1831 / 62 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Thu, 03 Mar 1831 18:00:01 GMT) scan diff

Ministerial⸗Veraͤnderung die Rede, und man bezeichnete Hrn. H fuͤr die Fmanzen, den Geueral Filangteri fuͤr den Krieg, den Grafen Nicciardi fuͤr die Justiz, Herrn Intonti fuͤr das Innere und den Marchese Tommasi fuͤr die Praͤ⸗ sidentur des Minister⸗Raths.“ 1 Auf den Antrag des General⸗Prokurators Hrn. Persil ist der verantwortliche Redacteur der „Tribune“ wegen eines in der Nummer vom 11ten d. M. enthaltenen Artikels vor den Instructions⸗Richter geladen worden. 6

Großbritanien und Irland.

öParlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus⸗ Sitzung vom 18. Febr. (Nachtrag.) Hr. O'TConnell er⸗ klaͤrte, daß er den Antrag des Hrn. Hume (auf Vorlegung der Konferenz⸗Protokolle uͤber die Belgischen Angelegenhelten) unterstuͤtze. „Meiner Meinung nach“, sagte er, „hat eine direkte Einmischung in die Belgischen Angelegenheiten, und zwar die alleraͤrgste, die es geben kann, stattgefunden. Es

geht dies aus der Rede des edlen Lords (Palmerston) selbst V

hervor. Dieser sprach von Gesetzgebern, die erst vom gestri⸗

gen Tage her datiren; freilich vom gestrigen, weil sie gestern

erst ihr Joch abgeschuͤttelt und eine Union aufgeloͤst haben, die eine der tyrannischsten Handlungen der neueren Zeit war.

Nehme sich doch aber unsere Regierung in Acht, Ausdruͤcke,

wie diese zu gebrauchen, denn was ist denn die Regierung Ludwig Philipps Anderes als eine vom gestrigen Tage? Nehme man sich in Acht, daß der Fuͤrst Talleyrand nicht dergleichen Ausdruͤcke vernehme! Und was ist denn auch Hol⸗ land Anderes als ein Koͤnigreich von gestern? Die Feststellung

einer Graͤnze soll keine Einmischung seyn; wenn man nun

aber nach diesem Principe Bruͤssel und das ganze Territo⸗ rium an Holland zutheilte, was waͤre dies dann? Es kommt mir gerade so vor, als wenn Jemand zu einem Päͤchter hin⸗ ginge und ihm versicherte, er wolle sich durchaus nicht in seine Angelegenheiten einmischen, allein zunaͤchst habe er ihm zu sagen, daß seine Meierei nur so und so groß seyn duͤrfe; alsdann naͤhme er ihm seine Boͤrse und endlich ver⸗ boͤte er ihm, die Frau zu heirathen, die ihm gefalle. Mit dem Worte Nichteinmischung wird bloß ein Spiel ge⸗ trieben; besser waͤre es, die Minister geständen offen ein, sie haͤtten intervenirt und wollten es.“ Schließlich bemerkte der

Redner, daß, indem den Belgiern das Protokoll vom 20sten

Januar, nur mit der Unterschrift des Britischen Gesandten versehen, abgegeben worden sey, das Odium allein auf die

Britische Regierung falle, die jedoch gewohnt fey, die Liebe

derer zu verscherzen, die sich gern ihr anschließen moͤchten. Der Kanzler der Schatzkammer (Lord Althorp) sprach

