1831 / 59 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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treffen, damit der Reichstag sich in jeder Lage des Vaterlandes unbehindert und erfolgreich berathen koͤnne, beschlossen und be⸗ schließen, wie folgt: Art. 1. Der Reichstag erklaͤrt sich fuͤr per⸗ manent. Die Vertagung der Kammern, um sich an einem an⸗ deren Ort, als in Warschau, zu versammeln, kann nur in den vereinigten beiden Kammern erfolgen. Der Ort. der Versamm⸗ lung des Reichstages kann sowohl im Inlande als im Auslande ewaͤhlt werden. Art. 2. In dem Fall, daß der jetzt im Senat

raͤsidirende oder der Marschall der Landboten⸗Kammer die Be⸗ rathungen nicht leiten koͤnnen, soll jenen der aͤlteste Senator nach ihm, seiner Ernennung nach, im Senat vertreten, und in der Landboten⸗Kammer soll eine Sitzung unter der Praͤsidentur des den Jahren nach aͤltesten Landboten oder Deputirten stattfin⸗ den, in welcher die Kammer zur Wahl eines Marschalls oder seines Stellvertreters schreitet. Art. 3. Im Fall sich die Kam⸗ mern in Warschau versammeln, soll die geringste Vollzaͤhligkeit fuͤr den Senat aus 11 und fuͤr die Landboten⸗Kammer aus 33 Mitgliedern bestehen. Die Zusammenberufung und Berathung irgend einer Anzahl von Mitgliedern einer oder beider Kammern, an einem unter der Herrschaft des Kaisers von Rußland befind⸗ lichen Ort, wird zugleich mit ihren Wirkungen und Folgen fuͤr unguͤltig erklaͤrt. Art. 4. Im Fall sich die Kammern im Aus⸗ lande versammeln, so wie in dem Fall, daß die im vorhergehen⸗ den Artikel bestimmte Vollzahl nicht zusammenkaͤme, sollen sich immer beide Kammern in Vereinigung und unter dem Vorsitz

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des von ihnen erwaͤhlten Praͤstdenten berathen, und ist fuͤr die⸗

sen Fall zur Vollzaͤhligkeit die Anwesenheit von mindestens 33 Mitgliedern erforderlich.“

Durch eine Verordnung der National⸗Regierung ist der dringenden Umstaͤnde wegen und, wie es darin heißt, im Ver⸗ trauen darauf, daß die Polnische Nation stets zu Opfern be⸗ reit seyn und mit denselben in den jetzigen entscheidenden Augenblicken nicht zuruͤckhalten werde, Folgendes verfuͤgt worden:

1) Die laut Verordnung des ehemaligen Diktators organi⸗ -295””. 16 Infanterie⸗Regimenter sollen die iste Reserve bilden, nsofern nicht einige dieser Regimenter von dem Generalissimus schon eine andere Bestimmung erhalten haben. 2) Zur 1sten Re⸗ serve sollen auch die Cadres der beweglichen Garde von der Wo⸗ jewodschaft Masowien und die von der Militair⸗Behoͤrde zu die⸗ sem Zweck bestimmte Kavallerie gehoͤren. 3) Die auf diese Weise organisirte Reserve soll sich in der Hauptstadt, in deren Umge⸗ gend und am linken Weichsel Ufer entlang zusammenziehen. 4) Die 2te Reserve soll bestehen: a) aus den Cadres der beweglichen Garde aller Wojewodschaften, mit Ausnahme der Masowischen, die sich in den betreffenden Wojewodschafts⸗Staͤdten zusammen⸗ ziehen; b) aus den Bataillons der beweglichen Garde, welche laut

