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Preußischen Staat
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Protestanten enthaͤlt, und die Maas und das Moerdyk wuͤrden die Graͤnzen des neuen Staates seyn. Dieselbe Schwierigkeit it auf dem linken Schelde⸗Ufer vorhanden, wo Hollaͤndisch Flan- dern noch in den Haͤnden der Hollaͤnder ist, die von der Schleuse von Terneuzen, von Hulft aus, Gent und ganz Flandern ein-⸗ nehmen koͤnnen. Solche Graͤnzen koͤnnen nicht definitiv seyn. Isch wuͤrde unsere Minister zu beleidigen glauben, wenn ich der Absicht, die man ihnen unterlegt, einen Englichen Prinzen auß den Belgis chen Thron setzen zu wollen, den mindesten Glauben schenken 8 wollte. Ich beschraͤnke mich daher darauf, zu fragen: 1) ob es wahr ist, daß das von den großen Maͤchten unterzeichnete Protokoll dahin lau- tet, daß man sich den Vertraͤgen von 1814 und 1815 so viel alsz moͤglich naͤhern wolle; 2) ob man unter den Graͤnzen des neuen Staates diejenigen versteht, welche die Grundlage des Waffen⸗ stillstandes zwischen Holland und Belgien gebildet haben?“ — Der Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten er⸗ wiederte: „Ein Freund des ehrenwerthen Generals, den ich auf dieser Rednerbuͤhne abloͤse, hatte gestern die von Ihnen so eben vernommene Rede uͤber unsere auswaͤrtigen Angelegenheiten, und namentlich uͤber die Belgische Frage, angekuͤndigt. — Bevor ich
auf diese Rede antworte, will ich einige Bemerkungen uͤber die
dazu angewandt haͤtte, das von ihm gestellte Problem zu loͤsen 9 üarn und einen bestimmten Beweis unserer Straffaͤlligkeit zu liefern, 95 oder mindestens ein Mittel namhaft zu machen, unseren Umtrie⸗ ben auf die Spur zu kommen. Ich erklaͤre, daß Niemand mir
von Zugestaͤndnissen Ene hat, die man dem Monarchen zu
fuͤr wahrscheinlich halte), man die Thore schließen und den Angreifern Kanonenschluͤnde zeigen wuͤrde. So leicht also, wie in den andern Staͤdten, wuͤrden sie hier ihren Zweck nicht erreichen. Die Garnison von etwa 500 Mann und die Buͤrgerschaft von 2500 sind sicher. — Die Richtigkeit der in Vorste⸗ hendem enthaltenen Andeutungen hinsichtlich der geheimen Anstif⸗
entreißen suchen muͤsse, und daß ich auch Niemanden das Recht eingeraͤumt hatte, mir einen solchen Vorschlag zu machen. Das einzige Versprechen, daß ich, und zwar nicht den Ruhestoͤrern, sondern dem Koͤnige, dem Lande und meinem Gewissen gegeben habe, ist, daß ich mich fuͤr immer von dem vorigen Regierungs⸗ System loszusagen und den Grundsaͤtzen unserer letzten Revolu⸗ tion treu zu bleiben entschlossen sey.“ Nach dieser Einleitung verlas Hr. Dupont zu seiner Rechtfertigung ein Schreiben, das er unterm 24. Dez. in seiner Eigenschaft als Groß iegelbe⸗ wahrer an den General⸗Prokurator erlassen hatte, um die Unru⸗ hestifter den Haͤnden der Gerechtigkeit zu uͤberliefern, und schloß sodann in folgender Weise: „Nur mit Widerwillen, meine Herren, und bloß von dem Gedanken geleitet, daß jeder Volksmann der neuen Regierung seine Mitwirkung und seinen Beistand schuldig sey, hatte ich mich entschlossen, in das Ministerium einzutreten. Verschiedene Umstaͤnde hatten
1 — — Bern, 21. Dez. (Schluß des vorgestern ab⸗ gebrochenen Schreibens.) In Bern selbst ist es bisher noch ruhig geblieben. In Burgdorf und dem Emmen⸗
thale waren Umtriebe, Sammlung von Unterschriften, aber en An⸗ sichtli V . gesße Volks⸗Versammlungen. Man hat verhoͤrt, er⸗ ter der Unruhen in unserm Lande, ergiebt sich wohl klar aus einer
