*½ 24 einigten Centris? Hier wuͤrde sie vielleicht seyn, wenn die beiden Centra sich vereinigen wollten. Aber was geschieht?. Bei der Eroͤffnung einer Sitzung stimmt ein Drittheil des rechten Centrums mit dem linken und mit der linken Seite; gegen das Ende derselben aber, wenn es 5 Uhr wird, stimmt wieder, ohne Zweifel aus bloßer Gegenhoͤflichkeit, ein Drit⸗ theil des linken Centrums mit dem rechten und mit der reechten Seite. Ein Wagehals wuͤrde der seyn, der nach der heutigen Abstimmung die morgende vorhersagen wollte. Zwei Stimmen mehr auf der einen oder auf der andern Seite find heut zu Tage hinreichend, um uͤber das Loos des bluͤhendsten Reiches von Europa zu entscheiden. Diese große Veraͤnderlichkeit hat dem Lande schon manchen Schaden zußefage⸗ und wird ihm taͤglich noch mehr zu⸗ * 8 fügen; sie allein ist Schuld an jener Schlaffheit der innern Verwaltung und an jener Schwaͤche nach außen, welche sich bei jeder Gelegenheit bemerklich machen. Was ist aber der Grund, daß die Kammer keine Majorität hat? Kein ande⸗ rer, als daß diese Kammer bei den letzten Wahlen aus den „heterogensten Elementen die es nur giebt, zusammengesetzt worden sst. Der Augenblick ist daher gekommen, die Stimme des Landes Alle wahren Vaterlandsfreunde moö⸗ die Aufloͤsung der Kammer zu ver⸗ ruͤckt heran, und sobald
aaufs Neue zu befragen. gen sich vereinigen, um langen. Der Schluß der Sitzung sdeas Budget bewilligt ist, steht nichts mehr einer solchen Maaßregel entgegen. Wo anders soll der Koͤnig seine Mi⸗ Sas nister, wo anders sollen diese ihre Stutze suchen, als in der 5 Maorität der Kammern? Und wenn es nun an einer sol⸗ chen Majoritaͤt fehlt, muß da nicht der unentschiedenste Cha⸗ rakter, der unfaͤhigste Kopf, dem Lande der willkommenste seyn? Ist es aber wohl recht, daß ein Staat wie Frankreich auf solche Weise regiert wird? Die Aufloͤsung der Deputirten⸗Kammer scheint uns sonach hoͤchst noͤthig. Wir lassen gewiß Jedem Gerechtigkeit widerfahren, und verkennen keinesweges die Talente und den Patriotismus einer großen Anzahl unserer Deputirten. Ihr einziges Ungluͤck ist, daß sie sich, wenn auch nicht immer, doch zu oft, in der Minoritaͤt befinden. Sie sollen die Majoritat bilden; dies ist das Einzige, was wir verlangen. Ohne diese Mazoritaͤt ist keine gute Regie⸗ rung denkbar; das einzige Mittel, dieselbe zu erlangen, ist eeine neue freie Deputirten⸗Wahl. Die Umstände gestatten kein langes Zoͤgern. Noch kurze Zeit, und wir koͤnnten uns leicht ohne Minister und ohne Kammern befinden. Gluͤck⸗ licherweise wacht der Koͤnig uͤber Frankreichs Schicksal; er ist eben so Richter der Kammern, als die Kammern Richter der Minister sind. Zu den Fuͤßen des Thrones legen wir 8 daher auch mit Ehrfurcht und Vertrauen den Ausdruck un⸗ serer allzugerechten Besorgnisse nieder.“
Auch Herr B. Constant hält im Courrier frangais dafuͤr, daß die Zusammensetzung einer neuen Kammer das einzige Mittel sey, der selrsamen Lage, worin das Ministe⸗ rium, die Kammer und ganz Frankreich sich befinde, ein Ende zu machen; die Minister wuͤrden dann erfahren, wo die Majoritaͤt sich eigentlich befindet; die Kammer wuͤrde enndlich wissen, woran sie ist, und die Nation wuͤrde sich aufs Neue der ü hingeben koͤnnen.