Verordnung vom 7ten d. bis zur Zahl von 80,000 Mann ergaͤnzt⸗

werden sollen; die Vereinigungs⸗Orte fuͤr dieselben werden ihnen nach gegenseitiger Verstaͤndigung der Ministexien des Innern und des Krieges bezeichnet werden; c) aus den Kavallerie Schwa⸗ dronen, welche durch Stellung eines Reiters von je 150 Feuer⸗ stellen der Staͤdte und Gemeinden gebildet werden sollen; die Bekleidung und Bewaffnung der Kavalleristen wird das Mini⸗

sterium des Innern mit Ruͤcksicht auf eine Verfuͤgung des ehema⸗

ligen Diktators anordnen. 5) Die letzte Landesvertheidigung bildet die oͤffentliche Sicherheits⸗Garde, welche aus Fußvolk und Rei⸗ terei besteht; zu dieser gehoͤren, einer Verordnung des ehemaligen Administrations⸗Rathes vom 2. und 3. Dezember v. J. zufolge, alle Einwohner des Landes; die Kavalleric wird von saͤmmtlichen Edelleuten und Paͤchtern gestellt, welche sich zu equipiren im Stande sind. heits⸗Garde ist durch bee, Neeehge vom Zten d. bestimmt. 6) Die iste Reserve soll auf dem Etat der Kriegs⸗Kommission ste⸗ hen, die 2te aber auf Kosten der Wojewodschaften so lange un⸗ terhalten werden, bis sie aus den Graͤnzen derselben ausruͤckt, ausgenommen die Kavallerie. 7) Diese letztere wird von den sel⸗ bige Stellenden auf 5 Tage mit Lebensmitteln und Fourage ver⸗ sorgt, nach deren Ablauf aber auf Kosten des oͤffentlichen Schatzes erhalten. 8) Zu Befehlshabern dieser Garde soll die Kriegs⸗Kom⸗ mission so bald als moͤglich der National⸗Regierung und dem Generalissimus Kandidaten porschlagen.

Der Warschauer Zeitung zufolge, hat der Senator Kastellan Graf Paz das Kommando des 'sten aktiven Re⸗ serve⸗Corps uͤbernommen. bee.

Die Staatszeitung berichtet Folgendes uͤber die ““ 1

„Am 21. und 22. d. fanden auf dem rechten Weichsel⸗Ufer keine Feindseligkeiten statt; am ersteren Tage n sele⸗ Flanqueurs des Morgens mit einander handgemein; hierauf ließen die Russen eine weiße Fahne wehen, als Zeichen, daß sie einen Parlamen⸗ tair abzusenden wuͤnschten. Von unserer Seite wurde ihnen durch ein aͤhnliches Zeichen geantwortet, und in Folge dessen kam ein Offizier bei unserer Avant⸗Garde an, welcher erklaͤrte, daß er vom General Witt abgesandt sey, der sich mit dem auf diesem Punkt kommandirenden General unterreden wolle; der Letztere war General Krukowieckt. Nachdem der Generalis⸗ simus seine Einwilligung dazu gegeben hatte, begab sich General Krukowiecki, von einigen gezeren begleitet, zu einer Zusammenkunft mit General Witt. Die Unterredung schloß da⸗ mit, daß man Russischer Sests einige Zeit zur Bestattung der Todten verlangte, worein unsererseits eingewilligt wurde. Wab⸗ rend dieses Waffenstillstandes herrscht in unseren Linien große

Die Art und Weise der Thaͤtigkeit dieser Sicher⸗

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* 1

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1

jedoch die Ehre haben,

Ruhe, und unsere Vorposten reiten ruhig an den feindlichen vor⸗ uͤber. Am 22sten war ebenfalls vollkommene v fenrabch in ben Kriegs⸗Linien; jedoch erwartete man, da beide Heere einander naäͤ⸗ her geruͤckt sind, jeden Augenblick neue Ereignisse. In der Haupt⸗ stadt hat sich die Besorgniß verbreitet, daß die Russen uns so lange hinziehen und in Verwirrung halten wollten, bis sie sich verschanzt, in dem Walde Verhaue gemacht, die verbrauchte Mu⸗ nition ergaͤnzt, frische Lebensmittel herbeigeschafft und neue Ver⸗ staͤrkungen herangezogen haben wuͤrden. Besch meinte man auch, daß, wenn sie sich in unsere Waͤlder vertieften, deren Suͤmpfe und Moraͤste in kurzem aufthauen werden, leicht Alle darin umkom⸗ men koͤnnten. Unterdessen lehnt sich unser Feldlager an die Weichsel und an die Befestigungen von Praga, so daß die nahe Hauptstadt dasselbe ununterbrochen unterstuͤtzen kann. In dem Kampf am 20sten d. M. hat unsere Artillerie dem Feinde beson⸗ ders viel Schaden verursacht. Zwei Russische Generale wurden verwundet und mehrere Geschuͤtze demontirt. Der Polnische Ma⸗

tor Marusßzewski, dessen der Rapport des General Krukowiecki*)

erwaͤhnt, ist nicht geblieben.

