Vermischte Nachrichten.
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PEI““ (Aus dem Millitair⸗Wochenblatt)
Dix chapitres sur la guerre d'Orient.
schriften: I. Vorrede.
den wird? IV. In welcher Verfassung zeigen sich die
cher Verfassung wuͤrden sich die Russen bei Eroͤffnung eines zweiten Feldzuges zeigen? VI. Hat Rußland nicht an den Hellenen verpflichtete Gehuͤlfen? den die christlichen Voͤlkerschaften an den Begebenheiten zu nehmen haben. VIII. Hat Europa Ursache, mit Besorgnissen auf eine Festsetzung der Russen laͤngs der Kuͤste des Meeres von Marmora zu sehen? IX. Hat Frankreich Ursache, mit Besorgnissen auf die Festsetzung der Russen im Bosporus zu sehen? X. Welchen Ausgang duͤrfte der naͤchste Feldzug nehmen? Die Broschuͤre hat das Verdienst einer großen Kuͤrze und Klarheit in der Darstellung. Der Verf. spricht sich uͤberall mit Energie aus. Er ist dem Englischen System abhold und ein Gegner der Tuͤrken, aber ein Freund der Griechen, und wuͤnscht deshalb eine engere Verbindung zwi⸗ schen Frankreich und Rußland.
Es scheint, daß derselbe eine Zeitlang in der Tuͤrkei ge⸗ lebt hat, und dies giebt dem vierten Capitel seiner Schrift, worin er uͤber die derzeitige Lage der Tuͤrkei seine Meinung ausspricht, ein besonderes Interesse, weshalb wir dasselbe hier in der Uebersetzung folgen lassen.
In welcher Verfassung zeigen sich die Tuͤrken vor
dem Beginn eines zweiten Feldzuges?
Das Ottomanische Reich darf nicht nach den Regeln be⸗ urtheilt werden, welche bei jedem andern Europaͤischen Staate ihre Anwendung finden wuͤrden. Man trifft dort nur un—⸗ vollkommene Elemente der Civilisation. Kein Gesetz (die
Glaubenslehre ausgenommen) kann dem Willen des Souve⸗
rains Widerstand leisten. Die Achtung fuͤr das Eigenthum,
so wie fuͤr das Leben der Individuen, ist auf die engsten
Graͤnzen beschraͤnkt.
Ein Drittel der ganzen Bevoͤlkerung lebt in einer Art Sklaverei. Alle Verwaltung beruht auf veralteten Gebraͤu⸗ chen, welche die Willkuͤhr nach Gutduͤnken aͤndert.
1 Ein Gemeingeist existirt nicht in der Tuͤrkei; kein Band
vereinigt die verschiedenen Theile der Gesellschaft; alle Sec⸗
ten sind fanatisch in ihrem Glauben. Sie verachten und ver⸗
abscheuen sich unter einander, und die herrschende, wenn sie tolerant in Betreff der Ausuͤbung des Cultus ist, bleibt darum nicht weniger bereit, die andern zu opfern, sobald ihr Interesse es erfordert.
Vor Eroͤffnung des Krieges wollte man, daß der Fana⸗ tismus der Anhaͤnger des Propheten eine von den großen Triebfedern zu einem hochgepriesenen Widerstand werde. Diese Meinung, wenn sie auch nicht gaͤnzlich verschwunden ist, muß doch sehr lau geworden seyn, seitdem die Ausstel⸗ lung des Sandjiack Scheriff deutlich die Erschlaffung der Mu⸗
selmaͤnnischen Begeisterung gezeigt hat. Es ist wahr, daß ehemals dies verehrte Zeichen des Mahometismus viele Glaͤu⸗ bige mit sich fortriß; doch damals eilte man zu Eroberungen, welchen immer eine eintraͤgliche Pluͤnderung voranging. Wo
ist heut zu Tage dieser Reiz?
