1831 / 9 p. 5 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ssepürs.Fees

Suppe versorgen zu koͤnnen.

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gen, bei der Theurung der ersten Lebensbeduͤrfnisse und bei der Unmoͤglichkeit, sich Vorraͤthe anzuschaffen, in große Noth gerathen wuͤrden, und beschlossen, Vorkehrung zu treffen, um

dieselben waͤhrend des Winters mit gesunder nahrhafter Eine desfallsige Aufforderung zur Theilnahme, im hiesigen Wochenblatte, und die Bestrebun⸗ gen der Mitglieder des Vereins fuͤr die Pflege⸗Anstalt, hatte den gewuͤnschten Erfolg. Schon vom 13 Dez. an, da die Kaͤlte eintrat, wurden voclaͤufig im Lokal der Pflege⸗An⸗ stalt taͤglich 150 Portionen Suppe unentgeltlich vertheilt. Es meldeten sich indessen der Beduͤrftigen so viele, daß nun, vom 2. Jan. d. J. an, an zwei verschiedenen Punkten der Stadt taͤglich 400 Portionen Suppe jede Portion zu 3 Quart an 280 Familien ausgetheilt werden; 2mal in der Woche wird auch Fleisch zu der Suppe verabreicht. Bei der An⸗

weisung auf den Empfang dieser Wohlthat wird indes⸗

sen stets die Armen-Direction zu Rathe gezogen. Bei der Vertheilung der Suppe sind jedesmal einige der Frauen, die Mitglieder des Vereins sind, gegenwaͤrtig, um uͤber die gute Beschaffenheit der zu verabreichenden Suppe zu wachen und die Kontrolle uͤber die Vertheilung zu fuͤhren,

und es wird damit den ganzen Winter hindurch fortgefahren

werden. Am Tage der Eroͤffnung der 2ten Suppen⸗Ver⸗

theilungs⸗Anstalt haben des Koͤnigs Majestaͤt geruht, dem Verein durch ein huldvolles Gnaden⸗Gescheuk Hoͤchstihre

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wohlwollende Theilnahme zu bewaͤhren, und so erblicken wir

auch hier die vaͤterlich segnende Hand, die nirgends vermißt

wird, wo es die Befoͤrderung des Guten gilt.

Bei der dermaligen, zur Verstaͤrkung der Armee⸗ Corps in den an Polen graͤnzenden Provinzen Aller⸗ hoͤchst angeordneten Einberufung der Landwehr in Schlesien sind 131 Mitglieder der Waldenburger Berg⸗Knappschaft in

deren Reihen getreten; von diesen sind 30 40 verheirathet

und Familien⸗Ernaͤhrer. Die zuruͤckbleibenden Knappen ha— ben aus eigenem freien Antriebe sich bereit erklaͤrt, von ih— rem sparsamen Verdienste monatlich bestimmte Beitraͤge zur Versorzung dieser Familien herzugeben, welche fuͤr den Au⸗ genblick in eine huͤlflose Lage gekommen sind. Die ganze Summe dieser Beitraͤge wird betraͤchtlich seyn und wesentlich ur Erleichterung der Lage jener Familien wirken. Diese Un⸗

terstuͤtzung verdient um so mehr Anerkennung, je aͤrmer und selbst huͤlfsbeduͤrftiger die sind, welche sie geben.

Im Jahre 1830 sind in der Ober⸗Zoll⸗Inspeetion Swinemuͤnde des Regierungs⸗Departements Stettin 3731 ½

Tonnen Kuͤsten⸗Hering, und zwar 19387 Tonnen mehr als

im Jahre 1829, gegen Salz⸗Bonification gepackt worden, und ungeachtet der sehr großen Zufuhr fremden Herings hat sich der Kuͤsten⸗Hering bis jetzt noch immer im Preise von 6 Rthlr. pro Tonne erhalten. Die Strandbewohner haben sich durch diesen guͤnstigen Ausfall der Fischerei in diesem Jahre erholt, weil sie im Durchschnitt das Vall Heringe mit 5 Sgr. bezahlt erhielten, und haͤtte es ihnen, wegen des zu schlechten Fanges in den Vorjahren 1827— 1829 nicht an Netzen gefehlt, so wuͤrde der diesjaͤhrige Fang noch bedeuten⸗ der gewesen seyn.