Der Adjut

ihn die Russen wer ve genommen haben.“ ssen sch rwundet gefangen

In der Warschauer Zeitung befinden sich unter Anderm folgende Nachrichten uͤber die „„Aus dem Augustowschen wird gemeldet, daß Zaliwski dort mit einem Corps Kurpen g4gen. die feindliche Armee Streifzuͤge unternehme. Am 2ö0sten d. ist ein Kosaken Corps von etwa 150 Mann bei Karczew oberhalb Warschau uͤber die Weichsel gesetzt, hat sich aber, von einer Abtheilung Polen, die von Gora herkam, gebrüngt, wieder zuruͤckziehen muͤssen; einige Kosaken sind in un⸗ ere Gefangenschaft gerathen. Auch bei Pulawy waren die Ko⸗ saken, wie aus dem Sandomirschen gemeldet wird, uͤber die Weichsel gegangen und bis Zwolin vorgeruͤckt. Hier schickte ihnen der General Dziekonski 2 Schwadronen Sandomirer Reiterei unter dem Oberst Kozakowski entgegen. Der Kampf war ziemlich lebhaft, einige der Unsrigen geriethen in Gefangenschaft; aber zuletzt wurde das feindliche Corps zuruͤckgedraͤngt. General Bwernicki ist nach dem bei Stoczek erfochtenen Siege einer anderen Seite zu⸗ geeilt. Am 17ten d. setzte er bei Gora Kalwarya mit 16 Schwa⸗ dronen, 35 Batgillonen und 12 Stuͤcken Geschuütz uͤber die Weich⸗ sel, um sich mit dem General Sierawski zu vereinigen und so⸗ dann in Gemeinschaft mit diesem den Herzog Adam von Wuͤr⸗ temberg, dessen Corps etwa 8009 Mann stark seyn soll, anzugrei⸗ fen. Die vor kurzem zu dem Corps des Generals Dwernicki ab⸗

en und derijenigen, welche sich besonders

Regiments, welche zuerst das Geschuͤtz angriff und am meisten

pon dem Kartaͤtschen⸗Feuer litt, und den Lieutenant Nyko, der

1 bei der Infanterie als bei der Kavalleric ununterbrochen Dde Oberst Blendowski, welcher den Befehl erhal⸗ nach dem Hauptquartier zuruͤckzukehren, und schon eine

Meile hinter Ryczywol auf der Straße nach Warschau sich be⸗

wurden Secs aus der Festung erste nach A

vorher hatte man 2 mit sammt den Pfer

nd, kehrte sogleich um, als er das Feuern hoͤrte, und war waͤh⸗ 88 5 ancen Treffens musterhaft thaͤtig. Unter den Ver⸗ wundeten besindet sich der Lieutenant Grotkowski vom 1sten Re⸗

iment der Krakauer Krakusen, der ein Bein verloren hat, und der

ohn des Generals Sierawski, der sich bei dem Angriff auf die feind⸗ liche Kavallerie an meiner Seite befand und in die Hand ver⸗

wundet wurde. Das Schlachtfeld wurde ganz vom Feinde ge⸗

1 und jetzt steht meine Avant⸗Garde auf demselben. Die Kubert, beege ehte Sierawski, die aus 4 Dreipfuͤndern und besteht, welche letztere ich von den bei Stoczek ge⸗ nommenen Geschuͤtzen hinzugefuͤgt hatte, war sehr thaͤtig und agirte erfolgreich; der Lieutenant Freilich befehligte dieselbe.“ Außerdem enthaͤlt dasselbe Blatt folgenden, als amtlich be⸗ zeichneten Bericht aus Zamosc: „Am 15ten und 16ten d. M. amose gemacht, und zwar der

