1829 / 270 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

FIFahrzeuge ausgebessert sind, wollen sich die Truppen wieder einschiffen, um sich uach ihrem eigentlichen Bestimmungsorte zu begeben. In Havana ging man damit um, eine Ver⸗

steaͤrkung von 3 bis 4000 Mann auszuruͤsten. Die 3 oder 4 Transport⸗Fahrzeuge, welche von der Flotte ge⸗ 88 trennt worden sind, sollen nach Havana zuruͤckkehren, um der zweiten Expedition einverleibt zu werden. Man hatte einen solchen Befehl bereits vorher gegeben, fuͤr den Fall,

daß etwas Unvorhergesehenes eintreten moͤchte; inzwischen war Campoche als der Vereinigungs⸗Ort designirt. bn Ha⸗ vana war man zugleich der Meinung, daß, sobalh man sich iin Pucatan erst festgesetzt haben wuͤrde, der Infant Don 3 Francisco de Paula sich dorthin begeben werde; alsdann wmwoollte man zunaͤchst Vorschlaͤge machen, um darauf zu unter⸗ heandeln, ehe man mit den Feindseligkeiten zu beginnen ge⸗ Kachte. Die Spanier schmeichelten sich, daß die Nothwen⸗ digkeit, viele Mexikaner zu vereinigen, ohne die Mittel zu ihrer Besoldung und Unterhaltung zu haben, das Elend und die Ver⸗ wirrung, in welcher sich Mexiko bereits befindet, noch ver⸗

mehren wuͤrde. 1 Im Brit ish Traveller lesen wir: „Es scheint jetzt 8 ; klar, daß Konstantinopel, wenn der Sultan noch 4 8 änger in seiner Halsstarrigkeit beharrt, nicht blos er⸗ bobert zu werden, vom Schicksale ersehen ist, sondern auch zu fallen, ohne daß vom Tuͤrkischen Volke etwas geschieht, um es zu verhindern. Der Sultan glaubt an Praͤdestination. Wenn er nun jetzt noch nicht weiß, daß er dazu praͤdestinirt war, mit den Russen zu unterhandeln, so duͤrfte er, fuͤrchten wir, nur allzubald 38 daß seine Hauptstadt dazu praͤdesti⸗ nirt gewesen, von der Russischen Armee besetzt zu werden. W— Sr in England moͤchte man gern glauben machen, daß s·ddie Russen eine permanente Besetzung der Tuͤrkei beab⸗ scchtigen, und zwar will man damit das Polk in Furcht sͤagen und zu einem Kriege ermuntern. Das Volk hat jedoch schon allzuviel Krieg Pen um diesen noch als

eeine Amelle des Nutzens betrachten zu können; ja, selbst zur Mnterhaltung scheint ihm der 1g1ege ein jclechier büvr 2 seyn. Auch ist jener Traum von einer permanenten Be⸗ etzung der Tuͤrkei ein zu wilder, ein der gesunden Vernunft

