1829 / 216 p. 6 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

und nehmen eine so drohende Stellung an, daß es aller Kraft und Thaͤtigkeit bedarf, um ihnen mit Er⸗ folg entgegen zu arbeiten. Wenn schlechte Menschen sich ver⸗ schwoͤren, muͤssen die guten sich enger aneinander schließen. Unter dem Einfluß einer maͤchtigen, nie ruhigen, und be⸗ ständig aufhetzenden Parthei, werden gegenwaͤrtig Viele zu Irrthuͤmern verleitet, welche die gesellschaftliche Eintracht unter⸗ graben, und gelingt es ihr, sich zur Unterstuͤtzung ihrer Pläͤne der Presse zu bemaͤchtigen, so hoͤren Tugend und Aufklaäͤrung des Einzelnen auf, dem Einzelnen Sicherheit zu gewaͤhren, weil alle der Nation gemachte Mittheilungen den Stempel des gehaͤssigen Geistes jener Parthei an sich tragen. Ein Jeder, der ruhig und leidenschaftslos, nicht rait Partheilichkeit, son⸗ dern mit philosophischem Blick die Geschichte der wenigen letzten Jahre unsers Freistaates betrachtet, kann nicht an⸗ ders, als eingestehen, daß die hier hingestellten Ansichten sich auf unsere gegenwärtige Lage leider nur zu sehr anwenden lassen. Politischer Ehrgeiz, Beamten⸗Neid und Personenhaß waren in Thaͤtigkeit, um mit vereinter Kraft die vorige Ver⸗ waltung niederzudruͤcken. Das wirksamste Werkzeug dazu war die Presse, die dazu gebraucht wurde, die oͤffentliche Mei⸗ nung zu bestechen, und die Nation unter dem Vorwande, ihre Freiheit zu erhalten, zur Sklaverei zu fuͤhren. Gluͤcklich in der Ausfuͤhrung ihrer Plaͤne fangen die Feinde des Vater⸗ landes jetzt an, ihren Widerwillen gegen die Freiheit der Mei⸗ nungen zu zeigen, indem sie Alles thun, um die Freiheit der Rede und der Presse dadurch zu unterdruͤcken, daß sie dieje⸗ nigen bestrafen, die beide erhalten wissen wollen, und dieje⸗ nigen belohnen, die sie mißbrauchen. Wir befinden uns mit⸗ hin in der allergroͤßten Gefahr, aus der uns nichts retten kann, als eine außergewoͤhnliche Kraftanstrengung. Moͤge die Nation erwachen, moͤge sie um sich sehen und selbst ur⸗ theilen. Zuerst mißtraue sie den Angaben und Gruͤnden de⸗ rer, die unter dem Vorwande von Verbesserungen auf dem Fren strhen, eine Masse von Uebeln in unser Regierungs⸗ ystem hineinzubringen, die ihm fruͤher ganz fremd waren, und die es nicht ertragen kann. Erwacht die Nation nur erst, so wird sie bald die gegen ihre Wohlfahrt errichtete Ver⸗ schwoͤrung durchschauen und den schrecklichen Abgrund erblicken, dem man sie mit schnellen Schritten entgegenfuührt. Wir verlangen nicht, daß man unseren Angaben undedingten Glauben schenken soll. Alles, was wir wuͤnschen, ist, die Nation aus ihrem Schlummer zu wecken, und eine ruhige, forgfaͤltige und unpartheiische Untersuchung zu veranlassen; und findet die Nation alsdann, daß diejenigen mehr Zu⸗ trauen verdienen, die zu ihren Leidenschaften sprechen, als diejenigen, die ihren Verstand in Anspruch nehmen, so ge⸗ schehe ihr Wille. Wir unsererseits wollen unsere Pflicht er⸗ fuͤllen, und muß die Veste unserer Freiheit fallen, so wird es unser Stolz seyn, an ihren Mauern umzukommen und uns unter ihren Truͤmmern zu begraben.“