t⸗Zamose, wo die Kosaken ihre Piquets aufgestellt hatten, die von dort aus die Festung bedrohten; es wurden da⸗ selbst 4 Kosaken getoͤdtet und einer gefangen genommen; schon en unterweges getoͤd⸗

tet. Der andere Ausfall geschah durch den Lieutenant Brzezinski vom 7ten n mit 10 Soldaten und einem Tam⸗ bour; er wurde nach der Kreisstadt Hrubieszow gemacht und da⸗ selbst der Russische Kommandant dieser Stadt, Lieutenant Hu⸗ wald, vom Herzog Wuͤrtembergschen Dragoner⸗Regiment, mit 4.

Gemeinen, einem juͤdischen Spion und 2 Pferden gefangen ge⸗

nommen, welche man insgesammt am 16ten Abends in die Festung

1“

Zamosce brachte.“

Nach dem neuesten Blatte der Schlesischen Zeitung

1 (vom 25. Febr.) bestaͤtigt es sich, daß der linke Fluͤgel der

Russischen Armee unter dem Befehl des General Kreutz die

Weichsel passirt und Radom besetzt hat. 4— 18

egangenen Streifzuͤgler unterstuͤtzen die Operationen dieser Armee⸗

btheilung“ Hiesigen Blaͤttern zufolge sollen sich in den War⸗ schauer Lazarethen schon vor der Affaire vom 19ten und

20sten d. 800 Verwundete befunden haben.

Unter der Rubrik: „Amtliche Nachrichten“

bringt die

hiesige Staats Zeitung zwei Berichte des Divistons⸗Generals

Dwernickt, General Woyczynski, gerichtet ist und Folgendes enthaͤlt:

deren erster an den Gouverneur von Warschau,

„Indem ich dem Generalissimus von den 11 dem Feinde in

dem Gefecht bei Stoczek vom 14ten d. genommenen uͤtzen 2 durch unsere Artillerie demontirte und ein auf c. Febn

durch Zerbrechen des Deichselnagels beschaͤdigtes uͤbersandte, bat Hich ihn um Erlaubniß, daß das letzt dbe⸗ ren Vertheidigun daß das letztere in der Haupizsadt zu de⸗

verbleiben moͤchte.

Geruhen Sie daher, Dies wurde mir bewilligt.

diese Kanone der Artillerie der National⸗

Garde zu uͤberweisen, von welchen einige Freiwillige bei der Ar⸗

tillerie des unter meinem Kommando ehenden Corps si den, die thaͤtig zur Erbeutung der erwaͤhnten varemn. gen haben“ Der zweite Bericht, an den Divisions⸗General

Klieti gerichtet, ist von dem Kampfplatz bei Nowawies und Serdz

inken Seite der an dem linken Weichselufer nach Warschau

fuͤhrenden Hauptstraße um 11 Uhr Nachts den 19ten d. M. da⸗

tirt und lautet folgendermaßen: „Ich habe die Ehre, Ihn. 1 melden, daß ich heut mit dem meinem Befehl Ue erenn Sses⸗ um 3 Uhr nach Mitternacht von Gora aufbrach und, nachdem

ich mich mit dem General Sierawski bei Meiszew vereinigt hatte, 8

von Ferem. 84 um 2 Uhr Nachmittags wawies in der Gegend von Rycyzwol ankam. General Sie⸗ rawski, welcher mit einer starken Avantgarde 1.seag. She,

auf den Feind, der zwei Kosaken⸗Regimenter, ein Dragoner.