mahnt ꝛc., und die Sache ist bis jetzt nicht aͤrger. In Ni⸗ von mehreren in Paris wohnenden Schweizern, an alle Kantone dau, Biel und Buͤren haben sie spaͤter angefangen, sich zu gerichteten lithographirten Adresse, worin sie sagen: „Die G uͤhren, Petitionen entworfen und Volks⸗Versammlungen auf jetzigen Verfassungen seyen uns von den Alliirten aufgedrun— gestern angesagt. Man hat einen Regierungs⸗ Commissair gen, wir seyen also nicht unabhaͤngig und sollten wieder eine mit Vollmacht hingesandt (den Oberst Koch, einen tuͤchtigen Helvetische Central⸗Regierung machen, die Souverainetaͤt der Mann). In Pruntrut treiben sie es viel aͤrger, wie uͤberall, Kantone aufheben: dann bekaͤmen wir einen sichern Alliirten wo wir an Frankreich graͤnzen. Auch dahin haben wir zwei an Frankreich, und dann erst sey unsere U nabhaͤngigkeit
W.“
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Bberzeugt waͤre. Ich komme jetzt,
gen Minister zuweilen abweichen koͤnnen;
mich seitdem mehrmals bewogen, mich wieder urchfatehen. Ich that es nicht, weil ich besorgte, daß mein Ausscheiden in einem Augenblicke, wo der Prozeß der Minister der Hauptstadt Gefah⸗ ren zu bereiten schien, der Regierung neue Verlegenheiten zuzie⸗ hen moͤchte. Jetzt, wo diese Gefahren voruͤber sind, habe ich ge⸗ 81 daß der Augenblick gekommen sey, mich einer Last zu ent⸗ edigen, die meine Kraͤfte uͤbersteigt. Der Koͤnig hat mir meine ohne daß er deshalb minder von meiner An⸗ Person und seinen verfassungsmaͤßigen Thron meinen alten Platz unter Ihnen, meine Herren Kollegen, wieder einzunehmen, und zwar mit der⸗ selben Unabhaͤngigkeit und denselben Gefuͤhlen, die Sie stets an mir gekannt haben. Meine Ansichten haben von denen der jetzi⸗ doch habe ich deshalb
Entlassung bewilligt, haͤnglichkeit an seine
nie aufgehoͤrt, der Freund eines jeden dieser Minister zu seyn.
niger gelang es noch dem General Lamarque,
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zu verschaffen,
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beruͤhren: mmit Wolken bedeckt,
Ich darf mich der Hoffnung hingeben, daß keine politische Noth⸗ wendigkeit das Band unseres gegenseitigen Wohlwollens aufloͤsen wird; vielmehr schmeichle ich mir, daß ich den Handlungen der Regierung und den Gesetz⸗Entwuͤrfen, die sie uns in dem In⸗ teresse des Landes vorlegen wird, niemals meinen Beifall werde zu versagen brauchen.“
Nach Herrn Dupont ließ sich der Baron Bignon wegen eines persoͤnlichen Faktums und nach ihm Herr Au⸗ de Puyraveau vernehmen, obgleich abermals von Schluß der Debatte verlangt wurde. jedem Augenblicke; nichtsdestowe⸗ 1— sich Gehoͤr um Frankreichs auswaͤrtige Verhaͤltnisse zu
mehreren Seiten der Die Ungeduld stieg mit
„Der Praͤsident des Minister⸗Raths“, begann er, „hat uns vorgestern gesagt, der politische Horizont sey weniger als fruͤher und die Anerkennung der Unabhaͤngigkeit
Belgiens durch die fuͤnf großen Maͤchte sey ein Unterpfand des
Friedens. 1 das Protokoll uͤber die sichert, die Worte enthaͤlt:
