1829 / 168 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Großbritanien und Irland. ondon, 13. Juni. Der Herzog von Cumberland be⸗ ehrte am Mittwoch ein großes Diner, das Graf von Fal⸗ mouth veranstaltet hatte, und wozu die auserlesenste Gesell⸗ schaft sich zusammenfand.

„Das schon fruͤher verbreitete Geruͤcht,“ heißt es in einem hiesigen Morgenblatt, „daß Se. Majestaͤt den Ober⸗ befehl uͤber die Armee dem Herzoge von Cambridge anzuver⸗ trauen wuͤnschen, gewinnt immer mehr Festigkeit. Gewiß ist es, daß der Herzog bald in England seyn wird. Es ist ein Haus fuͤr ihn gemiethet worden, das jetzt zu seinem Em⸗ pfange vorbereitet wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man jedoch vor der Ankunft des Herzogs keinen entscheiden⸗ den Schritt in dieser Angelegenheit thun.“

Wiewohl der Courier bereits mehrere Male wider⸗ sprochen, behauptet die Morning⸗Chroniele doch noch immer, daß zwischen Herrn Peel und dem Lord⸗Kanzler ernst⸗ liche Differenzen obwalten. Ersterer hat bekanntlich die Bill des Letztern, zur Vereinfachung und Beschleunigung des Prozeß⸗Ganges im Kanzlei⸗Gerichtshofe, als sie zur Delibe⸗ ration ins kommen sollte, zuruͤckgenommen , oder vielmehr bis zur naͤchsten Session verschoben. Da nun der Lord⸗Kanzler im Oberhause ausdruͤcklich erklaͤrte, daß es noth⸗ wendig sey, die Bill sobald als moͤglich in ein Gesetz zu ver⸗ wandeln, so folgerte daraus die Morning⸗Chroniele eine Entzweiung der beiden Minister, und berichtet nun, daß die Bill ohne Vorwissen des Lord⸗Kanzlers verschoben wor⸗ den. Der Tourier erklaͤrt jedoch diese Angabe, so wie alles Anbere, was auf die Entzweiung der Minister sich bezieht,

eine Erfindung.

2 Dem Frembher zufolge soll Hr. Brougham durch den Herzog von Wellington aufgefordert worden seyn, in die Dienste der Regierung zu treten. Herr Brougham zeigte sch auch willig dazu, doch hat man noch keine Stelle auf⸗ * koͤnnen, die dem ehrenwerthen Herrn annehmlich er⸗ schien. Man wollte ihn Anfangs um Master of the rolls machen; da inzwischen Sir John Leach von seiner fruͤheren Krankheit wieder hergestellt wurde, so ist er auch nicht wil⸗ lens, sein Amt dem Hrn. Brougham abzutreten. Jetzt heißt es nun, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, daß der Lord⸗Kanz⸗ ler resigniren will, daß Sir James Scarlett sein Amt und dagegen Herr Brougham das eines General⸗Anwalds erhal⸗ ten wird. Unsere Justiz⸗Beamten wollen diesem Geruͤchte inzwischen noch keinen rechten Glauben schenken.

In der Versammlung, worin der Gemeinde⸗Rath von London beschloß, dem Verlangen des Oberhauses sich zu fuͤ⸗