Regiment und vier Stuͤck reitende Artillerie hatt denselben sogleich aus der von ihm nehene neh gvhüdhe

Nachdem ich mit den Uhlanen⸗Divisionen an gekommen war, degann bb

das Treffen; der Feind wurde

Gefangenen gemacht. An Verwundeten und Tod

Feind wenigstens 200 Mann; unseren Verlnst „lac, ge Augenblick noch nicht v- angeben; wir haben viel Verwun⸗ dete, besonders durch das Kartaͤtschenfeuer; denn die Artillerie, welche wir genommen haben, feuerte bis zum letzten Augenblick mit der groͤßten Geistesgegenwart: die sahl der Verwundeten wird sich daher wenigstens auf 50 belaufen. Alle unsere Offiziere und Gemeine, die an diesem Treffen Theil nahmen, das groͤßte Lob; in einem besondern Rapport werde ich Ihnen die Namen

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*) S. das gestrige Bl. der St. Zeit.

en. r gaͤnzlich geschlagen und zu ver: wirrter Flucht gendthigt. Wir daben 3 Kanenen mit sannmtlich b dazu gehoriger Munition erobert und den Oberst⸗Lieutenant Butowiez, welcher diese Artillerie befehligte, mit 40 Gemeinen zu

der Verwunde⸗

bei dem Doͤrfe No⸗ b

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verdienen

2

6 jene Kammer selbst anerkannt,

1“ b Deputirten⸗Kammer. ung 8 (Nachtrag.) Herr Persil aͤußerte sich im Laufe der durch Herrn B. Délessert angeregten Debatte folgendermaßen:

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etEhe iign mwerütbhhenhvanchrie ch. S8 81070

Pairs⸗Kammer. Sitzung vom 19. Febr. Gleich ng der Sitzung bestieg der Finanz⸗Minister hne und legte der Versammlung den von der

putirten r bereits angenommenen Gesetz⸗Entwurf uͤber die Personal⸗, Mobiliar⸗ und Thuͤr⸗ und Fenster⸗Steuer Graf Tascher beschwerte sich hierauf, daß der

Praͤsident in der letzten Sitzung dem Grafen von Ségur⸗

amoignon, als dieser von den Ministern einige Aufschluͤsse Segc wollte, das Wort verweigert habe. (S. Nr. 51 d. St. Z.) Der Praͤsident wiederholte, was er schon damals als Grund seiner Weigerung angegeben, daß naͤmlich eine solche Aufforderung an die Minister in der Pairs⸗Kammer

hisher nicht uͤblich gewesen sey, auch das Reglement daruͤber schweige.

Die Wahl⸗Kammer, fuͤgte c. hinzu, koͤnne 2 ammer hierin nicht als Richtschnur dienen: auch habe scne 1 daß die Deputirten 14 des ihnen zustehenden Rechtes nur in seltenen Faͤllen bedienen Fften vees Lainé meinte, es gebe Gegenstaͤnde, die im⸗

mer an der Tagesordnung waͤren; er verlangte sonach, daß

G Pair beabsichtigten Aufforderung an die Minister, die Kammer kuͤnftig immer befragt werde, ob sie denselben hoͤren wolle, oder nicht. Der Baron ene pflichtete diesem Antrage bei, wogegen der Graf von Mon⸗ talembert eine solche Bestimmung fuͤr uͤberfluͤssig hielt, in⸗ dem es sich von selbst verstehe, daß jeder Pair das Recht habe, von einem Minister Aufschluͤsse zu verlangen. Nach⸗ dem noch der Graf Portalis auf die Nothwendigkeit hingewiesen, das Reglement der Kammer zu vervollstaͤndigen, indem dasselbe jetzt, wo der Kammer die Initiative zustehe, manche Luͤcke enthalte, wurde das Protokoll der letzteren Siz⸗

ung,

wurde mit den uͤblichen Foͤrmlichkeiten ein Bote der Depu⸗

tirten⸗Kammer eingefuͤhrt, welcher dem Praͤfidenten in einem versiegelten Pakete den von jener Kammer in ihrer Sitzung vom 17ten angenommenen Municipal Gesetz⸗Entwurf uͤber⸗

reichte. Nachdem der Marquis von Mortemart denselben

vorgelesen hatte, P. zur Pruͤfung der der Kammer in ihrer et gelegten 7 Gesetz⸗Entwuͤrfe von oͤrtlichem Interesse. Di sammlung vertagte sich sodann bis zum naͤchsten Dienstag (22sten), wo sie den Kommissions⸗Bericht uͤber den Gesetz⸗