Am 29. Dez. ist noch das Schiff „Friederica“ aus Lassan, von Amsterdam mit Stuͤckguͤtern kommend, in den Hafen zu Swinemuͤnde eingelaufen. Der Strom war am Tage darauf bis zum Ostronothhafen ganz mit Eis belegt, auch fand sich in der See Treibeis vor. Nach dem 30sten Dez. sind keine Schiffe mehr angekommen, und am 2ten d. M. war die Eisdecke des Stromes schon fuͤr Fußgaͤnger haltbar.

Vom 1. Januar bis zum 30. November des verflos⸗ senen Jahres sind im Regierungs⸗Departement Koͤslin 16 Woͤlfe getoͤdtet worden.

In der zweiten Beilage zum heutigen Blatte der Staats⸗Zeitung besindet sich ein Artikel uͤber das Koͤnigl. Museum, auf welchen wir unsere Leser hierdurch besonders aufmerksam machen.

.“*“ . 2 f 54 1“ Eiterarische Nachrichten.

Die Runde des großen Kurfuͤrsten in der Neu⸗

jahrsnacht 1831. Eine Legende von F. F. Beerlin in der Spenerschen Zeitungs⸗Expedition. „In anderen oͤffentlichen Blaͤttern war bereits von den guͤnstigen Adspekten und Constellationen gesprochen worden, welche uns eine diesjaͤhrige Runde des großen Kurfuͤrsten ankuͤndigen sollten, und die Sterne haben nicht getaͤuscht. Der ritterliche Kurfuͤrst macht diesmal eine Runde durch

P. A. Wolff. (Neu einstudirt.) Hierauf: Der Zeitgeist.

St.-Schuld-Sch.

das Koͤnigl. Schloß, wo er in der von ihm einst gegruͤnde⸗ ten Kunst, und Ruͤstkammer verweilt. Hier findet er die Waffen, die er einst getragen, auch das Scepter und den Pokal, den er gefuͤhrt, und noch viele andere theure Anden⸗ ken aus seiner Zeit. In einem der Saͤle begegnet er Frie⸗ drich dem Großen, der hier mit Kruͤckstock, Hut, Unkform und Degen aufgestellt ist. Diese Begegnung giebt Veran⸗ lassung zu einem Gespraͤche, in welchem uͤber die Vergangen⸗ heit mit Ruhm, uͤber die Gegenwart mit Ernst und uͤber die

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Zukunft mit gutem Muthe gesprochen wird. Das Gedicht

selbst empfiehlt sich zugleich als ein Catalogue raisonné der 7

interessantesten Gegenstaͤnde der Koͤnigl. Kunstkammer. b W. 1712121

1gse

Sountag, 9. Januar. lirisches Drama in 2 Abtheilungen, mit Ballets; Musik von Spontini. 88 8. Im Schauspielhause: Zum erstenmale wiederholt: Die 8. Damen unter sich, Lustspiel in 1 Akt, frei nach Dupaty, von M. Tenelli. Hierauf: Das Kamaͤleon, Lustspiel in 5 Ab; theilungen, von H. Beck. 6 Montag, 10. Januar. Tod, Trauerspiel in 5 Abtheilungen, von Schiller. Miller.

1) La Revanche, comédie en 3 actes et en prose.

2) Le plus beau jour de la vie, vaudeville en 2 actes,

par Seribe. (Dans la seconde pièce Mlle. Miller remplira le rüle d'Antonine.)

Dienstag, 11. Januar. Im Schauspielhause: Der Mann von 50 Jahren, Lustspiel in 2 Abtheilungen, von

Kontgstadtisches Theater. DSonntag, 9. Januar. Der Alpenkoͤnig und de schenfeind, Zauberspiel in 2 Akten. 81 Montag, 10. Januar. Zum erstenmale wiederholt: Die Brautschan auf Kronstein, komische Oper in 2 Akten, nach Holbeins Lustspiel: Das Turnier zu Kronstein, bearbeitet von Leopold Bartsch; Musik vom Kapellmeister Franz Glaͤser. 5

BHe I*“

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preuss. Cour.