sch sehr heftig gegen mehrere Lords aus. . ich s. Alderman W80d Lords eun sa. daß ihre Opposition wider die Bill in Bezug auf die neue London⸗Bruͤcke nur aus Eigennutz Hervongehe Denn da beide Lords, fuͤgte er hinzu, von ihren Besitzungen sehr viele Steinkohlen nach London senden, so fuͤrchteten sie durch den Zoll, den jene Bil auf diesen Artikel gestattet benachtheillgt zu werden, und dringen daher auch so dee, . die Rech⸗ nungs⸗Vorlegungen des Gemeinde⸗Raths. Lord Stourton, katholischer Pair, laͤßt jetzt durch die Zeitungen erklären, daß er sich bei der lelzten Versammlung der ritisch⸗katholischen Association deshalb der Votirung eines Dankes fuͤr Herrn O Tonnel widersetzte, weil er von dem Grundsatze ausging, daß die Katholiken von dem Mo⸗ mente an, da die Emancipations⸗Bill ertheilt war, aufhoͤren 2 vor dem Publikum in der Eigenschaft einer selbst⸗ Corporation zu erscheinen. Nicht mehr einen ab⸗ des sondern einen innig damit verbundenen Theil 8 8 . Ganzen bildeten jetzt die Katholiken; daher haͤt⸗ keine Adresse an den Thron erlassen, keine Dank⸗ hieit 8e . ihre parlamentarischen Freunde, und darum Dank an erd Srourton) es auch fuͤr angemessen, keinen Das Zerrn O' Connell zu votiren. Cge Teiche dr nrcd. den Ense and angaen ga- dischen eenen Armagh und auf eine Stimme bei Irlan⸗ seiner Ausüon. Wahlen ist bereits anerkannt, und bedarf zu In Dubluns noch weniger Förmlichkeiten. sammlung der 2— vor Kurzem eine sehr zahlreiche Ver, 5 tt, in welcher der dr buürgerlicher und religibser 19 atholischen Rente chluß gesaßt wurde, eine zur alten den Kosten der 88.2 vende Slaame von 5000 Pfund zu nur zwei Stimmen lehenden Wahl in Clare zu verwenden; Der Graf v. 8 sich gegen diesen Beschluß erhoben. überrricht, worin er auf 1on i, tem Köͤnige eine Bitrschrift Anspruch macht. den Titel eines ˖Herzogs von Lennor

8. üke Graf Capodistrias die Prösident⸗

1n111¹““]; 1“¹²“; * “]

8 und die begehrten Rechnungen vorzulegen, sprach man

schaft Griechenlands niederlegen will, macht der Courier die Bemerkung, daß es dem Grafen niemals Ernst damit gewesen sey, sein Leben in Griechenland zu beschließen; das Geruͤcht duͤrfte sich daher fruͤher oder spaͤter bestätigen. Gestern sind Depeschen von unserm Residenten zu Ae⸗ gina, Herrn Dawkins, datirt vom 22sten v. M., hier ein⸗ getroffen, ein denen die Capitulationen von Missolunghi, Anatoliko und Lepanto officiell gemeldet sind. Auch uͤber⸗ brachte der Staatsbote Contini Depeschen des Lord⸗Ober⸗ Commissairs vom 30sten v. M. General Church hatte den Befehl uͤber die Griechischen Truppen niederlegt und sich nach Aegina begeben, um sich mit dem Praͤsidenten uͤber die ihm anstoͤßige Ernennung des Grafen Augustin Capodistrias zu besprechen. * 8* 8 i be von Absendung zweier Linien⸗ iffe und eben so vieler Fregatten nach de it i Wepe z0 Rede. 5 .“ Der Globe enthaͤlt ein Schreiben, dessen Ve⸗ einen Freund Dom Pedro's nennt. Er 9 gen die Griechische Blokade einiger Häͤfen Griechenlands er⸗

lassene Proklamation des Lord⸗Ober⸗Commissairs der Joni⸗

schen Inseln, und stellt dann die Frage auf, ob es etwa ein Gesetz fuͤr die Griechische, und ein anderes Gesetz fuͤr Dom Miguel’'s Blokade gaͤbe? Der Briefsteller fuͤgt hinzu, daß er begierig sey, hieruͤber die Meinungen Lord Aberdeens und b een zu hoͤren. 9

Der Englische sogenannte Yacht⸗Club laͤßt jetzt die Kuͤ⸗ sten, Haͤfen und Anker⸗Plaͤtze des Mitreltanesioß 2.— untersuchen, ausmessen und aufnehmen. Es wird spaͤterhin ein Werk mit den Zeichnungen und uͤbrigen Resultaten die⸗ ses Unternehmens herausgegeben werden.

