1831 / 61 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

als die einem einzigen Menschen anvertraute Macht,

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von vaͤterlicher Seite *), bedroht wird? Nein; ich fuͤhle nichts, als das Beduͤrfniß, mich ganz seiner Ruhe und sei⸗ nem Gluͤcke denseheten⸗ Feurige und hochgesinnte Gemuͤther halten den Augenbli G ꝛp z1 den. Ich weiß alle gute Seiten dieser Regierungsform zu schaͤtzen. Mit der ruhmvollen Franzoͤsischen Revolution gehoren, schlug mein Herz vom ersten Augenblicke meines Daseyns an fuͤr die Freiheit. Wie viele innere Uebel aber wuͤrde die Republik aauf dieses Land herabziehen, und wie vielen auswaͤrtigen Verfol⸗ ungen wuͤrde sie als Vorwand dienen! Kaum beschloͤssen, wuͤede ie dem entfesselten Factionsgeist Veranlassung geben, Stadt und Land in die Schrecken der Anarchie zu stuͤrzen; die Souveraine Europa's wuͤrden ihren letzten Thaler und ihren letzten Soldaten daran setzen, um sie zu vernichten; Frankreich sogar wuͤrde an sei⸗ nen noͤrdlichen Graͤnzen einen Gesundheits⸗Kordon ziehen, der bald.. Belgier, es wuͤrde um Eure kostbare Unabhaͤngigkeit ge⸗ schehen seyn. Alle Maͤnner von Erfahrung und Nachdenken rei⸗ hen sich um jene durch euren Rhütichas enasen eeabcen politischen Institutionen. Unter ihrem wohlthaͤtigen Einfluß muͤssen dem Volke Ddie Vorzuͤge der Republik werden; sie muͤssen ihm werden, wenn der Muͤßiggang aufhoͤrt, unter irgend einem Vorwande, die Er⸗ haltungsmittel der arbeitenden Klassen zu verschlingen, und wenn das Staats⸗Oberhaupt, durchdrungen von der Nothwendigkeit, die Auflagen zu mindern, zuerst das Beispiel giebt, daß Lohn fuͤr oͤffentliche Aemter mehr in der Ehre, als in Geld gesucht werden muͤsse. Ich bin zu allen Bürgschaften bereit, welche die gegenwaͤrtigen Zeit⸗Umstaͤnde erfordern und die jener Natio⸗ nal⸗Kongreß von mir verlangen möochte, dessen Arbeiten und pa⸗ triotischer Eifer ihm unvergängliche Anspruͤche auf die Dankbar⸗ keit der Nation und aller Freunde der Freiheit erworben haben. Als katholischer Fuͤrst werde ich meine Pflichten als Mitglied der großen christlichen Familie mit den umfassenden Principien jener religioͤsen, zurch ihr Grundgesetz proklamirten Toleranz zu vereinigen wissen. Da die verschiedenen Europaͤischen Kabinette in meiner Person nichts ihren respektiven Interessen Feindliches erblicken koͤnnen, so werden sie Handels⸗Vertraͤge nicht von sich weisen, die Euer Gewerbfleiß und Eure Fabriken erheischen. Das Waffenhand⸗ werk lernte ich von Napoleon; dieser große Mann beehrte mich mit einem wahrhaft vaͤterlichen Wohlwollen; bei Friedland und Wagram befand ich mich an seiner Seite. Ich werde daher mein Blut fuͤr die Vertheidigung Eurer Freiheit und der Unverletz⸗ Kicchkeit Eures Gebiets zu vergießen wissen. Das giebt mir, wie ich mir schmeichle, einen Anspruch auf das Vertrauen der Na⸗ tion und der Armee. Durchdrungen von Gefuͤhlen, die ich auch meinem Sohn einzupraͤgen suche, strebe ich danach, Belgier, Euer Koͤnig zu werden. Geborner Souveraͤn eines Fuͤrstenthumes, war ich den Koͤnigen gleich and leote mit ihnen auf vertrautem Fuße. 8 1“ LJe. rone angezogen; ah in der Koͤniglichen Wuͤrde ni 88 ke Macht, das Gluͤck eeines ganzen Volkes zu begruͤnden; in dieser Hinsicht ist sie die heiligste Wuͤrde; dagegen aber die veraͤchtlichste, wenn sie nur den Despotismus im Auge hat und die Rechte des Volks den Pri⸗ vilegien einiger Individuen zum Opfe’ bringt Belgier, wenn Ihr mich mit Eurer Wahl beehrt, so werdet Ihr nicht mich kroͤ⸗