zu wenig entsprechender, um selbst den reizbarsten Waage⸗ meister, der jemals die Waagschalen von Eurapa zwischen seinen Fingern hielt, außer Fassanc, oder nur in zu dbringen. Rußland müuͤßte noch viel staͤrker werden, ehe es 8 daran denken koͤnnte, die ganze Tuͤrkei mit seinen Truppen au besetzen und so dem ganzen Europa sich entgegenzustellen. Mitt dieser Ueberzeugung und wohl wissend, daß die Gesand⸗ ten der alllirten Maͤchte jetzt auf dem Platze sind, um die Sicherheit Europa's wenn diese nämlich uͤberhaupt gefahr⸗ det waͤre wahrzunehmen, gestehen wir, daß wir dem Re⸗ 8ꝙ sultate des Kriegs, mehr neugierig als besorgt, encgegen se⸗ ben Jetzt noch von einem Widerstande der Tuͤrkischen Armee, oder des Volkes dort reden zu wollen, waͤre laͤcher⸗ lich. Der ungehinderte Einzug der Russen in Adrianopel heat diesen Punkt ganz erledigt. Wenn eine Invasions⸗Ar⸗ mmee in der zweiten Stadt des Reiches, einer Stadt, von 2 der wir im Verlaufe des Feldzuges so oft gehöͤrt haben, daß daselbst ein großer Schlag von Seiten des Volkes gesche⸗ hen werde, so freundlich und willkommen aufgenommen wird; wenn die Russen, ein Volk, das den Türken, mmaehr noch als alle anderen Nationen, zuwider ist, sergestalt empfangen werden, was kann da wohl moͤgen rr. jene Aufnahme als eine Darlegung des National⸗ Gefuͤhles, oder als ein Beispiel betrachten, das auf dieses „Gefuͤhl Einfluß haben wird was kann da wohl Anderet, als ein gleiches Resultat in jedem andern Theile des Lan⸗ ess erwartet werden? Fast steht es so aus, als habe die Bolkostyrannei selbst in der Tuͤrkei ihre sdvn⸗ Bluͤthenzeit schon hinter sich. Die Ueberzeugung von dieser einen That⸗ sache böͤrfte die Menschheit fuͤr so manches Unerwuͤnschte vollig schadlos halten. Tyrannei, selbst mit Fanatismus verbuͤnden, kann nicht lange Stand halten, wenn die Rechte und Genüͤsse des Einzelnen von ihr unterdruͤckt gehalten Das Herannahen einer Invasions⸗Armee wird in

8

11

werden. einem solchen Falle von den Tyrannen gefuͤrchtet; denn die große Masse der Bevoͤlkerung sieht sie als ein Mittel der MBefreiung an; ist aber das Volk selbst zu unwissend, um 8 von einem Wechsel der Dinge Besseres zu hoffen, so fehlt 48 ihm doch seiten an dem Verständnisse, beurtheilen zu einnen, ob es wirklich stwas besize, das der Muͤhe des

8

sechtens werth waͤre. Die Tarken befinden sich jetzt ganz

in diesem Falle. Das Volk will auch nicht eine Hand zur IBertheidigung seiner Regierung erheben; der Sultan muß sich, wegen der Integritat seiner Besitzungen, auf die Ver⸗

mittelung anderer Staaten verlassen, die ganze Parade sei⸗

ner Vorbereitungen, alle Versprechungen von seinen Siegen haben sich am Ende darein aufgeloͤst, daß er, anstatt sich, an der Spitze eines enthustastischen und ergebenen Volkes, dem Feinde in der Schlacht gegenuͤber gestellt zu haben, jetzt hin⸗ ter der Fronte von Gesandten steht, die ihr ganzes Ansehen gebrauchen muͤssen, um ihn zu retten, und mit Feinden un⸗ terhandelt, die seine Herren geworden sind. Dies ist das Loos des Despotismus! Es mag Viele geben, die den Wunsch hegen, es waͤre anders; doch die Natur sagt „Nein“, und was sie einmal sagt, das wird nicht leicht durch das Fort⸗ schreiten der Intelligenz zu Schanden gemacht.“

Der bekannte Herr Lawleß hat, zum Anerkenntniß sei⸗ ner Verdienste um die Sache der buͤrgerlichen und religiösen Freiheit, von der Stadt Pphiladelphia eine Pracht⸗Ausgabe der beruͤhmten „Erklaͤrung der Amerikanischen Unabhängig⸗ keit“ zugesandt erhalten. „Dieser Erklaͤrung finden sich“, so heißt es in der Zuschrift, „die Namen Aller beigefuͤgt, auf welche der Ruhm, der Sieg und die gesunde Vergune stolz seyn koͤnnen.“ Die Zuschrift selbst ist vom Aldermann Binns in Philadelphia unterzeichnet.

