1829 / 184 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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stand nicht bei Gelegen mendements, sondern nach reiflicher Ueberlegung entscheiden werde. Herr Laidet un⸗ terstuͤtzte nun nochmals seinen Antrag, setzte jedoch nach ei⸗ nem ausfuͤhrlichen Vortrage des Herrn Alexis von Noail⸗ les seinen Reductionsvorschlag von 528,000 auf 100,000 Fr. 8 herab; demungeachtet wurde auch dieser von der Kammer verworfen. Hierauf ward die Discussion uͤber die anderen Kapitel wieder aufgenommen. Herr Sappey wollte 568,000 Fr. fuͤr Militair⸗Beduͤrfnisse und Heizung ganz gestrichen wissen; sein Antrag wurde aber, eben so wie der des Herrn Boissy d'Anglas, der einen Abzug von 122,000 Fr. vor⸗ schlug, mit starker Majoritaͤt verworfen. Herr Moine machte einige Bemerkungen uͤber die Fourrage. Auf die Be⸗ merkung des Kriegs⸗Ministers aber, daß dieser Gegenstand einer ausfuͤhrlicheren Eroͤrterung beduͤrfe, wurde die weitere . Discussion 85 2. den naͤchsten Montag ausgesetzt, und die Sitzung aufgehoben.

* 8882 809 28. Juni. Vorgestern empfing der Koͤnig aus den Haͤnden des Kanzlers der Pairs⸗Kammer die von dieser 2ꝗ in ihrer letzten Sitzung angenommenen Gesetz⸗ Entwuͤrfe. 3 b . Man spricht noch immer von einer Reise, 9 Se. Maj. iimm August d. J. nach der Normandie unternehmen wuͤrden. . 8 Der Hof legt von morgen an die Trauer fuͤr den ver⸗ 4 storbenen Herzog von Oldenburg auf 8 Tage an.

Das Bezirks⸗Wahl⸗Collegium zu Niort (Dept. beider ebes 2 ausgeschiedenen Hrn. Tonnet⸗ Hersent den constitutionnellen Candidaten Herrn Tribert mit 213 Stimmen unter 359 zum Deputirten gewaͤhlt. Der mministerielle Candidat, Staatsrath Maillard, erhielt nur 136 Stimmen. 5 2 Folgendes ist die Stelle des Aufsatzes im Courrier français (vom 26. Mai) uͤber Herrn Gérard's letztes Ge⸗ maäalde, weshalb der Haupt⸗Redakteur dieses Blattes, Herr Shatelain, vor einigen Tagen von dem hiesigen Zuchtpoltzei⸗ Gerichte zu dreimonatlicher Haft und einer Geldbuße von 600 Fr. verurtheilt worden ist: „Die unsterblichen Gemaͤlde des Abendmahls, der Transfiguration und der Communion des heiligen Hieronymus, werden Meisterwerke bleiben, selbst wenn jeder christliche Glaube voͤllig abgeschafft seyn wird, in sofern naͤmlich ihr gebrechlicher Stoff bis dahin aushaͤlt.“ Es heißt, Herr Chatelain werde von jenem Urtheile appelli⸗ ren. Der Courrier frangais enthält in einer Beilage zu Pnem geßrigen Blatte die ausfuüͤhrlichen Verhandlungen des Pprozesses. Der Messager de Marseille meldet als Beispiele

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der Unduldsamkeit der dortigen Geistlichkeit, daß kuͤrzlich ein junger Mensch von dem Abendmahle zuruͤckgewiesen worden g9. weil sein Vater die Theater⸗Zettel anheftete, einem 13jaͤhrigen Maͤdchen aber die Firmelung verweigert worden sey, weil es bei einem protestantischen Kleidermacher in die ZCCs 49 Das siebzehnjaͤhrige Maͤdchen in Straßbur welches 1 sich heimlich von ihren Aeltern entfernt hacae 8% zur ka⸗ tbholischen Religion uͤbergegangen war, ist zum zweiten Male und zwar zum Maire entflohen, vorgeblich, weil man sie S— von ihrem neuen Glauben abtruͤnnig machen wollte. Der Miaire hat diese Umstaͤnde dem Gericht angezeigt; der Vater dder Entflohenen hat bei dem Koͤnigl. Procurator eine Klage eingereicht, und es wird bereits eine Untersuchung eingelei⸗ 9 die Eltern des Mädchens als Zeugen einze⸗ nd.