nen, sondern das Gesetz, dessen erster Unterthan zu seyn, ich mir

stets zum Ruhme schaͤtzen werde.

Der Fuͤrst von Salm⸗Kyrburg.“ .

An der Tages Ordnung war die Fortsetzung der Dis⸗ kussion uͤber den Vorschlag zur Erwaͤhlung eines Regenten. Hr. Venbroek⸗Peeters, der zunaͤchst das Wort nahm, gab sein Erstaunen daruͤber zu erkennen, daß man Hrn. Osy wegen seiner gestrigen Rede zur Sache verwiesen habe. Er ließ sich sodann ebenfalls uͤber die provisorische Regierung, das Protokoll vom 27. Jan. und gegen den Grafen v. Celles aus, was ihm jedoch den Ordnungs Ruf des Praͤsidenten zu⸗ zog. Hr. Lardinois meinte, man brauche vor allen Din⸗ gen verantwortliche Minister, um das wieder gut zu ma⸗ chen, was die provisorische Regierung verdorben habe. Um der daniederliegenden Landes⸗Industrie und dem ver⸗ fallenen Handel wieder aufzuhelfen, gaͤbe es nur das ein⸗ zige Mittel, entweder mit Holland Unterhandlungen anzu⸗ knuͤpfen, oder es sofort mit Krieg zu uͤberziehen. vaux sprach fuͤr die Erwäͤhlung eines einheimischen Fuͤr⸗ sten zum Koͤnige und gegen die Ernennung einer Regent⸗ schaft. Herr van de Weyer suchte sich gegen die ihm von vielen Seiten gemachten Vorwuͤrfe zu rechtfertigen. Er habe, sagte er, gewissenhaft und im Interesse des Landes gehandelt, als er die Erwählung des Herzogs von Nemours empfohlen; in einem Monat oder 6 Wochen werde sich dies noch mehr ausweisen. Nachdem noch mehrere Redner sich hatten ver⸗ nehmen lassen, wurde endlich der Vorschlag zur Ernennung eines Regenten, so wie die Central⸗Section ihn modificirt hatte, angenommen. Man fuͤgte jedoch die Bestimmungen hinzu, daß die monatliche Civil⸗Liste des Regenten 10,000 Gulden betragen solle, und beschloß, in der naͤchsten Sitzung zu dessen Erwaͤhlung zu schreiten. *) Sie stammte von dem berühmten Grafen von Hornab, der unter dem Herzog von Alba mit dem Grafen von Egmont wegen Vertheidigung der

