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S “ 1114“ 1 “ “ J111“ „Herr Graf! Wenn Sie mir nur auf einen Augenblick eine Unterredung bewilligen wollen, so hoffe ich, daß meine offe⸗ nen Erklaͤrungen den unangenehmen Eindruck zerstoͤren wer⸗ den, den die Bekanntmachung meiner Schreiben an die provisori⸗ sche Regierung durch die Journale auf Sie gemacht hat. Ich
abe bereits Gelegenheit gehabt, Ihnen zu sagen, wie aͤrger⸗ ch mir diese Oeffentlichkeit ist, welche Dokumente erhalten haben, die eines offiziellen Charakters entbehrten und nur dem diplomatischen Comité mitgetheilt werden sollten. Ich bedaure um so lebhafter, daß ich, von der Zeit gedraͤngt, keine Abschrift von meinem letzten Schreiben zuruͤckbehalten konnte, als ich jetzt nicht beurtheilen kann, in wie weit meine Ausdruͤcke durch die Blaͤtter entstellt worden sind. Der Belge und der Messager des Chambres lassen mich zum Bei⸗ spiel sagen: „„Der Koͤnig der Franzosen werde seine Toch⸗ ter niemals dem Sohne eines Beauharnais geben.“““ Sie
werden es mir glauben, daß ich keine solche Ausdruͤcke ge⸗ der beruͤhmtesten Anfuͤhrer
brauchen konnte, um einen der Franzoͤsischen Heere und einen Fuͤrsten zu bezeichnen, der so edle und ruhmvolle Erinnerungen hinterlassen hat. Indem ich aber uͤber Worte, die vielleicht nicht genau die⸗ selben sind, die Ste gebraucht haben moͤgen, ein Verdam⸗ mungs⸗-Urtheil ergehen lasse, trage ich dennoch keine Scheu, mich in Betreff des Wesens der Sachen selbst auf Ihr eige⸗ nes Gedaͤchtniß zu berufen. Lebhaft wuͤrde ich es bedauern, Herr Graf, wenn diese Bekanntmachung meiner Schreiben ploͤtzlich Verhaͤltnissen ein Ende machte, die auf eine fuͤr mich so angenehme und schmeichelhafte Weise begonnen haben. Diese Unterbrechung wuͤrde keine der geringsten Unannehm⸗ lichkeiten seyn, die auf der Laufbahn, auf welche ich gerathen bin, meiner warten. Genehmigen Sie u. s. w. 1
Der Messager des Chambres bemerkt, daß einige durch ihre Anhaͤnglichkeit an die alte Dynastie bekannte Fa⸗ milien, die sich waͤhrend des Prozesses der Ex⸗Minister ent⸗ sernt hatten, wieder hierher zuruͤckkehren.
Das Journal du Commerce will nach Briefen aus Madrid vom 6. Jan. wissen, daß der Graf v. Harcourt, obgleich er bei der am 2. d. M. stattgefundenen Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens die beste Aufnahme beim Koͤ⸗ nige von Spanien gefunden, dennoch dem Minister der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten eine Note in Bezug auf die Kriegs⸗ ruͤstungen Spaniens eingehaͤndigt habe. Derselbe Diplomat habe Berichte nach Paris gesandt, welche die große Ausdeh⸗ nung, die Spanien seinem Militairwesen zu geben suche, au⸗ ßer Zweifel stellen sollen. G ,
Aus Toulon wird untern 10. Jan. geschrieben: „Die
Fregatte „Armide“ wird unverzuͤglich nach Algier unter Se⸗
el gehen, um den General Clausel mit seiner Familie und 2 Generalstabe nach Frankreich zuruͤckzubringen. Die Korvette „la Perle“ ist gestern mit dringenden Depeschen nach Algier abgesegelt, die den Zweck haben, die Ruͤckkehr unserer Armee zu beschleunigen. Es sollen nur 5000 Mann unter dem General Danremont in Algier bleiben, um diese Eroberung zu behaupten. Das 18te und 40ste Linien⸗Regi⸗
ment, welche hier in Garnison liegen, haben Befehl erhal⸗
ten, nach Straßburg zu marschiren; an ihre Stelle werden
die aus Algier zuruͤckkehrenden Truppen treten.“
Der Bey von Titeri, der, wie es hieß, am 11ten d. von
Marseille hierher kommen wollte, hat die erstere Stadt zu seinem Aufenthaltsorte gewaͤhlt, da ihm die Regierung in dieser Hinsicht freie Wahl gelasse hat.
