1829 / 248 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

111“ begeben; ein solches Gesuch sey von dem Vicomte von teaubriand dem Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten in Person uͤberreicht worden.

Die Gazette de France wiederholt ohne weitere Be⸗ merkung aus einem liberalen Blatte die Nachricht, der Vi⸗ comte von Chateaubriand habe seine Entlassung als Bot⸗ schafter beim Roͤmischen Stuhle eingesandt und den Koͤnig zugleich um eine Privat⸗Audienz gebeten, um ihm die Be⸗ weggruͤnde zu diesem Schritte vorzutragen.

Das Journal des Déebats sagt: „Man macht jetzt bei uns einen sonderbaren Gebrauch von England; man empfaͤngt aus diesem Lande die Minister, man moͤchte ihm gern sein Erstgeburtsrecht und seine großen geistlichen Do⸗ tationen entlehnen. Was aber die parlamentarische Freiheit Englands, so wie seine Preßfreiheit und seine unabhaͤngige Jury betrifft, so soll man an diese nicht denken.“

Der Koͤnigliche Procurator hat von dem Urtheile des Zuchtpolizei⸗Gerichts gegen den Redacteur des Journal des Débats als zu gelinde appellirt; er giebt als Grund an, das Gericht habe den 14. Artikel des Gesetzes vom 18. Juli 1828 nicht angewendet, wonach das Minimum der Geldstrafe bei Preßvergehen wenigstens auf das Doppelte erhoͤht wer⸗ den muͤsse.

Der Courrier francais behauptet, das Ministerium befinde sich in großer Verlegenheit. Es moͤchte gern etwas unternehmen und fuͤhlt doch die Unmoͤglichkeit, es auszufuͤh⸗ ren; zwischen den Ministern der auswaͤrtigen Augelegenhei⸗ ten und des Innern seyen bereits Uneinigkeiten ausgebro⸗ chen; auch fange der Hof allmaͤhlig an, sich von der Unpopu⸗ laritaͤt des Ministeriums und von der Unmoͤglichkeit seines Bestehens zu uͤberzeugen. Das Ministerium fuͤrchte die Kammer und beschaͤftige sich jetzt fast ausschließlich mit den Mitteln, dem Widerstande der Kammer vorzubeugen. Der

inister des Innern wuͤnsche, die Kammer aufzuloͤsen, wolle aber vorher die Praͤfekten in einem Rundschreiben um das wahrscheinliche Ergebniß neuer Wahlen in ihren De⸗ partements befragen. Ein aͤhnliches Rundschreiben habe Herr von Villele im September 1827 an die Praͤsekten erlassen; von allen Seiten habe er die Versicherung des guͤn⸗ stigen Erfolgs erhalten, und am 30. Novbr. sey er durch das Resultat der Wahlen uͤberzeugt worden, daß sein Fall unvermeidlich sey. Andre Minister dagegen seyen der Mei⸗ nung, man muͤsse Zeit zu gewinnen suchen, die Kammer im naͤchsten Februar zusammen berufen, ein recht unbequemes Sitzungs⸗Lokal aussuchen, in unbestimmten Ausdruͤcken von großen Verbesserungen, von Erleichterung der Auflagen, Freiheit des oͤffentlichen Unterrichts u. s. f. sprechen, der Kammer nur das Budget vorlegen, mit dem Bemerken, daß zu der Redaction von Gesetz⸗Entwuͤrfen uͤber jene heil⸗ samen Maaßregeln bei dem kurzen Bestehen des Ministeriums noch keine Zeit gewesen sey, und dann unmittelbar nach be⸗ willigtem Budget die Kammer schließen, um die Ausfuͤhrung des großen Schlages fuͤr das Jahr 1831 aufzusparen.“

Das genannte Blatt versichert, die Times erhalte ihre Pariser Correspondenz⸗Nachrichten aus den Buͤreaux de Franzoͤsischen Ministeriums der auswaͤrtigen Angelegen⸗ eiten.

Der Constitutionnel sagt, der jetzige Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten habe im Jahre 1818 im Conser⸗ vateur eine Koͤnigl. Ordonnanz, durch welche Monsieur, Graf von Artois, den Oberbefehl der National⸗Garde verlo⸗ ren habe, kritisirt, und bei dieser Gelegenheit unter Anderm geäͤußert, daß durch diese Maaßregel die Bande, welche die National⸗Garde an den Thron geknuͤpft haͤtten, aufgeloͤst worden waͤren. Die Aeußerung, wegen welcher man das Journal des Dobats verurtheilt habe, sey eine der obigen ganz aͤhnliche gewesen.

Das Journal des Déebats sagt in Betreff seiner Verurtheilung: „Unser Royalismus ist es, den man vor das Zuchtpolizei⸗Gericht geladen hat, um ihn zu bestrafen. Es ist gut, daß man es sagt, warum das Ministerium besonders gegen uns so erbittert ist. Es giebt zwei Arten des Roya⸗ lismus in Frankreich; die eine ist die wahre, die andere die falsche. Beide unterscheiden sich durch sehr bestimmte Zei⸗ chen. Der wahre Royalismus stuͤtzt sich auf die Freiheit, er liebt es, den Koͤnig populair zu machen, indem er ihn so darstellt, wie er ist, naͤmlich als großherzig, rechtlich, als einen Freund unsrer Institutionen und als eeneigt, uns noch einige Freiheiten mehr zu schenken. Den Koͤnig dem Volke hinter eine Faction zu verbergen, haͤlt der wahre Royalis⸗ mus fuͤr ein Verbrechen; er bleibt seinen Schwuͤren auf der Bank der Opposition wie auf der Bank der Minister treu,

ohne sich die laͤcherliche Pflicht aufzulegen, stets zufrieden, stets begeistert und bis zu Thraͤnen geruͤhrt zu erscheinen,

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was auch geschehen moͤge. Der falsche Royalismus dagegen

saͤet Verdacht und Furcht um den Thron, in der Hoff⸗ nung, die Macht fuͤr sich zu aͤrndten. wendig zu machen, verlaͤäumdet er das Volk und malt es mit den schwaͤrzesten Farben; er stellt sich als den allein treuen und ergebenen dar; es liegt ihm wenig daran, daß er die Eintracht zwischen dem Heren und den Unterthanen stoͤrt, indem er zwischen Beide tritt. Wenn man ihn an⸗

greift, verbirgt er sich schnell unter dem Koͤniglichen Mantel.

