1829 / 334 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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ter eines Strategen, eines auf die Angelegenheiten der Prie⸗ sterschaft sich beziehenden Amtes, eines Gymnasiarchen und eines Agoranomen, oder Inspector der oͤffentlichen Maͤrkte; 6) füͤr die Graͤnzbestimmuͤng der in den Feldern belegenen Weinberge; 7) fuͤr das Erbauen der Mauer (7 ½ X 2); 8) fuͤr Anlegung einer Wachtstube oder eines Gefäͤngnisses oder irgend eines andern befestigten Werkes (b0TPA).

Kiew, 10. Nov. In diesen Tagen lief hier die betruͤ⸗ bende Nachticht vom Ableben unseres Kriegs⸗Gouverneurs, des Praͤsidenten des Divans der Fuͤrstenthuͤmer der Moldau und Wallachei, General⸗Lieutenants Scheltuchin ein. Den Bewohnern Kiews war diese Nachricht um so niederschla⸗ d8 als sie den seines Charskters sowohl als seines Ver⸗

andes wegen allgemein geliebten und geachteten Gouverneur in Kurzem aus Bucharest zuruͤckerwarten. Zu seiner Erin⸗ nerung wurde den naͤchsten Tag nach Empfang der Todes⸗ botschaft im Beiseyn der Generalitaͤt und der hier befindli⸗ chen Militair⸗ und Civil⸗Beamten in der hiesigen Kathedrale ein feierliches Todtenamt gehalten. ö“

Ikantre. , —*8*

Paris, 23. Nov. Der hiesige Globe spricht in einem Artikel uͤber die Griechische Angelegenheit die Ansicht aus, daß es fuͤr das Gedeihen dieses aufkeimenden Staates nach⸗ theilig seyn duͤrfte, wenn ihm ein fremder Fuͤrst gegeben wuͤrde. „Nur ein Koͤnigthum,“ sagt das angegebene Blatt unter Anderm, „das aus dem Schooße des Volks und der Ereignisse hervorgeht, ist von Dauer. Waͤre dieses Princip der Griechischen Revolution inhaͤrent, so wuͤrde es laͤngst seinen bestimmten Repraͤsentanten gefunden haben; denn die Griechische Sache ist nicht von gestern. Die monarchischen Traditionen haͤtten sich nur in Byzanz erhalten koͤnnen, aber die dortigen Griechen, die Fanarioten, haben nicht nur auf die Erinnerungen an das Kaiserreich verzichtet, sie haben so⸗ gar diese Erinnerungen im Dienste Muselmännischer Gebie⸗ ter herabgewuͤrdigt, und sind aus Sklaven Diener geworden. Nie hat man ernstlich daran denken koͤnnen, Bedienten Her⸗ renrollen zu uͤbertragen. Der Fanariote ist dem Griechischen Staate nuͤtzlich, ja unentbehrlich; er eignet sich zum Ban⸗ zuier, zum Verwalter, aber nie zum Herrscher. Anch besitzt Griechenland noch einen andern Adel, der uns in der Ferne in einem glaͤnzenden Lichte erscheint, und unter dem man die Elemente eines nationalen Herrscherhauses suchen koͤnnte. Hierher gehoͤren die Namen, welche in den Kriegsereignissen eine Rolle spielen, und an die sich ein gewisser militairischer Ruf knuͤpft, weil man sich in Europa schwer eine Vorstellung davon machen kann, daß der Krieg sich durch Stellvertreter fuͤhren lasse, wie Colocotroni und Notaras solches thun. Diese Helden, welche in den Staͤdten vom Kopf bis zum Fuß ge⸗ waffnet sind, erscheinen auf dem Schlachtfelde gar nicht. Alle

