1829 / 165 p. 7 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Rechte auf den Thron Portugals habe. Dieser seynsollende Beweis ist aber nichts als eine Sophisterei, und man braucht nur die im Anfang gegenwaͤrtiger Schrift citirten Stellen der Brasilianischen Charte nachzulesen, um sich davon zu uͤberzeugen, daß D. Maria da Gloria eine wahre Brasilia⸗ nerin geworden, und also keine Portugiesin seyn kann. Sie ist uͤberdies wahrscheinlich Thron⸗Erbin von Brastlien, und dieser Umstand allein wuͤrde hinreichend seyn, um sie 98 hig zu machen, durch eigenes Recht den Portugiesischen Thron

z igen.“ 5 8 bestager sagt die Faction und alle diejenigen, welche sich von ihren falschen Argumenten haben taͤuschen lassen, König Johann VI. erklärt in seinem Decret vom 6. Mai 1826 D. Pedro fuͤr den Erben der Krone. Zuerst ist gegen r Anfuͤhrung einzuwenden, daß sie nicht genau ist. er Se⸗ nig sagt in der That in dem genannten Deeret, daß die derg angeordneten Maaßregeln als Richtschnur dienen sollten, 2 daß der rechtmaͤßige Erbe der Krone seine eigenen S⸗ in dieser Hinsicht ertheilen koͤnne;“ aber es 82 8 hin⸗ zugefuͤgt, ob D. Pedro oder D. Misuel dieser Er⸗ In Ansehung der Absichten und Handlungen D. Mi⸗ 's wird, Seite 15, gesagt: D. Miquel' 5 5,Eine andere Anklage der, Dincnach ses feindlichen Parthei ist, daß de eafthig D. Pedro's Con⸗ meineidig geworden, indem er uͤber den Haufen ge⸗ stitution beschworen, und sie eg EEE55 bonfen habe. Der allgemeine Begriff des Meineides, als 8 Berletzung eines foͤrmlichen und gesetzmaͤßigen Eides, kann jin dieser Beziehung auf D. Miguel gar nicht angewandt Miguel, welcher die Stelle eines Groß⸗Conne⸗ tables des Koͤnigreichs bei der Kroͤnung seines Vaters ver⸗ sah, leistete damats den vorgeschriebenen Eid, nach den Grundgesetzen der Portugiestschen Monarchie, welche er dabei gleichfals beschwor Gesetze, welche, wie schon gesagt, jeden Koͤnig von Portugal verpflichten, bevor ihm gehuldigt wird, vor den versammelten drei Staͤnden des Reichs sich zu ver⸗ binden, ihnen die Rechte und Privilegien, welche seine Vor⸗