Der Courrier frangais bemerkt, die Ernennung des Herzogs von Laval⸗Montmorency sey noch immer Jeder⸗ mmann so unerklärlich, daß man sich in Vermuthungen er⸗ sscchoͤpfe, um den Schluͤssel des Räͤthsels zu finden. — Das Journal du Commerce aͤußert: „Das Ministerium, ohnehin schon schwach durch den schwankenden Charakter und die Meinungs⸗Verschiedenheit seiner Mitglieder, hat sei⸗ nen Sturz dadurch beschleunigt, daß es sich einen Mann zu⸗ . Fehe⸗ von dem keine Parthei etwas zu fuͤrchten noch a
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n hat; — einen Minister, der als Privatmann
ung verdient, der aber auch nicht einmal der Rolle eines Vermittlers gewachsen ist, wodurch sich einst der Herzog von Richelieu eine so sonderbare Veruͤhmtheit erwarb.“
Der et des Chambres halt dagegen dem Ministerium eine Lobrede, und tadelt die öffentlichen Bläͤtter, daß sie seit Kurzem eine so heftige Opposition das⸗ selbe bilden, da sich doch in dem Systeme der Verwaltu nicht das Mindeste geändert habe. „Seyd gerecht,“ ru der Messager den Journalen am Schlusse seines Aufsatzes zu, „wenn Ihr auf die Nation, die aufgeklaͤrt genug ist, um Euch zu durchschauen, einigen Einsiuß auguühen wollet. Eure Angriffe gegen das Ministerium werden Glauben fin⸗ den, sobald sie auf gegruͤndeten Beschwerden beruhen. Aber jener immerwaͤhrende bittre Tadel, jene nichtssagenden De⸗ clamationen, jene grundlosen Besorgnisse, die Ihr zu erregen ö —2 der Menge nicht lange rre ren, un ich den Je⸗ dem sein Recht widerfahren läßt.“ ö29
Eben dieses Blatt hatte — behauptet, daß dem Votum der Deputirten, um voͤllig unabhaͤngig zu seyn, keine Oeffentlichkeit gegeben werden muͤsse. Ein anderes Blatt hatte sich dagegen, mit dem Bemerken, daß, wenn es sich um Pflicht und Gewissen handele, jede Geheimhaltung ver⸗ daͤchtig sey, auf das Beispiel Englands berufen, wo die oͤffentlichen Blaͤtter nicht nur die Namen einzelner Votirender, sondern die ganze Liste der Mitglieder, die in diesem oder jenem Sinne gestimmt, ekannt machten. Hierauf antwortet jetzt der Messager: „Einmal, so wird in Frankreich das Repraͤsentativ⸗System nicht so ver⸗ standen, wie in England; die Verschiedenheit der politischen Sitten beider Voͤlker hat vielmehr auch bei beiden andere Verschiedenheiten in den Formen und Bedingungen der Re⸗ zierung zur Folge. Ohne Zweifel ist eine Nation der Frei⸗ heit wuͤrdiger, wenn alle Meinungen der Oeffentlichkeit troz⸗ zen und laut eingestanden werden koͤnnen; aber es bedar dazu langer Jahre. Eine zweite Bemerkung, die wir indes⸗ sen unseren Gegnern machen muͤssen, ist die, daß sie bei ih⸗ rer Behauptung mit sich selbst in den grellsten Widerspruch n Was verlangen sie denn bei dem Wahl⸗Geschaͤfte? Die Geheimhaltung des Votums. Wie viele Beschwerden sind nicht schon daruͤber gefuͤhrt worden, daß man das Ge⸗ wissen der Waͤhler zu erspaͤhen und die Stimmzettel zu con⸗ trolliren suche. Und doch wird jene Geheimhaltung jetzt wieder als verdaͤchtig bezeichnet. Mißt man denn mit zweier⸗ lei Maaßen? Sobald die Oeffentlichkeit