1829 / 338 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

manns wie des Buͤrgers, des Royalisten vom rechten Cen⸗ trum wie des Liberalen von der linken Seite bemaͤchtigt. Wir koͤnnten Namen nennen, woruͤber man erstaunen, Un⸗ terredungen anfuͤhren, die man uns kaum glauben wuͤrde. Morgen vielleicht schon giebt es nur zwei Fahnen und zwei Paxptheien in Frankreich. Die Furchtsamen moͤgen wohl be⸗ denken, daß es von ihnen abhaͤngt, die Krise sanft und bald voruͤhergehen zu lassen. Moͤgen sie sich von allen Seiten um uns sammeln, und moͤge beim ersten tyrannischen Acte ein fester und gleichzeitiger Widerstand, mit der Charte in der Hand, die Gewalt entwaffnen. Heute ist noch gesetzlicher Widerstand hinreichend; wird er es aber auch morgen noch seyn? Im Uebrigen ist es leicht, ein Attentat vorzubereiten, aber im Augenblicke der Ausfuͤhrung sinkt der Muth, und es zittert die Hand. Schon drohen, wie man sagt, die Her⸗ ren Courvoister, von Haussez und v. Chabrol mit ihrem Aus⸗ tritte.“ 3

Der See⸗Minister nahm vorgestern in der Werkstatt des Malers Herrn Gudin das demselben von dem vorigen Mi⸗ nister des Innern, Vicomte von Martignac, aufgetragene Bild, „der Schiffbruch des Hollaͤndischen Schiffes „Co⸗ sumbus“ in dem Augenblicke, wo der ihm zur Huͤlfe geeilte Franzoͤsische Capitain Desse mit der Brigg „Julia“ die Ret⸗ tung der Mannschaft bewirkt“”“, moran der Künstler vor einigen Tagen die letzte Hand gelegt hat, in Augenschein. Das wohlgelungene Bild ist fuͤr das Museum der Stadt Bordeaux, des Geburtsortes des Herrn Desse, bestimmt.

Die Oppositions⸗Bläͤtter sind heute fast ausschließ⸗ lich mit dem Prozesse des Journal du Commerce und des Courrier frangais, wegen der Publication des Prospectus des Bretagner Steuer⸗Verweigerungs⸗Verbandes, angefuüllt. Das Urtheil, welches das Gericht nach drirtehalbstuͤndiger Berathung sprach, lautet wie folgt:“) „Was den zwei⸗ ten und dritten Anklage⸗Punkt, 1) wegen Angriffs auf die verfassungsmäßige Autotirät des Königs, so wie auf die Rechte und die Autorität der Kammern; und 2) wegen Auf⸗ forderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze betrifft, in Betracht, daß diese Anklage Punkte nicht hinlänglich gerechtfertigt sind; hinsichtlich des ersten Anklage Punktes aber wegen Anreizung zu Haß und Verachtung der Regierung, in Betracht, daß der Bretagner Verein auf die Voraussetzung gegruͤndet ist, daß die Steuern auf gesetzwidrigem Wege erhoben werden koͤnnten, naäͤmlich entweder ohne die Mitwirkung der Kam⸗ mern, oder unter der Mitwirkung einer solchen Deputirten⸗ Kammer, die nach einem nicht in den verfassungsmaͤßigen Formen eingeführten Wahl⸗Systeme zusammengesetzt worden wäre; in Betracht, daß eine solche Voraussetzung sich nicht verwirklichen koͤnnte, ohne daß die Grund⸗Gesetze des Staa⸗ tes verletzt wuͤrden; in Betracht, daß Vert, verantwortlicher Geschaͤftsführer des Journal du Commerce, und Lapelouze, verantwortlicher Geschäftsfuͤhrer des Courrier frangais, durch die Publication des Prospectus des gedachten Vereins in ihren Blättern vom 11. und 12. September d. J., und durch das Commentiren dieser Publication mit rechtfertigenden Betrachtungen, worin die vorgebliche Gefahr als drohend dargestellt wird, sich nicht sowohl der gesetzlichen Befugniß, die Handlungen der Minister zu eroͤrtern und zu tadeln, be⸗ dient, sondern zu Haß und Verachtung der Regierung an⸗