5 elgischen Freiheit gegen Philipp II. hingerichtet wurde. f. der

ck fuͤr guͤnstig, um eine Republik zu gruͤn⸗

Hr. De⸗

W11ö6“ 1u“ 1“ In dem Vortrage, den Hr. Osy in der vorgestrige

Sitzung des Kongresses hielt, sigte er: „Als ich am 1. Febr. das Schreckliche unserer Lage schilderte, was Niemand mir, so viel ich weiß, widerlegt hat, begnuͤgte man sich mit der Antwort, daß man die Ueberzeugung habe, der Herzog von Nemours werde die Krone annehmen; selbst mehrere Mit⸗ glieder des diplomatischen Comité wollten uns bewelsen, daß wir dessenungeachtet auch keinen Krieg bekommen wuͤrden. Ich, der ich weder in die amtlichen, noch in die vertraulichen Geheimnisse unserer Diplomatie eingeweiht bin und mich wohl gehuͤthet haben wuͤrde, mich darein zu mischen, ich habe nur nach den offtziellen Aktenstuͤcken, die von den fuͤnf großen Maͤchten ausgegangen waren, so wie nach den Pri⸗ var⸗Mittheilungen geurtheilt, die ich von Kaufleuten hatte, welche oft besser unterrichtet sind und klarer se⸗ hen, als unsere Diplomaten, weil der Handel sehr umfassende und wichtige Interessen wahrzunehmen hat, und diejenigen, die viel zu verlieren haben, nicht aus Ehrgeiz, Leidenschaft oder nach Theorieen urtheilen, sondern den geraden Weg gehen und nur den gesunden Menschen⸗Ver⸗ stand um Rath fragen. Das Protokoll vom 20. Jan. mußte uns zur Genuͤge beweisen, daß die fuͤnf großen Maͤchte ge⸗ genseitig ihre Familien vom Belgischen Throne ausgeschlossen haͤrten; daraus hatte ich, so wie meine Freunde, Kaufleute

bewelst der Umstand, daß schon vor dem Eingange der telegraphi⸗ schen Nachricht von der Erwaͤhlung de; Herzogs von Nemours, der Koͤnig der Franzosen durch seinen Gesandten bei der Londoner Konferenz hatte erklaͤren lassen, daß er nicht accep⸗ tiren werde, falls sein Sohn zum Koͤnige der Belgier er⸗ waͤhlt werden sollte. Am 3. Februar trafen wir diese Wahl, und am 4ten wurde der foͤrmliche Entschluß des Koͤnigs nach

theilung ich am 10ten d. M. verlangte, unsere Diplomaten aber unter allerlei schlechten Ausfluͤchten verweigerten. (Un⸗ terbrechung.) anderen Mission

doch bei Gelegenheiten die

nahme des Hrn. Bresson stellte. So z. B. forderte und er⸗ langte Lord Ponsonby Paͤsse fuͤr die Agenten, die er nach Mastricht gesandt hat, um daselbst im Namen der Londoner Konferenz zu untersuchen, ob wir den Waffenstillstand, in Folge dessen uns die Schelde eroͤffnet wurde, auch puͤnkt⸗ lich befolgten. Ich muß mich wundern, daß uns das diplomatische Comité keine Mittheilung in dieser Hinsicht

halten, so muͤssen wir es auch ehrlich thun, damit wir nicht neuerdings die freie Schelde⸗Schifffahrt verlieren. Ich glaube Ihnen nan bewiesen zu haben, daß man das Protokoll vom 7. Febr. nur zuruͤckgeschickt hat, um Ihnen die Gewißheit der Nicht⸗ Acceptirung des Koͤnigs der Franzosen noch vorzuenthalten zaund um uns dergestalt in illusorische Hoffnung einzuwiegen, weil getaͤuschte Eigenliebe nicht eingestehen wollte, daß die Nachrichten, die ich Ihnen drei Tage nach Abgange unserer Deputation mittheilte, nur allzu richtig seyen Man zog es vor, mich eines versteckten Planes und der Absicht zu beschul⸗ digen, falsche Nachrichten zu verbreiten, um damit Un⸗ ruhe zu erwecken. Jetzt moͤgen Sie jedoch beurtheilen, wer eigentlich taͤuschen wollte; ja, meinen Mittheilungen haben Sie es zu verdanken, daß die definitive Nach⸗ richt der Nicht⸗Aecceptirung von der Nation auf eine so ruhige und gleichguͤltige Weise aufgenommen worden ist. Ich mag nicht wissen, worauf sich eigentlich die Ueberzeugung unserer Diplomaten gestuͤtzt hat, als sie uns die Annahme des Herzogs v. Nemours versicherten; mich haben sie nicht