ERamamamam,n [2f. SEricf dela. 86 s 86¼ [Ostpr. Pfandbrf. ]91 ½ 96 Pomm. Pfandbrf. 102¼ [101¾ 94 ½ [Kur- u. Neum. do. 2 101 80 79 ½ [Schlesische do. -— 84 [Rkst. C. d. K.- u. N. 88 88 n 8 2 BHoll. vollw. Duk. 35 ½ Neue dito d86 Friedrichsd'or. 87 Disconto . . ..

Pr. Engl. Anl. 18 Pr. Engl Anl. 22 Pr. Engl. Obl. 30 Kurm. Ob. m. l. 0 Neum Int. Sch. d. Berl. Staodt-Ob. Elbinger do. Danz. do. in Th. Westpr. Pidb. Grosshz. Pos. do.

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AEECEEAS; S

Preuss. Cour. Brief. Geld 1

Amsterdam . 250 Fl. dito 1 250 Fl. Hamburg .300 Mk. Kurz dito. 300 MkL. 2 M—üt. London,. 1 LStl. 3 Mt. ““ F 2 Mt. Wien in 20 NXr. —.. 150 Fl. 2 Mt. n N2*— Breslau 100 Thl. [2 Mt. Lepzigs ... . 100 Thl. [8 Tage Frankfau! 7. M. WZ. 150 Fl. 2 Mt;. Petersburg ANN. 100 Rbl. 3 Woch. Warschau. 6200 Fl. Kurz

Auswärtige Börsen. . ü Amsterdam, 3. Januar.

Niederl. wirkl. Schuld 40 ½. Kanz-Billets 155⁄. Oest. 5proc. Metall. 84 ⅛. Russ. Engl. Anl. 80 ¼. Russ. Anl. Hamb. Cert. 82 ⁰.

(Hier folgt die zweite Beilage, die unsern aus⸗ waͤrtigen Lesern mit der naͤchsten Post nachgee, sandt wird.)

MNeueste Boͤrsen⸗Nachrichten. 80 .. 2 ⅞oroc. 46 ½. Poln. Loo e 43. 42v 2

4 Frankfurt a. 1pror-. 19 3. B. Dänk⸗Aetten 1299. 1297. Partial⸗Oblig. 118 ⅛. 118 ¼. Loose zu 100 Fl. 166 ⅞. G.

M., 5. Jan. Oesterr. 5proc. Metall. 91 8. 91 ½. 4proc. 80 ½. 8

Im Opernhause: Nurmahal,

Im Schauspielhause: Pour le second début de Mlle. 8 6

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8 Schweiz. Bern, 24. Dezember. Von dem Inhalte des bei der Eroöffnung der außerordentlichen eidgenoͤssischen Tagsatzung von dem Herrn Amtsschultheiß Fischer gehaltenen Praͤsidial⸗

Vortrags, theilen wir (in Verfolg der fruͤheren Meldung) nachstehendes Ausfuͤhrlichere mit.

Nachdem Se. Excellenz im Eingange die von Seiten

Berns zu dieser Tagsatzung beauftragten Gesandten namhaft gemacht und sodann den versammelten Staͤnden den eidge⸗ noͤssischen Gruß abgestattet, fuhr derselbe folgendermaßen fort:

„Unsere Zeit ist kostbar; in gedraͤngten Zuͤgen will ich daher

den kurzen Bericht zusammenfassen, welchen der Vorort uͤber einige seiner wesentlichen Verrichtungen seit der letzten Tagsaz⸗ zung der H. Bundes⸗Versammlung zu erstatten hat. Aller Au⸗ gen waren damals auf Frankreich gerichtet; die Fragen uͤber die neue Gestaltung der Dinge, uͤber die Verhaͤltnisse zu den andern Staaten waren noch in ungewisses Dunkel verhuͤllt. Wachsam

und beobachtend erwartete der Vorort ihre Entwicklung; der eid⸗

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ggendoͤssische Geschaͤftstraͤger blieb in Paris, die Franzoͤsische Bot⸗ ssccaft in der Schweiz. Es verstrichen einige Wochen, ehe irgend

ine ofstzielle Mittheilung erfolgte, als ein gewandter und gefaͤl⸗

liger Geschaͤftsmann, Hr. Bresson, den man gegenwaͤrtig im Na⸗ mmen der Londoner⸗Konferenz in Bruͤssel auftreten sieht, eintraf

unsd die 189 Ankuͤndigung der Thronbesteigung Ludwig Phi⸗

lipps als K si, die F. men des Schweizerischen Bundesstaates erkennend, die Verhäaͤlt⸗