diese Hoffnung aber wirklich fassen, wenn Anerkennung Belgiens, wie man ver⸗ daß man sich so wenig wie moͤglich von den Grundlagen und dem Zwecke, dem Geiste und den Bestimmungen der Vertraͤge von 1814 und 1815 entfernen wolle? Vergißt man denn, daß diese Vertraͤge uns unserer natuͤrlichen Graͤnzen beraubt und uns die festen Plaͤtze genommen haben, die dem Feinde den Zugang zu unserer Hauptstadt versperrten, so daß wir jetzt beim bloßen An⸗ schein eines Krieges genoͤthigt sind, die Hauptstadt durch Ver⸗ schanzungen zu decken? Vergißt man, daß man damals Belgien zu einer Vormauer gegen uns, zu einem Bruͤckenkopfe fuͤr Eng⸗ land machen wollte? Sollte es der Zweck der fuͤnf großen Maͤchte seyn, diese fruͤhere Bestimmung Belgiens fortbestehen zu lassen? Es gab ein Mittel, das Frankreichs wuͤrdiger gewesen waͤre und selbst England befriedigt haben wuͤrde, naͤmlich Antwerpen zu einem Freihafen, einer Hanse⸗Stadt zu machen und dann das Anerbicten der Vereinigung Belgiens mit uns anzunehmen. Die alte Frage uͤber die Schelde waͤre dann erledigt worden, und alle National⸗Interessen waͤren befriedigt gewesen. Es sey mir hier erlaubt, einer Aeußerung zu erwaͤhnen, welche die geheimen Gedanken einiger Staatsmaͤnner uͤber diesen Gegenstand an den Tag bringt. Als im Jahre 1814 ein Franzoͤsischer General mit einem Englischen Minister beisammen war, der spaͤter eine groß⸗ Rolle spielte, und ihm seinen Schmerz daruͤber aͤußerte, aß Frankreich seine natuͤrlichen Graͤnzen verloren habe, erwiederte der inglische Minister: „„An den Rhein⸗Departements und an Belgien liegt uns wenig, die ganze Frage beruht auf der Schelde; England wuͤrde lieber 100 Jahre Krieg gefuͤhrt, seinen letzten Mann und 9 letzten Thaler aufgeopfert, als die Schelde Frankreich gelassen haben.“ Dieser Minister war der beruͤhmte Canning. Eine zweite, nur Belgien betreffende Frage ist folgende: Hat man der Anerkennung den zwischen Holland und Belgien ab⸗ geschlossenen Waffenstillstand zum Grunde gelegt? Will man sich arauf beschraͤnken, die Citadelle von Antwerpen gegen die Festung Venloo 2ge Dann wuͤrde Mastricht den Hollaͤndern bleiben. Ohne den Waffenstillstand, der den Belgiern nur Nach⸗ theil gebracht hat, wuͤrden Brabant
Darf man
en sie grgemvartig Herren von ganz seyn, das uͤber 300,000 Katholiken und nur 50,000
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Aeußerungen des gestrigen
so werden sie dennoch,
hole daher seinen Antrag; uͤbrigens freue er sich, daß er
Redners machen. Letzterer hat von 1 gesprochen, die nicht verdiente, auf die⸗ ser Rednerbuͤhne beruͤhrt zu werden. Die Regierung glaubte, die Wuͤrde des Koͤnigs und Frankreichs erlaube ihr nicht, wegen des unschicklichen Benehmens eines Herzogs von Modena Rechen⸗ schaft zu verlangen. Diese Wuͤrde dem Ersten Besten verletzt werden koͤnnte. — Redner kannt, so wuͤrde er wissen, daß ein Angabe des in den Sitzungen Unterhandelten ist. Protokoll ist in Paris wie in Bruͤssel bekannt. den von Herrn van de Weyer im Belgischen Kongresse daruͤber abgestatteten Bericht gelesen. Das Princip der Trennung Bel⸗ giens und Hollands ist darin bestimmt aufgestellt, die Unab⸗ hängigkeit Belgiens ohne Vorbehalt, ohne Bedingung aner⸗ kannt. Es kann im Protokoll von der alten Bestimmung des Kdnigreichs der Niederlande die Rede seyn, aber, ich wieder⸗ hole es, keine Bedingung ist stiulirt worden. Was die Graͤn⸗ zen des neuen Staates betrifft, so ist diese Frage noch nicht ver⸗ handelt worden; sie wird Unterhandlungen veranlassen, uͤber welche die Kammer meine Zuruͤckhaltung begreifen und billigen wird. Noch hahe ich einige Worte wegen des sehr natuͤrlichen Schmerzes des ehrenwerthen vorigen Redners uͤber die Verluste, die Frank⸗ reich erlitten hat, zu sagen. Diesen Schmerz theilen wir Alle; auch ich habe ihn mehr als ein Mal auf dieser Rednerbuͤhne aus⸗ gesprochen; aber diese