1831 / 42 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

SDSDie Allgemeine Zeitung giebt folgendes Schrei n aus Rom vom 22. Jan.: „Die Wahl des neuen Papstes sist noch immer nicht entschieden, obwohl weniger zweifelhaft G und wahrscheinlich binnen wenigen Tagen beendigt. Die bei⸗ den Parteien Albani (mir Pacca) und de Gregorio (mit sei⸗ naen Freunden) haben sich schon zweimal, aber vergeblich, geei⸗ nigt. Marcchi, der Neutrale, welcher zuerst die Stimmen aauf sich zu vereinigen schien, ist durch Frankreich beseitigt. Es ward ihm zwar nicht die Exklusive gegeben, da das neue Freanzoͤsische System die Einmischungen verwirft und daher das Recht des Veto konsequent nicht ansprechen darf; aber die Erklärung, daß man ihn dort nicht wuͤnsche, hat hinge⸗ reeicht, die Wahl zu verhindern. Die Stimmen fielen nun auf Giustiniani, der fruͤher schon in Antrag gekom⸗ 8 men; aber der Kardinal Marco y Catalan gab ihm im Namen Spaniens die Exklusive. Der Vorfall kam nicht Uunerwartet, wird indessen bedauert, da Giustiniani ein kraͤf⸗ eiger, in viesen Beziehungen ausgezeichneter Präͤlat, den Bessern erwuͤnscht, und den schwierigen Verhaͤltnissen und 8 Beduͤrfnissen der Zeit nicht unangemessen schien. Die Wahl wird jetzt vielleicht mit Cappellari endigen. Cappellari wird 88 von allen Parteien als geeignet anerkannt. ein seine Wahl nicht zu mißbilligen; er ist aus dem Venetiani⸗ sschen gebuͤrtig und war St. Gregorio in Rom. Gewandtheit in Geschaͤften, gruͤnd⸗ liche Kenntnisse und einfache gesellige Sitten haben ihn von jeher ausgezeichnet. Die Roͤmer fuͤrchten allerlei Projekte . und laͤstige Protectionen, aber wohl mit Unrecht. Pacca 8 hat, wie man behauptet, im Kollegium gegen seine Wahl ge⸗ spprochen, aber Albani, das Haupt der Partei, wird ihm schwerlich die Gegenpartei leicht andere, die Oesterreich weniger angenehm 88 waͤren, durchsetzen moͤchte. Cappellari hat sseehr thaͤtigen Antheik an den Verhandlungen mit den Suͤd⸗Amerikanischen Staaten genommen, er war es, der Leo XII. vorzugsweise dazu bewogen, und Spanien wuͤrde ihm daher wohl eben so gewiß die Exklusive ge⸗ ben, als dem Giustinjani, der als Nuncius nur das Organ des Papstes war und dennoch aus diesem Grunde, wie man

behauptet, und nicht weil er, wie Andere behaupten, damal zugleich mit einigen Karlisten in Verbindung gestanden, von Spanien jetzt abgelehnt worden ist. Spaniens Veto ist nun nicht weiter zu fuͤrchten, da dieses Recht bekanntlich nur auf eeinen Fall beschraͤnkt ist, und es waͤre nicht unmoͤglich, daß mman Giustiniani deshalb vorgeschoben, um Spanlens Ent⸗ ssccheidung zu neutralisiren. gesprochen und ist ohnedies Portugal ohne Veto, Dom Miguel noch nicht auerkaunt; Hesterxreich also die einzige Macht, welche die Wahl verhin⸗ dern koͤnnte. Wuͤrde Albani aber jetzt gegen Cappellari Oester⸗

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entschiedenen Gegners, mit dem er persoͤnlich zerfallen ist⸗ sschwerlich verhindern koͤnnen. Dieses wird hinreichen, die Stimmen fuͤr Cappellari wwahrscheinlich, wofern es den Bemuͤhungen Pacca's und ei⸗ niger Andern nicht gelingen sollte, sich selbst, oder als Aus⸗ weg der Verlegenheit einen unbekannten Mann, der Nie⸗ manden im Wege steht und der Thaͤtigkeit Anderer freien