1I1AX1X“X“ 111“ G 1S aag, 17. Jan. Ihre Majestaͤt die Koͤ⸗
Aus dem nigin und Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin Friedrich wer⸗
den heute von Ihrer Reise nach Berlin zuruͤck erwartet.
Der beim hiesigen Hofe neu beglaubigte Kaiserl. Oester⸗ reichische Gesandte, Baron von Binder, ist dieser Tage aus der Schweiz hier angekommen.
— Die Haarlemsche Courant meldet in einem vom 12ten d. datirten Schreiben aus der Naͤhe von Mastricht: „Am 9ten und 10ten d. sind aus Luͤttich und Namur ungefaͤhr 30 Stuͤck Geschuͤtz, worunter einige von schwerem Kaliber, vor Mastricht angekommen, und seit gestern hoͤren wir den Don⸗ ner der Kanonen. In Mastricht duͤrfte es an weiter nichts als an Brennholz und Kohlen fehlen. Alles, was die um die Stadt liegenden Truppen beduͤrfen, muß von der Pro⸗ vinz Limburg geliefert werden. Es scheint, als ob man diese
rovinz ganz verwuͤsten wolle; Luͤttich wird dagegen ver⸗ ont. Die dermalige Belgische Regierung genießt nament⸗ lich im Auslande gar kein Vertrauen; kuͤrzlich bemuͤhte sie sich, in einer benachbarten Graͤnzstadt die Lieferung von 40,000 Hemden und 600 Pferden zu erhalten, sie wollte sehr
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Firmin Rogier.“ 8
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ö“ v“ v“ 8 hohe Preise bewilligen, konnte jedoch keinen Lieferanten fin⸗ den, weil ein zweimonatlicher Kredit verlangt wurde. Ein Spekulant machte das Anerbieten, die Lieserung uͤbernehmen zu wollen, wenn sich der Graf von Merode als Selbst⸗ Giaͤubiger fuͤr den Betrag verbuͤrgen wolle, fand jedoch keine Geneigtheit dazu bei diesem Mitgliede der provisorischen Re⸗ gierung. B“
In Herzogenbusch ist ein junger Advokat, der zu der Schutterei dieser Stadt gehoͤrt und von mehreren seiner Ka⸗ meraden eine Bittschrift hatte unterzeichnen lassen, in der sie im Namen der Schutterei vorstellten, daß dieselbe in keinem Falle zum Dienste außerhalb der Festung gebraucht werden moͤge, zur Haft gebracht worden. 1MM“
Amsterdam, 18. Jan. Verschiedene an der hiesigen Boͤrse verbreitete Geruͤchte bewirkten heute eine merkliche Steigerung unserer Fonds⸗Course. (Vgl. „Auswaͤrt. Boͤr⸗ sen“) Diese Geruͤchte sollen hauptsaͤchlich die baldige Aus⸗ gleichung der Belgischen Angelegenheit betroffen haben; auch 2 kam dazu, daß aus London ansehnliche Auftraͤge zum An⸗ kaufe Hollaͤndischer Fonds eingegangen waren.
Antwerpen, 16. Jan. Gestern hat der hiesige Eng⸗ lische Konsul folgendes Schreiben erhalten: ; 8 „dAuswaͤrtiges Amt, London, 13. Jan. 1831. Mein Herr! Lord Palmerston beauftragt mich, Ihnen zur Be⸗-⸗ kanntmachung an die Englischen Schiffs⸗Capitaine in Vlie⸗ ßingen und im Interesse des Englischen Handels im Allge⸗ meinen anzuzeigen, daß die Fahrt auf der Schelde am 20sten d. M. offen, und daß nach dieser Frist von den fuͤnf Maͤch. ten kein Hinderniß der Schifffahrt auf diesem Flusse geduly) det werden wird. G. Shee..