Der Name des Koͤnigs dient ihm zum Schilde, und die Ge⸗

fahren der Monarchie sind in seinen Augen etwas Geringes.

Diese beiden Arten des Royalismus hassen sich; nur zwischen ihnen wird jetzt der Krieg in Frankreich gefuͤhrt. Augenblick sitzt der falsche Royalismus am Staatsruder, waͤh⸗ rend der wahre zum Gefängniß verurtheilt wird. duld, es wird nicht lange dauern!“

Der Vertheidiger des Figaro, Herr Dupin der Juͤngere, fragte vorgestern im Verlaufe der Verhandlungen den Praͤ⸗

sidenten des Zuchtpolizei⸗Gerichts, ob der erste Satz des ge⸗

gen das Journal des Dehats gefaͤllten Urtheils wirklich,

wie ein großer Theil des Publikums ihn verstanden habe, den Journalen das Recht abspreche, die Minister⸗Wahlen

zu beurtheilen. Der Praͤsident erklaͤrte, daß dies nicht der Fall sey. 8

Der Messager meldet, der Großsiegelbewahrer habe Herrn Royer⸗Collard einen Besuch machen wollen, ihn aber nicht zu Hause getroffen.

Der neue Praͤsident des Handels⸗Tribunals, Banqnier

Vassal, wurde gestern, nachdem er vor dem Königlichen Ge⸗ richtshofe vereidet worden war, feierlich installirt.

Die Waͤhler des 1sten Wahlbezirks von Paris versame melten sich vorgestern, um gemeinschaftlich, den ihnen zukom⸗

Rechte gemaͤß, die ausgehaͤngten neuen Wahllisten zu pruͤfen. Der Banquier der Spanischen Regierung Hr. Aguado

verlangt in seiner Anklage gegen den Constitutionnel und das 8

Journal du Commerce von den Redacteuren eine Entschaͤdi⸗ gung von 100,000 Fr. 8

Außer dem Journal du Commerce und dem Constitu⸗ tionnel hat Herr Aguado auch die Quotidienne und die Tribune des Departements vor das Zuchtpolizei; Gericht fordern lassen. den 10. September vor Gericht erscheinen.

Die in Marseille fuͤr den Pascha von Aegypten erbaute 1

Fuͤr den Doch Ge⸗

.

Um sich noth.

Die Redacteure dieser vier Blaͤtter werden 1

Fregatte „Egyptienne“ ist den 23. nach Alexandrien ab⸗

gesegelt.

Finanz⸗Minister Graf Chabrol die Herren Lepelletièr d'⸗Aulnay,

Froisdefond de Bellisle, Hely d'⸗Oissel und Villemain in einer

Privat⸗Unterredung dringend aufgefordert, in den Staats⸗

Rath, aus dem sie freiwillig geschieden, wieder einzutreten. Die Fuͤrstin Poniatowski ist hier angekommen.

Die heute erschienene 8 der Revue de Paris 0

enthaͤlt unter Anderm auch den „Tod eines Engels“ von

Jean Paul Friedrich Richter in einer Franzoͤsischen Ueber.

setzung. Großbritanien und Irland. London, 31. August. Am vorletzten Sonntage ertheilte

der Erzbischof von Canterbury dem Dr. Bagot die Weihe

als Bischof von Orford; vorgestern ist der Bischof dem Kö⸗ nige in Windsor vorgestellt worden.

Am Sonnabend Abend kamen Depeschen von Herrn 4 Gordon aus Konstantinopel, vom 8ten d. M., im auswaͤrti⸗

gen Amte an. Durch diese Depeschen ist bereits hier bekannt geworden, daß der Sultan seine Gesinnung veraͤndert habe, und zu einem Friedens⸗Abschlusse geneigt sey.

Der Courier theilt einen Privatbrief aus Paris vom

29sten mit, der Folgendes enthaͤlt; „Es haben elnige neue Umstände, welche mit den Depeschen vom 7ten d. M. aus

Konstantinopel an die Franzoͤsische Regierung gekommen sind, 3

verlautet. Graf Guilleminot giebt, wie ich Ihnen schon ge⸗ meldet hatte, einen sehr unvortheilhaften Bericht von den Tuͤrkischen Truppen und Huͤlfsmitteln, und von dem Geiste, der die ehemaligen Janitscharen erfuͤllt, und erwartet eine baldige Beendigung der Feindseligkeiten durch einen Friedens⸗ Tractat. Was die Griechische Angelegenheit betrifft, so ist

solche fast als abgemacht anzusehen. Der Sultan willigt in Banigkeit Griechenlands, allein

die Anerkennung der Unab der jetzt streitige Sesn ist die Weise, wie diese Anerken⸗ nung der Welt be

ter bestehen darauf, daß es durch einen Hattischerif geschehen

Bellage

annt gemacht werden soll. Die Botschaf⸗

Dem Messager des Chambres zufolge, hat der 8