1829 / 201 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Annahme des Gesetzes wegen der Emigranten⸗Entschaͤdigung ernannten Pairs 7 Millionen Fr. kommen. Die Deputirten⸗ Kammer bezieht 5,600,000 Fr., und zwar die rechte Seite 3 Millionen, und die linke 2,600,000 Fr. Der Herzog von Orleans erhaͤlt uͤber 7 Millionen.

Die AQuotidienne hebt hervor, daß von der linken Seite der Deputirten⸗Kammer die Generale von Lafayette und von Thiard, Ersterer 450,000, der Letztere 357,000 Fr., und der Graf Carl von Lameth 201,000 Fr. von der Emigranten⸗Entschaͤdigung beziehen.

Aus Toulon vom 8. Juli schreibt man: „Das von dem Schiffs⸗Capitain la Brotonniere befehligte Linienschiff „Provence“ hat Befehl erhalten, morgen nach Algier unter Segel zu gehen. Ein Dolmetscher wird den Besehlshaber des Blokade⸗Geschwaders begleiten, woraus man schließen will, daß vor der Beschießung Algiers noch Friedens⸗Unterhand⸗ lungen versucht werden sollen. Die Ausruͤstung der Bom⸗ ben⸗Schiffe wird nichts desto weniger mit der groͤßten Thäͤ⸗ tigkeit betrieben“

Herr von Pradt hatte neulich in einem Aufsatze uͤber

die Franzoͤsische Marine (im Courrier frangais) behaup⸗ tet, daß die Engländer seit der Schlacht von la Hogue (im Jahre 1692) den Franzosen 136 Linien⸗Schiffe abgenommen, diese dagegen nur 8 Englische Linien⸗Schiffe und zwar keins in offener Schlacht erobert haͤtten. Der Messager des Chambres citirt zur Wiederlegung dieser Behaup⸗ tung aus den Marine⸗Jahrbuͤchern von 1822 die Angabe, daß England in dem Kriege von 1778 72 Linien⸗Schiffe, Frankreich dagegen deren nur 50 verloren habe.

Der Globe aͤußert: „Die Kammer⸗Verhandlungen sind, obgleich 20 Journale sie jeden Morgen wiederholen, wenig bekannt. Die Redacteure haben sich in den beweg⸗ ten Zeiten gewoͤhnt, besonders die leidenschaftliche Aufre⸗ gung und das Dramatische der Verhandlungen wiederzuge⸗ ben. Das Publikum hat seinerseits an den Ausrufungen, Unterbrechungen, welche von der Hitze der Debatten zeugen, Geschmack gewonnen, und dieses Schauspiel war lange Zeit der einzige Tvost fuͤr dasselbe, so lange naͤmlich kaum 20 un⸗ abhaͤngige Mirglieder gegen eine gewaltsame, unersaͤttliche und mit den Landes⸗Interessen unbekannte Majoritaͤt einen hoff nungslosen Kampf fuüͤhrten. Will man aber auch jetzt diese zum Gluͤck sehr selten gewordenen Scenen dem Publi⸗ kum vorfuͤhren, so giebt man ihm, statt es zu unterrichten, ein falsches Bild von der gegenwaͤrtigen Majoritaͤt der Kam⸗ mer. Den Vortraͤgen, wie sie in den meisten Taablaͤttern

zu lesen sind, fehlt es oft an der Klarheit und Einsicht, die man in der wenig unterhaltenden, aber getreuen Relation des

Moniteur wiederfindet. Viele Deputirte, welche selten, und vielleicht mit wenig Anmuth des Vortrags sprechen, zeigen in ihren gedruckten Reden eine Sachkenntniß, eine Reife des Urtheils und der Erfahrung, welche oft den gewoͤhnlichen Rednern abgeht; Andere, welche den Ministern ergeben sind, belehren darum nicht weniger, wenn sie uͤber Gegenstaͤnde sprechen, die sie in einem langjährigen Staatsdienste gruͤnd⸗ lich kennen gelernt haben.“