nur wenige Worte: „Mein ehrenwerther Freund, das Mit⸗

glied fuͤr Middlesex (Hr. Hume), beschuldigt das Ministerium ½ Einmischung, billigt es inzwischen, daß es bemuͤht gewe⸗ ssen sey, den Frieden zwischen Holland und Belgien herzu⸗ stellen. Wie wäͤre es aber moͤglich, diesen zu vermitteln, wenn wir mit Bedingungen und Graͤnzen nichts zu thun haben sollen? Der Zweck, den die Regierung im Auge hat, ist die Erhaltung des Friedens von Europa, denn wird die⸗ ser erst gebrochen, so ist auch der Friede unseres Landes ge⸗ faͤhrdet. Naͤchst den Graͤnzen kann aber auch der von Bel⸗ gien erwaͤhlte Monarch die Ursache eines Krieges werden, und ist jede Regierung, ohne dadurch das Voͤlkerrecht oder das Princip der Nichteinmischung im Mindesten zu verletzen, berechtigt, eine solche Wahl zu verhindern oder doch nicht anzuerkennen. Nur von diesem Gesichtspunkte aus haben sich die Maͤchte der Erwaͤhlung der Herzoge von Nemours und Leuchtenberg widersetzt. Man sollte doch nicht vergessen, daß wir außer der Unabhaͤngigkeit auch die Neutralitaͤt Bel⸗ giens garantirt haben, welche Stipulation von großem Wer⸗ the ist und das Land mit der Schweiz auf gleichen Fuß stellt“ Sir Robert Peel erhob sich jetzt und sagte: „Ich muß mich dem Antrage des ehrenwerthen Mitgliedes fuͤr Middleser auf das entschiedenste widersetzen, und bin nicht Willens, auf die Vorlegung von Protokollen zu dringen, die, wie mein edler Freund, der Minister fuͤr die auswaͤrtigen Angelegenheiten, auf seine Verantwortlichkeit und auf sein Eh⸗ renworkt versichert hat, den obschwebenden Unterhandlungen nach⸗ theilig seyn wuͤrde. (Hort, hoͤrt!) Ich setze das uneingeschraͤnk⸗ teste Vertrauen in die Versicherung des edlen Lords und bin uͤber⸗ zeußt, daß er zur F Zeit uns alle noͤthige Dokumente vorlegen werde. J 281 auch gar nicht, was das ehrenwerthe Mitglied fuͤr Middlesex eigentlich bewogen haben kann, bei Ge⸗ legenheit der AFse gecsgengen fuͤr die Armee einen soͤlchen An⸗ trag zu machen. Sein Zweck kann nur der Beweis gewesen seyn, daß die Anschlaͤge zu hoch seyen; ich bin jedoch der Meinung, daß, bei dem gegenwaͤrtigen Zustande dieses Landes und anderer Staaten, Niemand jene Bewilligungen vorenthalten sollte. Wer jetzt Europa und den drohenden Anblick der Dinge im Auge hat, der muß die Minister vollkommen rechtfertigen, wenn sie die

5

I Mitgliedes fuͤr Middleserx habe ich wenigstens nichts bemerkt, was

14 1 Militnir⸗Macht mindestens nuf den vollen Friedens⸗Etnt sehen. Sie waren dazu verpflichtet, und ich halte es fuͤr enesctäch

wenn jetzt einr heftige Diskusston in Bezug auf andere Europ sche Staaten erregt wird. Den Grund mag ich nicht naͤher an⸗ geben, doch eben jener Ruͤcksicht halber mag ich nicht dem Bei⸗

hat, springen nur allzu sehr in d merken, daß, so weit England dabei betheiligt ist, keine Dro⸗

sich werfen, auch wissen, daß unser Stillschweigen von keiner

Gleichguͤltigkeit fuͤr die Ehre oder das Interesse unseres Vater⸗

landes entspringt. (Lauter anhaltender Beifall von allen Seiten des Hauses.) Ja, der weit vorgeschritten, daß ich uͤberzeugt bin, jeder Staat, der wie⸗ derum einen ungerechten Krieg provociren sollte und der neuer⸗ dings Europa dem beklagenswerthesten aller Uebel, einem Erobe⸗

rungs⸗Kriege, preisgeben wollte, moͤgen seine Huͤlfsquellen auch

noch so groß, seine militatrische Energie noch so umfassend seyn, doch endlich als ein Opfer jener Macht der oͤffentlichen Meinung fallen muß, die uͤber Gewalt und Ehrgeiz immer zuletzt den Sieg davon traͤgt. So ist es meine feste Ueberzeugung, daß

sich gegen dasselbe verbunden haͤtten und waͤren auch Alle ohne Ausnahme gegen Frankreich aufgestanden Alle in die⸗ ser ungerechten Sache unterlegen waͤren und Frankreich aus dem Kampfe fuͤr sein Recht, sich unter solchen Umstaͤn⸗

