1829 / 341 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Monarchie.

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recht ist, ist bei dem Andern billig. Ferner sagt man: die Lideralen haben zu Vereinen wegen Verweigerung üngesetzlicher Abgaben, d. h. zu einer offenbar revolutionnairen Maaßregel ihre Zuflucht genommen, und dadurch die Regierung zu Gewalt⸗ schritten berechtigt. Wir leugnen nicht das Revolutionnaire dieser Maaßregeln; wenn ader wirklich ungesetzliche Ab⸗ gaben erhoben wuͤrden, so waͤre dies die erste voinsionnaie Maaßregel, und jene nur eine unvermeidliche Folge derssel⸗ ben. Man soll die Menschen nicht in die Nerhwendigkeit setzen, zu gewaltsamen Mitteln ihre Zuflucht zu nehmen. Was das unpartheitsche Frankreich fordert, ist nicht undillig; es will im Geiste seiner Gesetze und seiner Infits tutionen regiert werden; Maͤnner, die sich als Feinde dieses Geistes erkläͤet haben, können sich das öffentliche Zutrauen nicht erwerben. Was ist aber ein Ministerium, ohne Ver⸗ trauen der Nation? Noch weniger als ein. Ministerium ohne Vertrauen der Artstokratie. Endlich sagt man: die neuen Minister hätten noch nichts gethan, wodurch mit Recht das öoͤffentliche Vertrauen hätten verlieren koͤnnen. Sie haben nichts gethan; dies ist unleugbar. Aber warum waren sie unthätig? Weil die öffentliche Stimme sich laut und nachdruͤcklich gegen ihre ren Geiste zu handein, erklaͤrt hatte. r ganzes Ver . sie sich durch die Organe der oͤffentli⸗ ₰½ 5 Und doch sollen die Organe deshalb, weil sie warnten, Unrecht haben? Ist dies nicht widersimnig? Oder hat die Nation, weil sie sich gegen un⸗ gesetzliche, mogliche Handlungen der Minister zu schuͤtzen sucht, durch den bloßen Versuch Unrecht, wenn auch dieser Versuch wirklich die ungesetzliche Handlung verhindern sollte? Wir fas⸗ sen uns kurz: Der gegenwärtige Streit hat nicht die Schmaͤ⸗ kerung der Koͤniglichen Rechte zur Absicht; die Liberalen find wenigstens eben so gute Royalisten als die Jesuiten; es ist ein bloßer Kampf zwischen Partheien, die sich auf Leben und Tod bekriegen, und dadei, wie es im Kriege zu gehen pflegt, nicht die Regeln eines ordentlichen Prozesses befolgen. Darf man die reine Wahrheit sagen, so muß man darauf aufmerk⸗ sam machen, daß hier nicht einmal der Streit zwischen Ari⸗ stokraten und Demokraten, sondern zwischen einer jesuiti⸗ schen Congregation und den Anhaͤngern unsrer Institu⸗ tionen besteht. Daher haben sich auch viele reine Royalisten lieber mit den Läberalen vereint, weil sie von diesen weniger als von den ZJesuiten fuͤrchten. Wie dem auch sey, das Königthum soll über den Partheien stehen; hat die eine Par⸗ thei dasselbe in seinen Kreis gezogen, und durch Intriguen sich unadhängig gemacht, und faͤngt diese Parthei sodann den Kampf an, 8 trägt sie die Schuld aller ungluͤchlichen Folgen. Dies ist zu bedenken. Mit Sophistereten, die den anderen So⸗ phistereien entgegengesetzt werden, ist der Krieg nicht beizulegen. Frankreich will ein rovalistisches, aber kein contre⸗revoluttonnat⸗ res Ministerium. Darauf reducirt sich die ganze Frage. Das Königthum von dem Joche der Jesutten und Contre⸗Revo⸗ lurionnairs zu befreien, wie es von dem Joche der Revolu⸗ tionnairs befreit wurde, dies allein kann uns retten. .