nigs der Franzosen uͤberbrachte. Er selbst, die For⸗

nisse der Eidgenossenschaft nach den bestehenden Vertraͤgen wuͤr⸗

digend, zeigte sich mit der erhaltenen vorlaͤufigen Antwort des

Vorortes, welche ihm den an die H. Staͤnde zu richtenden An⸗

trag keinesweges verhehlte, vollkommen einverstandem und ver⸗ ließ Bern unter wiederholten Aeußerungen von Zufriedenheit üuͤber das Ergebniß

einer Sendung, waͤhrend auch die Ge⸗ ndten anderer Maͤchte, mit denen die Schweiz gleich⸗

sans freundschaftliche Verhaͤltnisse unterhaͤlt, durch das naͤmliche

Resultat vollkommen beruhigt schienen. Ueber diese Hand⸗

lungsweise des Vororts fielen in der Schweiz selbst 8 Theil unfreundliche Urtheile. Vielleicht waͤre jedes andere Benehmen einem nicht minder entschiedenen, aber mehr gegruͤndeten Tadel unterlegen. Sobald die erforderliche Zahl von Antworten der Staͤnde eingetroffen war, wurde das Koͤnigl. Schreiben beantwor⸗

tet und Herr von Tschann neu akkreditirt. In der Schweiz ver⸗

sah vom Augenblick an, wo der Botschafter seine Verrichtungen beendigte und der erste Botschafts⸗Secretair mit Urlaub nach Hause gereist war, der zweite Borschafts⸗Secretair die Stelle eines Geschaͤftstraͤgers. Auf solche Weise waren die regelmaͤßi⸗ gen Verbindungen zwischen beiden Staaten hergestellt. Ein vor⸗

kheilhaft bekannter, allgemein geschaͤtzter Diplomat scheint, zuver⸗ Uassgön Berichten zufolge, bezeichnet, um in kurzer Zeit, entweder als Bot ten. (Der Hr. Amtsschultheiß gedachte demnaͤchst der vom Vor⸗

chafter oder als Gesandter, in der Eidgenossenschaft aufzutre⸗

ort getroffenen Anordnungen in Bezug auf die Ruͤckkehr der kapitu⸗ lirten Truppen aus Frankreich und sprach sodann weiter, wie folgt:) Bei der ungewissen Lage aller politischen Verhaͤltnisse in Europa

war es fuͤr die Schweiz nothwendiger, als je, stark, einig und geruͤstet zu seyn; allein es naheten sich auch mehr und mehr An⸗ jeichen von Stoͤrung der Ruhe und Ordnung im Innern. Da hielt es der Vorort fuͤr seine heilige Pflicht, zu warnen; es stand

ihm nicht zu, besonders einzuschreiten, wohl aber im Allgemeinen

die Herren Staͤnde zu sorgfaͤltiger Aufmerksamkeit aufzurufen.

aͤhrend aber von vielen Seiten her das Kreisschreiben vom

M22. Herbstmonat durch Aeußerungen wahreidgendssischer Theil⸗ ʒnahme beantwortet wurde, sprach b 1—

unnd leidenschaftlichen Tadel aus. Die Absicht des Vorortes war rrein; ob der Schritt an sich zeitgemaͤß war, ob er im naͤm⸗

en oͤffentliche Blaͤtter bittern

lichen Geiste aufgenommen und beurtheilt, wie er wirklich ge⸗ than worden nicht nuͤtzlich gewesen waͤre, daruͤber wird die Zeit, wo sie es nicht schon gethan, richten. Noch einmal: in aͤhnlicher Lage wuͤrde der Vorort immer noch seine Pflicht auf gleiche Weise erfuͤllen. Mitten unter diesen Sorgen, und eben als eine Haupt⸗Katastrophe des Belgischen Aufstandes neue Ele⸗ mente des Krieges darbot, erhob sich ein hoͤchst mißbeliebiges In⸗ eident, durch eine Klage der Gesandten von Oesterreich und Sardinien gegen Umtriebe gefaͤhrlicher Fremdlinge auf Schwei⸗ erboden, und besonders im Tessin. Unwidersprechbar ist die

