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bunden, welches zwar immer enger geknuͤpft, jedoch den Voͤlkern nicht zur Fessel werden soll. Die Loͤsung dieser Aufgabe liegt in dem Systeme der Reciprocitaͤt, das in neuern Zeiten in England so bestimmt ausgesprochen wurde, und dessen allgemeine Anerkennung nicht ausbleiben kann. Daß dieses System zunaͤchst fuͤr Englands Vortheil be⸗ rechnet ist, wird nicht in Abrede gestellt; aber jeder Na tion steht es frei, diesen Vortheil nach Maaßgabe ihrer Industrie ebenfalls zu benutzen, und bei dem ungehin⸗ derten Austausche des beiderseitigen Fleißes zu gewinnen. Frankreich hat die Wahrheit dieses Princips bisher nicht einsehen wollen und empfindet die Folgen dieses Irrthums zu seinem eigenen Nachtheil. Noch immer haͤngt es an dem veralteten Aberglauben, daß aller Vortheil in der Monopolisirung und dem Alleingewinne zu suchen sei. Darum ist jede Bewegung Englands ihm verdaͤchtig; wir koͤnnen keinen Finger ruͤhren, ohne seinen Argwohn zu wecken; zoͤgernd steht es zuruͤck, waͤhrend so viele kleine Staaten, denen es an Bildung und Einsicht so sehr uͤberlegen zu sein glaubt, auf der neu eroͤffneten Bahn freudig vorwaͤrts streben. — Aber auch unsre Maaßnahmen sind vielfachem Tadel nicht entgangen. Einige finden Anstoß an der vermeintlich uͤbertriebenen Liberalitaͤt unsrer Principien; wieder Andre beschuldigen uns der Verspaͤtung. Ziehen wir bloß unsre eigene Stellung in Erwaͤgung, so haben wir mit dem neuen System allerdings zu lange gezoͤgert. Laͤngst schon war England im Stande, sich mit allen Nationen in Wett⸗ eifer einzulassen; fast in jeder Hinsicht war das zehn⸗ fache Uebergewicht auf uns er Seite. Betrachten wir dagegen die andern Europaͤischen Staaten, so sind un⸗ sre Schritte gewissermaaßen voreilig zu nennen. Bei Allem dem waren wir durch anser eigenes und das all⸗ gemeine Interesse zu der Annahme unsers neuen Sy⸗ stems vollkommen berechtigt; denn fruͤher oder spaͤter muͤssen alle Nationen unserm Beispiel folgen, oder als Nachzuͤgler der Civilisation hinter uns zuruͤcksleiben. Auch in dem gebildeten Zustande der Gesellschaft fehlt es nie an Solchen, die gegen alles Fortschreiten eine Scheu empfinden, und denen die Welt, wie sie grade ist, gut genug duͤnkt, ohne zu bedenken, mittelst welcher Reihe von Fortschtitten sie ihre gegenwaͤrtige Stellung erreicht hat. Solche Menschen moͤchten jeder Neuerung Halt gebieten und ließen gern alle Hoffnungen der Zu⸗ kunft in traͤger Gesuͤhllosigkeit dahrnschwinden. land darf ihnen nicht Gehoͤr geben; zugleich aber muß es sich vor Rathgebern huͤten, welche die Kraft des Fie⸗ bers oder des Wahnsinns in ihm hervorzurufen suchen. Es giebt Leute, die kaum das Frontispice eines Pracht⸗ gebändes vollendet sehen, und unverzuͤglich das Dach darauf setzen wollen: der weisere Baumeister weiß aus Erfahrung, daß die Decke auf dem Frontispice allein nicht ruhen kann; darum laͤßt er sich in dem Bau der Mauern und Waͤnde nicht stoͤren, und legt erst Balken und Dielen, als nothwendige Traͤger der Decke. Jene aber bilden sich darum nicht minder ein, ohne sie waͤre das Dach nie zu Stande gekommen. — In fruͤheren
Zeiten war Krieg der einzige Weg zur Groͤße⸗ die Na⸗ tionen suchten ihren Vorrang in dem Umfange ihrer Er⸗
oberungen; die alte sowohl als die neuere Geschichte wim⸗ 40 Miglien von Zante von einem unter oͤsterreichis
melt von Schlachten und Siegen. Je weiter wir zuruͤck⸗ schauen, je mehr finden wir, daß Kampf und Gewalt zu Glanz und Ruhm fuͤhrten. Der Ruhm eines großen Staatsmannes
im vorigen Jahrhunderte war, daß er England noch höͤher
im Kriege als im Fri⸗den gestelt. Der Ruhm unsers
Zeitalters ist die Ruͤckkehr der Dinge zu ihrer natuͤrli⸗ chen Ordnung, und daß der Friede, wie dies nicht aus⸗
bleiben konnte, der Nationalkraft noch groͤßern Schwung gegeben, als der Krieg. Das Zeitalter, welches sich ge⸗ genwoͤrtig unsern Blicken darthut, wird nach der In⸗ dustrie, und nicht nach dem Namen eines Eroberers ge⸗
nannt werden: es wird das Zeitalter der Erleichterung
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Eng⸗
(dem er die oͤsterreichische
fuͤr die unteren Classen heißen, und, waͤre der Ausbd nicht neuerdings so oft gemißbraucht worden, wuͤrd wir dasselbe das Volkes Zeitalter nennen. Die In dußts wird Buͤndnisse knuͤhfen und die Freundschaft der N tionen befoͤrdern; mit einer Hand wird sie das Schw des Krieges in die Scheide stecken, mit der andern Fuͤllhorn uͤber die Erde ausschuͤtten. Fragen dann — kuͤnftigen Geschlechter, warum ein so weises und hum nes System so lange verzoͤgert wurde, so lautet! Antwort: mehr als durch Alles andre, durch die bluk gen Graͤuel der franzoͤsischen Revolution und die Ruhe sucht des darauf folgenden Despotismus. Consols 87 ⅞, 3. Vom Main, 7. Septbr.