Bruͤssel, 18. Jan. Ueber das, was im vorgestrigen General⸗Comité vorgefallen, erfaͤhrt man noch Folgendes: Hr. Ch. Le Hon rechtfertigte in einem ausfuͤhrlichen Vortrage das Verfahren des diplomatischen Comité. „Als Ihnen’7, sagte er, „Hr. de Potter am 10 Nov. die ohne Bedingung zu erwartende Raͤumung des Belgischen Gebiets ankuͤndigte, waren Sie von Freude erfuͤllt. Uns war dies schon am 7. Nov. von den Herren Cartwright und Bresson angezeigt worden. Der Koͤnig der Niederlande war es, der auf die Dazwischenkunft der Maͤchte antrag, was die Konferen-⸗ zen in London zur Folge hatte. Das Interesse beider Parteien erheischte eine Einstellung der Feindseligkeiten; es wurde festgesetzt, daß sich die Truppen hinter die Graͤnzlinie von 1814 zuruͤckziehen und gewisse Punkte geraͤumt werden wuͤrden. visorische Regierung mit diesen Bedingungen einverstanden; am 17. Nov. verhandelte die Konferenz daruͤber, und am 2lsten trat die provisorische Regierung dem Protokolle bei, wonach an diesem Tage um 4 Uhr Nachmittags der Waffen⸗. stillstand beginnen sollte, der die freie Schelde⸗Schifffahrt, so wie uͤberhaupt die freie Communication, in sich begriff. Am 23sten schrieb Herr von Larochefoucauld, Franzoͤsischer Geschaͤftstraͤger im Haag, daß der Koͤnig der Niederlande diesen Bedingungen beigetreten sey. Als die provisorische Regierung ihren Beitritt zum Protokoll vom 17. Noe⸗ vember anzeigte, verlangte sie zugleich eine Erklaͤrung uͤber die darin enthaltene Klausel, in der es heißt: „„Belgien verpflichtet sich gegen die Maͤchte u. s. w.“%% Sie erklaͤrte, daß, wenn sie den Waffenstillstand annehme, sie sich dadurch nicht auch gegen die Maͤchte verbindlich ma-. chen wolle, denen sie kein anderes Recht als das einer freund⸗ lichen Vermittelung zuerkenne; sie bestand daher auf eine be⸗ 8 stimmte Erlaͤuterung des zweiten Artikels von jenem Proto⸗-⸗ koll. Am 6. Dez. antwortete die Konferenz, daß der von ihr eingeschlagene Weg die Aufrechthaltung des Europaͤischen Friedens zum Ziele habe, daß die Maͤchte den Waffenstillstand 8 als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen ansehen, daß sie fer⸗ 9 ner zu groͤßerer Sicherheit, und um alle Feindseligkeiten von beiden Seiten zu verhindern, die Vollziehung der Waffenstillstands⸗Bedingungen garantirten und noͤthigenfalls erzwingen wuͤrden; endlich wurde uns angezeigt, daß selbige vom Koͤnige der Niederlande ohne Reclamationen angenom⸗ men worden. Vom 6. bis zum 20. Dezember fuͤhrte die npro⸗ visorische Regierung fortwaͤhrend Beschwerde daruͤber, daß ö“ der Koͤnig von Holland noch keine Bedingung des Waffen⸗ “ stillstandes ausgefuͤhrt, daß er noch immer die Schelde ge⸗ schlossen und Antwerpen im Bereich seiner Kanonen halte. Es erschien alsdann das Protokoll vom 20. Dezember, des⸗ 8 sen Inhalt, so wie die weiteren Schritte der provisorischen 8 Regierung, bereits bekannt sind. — Hr. Le Hon verlas dar⸗ auf auch das dem Kongresse offiziell noch nicht mitgetheilte Londoner Konferenz⸗Protokoll vom 17. Nov.,*) worauf auch .“
*) Dessen wesentlicher Anbalt bereits in Nr. 331 der St.3Z3. vom vorig. Jahre mitgetheilt wurre.