— An die Stelle der Eroberungen und der Beute ist der Aufruf zur Vertheidigung getreten, der moͤrderische Krieg gegen einen gefuͤrchteten Feind setzt sich in einem verwuͤsteten Lande mit einer dem Elende preis gegebenen Bevoͤlkerung fort. Seiner alten Stuͤtzen beraubt, hat das Panier des Pro⸗
heten seine Kraft verloren. Der Auszug desselben aus Konstantinopel ist nur durch das Geschrei einiger Emire, einiger Derwische und durch das Blutbad mehrerer Christen bezeichnet worden. Der Sultan hat alle Institutionen, welche eines lang genaͤhrten Vertrauens genossen, umgestoßen und durch neue Schoͤpfungen ersetzt, denen der Sieg noch nicht seinen Stempel aufgedruͤckt hat. Sie sind ohne An⸗ sehen beim Volke; sie beruhigen nicht die neuen Krieger. Ge⸗ chaffen fuͤr den Krieg im Felde, hat man dennoch bisher nicht gewagt, sie in Schlachtreihen zu zeigen. Der Musel⸗ maͤnnische Soldat, seinem Instinkte und Muthe uͤberlassen, war in Vertheidigung der Verschanzungen jedem Andern uͤberlegen. Ibrail, Varna und alle im letzten Feldzuge an⸗ gegriffene Punkte haben gezeigt, daß der alte Muselmann von sei⸗ ner ehemaligen Tapferkeit und dem Vertrauen auf eigene
Ddiese aus 63 Seiten bestehende Broschuͤre ist ein Pro⸗
dukt der Zeit, und ihre zehn Capitel fuͤhren folgende Ueber⸗ II. Aus welchen Ursachen Rußland in dem ersten Feldzug unzureichende Kraͤfte verwendet hat. III. Ist es wahrscheinlich, daß ein zweiter Feldzug 85
ür⸗ ken vor dem Beginn eines zweiten Feldzuges? V. In wel⸗
VII. Von dem Antheil,
ren hat. Mahmud's Umwaͤlzungen haben ihn i sten des Schwarzen Meeres. Alle diese lehrt, daß er eine gleiche Zuversicht zu den nügphalichen 71. Hesan Pnd o 1
* trischand verschlossen. Das friedliche und cultivirte Ru⸗ wegungen der neuen Taktik haben koͤnne. Daher ℳ Ge,en sham seine eigenen Beduͤrfnisse beschaffen.
Tuͤrkischen Feldherren und Soldaten mit einem zweifenah je es seit zwei Jahren ist, erdruͤckt unter der Vertrauen zu der neuen Organisation der Russische icg wis eärsche, der Zagellosigkeit der Truppen und gegenuͤber stehen. Die Zahl der Soldaten wird Uind 1ven Adrianopel, Aidos und anderer Orte, ist es sehn, die Arrillerie zahlreich, die Stellungen furchthn pmeit gekommen, daß es mit Lebensmitteln fuͤr seine nition wird nicht sehlen. Der Zeitraum eines gamzen Bewohner versehen werden muß. Eben dies ist fuͤr 8 Vonze. temnen eenbevdet wenh nden Truppen besetzten Linien und erfor⸗ seyn. es dies kann zugegeben „ ie wird K t *diesen Beduͤrfnissen
und das ist die glaͤnzende Seite der Medallegeigg 11“ “ vgr wir die Kehrseite, so werden wir die Schatten nige Journale haben in dem Sinn ihres Optimismus, Gemaͤlde finden. en d. die Vorliebe fuͤr die Tuͤrken verblendet, der aus Der. Sultan konnte durch die Kraft seines Wihsipelten Blokade zu fuͤrchtenden Verlegenheit vorzu⸗ mit einer unbegraͤnzten Macht leicht auf gegebenen mülllor. laubt, indem sie ankuͤndigten, daß Zufuhren von eine unendliche Menge von Menschen, Artillerie, M 18n Kameelen durch Natolien zur Versorgung der und selbst „wenn man will, Lebensmittel zusammeng mdt eingerichtet waͤren. Dies zu leisten, ist in Be⸗ 8 9c se⸗ 8 uͤber 8. Siss zudas ein horer zahlreichen Bevoͤlkerung, schon sehr bedeutend; 5 eiches, Niemand jenseit des Haͤmus site dilitai elches eschiede⸗ “; jen es Haͤmus stär bate bleibt noch das Militair, welches auf so verschiede