den seinen Monarchen erwaͤhlen zu duͤrfen, siegreich hervor⸗ gegangen seyn wuͤrde. (Hoͤrt, hort!) Aber auf der andern Seite bin ich auch eben so uͤberzeugt, daß, wenn ein ungerechter Ehr⸗ geiz Frankreich in die Versuchung fuͤhren sollte, dieselbe Bahn zu befolgen, die Napoleons Sturz herbeifuͤhrte, und eine mili⸗ tairische Faction das Uebergewicht uͤber Recht und Gerechtigkeit erhielte, dann auch wieder Europa in einer gerechten Sache sich verbinden wuͤrde, und in demselben Verhaͤltnisse, wie die Macht der Intelligenz, der gesunden Begriffe und der d entlichen Mei⸗ nung jetzt noch staͤrker ist als fruͤher, wuͤrde auch das Resultat dieser Vereinigung um so maͤchtiger seyn und um so schneller V herbeigefuͤhrt werden. Iche gectebe⸗ daß ich nicht ohne Beunru⸗

higung die bedeutende Verstaͤrkung des Franzoͤsischen Heeres ver⸗ nommen und die Reden des Franzoͤsischen Finanz⸗Ministers ge⸗ lesen habe, und wenn mein edler Freund, der an der Spitze der auswaͤrtigen Angelegenheiten steht, die Versicherung er⸗ theilt, daß er keine Besorgnisse hege, so vereinige ich da⸗ mit gern die Hoffnung, daß diese Ansscht begruͤndet seyn möge. mergatßt aufrtoheigen und eifrigen Unterstuͤtzung in diesem Punkte mag die RNegierung gewiß seyn. Leid thut es mir indessen, daß sich mein edler Freund mit so vielen De⸗ tails uͤber Belgien ausgelassen hat. In der Rede des ehrenw.

eine so detaillirte Erklaͤrung nothwendig gemacht haͤtte. Nach⸗ dem aber einmal mein edler Freund so viel gesagt hat, sey es mir noch gestattet, hinzuzufügen, daß ich es danach kaum noch glauben kann, daß man, gestuͤtzt auf das Prineip der Nicht⸗Ein⸗ mischung, mich gus dem Amte verdraͤngt hat. (Hoͤrt, hoͤrt! und Beifall). Nur hinsichtlich der Reform⸗Frage denke ich anders als

die gegenwaͤrtigen Minister, und ich glaube selbst, daß, wenn die

vorigen Minister auch bei der Civil⸗Liste keine Niederlage erlitten haͤtten, die Meinung des Hauses uͤber Reform es ihnen doch sehr schwierig gemacht haben wuͤrde, die Angelegenheiten des Landes auch ferner mit Vortheil fuͤr dasselbe zu leiten. Aber sowohl uͤber Nicht⸗ Einm ceg als uͤber Ausgaben⸗Beschraͤnkung habe ich mit dem edeln Lord und seinen Freunden ganz gleich gedacht, und wenn gesagt wird, daß dieses zwei Principien von den dreien sind, die meine und meiner Freunde Entfernung aus dem Amte berbeigefuͤhrt, so beruht dies auf einem ganz ungewoͤhnli⸗ chen Mißverstaͤndnisse. Was namentlich die Nicht⸗Einmi⸗ schung betrifft, so denke ich nur sehr wenig verschieden von meinem edlen Freunde, wiewohl ich gestehen muß, daß ich selbst von Lord Castlereagh niemals die Lehre von der Ein⸗ mischung auf diese Weise auseinandersetzen hoͤrte. Nach⸗ dem ich meinen edeln Freund gehoͤrt, bin ich in der That ganz erstaunt, daß die Thronrede bei Eroͤffnung des Parlamentes elnen so begruͤndeten Unwillen erregen konnte. Ich danke meinem edeln Freunde, daß er die Ehre dieser Thronrede, wiewohl auf eine 2 seltsame Weise, gerettet hat. Wodurch haben wir, dieser