diese Zeitungs⸗Namen bezeichnen im Allgemeinen nur Gue⸗

rilla⸗Unternehmer und untergeordnete Schuͤler der Diploma⸗ ten aus dem Fanar, und eigentlich sind die Griechischen Pri⸗ maten, wenn sie auch die Revolution durch ihre vorschreitende Vergroͤßerung vorbereitet haben, bald ein wahrhaftes Hin⸗ dernis im Fortschreiten der Unabhaͤngigkeit geworden. Zweck⸗ lose Intriguen, laͤcherliche Wichtigkeit, die man kleinlichen Machinationen beilegt, burleske Nachaͤsserei der Tuͤrken, tiefe Unwissenheit, kurz, nichts mangelt ihnen, um die Traditionen des Orients in Griechenland fortzupflanzen. Hierunter sind die wirklichen Helden der Revolution nicht gemeint; diese sind blos Soldaten, und keiner von ihnen macht auf eine andere Rolle Anspruch. Man muß also zugeben, daß es in Griechenland keine Familie giebt, die durch großes Vermoͤgen und durch ausgezeichnete Dienste im Staate und in der Ar⸗ mee zur hoͤchsten Gewalt berufen wäre; mit einem Worte, die Griechische Revolution hat sich nicht personisicirt. Folgt aber daraus, daß man dieses Element eines Mittelpunktes, das der Sache selbst fehlt, außerhalb suchen muͤsse, und daß ohne einen auslaͤndischen Fuͤrsten Anarchie eintreten werde? Eine auf hestimmte Zeit verliehene Diktatur mit genauer Beobach⸗ kung der Formen der Volks⸗Verfassung scheint dem jetzigen 84 Griechenlands vollkommen zu entsprechen.“

Ministet de France äaußert sich uͤber den neuen gestr. Nr d. S,8 gegen das Journal des Debats (s. die 8 HSr. 3.) in folgender Art: „Was wirft dieses

Blatt dem Herrn von Montbel vor? daß derselbe im Jahre

1828 an den Berathungen ü 2 lelesche Ministerium) vbrn die Adresse (gegen das Vil⸗ 2 An genommen und bei dieser Gele⸗ genheit mit der Minoritat gestimmt tragen ehrt Herrn von Monthbel, und ic an Be⸗ Landes sein vornehmster Anspruch auf die —+q der tung gewesen. Die Waͤtme und das Talent, —, gen die Majoritaͤt angekaͤmpft hat, haben ihm sogar den

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fall seiner Gegner erworben. Was die Verordnungen vom 16. Juni (gegen die Jesuiten) betrifft, so wollen wir lieber davon schweigen; sie sind ein Aulaß zu Truͤbsal fuͤr die oͤf⸗ fentlichen Freiheiten. Her; von Montbel hat nur die un⸗ verletzlichen Vorrechte der Religion, der Intelligenz und der Familien⸗Vaͤter vertheidigt; dem Gewissen seiner Gegner hat er keine Fesseln anlegen wollen. Hinsichtlich der Discus⸗ sion uͤber das Municipal⸗Gesetz fragen wir blos, wer im Laufe derselben eine traurigere Rolle gespielt hat, das Ministerium, das keine einzige Abtheilung der Kammer fuͤr das Gesetz ge⸗ winnen konnte, ober die rechte Seite, namentlich die Hrn. v. la Bourdonnaye und von Montbel, die durch ihre ruhige und imposante Haltung, so wie durch ihre auf die wahren Grundsaͤtze der Verfassung gestuͤtzten Vortraͤge gleichzeitig die Plaͤne des Ministeriums und die anarchischen Entwuͤrfe einer Faction, die das Land zu einer weiten Demokratie um⸗ gestalten wollte, vereitelten? Bei dieser Gelegenheit sowohl⸗ wie in seiner ganzen politischen Laufbahn hat Hr. v. Mont⸗ bel bewiesen, nicht blos daß er Staatsmann sey, sondern daß er auch administrative Talente besitze. Jedesmal, daß er noch auf der Rednerbuͤhne das Wort ergriff, hat das aufmerk⸗ same Frankreich ihn auf dem Wege der Maͤßigung, der Bil⸗ ligkeit und der Wahrheit gefunden, und das Vertrauen des Koͤnigs ist, als es ihn in den Minister⸗Rath berief, mit der oͤffentlichen Meinung Hand in Hand gegangen.“