Raum verspricht, z. B. Pedlcini, unterzuschieben.“”“”)

1 Spanien. 11X“ —— Madrid, 22. Jan. Der bei Gelegenheit der

Niederkunft Ihrer Maäjestaͤt der Koͤnigin erlassene Indult ist

8 laut einem in der Madrider Zeitung enthaltenen Koͤnigl. auch auf Deserteurs und die

24. D Delkret vom 17. Dez. v. J. De Truppen zu Wasser und zu Lande uͤberhaupt ausgedehnt woorden. Die genannte Zeitung enthaͤlt inen aus der Re⸗ gierungs⸗Zeitung von Caraccas vom 13. Aug. 1830 entlehn⸗ een Artikel folgenden Inhalts: „Der constitutionnelle Kon⸗ ggsreß von Venezuela hat am 4. Aug. 1830 ein Dekret er⸗

c. der Unterthanen der Spanischen Regierung in Columbien abgeschafft ist; hierdurch werden die fruͤheren Bestimmungen vom 16. Okt. 1821 und 30. Juli 1824 annullirt, und zugleich weird bekannt gemacht, daß die gegenwaͤrtigen rechtmaͤßigen 88 Besitzer der Guͤter ꝛc., welche in Folge der beiden fruͤheren

Besitz derselben nunmehr beschuͤtzt werden sollen ꝛc. In der Sierra Morena hat kuͤrzlich ein Gefecht zwischen 24 Raͤu⸗ bern und einem Detaschement, welches die Kette von Galee⸗ ren⸗Sklaven nach Malaga zu begleiten hatte, stattge unden.

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Oesterreich scheint

fruͤher Camaldulenser im Kloster

Exklusive Oesterreichs geben, da alsdann die vor di b ; nen. Daß er die Mithuͤlfe der Rheinlaͤnder, seiner Landsleute,

bekanntlich

Frankreich hat sich ebenfals aus⸗-

dem Cappellart nicht abholb;- Landes, als in jenen, welche sich

reichs Exklusive benutzen, so moͤcht de Gregorio, dessen Partei darauf gefaßt scheint, durchdringen uns Albant die Wahl des

zu einigen, und seine Wahl ist

lassen, in Folge dessen hinfuͤhro die Confiscation der Guͤter

Einer

verwundet, sielen in die Haͤnde der Truppen. Die Raͤuber wollten mehrere ihrer Kameraden aus der Kette befreien. Waͤhrend der ersten neun Monate des verflossenen Jahres betrug die Ausfuhr aus der Hevanah 258,687 Kisten Zucker und 879,876 Arrobas Kaffee; in dem gedachten Zeitraum sind dort eingelaufen: 862 Schiffe, und von da abgesegelt: 888 Schiffe. Unter ersteren sind 130 und unter letzteren 136 Kriegsfahrzeuge fremder und Spanischer Flagge begriffen.

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vom 6ten d. M. zufolge, ist am Morgen des vorherigen Ta⸗ ges die Eisdecke des Rheins bei der dasigen Neustadt aufge⸗ brochen, und nach ein paar Stunden war der Strom wie⸗ der ganz frei. 8

Die Koͤlnische Zeitung enthaͤlt Nachstehende.:;:

Wollen die Rheinlaͤnder Franzbͤsisch werden?

Die Franzoͤsischen Zeitungsschreiber behaupten es und stellen die ehemaligen Departements, die sie gern wieder die ihrigen nen⸗ nen moͤchten, als in voller Bewegung dar, um ihnen in die Arme zu eilen; sie schaͤmen sich nicht der Luͤgen, beurkunden, daß sie die Lage und Stimmung des Rheinlandes nicht kennen, und scheinen die Unbilde nicht hoch anzuschlagen, die sie ihm zufuͤgen. Die Behauptungen waren zu ungebuͤhrlich, als daß man ihre Widerlegung fuͤr dringlich erachtet haͤtte, weil man am Rheine schon lange gewohnt ist, den Uehertreibungen jeder Art ruhig die Thatsachen entgegen zu halten, und es schien, als sollten auch diese Franzoͤsischen Rodomontaden schweigend ihre Abfertigung finden, als ein Rhemlaͤnder seine Stimme erhob, sich dem kecken Franzmann gegenuͤberstellte, um ihm durch Parallelen, die er ihm wie ein Kaleidoskop vor die Augen haͤlt, den Prozeß abzugewin⸗

