1829 / 243 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

tet zu seyn, und etwas sehr Wichtiges soll diese Ankunft ver⸗ anlaßt haben, der bald darauf ein Besuch des Fuͤrsten Ester⸗ hazy folgte. Die Conferenz dauerte sehr lange, schien aber den Gegenstand der Unterhaltung noch nicht erschoͤpft zu ha⸗ ben, denn der Fuͤrst begleitete den Herzog auch noch eine ganze Strecke in seinem Wagen auf der Ruͤckfahrt nach Wal⸗ mer⸗Castle.“

Der Courier kann nicht aufhoͤren, der Vortheile zu gedenken, welche die Russen durch die Eroberung von Erze⸗ rum in Asien errungen haben. „Daß nach Vortheilen von solchem Umfange“, heißt es in seinem letzten Blatte, „wenn auch nicht eben so wichtige Erfolge in der Europaͤischen Tuͤr⸗ kei noch statt finden sollten, ein Frieden gewoͤhnlicher Art zwischen den beiden Maͤchten abgeschlossen werden duͤrfte, glauben wir nicht. Konstantinopel wird unbezweifelt entwe⸗ der ein von Blut getraͤnkter Aschenhaufe, oder, wie Erzerum, der willige Gefangene des Ueberwinders. Der Sultan hat keinen sichern Zuftuchtsort mehr, uoch weniger ein Reich in Asien. Zu glauben, daß, wenn einmal der Thron Mohameds umgestuͤrzt ist, christliche Haͤnde ihn wieder aufrichten und zu seiner fruͤheren Groͤße zuruͤckbringen werden, heißt aber gerade soviel, als der Meinung seyn, daß der Mensch und nicht der Himmel das Schicksal der Voͤl⸗ ker bestimme und leite.“

Ueber die (gestern erwaͤhnte) Anklage des Capitain Di⸗ ckenson, die nun bald im Kriegsgerichte zur Sprache kommen soll, giebt der Courier folgende Aufschlüsse: „Nicht die Admiralitaͤt, oder Sir Ed. Codrington, sondern Niemand anders als der Capitain selbst war es, der auf die Unter⸗ suchung antrug. Als naͤmlich vor einiger Zeit der Russische Botschafter unserer Regierung anzeigte, es sey der Wunsch seines Monarchen, dem Capitain Dickenson, wegen seiner im Gefechte von Navarin bewiesenen Tapferkeit, einen Orden 8 verleihen, erwiederte man ihm, daß es, um die nachge⸗ uchte Bewilligung ertheilen zu koͤnnen, der Empfehlung des Admirals beduͤrfe, welcher in jenem denkwuͤrdigen Treffen die Fotte besehligt habe. Fuͤrst Lieven wandte sich darauf an Sir Ed. Codrington, der Einwendungen machte, und zwar aus dem Grunde, weil fuͤr die Capitaine Baynes und Camp⸗ bel, mit welchen er mehr zufrieden waͤre, als mit Capitain Dickenson, solche Ehren nicht angeboten worden seyen. Der letztgenannte Officier, da er von der Antwort des Admirals hoͤrte, hielt es nun fuͤr seine Pflicht, sein Verfahren von dem in jener Antwort ausgesprochenen Tadel zu reinigen, und trug zu diesem Zwecke darauf an, vor ein Kriegsgericht

estellt zu werden, ein Antrag, dem man sich sogleich will⸗ ahrig zeigte, wiewohl die Abwesenheit mehrerer nothwendi⸗ gen Zeugen das Gericht außer Stand setzte, sich sogleich zu versammeln.“ Der Anklagepunkte sind, dem Vernehmen nach, sieben; darunter befindet sich der, daß Capitain Dicken⸗ son auf das Englische Schiff „Albion“ gefeuert habe; ferner daß er den Capitain des „Genoa“ schon fuͤr todt erkläͤrte, waͤhrend dieser noch bis zum andern Morgen gelebt habe, und endlich, daß mehrere seiner Angaben mit dem Schiffs⸗ Journal nicht uͤbereingestimmt haͤtten.