Verluste sind die Folge von Ereignissen, die Sie alle kennen, und die, indem sie die Gestalt Europas aͤn⸗ derten, den Staaten gegenseitige Verpflichtungen auflegten. Hohe Ruͤcksichten muͤssen wohl die Oberhand uͤber die National⸗Ge⸗ sinnung behalten. Man hat von der Abtretung von Antwerpen und von der Errichtung dieser Handelsstadt zu einem Freihafen gesprochen. Man darf es sich nicht verhehlen, m. H, dies sind Fragen um Krieg und Frieden. Allerdings waͤre nichts leichter fuͤr Frankreich, als in Belgien einzuruͤcken und die festen Plaͤtze, wie das Gebiet eines Landes, das uns gern sehen wuͤrde, zu besetzen. Dies wuͤrde aber das Signal zu einem Kriege seyn, dessen Fol⸗ gen sich nicht absehen lassen, und ich frage Sie, ist die Gefahr, ganz Europa in Brand zu setzen, nicht geeignet, die Regierung zu ernstem Nachdenken zu bewegen? Wir glauben dies; die Kammer und Frankreich koͤnnen nicht annehmen, daß die Re⸗ gierung jemals vergessen werde, was sie den Interessen des Vaterlandes, der Wuͤrde der Krone und der National⸗Ehre schul⸗ dig ist. Die hohen Functionen, mit denen der Koͤnig mich be⸗ auftragt hat, veroflichten mich zu einer Zuruͤckhaltung, die ganz von den Interessen des Staates geboten wird. Konferenzen sind in London eroͤffnet; Belgien wuͤnschte dieselben, sie werden seine Hoffnungen nicht taͤuschen, und bereits hat es gluͤckliche Fruͤchte davon geerntet. Man hat sich uͤber den Waffenstillstand beklagt, man hat ihn als fuͤr Belgien unguͤnstig dargestellt. Ich frage aber: wer hat diesen Waffenstillstand aufgedrungen? Niemand. Die Belgier nahmen ihn gern und dankbar an. Was die Schwie⸗ rigkeiten in Betreff der Eroͤffnung der Schelde betrifft, so will ich mich auf eine Bemerkung beschraͤnken. Die freie Schifffahrt der Meere ist ein Princip, welches Frankreich proklamirt hat, und dem es Achtung zu verschaffen wissen wird. — Wenn ich auch bei diesen Anfschluͤsen einige Zuruͤckhaltung habe beobachten muͤssen, wie ich hoffe, Frankreich, Belgien und auch Europa beruhigen, mit welchem wir nur in freundschaftlichen Ver⸗ bindungen stehen, und dessen Friede auf recht erhalten und befestigt werden wird.“ Herr Mauguin beschwerte sich daruͤber, daß der Mi
einer Angelegenheit
Haͤtte der
Das Londoner Sie haben Alle
nister der auswaͤrtigen Angelegenheiten die Tages zuvor von
ihm gemachte Forderung wegen Vorlegung des Londoner Protokolls vom 20. Dezember umgangen habe; er vüehr. nicht getaͤuscht habe, als er von der von einem Italtaͤnischen Fuͤrsten begangenen Unschicklichkeit gesprochen; er wuͤrde auf
diese Angelegenheit nicht zuruͤckkommen, wenn er darin nicht
ein Zeichen der Gesinnung anderer Maͤchte saͤhe; ein kleiner Fuͤrst werde es nicht wagen, einer großen I 4*“ ngeh Ke hr chst 2b . . dn
steht zu hoch, als daß sie von . 1— estrige den Gang der diplomatischen Verhandlungen besser ge⸗ Protokoll nur die wörtliche
Regierungs⸗Commissaire geschickt. Die Rebellen tragen dort Freiheitsbaͤume herum, und singen die Marseiller Hymne. Hin und wieder hat man Arrestationen vorgenommen, deren es noch mehr geben wird. In einigen Gegenden Berns haben die Bauern die fremden Aufwiegler gepruͤgelt, zu den Doͤr⸗ fern hinaus gejagt und ihnen mit dem Tode gedroht, wenn sie wieder kommen. Die Kommunal⸗Garde der Stadt hat sich, 2500 Mann stark, gebildet und kann leicht vermehrt werden. Die Doͤrfer in der Naͤhe der Stadt sind alle gut
ehrenvolle Weise auf⸗ (Allgemeiner Beifall.) 8
Macht, wie Frank⸗ .
