1829 / 237 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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troffen, daß, zur groͤßeren Beschleunigung der Brief⸗Ausgabe in London, die Postboten vom Posthause ab nach ihren resp. Stadtvierteln hingefahren werden. Vier große Wagen, deren jeder 16 Postboten aufnimmt, sind bereits zu diesem Zwecke in Gang gebracht worden.

Waͤhrend des Monat Juni sind in den Freihafen von Cadix 10 Schiffe aus Amerika eingelaufen; und zwar befan⸗ den sich dabei 6 aus Havana, eins aus Lima und eins aus Porto⸗Cabello. 8

Herr Vaughan, ein beliebter Saͤnger der Englischen Buͤhne, ist im Begriff, eine Kunstreise durch Deutschland anzutreten.

Da sich heute nur wenige Kaͤufer eingefunden hatten, so war es im Getreidehandel viel stiller, als am letzten Mon⸗ bage, wobei sich indessen die Preise fuͤr besten Weizen auf dem fruͤheren Standpunkt hielten. Malz war gesucht, und fand zu den Preisen des letzten Markttages willige Kaͤufer, was auch mit Hafer der Fall war. An Markt gebracht wurden: aus England: 1400 Quarter Weizen, 1020 Q. Gerste, und 300 Q. Hafer; vom Auslande: 12,900 Q. Weizen und 4400 Q. Hafer; Mehl: 4900 Saͤcke. Die woͤchentlichen Durchschnittspreise sind: von Weizen 66 Sh. 7 Pence, Gerste 31 Sh. 4 Penee, Hafer 23 Sh. 4 Pence, und die gegenwaͤrtigen Zöͤlle: von Weizen 20 ⅛, von Gerste 15 ⅞, und von Hafer 12 ¼ Shill. der Quarter. 1 E . Niederlande.

Bruͤssel, 21. Aug. In unserer Armee haben in der letzten Zeit eine große Anzahl von Befoͤrderungen und Er⸗ nennungen statt gefunden.

Der Fuͤrst von Leiningen ist vorgestern hier angekommen, und im Hòôtel d'Angleterre abgestiegen. .

Der Minister des Innern besuchte in diesen Tagen in Begleitung des Administrators des oͤffentlichen Unterrichts die Gemäaͤlde⸗Ausstellung in Gent, so wie auch die dortige schoͤne Zucker⸗Fabrik des Herrn van Aken, und besichtigte spaͤ⸗ ter die Schleusen und das Bassin des Kanals von Neuzen.

Die Tochter des Generals Bertrand ist von hier abge⸗ reist und in Gent angekommen; ihr Vater, heißt es, soll vor Kurzem nach Griechenland abgegangen seyn.

Im Haag zeigte sich vor einigen Tagen am Himmel bei hellem Mondscheine und in nordwestlicher Richtung, ein gro⸗ ßer Bogen von weißlich gelber Farbe.

In Batavia hatte man, wie unterm 18. April von da⸗ her gemeldet wird, die Nachricht von Unruhen erhalten, die auf einer der Molukkischen Inseln ausgebrochen waren, de⸗ reen baldige Unterdruͤckung man jedoch hoffte. Ein Eingebor⸗ ner, der eines Vergehens wegen verhaftet worden war, hatte von seinem Gefaͤngnisse aus Gelegenheit gefunden, seine Freunde gegen die Niederlaͤndische Regierung aufzuwiegeln; das Resultat davon war die Zusammenrottung einiger Kam⸗ pongs⸗Oberhaͤupter, um den Gefangenen zu befreien. Um ihrer Absicht einen Anschein der Gerechtigkeit zu geben, for⸗ derten sie seine Befreiung erst schriflich, drohten aber zugleich, das ganze Land mit Feuer und Schwerdt zu verheeren, wenn man ihre Forderung nicht erfuͤllen wuͤrde. Die Koͤnigl. Fre⸗ atte „Bellona““, sagte man, wuͤrde den Aufruͤhrern die ntwort der Regierung uͤberbringen.

Deutschland.

1 Muͤnchen, 21, August. Zur Feier des Geburts⸗ und Namens⸗Festes Sr. Masestaͤt des Koͤnigs wird die Koͤnigl. Akademie der Wissenschaften am kuͤnftigen Montag den 2’4sten d. M. Vormittags 11 Uhr eine oͤffentliche Sitzung halten. Hiebei wird der Koͤnigl. Geheime Hofrath und Professor, Herr Dr. Maurer, eine historische Abhandlung uͤber die 8 Baierischen Staͤdte und ihre Verfassung unter der Roͤmischen und Fraͤnkischen Herrschaft vortragen. Der zeitige Vorstand, Hr. Geheime 8. rath von Schelling, wird die Sitzung mit einem auf die Feier des Tages bezuglichen Vortrag üheen

und schließen.

Die Augsburger Allgemeine Zeitung enthaͤlt Folgendes:

„Vom Niederrhein, 14. Aug. Der aus Frankreich wegen der dortigen Minister⸗Veraͤnderung zu uns heruͤber⸗

eende Laͤrm ist zwar gewaltig groß, macht aber doch bei uns nicht den Eindruck, der sonst wohl mit einer solchen nachbar⸗ hen Bewegung sich verknuͤpft. Wir halten jene Veraͤnde⸗ rung fuͤr eine hlos haͤusliche Begebenheit der Franzosen, fuͤr

