1829 / 250 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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die Freiheiten seines Landes protestirt und dadurch den Haß ddees Volks auf sich geladen habe. Beide obgedachte Blaͤtter halten es gleichwohl nicht fuͤr unwahrscheinlich, daß das Ministerium damit umgehe, die Deputirten⸗Kammer aufzu⸗ loͤsen. Der Courrier frangais erinnert mittlerweile an das von dem Grafen von la Bourdonnaye selbst angegebene Mit⸗ eel, um sich einer unpopulairen Verwaltung zu entledigen: Meine Herren“, aͤußerte derselbe mehr als einmal, „ver⸗ weigern wir das Budget einem Ministerium, welches deas Vertrauen des Landes nicht verdient.“ Es wird mit ziemlicher Bestimmtheit versichert, daß die hiiesige Handels⸗Kammer dem Minister des Innern, bis zur Beendigung der noͤthigen Reparaturen im großen Saale des Pallastes Bourbon, das Boͤrsen⸗Lokal fuͤr die naͤchsten Sitzun⸗ gen der Deputirten⸗Kammer angetragen habe.

Der Theil des bisherigen Sitzungssaales der Depu⸗ tirten, welcher wieder aufgebaut werden soll, ist bereits eingerissen, und die Arbeiten haben begonnen; 24 Saͤulen von weißem Italiaͤnischen Marmor, die das Innere des neuen Saales schmuͤcken sollen, liegen auf dem Invaliden⸗Quai.

8 Der Courrier francais versichert, daß in der Zu⸗ sammenkunft, welche der Vicomte von Chateaubriand vorge⸗ stern mit dem Fuͤrsten von Polignac gehabt, jener dem Mi⸗ nistter ein Schreiben an den Koͤnig uͤberreicht habe, worin er den Monarchen um eine Privat⸗Audienz gebeten, daß diese Audienz ihm aber verweigert worden sey. Der Messager des Chambres äaͤüußert sich uͤber diese angebliche Zuruͤckwei⸗ sung des Herrn von Chaͤteaubriand sehr bitter. Die Ga⸗ zette de France dagegen, welche noch vor Kurzem dem Vicomte, in der Voraussetzung, daß er seinen Botschaf⸗ ter⸗Posten behalten wuͤrde, geschmeichelt hatte, spricht sich jetzt uͤber ihn in folgender Art aus: „Die V dankung des Vicomte von Chateaubriand hat Niemand überrascht; sie ist eine nothwendige Folge des Fehlers, dden er gegen sein Land und gegen seinen König beging, als er, seine Principien, seine Schriften und sein seit der Wie⸗ dderherstellung der Monarchie befolgtes ehrenvolles Benehmen aobschwoͤrend, sich entschloß, die Monarchie zu erschuͤttern, um den Fall eines Ministeriums zu verursachen, welches ihm nicht hatte weichen wollen. Seitdem gehoͤrte der Vicomte v. Chateau⸗ briand der boͤsen Sache an; seitdem hat er gaͤnzlich die Freiheit sei⸗ nes Geistes und seines Urtheils verloren, und die monarchische Re⸗ gierung, welche ihn anklagte, wurde ihm verhaßt. Unter einem li⸗ 85 beralen Ministerium nahm Hr. v. Chäteaubriand einen wichtigen