esinnt, und gewiß uͤberhaupt ¾ der Einwohner. Um die Ruhe der Sitzung unseres großen Rathes, der vom 6ten bis 18ten versammelt war, zu handhaben, wurde eine Compag⸗ nie Artillerie, eine Compagnie Kavallerie und ein Bataillon Infanterie in die Stadt gezogen (alles Miliz); sie zeigten sich anfangs etwas muͤrrisch, kamen ungern. Einer wurde tuͤchtig bestkaft, in wenig Tagen zeigten sich alle willig, und beim Auszuge, als sie nach beendigten Sitzungen entlassen wurden, versprachen sie volle Treue, boten sich von selbst zur Besatzung der Stadt an, so bald man sie noͤthig habe, und baten ihre Offiziere um Verzeihung wegen des fruͤher Vor⸗ gefallenen. — In dem großen Rathe ist eine Kommission zur Untersuchung aller Petitionen medergesetzt worden, die aber erst im Februar Bericht erstatten soll, wo der große Rath wieder seine gewoͤhnlichen Sitzungen haͤlt. Bis dahin wird sich Manches gestalten, das noch unsichtbar ist, aber alle Vernuͤnftige im Lande haben diese Maaßnahme gebilligt. — Gelingt es uns, den Sturm zu uͤberleben, ohne zu scheitern, und wir machen dann gerechte und nuͤtzliche Modificarionen in der Verfassung, so werden die andern Kantone ihr Ue⸗ bermaaß von Nachgiebigkeit bereuen, und Manches wird wie⸗ der ins Geleis kommen, was davon abgewichen ist. Aber die Partei der Exaltirten in Frankreich will nicht, daß es uns ge⸗ linge; sie werden neue Kuͤnste brauchen, wenn die alten an uns fehlschlagen, und so kann man wirklich nicht auf einen Tag hinaus vorsehen, was geschehen wird. So viel aber ist ge⸗ wiß, daß selbst die alten demokratischen Kantone ihren Haß gegen unsere Befreier von 1798 nicht aufgegeben haben und zur Aufstellung von Truppen gegen die westliche Graͤnze sehr bereit sind. — Das ist nun der Hauptpunkt, daß wir, un⸗ geachtet unserer inneren Unruhen, zur Behauptung der Un⸗ abhaͤngigkeit uns willig und einig zeigen.“ Darum hat un⸗ ser kleine Rath (der bis Ausgang Dezembers noch das Di⸗ rektorium der Schweiz ausmacht) auf uͤbermorgen die Tag⸗ satzung (außerordentlich) einberufen,“*) und obschon viele Mit⸗ glieder der neu revolutionirten Kantone als Deputirte hier eintreffen werden, so wissen wir doch ziemlich bestimmt, daß die groͤßte Mehrzahl die Aufstellung des Bundes⸗Kontingents verlangen wird. Um nun dies zu erleichtern, sind schon heute vier Bataillone aufgeboten worden, die zur Disposition der Tagsatzung gestellt werden sollen. Die Milizen werden hierzu eben so willig seyn, als sie ungern sich gegen ihre Kantons⸗ Buͤrger haͤtten anfuͤhren lassen. Beschließt die Tagsatzung (woran ich nicht zweifle) die Aufstellung des Kontingents (33,000) oder doch eines Kerns davon, so muß das, nach mei⸗ ner Ansicht, eine sehr wohlthaͤtige Diversion in den Gemuͤ⸗ thern machen, zugleich aber auch den Unruhestiftern imponi⸗ ren, deren Staͤrke um so mehr gebrochen wird, je mehr sie dadurch vereinzelt werden. — So stehen die Sachen heute; aber ob sie morgen noch so seyn werden, das kann Niemand wissen. So viel ist indessen gewiß, daß, wenn eine Volksbewegung gegen Bern statthaben sollte (was ich nicht
*) Vergl. die in Nr. 5 dieser Zeitung mitgetheilten Nach⸗
als das, welches die Revolutionnairs wuͤnschen. auch Bern so von allen Seiten bestuͤrmt werden, daß es sich nicht halten koͤnnte, bis die Krise voruͤber ist, und — das ist wohl nur denkbar auf den Fall, daß die Tagsatzung sich
richten aus Schaffhausen, worin von der erfolgten Eroͤffnung der Tagsatzung Meldung geschehen. e““
