1831 / 37 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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reißen, welche sie an Hoͤchstdero erhabenen Willen knuͤpfen. Schon die provisorische Regierung erkannte die Nothwendig⸗ keit, zwei Abgeordnete an Ew. Maj. zu senden, welche den Auftrag erhielten, die Gesinnungen der Nation an den Stu⸗ fen Ihres Thrones niederzulegen und zugleich den Wunsch zu erkennen zu geben, daß die fruͤher dem Kaiserreich einver⸗ leibten Polnischen Provinzen derselben Freiheiten theilhaftig gemacht werden moͤchten.“

„Geruhen Ew. Majestaͤt, mit Ruͤcksicht auf die uns in den ersten Augenblicken Ihrer Herrschaft erwiesene Humani⸗ taͤt und Wohlthaten, gnaͤdigst die Bitten anzunehmen, deren Dolmetscher jene sind. NKoͤge Polen, das schon ohnehin Ew. Kaiserl. Majestaͤt fuͤr die ihm stets bezeigten huldrei⸗ chen Gesinnungen dankbar ist, moͤge dieses Polen, sage ich, Ew. Majestaͤt mit derselben Liebe umgeben, welche es in sei⸗

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nem Herzen fuͤr den Wiederhersteller der Polnischen Nation bewahrt. Moͤgen unsere Vorbedeutungen in Erfuͤllung ge⸗ hen und Ew. Majestaͤt, hinsichtlich unserer, den Verspre⸗ chungen Ihres erhabenen Vorfahren Genuͤge leistend, durch neue Wohlthaten beweisen, daß Ihre Herrschaft nur eine ununterbrochene Fortsetzung der Herrschaft dessen ist, der einen Theil des alten Polens wiederherstellte. Endlich ist der Genuß der durch die Constitution zugesicherten Freiheiten keinesweges eine vom Thron ausfließende Konzession, sondern nur die einfache Ausfuͤhrung eines von dem Koͤnig und dem Volk eingegangenen und durch gegenseitige Schwuͤre bekraͤf⸗ tigten Vertrages.“

„Da ich, Erlauchtester Monarch, Ihre Seelengroͤße kenne, so darf ich hoffen, daß eine nur den Frieden erzielende Deputation den gewuͤnschten Erfolg haben wird; die proviso⸗ rische Regierung widmet ihre Arbeiten der inneren Verwal⸗ tung, und die Befehle derselben werden bis zu dem Augenblick, wo sich der Senat und die Landboten⸗Kammer versammeln, wie meine eigenen respektirt; jenen beiden liegt dann die Be⸗ stimmung der ferneren Thaͤtigkeit ob.“

„Allerdurchlauchtigster Gebieter! als ein alter Krieger und wahrhafter Pole erdreiste ich mich, diese Stimme der Wahrheit zu erheben, denn ich bin uͤberzeugt, daß Ew. Ma⸗ jestaͤt sie huldvoll anhoͤren werden. In Ihrer erlauchten Hand ruht das Schicksal eines ganzen Volkes; mit einem Wort koͤnnen Sie es auf den Gipfel des Gluͤcks stellen, mit es in den Abgrund graͤnzenloser Verzweiflung

uͤrzen.“

„Indem ich das hoͤchste Vertrauen zu den Gesinnungen Ihres großmuͤthigen Herzens hege, wage ich es, zu hoffen, daß Ew. Majestaͤt Blutvergießen meiden werden; und ich werde mich fuͤr den gluͤcklichsten der Sterblichen achten, wenn es mir gelingt, durch die strengste Verbindung aller Zweige der Ordnung und Kraft das so gewuͤnschte Ziel zu erreichen.“

Der Municipalrath der Hauptstadt hat eine Bekannt⸗ machung erlassen, worin er die Buͤrger benachrichtigt, daß die Vorarbeiten des Comités zur Vertheilung der Behufs des von Warschau noch nachtraͤglich zu stellenden Truppen⸗

