1829 / 259 p. 7 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zu nennen, und Diejenigen, die einer fruͤher einmal hier in dder Umgegend Statt gefundenen Aufführung dieses in groß⸗ agrtiger Einfachheit unüͤbertrefflichen Meisterwerks der Ton⸗ kunst beigewohnt hatten, mußten besonders mit Freude und Dank erkennen, wie trefflich die Solo⸗Parthieen besetzt waren. Zu Anfang des zweiten Theils der Auffuͤh⸗ rung dieses Tages wurde die große Symphonie aus Cmoll voon Beethoven gespielt; sie ward nicht nur mit vielem Feuer, ssoondern, trotz den Schwierigkeiten, welche der letzte Satz wegen des mehrmaligen Tempo⸗Wechsels, besonders fuͤr ein so großes Orchester haben mußte, mit hoͤchster Praͤcision aus⸗ gefuͤhrt. Nachdem sodann von Mad. Schulz eine Arie aus der Schoͤpfung mit gewohnter Virtuositaͤt und von Herrn Mauenburg eine Arie des Judas aus dem „Ende des Ge⸗ ceechten“ von Schicht, mit volltoͤnender Baßstimme sehr lo⸗ benswerth vorgetragen worden, spielte der Koͤnigl. Hannoͤ⸗ versche Concertmeister Herr Maurer, mit anerkannter Vir⸗ tuositaͤt die beiden ersten Sätze eines von ihm selbst compo⸗ nirten Violin⸗Concerts; der dritte Satz, das Rondo scher- recht angemessen gewesen seyn wuͤrde, blieb deshalb weg. Den Beschluß machte auf vielfältiges Begehren auch an die⸗ sem 8 der Volksgesang von Spontini, der alle Anwesende auss hoͤchste begeisterte. 3 Der des Festes, fuͤr welchen die Behoͤrde eben⸗ maäͤßig die Benutzung der Kirche zugestanden hatte, begann mit dem Sieges⸗ und Festmarsch von Spontini, der nicht minder wie der Volksgesang dieses Meisters, in dem herr⸗ lichen Gewoͤlbe des Gebaͤudes einen maͤchtigen, gewaltig er⸗ greifenden Effect machte. Von den uͤbrigen Musikstuͤcken die demnaͤchst ausgefuͤhrt wurden, erwaͤhnen wir nur, daß ddie Koͤnigl. Kammermusiker Herrn Schauke Il. und III. ein von Lenß componirtes Concertante fuͤr 2 Waldhoͤrner, ferner Heerr Stromeyer eine Arie aus der Schoͤpfung von Heydn und Madam Schulz eine, vom Hrn. Musikdirektor Moeser miitt obligater Violine hoͤchst discret und vortrefflich begleitete Arie von Mozart vortrug. Den Beschluß des lsten Theils machte die große Symphonie aus Cdur von Mozart, welche eben mit dem Feuer und dem Enthustasmus, als am 1sten Tage executirt wurde. Nach mehrseitigem Wunsche begann der 2te Theil mit einer Wie⸗ ddeerholung der Huvertuͤre zur Olimpia, und am Schluß desselben ward auf allgemeines Verlangen die dden Koͤnig „nochmals und auf das Trefflichste ausgefuͤhrt. Zum Beschluß des ganzen Mustkfestes fand gestern noch ein Concert in der Freimaurer⸗Loge statt, in welchem haupt⸗ säͤchlich Compositionen von leichterem Genre ausgefuͤhrt wur⸗ den, und uns Gelegenheit gegeben ward, einzelne Virtuosi⸗ taͤten zu bewundern. Gewiß kann man im Allgemeinen die⸗ ses erste Musikfest des Thuͤringisch⸗Saͤchsischen Vereins aus⸗ gezeichnet und in hohem Grade gelungen nennen, und wenn man erwaͤgt, welche Schwierigkeiten der Begruͤndun eines solchen Vereins, selbst mit Hinsicht auf die Nachbarschaft —— abhnlicher Vereine, entge enstanden, und in welcher ——— hig kurzen Zeit die Oache zu Stande gebracht worden ist, so muß man gewiß der Beharrlichkeit und dem regen unermüͤdeten Be⸗ streben unseres wackeren Universitäts⸗Musik⸗Direktors Naue, b hiebei besonders werkthaͤtig gewesen ist, alles Lob ange⸗ sihen lassen und sich bescheiden, daß wenn nicht alle und Waͤnsche befriedigt worden seyn sollten, * unstreitig sehr Lobenswerthes und Bedeutendes geleistet rden ist. Unverkennbar gebuͤhrt jedoch hiebei der guͤtigen ereitwilligkeit, mit welcher der K. General⸗Musik⸗Director * Spontini die Leitung uͤbernommen hatte, und der gefaͤlli⸗ darf ig vüstenlich an erlin, der hoͤchste Dank, und es Hinsicht wohl nicht unbemerkt bleiben, daß,