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Aus Frankfurt in vollem Gange, Hauptgeschaͤfte gemacht. Nach der Zahl der eingetreß nen Fremden zu schließen, duͤrfte die Messe gut werde inzwischen vernimmt man doch bereits Klagen von Se der Fabrikanten uͤber abermaligen Preisabschlag, den sonders die Baumwollenwaaren erfahren haben solz Die Einkaͤufer beschweren sich dagegen uͤber Verschle terung des Fabrikats, und beide Theile moͤgen we eben nicht Uanrecht haben, da sich beiderlei Thatsach wie Wirkung und Ursache wechselseitig bebingen. W. lene Tuͤcher, besonders niederläaͤndische, theilen jedach une das Schicksal anderer Fabrikate; nach den Geschzst zu schließen, die seither darin gemacht wurden, hoh dieselben vielmehr erwas angezogen, wie wohl sich . nicht ihr eigentliches Preisverhaͤltniß, vergleichsweiseg fruͤhern Epochen, bestimmen laäͤßt.
Einige vor 3 Jahren nach Brasilien ausgewanda Wuͤrtembergische Faͤmilien sind dieser Tage auf ih Ruͤckreise in großer Duͤrftigkeit bei Mainz vorbeigt gen. Die Leute koͤnnen nicht schrecklich genug das El schildern, welches die Deutschen dort erwartet. C nennen jene die gluͤcklichsten, welche unter die Brasille nischen Truppen gesteckt wurden, da sie doch Nahru erhalten, und nicht Hungers gestorben sind, wier uͤbrigen fast alle.
Spanien. Es ist ein Corps Koͤniglicher Truppt vor Berga angekommen ohne auf irgend einen Wide stand zu stoßen. Joseph des Etangs soll jedoch die Gegend noch nicht verlassen und einige Ortschaften gar noch kuͤrzlich gebrandschatzt haben. Bis zum! Angust war noch kein Gefecht vorgefallen. Die Bo den der Rebellen wachsen taͤglich. Junge unverhiit thete Leute erhalten bei ihrer Anwerbung zwoͤlf Pits Handgeld, verhetrathete funfzehn. Die Loͤhnung w erstern betraͤgt täglich 25, die der letztern 35 Sols.
Triest, 1. Sept. Der heutige Osservatore T. stino meldet: „Vorgestern ist die oͤsterreichische 9H
delsbrigantine il Filadelfo, Capitain Biaggio Toman vich, nach einer zwanzigtaͤgigen Fohrt von Syra he
angekommen. Sie war von dort unter Begleitung ner englischen Kriegsbrigg mit einem nach der Leve bestimmten Konvoy abgeseaelt. Der Capitain hat gende Aussage gemacht: Nachdem die Brigg gluͤck durch den Archipel gekommen war, wurde sie ungeft
schen Schooner augegriffen. M. Flagge herabgelassen, und griechische aufgehißt hatte, befahl er dem Capitain,“ zulegen, was sich dieser zu thun weigerte; es ent spal sich daher zwischen beiden Schiffen ein Gefecht, d von 9 bis 2 ⅞ Uhr dauerte. Drei Mal suchte der rat den Filadelfo zu entern, und wurde jedes M zuruͤckgeschlagen. Der Commandant des Schooners v. kangte endlich die Einstellung des Feuers und eine Ve guͤtung des erlittenen Schadens; die Ausgleichung ke endlich an Bord der Brigantine zu Stande, wobei U
Capitain Tomanovich mit der angezuͤndeten Fackel d v1A““ “ 8
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Flagge segelnden greecht
unterm 5. d. gemeldet: Unser Meßverkehr ist nunm walt ist unabhaͤngig von
denn in dieser Woche werden
uten, und allen Mißbraͤuchen hierin vorbeugen.