Großbritanien und Irland.

2* London, 27 09 1 Schreiben „27. Juni. Im Globe liest man Folgendes: „Ein

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aus Calcutta fuͤhrt eine Thatsache an, die vielleicht An⸗ angs nicht viel Aufmerksamkeit erregen, in Kurzem aber wich⸗

S 1 scheinen duͤrfte, als eine Menge mit großem Aufsehen Hstindien heeränderun len. Der General⸗Gouverneur von erlaubt, naͤmlich Europaͤlschen und andern Pflanzern

Namen ganz Hindostan Laͤndereien auf ihren eigenen .8 gen ehse en. Bisher waren sogar die Indigo⸗Pflan⸗ Dazwischenkaͤn epesen, in Hinsicht 22₰ Pflanzungen die Dieses ist der erst⸗⸗ Eingeborenen in Anspruch zu nehmen. eine Veraͤnderur zchritt zur Colonisation von Ostindien: Eingeborenen das⸗ die, wenn sie, und zwar ohne daß den Werth des zu nahe getreten wird, stattfindet, den 4 nuß. In Betreff erhöͤhen, und seine Sicherheit befestigen gewoͤhnlich die Dernn olontsation Indiens scheint man roße Bevölkerung den.sazn hegen, daß, sobald sich dort eine Beispiele anberer gechan gebildet haben wuͤrde, sie 2 Mutterlande losreißen Fesa een folgen, und sich von

ieser Besorgniß wirklich Grund zu ben 2 —5 88

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fallen, und, ohne wahrscheinlicherweise der endlichen Trennung

Meinung ist, daß Reichthum, Thaͤtigkeit und großes Besitz⸗ thum zuletzt zur Trennung vom Mutterlande fuͤhren, warum arbeitet man denn dahin, den Reichthum und die Wohlfahrt Canada's und Australiens zu vergröͤßern? Un⸗ serer Ansicht nach thut man es nur in der Voraus⸗

setzung, daß, was auch das endliche Schicksal dieser Länder, sobald sie ganz bevoͤlkert sind, einst seyn moöͤge,

dahin unseren Vortheil aus einem freien Handel

mit ihnen werden gezogen haben; daß diese Länder die

Colonieen seyn werden, in welchen Millionen von Englaͤndern und deren Nachkommen Unterhalt und Reichthum finden;

und daß selbst dann, wann sie sich von uns trennen soll⸗

ten, uns die Ehre bliebe, den Ruhm des Englischen Namens

und die Wohlfahrt ganzer Geschlechter befoͤrdert zu haben.

Eine uͤbertriebene Eifersucht aber auf das zunehmende Gluͤck der Colonieen, wuͤrde nur zu unserem eigenen Nachtheil aus⸗ 8