wenn aäͤhnliche fruͤhere Feste in unse

8 2 serer Nachbarschaft

auch ein schoͤnes und großes Ensemble von Instrumen⸗ auch vielleicht ein stark und gut besetztes

8 . doch die lo⸗ icen e⸗ sanges nie so zusgeze * Küwvbet. e lerir eilnahme so trefflicher Kuͤnstler

bes 88. hier —— hatten,

. offnung, daß die Erfolg begruͤndet zugleich die

Chuͤringisch⸗Säͤchsisch die kanftigen großen Musikfeste des und allgemeinerer schen Vereins sich einer immer groͤßeren

2* en Nutzen a6 Theilnahme zu erfreuen haben werden. mehrfacher Hinst er dergleichen Vereimne und solche Feste in

kalischen Sicnelfcht, besonders aber zur Belebung des musi⸗

in kleinern Orten zur Anregung eines höheren Eifers, auch mit der Relzaiza,gund selbst auf dem Lande, fuͤr die schöͤne, Feltglösitaͤt in so naher Verbindung stehende Kunst

2 uß, bedar . 1 Sers keiner naͤheren Eroͤrterung.

8 * V⁄⏑‿ 2 2

Cantate „Gott segne

Vermischte Nachrichten. Versuch mit Herrn Gurney’s Dampfwagen. Dieser Wagen hat nicht die Bestimmung, Reisende oder