Kontingents erforderlichen Beisteuer unter die Einwohner bereits beendigt seyen und die Erhebung derselben in einigen Tagen erfolgen werde. Damit ein Jeder bei Zeiten den auf ihn fallenden Betrag wissen moͤge, werden hiermit die bei dieser Vertheilung zur Richtschnur genommenen Grundsaͤtze bekannt gemacht, und zwar sollen Eigenthuͤmer gemauerter aͤuser 1 ⅛, hoͤlzerner aber Procent von dem der Feuer⸗ Societaͤt angegebenen Werthe derselben zahlen; Miether und von ihrem Einkommen oder Gewerbe lebende Personen (mit

Ausnahme etatsmaͤßiger Beamten) sollen im Verhaͤltnisse zu

dem von ihnen bis Ende Dezembers vorigen Jahres gezahl⸗ ten oder berechneten Miethsbetrag bis zu 250 Fl. 5 pCt.,

von 251 400 Fl. 9 pCt., von 401 700 Fl. 10 pCt. von 701 Fl. bis zum hoͤchsten Betrage 12 pCt. ent⸗

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Oesterreich.

In einem Schreiben aus Galizien vom 14. Jan. (wel⸗ ches die Allgemeine Zeitung mittheilt) 5 es: „Nach Lemberg sind vierzehn junge Leute sammt ihren Waffen un⸗ ter starker Kavallerie⸗Bedeckung eingebracht und in Haft ge⸗

setzt worden. Ein vormaliger Polnischer Ober⸗Offtzier soll sie angefuͤhrt haben und

Die keiegerischen Vorrichtungen in Lemberg gegen etwanige

Evxcesse, die man nur von der unbesonnenen, nicht mit Brod⸗

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auch mit aufgegriffen worden seyn.

treter, Lustspiel in 1 Akt.

Abtheilungen. (Fraͤulein v. Hagn, vom Koͤnigl Baierischen

Westpr. Pfdb.

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bringung jener vierzehn Verblendeten verdoppelt worden seyn; 1 doch ist bis heute noch nichts von derlei Frevel verspuͤrt wor⸗ den, der auch bei der Wachsamkeit und Staͤrke der Truppen, so wie bei der guten Stimmung der Buͤrgerschaft Lembergbs, nicht anders als sehr ungluͤcklich und mit standrechtlichen Folgen ablaufen koͤnnte.“ öeee8 Schaffhausen, 28. Jan. In der gestrigen Sitzun hat der große Rath den Beschluß gefaßt, unter den wvs; tenden Umstaͤnden die Regierung des Kantons niederzulegen. Diesem gemaͤß wird die dermallge Regierung nur noch so lange in Function bleiben, bis eine neue Verfassung und Re⸗ gierung von Seiten des Volks errichtet worden.

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erwerb beschaͤftigten Jugend besorgen koͤnnte, sollen seit Ein⸗

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Berlin, 4. Februar. In den Plenar⸗Sitzungen der Koͤnigl. Akademie der Wissenschaften sind im Monat Januar d. J. folgende Abhandlungen gelesen worden: p Den 6. Januar: Herr Encke uͤber den Kometen von ons. Den 13. Januar: Herr Oltmanns uͤber die Nichtig⸗ keit der Veraͤnderungen, welche mit Mungo Parks letzten Breitenbestimmungen in Afrika vorgenommen worden sind. 8 Den 20. Januar: Herr W. von Humboldt uͤber die Kawi⸗Sprache auf der Insel Java. 8

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Amtliche Rachr

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Kg„oͤnigliche Schauspiele.

