1829 / 284 p. 5 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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den drei verbüͤndeten Maͤchten gebilligten Vorschläge an; gab

trag vom 6. Juli als vollzogen angesehen werden; die Grie⸗ chische Frage war sodann von der Tuüͤrkisch⸗Russischen getrennt, und kein Vertrag hinderte ferner England sich zu Gunsten des Sultans zu erklären. Die Vermischung beider Fragen, der Griechischen und Russischen, hatte England in die laͤh⸗ mende Nothwendigkeit gesetzt, zugleich der Alliirte Rußlands und der Pforte zu seyn. Aus dieser Klemme zwischen ent⸗ gegengesetzten Interessen sich heraus zu winden, 2 das erste Beduͤrfniß des Cabinets von St. James. Dat Fes koll vom 22. Maͤrz gad hiezu einen erwuͤnschten Anlaß⸗ 7 ozffentliche Meinung war zwar durch das Resultat & * 84 staates in Griechenland nicht befriedigt, sie verlor aber 7. Nachdruck, da Rußland und Frankreich dieses Resultat gebil⸗ ligt hatten. Setzre auch Rußland den Krieg fuͤr eigene Rech⸗ nung fort, so konnte England die alten Klagen gegen Erobe⸗ rungs⸗Sucht der Russen wieder vorbringen, und durfte hof⸗ fen, Gchoͤr zu finden. So lange dagegen der Zweck der Ai⸗ lianz vom 6. Jult nicht erreicht war, konnte England nicht mit Anstand und Ehre den Russischen öffentlichen Alliirten, aus Vorltebe fuͤr den geheimen Türkischen, angreifen; es hätte die Allianz mit dem Kaiser Nikolaus ohne voͤlkerrecht⸗ lichen Grund einseitig aufheben, den Krieg Rußlands gegen die Pforte, den es öͤffentlich als legitim anerkannt hatte, plöͤtzlich füͤr ungerecht erklären, und indem es die verhaßte Sache des Sultans zu der seinigen machte, sich in den schnei⸗ dendsten Widerspruch mit der Sache der Civilisation und der Humanitaͤt setzen müssen. Das mehr erwaͤhnte Protokoll vom 22. März zeigte die Moͤglichkeit, aus diesem Gewebe von Verwickelungen und Schwierigkeiten sich mit einem Schein von Recht und Ehre herauszuwirren. Dabei aber war die Annahme der Vorschläge von Seiten des Sultans die unerläßliche Bedingung des Gelingens, denn die Nicht⸗ annahme machte das Protokoll zu einem Papier ohne Werth uund Folge, befreite die Unterzeichner von der Verbindlichkeit, sich mit diesen Zugeständnissen zu begnuͤgen, und gab die bi neuer Stipularionen ihrem Gutdefinden zuruüͤck. Die Annahme der Vorschlaͤge also zu bewirken, war den Mini⸗ stern durch das Englische Interesse unweigerlich geboten, wenn nicht alle Vortheile des Protokolls wieder verloren werden sollten. Sie mußten sich daher entschliezen, der Hartnaͤckigkeit Mahmuds, in Absicht auf die sogenannte Befreiung der Grie⸗ chen, schlechthin ein Ende zu machen; sie mußren thm die Vor⸗ schläͤge des Protokolls als ein Ultimatum uͤberreichen, und Ferklaͤren, daß die verbuͤndeten Maͤchte die Nichtannahme als eine Kriegs Erklärung ansehen wuͤrden. Solchen Drohungen bätte der Divan nicht widerstanden; er wuͤrde sich gefuͤgt ha⸗ den, besonders wenn man ihm vorgestellt hätte, daß das zum Schein freigegebene Griechenland in einigen Jahren, wenn 8. die Umstände sich ändern, eine leichte Eroberung und Beute u. Sultans werden könnte, waͤhrend er gegenwaͤrtig, durch England von der Allianz mit Rußland befreite, ohne Bruch E” ihn

mi in die rranken zu treten. Sollte auch, wider . 1— fortwaͤhrend die Annahme der Vor⸗ schläge zurückgewiesen haden, so war, selbst in diesem Fall, noch nicht Alles verloren. Denn England und Frankreich traten dann mit Rußland in gleiche Linie, sie konnten ge⸗ meinschaftlich die Bedingungen des Friedens verabreden, waͤh⸗ rend Rußland, so lange es allein den Krieg fuͤhrt, auch al⸗ lein, im Falle des Sieges, den Frieden zu dietiren das Recht Es scheint, die Vorschriften einer hellsehenden, ener⸗ ischen Walintk flad hier unwerkennbar durch den Stand der Dinge vorgezebchiäet. Zu welchem Betragen nahm man da⸗ gegen seine Zufiucht? Man schmeichelte dem Stolze des Sul⸗ lans; die Gesandten kehrten zu ihm zurück, ohne daß man seiner friedlichen Gesinnung für die Griechen gewiß war. Die Minister wollten das Protokoll vom 22. Marz nicht aals ein Ultimatum geltend machen, sondern legten ihm nur den Werth eines ersten Vorschlags dei, den die Pforte annehmen oder verwerfen kͤnne. Dies war ein Fehler, den die Sophisterei selbst nicht zu eutschuldigen vermoͤchte. Kine Sput ist zu entdecken, daß Minister das unver⸗ diente Glück des Preotokolls fuͤr England anerkannt haͤtten; der mtinisterielle Courter von Lendon spottete über die darin