die er vielleicht noch in der vermeinten alten Schlaffheit und In⸗ dolenz oder in den neuen Kinderschuhen waͤhnt, dabei so wenig

in Anspruch nimmt, daruͤber koͤnnten wir ihm grollen; manches

Andere haͤtten wir mit ihm noch zu berichtigen; aber seine vater⸗

läͤndischen Gesinnungen erkennend und achtend, wollen wir das,

was wir mit ihm abzumachen haben, fuͤr eine andere Zeit auf⸗

heben, ihn, seinem schlauen Gegner gegenuͤber, nicht im Stiche

lassen, und in dem Prozesse, der uns zunaͤchst angeht, wollen wir wenigstens ein Wort mitreden. Vielleicht floͤßt es dem Franzosen Respekt und uns und Andern Vertrauen auf unsere Selbststaͤn⸗ digkeit ein. 81 ie Rheinlaͤnder wollen nicht Franzosisch werden. Dieses Nichtwollen, welches in der Masse, in dem Kern des Volkes, hier und da einen Brausekopf, einen Gluͤcksritter oder eine gekraͤnkte Eitelkeit vielleicht ausgenommen, sich ausspricht, liegt auch in andern materiellen und moralischen Interessen des in dem in die Staats⸗Zeitung aufgenommenen Aufsatze „aus den Rheinlanden“ kund thun; wir

moͤchten sie, jenem Aufsatze gegenuͤber, die subjektiven nennen.

Von den materiellen Interessen wollen wir nur eines aus⸗ heben, jenes aus der geographischen Lage herleiten.

Die Rhein⸗Provinz, mit Frankreich vereinigt, wuͤrde die aͤu⸗ ßerste Graͤnze eines großen Reiches bilden, an welcher seine Mauth auch jetzt wie fruͤher sich aufstellen wuͤrde. Diese, dem großen Ganzen nuͤtzlich, den Graͤnz⸗Bewohnern verderblich, wuͤrde uns nur ruͤckwaͤrts auf den Verkehr mit dem Mutterlande verweisen; mit diesem wuͤrden aber unsere Handels⸗Mittel und unsere Fabriken nicht, wenigstens nicht mit der Aussicht, die sich dermalen ihnen darbietet, konkurriren; die Produkte unseres Lan⸗ des, die Quelle seiner Wohlhabenheit, wuͤrden wir an Frankreich nicht mit Vortheil absetzen koͤnnen, weil es sie selbst im Ueber⸗ flusse hat. Die Preußische Mauth verbreitet sich wohl auch uͤbers Rheinland als Graͤnze, aber mit ganz anderer Wirkung. Außer dem Mutterlande sichert sie uns noch Handels⸗Verbindungen und reichlichen Absatz in Nachbar⸗Staaten, der vortheilhaft ist und bleiben wird, weil man da stets bedarf, was wir im Ueberflusse haben. Angeschlossen an Preußen, hat das Rheinland, die nahe Freiheit des Rheins bis ins Meer im Auge, Aussicht auf immer steigenden Flor seines Handels und seiner Industrie, auf zuneh⸗ menden und schnellen Absatz der Erzeugnisse seines fruchtbaren Bodens; angeschlossen an Frankreich, das Bewußtseyn der In⸗ ferioritaͤt seiner Handelsmittel und die Perspektive allmaͤliger Verzehrung eigener Kraͤfte.