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Am 10. Nov. erklaͤrte sich die prvoo
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“ JAA“ in Bezug auf die festzustellenden Graͤnzlinien einige von der Konferenz ö Gegenbemerkungen mitgetheilt wurden. In einer Note vom 1. Dezember wird darzuthun gesucht, daß das linke Ufer der Schelde nothwendig Holland zufallen muͤsse, daß die von den Franzosen im Jahre 1795 bewirkte Vereinigung von Staats⸗Flandern mit den beiden andern Flandern noch kein Besitzrecht gewaͤhre, und daß die Einwoh⸗ ner selbst das Recht Hollands anerkannt, indem sie durch ihre Gegenwehr gezeigt haͤtten, daß sie Hollaͤnder bleiben wollen. Mastricht gehoͤre den Belgiern eben so wenig, denn es genuͤge nicht, die Rechte Hollands zu bestreiten, sondern man muͤsse auch seine eigenen beweisen koͤnnen; die aufgestellte Graͤnz⸗ linie sey demnach nicht bloß diejenige de facto des Jahres 1814, sondern auch diejenige de jare. Herr v. Robauly machte darauf den (gestern erwaͤhnten) Antrag zur Protesti⸗ rung gegen die in dem Londoner Konferenz⸗Protokolle ausge⸗ sprochene Intervention der fuͤnf Maͤchte. In einer Abend⸗ sitzung wurde die Berathung daruͤber fortgesetzt und endlich der Antrag des Hrn. v. Robaulx angenommen. Dem diplo⸗ matischen Comité wurde jedoch angedeutet, daß, wenn Holland am 20. Dezember die Schelde geoͤffnet habe, Mastricht auch deblokirt bleiben solle; im entgegengesetzten Falle wuͤrden je⸗ doch die Feindseligkeiten wieder beginnen.*)
In der gestrigen oͤffentlichen Sitzung des Kongresses ver⸗ las Herr Charles Rogier aus dem Franzoͤsischen Moni⸗ teur das (im gestrigen Blatte der Staats⸗Zeitung mitgetheilte) Schreiben des Grafen Sebastiani an Herrn Firmin Rogier und bemerkte, daß dies im Interesse der provisorischen Re⸗ gierung und des diplomatischen Comité nothwendig sey. Er fuͤgte hinzu, das Letztere habe die Briefe des Hrn. Rogier in Paris auf die vielleicht allzudringenden, vielleicht auch un⸗ klugen Forderungen des Kongresses demselben mitgetheilt; diese Briefe haͤtten uͤbrigens die damaligen Ansichten des Franzoͤsi⸗ schen Ministeriums auf das genaueste ausgedruͤckt, zum Beweise diene das Schreiben des Hrn. Bresson, vom 11. Jan., in welchem ganz auf aͤhnliche Weise uͤber die Ansichten Frank⸗ reichs in Bezug auf die Erwaͤhlung des Herzogs von Leuch⸗ tenberg gesprochen werde. „Nachdem ich“, fuhr der Redner fort, „das Schreiben des Hrn. Bresson nochmals uͤberlesen, moͤchte ich unmoͤglich die Vertheidigung des Dementi uͤber⸗ nehmen, das in dem Schreiben des Hrn. Sebastiani ausge⸗ druͤckt ist. Wenn uͤbrigens dieser Minister, uͤber dle Bizar⸗ rerieen verwundert, die im Kongresse vorgekommen sind“ — Hier wurde der Redner von einem lauten Murren unter⸗ brochen. „Ich habe das Recht,“ fuhr er fort, „der⸗ lei Dinge Bizarrerieen zu nennen, denn Mittheilun⸗ gen solcher Art, wie sie in dieser Versammlung statt⸗ gefunden haben, sind etwas in der Diplomatie ganz Un⸗
ebraͤuchliches. — Doch ich will jetzt wieder zu dem Schrei⸗ en des Hrn. Sebastiani selbst uͤbergehen. Sie sehen, wor⸗ auf sich das vorgebliche Dementi dieses Ministers in Bezug auf das, was uͤber den Herzog von Leuchtenberg geschrieben worden, beschraͤnkt. Habe ich wohl nun gar noch noͤthig, auch den andern Punkt zu beruͤhren? „„Als Minister““, schreibt Herr Sebastiani, „ „habe ich mit dem Ko⸗ nige niemals von einem seine Familie betreffenden Ar⸗ rangement zu sprechen gehabt u. s. w."