Ausdehnung der Griechtschen Monarchie.“ ö1öe—“— 8

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die Annahme, a und in den Stand setzte,

fie den Griechen die zweideutige Freiheit, so konnte der Ver⸗

„Sie sey blos votirt“, sagte er. nicht ihre Zustimmung giebt, koͤnne dieses Votum schwerlich in Gesetzeskraft uͤbergehen. Einige alte Mitglieder des Di⸗ vans wuͤrden über diese Mummerei unterm Barte lachen.“ Nun, die Mummerei ist den Vermummten uͤbel bekom⸗ men; weder sie noch die alten Mitglieder des Divans duͤrf⸗ ten hentiges Tages zum Lachen geneigt seyn.“

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„So lange die Pforte

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Berlin, 12. Oct. Heute fruͤh gegen 4 Uhr brach hier auf dem Boden des Hauses Ziegelstraße Nr. 11 Feuer aus, wodurch jedoch nur ein Theil des Daches zerstoͤrt wurde. Weiterer Verbreitung des Feuers ward durch schnelle Anwen⸗ dung der Löͤschmittel vorgebeugt.

Koͤnigsberg, 8. Oct. Unsere heutige Zeitung enthäͤlt folgende Bekanntmachungen:

„Da die dreijährige Frist, welche Se. Majestät der Kö⸗ nig durch die Allerhöchste Cabinets⸗„Ordre vom 6. Aug. 1825 8 der Stadt Koͤnigsberg fuͤr die Aufbringung zur Tilgung ihh res Kapital⸗Antheils an den Koͤnigsberger Stadt Obligatio⸗ 2 nen festgesetzten zwei Procent der Kapital⸗Schuld bewilligt hatten, bereits mit dem Schlusse des vorigen Jahres zu Ende gegangen ist, so haben Se. Majestät der Köͤnig die in der erwähnten Allerhoͤchsten Cabiners⸗Ordre vorbehaltenen, 8 nach Ablauf der bewilligten drei Jahre zu erlassenden naͤhe⸗ 3 ren Bestimmungen, gegenwärtig in huldreicher Erwäaͤgung, daß der Stadthaushalt sich fortdauernd in so unguünstiger Lage befindet, daß es bei dem gesunkenen Nahrungsstande der Einwohner fuͤr unausfuͤhrbar geachtet werden muüͤsse, die vorgeschriebenen zwei Procent ohne Bedruͤckung der Stadt⸗ 8 gemeinde einzuziehen, durch die Allerhoͤchste Cabinets⸗Ordre vom 10. Aug d. J. dahin zu erlassen geruhet, daß die Start Köͤnigsberg einstweilen, und bis zur Verbesserung ihres Stadthaushalts und des Nahrungsstandes der Einwohner 88s statt der vorgedachten zwei Procent nur die Summe von jaͤhrlich 8000 Rtchlr., mit dem laufenden Jahre anfangend, einzahle, damit solche, nebst den durch die Einlösung zu ersparenden Zinsen und dem Kapital⸗Antheil der Haupt⸗Verwaltung der Staatsschulden, zur Verlosung der Stadt⸗Obligationen ver⸗ wendet werde, und es auch fernerhin bei dieser Amortisations⸗ Maaßregel verbleiben soll.“

„Damit aber auch die Inhaber der außer den Stabt⸗ Obligationen vorhandenen Magistrats⸗Obligationen an der * Verloosung Theil nehmen koͤnnen, haben des Köͤnigs Maj. gleichfalls zu bestimmen geruhet, daß der hiesige Magistrat auf das Verlangen der Glaͤubiger die, uͤber größere Kapira⸗ lien ausgestellten Obligationen gegen anderweitige, auf klei⸗ nere, moͤglichst abgerundete Summen lautende Eühuld Ver⸗ schreibungen austauschen solle.“

„Zufolge Sr. Maj. Allerhöͤchsten Auftrages mache ich diese Bestimmungen hiedurch bekannt. 4

Königsberg, den 2. Sept. 1829. vn 8 Der Ober⸗Praͤsident der Provinz Preußen. 1 9 (gez.) von Schön. „Den hoͤhern Orts ergangenen Festsetzungen gemäß, be-. nachrichtigen wir die Inhaber von Magistrats Obligationen, daß eine Umschreibung dieser auf bestimmte Namen und in der Regel auf sehr große Summen lautende Schuldver⸗ schreibungen in andere au porteur und fuͤr kleinere Summen üͤltige Obligationen, nachgegeben worden. Wir fordern da⸗ 2 die Inhaber von solchen Magistrats⸗Obligationen hier⸗ durch auf, binnen 8 Wochen uns anzuzeigen, in welchen Apolnts sedoch nicht unter 100 Thlr. und nicht uͤber 1000 Thlr., aber in vollen abgerundeten Hunderten sie ihre Magistrats⸗Obligationen umgeschrieben Seenan zu haben wuͤnschen, gleichzeitig aber die in Haͤnden habenden Magistrats⸗Oblt - 8 ga⸗ G Bescheinigung bei zen wenächf dos k. g bei unserm Sequestrum ntederzule⸗

Leitere veranl I Könlgeberg, den 26, L en nlaßt werden wird. nen

ver . 1829. Magistrat Königi. Haupe, und. Fießtzangsteht

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