lepelletier d'Aulnap zum Se⸗

cretair ernannt.

Aus Toulon wird unterm 25. Maͤrz gemeldet, daß daselbst die Corvette „Victorieuse“ aus Navarin mit De⸗ peschen an die Regierung und Privat⸗Briefen eingelaufen ist; in letzteren wird eines Duells erwaͤhnt, das zwischen dem Obersten Fabvier und dem Griechischen General Per⸗ diccas statt gefunden habe, und worin Letzterer an der Brust leicht verwundet worden sey.

Das Italiänische Theater ist gestern mit der Vorstellung des „Tancred“ auf ein halbes Jahr geschlossen worden; mor⸗ gen soll jedoch noch eine außerordentliche Vorstellung (die Elster) zum Benesiz der Mad. Malibran statt inden.

Großbritanien und Irland. (gestern waͤhnten) wichtigen Sitzung des Unterhauses am 30. vnnh (achträgt chen Vericht uͤber die Sitzung vom 27. März muͤssen wir uns noch vorbehalten) können wir folgen⸗ des Ausfuührlichere mittheilen: Nachdem wehrere in der ka⸗ tholischen Sache eingegangene Bittschriften beseitigt worden und ohne viele Discussionen eine Ausgabe von 19,899 Pfd fͤr das Britische Museum bewilligt war, tru⸗ Herr Peel auf die dritte Lesung der katholischen Concesstons⸗Bill an Der Marquis v. Chandos war es zunäͤchst, welcher sich dagegen erhob und das Amendement machte, die dritte L sung auf sechs Monate hinaus zu verschieben Di Gra 8 sagte er, welche man fuͤr die Maaßregel dargel ie Grunde, ehen so unzureichend erschiene gel dargelegt, seyen ihm sehr ehrenwerthe Herr (4 b als diejenigen, welche der ments⸗Mit li Oeeh) nebst vielen anderen Parla⸗ Licgliedern fuͤr den plötzlichen Wechsel ihrer feü ganz entgegengesetzten Gefe sel ihrer fruͤher den gol gesetzten Gesinnungen vorgebracht. Er sehe 8 sen der Maaßregel mit der groͤtten Unruhe enkge⸗ gen, hoffe inzwischen, daß, wenn die Büll durchgehe, die Ka⸗ tholiken das, was man ihnen bewillige, mer Daznt aufuch⸗ men und ihre neuen Rechte so gebrauchen werden, haß thes protestantischen Mübuͤrger keinen Grund zum Meißervatzen

81 3 8

I1n1n

7

. 8 18

ivz. 7 *9 87 8

] n 8 2

4 3 E

*

*

8.

8 8 7 5

1 s e

88

6

w

8. 8

9 83 1.“

2

5