Ein junger Grieche, Namens Stephanini, erregt in die⸗ sem Augenblick die Aufmerksamkeit und Theilnahme des hie⸗ sigen Publikums. Er ist in Arta in Rumelien geboren und der Sohn eines unternehmenden und ehemals reichen Kauf⸗ manns. Zu Anfang der Griechischen Revolution wohnte seine Familie in Patras. In Folge eines ungluͤcklichen Ver⸗ suchs der Griechen, son jener Stadt zu

Verschwoͤrungen,

die Tuͤrkische Garnis⸗ vertreiben, entstand in derselben ein fuͤrchterliches Blutbad, in welchem Vielen von denjenigen, die ihm entgingen, das Loos der Sklaverei zu Theil wurde; zur Zahl der Letzteren gehoͤrte auch Stephanini; seiner Familie gelang es, zu ent⸗ fliehen. Spaͤter fand sein Vater bei der Einnahme von Missolunghi den Tod; seine Mutter, 2 Brüder und 2 Schwe⸗ stern geriethen in Tuͤrkische Gefangenschaft. Nach 5 Jah⸗ ren endlich gluͤckte es Stephanint, sich der seinigen zu ent⸗ reißen; er kam hieher, und suchte durch seine Anstrengungen sich Mittel zur Befreiung der Seinigen zu erwerben. Zu diesem löblichen Zwecke hat er die Herausgabe seiner Lebens⸗ beschreibung beschlossen, wobei er durch zahlreiche Unterschrif⸗ ten aller Freunde der Griechen, der Freiheit und der Mensch⸗ lichkeit unterstuͤtzt wird.

außer⸗

Vor Kurzem hat sich in der Stadt Tennessee ein ordentlicher Fall ereignet. Der dortige Gouverneur, Herr doughton, ein Mann von 45 Jahren und ausgezeichneten igenschaften, der sich unter General Jackson im Judischen Kriege ausgezeichnet hatte, dadurch bekannt, und spaͤter durch die allgemeine Stimme zum Gouverneur von Tennessee er⸗ wäͤhlt wurde, versiel plötzlich in riefe Melancholie, gab sei⸗ nen hohen Posten auf, und vertauschte die gebildete Umge⸗ bung, deren Zierde er war, mit einem einsamen Aufenthalt in den benachdarten Wildnissen. Man kann sich den Grund zu diesem Benehmen nicht erklaͤren. Herr Houghton ist der

Gatte einer, wenigstens dem

schirte, ist siegreich

digen Frau.

Das Britische Kriegsschiff „Sybille“ mit seinem Be⸗ gleiter, einem kleinen Fahrzeuge, brachte im Laufe von 20 Monaten an der Afrikanischen Kuͤste mehrere Sklavenschiffe mit einer Anzahl von zweitausend sechshundert sechs und achtzig Sklaven auf. 3

Es werden hier Knochen von einem ungeheuer großen Thier gezeigt, die man im Mississippi⸗Thal gefunden hat. Es definden sich namentlich darunter der Knochen eines Un⸗ ter⸗Kinndackens, der 20 Fuß lang, 3 Fuß breit, und 1200 Pfund schwer ist, und Rippen von 9 Fuß Laänge; die an⸗ dern Knochen sind von verhaͤltnißmäßiger Groͤße. Diese Ueberbleibsel eines bis jetzt noch unbekannten riesenartigen Thieres der Vorwelt lagen 17 Fuß tief unter der Erde, und mußten zuletzt mit Huͤlfe einer Dampf⸗ Maschine heraufge⸗ wunden werden. Ein aus der Erde hervorragender Knochen hatte zu dieser Entdeckung gesuͤhrt.

Vereinigte Provinzen vom La Plata.