Gepaͤck zu transportiren, sondern nur ausschließlich als Zug⸗ kraft zu dienen, vermittelst welcher ein Wagen mit Reiseg⸗ den auf den Landstraßen 8 bis 10 Englische Meilen weit in einer Stunde gezogen werden kann. Er hat 4 Raͤder, und außer der Dampfmaschine einen Sitz fuͤr 2 Personen, wovon eine der Maschinenmeister und die andexe der Steuermann ist. Die Maschine ist auf den Hochdruck eingerichtet, und der Stämpel der Pumpe horizontal unter dem Boden des Wagens angebracht. Die Bewegung wird vermittelst einer an der Achse der Hinter⸗Raͤder angebrachten Kurbe bewerk⸗ stelligt, und zwar dergestalt, daß die Kraft nur einem Hin⸗ terrade ausschließlich, oder wenn man will, gleichfoͤrmig bei⸗ den werden kann. Die Art der Thäͤtigkeit ist mithin sehr von der eines gewoͤhnlichen Wagens verschieden, da dieser von einer vorne angebrachten Kraft vorwaͤrts ge⸗ trieben wird, waͤhrend es bei dieser Maschine von hinten durch eine in der Achse der Hinterraͤder angebrachte Kraft geschieht. Die Maschine wird durch ein horizontales vor dem Sitz befindliches Rad regiert, das mit der Achse der Vorderraͤder dergestalt verbunden ist, daß der Wagen unter der Leitung eines Kutschers genauer regiert werden kann, als irgend ein von Pferden gezogenes Fuhrwerk. Die Ma⸗ schine kann jeden Augenblick angehalten werden. Sie ist eben so lang als ein vierraͤdriger Wagen ohne Deichsel, naͤmlich ungefähr 10 Fuß; so, daß wenn ihr ein Wagen mit Reisen⸗ den angehaͤngt wird, die ganze Laͤnge der beiden Fahrzeuge ö nicht die Laͤnge eines vierraͤdrigen mit 2 Pferden espannten Wagens uͤberschreitet. Die auf der Straße ver⸗ anlaßte Reibung ist die eines Wagens mit 8 Raͤdern; in⸗ dessen hat man die Aussicht, die Zahl der letztern ohne Muͤhe auf 6 herabsetzen zu koͤnnen. Diese Maschine fuhr wenig⸗ stens eine halbe Stunde lang auf einer Chaussee einen un⸗ gewoͤhnlich steilen Huͤgel hinan, machte mehrere Wendungen und lagt⸗ waͤhrend dieser Zeit eine Strecke von 4 bis 5 Eng⸗ lische Meilen zuruͤck. Darauf wurde ihr ein von 4 Personen eingenommener halb bedeckter Wagen angehaͤngt, und von ihr mit großer Leichtigkeit auf jener Straße, mit denselben Wendungen, jedoch mit Vermeidung des steilen Huͤgels, in eben der Zeit, wie oben bemerkt, fortgezogen. Da die Ma⸗ schine eine Hochdruckmaschine ist und mithin viel Dampf verbraucht, so hat sie natuͤrlich auch viel Wasser und Brenn⸗ material noͤthig, und erfordert nothwendiger Weise alle halbe Stunden einen neuen Vorrath von Wasser, und alle Stun⸗ den einen neuen Vorrath von abgeschwefelten Steinkohlen (coke), so daß in verhaͤltnißmaͤßigen Entfernungen von 4 und 8, oder von 5 und 10 Meilen, je nachdem die Geschwin⸗ digkeit der Fahrt bestimmt worden, Vorraͤthe von beiden Artikeln niedergelegt werden muͤssen. Das Geraͤusch des Dampfwagens mit dem angehaͤngten Passagierwagen ist nicht so stark, als das eines von 2 Pferden gezogenen Fahrzeuges. Die abgeschwefelten Kohlen geben sehr wenig oder gar keinen Dampf. Die 8 Raͤder beider Wagen veranlassen weniger Staub, als ein vierraͤdriger mit zwei Pfer⸗ den bespannter Wagen machen wuͤrde. Die von einer Hochdruckmaschine zu befuͤrchtende Gefahr wird durch den Bau des Kochkessels vermieden, der nicht einen einzigen gro⸗ ßen Raum, sondern eine Menge mit einander in Verbin⸗ dung stehender Roͤhren enthaͤlt. Die Kosten um diesen Ap⸗ parat auf der Landstraße in Bewegung zu setzen, sind auf 3 Pence fuͤr die Meile berechnet *). Natuͤrlich muͤssen, bevor diese Art von Transport allgemein in Gang gebracht wird, Niederlagen von Wasser und abgeschwefelten Steinkohlen auf bestimmten Stationen laͤngs der zu befahrenden errichtet, und diese ausschliehlich nur zu diesem Zweck ver⸗ wendet werden. Die jedesmalige Versorgung mit Wasser und Kohlen dürfte ohngefaͤhr 2 Minuten Zeit erfordern. Ge⸗ gen die allgemeine Einfuͤhrung dieser Transportweise moͤchte man vielleicht einen nicht unwichtigen Einwand in der Ge⸗ fahr finden, welche ans der ungewoͤhnlichen Erscheinung und raschen Bewegung auf einer oͤffentlichen Straße, hinsichtlich des Erschreckens der Reit⸗ und Wagenpferde, entspringen

*) Die Entfernung von London nach Southampton ist ohn 5— gefähr 80 Meilen und der Preis fuͤr eine Je ac ndan 2 8 1e. Faüche eandkutsche Pfd. 12 Shi. Wenn es mithin wahr ist, daß ——— diese Strecke mit Bequemlichkeit in spaͤtestens 10 Sn en zuruͤcklegen wird, so kostet er den Eigenthuͤmern gerade 8 fd. Im Fall nun die Maschine 20 Paffagiere transportiren ann, und jeder nur 6 Shill. oder ohngefäͤhr den faͤnften Thei -

z gegenwaͤrrigen Transportgeldes zahlt, so würden die Eigen thuͤmer einen reinen Gewinn von 3900 Procent haben.