1829 / 218 p. 8 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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doch so erschlafft, daß es vieler Kraͤftigungen beduͤrfen wird, um sie wieder herzustellen. Die 5 Traͤume von ho⸗ hem Wohlstande werden wohl noch fuͤr lange Zeit Traͤume bleiben. Der Handel ist leider, nachdem er in der letzten Zeit so manchen Stoß erlitten hat, als ganz danieder liegend zu betrachten. Der Arm der Regierung ist so schwach, daß sie nicht einmal die Landstraßen von den Dieben säubern kann, welche den Reisenden dort auflauern. So viele nuͤtz⸗ liche Haͤnde sind dem Landbau entzogen worden, daß wir jetzt kaum ein einziges Produkt besitzen, das wir zum Aus⸗ tausch fuͤr eingefuͤhrte Waaren anbieten koͤnnen; felb von den Minen wird in London weit mehr gesprochen, als hier. Nichtsdestoweniger wuͤrden wir doch, mitten unter so all⸗ gemeinem Elend, auf einige Erleichterung mit der Zeit hoffen duͤr⸗ fen, haͤtten wir nur einen einzigen Mann von besonders großen Talenten, der auch das allgemeine Vertrauen besaͤße. Haͤtten wir einen Washington oder einen Bolivar, so wuͤr⸗ den wir uns wohl bald helfen koͤnnen. Doch ein solcher Mann fehlt, und Derjenigen, die den Patriotismus zwar stets im Munde fuͤhren, in der That aber von der Pluͤnde⸗ rung des Landes leben, ist das Volk von Herzen uͤberdruͤssig.“ „Die Armee befindet sich seit den Pluͤnderungen Oaxa⸗ ca's und Mexiko'’s in einem voͤllig demoralisirten Zustande, und so allgemein verbreitet ist die im Publeikum herrschende Apathie, daß die Regierung nicht einmal im Stande war, ein kleines Anlehen von 200,000 Dollars zu erhalten. Sehr furchtsam macht uns Alles dies gegen die jetzt in Cuba statt findenden Ruͤstungen, aus denen wir uns nicht länger ein Geheimniß machen koͤnnen.“ 1 Neuere Englische Blaͤtter bringen folgende spaͤ⸗ tere Nachrichten aus Mexiko. „In Vera⸗CTruz waren am 18ten Juni Briefe aus Havana eingelaufen, denen zu⸗ folge die Expedition nach Mexiko im Vorschreiten war. Diese Briefe trugen einen so unbezweifelnden Charakter von Wahr⸗ heit an sich, daß der Gouverneur den Inhalt derselben durch einen Expressen sogleich der Stadt Mexiko mittheilte. Die Nachrichten von letzterer Stadt sind vom 17ten datirt; und obgleich noch nichts Officielles angekommen ist, so hat man dennoch ollen Grund zu glauben, daß die Reglerung schon fruͤher unterrichtet war, indem sie sich den Sold fuͤr die Truppen durch eine allgemeine und erzwungene, durch ganz Mexiko, auf Eigenthum aller Art gelegte Steuer gesschert hatte. ruͤher waren die Bergwerke von dieser Art Steuer ausgeschlossen; ob es diesesmal derselbe Fall ist, daruͤber weiß man nichts Bestimmtes.) Diese Steuer war folgendermaßen vertheilt worden: ein von der Regierung taxirtes Eigenthum von 3000 bis 6000 Dollars mußte 30 D. zahlen; von 6000 bis 12,500 60; von 12,500 bis 25,000 125; von 25,000 bis 50,000 250;z von 50,000 bis 100,000 500; und von 100,000 und daruͤber 1000 Dollars. Den ganzen Betrag dieser Steuer schäͤtzt man auf 5 Millionen Dollars. Unterm 7. Juni schreibt man aus Mexiko, daß die Re⸗ ijerung Dom Manuel Eduard Gorostiza, der gegenwaͤrtig Besandter der Republik in den Niederlanden ist, zu ihrem Gesandten in London, und zu seinem Stellver⸗ treter in den Niederlanden, den gegenwartig als Se⸗ cretair bei der Mexikanischen Legation in Nord⸗Ame⸗ rika stehenden Don Sebastian Mercado ernannt habe. Diese vreaer finden, wegen der anerkannten der Na⸗ tion geleisteten Dienste des Dom Gorostiza allgemeinen Bei⸗ fall, und dann auch in Hinsicht Dom Mercado's wegen sei⸗ ner, fuͤr die Sache der Unabhaͤngigkeit im Jahre 10 ausge⸗ standenen Leiden. Die Regierung liefert täglich Beweise ihrer rechtlichen Gesinnung, und davon, daß das Vaterland allein und seine Wohifahtt der Gegenstand ihrer Vorsorge sey.“ „In der Sitzung der Deputirten⸗Kammer vom 9. ai wurde zum erstenmal ein Gesetz⸗Vorschlag in Bezug auf die Emolumente der in 555 und Amerika angestellten diplo⸗ matischen Agenten der epublik vorgelesen. Diesem Vor⸗ schlage zufolge sollen bevollmaͤchtigte Minister und außeror⸗ bentliche Gesandten in Europa jährlich 9 bis 12,000 Dollars und ihre Secretaire 3 bis 4000 D.; in Amerika Erstere 6 dis 9800, und Letztere 2 bis 3000 D. erhalten. Den Ge⸗ schaͤftsträͤgern in Europa sind 6 bis 8000, und in Amerika 4 bis 6000 D. jährlich ausgesetzt. Alle oben angefuͤhrten