aahren ihnen verliehen, zu erhalten.“ 3 „Nachdem D. Miguel diesen Eid geleistet, ward er ge⸗ noͤthigt, in Rio de Janeiro einen andern zu unterschreiben, wg wodurch er sich verpflichten mußte, den Grundsaͤtzen der Con⸗ 1 stitution, welche die Demagogen im Jahre 1820 Portugal u geben im Bexgriff standen, sich zu unterwerfen; bei seiner nkunft in Lissabon ward ihm ein neuer Eid zugeschöoben, durch welchen er der unterdeß vollendeten und publicirten Constitution Gehorsam gelobte. Nach diesem Wechsel von Eiden ward er aufgefordert, D. Pedro's Charte zu beschwoͤ⸗ 8 ren, und er leistete den desfallsigen Eid zuerst in Wien und darauf bei seiner Ankunft in Lissabon. Es fragt sich nun, wel⸗ cher unter diesem Labyrinth von widersprechenden Eiden als der bindende und gesetzmaͤßige zu betrachten ist. Um diese Eigenschaft zu haben, ist es noͤthig, Zwang sey, und 38 Furcht vor 8 —BVerweigerung einfloͤße; um gesetzmaͤßig zu se üed Eid nicht im Widerspruche mit den 2 narchie stehen, und es muß den Gegenstand, den er um⸗ faßt, in Uebereinstimmunz mit den allgemeinen Wuͤn⸗ sschen der Majorität der Nation und nicht gegen beste⸗ hende Staats⸗Einrichtungen gerichtet seyn. Keine dieser von den Gesetzen erheischten Bedingungen finden sich in den verschiedenen, oben aufgezaͤhlten Eiden, ausgenommen hiihnn dem ersten, welchen D. Miguel bei der Kroͤnung seines Vaters leistete: ein Eid, den ihm seine Pflichten 312 Sohn unnd als Unterthan vorschrieben; ein Eid, der bestimmt 8. . Thronfolge zu sichern; ein Eid, welcher sich in Ueberein⸗ stimmung mit den alten und ehrwuͤrdigen Gesetzen des Reichs befand, und der um desto fretwilliger und gesetzmaͤßiger er⸗ scheint, als er zum Schutz fuͤr seine eigenen moͤglichen Recht⸗ laauf den Thron diente.“ 8 „Keine dieser Eigenschaften finden sich den, die D. Miguel gezwungen ward, den revolutionairen Cortes von 1820 zu leisten. Sie waren nicht freiwillig; denn wenn zu jener Zeit der Infant sich geweigert doͤtte” sie zu unterzeichnen, so wuͤrde er sich denselben Verfolgungen und demselben Schicksal ausgesetzt haben, welches seine eigene Mutter, die Koͤnigin, der Patriarch, der Bischof von Villa Vicosa und Andere erlitten. Diese Eide waren gesetzwidrig, weil sie zum Zweck hatten, die Grundverfassung des Reichs umzustuͤrzen, und uͤberdies den Wuͤnschen der Majoritaͤt der ation zuwider waren, wie sich leicht daraus abnehmen laͤßt, daß der Koͤnig spaͤterhin in sein volles Recht mit Frohlocken

len Folgen im Fall der

in den beiden Ei⸗

und Gepränge wieder eingesetzt ward, und die falschen Cor⸗ LE““

daß der Eid frei, ohne⸗

tes in einem Moment sich gezwungen sahen, aus einander zu laufen.“ Ferner heißt es S. 23: 3 „D. Miguel kann nicht mit einem Anschein des Rechts beschuldigt werden, die vorher uͤberlegte Absicht gehabt⸗ zu 84 haben, dasjenige zu thun, was die Umstaͤnde ihn bei seiner Ankunft in Lissabon zu thun nothigten. Kein Beweis da⸗ fuͤr kann vorgebracht werden. In derselben Art, wie die alliirten Souveraine in Hinsicht auf den wahren Zustand der Dinge in Portugal getaͤuscht worden waren, war er es auch selbst. Nur bei seiner Ankunft in Lissabon lernte er die Ausdehnung der royalistischen oder wahren National⸗ Parthei kennen, welche laut verlangte, daß die Grundgesetze des Reichs in Kraft treten sollten, und daß denselben und dem Rechte gemaͤß, der Prinz den Thron Portugals be⸗ eigen moͤchte.“ 2 8 sh 9,3n Betreff der Interessen Portugals und der uͤbrigen Europaͤischen. Maͤchte aͤußert sich die oben gedachte Schrift S. 37 folgendermaaßen: „Das Interesse Portugals fordert dringend die Anerkennung der verfassungsmäaͤßig von den wah⸗ ren Organen der Nation fuͤr legitim erklaͤrten Rechte D. Miguel's auf den Thron, da jede Zoͤgerung die revolutionaire Faction, welcher die Namen D. Pedro's und D. Maria da Gloria's nur zum Vorwand dienen, aufmuntern wuͤrde, neue Plane zu schmieden, welche die Regierung nicht laͤnger ohne strenge Ahndung lassen koͤnnte. Diese geschaͤrfte Strenge, welche die Umtriebe der Revolutionaire erheischen wird, kann nur den Ruin vieler Familien nach sich ziehen, und dadurch das Land in einen Zustand dauernder Unruhe und Besorg⸗ 8 niß versetzen. Diese Zoͤgerung verhindert auch den Koͤnig, 88 gegen seine Feinde diejenige Großmuth und Milde zu zeigen, 8 welche sein eigenes Gefuͤhl oder Staats⸗Klugheit ihm einge⸗ ben koͤnnte, in soweit als sie mit der Gerechtigkeit und Si⸗ -. cherheit des Staats sich vereinigen ließe.“ S. 39: „Das Interesse der Europaͤischen Maͤchte fordert dringend, daß die Portugiesische Regierung sich consolidiren und Wurzel fassen 8 moͤge, damit endlich die Ruhe im Lande zuruͤckkehre. Wenn die in Portugal herrschende Anarchie und Verwirrung zu fer⸗ neren revolutionairen Bewegungen Veranlassung waͤre, so wuͤrden unbezweifelt bald alle miedergeschlagene Freunde und Genossen der Unruhestifter, die in Frankreich, Italien und Spanien zerstreut sind, ihr Haupt wieder erheben, und wahrscheinlicher Weise unberechenbare Unordnungen durch ganz Europa anstiften.“ Ferner Seite 42: „Die Handels⸗Juteressen Portugals und der verschiedenen, mit Portugal in Verbindung stehenden Maͤchte leiden eben⸗ falls bedeutend, so lange die Anerkennung der legitimen Rechte D. Miguel's I. verzoͤgert wird. Das Juteresse die⸗ ser Maͤchte erfordert auch, daß D. Miguel's Thron sich .

