1829 / 232 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

binet unter seinem Einflusse zu sehen. Mit der Be⸗

freiung Irlands und dem Gehorsame Frankreichs kann man weit gehen. Gewiß, der Herzog von Wellington ist ein großer Minister! Bisher fuͤhrte der Weg, auf dem man zum Ministerium gelangte, durch die Kammern; man zeich⸗ nete sich auf der Rednerbuͤhne durch Beredsamkeit, in den Berathungen der Ausschuͤsse durch verstaͤndige Ansichten, oder auf seiner Bank durch die Unabhaͤngigkeit seines Votums aus. Jetzt aber haben wir einen Premier⸗Minister, der seit langer Zeit in unseren Kammern weder spricht noch mit⸗ stimmt. Doch wir muͤssen es zur Ehre des Landes sagen, dies ist seit 15 Jahren das erste Mal, daß Franzoͤsische Mi⸗ nister ihr Exsequatur in London erhalten. Unter den Freun⸗ den des neuen Ministeriums duͤrfen wir den Liebling der apostolischen Parthei nicht vergessen. Welche Freude wird die Nachricht des Minister⸗Wechsels im Pallast von Que⸗ luz, welche Trauer wird sie in den Straßen von Lissabon

verursachen. Die 40 Millionen, welche die Kammer vor einem Monate fuͤr die Entwickelung einer aͤcht Franzoͤsischen Politik bewilligte, werden, statt zur Befreiung der Grie⸗ chen, zur Besoldung der Pascha's verwendet werden. Ihr bezahltet froͤhlichen Herzens Eure Station im Tajo, um Schlachtopfern Euern Schutz zu gewaͤhren, wo wird von jetzt an Eure Flagge wehen? Ihr besoldetet in Amerika Agen ten, um Euern Handels⸗Verbindungen eine politische Ga⸗ rantie zu verschaffen, jetzt werdet Ihr vielleicht nur ei⸗ nen Theil der Kosten der Expedition gegen Mexiko gedeckt haben. Die Reaction nach außen hin wird sich fruͤher offenbaren, als die nach innen. Waͤhrend die erstere drohend herannaht, ruͤckt die zweite langsam, aber unvermeidlich vor. Die Russen werden in Adrianopel seyn, ehe alle unsere Mi⸗ nister in Paris sind; die Russische Nachhut wird die letzten Felsen des Balkan uͤberstiegen haben, waͤhrend man bei uns noch einen Großsiegelbewahrer in den Gebirgen der Auvergne und in den Vogesen sucht. England, welches seit der Schlacht vom 12. Juni und dem Falle von Silistria nicht mehr an dem siegreichen Marsche der Russen nach Konstantinopel zweifelte, mußte die Sachen beeilen. Es ist nach Wunsch

bedient worden; der Moniteur vom 9. Au⸗ sei neahe S . August hat uns sein

Die Gazette de France erwiedert auf obigen Artikel: „Es wird in der auswaͤrtigen Politik so wenig, als in der innern eine Reaction statt finden. Der Wunsch der Mini⸗ ster ist, den Frieden, welchen eine Faction zu stoͤren suchte, zu erhalten; wir werden weder Russen noch Englaͤnder seyn, sondern Franzosen bleiben. Bei alle dem fuͤhrt das Jour⸗ nal des Debats, ohne es zu wissen, die Frage auf ein Ge⸗ biet zuruͤck, welches es gleich anfangs haͤtte waͤhlen sollen. Es wuͤrde sich dadurch manche Beleidigung gegen das Koͤ⸗ nigthum erspart haben. Sobald es sich um die auswaͤrtige Politik handelt, geht man von der Leidenschaft zu einer ern⸗ sten Pruͤfung uͤber. Wir nehmen die Herausforderung an, und werden spaͤterhin darauf antworten. Aber wir fragen dieses Journal, ob wir jemals die Beleidigung gegen un⸗ ser Land so weit getrieben haben, zu behaupten, seine Mi⸗ nister seyen ihm vom Auslande aufgedrungen worden.“

Die Gazette de France hofft, das Ministerium werde eine Majoritaͤt in der Kammer finden. Dem vorigen Mi⸗ nisterium habe dieselbe nur wegen seiner Schwaͤche gefehlt.