ereizt haben; aus diesen Gruͤnden spricht das Gericht den

ert und Lapelouze von den beiden letzten, von dem Ge⸗ neral Procurator gegen sie aufgestellten Anklage Punkten frei, erklärt sie aber des Vergehens der Anreizung zu Haß und Verachtung der Regierung fuͤr schuldig, und verurtheilt sie demzufolge zu 1 monatlicher Haft und einer Geldbuße von 500 Fr.; erklärt die Beschlagnahme fuüͤr recht und guültig, verordnet die Vernichtung der confiscirten Nummern, und verurtheilt jeden der beiden Geschaͤftsführer, in soweit es ihn betrifft, in die Kosten.“

Der Deputirte des Bezirks Neuschäteau (Wasgau) Hr. Vaulot de Mortagne, und der Ex⸗Deputirte, Baron Fala⸗ tieu, sind dem Steuer⸗Verweigerunge⸗Vereine des Wasgaus beigetreten.

Großbritanien und Irland.

London, 27. Nov. Prinz Leopold, dessen Ankunft in Dover kürzlich gemelder wurde, ist am Listen Vormitrags in der Hauptstadt eingetroffen und nebst seinem Gesolge in Marldorongh⸗House abgestiegen.

Die Conferenzen des Nord Amerikanischen Gesandten mit unseren Ministern und jetzt namentlich mit dem Präͤst⸗ BE 1

„) Man vergl. damit das in Nr. 332 dex Staats⸗Zeitunf mitgetheilte Urzheil des Zuchtvoltzeigerichts zu Rouen A 3 Redacteur der dortigen Zeitung in derselben Angelegenheit.

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Provinz lediglich auf ihre eigenen Boden⸗Erzeugnisse

denten der Handels⸗Controlle, Herrn V. Fitzgerald, dauern

noch immer fort.

„Endlich“, heißt es in der Times, „sind Depeschen von Sir R. Gordon, unserm Botschafter in Konstantinopel angekommen, welche die Nachricht mithringen, daß die Aus⸗ wechselung der Ratificationen des Friedens⸗Tractats zwischen dem Grafen Diebitsch⸗Sabalkanski und den Tuüͤrkischen Be⸗ vollmaͤchtigten erfolgt ist, daß ein Theil des Russischen Hee⸗ res sich bereits von Adrianopel zuruͤckgezogen hat, und daß ihm der andere bald folgen wird.

aus Rechtlichkeit sowohl als aus S wird, die strengen edingungen zu e unterworfen hat; wir besorgen aber, daß Rußland, im Be⸗ wußtsein seiner Macht, diese Bedingungen noch strenger zu machen wissen werde. Wenn jedoch die Zahlungen in baarem Gelde, welche die Pforte zu leisten hat, nicht zum Theil, und zwar zu einem großen Theile, erlassen werden, so sehen wir in der That nicht ein, wie der Sultan, seldst bei den groͤßten An⸗ strengungen, so ungeheuere Summen wird herbeischaffen kon⸗ nen, oder wie, wenn Rußland auch die groͤßte Strenge an⸗ wendete, solche Opfer von dem verarmten Staate erlangt werden koͤnnen. Rußland muß, als es die Bedingungen des Friedens⸗Tractats dictirte, die Beschraͤnktheit der Osmani⸗ schen Hülfs⸗Quellen gekannt haben muß sie besser gekannt haben, als irgend ein anderer Europaͤischer Hof, und dies eben ist der Umstand, der uns in dem, was Rußland gethau hat, am Auffallendsten erscheint. Sollte eine Gebiets⸗Ent⸗ schädigung endlich als der Preis gefordert werden, welcher die Tuͤrket ihrer Geld⸗Zahlungen uͤberheben wuͤrde, so träͤte der Fall ein, den wir so oft bereits angekuͤndigt haben, und es wuüͤrde sich der Welt zeigen, daß Rußlands unverkennbare Politik keinesweges eine mit dem Frieden stets gleichen Schritt haltende sey. Wir wollen inzwischen hoffen, daß der Ersolg dieser Krisis dem Cabtnette von St. Petersburg eben so zur Ehre, als dem übrigen Europa zur Zufriedenheit gereichen werde.“