Entwurf wegen Organisation der National⸗Garde erwartrte. 88

Sitzung vom 18. Febr.

t 1 nders auszeichneten, zu nennen. Ich erwaͤhne hier nur der Division des zten Uhlanen⸗

das zu der obigen Beschwerde des Grafen Tascher An⸗ laß gegeben hatte, ohne Weiteres angenommen. Hiernaͤchst

gegangen.

ernannte der Praͤsident eine Kommission letzten Sitzung ver⸗

Die Ver⸗ anders aber ist es außerhalbd derselben;

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„Meine Herren! Ereignisse von hoͤchster Wichtigkeit habelt sich vor unseren Augen zugetragen; wahrhafte Verschwoͤrer haben sich am hellen Tage und zwei Schritte weit von der Wohnung des Monarchen versammelt; unter dem Vorwande, fuͤr die Todten zu Gott zu beten, haben sie Hoffnungen und Wuͤnsche fuͤr eine verbannte Familie geaͤußert. Beklogenswerthe Scenen sind auf dieses verwegene Unternehmen gefolgt. Unruhestifter, welche die Unordnung lieben, um zu pluͤndern und das Princip der Regierung zu veraͤndern, haben das Volk aufgereizt und Handlungen des Van⸗ dalismus herbeigefuͤhrt, von denen nur die Jahrhunderte der Bar⸗ barei Beispiele darbieten. Nachdem man die oͤffentlichen Denk⸗ maͤler verstuͤmmelt, wollte man sich auch an den Personen und an den konstituirten Koͤrperschaften vergreifen. Mit Mordgeschrei sog man nach der Wohnung eines unserer beruͤhmtesten Rechtsge⸗ ehrten und eines ehrenwerthen Deputirten, dem man keinen an⸗ dern Vorwurf machen kann, als daß er diese Rednerbuͤhne im⸗