Der General⸗Postmeister hat die neue Einrichtung ge⸗

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aA: 8 8 2 4 2 b. 1

die Hausbewohner allerdings von hoͤchstem und aufregendstem Interesse, aber ganz und gar nicht im gleichem Maaße fuͤr die Nachbarn. Duͤnken schon die Beunruhigungen und Be⸗ sorgnisse, denen die Franzosen sich bei jenem Ereignisse uͤber⸗ lassen wollen, uns fuͤr sehr uͤbertrieben, so muͤssen es uns in noch hoͤherem Grade die Vermuthungen scheinen, die man in Betreff der auswaͤrtigen Politik Frankreichs aus dem Entstehen und der Mischung des neuen Ministeriums herlei⸗ ten moͤchte. Das neue Ministerium so behaupten viele Stimmen wird die schon nach la Ferronnay's Abgang sehr erblichene Russische Farbe der Franzoͤsischen Politik vollends gegen die Englische Farbe vertauschen; England mit Frankreich verbunden, wird in die Orientalischen Angele⸗ genheiten entscheidend eingreifen, Maaß und Stillstand wo es noͤthig gebieten, und im Falle fortwaͤhrenden Wider⸗ spruchs diesen mit den Waffen niederschlagen. men scheinen uns mehr die Meinungen von Personen als die Bedingungen der Sachlage auszudruͤcken; die letztere aber ist in der jetzigen politischen Verwickelung Europa's entschei⸗ dender, als alles persoͤnliche Meinen und Wuͤnschen; wir sehen, daß auch die Maͤchtigsten nicht stets im Stande sind, ihre Macht rein und ganz nach ihren eigenen Wuͤnschen an⸗ zuwenden, denn die Macht selbst ist nur ein Werkzeug, das in seiner Groͤße und Art wieder neue Bedingungen mit sich fuͤhrt; ja wir sehen, daß manche, und nicht die unwichtigsten Vorgänge ganz gegen den bekannten Willen aller Mitwir⸗ kenden statt finden. Doch hiervon abgesehen, und bei der einzelnen Voraussetzung stehen geblieben, das neue Franzoͤ⸗ sische Ministerium sey wirklich in der auswärtigen Po⸗ litik ganz mit dem Englischen einverstanden, so scheint uns damit, wenn wir das Englische Ministerium selbst betrachten, noch nichts Folgenreiches gesagt; das Franzoͤsische Ministerium muͤßte, wenn dasselbe zu neuen Seelangen in der allgemeinen Politik den Grund geben sollte, noch ein gut Theil Englischer seyn, als das Englische Mini⸗ sterium selbst, denn gerade dieses traͤgt seit laͤngerer Zeit ei⸗ nen Charakter, der mehr den gegebenen Europaͤischen Allge⸗ meinheiten, als den individuellen Englischen Anspruͤchen und Neigungen folgt, und hieran scheint dasselbe auch sehr .24* u thun. Ein kriegerisches Auftreten Englands gegen Ruß⸗ sand wäre ein Wagniß, das wohl selbst ein Pitt, der doch den Krieg gegen das aufgeregte Frankreich im Jahre 1793 wagte, nicht so leicht auf seine Verantwortung naͤhme! Man bedenke nur, was fuͤr hoͤchste Interessen Englands uͤberall compromittirt wuͤrden, welche Feinde diesseits und jen⸗ seits des Weltmeers ihm sich enthuͤllen koͤnnen, wie wenig sicher ihm die neuen Freunde und bei dem geringsten Ungluͤck selbst die alten waͤren! Auf der andern Seite, was haͤtte Rußland viel zu fuͤrchten von einem Feinde, der ihm fast gar nicht beizukommen vermag? Im Mittellaͤndischen Meere koͤnnte freilich die Russische Macht sogleich vernichtet seyn, im Schwarzen Meere einigen Nachtheil leiden, an den Gst⸗ seekuͤsten mancherlei Drohung erfahren; aber waͤre darin der eringste entscheidende Moment fuͤr den Hauptgang der Bege⸗ benhalen? Gewiß nicht. Oder soll ein Englisches Heer, viel⸗ leicht des Herzogs von Wellington persoͤnliche Kriegskunst, neben der des Groß⸗Wesirs und mit ihr combinirt, auf Tuͤr⸗ kischem Boden auftreten? Wir wollen solches Unternehmen nicht naͤher beleuchten, bis es der Muͤhe lohnt, naͤmlich bis sich die Moͤglichkeit einiges Ernstes dabei zeigt! Noch we⸗ niger moͤchten wir uns auf die Traͤume einlassen, von denen wohl Franzöͤsische Blaͤtter gesprochen, als duͤrfte ein großer

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Continental⸗Krieg fuͤr Frankreich den Lauf des Rheins

als Graͤnze wieder gewinnen, indem eine neue In⸗ vaston uͤber Deutschland hinweg nach Rußland dor⸗ dränge, und dort uͤber alles Ruͤckwaͤrtsliegende nach will⸗ kuͤhrlichen Bestimmungen verfuͤgte! Man erinnere sich nur, wer Napoleon war und was ihm mißlungen ist, um einigermaaßen abzuschäͤtzen, was Andern gelingen kann! Mittel⸗Europa steht jetzt ohne Frage fester und gediegener da, als zu irgend einer Zeit; an dieser Stellung, von welcher Preußen durch seine den Orientalischen Sachen am wenigsten verflochtenen Interessen, so wie durch seine Kriegsverfassung und seinen Deutschen Volksgeist der Kern ist, bricht sich die Woge kriegerischer Erschuͤtterungen. Wir koͤnnen auf un⸗ serem Beobachtungs⸗Punkte hier die Wahrscheinlichkeit einer Friedensstoͤrung auf dem Festlande jetzt eben so wenig zuge⸗ ben, als seither, waͤre auch das neue Franzoͤsische Ministe⸗ rium wirklich so Englisch, und das Englische so kriegslustig, als man annehmen will, und wir doch weit entfernt sind

zu glauben.“ S.

Diese Stim⸗