% Sie wer⸗ den zuvoͤrderst das zweideutige dieser Stelle bemerken. Meint der Minister etwa damit die dem Koͤnige gemachten Antraͤge, eine seiner Toͤchter mit dem kleinen Otto zu ver⸗ maͤhlen, wie Einige den Prinzen zu nennen affektiren, die nicht daran denken, daß man eben so gut vom kleinen Her⸗ zog von Nemours reden koͤnnte, oder meint er die Antraͤge hinsichtlich der Belgischen Krone? Ich mag es nicht entschei⸗ den, finde jedoch auch von dem, was in den mit⸗ getheilten Briefen hieruͤber gestanden hat, nur die Bestaͤtigung in dem Schreiben des Herrn Bresson, so wie in den muͤndlichen Aeußerungen des Herrn Gendebien. Uebrigens ist uns auch Frankreichs Wunsch, den Prinzen Otto erwaͤhlt zu sehen, schon 6 Wochen vorher bekannt ge⸗ wesen, ehe im Kongresse davon die Rede war.“ — Herr v. Stassart gab seine Freude daruͤber zu erkennen, daß nach dem Schreiben des Grafen Sebastiani der Herzog v. Leuchtenberg nun wieder der Kandidat von Belgien bleiben werde, den nur eine engherzige Politik habe ausschließen koͤnnen. Hr. Le Hon brachte den unrichtigen Bericht der „„Emancipation““ uͤber die gestrige geheime Sitzung zur Sprache und meinte, daß namentlich nicht der Antrag des Hrn. von Robaulx in seiner die ver⸗ buͤndeten Maͤchte hoͤchst beleidigenden Fassung angenommen
1 1.“
. ') Dieser Bericht ist aus dem J Belgi N. Fourna. entlebnt. be 185 82 st aus dem Journal de la Belgique
der „Emancipation“ giebt. Im Kongresse wurde jedoch am 17ten erklärt, das letzt mratear Blatt habe 89 rere Unrichtigkeiten uͤber jene geheime 8
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itzung aufgenommen.
worden sey. Hr. von Robaulr selbst behie’t es sich vor, die⸗ sen Antrag, der zwar nicht angenommen, aber auch nicht verworfen worden waͤre, in einer kuͤnftigen Sitzung zu er⸗
Wie mehrere Blaͤtter berichten, soll hier eine an das
Belgische Volk gerichtete Proclamation des Prinzen von
Oranien insgeheim cirkuliren.
Der Graf von Celles ist vor einigen Tagen in einer
diplomatischen Mission nach Paris abgereist. 19,9
Luxemburg, 15. Jan. Die Deputation der Staͤnde des Großherzogthums Luxemburg hat unterm 11. d. nachfol⸗ gende Bekanntmachung erlassen: 2 „Bewohner des Großherzogthums! Eure Abgeordneten fuͤh⸗ len sich gedrungen, Euch heute uͤber Eure theuersten Interessen, uͤber die unschaͤtzbaren Wohlthaten des heimischen Friedens, so wie uͤber die Mittel pu unterhalten, denselben unter Euch herzu⸗ stellen und zu befestigen. Luxemhurger! aus dem Brennpunkte der Umtriebe, unter denen Belgien seufzte, wurden auch einige unserer Gemeinden entzuͤndet und zu verderblichen Empoͤrungen verleitet, die bald ihre Verheerungen uͤber andere Theile der Pro⸗ vinz verbreiteten. Die Unruhestifter, auf sich selbst zuruͤck gewor⸗ fen, sehen heute ihren Ehrgeiz gefaährdet/ reifen zu neuen Ge⸗ waltthaͤtigkeiten, schreien nach Huͤlfe, suchen alle Leidenschaften in Aufruhr zu setzen, und sollte auch Alles mit ihnen zu Grun- de gehen. Sie suchen Euch zu bereden, daß das Großherzog⸗ thum zum empoͤrten Belgien gehoͤre, daß Ihr mit demselben ge⸗ meinschaftliche Sache machen muͤßtet, und daß eine solche Empoͤ⸗ rung nur zu Eurem Besten gereichen koͤnne. Aber worauf gruͤn⸗ den sie die Blendwerke, die sie Euch vormachen wollen, Etwa auf die Vertraͤge von 1815 Aber hat man Euch nicht schon sonnenklar bewiesen, daß diese so ausdruͤcklichen als feierlichen Vertràge Euch zu einem von Belgien gaͤnzlich unabhaͤngigen Staate machen, zu einem Staate, mit dem eigenen und nativcv⸗-⸗ nalen Namen eines Großherzogthums Luxemburg, und der, als solcher, eine besondere dem Hause Oranien⸗Nassau uͤbertragene Souverginetaͤt bildet, unter