Sonnabend, 5. Febr. Der Stellvere⸗ ierauf: Die Schleichhaͤndler,

Possenspiel in 4 Abtheilungen. 8 8 8 782m. Konzertsaale des Schauspielhauses: Subscriptions⸗ Sonntag, 6. Febr. Im Opernhause: Die Braut, Oper in 3 Abtheilungen, mit Tanz; Musik von Auber. W Im Schauspielhause: Emilia Galotti, Trauerspiel in NLEWN6q

Hoftheater zu Muͤnchen: Emilia, als Gastrolle.) 1 Montag, 7. Febr. Im Schauspielhause: Wallensteins

Tod, Trauerspiel in 5 Abtheilungen. (Fr

Thekla, als Gastrolle.)

Kooͤnigstaͤbtisches Theater. DSonnabend, 5. Febr. Herr und Sclave, Melodrama in 2 Akten. Hierauf: Soldaten⸗Liebe, Liederspiel in 1 Akt. Zwischen beiden Stuͤcken werden die Ster ger mehrere Musikstuͤcke vortragen.

Sonntag, 6. Febr. Akten.

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Berliner Börse. 8 Den 4. Februar 1831.

Amtl. Fonds- und Geld-Cours-Zettel. (Preuss. Cou)

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98 ½ Pomm. Pfandbrf. 95 1 Kur- u. Neum. do. 81 ½ 81 Schlesische do. 87 ½H Rkst. C. d. K.-u. N. 87 ½H [Z.-Sch. d. K.- u. N. 89 *

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Holl. vollw. Duk. 36 36¾ 92

Neue dito 92 ½ 92

St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Anl. 18 Pr. Engl. Anl. 22 Pr. Engl. Obl. 30 Kurm. Ob m. . C. Neum. Int. Sch. d. Berl. Stadt-Ob. Königsbg. do.

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Danz. do. in Th. Friedrichsd'or,. Disconto

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rosshz. Pos. do.

Auswärtige Börsen. Paris, 28. Januar. 8 5proc. Rente pr. compt. 93. 95. fin cour. 94. —. 3 proc. compf. 62. 30. fin cour. 62. 35. 5proc. Neap. fin cour. 64. 5proc. Span. Rente perp. 46 ⅞. 8 1““ 8 11]

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Boͤrsen⸗Nachrichten.

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aemmmemremmern öee, int Hun AunnlecCh W zs. EEEE“ 733½ 8 Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht, die bisherigen Geheimen Ober⸗Justizraͤthe Freiherrn von Stein zum Altenstein und Sack zu Wirklichen Geheimen Ober⸗ Justizraͤthen zu ernennen und die daruͤber ausgefertigten Bestallungen Allerhoͤchst zu vollziehen.

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an Der Koͤnigliche Hof legt morgen den 5ten d. die Trauer auf 14 Tage an fuͤr J. K. H. die Landgräͤfin Luise von Hessen⸗Kassel, geb. Prinzessin von Daͤnemark.

Berlin, den 4. Februar 1831. EA 1 v. Buch, Ober⸗Ceremonien⸗Meister.

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v Auf Befehl Sr. Majestaͤt des Koͤnigs ist dem Professor an der Koͤniglich Schwedischen Kriegs⸗Akademie zu Carl⸗

berg bei Stockholm, Agren, zur Befoͤrderung seiner, die Formiehre der Geographie behandelnden, fuͤr zweckmaͤßig er⸗ kannten graphischen Constructions⸗Methode ein ausschließli⸗ ches Privilegium auf die von demselben herauszugebenden physischen b. Hemisphär, und Planiglob⸗Charten von verschiede⸗ nem Maaßstabe, welche mit mehreren oder wenigeren Reihen von dem Systeme gemaͤßen Constructions⸗ Linien und Constructions⸗Punkten besetzt und zur Erlaäuterung der ersten Abtheilung der von ihm be⸗ Fannt zu machenden physischen Erdbeschreibung be⸗ sfimmt sind, fuͤr den Hekeaum von zehn nach einander folgenden Jahren vom 14. Januar 1831 an gerechnet und fuͤr den ganzen Um⸗

fang des reußische n Staats ertheilt worden. G Fie—““]