im kten der Lebensmittel bedarf. Um im Augenblick der Gefahr und waͤhrend def unkten de 1111 der Operationen von dieser großen “ von 8 itman uͤberhaupt woh ““ — 1
1 biere o vielen Beduͤrfnissen zu genuͤ⸗ und Dingen gehoͤrigen Nutzen zu ziehen, bedarf es w ““ . Seine der Peänhte⸗ Geldes, materteller Huͤlfsmittel und gefuͤllter Magazn 9 der Canaͤle von Briare, des Loing ꝛc., und auf Allem aber bedarf es leichter Communicationen. llnsmittel beschraͤnkt, welche zu Lande herbeigeschafft Alles vorhanden? Geld? Wir muͤssen zuerst von üd Kann man alsdann den Ueberfluß auf seinen Maͤrk⸗ len, aus denen man es schoͤpfen koͤnnte, Griechen aussetzen? die im Aufstand befindlichen Inseln abrechnen; anstatt zu Wagen, die Transporte nur zu
welches seine besonderen Ausgaben hat; die Pasce ausgefuͤhrt werden koͤnnen? Wenn, anstatt treffli⸗ luͤdlichen Asien, welche, wie das von Bagdad, whausseen mit zahlreichen Nachtquartieren versehen, Macht der Pforte anerkennen; die oͤstlichen Pm 1 selsige Fußsteige erblickt, welche, von den Gewaͤs⸗ welche die Beduͤrfnisse fuͤr die der Armec des Kaukzi rrissen, sich durch wenige und verheerte Doͤrfer gegen stehenden Truppen herbeischaffen; im Westen ehlln, kann man alsdann noch an die Moͤglichkeit der und die durch den Aufstand der Griechen beschaͤftige iantirung glauben? Wenn endlich, als letzte Vor⸗ schaliks; im Norden die von den Russen besetzten
zuge uß, daß dieselbe Stadt, außer ümer „ 1 zten ag, man noch zugeben muß, daß dieselbe S dt, auß thuͤmer, und Bulgarien, den Schauplatz der Feindsel hlreichen Einwohnern, noch 150,000 oder 200,000 Rumelien, von Auflagen erdruͤckt, kann keine
* in der Entfernung von 40 bis 50 Stunden in ver⸗ Areni heen. en “ 8 Vorraͤthen zu versehen genoͤthigt . So bleiben also dem Kaiserlichen Schatze nur tann man die Erzaͤhlungen jener Anhaͤnger der Tuͤrken kuͤnfte der Kuͤsten des Meeres von Marmora, voegls zum Spaß erfundene abgeschmackte Fabeln betrachten. vseg⸗ 4 der Paschaliks von Alep, Saint⸗Jean⸗d ujeser unvermeidliche Mangel, welcher die hohe Pforte Damascus. Dagegen aber gehen die Einkuͤnfte und den sie vielleicht schon in seiner ersten Annaͤhe⸗ Douanen ab, wegen Stillstand des Handels, und de puͤrt, ist ohne Zweifel die wichtigste ihrer Verlegenhei⸗ ral⸗Abgaben, wegen Unterbrechung der Zufuhr der I
1 ⸗ och andere, nicht weniger dringende Sorgen werden Kopfgeld der Nicht⸗Muselmaͤnner vermindert sich, all 6 . —
1 2 ellung des Sultans verwickeln. e b ash Ursachen, welche aufzuzaͤhlen hier zu we wit⸗ daruͤber wachen muͤssen, daß der Sold und die re * b