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b weiten obgedachten Schreiben (aus Lyon vom sagt Einsender: „Die von Ih⸗ rem Straßburger Torrespondenten vor einiger Zeit auf⸗ gestellte Ansicht, daß die royalistischen Minister Frank⸗ reichs sehr wenig fuͤr die König! Prärogative besorat wären, und aue für ihre eigenen versönlichen Interessen arbeiteten, ist von Seiten eines Mannes, der sich fuͤr einen Ravpalksten ausgiebt, sehr schwankend und auffallend, und auf Minister, die wahre Ropalisten sind, nicht anwendbar. Sie Uieße sich indessen begreifen, wenn sie, statt sich an die rova⸗ listischen 2 er zu wenden, an die ltberalen Minlster ge⸗ richtet wäre, weil die Nachgiebtgkeit, die sie vermoͤge ihrer Lage genöibigt find, gegen die Feinde des Throns zu beob⸗ eine solche Beschuldigung rechtfertigen kͤnnte; wie man aber sagen daß ein royalistisches Ministerium die ogative der Krone seinem eigenen personlichen Interesse pfere, wenn es den Feinden des Seouverains Trotz hie⸗ ret, den Rechten desselben Achtung verschafft, sich um das Geschrei der Repolurtonnaire nicht kuͤmmert, die um den Thron aufgerhäͤrmten Gewitter beschwoͤrt, und das Staatsscheff ruhmwvoll durch die Klippen fuͤhrt, womit es seine Feinde umgeben haben? Das erste aller monarchischen Prineipien ist die Erhaltung der Wo es cvolurkonnairs giebt, da herrschen

weder Ordnung noch Gesetze, und nur durch die Vertilgung ihrer verhängnißvollen Macht kann vnag dahin gelangen, Oednung und Heecrschaft der Gesetze wieder herzustellen. ankt nicht Spanten dem Umstande, daß es die Camisa⸗

bs zu Paaren getriehen hat, die Ruühe, die es seit der Zeit 1 ““

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genießt, daß das monarchische Princip daselbst durch die