mmat eerm uILö11““ EEEE1] ghaln Aoh müns 11“ Zeitungs⸗Nachrichten. raueird oenenzun : imh eümee es 2817 Mo: &nn A us land iuie mnmeh n eg,e, at hs Fnpatz wis ree Eußh. s iuß gon hin-e Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 27sten Ja⸗ nuar. (Nachtrag.) Herr Guizot aͤußerte sich uͤber die von Herrn Mauguin zur Sprache gebrachte Politik Frank⸗ reichs etwa in folgender Weise: „Die Frage, um die es sich handelt, ist von eben so zarter Natur fuͤr diejenigen, die das Ministerium anfeinden, als fuͤr das Ministerium selbst. Die von uns gewaͤhlte Regierung steht noch nicht so fest, daß wir sie gar nicht zu schonen brauchten. Wir Alle, die in dieser Versammlung sitzen, was im uͤbrigen auch unsere politischen Ansichten seyn moͤgen, sind bis zu einem gewissen Grade zur Aufrechthaltung und Befestigung der Regierung solldarisch verpflichtet. Treten schwierige Umstaͤnde ein, oder fuͤhren wir selbst irgend eine kitzlige Frage herbei, so muͤssen wir stets mit der groͤßten Vorsicht und Behutsamkeit zu Werke gehen. Was die Belgische Angelegenheit anbetrifft, so darf sie uns fuͤr jene Solidaritaͤt nicht besorgt machen. Wenn Belgien sich in diesem Augenblicke uͤber seine Angelegenheiten frei be⸗ raͤth, so verdankt es dies Frankreich. Haben wir jedoch gleich⸗ zeitig das Recht verloren, auch unsererseits uͤber das Betra⸗ gen zu berathschlagen, das wir den Belgiern gegenuͤber zu beobachten haben? Gewiß nicht. Nun giebt es aber ne⸗ ben jener hochherzigen Politik, die allein die allgemei⸗ nen Rechte der Menschheit zur Richtschnur nimmt, noch eine andere Politik, die vor Allem das Interesse des eigenen Volkes wahrnimmt. Eine solche haben wir unter den jetzigen Umständen zu befolgen. In den Dokumenten, die uns aus Belgien zugekommen sind, haben namentlich drei Dinge die Aufmerksamkeit des Publikums erregt. Ueber die Weigerung, den Belgiern den Herzog von Nemours zu dberlassen, schweige

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Berlin, Sonntag den 6ten Februaar— 1331. 7

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mrmttr. EEBET 8 ich: hieruͤber kann nur eine Stimme herrschen. Eben so habe ich auch nur wenige Worte uͤber die Weigerung zu sa⸗ gen, den Herzog von Leuchtenberg als Koͤnig der Belgier an⸗ zuerkennen. Politischen Komplotten und Intriguen lege ich keine groͤßere Wichtigkeit bei, als sie verdienen. Eine Regie⸗ rung kann in ihrer Nachbarschaft einen Heerd solcher Kom⸗ plotte und Intriguen haben und dabei doch fest und stark bleiben. Ich glaube daher nicht, daß das Schicksal Frank⸗ reichs von der Frage abhaͤnge, ob Belgien den Herzog von Leuchtenberg zum Koͤnige erhalte, oder nicht. Indessen laͤßt sich nicht in Abrede stellen, daß, wenn auch keine Gefahr, doch große Uebelstaͤnde fuͤr ein Land daraus entspringen koͤnnen, wenn in seiner Naͤhe Komplotte geschmiedet werden. Die Sache ver⸗ dient daher immer einer Erwaͤgung. Wuͤrde der Herzog von Leuch⸗ tenberg Koͤnig der Belgier, und es handelte sich nach mehreren Jahren seiner Regierung um die Frage, ob man ihn aner⸗ kennen solle oder nicht, so muͤßte man sich vielleicht fuͤr die erstere Alternative entscheiden. Aber er ist noch nicht ge⸗ waͤhlt, und da nun seine Wahl ein Uebelstand fuͤr unsere Regierung waͤre, so ist es ganz einfach, daß diese sich alles ihres Einflusses bedient, um ein solches Resultat zu hinter⸗ treiben. Wenn sie indessen erklärt hat, . sie den Herzog von Leuchtenberg nicht anerkennen wuͤrde, so kann sie damit nicht gemeint haben, daß sie ihn niemals anerkennen werde. In der Politik giebt es kein Niemals; man mißt sein Be⸗ tragen nach jedem Tage, und je nachdem die Klugheit und