rklaͤrung zufolge, das Recht der Einmischung erlangt? Durch den ganz materiellen Umstand, das Belgien niemals ein unabhaͤn⸗ giger Staat war! Kann dieser Umstand aber in der That ein Recht der Einmischung verleihen? Die Suͤd⸗Amerikanischen Staaten sig⸗ bis vor kurzem niemals unabhaͤngig gewesen; sollte aber wohl Jemand behaupten wollen, daß dies anderen Nationen ein groͤßeres Recht uͤber die vegSi. jener Staaten ver⸗ leihe? Einen besseren Grund zur Einmischung fuͤhrte mein edler Freund im letzten Theile seiner Rede an, wo er sagt, daß, wenn das, was in einem besonderen Staate vorgehe, mit Gefahr fuͤr andere Maͤchte verknuͤpft sey, diese dann das Recht haͤtten, ihr eigenes Interesse zu schuͤtzen, indem sie in die Angelegenheiten jener gefahrdrohenden Macht sich einmischten. Mit dem, was

mein edler Freund uͤber die vorgeschlagenen Anordnungen hin⸗ vA11XA4X“

8 88 8

spiele der Abgeordneten⸗Versammlung eines maͤchtigen Nachbar⸗ Staates folgen, denn die uͤblen sfolgen⸗ die ein 8 es erchann die Augen. Nur das will ich be-

hung mir Furcht einfloͤßt oder uͤberhaupt von mir beachtet wird; moͤgen nur diejenigen, die mit solchen Drohungen um

gesunde aufgeklaͤrte Sinn ist uͤberall so

wenn, als Frankreich sich vor kurzem gegen die Ungerechtigkeiten Karls à. und seiner Regierung empoͤrte, die Europaͤischen Maͤchte

2„.

ir Allgemeinen Preußischen 2 8

, 1“

8

sichtlich der Hollaͤndisch⸗Belgischen Schuld gesagt hat, kann ich nicht uͤbereinstimmen. Das von den vervuͤndeten Maͤch⸗ ten empfohlene Abkommen mag immer ein sehr billiges seyn; wenn jedoch die Belgier ihm beizutreten sich weigern, hat England deshalb das Recht oder die Verpflichtung, sie mit Keieg zu uͤberziehen? Mein edler Freund sagt, die Verbuͤn⸗ deten haͤtten ein Recht, Belgien zur Herausgabe von Luxemburg zu zwingen, und zwar auf den Geund der allgemeinen Vertraͤge von 1.15. In der Thronrede beim Beginne der Session hat die Regierung auch nichts weiter gethan, als die Absicht zu erkennen gegeben, an diesen Verträͤgen festzuhalten, weil dies das beste Mittel sey, den Frieden von Europa zu bewahren. Wenn aber die Verbuͤndeten das Recht haben, Luxemburg von Belgien ohne RNuͤcksicht auf die Wuͤnsche des ersteren zu trennen, was wird dann aus der Lehre, daß die Voͤlker ein Recht haben, sich ihre eigene Regierung zu erwaͤhlen? Zur Ausfchließung des Herzogs von Remours hatte die Britische Regierung⸗hinreichenden Grund, denn wir dursten unmoͤglich zugeben, daß Frankreich sich unseren Ufern gegenuͤber noch mehr ausbreite und Besitz von einem Ge⸗ biecte nehme, wo es zur Zeit eines Krieges uns vielen Schaden zufuͤgen kann. Alles dies aber wird hinreichend darthun, daß die in der Thronrede geaͤußerten Grundsaͤtze von denen der jetzi⸗ gen Minister nicht viel abweichen. Ich hoffe, daß sie auch bei