Das Journal du Commerce glaubt, eine der ersten Maaßregeln des neuen Cabinets werde die Zuruͤckberufung der Franzoͤsischen Truppen aus Morea seyn.

Die beiden Provinzial⸗Blaͤtter: das Jonrnal de la Meur⸗ the und das Journal de l'Aube beginnen gleichfalls eine Op⸗ pofition gegen das Ministerium, und zweifeln an der Dauer desselben.

Großbritanien und Irland.

London, 14. August. An seinem Geburtstage legte

der Koͤnig auch den Grundstein zu einer Statue Georgs III., die bei Windsor aufgestellt wird. Das Piedestal derselben wird die einfache Inschrift tragen: „Georgio Tertio, Patri Optimo, Georgius Rex.* Die Times faͤhrt taͤglich fort, Betrachtungen uͤber die Ministerial⸗Veraͤnderungen in Frankreich zu machen. Ihr Pariser Correspondent schreibt ihr Briefe, die ganz im Geiste der Franzoͤsischen Oppositions⸗Blaͤtter geschrieben sind, und worin die neuen Minister eben so angegriffen werden, wie im Constitutionnel oder Journal des Dobats; da⸗ mit ist jedoch die Times selbst nicht einverstanden, sie ver⸗ wahrt sich ausdruͤcklich dagegen, und sagt unter Anderm: „Wir theilen den Zorn des Briefes nicht denn wir sind keine Franzosen halten es indeß doch fuͤr recht, ihn be⸗ kannt zu machen. Was uns betrifft, so anticipiren wir von

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jenem Ereignisse weder eine der Preß⸗Gesetze, noch eine Aufloͤsung der Kammer; ein Ministerium aber ernen⸗ nen, das sich keiner Majoritaͤt in der Deputirten⸗Kammer versichern kann, das kaͤme uns eben so vor, wie einen Koch miethen, der nicht ein einziges Gericht zu bereiten versteht.“ Weiterhin heißt es: „äicherüch ist die Vermuthung, daß der Herzog von Wellington die neuen Ernennungen habe be⸗ wirken helfen. Wir koͤnnen freilich kein Ministerium in Frankreich wuͤnschen, das Krieg mit uns anfinge, weil wir Pudding essen und die Franzosen Omelettes. Den Umstand jedoch ausgenommen, mag Frankreich immer seinen Weg ver⸗ folgen und wir verfolgen den unsrigen; fuͤhren beide zufaͤllig neben einander nach demselben Ziele, dann um so besser; ist dies jedoch nicht der Fall, nun so mag jeder seine besten Kraͤfte darauf verwenden, um darzuthun, daß sein eigener Weg der vorzuͤglichere sey. Was nun die Angelegenheiten des Osten betrifft, so koͤnnen wir, wenn der Tuͤrke weder seine Differenz mit Rußland zu einer Ausgleichung bringen will, noch die Fortschritte der Invasions⸗Armee aufhalten kann, nicht einsehen, was Frankreich oder England Anderes thun sollen, als ihn geschlagen werden lassen, wie er es doch selber zu wuͤnschen scheint. Und wenn er auch diesmal zu keinem Vergleiche mit den Griechen kommen kann, soll England, oder soll Frankreich, dieses elenden Volkes wegen, Krieg mit ihm beginnen? Nein! Die Griechen muͤssen nehmen, was sie bekommen koͤnnen. Gesetzt den Fall aber, daß der Tuͤrke

die Ohnmacht seiner Waffen zugaäbe und sich dem Schutze 8 Frankreichs und Englands in die Arme wuͤrfe, so ist es