Mehrere hiesige Blaͤtter theilen ein Schreiben mit, das der Herzog von Wellington von den Bischoͤfen in Portugal erhalten haben soll. Diese danken darin dem Herzoge dafuͤr, daß er durch die von ihm bewirkte katholische Emancipation die apostolisch⸗Roͤmisch⸗katholische Religion in Portugal wie⸗ derhergestellt, so wie durch seine neutrale Politik in Bezug auf Portugal den Thron Dom Miguels befestigt habe. Die Times erklärt jedoch den ganzen Brief fuͤr ein satyrisches

Nachwerk, das sie selber, da man es ihr zur Aufnahme zu⸗ gesandt, zuruͤckgewiesen habe.

Das Schiff „Ganges“, mit welchem (wie gestern gemel⸗ det) Lord Ponsonby aus Rio⸗Janeiro zuruͤckgekommen ist, hat zu gleicher Zeit 18,000 Pfd. in Species fuͤr Rechnung der Brasilianischen Minen⸗Tompagnie mitgebracht. r Henri Aston ist als Geschaͤftstraͤger in Rio zuruͤckgeblieben, um die Interessen Britischer Unterthanen ferner zu beschuͤz⸗ zen. Der Contre⸗Admiral Baker befindet sich jetzt an der Stelle des zuruͤckgekommenen Contre⸗Admirals Sir R. W. Otway, als Commandeur der Britischen Flotte auf der Sta⸗ tion von Suͤd⸗Amerika.

Vice⸗Admiral Colprys ist an die Stelle des Admirals Fleming, dessen Dienstzeit abgelaufen ist, zum Commandeur auf Jamatca ernannt worden.

In den Manufaktur⸗Districten in Schottland herrscht Loße Noth, namentlich in Paisley, wohin das Unterstuͤtzungs⸗ omits in London 10,000 Pfd. zur Abhuͤlfe gesandt hat.

Aus den jetzt im Druck erschienenen, vom Parlamente geforderten amtlichen Nachweisen uͤber die Rhederei und Schifffahrt in Großbritanien ist zu ersehen, wie bedeutend

8 .

sich dieselben seit dem Jahre 1814 vermehrt haben. Im gex. nannten Jahre liefen naͤmlich in diesseitige Haͤfen 89755 Britische Schiffe mit einem Gehalte von 1,290,281 Tonnen

ein; im Jahr 1828 aber war diese Zahl auf 13,436 Schiffe mit 2,094,357 Tonnen gestiegen; die Schiffe haben sich also um die Haͤlfte, die Tonnenzahl aber fast um das Doppelt

vermehrt. Nicht so ist es mit auslaͤndischen Schiffen des Fall, die nach diesseitigen Haͤfen clarirt wurden; hier tritt sogar eine Abnahme in der Schiffszahl und nur eine unbe⸗ deutende Vermehrung im Tonnen⸗Gehalt ein. Es liefen

naͤmlich im Jahr 1814 ein: 5286 Schiffe mit 599,287 Ton⸗

nen, im J. 1828 aber nur 4955 Schiffe mit 634,620 Ton⸗ nen. Ein gleiches Verhaͤltniß zwischen Britischen und aus⸗ laͤndischen Fahrzeugen ist in den Zahlen der in den beiden genannten Jahren von Britischen Haͤfen ausgelaufenen Schif⸗ fen wahrzunehmen. Der Courier nimmt hiervon Veran⸗ lassung, zu bemerken, wie alles Geschrei uͤber den durch das freie Handels⸗System herbeigefuͤhrten Verfall der Rhederei grundlos gewesen sey.