hatsache, daß ein gewisser Allemandi von der Schweiz aus Pro⸗ elamationen zur Empoͤrung nach Sgvoyen und in das Thal von Ivreg geworfen und so den ihm Fefete hen Aufenthalt schaͤndlich gemißbraucht habe. Da traf durch einen besondern Courier die Klage gaus Wien ein, daß im Tessin ein Zusammenlauf von solchen Menschen stattsinde, welche einen Einfall in die Lombardei und das Piemont bereiteten. Die Klage, an die sich der Koͤniglich Sardinische Gesandte anschloß, war in ihrer Form, wie in ihrem Inbolte⸗ sehr ernst; die Gesandten von Rußland, Preußen und

ngland (nicht aber jener von Frankreich, wie ganz irrig ver⸗ breitet worden) unterstuͤtzten sie im Interesse der Schweizerischen Neutralitaͤt, welcher von daher leicht einige Gefaͤhrde drohen konnte. Sie traf in den Zeitpunkt, wo es eben um eine gaͤnz⸗ liche Reorganisation der Regierung von Tessin zu thun war. Der Vorort, dem die vielen

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Zweite Beilage zur Allgemeinen Preußischen

ittern Vorwuͤrfe wohl bekannt wa⸗

,

ren, welche in diesem Kanton selbst der letzten Regierung gemacht worden, hielt die Sache fuͤr wichtig, vorzuͤglich in Hinstcht auf moͤgliche Verwickelungen, welche duͤrch Veranlassung von außer⸗ ordentlichen Maaßregeln entstehen koͤnnten, zu einer Zeit beson⸗ ders, wo auch nicht ein Schatten von Neutralitaͤts⸗Verletzung ohne die nachtheiligsten Folgen eintreten durfte. Er sandte daher unverzuͤglich einen Commissair in den Kanton Tessin, um die Begruͤndung der Klage an Ort und Stelle zu untersuchen, Ab⸗ huͤlfe wo es noͤthig sehn moͤchte zu verschaffen oder beleh⸗ rende Aufschluͤsse zu ertheilen, auf alle Faͤlle aber bereit zu seyn, die erforderlichen Anstalten zu treffen, um jeder Verletzung der National⸗Interessen vorzubeugen. Fuͤr Auslieferungen hat der Vorort weder eine Einladung erlassen, noch irgend eine Voll⸗ macht ertheilt. Der Commissair fand die Klagen bedeutend uͤber⸗ trieben, jedoch nicht ganz grundlos, und die Regierung von Tessin, die sich mittlerweilen reorganisirt hatte, zeigte sich bereit, nach Ausweis der bestehenden Vertraͤge und in Ruͤcksicht der nachbarlichen und freundschaftlichen Verhaͤltnisse, jedoch ihre Rechte verwahrend, jeden Anlaß zu begruͤndeten Klagen zu entfernen. Es trat nunmehr ein Zeitpunkt ein, wo von Tag zu Tag Be⸗ richte von uͤberhandnehmenden Wirren in mehreren Gegenden der Schweiz sich erncuerten und draͤngten. Keine offiz ielle Kunde gelangte an den Vorort; Privat⸗Nachrichten ließen aber keinen Zweifel, auch öͤffentliche, deren Aechtheit und Glaubwuͤrdigkeit jedoch um so zweifelhafter waren, als nach dem Maaßstab derie⸗ nigen, welche uͤber hiesige Angelegenheiten mit groͤßter Beflissenheit verbreitet wurden, wenig auf ihre Richtigkeit zu trauen war. Indessen ließen sich manche nicht unwichtige Stimmen verneh⸗ men: der Vorort habe unter seiner Verantwortlichkeit dafuͤr zu wachen, daß das eidgenoͤssische Vaterland nicht zu Grunde gehe; doch sollte er, getreu den Vorschriften des Bundes, nicht ein⸗ schreiten, wenn er nicht dazu aufgefordert wuͤrde. Tief bekuͤm⸗ merte ihn, unter solchen Umstaͤnden, die taͤglich zunehmende Wahrscheinlichkeit großer Gefahren von außen. Die außeror⸗ dentlichen Ruͤstungen uͤberal, der fort und fort sinkende Cours der Staatspapiere, dieses Merkmahl der Abnahme des oͤf⸗ fentlichen Zutrauens, die Verwickelung der materiellen Inte⸗ essen, welche auch abgesehen von jedem Meinungsstreit, schon fuͤr sich allein die Flamme des Kriegs anzufachen hinreichend schienen, Alles deutete auf eine n8, furchtbare Krisis. Die anze Schweiz kennt den oͤffentlichen Ausspruch zo der vor einigen Jahren von der Franzoͤsischen Tribune herab uͤber die strategi⸗ schen Grundsaͤtze gethan worden, welche auf den Fall eines neuen Krieges zu befolgen waͤren; gleichwie eine traurige Erfah⸗ rung sie belehrt hat, wie sehr von anderer Seite her Gefahr droht, wenn die Moͤglichkeit einer schnellen Besetzung der Heer⸗ straßen auf Schweizer⸗Gebiet eine Offensiv⸗Operation zu erleich⸗ tern scheint. Unzweifelhafte Berichte geben uns die Kunde, daß die in der Schmeiz waltenden, mit einer Sesseinn, die ich hier nicht naͤher charakterisiren will, verbreiteten und vergroͤ⸗ ßerten, Wirren auf allen Seiten die fuͤr unser Vaterland so trau⸗ rige Meinung von Tag zn Tag bestaͤrkt haben: wir wuͤrden nicht im Stande seyn, unsere Neutralitaͤt zu behaupten, sondern, in eigener Schwaͤche und schmaͤhlicher Zwietracht untergehend, dem Ersteindrin⸗ genden eine leichte Beute werden. Dazu mußten auch wesentlich bei⸗ tragen die so emsig verbreiteten Verleumdungen uͤber feindselige Ten⸗ denzen gegen die eine oder andere der großen sich ruͤstenden Parteien. Was wollt ihr thun? ihr seyd jg in eurem Innern aufgeldst, un⸗ ter euch feindlich zerruͤttet! Dies die kurze Antwort auf die Aeu⸗ ßerung einer entschlossenen Behauptung unserer Neutralitaͤt ge⸗ gen Alle und Jede. An solchem Wahn oder hoͤchst bedauerlichem