Man duͤrfte vielleicht entgegnen, unter den Franzosen sey ja das Rheinland gerade wohlhabend geworden. Das Thatsaͤchliche kann allerdings nicht in Abrede gestellt werden; aber worin la der Grund zu diesem Wohlstande? Nicht im Aufdbluͤhen un Gedeihen der kommerziellen Verhaͤltnisse des Landes, sondern in der vortheilhaften Umwandlung seiner politisch⸗buͤrgerlichen Lage und Einrichtungen und vorzuͤglich in dem immerwaͤhrenden

1 8. 3 8 2 SHorp mirtoe 9 ie * e d der Verordnungen der Confiscation unterworfen waren, in dem Kriegszustande, der schnell konsumirte, was die Industrie und

Boden produzirten; in dem Umstande, daß das Rheinland der roße Waffenplatz zu den riesenartigen Zuͤgen der Franzosen, daß in ihm die Ebbe und Fluth war, welche die Schaͤtze Frankreichs und Deutschlands vor⸗ und ruͤckwaͤrts trieb. Dieses Verhaͤltniß war aber bloß vom gluͤcklichen Kriege bedingt; so wie das Gluͤch

der Raͤuber wurde erschossen, und vier andere, schwer

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Berlin, 10 Febr. Nachrichten aus Duͤsseldorf

ders; ein mehrjaͤhriger Friede wurde es gaͤnzlich umgestellt aben. 8

b Der Friede, den die Voͤlker segnen, wuͤrde dem Wohlstande der Rheinlaͤnder unter den Franzosen verderblich geworden seyn; der Friede wird, an Deutschland und vorzuͤglich an 1812 an⸗ eschlossen, dem Wachsen und Gedeihen des Wohlstandes am Rheine ein sicherer Buͤrge bleiben! Fa 1

Zu den moralischen Interessen, aus denen das Rheinland nicht Franzöͤsisch werden will, zaͤhlen wir die Nationalitaͤt und das Be⸗ duͤrfniß der Erhaltung seines Volkslebens.

Wir wuͤrden der Wuͤrde des Rheinlandes zu nahe zu treten uns fuͤrchten, wenn wir es zum Zieke des Beweises und dadurch um Gegenstand des Zweifels machen wollten, daß es selbst in her langlaͤhrigen Verbindung mit den Franzosen seine Nationa⸗ litaͤt nicht aufgegeben habe. Bessere Gesetze, bessere Einrichtun⸗ gen, als fruͤher bestanden, konnten wir ohne Widerwillen, selbst dankbar, von Fremden annehmen; aber den Zwang, mit fremder Zunge zu reden, konnte am Rheine Niemand verschmerzen. Allen gerichtlichen Verkehr, alle Vertraͤge, die Eigenthum und Familienglück zu schuͤtzen und zu gruͤnden bestimmt waren, in einer andern, der großen Mehrzahl unverstaͤndlichen, Sprache zu fuͤhren und zu schreiben, war eine gehaͤssige Neuerung. Nie konnte das Volk zufrieden mit einer e werden, die es bei der hoͤchsten gesetzlichen Selbststaͤndigkeit in steter Unmuͤndig⸗ keit und in immerwaͤhrender Bevormundung von Uebersetzern, Geschaͤftsleuten und obrigkeitlichen Personen erhielt: es ward da⸗ durch ein großes Interesse gekraͤnkt; diese Kraͤnkung erneuerte sich mit jedem Tage und griff als Verletzung des National⸗Ge⸗ fuͤhls tief ein; sie lebt jetzt im Andenken der Bewohner und in den zahlreichen gerichtlichen Akten und Verhandlungen aus jener Zeit noch fort. Nur nachdem die Franzoͤsische Sprache von der Deutschen wieder verdraͤngt war, gewannen die Rheinlaͤnder die Franzoͤsischen Civil⸗Gesetze und Rechts⸗ Institutionen erst lieb; jetzt wurden sie Allen erst verstaͤndlich, und nur von dieser Zeit datirt die Volksthuͤmlichkeit, die jene Institutionen am Rheine fuͤr immer sich erworben haben.