1 b 2 Atung der Truppen gesichert ist, damit nicht die De⸗ „ Wenn man in der Tuͤrkei gelebt hat, so begreif ih säner eengenh age⸗ und die aufgeloͤsten Sol⸗ in der That nicht, wie der Sultan die Ausgaben, wasssg Masse oder einzeln das Land durchlaufen, um uͤberall Umwaͤlzung der alten Institutionen, die Erschafumsnd Schrecken zu verbreiten. Die Pluͤnderung der neuen Systems, die Versammlung und Verprovin;n wird eine nothwendige Folge der Desertion seyn. der Truppen, sowohl in den Festungen als im Feltel b
„ 84 8ö.- im on Einwohnern noch in den Doͤrfern seyn mag, die Kosten des Krieges bis jetzt herbeigefuͤhrt ne Sicherheit in unerreichbaren Orten suchen, und zu bestreiten vermocht hat. Er hat seinen wmual
— tausend Beduͤrfnisse gedraͤngt hervorkommen, um sich nen Alles genommen, was ihm anstand; Vichetzeitt an den Marodeurs fuͤr die erlittenen Leiden zu raͤchen. er durch Confiscationen erhalten; er hat Alles versibs etz Sultan wird sich genoͤthigt sehen, seine Aufmerk⸗ in seinen Vorraths⸗Kammern einigen Werth hattenttesitz Kraͤfte und Huͤlfsmittel zu theilen, um auf allen diese Huͤlfsmittel koͤnnen sich nicht erneuern. Warhuhhttteßt Front zu machen, wo er angegriffen wird, in den gethan? Was wird er nun thun? Je staͤrker man wütttcellen, am Eingang des Schwarzen Meeres, in Arme⸗ Rußland aufzustellende Macht annimmt, je wichtigveahtzllaüf der ganzen Linie des Haͤmus, und in der Richtung diese Fragen. Meedonien, wo die Griechen ihn bekaͤmpfen.
Eihne jede andere Regierung wuͤrde in dem aotut wird die christlichen Bevoͤlkerungen von Konstanti⸗ Credit eine nuͤtzliche Huͤlfe finden. In der Tuͤrkat nd den Kuͤstenstaͤdten von Klein⸗Asien im Zaum zu weder das Wort noch die Sache. Es ist klar, daß Malllchaben, vielleicht dadurch, daß er sie vernichtet! End⸗ jetzt bereits, oder doch bald, sich in der Unmoͤglitztthhllld er auch den Aufruhr seiner muselmaͤnnischen Unter⸗ sinden wird, die Kriegs⸗Kosten zu beschaffen. Iltllfüͤrchten muͤssen, welche Unzufriedenheit, Elend, Man⸗ Fuͤrst aber im Stande, das materielle Beduͤrfniß uazl die Asche der Janitscharen mitten in dieser allgemei⸗ als das Geld aufzubringen? Man kann zugeben, utlzstoͤrung aufregen koͤnnen.
Verproviantirung dieser Art in allen zu vertheidigen Rhl ist die Stellung des Ottomanischen Reiches bei Er⸗ ten mit Verschwendung besorgt worden ist. des zweiten Feldzuges. Ein einziger Mann haͤlt Es war immer den Tuͤrken eigenthuͤmlich, diese! ufloͤsung noch bis jetzt zuruͤck. Wenn man bedenkt, tung von Kriegsruͤstung zu vervielfaͤltigen; da jedes ancherlei Gefahren er persoͤnlich ausgesetzt ist, so wird ein einziges Zeughaus (das in Konstantinopel) zur Mehhsestehen muͤssen, daß diesem Lande wenig Wahrschein⸗ tion der Regierung ist, so ist es unmoͤglich, die Verlatzelbleibt, die Gefahr abzuwehren, die es bedroht *).
den Verbrauch zu ersetzen, indem durch die doppelte LEint ßung zur See der Ersatz der Verproviantirungen unalt bar wird.