Posten an, auf welchem er in dem Glanze der Kuͤnste, in dem Gewuͤhle der Festlichkeiten und in dem Zauber des Luxus 8* und der Groͤße Zerstreuung gegen die Qualen seines Geistes suchte. Indem er heute seine Entlassung einreicht, zerreißt eer den letzten Ring der Kette, die ihn an die Sache der „Drdonung knuͤpfte; er verliert alle Vortheile der Stellung, mwoelche er seinen fruͤheren Diensten verdankte, und wirft sich den unterirdischen Maͤchten in die Arme. Er hat sich fuͤr dden Journalismus gegen das Koͤnigthum erklaͤrt; er unter⸗ werfe sich also dem Geschicke, das er sich selbst bereitete.“ Der Messager des Chambres und nach ihm einige andere Oppositions⸗Blaͤtter bemerken mißbilligend, daß Herr Frranchet nunmehr von dem jetzigen Finanz⸗Minister die Ge⸗ neral⸗Einnehmerstelle erhalten werde, die der Graf von Vil⸗ l1öele ihm zugedacht, der Graf Roy aber vorenthalten gehabt —habe. Die Gazerte de France fragt blos: „Warum nicht? Ist etwa Herr Franchet von der Charte ausgeschlossen? Ist krsese wie alle Franzosen, zu den oͤffentlichen Aemtern zu⸗ Das Journal du Commerce will wissen, das Mi⸗ nisterium habe den Lyoner Behoͤrden den bestimmtesten Be⸗ 8 9l zugehen lassen, jeden feierlichen Empfang des General ECLafayette, dessen Ankunft man dort erwartete, zu verhindern. (2) Der Constitutionnel hebt als bemerkenswerth her⸗ vor, daß der Redakteur des Moniteurs im Jahre 1793, Hr. Trouvé, jetzt zum Secretair des Ministers des Innern er⸗ nannt, und dagegen Hr. Bertin der Aeltere, der Redakteur des Genter Moniteurs von 1815, zu sechsmonatlichem Ge⸗ fäaͤngniß verurtheilt worden sey.

Vom 1. Aug. bis heute sind 265 Emigranten⸗Entschaͤ⸗ 8 digur

j igs⸗Anspruͤche bei der Behoͤrde angemeldet, und von den fruͤheren sind 146 anerkannt und in das große Buch der Staats⸗ schuld eingetragen worden. Die ganze Summe der einge⸗ schhriebenen Forderungen betragt jetzt in Kapital 787,350,599 Fr. oder 23,620,704 Fr. in Renten.

Im Departement der Dordogne ist eine Subseription eeroͤffnet worden, deren Ertrag dazu verwendet werden soll,

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auf die Amtsfuͤhrung des Hrn. von Belleyme, in seiner Ei⸗ e als Polizei⸗Praͤfekt von Paris, eine Dentmuͤnze zu agen.

Das Journal des Doébats meldet als Geruͤchte, daß der Franzoͤsische Botschafter am Koͤnigl. Sardinischen Hofe, Marquis v. Latour⸗du⸗Pin, zuruͤckberuͤfen, der Graf 8. neval hingegen zum Botschafter in London ernannt sey, und daß der Herzog von Laval wieder nach Rom gehen werde. Die Nachfolger dieser Diplomaten in Turin, Bern und Wien seyen noch nicht bekannt.

Die Botschafts⸗Secretaire Graf von Flavigny in Lon⸗ don und Herr von Vieil⸗Castel in Wien sind zu Unter⸗Buͤ⸗ reau⸗Chefs im Ministerium der auswaͤrtigen Angelegenheiten, und der bisherige Buͤreau⸗Chef bei demselben Ministerium, Herr Denois, ist zum General⸗Consul in Mailand ernannt worden.

Der Graf Roy verlaͤßt heute die Stadt, um sich auf eines seiner Landguͤter zu begeben.

Gestern machten die Deputationen des Tribunals erster Instanz des Seine⸗Departements und des Advokaten⸗Stan⸗ des, an deren Spitze der Praͤsident Herr von Belleyme und der Koͤnigl. Procurator Herr Billot standen, dem Großsie⸗ gelbewahrer ihre Aufwartung.

Mlle. Sontag weist sich in den oͤffentlichen Blaͤttern durch ein Attest ihres Arztes zu Dieppe aus, daß ihr Ge⸗ sundheitszustand ihr nicht gestatte, schon am 3ten d. M., wie der Direktor der Italiaͤnischen Oper, Hr. Laurent, solches ver⸗ langt, hier wieder aufzutreten; sie erklaͤrt sich gleichwohl be⸗ reit, dem Wunsche des Hrn. Laurent zu genuͤgen, wenn die⸗ ser auf seiner Forderung bestehen sollte, macht ihn aber fuͤr die Folgen davon verantwortlich, und appellirt im Uebrigen an die Nachsicht des Pariser Publikums.