Der Courier meldet, es sey dem Amyas Deane, der im August 1828 wegen Prellereien, die er unter dem Namen Stauhope in Bruͤssel veruͤbt hatte, verurtheilt, aber vom Köͤnig der Niederlande begnadigt wurde, gelungen, unter dem Namen des Sir 8. Freemantle, auf einen falschen Creditbrief, 300 Pfd. Sterling von Hrn. Rothschild in Paris zu erheben; wenige Tage darauf, am 10ten d. M., sey er in Lille gesehen worden, wo er ebenfalls Leute ange⸗ fuͤhrt habe.

Vorgestern Nachmittag brach wiederum durch Ueberheizen eines Oens auf dem Trockenboden in der Zuckerraffinerie der Herren Walker u. Comp. Feuer aus, das jedoch, nachdem es großen Schaden angerichtet hatte, nach Verlauf von zwei Stunden geloͤscht wurde.

Laut Briefen von der Insel St. Michael vom 23. Au⸗ gust war Terceira, trotz der Niederlage des Portugtesischen Geschwaders, noch immer und zwar von der Fregatte „Perola“ Corvette „Lealdade“, einer Brigg und einem Schooner

okirt.

Reuere Zeitungen aus New⸗Vork bringen die Nachricht, daß die Gesundheit des Praͤsidenten sich sehr gebessert habe und daß er im Begriffe gewesen sey, eine Reise nach Nor⸗ folk zu unternehmen.

Aus Kanton wird unterm 16. März gemeldet, daß die natuͤrlichen Blattern dort große Verheerungen aurichten und mehrere Tausend Menschen bereits weggerafft haben.

Niederlande.

Bruͤssel, 23. Sept. Porgestern hielt der Prinz von Oranlen die Revule uͤber die Buͤrgergarde in Lüͤttich ab, und nahm dann an einem von dem Officier⸗Corps ihm zu Ehren ver⸗ anstalteten Gastmahl Theil. Se. K. H. wird in den ersten Tagen des Hctober hinter einander die Buͤrgergarden von Brügge, Ostende, Ypern, Courtray und Doornick inspiciren.

84 Vicomte von Itabayana ist von London hier ein⸗ getroffen. 2

Die Gesellschaft der schoͤnen Kuͤnste und Wissenschaften hielt am 19ten d. M. ihre General⸗ Versamm⸗ sung im Haag unter dem Vorsitze des Herrn van de Kasteele, Mitgliedes der zweiten Kammer der Generalstaaten. Die

oldene Medaille wurde einem Aufsatze des Professor an der x2 Universitaͤt, van Kampen, zuerkannt. M. in einer Vorstadt

Ein Luftballon, der am 6ten d. Stadt Leer an der Ems

von Antwerpen aufstieg, ist in der

in Hannover, etwa 60 Lieues vom Orte des Aufsteigens ent⸗ 5 5

fernt, wieder gefunden worden.

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 22. Sept. Das kleine Geschwader, das vor einigen Wochen zum Manͤpriren ausgelaufen war, ist, nachdem es sehr befriedigende Resultate geliefert hatte, u Anfange der vorigen Woche wieder hieher zuruͤckgekehrt. Be Nuͤtzlichkeit der kleinen Kanonier⸗Schaluppen hun Ver⸗ theidigung der Kuͤste hat sich bewährt. Die auf selbigen be⸗ findlichen Kanonen koͤnnen mit einer außerordentlichen Ge⸗

nauigkeit und Geschwindigkeit, nämlich dreimal in zwei Mi⸗

nuten, abgefeuert werden. Außerdem hat man die Bemerkung gemacht, daß diese kleinen Schaluppen sich sehr gut in un⸗ gestuüͤmer Witterung auf dem Meere halten und leicht regie⸗ ren lassen. Die mit Dampfbooten angestellten Versuche sind sehr befriedigend ausgefallen; ein einziges Dampfboot 92 32 Kanonier⸗Schaluppen und legte mit ihnen eine ha

Deutsche Meile in einer Stunde zuruͤck; bei ganz contralgem Winde zeg dasselbe Boot 16 Schaluppen eine Strecke von

2