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kend gemacht. Inzwischen vermuthe ich, daß ihnen diese Ueberzeugung von unserm Gesandten in Paris (Grafen von Celtesz zugekommen ist. In diesem Falle ist unser Gesandter Irrthum verleiten wollen. fen lassen in der Hoffnung, daß, wenn sie einmal geschehen waͤre, der Koͤnig der Franzosen sich genoͤthigt sehen moͤchte, sie anzunehmen, ohne Ruͤcksicht darauf, in welchen Abgrund

gewesen und hat das Unwetter, das uͤber uns auszubrechen

drohte, abzuwenden gewußt. Im Namen aller Freunde des

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aaufschlagen zu wollen.

im Auslande, den ganz einfachen Sehluß gezogen, daß die Annahme des Koͤnigs der Franzosen das Signal eines sofortigen Krieges seyn wuͤrde. Wie wenig ich mich darin getaͤuscht habe,

zweien Minister⸗Raͤthen, die in Paris gehalten worden wa⸗ ren, dem Herrn von Talleyrand mitgetheilt, der ihn in das Protokoll vom 7. Februar hat aufnehmen lassen, dessen Mit-⸗

Ich muß es schlechte Ausfluͤchte nennen, weil ich den Beweis in Haͤnden habe, daß diese Herren seiltdem-⸗ des Lord Ponsonby, als Gesandten der fuͤnf großen Maͤchte, anerkannt haben, obwohl er sein Begehren isolirt und ohne die Theile:

gemacht hat; denn wollen wir die Feindseligkeiten eingestellt

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einen Augenblick im Glauben an das Entgegengesetzte wan⸗

entweder schlecht unterrichtet oder er hat uns zu einem r wollte uns die Ernennung tref⸗ 8

er dadurch unser ungluͤckseliges Vaterland und ganz Europa stuͤrzen wuͤrde. Gluͤcklicher Weise ist Ludwig Philipp weiser

Friedens und der oͤffentlichen Ruhe statte ich dem Koͤnige hier

meinen aufrichtigen Dank dafuͤr ab. Hinlaͤnglich beweist jedoch alles dies, daß der in Paris befindliche Gesandte nicht mehr unseres Vertrauens wuͤrdig ist; ich zweifle daher auch nicht, daß die provisorische Regierung sich beeilen werde, ihn zuruͤckzuberufen, und daß der Regent, den wir ernennen,

nur solche Maͤnner hinschicken werde, die sich auf die wahr⸗ V

haften Interessen des Vaterlandes verstehen.“

Das Journal des Flandres meldet, die Hollaͤnder haͤtten die Magdalenen⸗Schleuse waͤhrend der Fluth aufgezo⸗ gen und dadurch im Kanal ein ploͤtzliches Steigen des Was⸗ sers um 35 Centimeter bewirkt. Die Belgier haͤtten dagegen ihre Schleusen am Kapitalen⸗Dam waͤhrend der Ebbe aufge⸗ zogen und dadurch einer Ueberschwemmung zum Theil vor⸗

ebeugt.

b Dem Belge zufolge, hat der republikanische Verein fuͤr die Belgische Unabhaͤngigkeit seine Versammlungen an einem bestimmten Orte, wegen der Unruhen, zu denen sie Anlaß gegeben haben, einstweilen aufgehoben. Herr De Potter scheint Bruͤssel bald verlassen und seinen Wohnsitz in Paris

1131““ s ch 1111““ 6 8 Dresden, 26. Febr. Heute ist in Folge eines gestern Abend hier stattgefundenen, an sich unbedeutenden und nur von einer kleinen Anzahl der geringern Volksklasse erzeugten, tumultarischen Auftritts folgende Bekanntmachung erschienen:

„So unbedeutend der tumultuarische Auftritt des gestrigen Abends an sich war, so muß dessen Wiederkehr doch verhuͤtet und die geeigneten Maaßregeln deshalb ergriffen werden. Die Staͤnde des Landes versammeln sich in wenigen Tagen in hiesi⸗ ger Residenz, um uͤber die wichtigsten Angelegenheiten des Va⸗ terlandes zu berathen. Strenge Erhaltung der Ruhe wird in dieser Zeit zur doppelten Pflicht der Regierung; auch alle redliche Buͤrger der Stadt verlangen Sicherstellung gegen jede Unord⸗ nung, die braven und treuen Kommunal⸗Garden kraͤftige Unter⸗ stuͤtzung. Zur Erreichung dieser Zwecke wird jenen Unruhestiftern zur Warnung bekannt gemacht, daß die strengsten Maaßregeln zu augenblicklicher Unterdruͤckung jedes Auflaufs genommen worden sind. Sowohl die Kommunal⸗Garde, als das Linien⸗Militair aller Waffengattungen, hat Befehl erhalten, nach erster ver⸗ geblicher Aufforderung zur Ruͤckkehr der Ordnung, vollen Ge⸗ brauch von ihren Waffen zu machen. Damit dann nicht Un⸗ schuldige mit Schuldigen leiden, wird jeder redliche Einwohner ermahnt, sich von sicen Haufen Uebelwollender fern zu halten. Auch wird, bei dieser Veranlassung, die fruͤhere Bestimmung er⸗ neuert: „„daß alle Lehrlinge, Weiber und Kinder bei einbrechen⸗

dem Abend moͤglichst zu Hause zu halten und, bei der geringsten

Stoͤrung der oͤffentlichen Ruhe, die Hausthuͤren sofort zu schlie⸗ ßen sind.“ „Dresden, den 26. Februar 1831.

Deer Gouverneur hiesiger Residenz und Kommandant

1 der Kommunal⸗Garde,

(SFeneral⸗Lieutenant von Gablenz.“

8 Italien. Das Diario di Roma vom 16. Febr. enthaͤlt folgende Kundmachung des einstweiligen Kardinal⸗Staats⸗Seecretairs Bernetti: „Ein Haufe von Verbrechern hat geglaubt, es sey ein leichtes Unternehmen, die oöͤffentliche Ordnung umzu⸗ stoßen, die Roͤmer zum Abfall von ihrer Religion, von ihrer Anhaͤnglichkeit und Ergebenheit gegen ihren Vater und Fuͤr⸗ sten, auf die sie stolz sind, zu bewegen, und sie hatten dar⸗ auf gerechnet, die ehrenwerthen Paͤpstlichen Truppen treu⸗ und muthlos zu sinden. Sie haben im Dunkeln verbrecherische Plaͤne zum Aufruhr in dieser Stadt gehegt, und diesen selbst versucht. taͤuscht. Die Regierung kennt ihre Machinationen und die Mittel, welche sie anwenden, sie weiß, nach welchem Ziele sie streben, und hat die geeigneten Maaßregeln gegen diese unwuͤrdigen Umtriebe getroffen. Der heilige Vater will, daß die hiesige getreue Einwohnerschaft wisse, daß die Undankbaren, die Treulosen und Gottlosen ihr Vorhaben nicht so leicht aufgeben. Obgleich von der Vergeblichkeit ihrer Bemuͤhungen uͤberzeugt, vertrauen sie dennoch biswei⸗ len auf Geruͤchte, die sie verbreiten, um Furcht einzufloͤßen, so wie auf beruͤhmte Namen, deren sie sich faͤlschlich als ihrer Hauptanstister und Genossen ruͤhmen, und hoffen, daß die Truppen in ihrem Dienste eher ermuͤden werden, als sie in ihrem verbrecherischen Beginnen. Der bekannte Plan dieser Uebelthaͤter ist die Pluͤnderung des oͤffentlichen, wie des Privat⸗Eigenthums, und mit der Aussicht auf diese Beute haben sie Anhaͤnger zu erwerben und den Aufstand zu unter⸗ nehmen versucht. Es wird ihnen nicht gelingen, da die goͤtt⸗ liche Vorsehung durch die wirksame Vermittelung der heili⸗ Pe Maria, der besonderen Beschuͤtzerin dieser ihrer frommen