So reich 1 - konnte er der Deutschen Abstammung gegenuͤber nie bezwingen; eine Superiorität war er stets geneigt sich anzumaßen und gab sie durch die Aeußerung zu verstehen: Je suis Frangais! Hoͤren konnte man diese sehr oft, und erfahren mußte man es taͤglich, daß die Franzosen, wenigstens in persoͤnlicher Beziechung, nie auf⸗ hoͤren wollten, den Rhein als erobertes Land zu betrachten; denn sie besetzten, besonders in der ersten Zeit, *) beinahe ausschließlich alle Aemter und Wuͤrden. In eine aͤhnliche Abhaͤngigkeit kehrt nicht gern ein Volk freiwillig zuruͤck, und daß es sich in einem seiner Volksthuͤmlichkeit entgegengesetzten Systeme von keiner Regierung erziehen laͤßt, hat das Volk am Rheine bewiesen: denn, der 20jaäͤhrigen Franzoͤsischen Verbindung und der steten Graͤnz⸗Nachbarschaft ungeachtet, sprechen den Kaufmanns⸗ stand und in den Staͤdten die Staͤnde, bei welchen Erlernung fremder Sprachen zur Erziehung gehoͤrt, abgerechnet kaum so viele Einwohner Franzoͤsisch, als Latein. 9

In Beziehung auf Volksleben hat, mit Preußen vereinigt, das Rheinland eine Bedeutung: es bildet der Bevoͤlkerung nach uͤber den sechsten Theil der ganzen Monarchie; vereinigt mit Frankreich, von dem es kaum den sechzehnten Theil gusmachen wuͤrde, hat es fuͤr sich selbst gar keine, allenfalls die fruͤhere, sein Geld und seine Soͤhne zu geben; in Frankreich wuͤrden alle seine Beziehungen im großen Ganzen untergehen, waͤhrend sie in Preu⸗ ßen neu aufleben; sein Volksleben in Frankreich wuͤrde ein um⸗ gekehrtes von dem in Preußen seyn. Mit den Provinzen, die den Preußischen Staat bilden, sind wir in einen Verband getre⸗ ten, der in der Weisheit eines gerechten Regenten den Grund⸗ satz verwirklicht, das Individuelle einer jeden zu achten und aus⸗ zubilden. Das Individuelle unserer Provinz ist geeignet, auf das Staatsleben der ganzen Monarchie und auf den Orggnismus ihrer Verwaltung einzuwirken, und kann sich daher versprechen, immer tiefer in sich selbst zu wurzeln. . b

Die Erhaltung der Eigenthuͤmlichkeiten der Rhein⸗Provinz und der Schutz ihrer speziellen Interessen ist ihr durch ihre eigene landstaͤndische Vertretung, in welcher, frei und unabhaͤngig von jenen der uͤbrigen Provinzen, nur Bewohner des eigenen Landes Stimmen haben koͤnnen, gesichert, waͤhrend, vereinigt mit Frank⸗ reich, in den Kammern ihre Stimme von allen uͤbertoͤnt, das erste Opfer der Untergang aller Eigenthuͤmlichkeiten und aller speziellen Interessen des Landes seyn wuͤrde, insoweit als diese noch in andern Dingen, als in den Gesetzen und in dem Ge⸗ richts⸗Verfahren, bestehen.

Als des Koͤnigs Majestaͤt in dem Besitzergreifungs⸗Patent die Grundsaͤtze aussprach, die uns mit Seiner Regierungsweise bekannt machen sollten, da wendeten sich der Sinn und die Her⸗ zen der Rheinlaͤnder gerade Ihm vor allen andern Regenten vor⸗ zuͤglich zu, und der Katholicism, zu dem die Mehrzahl der Be⸗ wohner der Preußischen Rhein⸗Provinz sich bekennt, machte die⸗ ses Hinwenden nicht zaghaft. So wie im 18ten Jahrhundert die Beherrscher Preußens an der Spitze der Reformation gestan⸗