Durch gefaͤllige Mittheilung erhalten wir nachstehende Abschrift eines in Elberfeld so eben eingegangenen Handels⸗ Schreiben aus Buenos⸗Ayres vom 4. Mai: „Wir be⸗ nutzen eine sich darbietende Gelegenheit uͤber Havre, um Ih⸗ nen die totale Niederlage und Zerstörung der Insurgenken und Indianer, welche unsere Stadt bedrohten, anzuzeigen. Auch der Theil unserer Armee, welcher nach Cordova mar⸗ gewesen, indem sich die Einwohner bei deren Annaͤherung fuͤr Buenos⸗Ayres erkloͤrten, und der Gou⸗ verneur Rustos, der groͤßte Feind von Buenos⸗Ayres und Anstifter aller fruͤheren Unruhen, sich eiligst auf die Flu (nach Chilt) begeben mußte. Unsere Expeditions⸗Armee ist, mit den Cordoveser Truppen vereinigt, auf dem Marsch hie⸗ her, um den Rest der Insurgenten, welche sich nach Santa 5 zuruͤckzichen, zu vertilgen, und wir haben die gegruͤnde⸗ teste Hoffnung, daß das ganze Gebiet unserer Provinz bin⸗ nen Kurzem gesaͤubert und Ruhe und Ordnung, so wie auch ein lebhafter merkantilischer Verkehr mit den innern Pro⸗ vinzen, wieder hergestellt werden wird. Wir sind nie fuͤr die Sicherheit unserer Hauptstadt besorgt gewesen, und jetzt ist auch jeder Schatten von Gefahr verschwunden, und Sie koͤn⸗ nen fuͤr Ihr hiesiges Eigenthum ganz ohne Sorge seyn. In den Geschäften bleibt es noch stille, doch erwarten wir schon in wenig Tagen mehr Leben.“

Das Journal du Commerce enthält Folgenbes⸗ „Buenos⸗Ayres ist dem Angriff, mit dem es von Seiten der ndianer bedroht wurde, glücklich entgangen, und dieses Re⸗ sultat hat es hauprsachlich der ruhigen Haltung der Franze⸗ sen zu verdanken, die, mit mehreren Deutschen und Italle⸗ nern, den groͤßten Theil des, von Roman Larrea befehligten Bataillons der „Freunde der Ordnung“ ausmachten. In Hayre eingelaufene Briefe aus Buenos⸗Ayres vom 4. Mai sagen sogar, daß die Regierung von Santa⸗Fé um Frieden bitte, daß es aber schiene, als ob Buenos⸗Ayres von keinen Vorschläͤgen etwas hoͤren wolle, so lange sich die feindlichen Truppen noch auf dem Gediete der Republik befinden. Das Journal du Hapre läßt sich folgendermaaßen uͤber ein verdrießliches Misverstaͤndniß zwischen dem Französischen General Consul und der Regierung aus, das wegen der Theil⸗ nahme der Franzosen an den letzten Ereignissen statt 8 den hatte. In Folge mehrerer seht lebhafter Unterredungen pes der Franzoͤsische Agent zweimal an einem Tage seine aͤsse verlangt, und nachdem er sie, wiewohl erst nach der zweiten Anfrage, erhalten, zugleich die Weisung empfangen, sich sobald als moͤglich aus dem Gebiet von Buenos⸗Ayres zu entfernen. Er reiste darauf nach Montevideo, wo er die Ankunft des Admirals Roussin erwartete, der sich mit sel⸗ nem Geschwader dahin begeben sollte. Indessen scheint es⸗ A g8 Abreise in einige Nernn—, . rathen war, ein Land zu verlassen, an welches per liche Verhaͤltnisse ihn gebunden hatten. Man 898 gar, der Englische Consul sey genoͤthigt gewesen, vatim einzuschreiten, um seine Abreise moͤglich zu mach Ungefähr 100, durch Freundschaft und gleiche ihm verbundene Fresfesan, waren ihm nach Montevideo folgt. Die Ankunft des Generals Lavalle, der in größ Eile von Santa⸗ Fe —27 war, hatte die Ruhe einiger⸗ maaßen wieder hergestellt. In Buenos⸗Ayres sah man m großer Ungeduld dem Ausgang der Explicationen entgegen/ welche durch die Abreise des General⸗Tonsuls zwischen Regierungen Frankreichs und der Republik nothwendigerwelse

herbeigefuͤhrt werden mußten. Heute klagt die oͤffentliche Meinung auf eine sehr heftige Weise Bolivar und die Englän

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