Die Allgemeine Zeitung giedt ein Privat⸗Schrei⸗ ben aus Paris vom 18ten d. M., worin es unter Anderm heißt: „Der Moniteur meldet heute die Ernennung des Hrn. von Polignac zum Praͤsidenten des Minister⸗Rathes. Die liberalen Blaͤtter hatten also nicht Unrecht, wenn sie, wie die Gazette ihnen vorwirft, an der Thuͤr des Conseils ge⸗ horcht und vernommen hatten, daß uͤber die Praͤsidentsch zwischen den Herren von la Bourdonnaye und Polignac ge⸗ stritten werde. Die Erhebung dieses Letztern ist ein Beweis der Fortdauer, ja der Verstaͤrkung des Wellingtonschen Ein⸗ flusses, wie die Liberalen sich auszudruͤcken pflegen; und in dem Sturze des Herrn von la Bourdonnaye will man die Rache und Beharrlichkeit seines, anscheinend mit ihm aus⸗ gesoͤhnten, aber werkthaͤtig nur um so mehr gegen ihn han⸗ delnden Ex⸗Praͤsidenten von Villèle erkeunen. Was die Ga⸗ zette geheimnißvoll dem jetzt entlassenen Minister angedroht hatte, er werde durch sein Zaudern auf der Bahn des Roya⸗ lismus nur sich selbst schaden, erklärt sich nun weiter durch die Versicherung dieses Villèleschen Orgaus: das ministerielle System werde sich trotz der einzelnen Veraͤnderungen im Per⸗ sonal nur noch mehr befestigen, noch thaͤtiger entwickeln. Es scheint, die Absicht sey, Letzteres durch die Versetzung des Ministers des oͤffentlichen Unterrichts, eines den Je⸗ suiten ergebenen, am Hofe weniger gehaßten, in seiner Handlungsweise viel consequentern, und bei aller Geschmei⸗ digkeit doch beharrlichen Mannes zu bewerkstelligen. Gewiß kann er der geheimen Regierung mehr Dienste im Innern leisten, als in seinem bisherigen beschraͤnkten Wirkungs⸗ kreise. Das Ministerium des Innern begreift jetzt die ganze General⸗Polizei des Landes; es hat unter seiner Auf⸗ sicht alle Gemeinde⸗Vorsteher; es gebietet allen Praͤfekten und Unter⸗Praͤfekten, allen Departements⸗ und Bezirks⸗Räüthen; sein Personal ist beinahe eben so zahlreich, als das der inan⸗ zen, aber es steht viel hoͤher im Range, maͤchtiger im Ein⸗ flusse, und unmittelbarer in Veruͤhrung mit den Wahlmaͤn⸗ nern. Durch die Prasidentschaft des Herrn v. Polignac ist die Aufloͤsung der Wahl⸗Kammer noch wahrscheinlicher als bis⸗ her geworden. Die Mehrzahl in der beistehenden Kammer hatte nicht er, sondern Hr. v. la Bourdonnaye versprochen; Hr. v. Po⸗ lignac war der, der dem Köoͤnige bewies, daß dieses Verspre⸗ chen nicht gehalten werden koͤnne. Jetzt wird er als Praͤsi⸗ dent diese Kammer nicht beleidigen, wenn er, der bisher sie weder fuͤr noch gegen sich hatte, eine andere beruft und sich ihrem Urtheile unterwirft; auch wird er als Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten sich nicht in die Wahlen mischen koͤnnen, und als Praͤsident sich darein nicht mischen wollen; er wird seinen Collegen vom Innern wirken lassen, und das Ergebniß der Wahlen ohne Gefahr fuͤr sich erwarten. Außerdem ist es wahrscheinlich, daß man es lieber ein fuͤr allemal werde darauf ankommen lassen wollen, ob es denn wahr sey, daß kein Ministerium von der gegenwaͤrtigen Art eine Mehrzahl zu schaffen im Stande sey.

(Die Pariser Zeitungen vom 2äüsten sind heute aus⸗

geblieben.) Grokbritanien und Irland.

London, 22. Nov. Der Courier berichtet. „Briese aus Neapel melden uns, daß mehrere unserer in Italien be⸗ findlichen Landsleute sich anschicken nach Griechenland zu rei⸗

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