Die Piemontesische Gensdarmerie hat einen beruͤchtig⸗ ten Straßenraͤuber, Andreano, genaunnt Rodino, der mit sei⸗ ner Bande die Gegenden von Saluce und Coni beunruhigt, gefangen genommen und in die Gefängnisse von Acqui ab⸗ gefuͤhrt. In dem, der Verhaftung vorhergehenden Kampfe wurden mehrere Gensdarmen getoͤdtet. Aehnliche Verhaf⸗ tungen haben an anderen Punkten statt gefunden, wodurch die Wege in der Provinz Novara wieder sicher geworden sind. Erst am 7ten des vorigen Monats war ein⸗Englaͤn⸗ der, Namens Dillon, zwischen Arona und Ollegio ermordet worden.

Die Akademie von San Luca in Rom hat Herrn Ho⸗ race Vernet zu ihrem Verdienst⸗Mitgliede ernannt.

Der Graf Corbière ist vorgestern von hier nach Rennes abgegangen.

Großbritanien und Irland.

London, 15. Jult. Vorgestern stattete der Herzog von Cumberland einen Besuch beim Köͤnige in Windsor ab, und kehrte dann zur Stadt wieder zuruͤck. (Die von Englischen Blättern unterm 10ten d. M. gegebene Nachricht, daß Se. Koͤnigl. Hoheit von Sr. Maj. Abschied genommen habe, um nach Berlin zu reisen, hat sich sonach nicht bestaͤtigt.)

Prinzessin Augusta hat ihre bisherige Residenz im St. James Halheß verlassen, um sich nach ihrem Landsitze Frog⸗ more zu begeden.

Das Hof⸗Journal enthäalt Folgendes: „In Paris wird jetzt viel von einer bevorstehenden Reise des Königs von Frankreich nach den See⸗Haͤfen Seines Landes gespro⸗

chen. Große Wichtigkeit will man dieser Reise insofern bei⸗ legen, als es heißt, daß damit wichtige Veraäͤnderungen, die in der Franzoͤsischen Flotte beabsichtigt werden, in Verbin⸗ dung stehen. Bei Hofe spricht man sogar davon, daß ein neuer Verdienst⸗Orden ausschließlich fuͤr die Flotte creirt un der junge Herzog von Bordeau zum Großmeister besseiben ernannt werden soll. Fuͤr diesen Prinzen wird eine praͤch⸗ tige Jacht gebaut, in welcher er in spaͤterer Zeit große Was⸗ serfahrten unternehmen soll.“

Der Ritter Paul Midosi, Secretair beim Depot der Portugiesischen Ausgewanderten in Plymouth, hat diesen Hafen verlassen, um sich hierher zu begeben. Es besinden sich jetzt im Ganzen nur noch 10 Portugiesische Emigranten in Plymouth und diese wollen, wie man vernimmt, binnen Kurzem nach Frankreich abgehen, so daß alsdann das Depot in Plymouth ganz aufgelo seyn wird.

Von den zweien Candidaten fuͤr die Parlaments⸗Wahl in der Grafschaft Cork in Irland ist Herr Callaghan mit großer Stimmen⸗Mehrheit erwaͤhlt worden. Die Freunde des andern Candidaten, Sir A⸗ Warren, haben Protest da⸗ gegen eingelegt. Zwischen den verschiedenen Partheigängern der beiden Rivalen fand nach entschiedener Wahl, eine tuͤch⸗ tige Schlaͤgerei statt, wobei man sich mit Steinen warf und mit Knuͤtteln schlug. Schottische Soldaten, die herbeigeru⸗ fen wurden, fanden jedoch nichts mehr zu thun, da der Hau⸗ fen bei ihrer Annaͤherung sich bereiks zerstreut hatte.