Nothwendigkeit es gebieten, ab. Ich komme jetzt zu der

eigentlichen Frage, die alle Gemuͤther beschaͤftigt, naͤmlich zu der angetragenen Vereinigung Belgiens mit Frankreich. Ich gebe zu, daß zwischen beiden Nationen eine ge⸗ wisse Sympathie herrscht, daß eine Vereinigung auch bei:-: den vorcheilhaft seyn moͤchte. Weder der eine, noch der anhere Umstand kann aber die Frage entscheiden. Es handelt sich einzig und allein darum, ob die Wuͤrde Frank⸗ reichs einerseits und seine aͤußere Sicherheit andrerseits ihm die vorgeschlagene Vereinigung gebieten. In ersterer Bezie⸗ hung finde ich nun aber, daß wir eine sehr schlechte Ansicht von der Wuͤrde Frankreichs haben wuͤrden, wenn wir die Belgische Frage sofort auf die vorgeschlagene Weise loͤsen wollten. Ich meinerseits glaube, daß Frankreich seit 40 Jah⸗ ren, namentlich aber in der letzten Revolution, sich Ansehen genug in Europa verschafft hat, als daß es fuͤr seine Wuͤrde besorgt zu seyn brauchte, wenn es mit der Entscheidung einer aͤußeren politischen Frage ein oder mehrere Jahre wartet. Ein zweiter Grund, den man uns anfuͤhrt, um Frankreich zur Annahme desjenigen, das ihm angeblich angeboten worden, zu bewegen, ist folgender: Ihr taͤuscht Euch sehr, sagt man uns; ganz Europa hat sich gegen Euch verschworen! Greift daher selbst an, damit Ihr nicht angegriffen werdet! Ich uͤberlasse mich durchaus keinen Taͤuschungen uͤber die Art und Weise, wie unsere letzte Revolution in Europa aufgenommen worden, finde aber darin keinen Grund, selbst offensiv aufzutreten. Waͤre diese Revolution auch wirklich von allen Maͤchten gemißbilligt worden, so hat man sie doch ver schiedentlich beurtheilt. Einige Regierungen haben einen wahren Aerger daran gehaht; andere habe eine angemessene Zuruͤckhaltung daruͤber bewiesen, noch andere haben sich die⸗ selhe gefallen lassen und sich darein zu fuͤgen gewußt. Warum sollten wir nun auf diese verschiedenen Stimmungen keine Ruͤcksicht nehmen? Warum alle jene Maͤchte uns in gleichem Maaße zu Feinden machen? Ist es nicht besser, wenn wir mit den minder abgeneigten Regierungen Buͤndnisse zu schlie⸗ ßen suchen? Vergessen wir nicht, daß eine langjaͤhrige Erfah⸗ rung fuͤr die uͤbrigen Europaͤischen Maͤchte eben so wenig wie fuͤr uns verloren gegangen ist. Man vergleiche nur das Be⸗ tragen dieser Maͤchte seit dem Jahre 1789 bis auf die neueste Zeit: sie haben sich in alle Lagen gefuͤgt, mit dem Konvente wie mit Buonaparte unterhandelt. Im Jahre 1814 glaubten sie ein:⸗ muͤthig, daß Frankreich einer Verfassung beduͤrfe, obgleich sie eine solche ihren eigenen Voͤlkern noch nicht einmal gegeben und sich erst

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20 Jahre vorher einer solchen auch in Frankreich widersetzt