in der Literatur so wenig als in der Politik, scheint diesmal zu einem guͤnstigeren Urtheile, als sie sonst uͤber Hrn. Ville⸗ main zu faͤllen pflegte, bewogen worden zu seyn. „Das suͤd⸗ liche Europa,“ sagt sie in ihrem Artikel, „mit seinem eigen⸗ thuͤmlichen Geiste, seinen stets zum Aufruhr geneigten Va⸗ sallen, insbesondere das romanische Frankreich mit seinem eigenthuͤmlichen Lehnswesen, seiner wohlklingenden Sprache, seinen Gothischen mit Lilien gezierten Kathedralen, die Pro⸗ vence mit ihren Liebeshoͤfen, ihren ritterlichen Dichtern, ihren kriegerischen und abentheuernden Baronen, diese ganze Epoche bietet Hrn. Villemain ein weites Feld zu geistvollen Betrach⸗ tungen und interessanten Vergleichungen dar. Das plötzliche Auftreten Dantes in diesem bewegten Zeitalter, den Einfluß, den dasselbe auf ihn, so wie den, welchen er umgekehrt auf seine Zeit ausuͤbte, seinen poetischen Geist, dies Alles hat Hr. Vil⸗ lemain mit bewundernswuͤrdiger Kunst dargestellt. Gregor VII., Robert Guiscard, Wilhelm der Eroberer/ Philipp v. Comi⸗ nes, Karl von Orleans, die Vicomtesse von Beziers, jene liebenswuͤrdige Vorsitzerin eines Gerichtshofes der Anmuth, der seine Urtheile in Lateinischer Sprache fällte, alle diese beruͤhmten Personen des Mittelalters wurden uns in der Vor⸗ lesung des Hrn. Villemain vorgeführt. Einige politische Be⸗ trachtungen wurden in diese Darstellung mit verfloch⸗ ten; denn wie koͤnnte man heutiges Tages Literat seyn, ohne sich zugleich auch als Politiker zu zeigen? Schon im Mittelalter, unter der kraͤftigen Herrschaft der Lehensherren versuchte und verbarg sich die Opposition unter den sirventes und tensons. Zu unserer Zeit geschieht es in der leichteren Prosa. Wir haben uns ader gefreut, in Herrn Villemain außer seinem bekannten Talente jenes b und jene Maͤßigung wiederzufinden, die der Partheigeist so gern uͤberschritten gesehen hätte.“ — Der Universel, welcher, als ein rein wissenschaftliches Blatt, sich schon früher als ein Gegner der neuern historischen und philosophischen Schule gezeigt hatte, kann sich auch jetzt nicht enthalten, in seinen Bericht einige spoͤttelnde Bemerkungen mit einfließen zu lassen. „Herr Villemain“, sagt er, „hat sich so gezeigt, wie wir ihn immer gekannt haben. Ein getstreiches Geplauder, an⸗ ziehende Anekdoren, mitzige Einfälle, satirische Erzählungen, nichts wurde verabsäumt, um die Versammlung vergessen zu lassen, daß sie da sey, um zu lernen. Das Eigenthüͤmliche des Talents des Herrn Villemain besteht eben darin, daß er sein Auditorium nie daran erinnert, daß seine Vorlesung eben eine Vorlesung ist; er macht dieselbe zu einer Unterhaltung, die er zwar allein fuͤhrt, die er aber durch seinen Vortra und sein gutes Gedaͤchtniß so angenehm zu machen weiß, 822 die Gesellschaft ihm recht gern allein das Wort überläßt. Es scheint uns jedoch, daß Herr Villemain diesmal seine lie⸗ denswuͤrdigen Eigenschaften etwas zu weit getrieben hat. Mag nun das Beifallklarschen, mit welchem er empfan⸗ gen wurde, dazu beigetragen, oder mag er absichtlich die wissenschaftliche Methode vernachlässigt haben, um sich mehr der geselligen Unterhaltung hinzugehen, genug, wir haben in seiner historischen Darstellung der Literatur des Mittelalters einige Verwirrung demerkt. Seine Bemerkungen üͤber die Bildung der neueren Sprachen erschienen uns etwas la