Die Frage der Subsistenz⸗Mittel hat noch eine 9an dere Wichtigkeit. V Konstantinopel erhielt in gewoͤhnlichen Zeiten hauptsaͤchlichsten Verproviantirungen in Getreide, Nei⸗ Kaffee, aus Aegypten; außerdem Getreide aus der Sm. ndessen ist auch nicht zu vergessen, daß die vis inertiae
senschaftliche Expedition nach Aegypten.
Hdes gestern abgebrochenen Artikels aus dem Moniteur.) achdem wir drittehalb Stunden hier verweilt und che Basreliefs betrachtet hatten, machte sich das Be— frische Luft einzuathmen, bei uns fuͤhlbar, und wir n dieses Schwitzbad mit den noͤthigen Vorsichts⸗
Kraͤfte, sobald er nur sich selbst uͤberlassen war, nichts verlo⸗
Vieh aus Bulgarien und den Fuͤrstenthuͤmern; eine Mhißes Schutzmittel, besonders fuͤr lange bestehende Staaten anderer Gegenstaͤnde von den Inseln des Archipelagne 8 ]
u““ 8 8 11“ 8
Und wie werden die Besorgnisse noch zu⸗
der hieroglyphischen Legenden.
8 8 5 6 8 8 Maaßregeln; ich legte zwei Flanell⸗Jacken wollene
Kaputze an und huͤllte mich in meinen großen Mantel, so⸗
8
an einem der aͤußeren⸗Kolosse nieder, dessen ungeheure Masse mich gegen den Nordwind schuͤtzte, und ruhte eine halbe Stunde aus, um den großen Schweiß voruͤbergehen z las⸗ sen; dann begab ich mich nach meiner Barke, und brachte zwei Stunden im Bette zu. Dieser Versuch hat mir bewie⸗ sen, daß man drittehalb bis drei Stunden im Innern des Tempels bleiben kann, ohne eine Erschwerung des Athem⸗ holens zu empfinden; nur in den Beinen und den Gelenken fuͤhlt man Schwaͤche; es wird uns also auf der Ruͤckreise moͤglich seyn, die historischen Basreliefs abzuzeichnen, indem wir in Abtheilungen zu Vieren zwei Stunden des Morgens und eben so lange des Abends arbeiten. Das Unternehmen ist allerdings anstrengend, aber der Erfolg ist so lohnend un die Basreliefs sind so schoͤn, daß ich Alles thun will, um sie, so wie die Legenden, vollstaͤndig zu besitzen. Die Waͤrme im Tempel von Ibsambul ist der eines Tuͤrkischen Bades zu ver⸗ gleichen, und der Aufenthalt in demselben vertritt vollkommen die Stelle eines solchen. Wir verließen Ibsambul am 28. Dec. Mor⸗ gens, und legten gegen Mittag bei Ghebel⸗Addeh an, wo sich ein kleiner in den Felsen gehauener Tempel befindet; die meisten Basreliefs an demselben sind von Christen mit Moͤrtel be⸗ worfen worden; diese bedeckten die neu entstandene Oberflaͤche mit Gemaͤlden der Heiligen, besonders St. Georgs zu Pferde. Ich ließ den Moͤrtel abschlagen und erlangte die Gewißheit, daß Koͤnig Horus, Sohn des Amenophis Memnon, diesen Tempel dem Thoth gewidmet habe; auch ließ ich drei fuͤr die Mythologie sehr wichtige Basreliefs abzeichnen. Wir uͤbernachteten in Faras. Am 29. Decbr. kamen wir wegen Windstille nur bis jenseit Serré, und langten endlich am 30sten Mittags in Wadi⸗Halfa an, eine halbe Stunde weit von der zweiten Katarakte, wo fuͤr uns die Saͤulen des Her⸗ kules stehen; gegen Sonnenuntergang machte ich einen Spa⸗ ziergang nach derselben. Erst