eine Wahrheit!“ — Noch duͤrfen wir indeß hoffen, dem uns bedrohenden Unheil vorzubeugen; gelingt es uns in die⸗ ser Unordnung, uns als Macht zu zeigen, Truppen aufzu⸗ stellen, auf die wir uns verlassen koͤngen, die Verfassung so viel zu modificiren, als es dem Lande nuͤtzlich ist, in unserem Kantone jeden gewaltsamen Ausbruch von Aufruhr zu hin⸗ dern, so kann dies nicht ohne Einfluß auf andere Kantone blei⸗ ben, wo beide Parteien bald wuͤnschen werden, sich wieder zu naͤhern. Daun kann man sich allenfalls gegenseitig zu einer staͤr⸗ keren Centralisation der Eidgenoͤssischen Regierung verstehen, die
wohl zweckmaͤßig waͤre, wenn sie von uns selbst ausgehen
sollte, und dann ein ganz anderes Personal aufstellen wuͤrde, Sollte aber
den hierseitigen Maaßregeln widersetzen oder gar in revolu⸗ tionnairem Sinne vorwaͤrts schreiten wollte, so ist ein anar— chischer Zustand fuͤr die Schweiz leider vorherzusehen. — Das Gesagte erklaͤrt uͤbrigens, warum alle Franzoͤsische und Schwei⸗
zer⸗Blaͤtter einhellig ihre Galle gegen Bern auslassen, von
Belagerung durch 2000 Mann sprechen und andere Luͤgen mehr verbreiten. Sie sind um so mehr aufgebracht, je fester nsere Haltung war.
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Berlin, 7. Jan. Fuͤr den am 16. Jan d. J. zu er⸗ oͤffnenden Provinzial⸗Landtag der Mark Brandenburg und
des Markgrafthums Niederlausitz haben des Koͤnigs Maje—
staͤt den General⸗Lieutenanat Herrn von der Marwitz auf Friedersdorff zum Landtags⸗Marschall, und den Landrath Herrn von Waldow auf Fuͤrstenau
zu ernennen geruht.
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Ueber die Verlegung der Naumburger Messen.
Die Verlegung der seither in Naumburg an der Saale ab⸗ ehaltenen Sommer⸗ und Winter⸗Messen und deren Verwand⸗ ung in eine Fruͤhlings⸗ und Herbst⸗Messe ist eine Anordnung von hoher Wichtigkeit fuͤr den inlaͤndischen Handels⸗ und Ge⸗ werbsstand, die gewiß von demselben mit dem groͤßten Beifall aufgenommen und mit Dank anerkannt werden wird. Es konnte in der That wohl nichts Zweckmaͤßigeres geschehen, als diese Veraͤnderung der Zeitpunkte zur Abhaltung der beiden Naum⸗ burger Messen; denn die bisherigen waren gewiß die am wenig⸗ sten geeigneten und unbequemsten, die man haͤtte waͤhlen koͤnnen. Bis zum Jahre 1819 wurde nur eine Messe in Naumburg ge⸗ halten, die sogenannte Petri⸗Paul⸗ oder Sommer⸗Messe. Sie hatte sich in fruͤherer Zeit aus einem Landmarkt entwickelt und konnte spaͤter gedeihen und zu einem gewissen Grade des Flors gelangen, weil sie den Handels⸗Verhaͤltnissen entsprach, welche zur Zeit bestanden, als das jetzige Herzogthum Sachsen noch zum
Koͤnigreich Sachsen gehoͤrte. Damals waren die Umstaͤnde auch von der Art, daß der Zeitpunkt ihrer Abhaltung als guͤnstig fuͤr den Verkehr angesehen werden konnte. Anders gestalteten sich aber die Verhaͤlknisse, als derjcnige Theil von Sachsen, worin Naumburg liegt, mit der Preußischen Monarchie vereinigt wurde und das Preußische Handels⸗System auch auf den Raumburge Meßhandel angewandt werden mußte. Nun traten ganz andere Beziehungen und Verbindungen ein, und die Zeit, an welcher die Naumburger Sommer⸗Messe abgehalten wurde, war nicht bloß fer den auch fuͤr den
Messe besuchen wollte, die am
reußischen Einkaͤufer oder Kleinhaͤndler, der die wenigsten geeignete. Wir werden
dies nachher naͤher zeigen. 8 E“
reußischen Verkaͤufer und Fabrikanten, sondern .