mer in Braud zu stecken drohte, wenn der e uͤberspannten Forderungen nicht maͤßigen ürde. Dieser dadurch in Furcht gesetzt, erklaͤrte end⸗ „, sich mit 1000 Thaler begnuͤgen zu wollen. Toma⸗ vich behauptete dagegen, daß er kein Geld habe, sund vot sich, ihm 7 Ballen Schwaäͤmme und 1 Ballen Setde, ßer einigen andern der Mannschaft gehoͤrigen Sachen fuͤr zu uͤberlassen. Der Korsar entfernte sich hierauf d zum großen Gluͤcke fuͤr die Brigantine, welcher es eits an Pulver zu mangeln begonnen hatte.“ Nachrichten aus Griechenland. Nachstehendes ist der Schluß der (im gestrigen atte abgebrochenen) Constitution von Griechenland. pitel IX. Von den Gerichten. 133) Die richterliche den zwei uͤbrigen in ihren chtet nach den geschriebenen wird durch die Ge⸗
111“
ulverkam rsar sein
134) Sie ri setzen der Nation. 135) Sie hte im Namen der Nation ausgeuͤbt. 136) Drei Ar⸗ Gerichte sind in Griechenland angenommen: a) Fri⸗ sgerichte; b) Landgerichte; c) Obergerichte. Außer sen ist noch ein oberstes oder Cassetionsgericht nieder⸗ etzt, das im Sitze der Regierung sich befindet. 137) sollen auch Geschwornen⸗Gerichte eingefuͤhrt werden; Senat soll durch ein besondres Gesetz dafuͤr sorgen, zu organisiren. 138) Gerichtliche Commissionen oder zerordentliche Tribunale sind in der Folge verboten. 5) Es ist den Griechen erlaubt, sich durch appellaͤdle d inappellable Schiedsrichter richten zu lassen. 140) e Prozesse werden oͤffentlich verhandelt, außer wenn Heffentlichkeit dem Anstande zuwider laͤuft; und uͤber muß das Gericht entscheiden. 141) Die Ur⸗ ilsspruͤche der Gerichte erfolgen immer oͤffentlich. 142) s dahin, daß die Codices nach dem Artikel 99 publi t werden, sind die dyzantinischen Gesetze, die von der eiten National Versammlung veranstaltete Sammlung Criminal ⸗Gesetze, und die von der griechischen Re⸗ erung bekannt gemachten Gesetze in Kraft; in Han⸗ lssachen hat die franzoͤsische Handels⸗Gesetzsedung esetzeskraft. 143) Die vorliegenden constitutionellen Ge⸗ ze gehen allen uͤbrigen vor, und die von dem (jetzigen) jechischen Staate erlassenen Gesetze gehen den aͤltern r. 144) Die Richter sind verantwortlich fuͤr Betrug, stechung, Parteilichkeit, und die Verbrechen, die das setz uͤber Organistrung der Gerichte auseinondersetzt. 5) Die niedern Gerichte sind verantwortlich den hoöͤ n, und das oberste dem Senate. 146) Das Gesetz r Organistrung der Gerichte, unter Nr. 13. des Ge⸗ scober ist in Kraft. Nach demselben werden die Ge⸗ hte bestellt werden. Der Senat wird im Verlauf ses Jahres eine Commission niedersetzen, die dieses setz uͤberarbeiten und es dann seinem Urtheile vorle⸗
sspruͤchen.
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147) Die Regierung soll unverzuͤglich dafuͤr sorgen,
ß ein solider Fond ausgemittelt werde fuͤr die Witt⸗ und Waisen der für das Vaterland gefallenen 6 148) nach der Herstellung der
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e Regierung ist verpflichtet, echischen Angelegenheiten alle jene zu belohnen, getragen haben, und bis zum Ende beitragen werden Heilung der jenigen zu entschädigen, ücklich geworden sind. lfahne und der Flaggen, un und weiß. Die Form der National⸗Flagge Nationalfahne ist nach der fruͤher daruͤber von der egierung ergangenen Anordnung einzurichten; und ßer diesen Flaggen sollen die Griechen keine andern brauchen, weder zu Lande noch zur See⸗ 150) Das; iegel des griechischen Staates fuüͤhrt zum charakteri
die offenbar fuͤr dasselbe un,⸗ 129) Die Farben der Natio⸗
die
Geldbeduͤrfnisse Griechenlands, und
zu Land und zur See, sind n und
[nachrichtigte, daß, nach
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deekes
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Der gr
1““ EEe * griechische Eid. Ich schwoͤre im Namen des Alerhoͤchsten und des Vaterlandes, immer mitzuwirken zur Befestigung der Freiheit und der Wohlfahrt meiner Nation, bereit, da⸗ fuͤr seldst mein Leben zu opfern, wenn es die Noth er—⸗ fordert. Ich schwoͤre uͤberdieß den Gesetzen meines Vater⸗ landes zu gehorchen, die Rechte meiner Mitbuͤrger zu achten und die Pflichten des Buͤrgers unverletzlich zu
erfuͤllen. — v8 . — 2 Der Senator⸗Eid.