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evoͤlkerung, und der glorreichen Apostel Petrus und Paulus

Des Mizßlingens ungeachtet sind sie noch nicht ent⸗

stets fuͤr die Vertheidigung Roms wacht. Es ist ein Fingerzeig - dieser goͤttlichen Vorsehung, daß unter den Verführten und Irregeleiteten einige, deren Seete von grausamen Gewissensbissen zerrissen wurde, ihren Irrthum bekannt und das Komplott enthuͤllt haben. Die Regzierung wird dasselbe nicht ungestraft lassen. Wenn indessen die Verbrecher aufs neue ein ruchloses Unternehmen beginnen sollten, so zweifelt der heilige Vater, von der unbdegränzten und unerschuͤtterli⸗ chen Treue seiner Unterthanen und Kinder uͤberzeugt, nicht daran, daß beim ersten von der Engelsburg und durch Glok. gengelaͤut gegebenen Zeichen alle Mllitairpflichtige sich, so viel wie moͤglich, ihren resp. Corps auschließen und zur schnel- len und hochherzigen Vertheidigung der Religion, des Vater⸗ jandes und des Throns herbeieilen werden. Gegeben im Staats⸗Sekretariat am 14. Febr. 1831. . T. Kardinal Bernetti. Die Allgemeine Zeitung giebt nachstehendes Privat⸗Schreiben aus Rom vom 15. Febr.: 1 „Die Agitation, welche sich hier am 12ten d. gleich fruͤh Morgens offenbarte, und woruͤber ich Ihnen bereits von dem-⸗ selben Tage berichtete, hatte allerdings ihren rechtfertigenden Grund. Die Untersagung der Karnevals⸗Lustbarkeiten, welche zu einer andern Zeit gewiß mit dem aͤußersten Unwillen empfan-⸗ gen worden waͤre, vermehrte zwar die aͤngstliche Spannung der

Gemuͤther, ward aber doch als vernunft⸗ und zeitgemaͤß betrachtet.

Es blieb indessen bis Abends Alles ruhig. Gegen 8 Uhr aber ward Jedermann durch ein Pelotonfeuer von 40 50 Schuͤssen geschreckt. Ganz Rom war wie von einem elektrischen Schlage getroffen. Fuͤr diejenigen, welche sich gerade auf dem Corso de⸗ fanden, war es ein wahrhaft magischer Moment. In Einem fuhren in wuͤthendem Galopp, und in unglauslicher Schnelle Tiefe Stille folgte sogleich der Sache, welche gluͤck⸗ nachstehender. Es war ein