einer Abstimmung in der Kammer fuͤr noͤthig erachtet wird, muß sie es * bei dem Wahlgeschaͤfte werden, wie denn auch in Englan bei den Wahl⸗Versammlungen, gleichwie im Parlamente, die gröͤßte Oeffentlichkeit herrscht. Will man sich doch einmal auf dieses Land berufen, so muß man es auch hinsichtlich aller Formen seiner Verfassung. Gestehen wir aber lieber, daß unsere verfassungsmäßigen Sitten sich noch nicht zu sol⸗ cher Hoͤhe wie bei unsern Nachbaren erhoben haben, und daß die Geheimhaltung des Votums fuͤr uns noch eine Noth⸗ wendigkeit ist.“
Paris, 29. April. Die Deputirten⸗Kammer hat (wie wir aus den uns so eben durch außerordentliche Gelegenheit zugegangenen Pariser Blaͤttern vom 28. und 29. ersehen) in ihrer vorgestrigen Sitzung den Geseh⸗Entwurf wegen der Umschmelzung der alten Gold, und Silbermuünzen nach einer unerheblichen Discussion fast einstimmig (mit 264 gegen 8 Stimmen) angenommen. Zu Anfang der Sitzung stattete der Baron Lepelletier d-Aulnay den Commissions Be⸗ richt üͤber den Gesetz⸗Entwurf wegen der auf das Etats⸗Jahr . 1828 nachtraͤglich verlangten außerordentlichen Zuschuͤsse ab. Die Ausgaben sind im gedachten Jahre um 71,389,000 Fr. uͤberschritten worden, wovon uͤber 50 Millionen auf das Kriegs, und das See⸗Ministerium kommen. Der Bericht⸗ erstatter gab den Wunsch zu erkennen, daß die Minister sich n „2* in den Graͤnzen ihrer Etats halten möͤchten, da es onst uͤberhaupt unnuͤtz 8 wuͤrde, der Kammer hinfuͤhro noch 8 Budget vorzulegen. (Morgen ein Mehreres uͤber diese
itzung.)
Der Messager meint, als Antwort auf den — Artikel des Journal des Débats, daß es keinem vernuͤnfti⸗ en Menschen nur in den Sinn kommen koͤnne, die Aufloͤsung der Deputirten⸗Kammer zu verlangen. 1**
Der Herzog von Avaray, das Alteste Mitglied der Pairs⸗
bei Tours in sei⸗
Kammer, ist küͤrzlich auf seinem Schlosse nem Sosten Lebensjahre mit Tode abgegangen. Der Marschall Maison wird, wie man vernimmt, der Fregatte „Dido“ nach Frankreich zurüͤckkehren. . Der Marquis von Rezende, Brasilianischer Gesandter am hiesigen Hofe, ist vor einigen Tagen hier eingetroffen. Großzbritanien und Irland. London, 25. April. Vei dem großen Mittags⸗Mahle welches hier am 22sten zu einer Jahres⸗ Feier des St. Pe tricks⸗ (Irländischen) Frauen⸗Hospitals und der damit der⸗ bundenen Armen⸗Schuls gegeben wurde, der Her⸗ r
zog von Sussex. Anwesend waren mehr als 300 Perso⸗ nen, worunter sich mehrere katholische Lords und 8 %
O'’ Connell befanden. Gefundheit des Koͤnigs und des Herzogs von Clarence Von dem Letzteren sagte er, daß seine im Oberhause
tene Rede zu der guͤnstigen kenee der Emancipationt⸗
Der Herzog von Susser brachte aus.
Bill hauptsächlich viel beigetragen habe. Lord Stourton (ein katholischer Pair), der die Gesundheit Sr. F. Hehng des Herzogs von Susser ausbrachte, dankte dem elben, Namen der Katholiken, fuͤr die von ihm der atholischen Sache zu allen Zeiten bewiesene einflußreiche Tbellnaba. Der Herzog von Susser brachte alsdann, unter dem
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