Im Morning⸗Advertiser liest man Folgendes: „Nach den Nord⸗Amerikanischen Zeitungen zu urtheilen, faͤngt die dortige Regierung an, die Richtigkeit der Dolitik: das Manu⸗ factur⸗System in den Vereinigten Staaten besonders aufzumun⸗ tern, sehr ernstlich zu bezweifeln, und es scheint, als wuͤrde sie, wenn sie bei uns gleiche Gesinnungen vorfaͤnde, gerne wieder zu ihren fruͤheren Verhaͤltnissen mit Großbritanien zurückkehren⸗ England fuͤhrt jaährlich ein bedeutendes Auan⸗ tum fremdes Getreide ein, und die Vereinigten Staaten koͤnn⸗ ten uns wohlseiler damit versorgen, als jedes andere Land, wogegen es von uns alle Arten von Fabrikaten wohlfeiler be⸗ ziehen kann, als es sie bei sich zu liefern im Stande ist. Es

ist mithin die wahre Politik beider Laͤnder, sich hieruͤber mit

einander zu verstaͤndigen.“

Der Marquis von durch ein Wunder vom Tode gerettet worden. Er fuhr mit seiner Gemahlin von seinem Landsitze aus; der Wagen brach und wurde von den Pferden fortgeschleift. Waͤren diese nicht in einen Graben gestuͤrzt, so wuͤrde der Marquis, der bereits unter dem Wagen lag, zermalmt worden seyn. So kam er mit einigen sehr starken Contusionen davon; seine Gemahlin aber hat durchaus keinen Schaden genommen. 1

Seitdem officiell Irv daß die Spanische Expedition aus Havana wirklich abgesegelt ist, sind hier, merkwuͤrdig genug, die Mexikanischen Obligationen um 1 pct gestiegen; sie stehen jetzt 18 bis 19.

Es gehen von allen Seiten viele Klagen uͤber den Scha⸗ den ein, welchen der anhaltende Regen der verspaͤteten Aerndte zufuͤgt. Aus Dover schreibt man, daß es, wenn das Wet⸗ ter noch eine Zeit lang so fortdauere, kaum der Muͤhe werth seyn wuͤrde, eine Aerndte vorzunehmen.

Das Dampfboot „Sir Edward Bankes“ ist es, auf welchem (wie bereits mehrmals erwähnt) die Contrebande gefunden worden ist. Das Schiff ist gegen Buͤrgschaft frei⸗ gegeben worden (dem Gesetze nach ist es verfallen) und setzt —2 Reisen zwischen London und Hamburg regelma⸗ ig fort.

Die aus Leipzig, worin der Untersuchungen des Professor Seyf⸗ farth uͤber die Hieroglyphen mit Lobe gedacht wird.

Gestern Abend wurde im Englischen Opernhause zum ersten Male „der Vampyr, Text von W. A. Wohlbruͤck, Musik von Heinrich Marschner“ gegeben. Die Aufnahme, welche die Oper fand, war gut, doch wollen einige Beurtheiler die Musik allzu gelehrt sinden. Die Ouvertuͤre und ein vier⸗ stimmiges Trinklied sind ganz besonders mit Beifall aufge⸗ nommen worden. .

Niederlande.

Brussel, 27. August. In der Stadt Nivelles, ohn⸗ der Geburtstag des Koͤnigs

gefaͤhr 4 Meilen von hier, ist mit außerordentlichem Enthusiasmus gefeiert worden. „Der allgemeine herzliche Frohsinn“, heißt es in einem Schreiden von dort, „der sich uͤberall zeigte, lieferte einen neuen Be⸗ weis von dem guten Geist der Bewohner dieser Stadt, und von ihrer Liebe zu ihrem Landesvater.“ 1

Das, von der hiesigen, unter dem Schutz der Koͤnigin bestehenden philantropischen Gesellschaft gestiftete neue Hos⸗ pital fuͤr 12 unheilbare Kranke wurde am 2’Ästen dieses Mo⸗ nats eroͤffnet, und mithin der Geburtstag des Koͤnigs auch fuͤr diese Ungluͤcklichen ein Tag der Freube.

Die Kaiserin von Brasilien ist mit ihrem Gefolge am 23sten in Ostende angekommen. Tages darauf empfing die⸗

.““] Beilage

24

Londonderry ist kuͤrzlich gleichsam

hiesige Literary⸗Gazette enthäͤlt ein Schreiben