„In Griechenland“, sagt der Courier, hat der Kampf zwischen Tuͤrken und Griechen noch immer nicht aufgehörts es ist jedoch zu glauben, daß die verbuͤndeten Mächte ein so aaur Blurvergießen nicht lange mehr zugecben werden.“

ie neuerdings statt gefundene Steigerung der oͤffentli⸗

lichen Fonds giebt dem Courier zu anderen Betrachtungen

Anlaß, als diejenigen waren, die wir kuͤrzlich (in Nr. 335 d. Z.) mitgetheilt haben. „Wenn“, sagt er, „der Kaptta⸗ list 93 oder 94 Pfund in baarem Gelde fuͤr 100 Pfund Zproc. Stocks erhalten kann, ist es da nicht wahrscheinlich, daß er verkauft, und die bedeutende Summe, die er erhaͤlt, auf ein nützliches Handels,Unternehmen verwendet? Die Baumwollen⸗Aerndte in Carolina soll, dem Vernehmen nach, mangelhaft ausfallen; daher also die Lust, in diesem Arti Geld anzulegen, denn bei einem Bedarfe von 10,000 12,000 Ballen woͤchentlich, wie unsere Fabriken ihn ist es nur allzu wahrscheinlich, daß sich die Preise im sten Jahre noch mehr hehen werden. Densentgen Kaufleur ten, die bisher bedeutende Vorräthe von Baumwolle hatten, und immer mit Verlust verkaufen mußten, wird dies eine wellko Aufhuͤlfe seyn. Zunaͤchst werden nun aber auch die Eisenbahnen⸗ deren Resultate sich in Manchester so vortrefflich erwiesen haben⸗ die Aufmerksamkeit unserer Geldbesitzer, die seit Z oder 4 Jah⸗ ren von seder ähnlichen Speculation sich zuruͤckhalten ließen/ auf sich ziehen; man wird die Pläne wieder⸗ hervorholen⸗ welche unsere Bau⸗Conducteurs längst schon gemacht, seit —— panischen Schrecken aber, der in der Handelswelt währen der Jahre 1825 und 1826 eintrat, muͤßig in den Pulten 24 gen Ueßen. Welche erfreuliche Betrachtungen bieten sich Vaterlandsfreunde bei der Aussicht auf Unternehmungen 28 diese dar! Der arbeitsfähige Arme findet Beschäftigung⸗ 82 Armen Taxen nehmen ab, und der Handwerker erhäͤlt wieder 96 nen Tagelohn, der ganz oder doch beinahe hinreicht, seine Fami zu erhalten. Gehen wir nun einen Schritt weiter und uns große Eisendahnen vollendet, erwoͤgen, wie dadurch der ran port von —25 2 2, Salz, 3 und andern schweren Artikeln erleichtert wird Schlußfolgerungen lassen sich da nicht fuͤr die Nattonane (fahrt ziehen? In entlegenen Provinzen er runddesitz dadurch einen größern Werth; der Verkehr b einer Grafschaft mit der andern wird belebter und blüͤdenda die Preise der Lebensmittel werden in den verschieden in Theilen des Landes immer mehr und mehr sich gleich 4 Vortheil, dessen Werth nur derjenige erst recht begret⸗ der eine Zeit lang auf dem Continente geleht hat⸗

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b n Bezug auf das, was ferner noch in der Russisch⸗Tuürkischen Angelegenheit ge⸗ schehen wird, halten wir es far ausgemacht, daß die Tuͤrkei, aͤche, bemuͤht seyn llen, denen sie sich

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