wahrscheinlich, daß die beiden Maͤchte, in Freundschaft ver⸗ bunden, ihm Bedingungen, sowohl nach dem Balkan, als nach dem Peloponnes hinaus, verschaffen koͤnnen, die viel besser sind, als er selbst sie sich erringen kann. Dies scheint uns auch jetzt der weiseste Weg zu seyn, den er einschlagen koͤnne; denn wohl zu merken, Franfeeich und England sind nicht in der Lage, in der sich sonst Vermittler zu befinden pflegen; sie wollen naͤmlich nichts fuͤr sich selbst haben! Auch giebt es, wie wir bereits gesagt haben, fuͤr zwei Nationen kein ruhmwuͤrdigeres Geschaͤft, als Bedingungen vorzuschrei⸗ ben, die von erbitterten Kaͤmpfern mit Dank angenommen werden; das ist aber auch wiederum ein Geschaͤft, in wel⸗ chem, wie immer das Franzoͤsische Ministerium gestaltet seyn

mag, keine der beiden Nationen einen besondern Vorzug ha⸗ ben kann.“

Abermals hat ein Portugiesischer Emigrant gegen die Bemerkungen der Times, welche gesagt hatte, eins der er⸗ steren Geschaͤfte des neuen Franzoͤsischen Ministeriums muͤsse unter andern auch seyn, Gerechtigkeit und Maͤßigung von Dom Miguel zu verlangen was mit anderen Worten eine Anerkennung der Usurpation in sich begreife Ein⸗ spruch gethan.

Der Globe erklaͤrt die (letzthin von uns mitgetheilte) vorgeblich in Irland erschienene Proclamation des Lord J. L. Gower, worin noch officiell von dem Bestehen der „Band⸗ Maͤnner und Orangisten“ gesprochen wird, fuͤr das Mach⸗ werk eines Journalisten; mindestens erwaͤhnt noch kein ein⸗ ziges der letzten Dubliner Blaͤtter einer solchen Proclamation.

Durch einen Reisenden, der am 2. Juli. Havana ver⸗ lassen hat, erfahren wir, daß zu jener Zeit noch keine Trup⸗ pen eingeschifft waren; selbst die Namen der Regimenter, die an der Expedition Theil nehmen sollten, waren noch nicht bekannt. Im Ganzen befanden sich in Havana nur 6000 M. Linien Truppen; die uͤbrige Mannschaft war in verschie⸗ denen Theilen der Insel zerstreut. Wie es damals hieß, wollte man nur 2000 bis 2500 M. einschiffen, und war man

dort auch allgemein der Meinung, daß mit so wenigen Trup⸗

pen die Expedition nur mißlingen koͤnne. Seitdem Cadix zum Freihafen ernannt worden, ist der

Grundbesitz in Gibraltar bedeutend im Preise gewichen. Ein

Haus daselbst, das fruͤher 40,000 Doll. gekostet hat, ist kuͤrz⸗ lich fuͤr 16,000 verkauft worden.

Die Times sagt: „Die Errichtung des Freihafens in Cadix ist ruinirend fuͤr den Handel in Gibraltar. Wir koͤn⸗ nen dieses beklagen, haben aber kein Recht zur Beschwerde daruͤber. Spanien kann alle seine Haͤfen in Freihaͤfen ver⸗ wandeln, denn es kann mit dem, was i

ren ; nach Cadix, und werden sie dort reich, so koͤn-⸗ nen sie, daͤchten wir, zufrieden seyn. Geist von Cadix wird es nur noch mehr vom Mutterlande trennen, und es zu einem besondern Platze, gleichsam zu einer Hanseestadt, machen.“ 2 Admiral Malcolm hat einberichtet, daß der Russische Admiral ihm ausreichende Gruͤnde fuͤr die Anhaltung des Britischen Schiffes „Mary“ vor den Dardanellen vorgelegt

m gehoͤrt, thun was es will. Versetzen unsere Kaufleute ihre Kapitalien und ih,

Der Reichthum und