») Als, auf einer der Reisen Napoleons am Rheine, die Richter eines Kriegs⸗Gerichtes, das damals beinahe ausschließlich mit Franzosen besetzt war, ihm vorgestelit wurden, wandte er sich an einen derselben mit der Frage, wo er zu Hause sey? Als dieser den Namen eines Ortes im mittägli⸗ chen Frankreich nannte, erwiederte ihm der Kaiser: „Vous venez de bien loin pour jager ici

voon den Franzbsischen Waffen sich abwendete, ward es schon an⸗

den, so standen sie, nachdem in Deutschland die Scheidewand zwischen ihr und dem Katholicism in der Ena ge echens 19ten Jahrhunderts untergegangen war, nunmehr an der Spitze der letztern; deswegen waren die Augen und Hoffnungen aller Rhein⸗ laͤnder, die auch nicht hinter der Zeit zuruͤckgeblieben waren, auf Preußen gerichtet, und so wie es kund ward, daß die von Frank⸗ reich wieder abgerissenen Deutschen Landestheile nicht ein Gan⸗ zes fuͤr sich zu bilden bestimmt seyen, erschien das der Provinz zugefallene Loos, Preußen anzugehdren, von allen das beneidens⸗ wertheste. Der Schutz der kirchlichen Verhaͤltnisse war kein Be⸗ duͤrfniß, das so nahe lag und Sorgen machte, weil er in der Ci⸗ vilisation ausgesprochen und geschichtlich vom Koͤnige in Schlesten bethaͤtigt war; aber der Schutz im Besitze der politisch⸗buͤrgerli⸗ chen Rechte, ein Vaterland wieder zu gewinnen, dies war ein großes und dringendes Beduͤrfniß der Zeit. Das Varterland ha⸗ den die Rheinlaͤnder in der Vereinigung ihres Großherzogthums

der Franzose an geselligen Formen ist, seinen Stolz

mit dem kraͤftigen, im Forrschreiten begriffenen, Preußtschen Koͤnigreiche wieder gewonnen; fuͤr vene Icgu gber Uchen haben sie die Garantie in einem Regenten gefunden, der auf dem Throne die hohen Eigenschaften eines sein Volk wahrhaft liebenden Koͤnigs, die Einfachheit eines Pripat⸗ mannes und die buͤrgerlichen Tugenden eines Familienva⸗ ters vereinigt. Von jenem Zeitpunkte an belebt Jeden, auch den Geringsten im Volke, das Gefuͤhl einer kraͤftigen und vaͤterlichen Regierung. Stets hat sich dieses Gefuͤhl bewaͤhrt gefunden; wenn in den, von politischen Systemen ange⸗ regten, sich entgegen wirkenden Bestrebungen Blick und Hoffnung sich zuweilen truͤben wollten, dann war des Koͤnigs Majestaͤt im⸗ mer der Anker, der festhielt; die Zuflucht zum Throne war fuͤr die Provinz, so wie fuͤr den einzelnen Bewohner, nie ohne Heil. Daher ist’s am Rheine seit lange her bei Fntossungen zu Kla⸗ gen in Aller Munde: „Ich gehe an den Koͤnig!! Was beweist wohl mehr als dieses allgemein verbreitete Volksvertrauen die Liebe zu Ihm? In der setzt durchwuͤhlten Zeit ists diese auf Vertrauen gebaute Liebe, die fest zusammenhaͤlt; sie ist einer der Grundpfeiler der Ruhe und Ordnung, welche nur allein den Be. sitz der Rechte und des Eigenthums schuͤtzen und den Genuß des Lebens und seiner Guͤter erhalten. In den Rheinbewohnern lebt nebst jenem Gefuͤhle ein so praktisch verstaͤndiger Sinn, uͤber ihre Interessen haben sie eine so klare Ansicht, und von der Noth⸗ wendigkeit der Erhaltung der gesetzmaͤßigen Ordnung und der Ruhe sind alle so durchdrungen, daß Furcht und Erwartung, sie koönnten sich zu Schritten entschließen, die das gemeinsame Wohl des Landes nur gefaͤhrden wuͤrden, ihnen gleich unbegreiflich und gleich unzugaͤnglich sind. . 11“