vorzubeugen, nur die Anhaͤnglichkeit kuͤnftiger Geschlechter gegen ihr Mutterland vertilgen. Ostindien indessen ist am wenigsten das Land, von dem England, durch Vermischung mit seinen Landeskindern, eine Trennung zu befuͤrchten hat. Schon jetzt befindet sich dort eine zahlreiche Bevoͤlkerung, die sich in Sitten und Gewohnheiten gaͤnzlich von den Englän⸗ dern unterscheidet, und die sich nothwendig so auch sernerhin erhalten muß. Die gegenwärtig bestehende Eintheilung der urspruͤnglichen Bewohner in Mahomedaner und Hindu's gehoͤrt zu den wesentlichen Gewaͤhrleistungen fuͤr das Fort⸗ bestehen der Englischen Herrschaft in Indien; und die Ein⸗ fuͤhrung einer dritten Klasse, selbst wenn sie nicht aus Englaͤn⸗ dern bestaͤnde, wuͤrde eine Gewaͤhrleistung mehr seyn, indem sie ein allgemeines Buͤndniß der ganzen Bevoͤlkerung gegen ihre Beherrscher weniger wahrscheinlich machen wuͤrde. Be⸗ staͤnde diese dritte Klasse aber nur aus Englaͤndern deren Anzahl jedoch, ohne Einschreiten der Regierung, Jahrhunderte lang bei weitem nicht hinreichend seyn moͤchte, um eine gewichtige Klasse zu bilden so ist wohl die groͤßte Wahrscheinlichkeit vor⸗ handen, daß sie nicht dahin streben wuͤrde, ihre Verbindung mit England zu loͤsen, und sich der Willkuͤhr eingeborner Fuͤrsten zu uͤberlassen, sondern daß sie vielmehr ihrem eigenen In⸗ teresse und ihrem Gefuͤhl gemaͤß, sich veranlaßt sinden duͤrfte, an England, als an ihre beste Sicherheit fuͤr ihre Rechte, ja fuͤr ihre Existenz, zu haͤngen. Die Art und Weise der Co⸗ lonisation in Östindien kann sich natuͤrlich nicht auf Ansiede⸗ lung von einfachen Ackersleuten oder gewoͤhnlichen Handwer⸗ kern beschraͤnken, sondern sich auf Anwendung Engli⸗ scher Kapitalien und hoͤherer Kenntnisse ausdehnen, um Al⸗ les zur Befriedigung der Lebensbeduͤrfnisse Erforderliche zu erzeugen, wozu Klima, Boden und wohlfeiler Arbeitslohn die vortheilhaftesten Aussichten darbieten, und um alle Verbesse⸗ rungen einzufuͤhren, deren das Land bedarf. Eine auf diese Weise nach Indien gezogene Bevoͤlkerung kann in keinem Fall durch ihre Anzahl furchtbar werden. Ein vernuͤnftige⸗ rer Grund zu Besorgnissen, oder vielmehr ein nicht geng zu empfehlender Gegenstand fuͤr zu nehmende Vorsichts⸗ Maaßregeln, ist dagegen die Schwierigkeit, die Verhaͤltnisse zwischen den Eingebornen und den Englaäͤndern maͤßig zu ordnen, dergestalt, daß Erstere nicht unu... terdruͤckt werden, waͤhrend Letztere die Vortheile eine gerechten freisinnigen Verwaltung genießen. Die Englaͤnde 8 dürften sich vielleicht nicht gern darin fuͤgen, den gewoͤhn.-. lichen Landes⸗Behoͤrden unterworfen zu seyn, wogegen es den Eingebornen vielleicht noch schwerer fallen moͤchte, sich nach Englischen Gesetzen richten zu muͤssen. Doch diese Schwierigkeit ist nicht EE’ und bei Beseitigung derselben muß das Interesse der Masse der Eingebornen zuerst beruͤcksichtigt werden. Wir koͤnnen nichts Besseres thun, als diejenigen, denen die Wichtigkeit des Schrittes, den Lord William Bentinck gethan hat (und den die Ostindische Com⸗ 2 pagnie wahrscheinlich billigen wird), nicht in seiner ganzen Wichtigkeit einleuchtet, auf die so eben erschienene zweite 8 Ausgabe seiner vortrefflichen Schrift: „Ueber freien Handel un und Colonisation in Ostindien“, aufmerksam zu machen. Ohne solche Colontsation kann freier Handel nur von 2.

ber Wirkung seyn. Die Produktion in Ostindien muß eben so sehr befoͤrdert als der Austausch der Produkte erleichtert werden.“ 8 ö Herr Vesey Fitzgerald hat von den Land⸗Eigenthuüͤmern von Clare ein Schreiben empfangen, in welchem er, um die Unabhaͤngigkeit von Clare aufrecht zu erhalten, und der 8 Einmischung von Personen vorzubeugen, sentanten⸗Wahl in der Grafschaft nichts zu thun haben, dringend gebeten wird, sich als Wahl⸗Candidat füͤr Clare zu melden; diese Bitte hat derselbe, jedoch in einer uͤbriger sehr hoͤflichen Antwort, von sich abgelehhlt.s 2 2 * .