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Ich schwoͤre im Namen des Allerhoͤchsten, die Grundgesetze des griechischen Staates unerschuͤtterlich zu bewahren, und bei keiner Gelegenheit und unter kei⸗ nem Vorwand davon abzuweichen, noch aadere abwei⸗ chen zu lassen; immer zu vertheidigen die Unabhaͤngig⸗ keit meiner Nation, und die allgemeine und individuelle Freiheit meiner Mitbuͤrger; und aus allen meinen Kraͤf⸗ ten beizutragen zur Bewahrung und Vermehrung der allgemeinen und indivrduellen Wohlfahrt der Griechen.
Ich schwoͤre uͤberdieß, von Niemanden, unter kei⸗ nerler Vorwand, weder unmittelbar noch mittelbar das gerineste Geschenk anzunehmen, um meine Stimme noch dem Wohlgefallen eines Andern, und gegen mein G wissen zu geben. “
Eid des Gubernators.
Ich schwoͤre im Namen des Allerhoͤchsten, schuͤtterlich zu bewahren die Fundamental⸗Gesetze des griechischen Staates, und bei keiner Gelegenheit und unter keinerlei Vorwand sie aufzuheben, noch aufheben
zu lassen. Ich schwoͤre uͤbe
2 8 2
rdieß, zu vertheidigen und zu bewah⸗ ren gus allen meinen Kraͤften die Unabhaͤngigkeit der griechischen Nation, und die allgemeine und individuelle Freiheit; zu achten die Rechte aller Buͤrger insgesammt und eines jeden insbesondere; und zur Bewahrung und Vermehrung des allgemeinen und besondern Wohls kei⸗ nes der Mittel zu verabsäͤumen, welche die Gesetze mei⸗ ner Gewalt anvertraut haben. 8. .
Nr. 15 des Coderx der Decrete. 4
Die dritte Nationalversammlung der Griechen, nach⸗ dem sie das Gesetz von Epidauros, oder die provisorische Verfassung Griechenlands revidirt, davon weggenommen und dazu gethan, und es berichtiget hat, decretirt:
I. Diese Verfassung wird unter dem Namen: Po⸗ litische Constitution Griechenlands von nun an aner⸗ kannt, der Treue des Senats, des Gubernators und der Justiz uͤberantwortet, um genan bewahrt zu werden; sie wird dem Woblwollen der Voͤlker, und dem Patrio⸗ tismus jedes Griechen uͤberantwortet, um in ihrer gan⸗ zen Ausdehnung vollzogen zu werden.
II. Unter keinerlei Vorwand un dk der Senat, oder die Regierung etwas der gegenwaͤrtigen Constitution Zuwiderlaufendes verordnen oder vollziehen.
III. Diese Constitution wird im Druck durch den ganzen Staat bekannt gemacht.
IV. Das Original wird in nats aufbewahrt.
V. Das gegen Decrete eingetragen,
macht werden⸗ b Gegeben in Troͤzen, im Jah
8
d Umstand kann
dem Archive des Se⸗
wärtige Decret soll in den Codex der und durch den Druck bekannt ge⸗
Monate Mai des 1827sten rs des Heils, und des stebenten der Unabhaͤngigkeit⸗ (Folagen die Unterschriften: 171 “"n der Zabl.) — (Fortsetzung der in Nr. 210. dieser Zeitung ab⸗ gebrochenen Uebersiche der Ereignisse in Griechenfand, aus dem Spectateur Oriental) Am 31. Mai schrieb die . an den Major Corner einen Brief, worin sie ihn be⸗ dem Befehle des Genera-«⸗ uͤbergeben, sie entschlose⸗
Besatzung der Akropolis
lissimus, die Festung zu
schen Zeichen die Minerva, mit den Symbolen der
111.“ 1
sen sei, eine Kapitulation anzunehmen, welche ihres Da⸗