‚‚Die Lage des Vaterlandes“, so heißt es in einigen aͤl⸗ teren vor uns liegenden Blaͤttern, „seine Sicherheit, seine Kraft, seine Aussichten liegen ganz natuͤrlich jedem aͤchten Pa⸗ trioten wesentlich nahe. Kein Gebildeter des Landes, dessen reg⸗ samste Gedanken sich diesen Dingen nicht taͤglich einmal oder oͤfter zuwendeten. Es ist dies keinesweges eine bloße Neugierde oder ein Erzeugniß jenes Geistes der Unruhe, der allerdings jetzt hier und da in der Welt seine bitteren Fruͤchte traͤgt: sondern es ist dies das nothwendige Erzeugniß der edelsten Empfindung des Landes, der Vaterlandsliebe. Je groͤßer unsere Liebe, um so reger das Interesse, um so aͤngstlicher unsere Sorge, um so aufmerke⸗ samer und schaͤrfer der Blick, der dem Laufe der Begebenheiten

Aberall hin folgt, um zu sehen, welche Wendung sie nehmen, wie

sie auf das geliebte Vaterland einwirken, was sie ihm zu bringen oder etwa zu nehmen drohen. Es ruht in diesem Gefuͤhle alle Kraft des Landes und in der Kraft wieder allein die Sicherheit

fuüͤr die Erhaltung aller theuersten Guͤter des Menschen; denn

die Kraft erhaͤlt zunaͤchst die Freiheit und Selbststaͤndigkeit nach

außen, und diese bilden den Grund und Boden, auf welchem al⸗ lein alle hoͤhere Guͤter des Menschen, geistige, wie sittliche und fromme, gedeihen koͤnnen. Daher die Sorge einer jeden weisen Regierung, jene erhaltende und schaffende Vaterlandsliebe zu wecken und zu naͤhren, daher ihre Freude, wenn sie steht, wie diese Sorge ihr gedeiht; daher aber auch, von Seiten der Voͤlker, jene e. sterte Anstrengung fuͤr die bloß aͤußere Unabhaͤngigkeit, welche doch, obersfächlich angesehen, keinen rechten Grund zu haben scheint, da ja alle wahre Guͤter des Menschen in seinem Innern, und zwar ganz allein da wohnen, mithin also in einer Heimath, wo sie von keinem Aeußeren erreicht werden koͤnnen. Dieser An⸗ sicht eines falschen Quietismus, wie mancher anderen, kraͤftig entgegenzutreten, ist die Pflicht eines jeden Patrioten. Nichts aber naͤhrt die Vaterlandsliebe mehr, als wenn vom Vaterlande so zu mir gesprochen wird, daß ich sehe, man will mich dafuͤr interessiren, mich aufnehmen in den großen Bund, der Alle umfaßt; wenn ich sehe, man ‚haͤlt etwas darauf, daß ich mit Liebe dem Ganzen angehoͤre. Daher suchen denn auch weise Regierungen immer Gelegenheit, von den ge⸗ meinschaftlichen Interessen zu den Ihrigen zu reden, sie verschmaͤ⸗ ben das Schweigen, sowohl das aus jener falschen Vornehmheit, die da den Schein giebt, als gebuͤhre es nur Wenigen, von den Interessen des Vaterlandes etwas zu wissen, als auch jenes an⸗ dere Schweigen aus der falschen Sorge, es moͤchte ein zu lebhaf⸗ tes Interesse an den oͤffentlichen Dingen entstehen. Beides ken⸗ nen weise Regierungen nicht, jene Vornehmheit und diese Sorge. Sie wissen, daß Jeder nach seinem Maße bei der Erhaltung und dem Gedeihen des Ganzen interessirt ist, und wissen, da

(Sie kommen sehr weit her, um hier Recht zu sprechen.)

nur in der regsten Theilnahme und Liebe Aller jene Kraft wohnt,

1. 1u1““ 8 8