In Waterford, wo ebenfalls eine Parlaments⸗Wahl be⸗ vorsteht, hat eine Versammlung der Waͤhler statt gefunden, worin Herr O’'Connell eine lange Rede hielt und sowohl Hrn. V. Stuart, das bisherige Parlaments⸗Mitglied fuͤr Waterford, wegen seiner Resignation als die Absicht der Waͤhler tadelte, den Lord G. Beresford an dessen Stelle zu waͤhlen. Der Lord, sagte er unter Anderm, gehoͤre zu der Faction der Tories, welche die Feinde jeder Freiheit und je⸗ des humanen Fortschrittes seyen; gleichsam wie ein Alp haͤtten diese auf Großbritanien bisher gelastet und dadurch seine Huͤlfsquellen so sehr verstopft, seinen National⸗ Ruhm so ver⸗ dunkelt, daß der Herzog v. Wellington es nicht wage, ein einziges Fahrzeug nach den Dardanellen hin zu senden, waͤh⸗ rend auf der andern Seite dem Usurpator Dom Miguel fortwährend gestattet werde, die Portugiesischen Inseln zu blokiren. Die Expectorationen wurden von der Versamm lung mit großem Beifalle aufgenommen; wonaoͤchst ein mité gewaͤhlt wurde, welches die Unabhängigkeit der bevor⸗ stehenden Wahl beaufsichtigen und erhalten soll.

Die Morning Chroniecle theilte vor Kurzem aus ei⸗ nem Dubliner Blatte die Nachricht mit, daß Lord L. Gower uͤber hundert Briefe in's Innere Irlands gesendet, und darin den Obrigkeiten die Aufrechthaltung der oͤffentlichen Ruhe anempfohlen habe; wobei jene Zeitung einige raisonni⸗ rende Bemerkungen machte. (Siehe Nr. 197 der Staats⸗ Zeitung.) Der Courier tadelt die Sprache des Dubliner Blattes sowohl, als der Morning Chroniecle, und stellt. die Frage auf, ob es etwa ihre Absicht sey, Zwist und Lär⸗ men zu erregen; und zwar in einem Augenblick, wo man sich in Hinsicht Irlands aller gehaͤssigen Anspielungen enthalten, und im Gegentheit eine versoͤhnende Sprache fuͤhren sollte. Gegen den, in dieser Frage enthaltenen Vorwurf sucht die Morning Chroniele sich zu vertheidigen, und zu bewei⸗ sen, daß 2 Aeußerungen, so hart sie auch scheinen moͤgen, leider auf Wahrheit begruͤndet waren; sie fuͤhrt dabei füͤr sich unter andern mehrere Bemerkungen an, welche der pro⸗ testantische Bischof von Limerick vor einiger Zeit uͤber die Angelegenheiten Irlands offentlich ausgesprochen hatte. Ir⸗ land, fügt das genannte Blatt hinzu, koͤnne man nicht mehr mit Worten heilen; das Uebel laͤge viel zu tief, und koͤnne nur durch strenge Arznei⸗Mittel vertilgt werden.

Die Englischen Zeitungen, welche sonst die Verhandlun⸗ gen der Französischen Deputirten, Kammer nur mit großer Kuͤrze zu geben pflegen, theilen eine Rede des General La⸗ marque, worin derselbe uͤber England und seine Seemacht mit einiger vekt⸗ keit sich ausspricht, mit besonderer Aus⸗ fuͤhrlichkeit mit. Der Courier bemerkt dazu: „Der Aerger und die boͤsen Worte, welche dieser Mann uͤber England aus⸗ schuͤttet, sind eben so viele Tribute für die Gröͤße dieses Lan⸗ des. Die eigentliche Absicht aller Bonapartisten einer Parthei, der es an Macht gebricht, die aber desto mehr Lärm macht ist, das freundliche Verhaͤltniz zu stoͤren, das jetzt wischen den beiden Regierungen statt findet, uns bei Frankreich n

rdacht zu bringen, als ingen wir mit unheilvollen Plänen um, kurz das Vost dort so zu stimmen, daß es am Ende einen Krieg mit uns als eine wuͤnschenswerthe und nicht sehr ent⸗ fernte Begebenheit ansehen lernt. Alsdann steht ja auch de Herzog von Wellington an der Spitze unserer Verwaltung⸗

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