Der Verkauf der Hibbertschen Bibliothek (deren wir vor einiger Zeit erwaͤhnten) ward in diesen Tagen beendigt. Das Britische Museum kaufte eine Abschrift der Bibel von Lu⸗ thers eigener Hand, versehen mit seiner und der Unterschrift Melanchton’s, fuͤr 267 Pfd. 15 Shill. Die erste Lateini⸗ sche Bibel ging fuͤr 215 Pfd. weg; eine Polyglotten⸗Bibel von Pimenes fuͤr 500 Guineen. Der gesammte Verkauf brachte die Summe von 21,500 Pfd. ein.

Am 10ten Morgens sprang auf der Hounslow ⸗Heide eine Pulvermuͤhle in die Luft, wobei zwei Menschen das Le⸗ ben verloren.

Die Berichte aus den Fabrik⸗Orten lauten im Allgemeinen wieder besser. In Barusley haben sich Meister und Weber uͤber den Arbeitslohn vereinigt. In Glasgow zeigt sich im mehr Leben, und besonders beschaͤstizt ind die

eidenweber. Auch in Manchester ist die Ruhe wieder her⸗ gestellt und seit der letzten Woche zeigt sich bedeutende Frage nach Druck⸗ und anderen Kattunen, so wie nach gesponnenem Baumwollen⸗Garn. Nur die Tuchfabriken in Yorkshire be⸗ klagen sich uͤber den geringen Absatz, der durchaus in keinem Verhaltniß zu den Vorraͤthen steht.

Zum Benefiz der Demoiselle Sontag, das am 18. Juni 22 wird im Opernhause Mozarts „Zauberfloͤte“ von der Deutschen Truppe des Herrn Schuͤtz aufgefuͤhrt. Die Schwestern Henriette und Nina Sontag haben die Haupt⸗ Parthieen dabei uͤbernommen. Nach der Zauberfloͤte (die freilich nicht vollstaͤndig, sondern, der Ankuͤndigung zufolge, nach einer Auswahl gegeben wird) soll auch noch von der Italtenischen Opern Gesellschaft Rossini's „Tancred“ aufge⸗ fuͤhrt werden; Madame Malibran⸗Gareia und Demoiselle Sontag geben darin die Haupt⸗Rollen.

Auch die Deutsche Saͤngerin Madame Kraus⸗Wranitzky hat sich hier in einem Concerte, und zwar mit vielem Bei⸗ falle, hoͤren lassen. 2

Die in Betreff der Granzstreitigkeiten zwischen unserer Regierung und der Nord⸗Amerikanischen niedergesetzte Com⸗ mission zu Washington hat nunmehr alle noͤthigen Materia⸗ lien gesammelt, und wird am 1. Juli den Britischen Be⸗ hoͤrden ihren Bericht einreichen, der alsdann dem Koͤnige der Niederlande, nach erfolgter Replik, bis zum 1. Jan. k. J. vorgelegt werden soll.

New⸗Porker Bläͤtter loben das anstaͤndige, aber zugleich feste und maͤnnliche Benehmen des Praͤsidenten Jackson. Seine Audtenzen daunern immer nur wenige Minuten; Alles wird mit der strengsten Foͤrmlichkeit abgemacht; Versprechun⸗ en finden nie statt; kurz und rasch sind die Bescheide des Prastente⸗ Er ist zu durchgreifenden Reformen entschlos⸗ een; und kein unredlicher oder nachlaͤssiger Beamte soll auf seinem Posten geduldet werden.

Aus Bombay schreiht man, daß der Rajah von Satta⸗ rah Alles thut, um in Uebereinstimmung mit der Regierung von Bombay die Stadt Mahabuleshwar in Aufnahme zu bringen; er hat unter Anderm eine vortreffliche Straße von