gestern ging ich ernstlich ans Werk und fand auf dem Westufer die Truͤmmer von drei Gebaͤuden, die Werksteine enthalten, aber nur noch das Ende Das erste noͤrdlich liegende Gebaͤude war viereckig, klein und von geringer Wichtigkeit; desto mehr zog mich das zweite an; es ist ein Tempel, dessen Mauern aus großen rohen Backsteinen gebaut sind, das In⸗ nere wird durch Pfeiler aus Sandstein und durch Saͤulen aus demselben Material unterstuͤtzt. Diese Saͤulen sind, wie alle aus den aͤltesten Zeiten, der dorischen Ordnung sehr aͤhn⸗ lich. Dies ist unstreitig der Ursprung der Griechischen Saͤu⸗ lenordnungen. Dieser dem Horammon (dem erzeugenden Am⸗ mon) geweihte Tempel ist unter dem Koͤnig Amenophis II., dem Sohne und Nachfolger Thutmosis III. (Moeris) erbaut; davon uͤberzeugte ich mich, indem ich durch meine Araber von den Pfeilern und Saͤulen, an denen ich Spuren hierogly⸗ phischer Legenden entdeckt hatte, den Sand wegraͤumen ließ; es gelang mir auf diese Weise, das Ende der Weih⸗Inschrift
des Tempels auf den Truͤmmern der Pfosten des ersten Thors zu finden; auf dieselbe Weise entdeckte ich eine große Stele, welche in eine Ziegel⸗Mauer des Tempels eingemauert war, und eine Anbetungs⸗Scene nebst einem Verzeichniß der, durch den Koͤnig Ramses J. dem Tempel gemachten Geschenke und drei, von dem nachfolgenden Pharao zu demselben Zwecke hinzugefuͤgte Zeilen enthielt. Nach der Angabe des Doctor Ricci ließen wir unsere ganze Mannschaft auf der Stelle, wo das Heiligthum gestanden hat, mit Hacken und Schau⸗ feln nachgraben, und fanden eine zweite große Stele, die ich aus Herrn Riccei's Zeichnungen kannte; auf ihr ist Mandu, eine der großen Gottheiten Nubiens, dargestellt, wie er dem Koͤnige Osortasen (aus der XYlIten Dynastie) alle Voͤlkerschaften Nubiens mit ihren Namen vorfuͤhrt und uͤbergiebt; diese Voͤlkerschaften werden durch fuͤnf knieende und gefesselte Figuren repraͤsentirt, an welche sich Schilde mit dem Namen des Gebiets lehnen, welches jede dieser Voͤl⸗ kerschaften bewohnte; diese Gebiete sind folgende: 1) Scha⸗ mik; 2) Osau; 3) Schsat; 4) Oscharkin; 5) Kos; drei an⸗ dere Namen sind gaͤnzlich verwischt; die angegebenen Benen⸗ nungen moͤchte man wohl schwerlich in einem der Griechi⸗ schen Geographen finden. Etwas suͤdlicher steht ein zweiter groͤßerer, aber eben so zerstoͤrter Tempel, welcher unter Thut⸗ mosis III. (Moeris), gleichfalls aus Backsteinen, erbaut ist, mit Saͤulen, Pfeilern und Thoren aus Sandsteinen. Dies war der Tempel der Aegyptischen Stadt Beheni, die, nach der Ausdehnung der auf der verwuͤsteten Ebene zer⸗ streut liegenden Truͤmmern von Toͤpfer⸗Waaren zu schließen,
gewesen seyn muß. Ohne Zwei⸗
von ansehnlichem Umfange 1 9— fel diente diese Stadt den Aegyptiern, um die zwischen bei⸗
den Katarakten wohnenden Voͤlker im Zaume zu halten; der
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bald ich an das Tageslicht gelangt war; hier 2r ich mich )