In dem fruͤhern Jesuiten⸗Seminar in Saint⸗Acheul werden, einigen Blaͤttern zufolge, schon wieder die zur Auf⸗ nahme der Zoͤglinge bestimmten Zimmer in Stand gesetzt.

Das Convents⸗Mitglied, Hr. Karl Duval, ist zu Huy in den Niederlanden im 80sten Jahre seines Lebens mit Tode abgegangen.

Nach einem Schreiben aus Santa⸗Fé de Bogota vom 21. Juni ist die Peruanische Fregatte „Prueba“ in die Luft geflogen und die ganze Schiffs⸗Mannschaft dabei umgekom⸗ men. Man glaubt, daß dieser Vorfall die Uebergabe der Stadt Guayaqull an die Truppen des General Floreͤs zur Folge haben koͤnne, und hoffte, daß der General Bolivar bald nach Bogota zuruͤckkommen werde.

Ein (von der Allgemeinen Zeitung mitgetheil⸗ tes) Privatschreiben aus Paris sagt: „Die jetzige Umwaͤl⸗ zung gewaͤhrt zwar noch keinen klaren Durchblick, doch wer⸗ den schon die verschiedenen Elemente sichthar, wovon eins das andere niederschlagen muß. Der Jesuitismus droht mit dem Trugbilde der Revolution, und damit man an ihn glauben solle, laͤßt er ultramontane Bannstrahlen nicht nur vor dem Throne gegen die vorigen Minister, wie man nur unbestimmt nrhablt hat, sondern sogar gegen die heilige Person auf dem⸗ selben selbst blitzen; der Liberalismus bestreitet die Moͤglich⸗ keit, daß die alten Feinde seiner guten Sache sich je mit der Freiheit aussoͤhnen werden, und beweist dies aus den Bio⸗ graphieen, die zum Theil schon in den Zeiten von 1789 und 1793 geschrieben worden sind; dann tritt der reine entschlossene Constitutionalismus auf, der weder die Republik, noch Na⸗ poleon, noch irgend einen andern Goͤtzen mehr anerkennt, sondern nur die Tafeln, auf welchen das Gesetz der Charte heschrleben steht, das Ludwig XVIII. aus dem Exil zuruͤckge⸗

racht hatte; und endlich erscheint das ganz neue Bild des constitutionnellen Royalismus. Wir sprechen hier nicht von der bekannten Schattirung derjenigen Constitutionnellen, die sich seit den letzten Jahren fuͤr die constitutionnelle Monarchie erklärt hatten, um dem Vorwurfe zu entgehen, als suchten sie in der Constitution nur die Mittel des Widerstandes gegen das Koͤnigl. Vorrecht; sondern seit dem so eben ins Leben getre⸗ tenen Ministerium will sich eine besondere Klasse von Roya⸗ listen in einen Koͤrper bilden, der zwar auch das einzige Heil des gemeinen Wesens in der hearee suchen, aber sich von allem Einfluß, von allem Zwange der bisherigen Par⸗ theien und Mehrzahlen unabhaͤngig machen, und unter dem Namen von Monarchismus ein anderes System bereiten soll, worin die Rechte des Koͤnigs schaͤrfer bezeichnet, die Anspruͤche der Person und sogar der bloßen Namen⸗Verdienste nicht mehr uͤber die Beduͤrfnisse des Landes vorherrschend aner⸗ kannt, sondern, was die Verhaͤlnisse Frankreichs zum Aus⸗ lande betrifft, die Wiederherstellung seiner alten continenta⸗ len Macht, und in der Verwaltung des Innern nur die