mer zuerst besteigt, um, trotz der Beleidigungen, mit denen man

ihn taͤglich uͤberhaͤuft, die Principien der Revolution des Juli in ihrem verstaͤndigen Sinne zu vertheidigen. Das Wuthgeschrei jener Wahnsinnigen verhallte zuletzt, wie gewoͤhnlich, an den Tho⸗ ren dieses Palastes, auf welchen die Unruhestifter die Leidenscha des Volks stets zu lenken suchen. Dies sind die Vorfaͤlle, wel⸗ che die Hauptstadt mit Betruͤbniß erfuͤllt haben und in den Provin⸗ zen vielleicht Schrecken verbreiten werden. Einige wollen die Ursache derselben in den Principien und der Schwaͤche des Ministeriums finden, dem sie vorwerfen, daß es keine vorbeugende Maaßregeln getroffen habe und nicht zu rechter Zeit mit Strenge verfahren sey. Unmoͤglich kann aber die Ursache der letzten Ereignisse in den Grundsaͤtzen des Ministeriums liegen, denn Jedermann weiß, daß die Meinungen jedes der Mitglieder der jetzigen Verwaltung auf der Ausschließung des aͤltern Zweiges der Bourbonen beru⸗ hen. Der Praͤsident des Minister⸗Raths wurde von Karl X. zum Tode verurtheilt; sein persoͤnliches Interesse wuͤrde fuͤr seine Ge⸗ sinnung buͤrgen, wenn diese nicht durch sein ganzes Leben darge⸗ legt wuͤrde. Wenn also schlecht gesinnte Menschen dem nur zu leichtglaͤubigen Volke sagen, daß man im Interesse Karls X. oder seines Enkels regiere, dem Ludwig Philipp spaͤter seine Krone abtreten wuͤrde, so taͤuschen sie wissentlich das Volk durch eine abgeschmackte Erfindung. Andererseits glaube ich, daß das Mi⸗ nisterium eben so wenig dem Republikganismus, als der vorigen Dynastie geneigt sey; es weiß aus Erfahrung, daß die letztere um Absolutismus, die erstere aber zur Zuͤgellosigkeit, der unver⸗ fohnlichsten Feindin der Freiheit, fuͤhrt. Die Principien des Mini⸗ steriums sind diejenigen, die auf dem Stadthause versprochen, in die⸗ ser Kammer am 7. Aug. verwirklicht, vom Koͤnige am 9. dess. Mo⸗ nats beschworen und hierauf durch den persoͤnlichen Eid eines jeden von uns verbuͤrgt wurden. Wenn es diese Grundsaͤtze sind, die man ironisch die rechte Mitte nennt, so bekennen wir, daß wir zu derselben geboͤren. Ich weiß, daß diese Grundsaͤtze mit denen der Maͤnner, die wir in allen Aufstaͤnden, in allen Komplotten eine Rolle spielen sehen, und die nach ihrem Ausdruck den Zweck verfolgen, die 97 wieder in den Zustand zu⸗ ruͤckzuversetzen, in welchem sie sich am 29. Juli be⸗ fanden, im Widerspruch stehen; ich weiß auch, daß sie der Lehre derer entgegengesetzt sind, die der Kammer ihre Gesetzlich⸗ keit streitig machen und an eine konstituirende Versammlung ap⸗ pelliren wollen. Ich verabscheue diese verbrecherischen Lehren und kann dreist behaupten, daß auch das Ministerium sie verab⸗ scheut. Es will, und wir wollen mit ihm, die Festigkeit der Re⸗ gierung und unserer Institationen; wir haben Ludwig Philipp und der Charte vom 7. Aug. Treue geschworen, und nuͤr Mein⸗ eidige konnen jetzt die Rechte und Autoritaͤt beider bestreiten. Alles ist bei uns konstituirt, Regierung und Verfassung, und man fordert zu einer neuen Revolution auf, wenn man etwas anderes als die nothwendigen Folgen unserer Institutionen ver⸗ langt. Das Ministerium und die Kammer haben seit 6 Monaten unaufhoͤrlich an der Entwickelung der Verfassung gearbeitet, sie arbeiten noch dgaran, und wenn einige Maͤnner von aufrichtiger Gesinnung daruͤber klagen, daß man fuͤr das Volk nicht genug thue, so darf man sie nur auf unsere Lage im Beginn des Juli v. J. zuruͤckweisen; wuͤrde damals das Volk gewagt haben, alles dies zu verlangen, was es schon erhalten hat und noch er⸗ halten wird? Wuͤrde Herr Mauguin, als er am Mittwoch den 28. Juli vom Herzoge von Ragusa die Zuruͤcknahme der Verord⸗ nungen und die Entkassung des Ministeriums verlangte, sich wohl in seinen Hoffnungen bis zur unbeschraͤnkten Preßfreiheit, zur Wiederherstellung der National⸗Garde, zu einem Municipal⸗Ge⸗ setze, das ein Zehntheil der Bevoͤlkerung zur Theilnahme an den Munieipal-Angelegenheiten berechtigt, und zu cinem Wahl⸗Gesetze erhoben haben, das statt 80,000 Waͤhler deren 300,000 beruft? So weit waͤre Herr Mauguin in seinen Forderungen gewiß nicht In einem Reyraͤsentativ⸗Staate muß Alles allmaͤlig und nach Maaßgabe der Beduͤrfnisse vorschreiten, zum Unter⸗ schiede von einem republikanischen Staate, wo Alles dem Volke preisgegeden ist und Gefahr laͤuft, in Verwirrung zu Herahes oder unterzugehen. In dieser Kammer will man keine Republik; dort vgeee. Menschen von einer solchen; ich sage dies, weil die Statute 2 ser Republir in meinen Haͤnden sind und die Gerichte diese he. gelegenheit bald ans Tageslicht 253* werden. Die Angeklagten 6 kennen ihre republikanischen Grundsaͤtze mit einer Verwegenheit un Offenheit, von der man sich keine Vorstellung machen kann. Wenn man dem Ministerium den Vorwurf macht, daß es seine nicht genug dargelegt habe, so kann es durch seine Handlungen,

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