rtheil traͤgt der eidgenoͤssische Vorort keine Schuld, und Bern darf mit Beruhigung fragen; ob jemals von ihm oder von sei⸗ nem Gebiet aus ein Schweizerischer Mitstand angefeindet, ge⸗ kraͤnkt, in seinen Verhaͤltnissen angegriffen, oder auf irgend eine Weise gefaͤhrdet wurde? In dieser Beziehung vornehmlich fuͤhlte der Vorort tiefe Bekuͤmmerniß uͤber jene Vorfaͤlle, welche die wichtigste aͤußere Stuͤtze der Eidgenossenschaft, die oͤffentliche Meinung, untergruben, nicht zu gedenken der besorglichen Er⸗ schuͤtterung, die unser Wehrstand dadurch, wenn nicht erleiden mußte, doch erleiden koͤnnte. Allein die naͤmlichen oben ange⸗ deuteten Umstaͤnde hinderten den Vorort einige Zeit hindurch, die Tagsatzung zu versammeln. Er fuͤhlte es wohl, daß ihre Einberuͤfung gemißdeutet, daß durch Fehlschlagen ihrer Bera⸗ thungen das letzte Mittel zur Rettung wuͤrde zerstoͤrt wer⸗ den, und so wartete er Woche um Woche, Tag um Tag, bis die immer drohender werdenden Nachrichten nur die Alternative uͤbrig ließen: entweder dieses Mittel anzu⸗ wenden, oder sich durch unthaͤtiges Warten dem Vor⸗ wurf der Verletzung heiliger Pflichten im entscheidendsten Zeitpunkt bloßzugeben. Der eigenen Ansicht nicht unbedingt trauend, wurde auf vertraulichem Wege diejenige der engern Be⸗ hoͤrden einiger benachbarten Staͤnde eingeholt; sie stimmte damit uͤberein, daß die Einberufung einer Taͤgsatzung durchaus erfor⸗ derlich sey. Man hat im Publikum ausgestreut: es habe die Ver⸗ einigung der Gesandten eines Theils der Staͤnde, mit Ausschluß anderer, im Plan gelegen; ich kann diese Behauptung nicht anders als durchaus und unbedingt falsch bezeichnen. Bei ihren Vorbereitungs⸗Arbeiten handelte die voroͤrtliche Behoͤrde, gemaͤß ihren Pflichten gegen das gesammte Vaterland, ohne Ruͤcksicht

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