Augenblick zerstreuten sich Fliehende nach allen Seiten; Fcheehe

waren alle Laͤden geschlossen. auf die Explosion. Der Hergan licher Weise ohne Folgen blieb, ů¹ außerst finsterer Abvend. Zwischen 7 und 8 Uhr hatten sich 55 bis 60 Individuen auf dem Platze Colonna versammelt. Die Piazza Colonna, welche ihren Namen von der in der Mitte derselben stehenden Antoninischen Saäͤule empfaͤngt, ist ein geraͤu- miges Viereck, an der Mitte des Corso, im leohaftesten Theile der Stadt gelegen, und enthaͤlt, dem Corso gegenuͤber, das Post: gebaͤude mit der Hauptwache. Der Platz ist jetzt wegen des Kar⸗ nevals, an der Corsoseite, mit einer Art von Einzäumung von leichten Holzstangen versehen. Den Tag uͤber waren bereits an verschiedenen Orken der Stadt Militairposten aufgestellt worden, und die Wache war daher stark besetzt. Da die Versammelten sich ruhig vechielten, so ließ man sie ungestoͤrt, die Soldaten standen indessen nahe bei der versammelten Menge, und so g. schah es, daß ein vom Monte Citocio Herkommender dicht bei den Soldaten voruͤbergehend sie fragte: gehoͤrt ihr zu uns? Siete de' nostri? Hierauf befahl der Of zier, die Menge vom Platz zu treiben; dies geschah auch ohne Widerstand. Allein gleich darauf versammelten sie sich wieder gegen die Holz⸗Barrière, die Soldaten kamen vorwaͤrts, und auf ihe Wer da? schoß einer der Zusammengerotteten (dies war der Maler Lupi, ein Roͤmer, Sohn eines geschaͤtzten Arztes) eine Pistole auf den Unteroffizier ab, worauf sogleich noch zwei oder drei Pistolen⸗Schuͤsse folgten. Sie blieben gkuͤcklicherweise ohne Wirkung, und die Soldaten antwor⸗ teten nun durch eine foͤrmliche Decharge, worauf die Gegner so⸗ gleich die Flucht ergriffen. Sie wurden verfolgt und fuͤnf von ihnen eingeholt. Unter diesen ist nur Ein Roͤmer, naͤmlich der

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vorgenannte Lupi, zwei Korsen, Studenten, und von den beiden

Andern, gleichfalls Auslaͤndern, ist einer ein Handwerker, der An⸗ dere Bedienter. Es wurden mehrere verwundet. Eine Kugel blieb auf der Inschrift der Saͤule stecken. Ein Denkhzeichen im

Denkmal. Waͤhrend der Nacht arretirte man noch ungefaͤhr 2525)—

Andere. Die Nacht selbst und die folgenden Tage blieben ruhig. Allein wenn auch der Plan der Aufeuͤhrer, theils durch die Maaß⸗ regeln der Regierung, theils durch ihre eigene Ungeschicklichkeit, mißlang, so war es doch auf etwas Ernsteres abgesehen, als man zuerst veormuthen sollte. Ihr Plan war, dem Vernehmen nach, folgender: Sonnabend am 12ten sollte sich eine große Anzahl von Masken, alle durch gewisse Zeichen einander kenntlich, guf

den Corso begeben. Eine Stunde vor dem Schlusse der taͤglichen Belustigungen wird immer ein Kanonenschlag abgefeuert; nach einer kleinen halben Stunde folgt ein zweiter, dann muͤssen sich alle Wagen entfernen, um Naum fuͤr das Wettrennen zu ma⸗ chen, und nach dem Pferdelauf schließt ein dritter Schuß das

Ganze. Die Masken sollten sich nun so vertheilen, daß zwei oder drei immer dicht bei einem der im Corso sehr zahlreichen Soldaten waͤren, die uͤbrigen aber sich nahe bei den Wagen hiel⸗

ten. Der erste Schuß sollte das Signal seyn; dann wollte man

fasleich alle Soldaten niedermachen, die Sehnen der Pferde zer⸗

chneiden und unter fuͤrchterlichem Geschrei eine ECS Ver⸗ wirrung beginnen. Man wollte sich alsdann der Magistratspera⸗: sonen bemaͤchtigen, nach dem Vatikan ziehen und den heiligen Vater zu ihren noch unter einem Schleier ruhenden Absichten wingen. Auf verschiedene Weise ward jedoch ihr Plan verrathen, as Karneval untersagt, und das Ganze vereitelt. Wenn man an den schmalen, langen, mit Menschen und Wagen zur Erstik⸗ kung angefuͤllten Corso denkt, so schaudert man uͤber einen so

abscheulichen Plan. Von allen Seiten gratulirt man sich und 1 ö1.“]]