Französischen Heere wieder in Kraft gesetzt ward? Ferdinand

sitzt im Frieden auf dem Throne seiner erlauchten Vor

der Buͤrgerkrieg hat aufgehoͤrt, eine weise die Verluste wieder zu verguten, von denen die Geschichte kaum ein Beispiel darbietet, Fabriken entstehen, Straßen werden errichtet, Kanaͤle gegraben, Bergwerke ausgebeutet ein Freihafen wird errichtet, ein Finanzsystem organisirt, 4 dies sind die Werke eines royalistischen Ministeriums! Glaubt man, den Camisados wuͤrde es gelungen seyn, aus dem Frei⸗ heitsbaume eben so koͤstliche Fruͤchte zu treiden, wie Spauien sie gegenwärtig ärndtet? Man kann daher nicht sagen, daß die Royalisten Partheimenschen seyen, die unter dem Bor⸗ wande die Monarchie zu retten sich hervordraͤngen und die Macht nur an sich zu reißen suchen, um die Praͤrogatipe des Monarchen ihrem eigenen persoͤnlichen Interesse aufzu⸗ opfern. Diese von einem Royalisten gegebene Bezeichnung der Minister als Parteimenschen ist eben so auffallend, wie die denselben von ihm aufgeduͤrdeten Beschuldigungen. So streug er sich aber auch gegen sie zeigt, so kann man doch seinen Forderungen genuͤgen, und ihm durch Thatsachen be⸗ weisen, daß die enenen eines royglistischen Ministeriums allein Ordnung Vertrauen und Wohlfahrt in eine constitu⸗ tionnelle Monarchie zuruͤckböringt Unter dem vorigen Mini⸗ stertum sah Frankreich in jedem Vierteljahre eine Abnahme des oͤffentlichen Einkommens; jetzt nimmt dieses zu. Die Wahlen ffuͤhrten der Kammer nur Feinde der Monarchie zu, jetzt kommen Rovalisten in dieselbe, Die Armee litt unter schreienden Ungerechtigkeiten; jetzt sind diese gehoben. Damals heerschte ein dirigirendes Comité; jetzt zittert dieses. Die Charte, deren Unyerletzlichkeit die Stärke Frankreichs aus⸗ macht, ließ, im revolutionnairen Sinne erklaͤrt, Ausnahmsgesetze zu, die eine Verletzung der Rechte der Franzosen waren; in Zukunft wird man sie im monarchischen Sinne erklären, und die Rechte des Volks werden dann eben so, wie die Rechte des Souverains geachtet werden. Solche Veränderungen hat ein royalistisches Ministerium herbeigeführt, das erst vier Monate dauert, das im Innern mit offenem Visir, und nach Außen gegen Ropalisten kaämpfen mußte, die, weil sie sich dort in Sicherheit glauben, insgeheim Unruhen in Frank⸗ reich anstiften, um Vortheil daraus zu ziehen. Das Mini⸗ sterium Polignac wird uͤber diese Masse von Feinden siegen; es wird über sie siegen zum Gluͤcke Frankreichs und zum Gluͤcke aller uͤbrigen Nationen; denn wenn die ganze Macht des vereinigten Europa's gegen die, noch unerfahrnen Revo⸗ lutionnairs von 1793 vhnmäͤchtig war, was wuͤrde sie der ver⸗ vollkommneten Revolution entgegenstellen muüssen, solchen Leuten, die wissen, wie man aus dem bHesten der Koͤnige ei⸗ nen Verbrecher macht, wie man die Vertheidiger des Throns auf das Schaffot bringt, und in welche wahnsinnige Trun⸗ kenheit man die Voͤlker versetzen kann! Das Ministerium Polignac ist ein Damm, dem furchtbarsten Strome entge⸗ gengestellt. Gelingt es ihm, mit Festigkeit diesem Andrange sn trotzen, so wird Frankreich gluͤcklich seyn, und die andern Monarchieen werden Ruhe genießen. Hat die Vorsehun

aber beschlossen, daß dieser Damm durchdrochen werden soll, so laͤßt sich einer Verheerung von ganz Europa entge⸗ gensehen.“ ;

Grohhbritanien und Irland.

London, 28. Nov. Der Oesterreichische Botschafter hatte gestern eine lange Conferenz mit dem Grafen von Aberdeen.

„Oft ist schon,“ heißt es im British⸗Traveller, Jund zwar von Politikern aller Partheien, die Frage wie⸗ derholt worden: Welches sind die Ursachen, die die gesellschaft⸗ liche Erntedrigung der großen Masse des Irlandischen Vol kes herbeifuͤhren? Die Aristokrarie und die Geistlichkeit Ir⸗ lands, besonders aber dersenige Theil unter ihnen, der unter dem Banner des Oraugismus, das Praͤdicat loyal fuͤr sich allein in Anspruch nimmt, ist der Meinung, daß alle Uebel Irlands dem widerspeustigen Charakter seiner katholischen Bevoͤlkerung zuzuschreiben seyen. Die große Masse dieser ka⸗ tholischen Bevölkerung mißt sedoch dieselben Uebel, und zwarx wie und scheint, mit groͤßerm Rechte, dem Monopole des von der Aristokratie geübten politischen Einflusses und den Miß⸗ braͤuchen bei, welche sich nach und nach in jeden Zweig der

burgerlichen Regierung Irlands eingef⸗ Ein Dubliner Blas Irlands eingeschlichen haben.

tt enthäͤlt ebenfalls uͤber di stand einen geschickt Aufsat 8-sg. Dieser ist der Meinung, daß ein großer Theil des V ends in Irland dem Umstande zuzuschreiben sey, daß der and⸗Adel nicht in Irland lebe, sondern sein Geld außerhalb

HSüs Ae k. mag darin nicht Unrecht haben, Jer.

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