dem Schutze des Deutschen Bun⸗ des und verbuͤrgt von allen Europaͤischen Maͤchten — Oder rechnen sie vielleicht auf die jetzigen Gesinnungen dieser Maͤchte? Allein seht Ihr nicht in allen Aeußerungen, in allen Pro⸗ tokollen ihrer Botschafter, daß ihr ausdruͤcklicher Wille ist, alles in den Vertraͤgen Festgesetzte gewissenhaft zu beobach⸗ ten und zu behaupten, Jeden in seinen Berechtigungen zu er⸗ halten und nicht zuzugeben, daß Jemand sich dieselben anmaße? Hoͤrt Ihr nicht taͤglich, daß sie besonders die Eingriffe der Bel⸗ gier in die Verwaltung des Großherzogthums mißbilligen; daß 1 u sie denselben zur Pflicht machen, davon abzustehen, und daß ihr Entschluß unveraͤnderlich ist, alle Unterhandlungen mit ihnen ab⸗ ubrechen, ihnen jeden Schutz zu versagen, wenn sie nicht diese oͤchstbillige Bedingung erfuͤllen? — Ist diese Widersetzlichkeit ge⸗ gen so ausdruͤckliche Einschaͤrfungen auf diese Beschluͤsse des Koͤ⸗ nigs Großherzogs gestuͤtzt? Allein erinnert Euch nur an deren Inhalt: Durch Beschluß vom 20. Okt. v. J. erklaͤrt Se. Maj. der Koͤnig Großherzog, daß seine Verwaltung sich auf die noͤrdli⸗ chen Provinzen und das Großherzogthum Luxemburg beschraͤnken werde, bis, durch Uebereinstimmung mit seinen Alliirten, das Loos der suͤdlichen Provinzen entschieden sey. Durch einen anderen Beschluß vom 31. Dez. v. J. erklaͤrt ferner Se. Maij, daß die Geschaͤfte des ʒ ums kuͤnftig von jenen des Koͤnigreichs abgesondert wer⸗ den; daß Sie dieselben mit dem Beistande eines unter Ihren unmittelbaren Befehlen stehenden geheimen Referendars (des Hrn. C. E. Stift) persoͤnlich verhandeln werde. Durch einen dritten Beschluß endlich, vom 4ten dieses, welcher heute bekannt gexache worden, erfahrt Ihr, daß die Schlachtsteuer fuͤr Euer and abgeschafft worden. — So erkennt Ihr Euch uͤberall als konstituirter Separat⸗Staat, und Alles zeigt Euch unter Eurer ehemaligen Nationalitaͤt, welche Euch wieder eine eigene Regie⸗ rung verschafft. Alles ladet Euch ein, unter dem Schirme eines Fuͤrsten zu verharren, der Euch als unabhaͤngi⸗ ges Volk regiert, und die thdrichten Anspruͤche derjeni⸗ gen zuruͤckzuweisen, die Euch S entreißen a en ohne zu wissen, was noch aus ihnen selbst werden wird. Diese Erstlinge eines Fevelag ⸗ Systems, welches aus⸗ schlietzlich Euer Land umfaßt und Euch in ein unmittelbares Verhaͤltniß mit Eurem Fuͤrsten setzt, muͤssen Euch um so mehr Vertrauen einfltßen, da Ihr sowohl als Eure Abgeordneten nie vergebens sein Wohlwollen fuͤr das Großherzogthum angespro- chen habt. Dies beweisen und verbuͤrgen die sehr betraͤchtlichen Huͤlfsgelder, die Er immerwaͤhrend fuͤr Kirchen und Pfarreien, fa Schulb user und Lehrer, fuͤr in Dienst stehende oder in Ru⸗ estand versetzte Priester, zum Bau der Provinzial⸗ oder Kunst⸗ und endlich fuͤr oͤffentliche oder Privat⸗Anstalten und industrielle Unternehmungen jeder Art bewilligte. Wer koͤnnte besonders die unzaͤhligen Wohlthaten verkennen, die Euch theils in der thaͤtigen Ausbeute Eurer Bergwerke, theils auch bei An- legung des wichtigen Kanals zwischen der Maas und Mosel, dieser so riesenhaften als sinnreichen Unternehmung, welche die Macht Eures Fuͤrsten allein zu beendigen vermag, zu Theil geworden! Was bringen Euch dafuͤr diejenigen, die Eu diese kostbaren Vortheile entreißen moͤchten? Sie bringen Eu mit vieler Ruhmredigkeit eine Art von Budget, welches sie Euch als einen Beweis der Sparsamkeit und der Schonung Eü-⸗ rer Interessen anpreisen. Enthaͤlt aber dieses sogenannte Budget
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