weil sie allgemein bekannt sind und sich ziemlich in den Ele⸗ mentarbüchern wiedersfinden. Dasselde gilt von seinen Be⸗ trachtungen über die Italtänischen Städte, welche fast woͤrt⸗ lich aus dem Buche des Herrn von Sismondi genommen waren. Dennoch bezeigte sich das Publikum sehr zufrieden, und nahm besonders die Schilderungen Gregor's VII., Dan⸗ te’ss und eine Darstellung der Dichtkunst der Provengalen beifaällig auf. Als Herr Villrmaln von den Sirventes und anderen satirischen Dichtungen sener Zeit sprach, und dabet demerkte, hierin habe die damalige Preßfreiheit bestanden, die kuühner und weniger unterbrückt gewesen sey als jetzt, klatschte das ganze Lareinische Bolk in Masse Beifall. Wir wurden von diesem kuͤhnen Aufschwunge der Vaterlandsttebe so gekührt, wie man es nur immer seyn kann, und es scheint, daß auch Herr Villemain dem Auditorinm seine Dankbarkeit zu erkennen geben wolltt, denn, da er so gut wie wir be⸗ merkt hatte, daß er in den von ihm verhandelten Stoff we⸗ nig Zusammenhang gebracht habe, so gab er seinen Zuhoͤrern ihre Beifalls Beuengungen in einem Collectiv ⸗Complimente zuruͤck, indem er ihnen sagte, er wünsche, daß ihr Geschmack
das Fehlerhafte in seinem Vortrage verbessern moͤge. Wir wollen uns nicht herausnehmen, einem Manne gute Lehren zu geben, von dem so viele Leute deren zu empfangen gewohnt sind, wir glauben aber doch, ihm bemerklich machen zu muͤs⸗ sen, daß mehr Artigkeit als Klugheit darin liegt, einem Au⸗ ditorium, das aus so verschiedenartigen Elementen zusam⸗ mengesetzt ist, einen Geschmack zuzutrauen, der fein genug waͤre, um einen Mangel an Bestimmtheit oder vielmehr an Methode in seinen Vorträgen zu ersetzen. Waͤre sein Com⸗ pliment nichts als eine leere Hoͤflichkeits⸗Formel ohne Ur⸗ sache und Wirkung gewesen, so wuͤrden wir diesen Tadel nicht gewagt haben; wir koͤnnen aber nicht leugnen, daß nach den einzelnen Theilen der ersten Vorlesung des Herrn Ville⸗ wain zu urtheilen, man geneigt seyn mußte sein Compliment aufrichtig gemeint sey.“ Kontgliche Schaufptele
Mittwoch, 16. Dec. Im Opernhause: Die Stumm von Portici, große Oper in 5 Abtheilungen, mit Ballets; Musik von Auber. .
Preise der Plätze: Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc. Im Schauspielhause: 1) Le petit tambour, vandeville
en 1 acte. 2) Théobald, ou: Le retour de Russie, vaude- ville en 1 acie, par Scribe. 3) Le sourd, on: PAuberge pleine, piéce comique en 1 acte. e
8. Königsstaädesches Theater MMittwoch, 16. Dec. Die beiden Figaro, Lustspiel in 5 Akten. Hierauf: Die Heirath durch die Guͤterlotterie, Lo⸗ kal⸗Posse in 1 Akt. ☛ S 18 riana — Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel.
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Berliner Börse. Den 15. December 1829. Cour.)
(Preauss. mam
St.-Schuld-Sch. 4] 997 ½ ,99 [Schlesische do. 4⁄ — 106 ¼ Pr. Engl. Anl. 18 5 105 ½˙ — —2 g- . — 44 Pr. Engl. Anl. 22 5 104⁄ — Muark. o. do. — Kum H . 891C. 4 99 ½ — — do. da. 5 109 ½ 8 Neum Int Se. d. 4 99 ½ —, üßelsnCAKmb. 3— Berl. Stadt- Ob. 4 102 ½ 102 ½ 11do. do. d. Nmk. — 75 See. = 98% Unr Schdket. 82 inger do. — — ito d. NmL. — 7 Danz do in THZ —- 38 ½ 38 ⅜ Westpr. Pfdb. A. 4 100 — 822 dito B. 4 100 ¾ 5 Holl. vollw. 252 — shz. Pos. do. — 101 N ito — . Gecbhean 1 100¼ 108 FHelschad'or. — 8 Pomm. Pfandbr. 4 106 ½ — [Disconto 3 Kur-u. Neum. do. 4 106 ¾ —
mechsel- und Geld-Courz. 1 Berlin. den 15. December.
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Auswärtige Börsen.
Amsterdeam, 10, Dec- 8 Rss. Oesterr. Sproc. Metalliques 99 ¾ Perh.-Obüe 400.
Eagl. Anl. 101. Russ. Ans. Hemt. Cem. B 96 5 3proc. Cons. auf Zeit 95 b“ Hterbei Nr. 87 des Augemeinen Anzeiger
Unsern auswaͤrtigen Abennenten wird derselde burch die 2*ℳ
Fehrpost zugesandt werdeau.
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3 Neueste Boörsen⸗Nachrichten. nkfurt a. M., 12. Dec. Oetterr. 58 Metoll. 1022. Bank, Act. 1492. Part.Oblig. 132 . . .„ 2 9
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