moͤglichst consolidire, welches nur dadurch geschehen kann, daß D. Miguel sobald als moͤglich die Erbfolge sichere, woran ihn auch die drei Staͤnde erinnert haben. Sollte D. Mi:-: guel ohne Nachfolge sterben, so wuͤrde Portugal von Neuem von Praͤtendenten und Partheien zerrissen, und die alliirten— Maͤchte durch diese neuen Schwierigkeiten in Verlegenheit ge-x.,. setzt werden: nicht allein wuͤrde die revolutionaire Parthei von Neuem ihr Haupt erheben, sondern auch andere Bewer⸗ ber um den Thron sich Partheien verschaffen; denn es giebt Glieder der Familie von Braganza, die eben so viel, wo nicht mehr Recht auf den Thron haben, als D. Maria da Gloria. Und welche Opfer wuͤrde D. Maria da Gloria nicht bringen muͤssen, um eine schwankende Krone zu erla-ak— gen! Ohne die Schwierlgkeiten, die Besorgnisse, die Gefea- ren, denen sie ausgesetzt seyn wuͤrde, wenn sie auf ihren Ana-«. spruͤchen beharrte, zu berechnen, wuͤrde sie auch fuͤr den Fal des Todes ihres Bruders ihre Rechte auf den Brasiliani⸗ schen Thron verlieren Rechte, welche besser begruͤndet und

guͤltiger sind, als ihre auf nichts gestuͤtzten Anspruͤche auf den Portugiesischen Thron. Das Kaiserreich Brasilien er-. heischt, um sich ferner zu consolidiren, daß die Kaiserliche Familie sich sobald als moͤglich durch Verbindung ihrer ver⸗ schiedenen Glieder mit den maͤchtigsten regierenden Fuͤrsten⸗ haͤusern Europa's vermehre. Und hiezu wuͤrde es dem In-⸗ teresse der jungen Fuͤrstin, des Kaisers, ihres Vaters, und Brasiliens ersprießlich seyn, daß sie England verließe, und sich der natuͤrlichen Fuͤrsorge ihres erhabenen Großvaters anvertrante’, damit ihre Erziehung vollendet werde, und sie die Ausbil-⸗— dung erlange, welche ihrem hohen Range geziemt. Seine— Majestaͤt der Kaiser von Oesterreich ist der maͤchtigste und— guͤtige Fuͤrst, welcher am besten das Schicksal seiner erhabe⸗ nen Enkelin leiten kann.“ „Es liegt im Interesse saͤmmtlicher alliirten Maͤchte, daßs das monarchische Princip in Brasilien sich mehr und merr

ö.