Diplomaten erhalten ein fuͤr allemal zu ihrer Hin, und Ruͤck⸗ 8 reise eine zu bestimmende Summe, die indessen nicht die Emoo-“ lumente eines Jahres uͤbersteigen darf. Zu officiellen Ausgaa“ ben, Unterzeichnung öͤffentlicher Bläͤtter u. s. w. werden ihnen monatlich 200 bis 400 Dollars bewilligt.“ 2*

Unterm 12. Juni wird aus Mexiko gemeldet: „Ge⸗ stern hat der Vice⸗Praͤsident vor dem Verwaltungs⸗Rath seinen Eid abgelegt, und darauf eine Rede gehalten, die ganz den Geist der Vaterlands⸗Liebe und der Achtung fuͤr die Gesetze athmete, durch welche Se. Excellenz sich aus⸗ zeichnen.“

Königliche Schauspiele.

Sonnabend, 8. Aug. Im Schauspielhause: Der Degen, dramatisirter Scherz in 2 Abtheilungen, von E. Raupach. Hierauf, zum Erstenmale wiederholt: Der Erwartete, Drama in 1 Aufzug, von L. W. Both. Und: Der Platzregen als Eheprocurator, dramatisirte Anekdote in 2 Abtheilungen, von

E. Raupach. 54 Sonntag, 9. Aug. Im Opernhause, zum Erstenmale wiederholt: Die Braut, Oper in 3 Abtheilungen, mit Tanz, nach dem Franzoͤsischen des Scribe, zur beibehaltenen Musik von Auber, für die Deutsche Buͤhne bearbeitet vom Freiherrn von Lichtenstein. (Herr Hoffmann: Adalbert von Loͤwen⸗

stein.)

Preise der Pläͤtze: Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. Zu dieser Opern⸗Vorstellung bleiben die dazu bereits ge⸗ loͤsten und mit Freitag bezeichneten Opernhaus⸗Billets gule’ tig; auch werden die zur „Braut“ noch zu verkaufenden Bil⸗

lets ebenfalls mit Freitag bezeichnet seyn.

In Charlottenburg: Der erste Eindruck, Lustspiel in 1 Aufzug, von L. W. Both. Hierauf: Der junge Ehemann, Lustspiel in 3 Abtheilungen. 1

Koͤnigsstaͤdtsches Theater.

Sonnabend, 8. Aug. Das Intermezzo, oder: Der Landa junker zum Erstenmale in der Residenz. . Sonntag, 9. Aug., Fra Diabolg, oder: Die Raͤuber in den Wrusgen. Vorher: Liebe kann Alles. 8 Preise der 122 Ein Platz in den Logen und im Bal, con des ersten Ranges 1 Rthlr. ꝛc. 3

NL.

Berliner Börse. Den 7. August 1829.

anll. Fonds- und Geld Coure Zettel. (Preuss. Cwur)

ümmmmn 222797 Wur dell. Si.-Schuld. Ich.] 4 [Kur- u. Ncum. do. 4 106 Pr. Engl Anl. 5 103 [Schlesische do. 4 107 ¾ 107 ½ Pr. Engl. Anl. 5 1 [bomm. Dom, do. 5 1081 Kurm. Ob. m.1C. 4 98 ½ Mäark. do. do Neum. Int. Sch.4 4 98 [Ostpr. do. do. 5 [107 Berl. Stadt-Ob. 5. Räckst. C.d Kmbk- —- 76 ½4 dito di 4 102 ½³ do. do 4. Nmk’ 768½ Königsbg do. 4 97 Zins-Sch.d. Kmk. 77 ¾ 771 Elbinger do. 5 101 dito d. Nmk. 77 . D d0 n Ihz 516. 28₰ 8 Weztpr. Psdb. A 4 5 dito B. 4 98 1 Holl. vollw. Duc. 18 ½ Grofshz. Pos. do. 4 101 ½ Neue dito —- 19 5 O⸗tpr. Dlandbrs. 4 98 ½ FHdedrichad'or. 13 12 ½¾ Pomm. Plandbr. 4 105 ½.] Disconto 3 4

Auswärtige Börsen.

Hamburg, 5. Aug. Oesterr. 58 Metall. 100. Bank-Aclt. 1148. Rass. Engl.

97 ½. Poln pe. 1. Sept. 101 ⅞. 2 Berichtigung....

In einigen Exemplaren des seceigen lattes der Staats⸗ Zeitung, Artikel Südamerika, in der ersten eile I. „vom 2. Juni“ st. „d. M.“ J“ 9 8

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Neueste Boͤrsen⸗Nachrichten.

8 88 ℳ. M., 4. Ang. Oesterr. 58 Metallig. 981½. Vank⸗Actien 1356. Partial⸗Obligat. 129.. Lvose Paris, 1. Aug. 3pCrige Rente 81 Fr. 60 Cent. ö5p Crige 109 Fr. 25 Cent. 2 11 1 Redatteur John. Mltredaeteur Cottel. ——