Behandlung der Reform⸗Frage sich an aͤhnliche gemaͤßigte Grund⸗

saͤtze halten und um den Tadel des ehrenwerthen Mitgliedes fuͤr

Middleser und seiner Freunde sich nicht kuͤmmern werden.“

Nachdem Sir Robert Peel seinen Vortrag unter bei⸗ faͤlligen Aeußerungen des Hauses beendigt hatte, nahm Sir J. Graham das Wort, dankte dem vorigen Redner fuͤr die Gerechtigkeit, die er dem dermaligen Ministerium wider⸗ fahren lirß, suchte aber auch dessen ironische Aeußerungen, als ob die Politik der jetzigen Minister von der der vorigen gar nicht abweiche, durch Thatsachen zu widerlegen. Sir Jos. Yorke aͤußerte mit Bezug auf die Bemerkungen des Herrn Hume: „Sollte das ehrenwerthe Mitglied fuͤr Middle⸗ ser in Zeiten, wie die jetzigen, bei Gelegenheit der Armee⸗ Anschlage auf einen Untersuchunas⸗Ausschuß destehen, so wuͤrde ich unmaßgeblich einen Ausschuß de innatico inquirendo, wie sie gewoͤhnlich für Wahnsinnige ernannt werden, vor⸗ schlagen. (Gelaͤchter.) Das ehrenwerthe Mitglied ist in das Studium jener interessanten Art von Literatur, welche man gewoͤhnlich „parlamentarische Nachweise“ nennt, so sehr ver⸗ tieft, daß es uns nicht wundern darf, wenn er waͤhrend der letzten 6 Monate keine Zeit gehabr hat, auch einmal die Zei⸗ tungen zu lesen; denn haͤtte er dies gethan, so wuͤrde er auch die Nothwendigkeit einsehen, das Land in Ver⸗ theidigungs⸗Zustand zu setzen. Er will, daß die Regierung jede Art von Gefahr von uns abwende, und doch soll sie um die Angelegenheiten anderer Lander sich nicht bekuͤmmern. Bald ader wuͤrde die Frage nicht sowohl noch heißen: „Duͤr⸗ fen wir bei Anderen uns einmischen?“ als: „Werden Andere nicht bei uns interveniren?“ Hat man nicht die Hollaͤndisch⸗ Belgische Angelegenheit der Englisch⸗Irtaͤndischen schon ge⸗ genuͤbergestellt? Wenn Lehren solcher Aet verbreitet werden, ist es wahrlich nicht an der Zeit, mit den Ausgaben fuͤr den Militair⸗Etat geizen zu wollen.’“ Der uͤbrige Theil der heutigen Debatte, an der noch die Herren R Grant, O'Gorman Mahon, North und Sir G. Murray Theil nahmen, bezog sich fast nur auf Irland (den Ausgang derselben haben wir bereirs gestern mitgetheilt).

In der Sitzung des Oberhauses vom 21. Febr. kam Graf Grey auf die don Lord Abe deen kuͤrzlich vorgelegte Frage hinsichtlich der Angelegenheiten Griechenlands zu⸗ ruͤck.*) Es haͤrten, sagte er, uͤber eine Erweiterung der Graͤnzen dieses Staates wohl Mirtheibungen srattgefun⸗ den, doch seyen diese bisher noch nicht so weit gediehen, daß man sie Unterhandlungen nennen köͤnne; was aber in der Folge noch daraus entstehen duͤrfte, sey jetzt nicht au der Zeit zu eroͤrtern. „Ich wiederhole nur¹, fuhr er fort, „daß ich die eingegangenen Verpflichtungen zwar als guͤltig und bindend ansehe, jedoch nicht, wie der edie Lord sie anzusehen scheint, als unabaoͤnder lich. Ich glaube vietmehr, man toͤnne sie nach dem gegenseitigen Beduͤtfmsse und mit der Zustim⸗ mung aller dabei betheiligten Parteien modifiziren, ohne deshalb einer derselben eine Aenderung auf dringen zu wollen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Dies ist im Allgemeinen meine Ansicht, wozu ich noch bemerke, daß ich eine Erweiterung der Griechi⸗ schen Graͤnzen als foͤrderlich fuͤr die Sicherheit des neuen Staates und desha’b auch fuͤr den allgemeinen Frieden und die Sicherheit der Welt halte.“ Graf v. Aberdeen er⸗

») Vergl. Nr. 59 der Stgats⸗Zeituug.

klaͤrte sich durch diese Erwiederung befriedigt, bat jedoch, be⸗

vor man eine wirkliche Unterhandlung anknuͤpfe, die bestehende

Verpflichtung, die er nicht sowohl fuͤr unabaͤnderlich als eben

so bindend wie irgend eine andere halte, genau zu untersu⸗

chen. Viscount Strangford brachte ngerüadtgterma⸗ 3 ßen die Handels⸗Verhaäͤltnisse mit Portugal zur

Sprache. Er habe, sagte er, ein besonderes Interesse fuͤr

dieses Land, in welchem er mehrere Jahre gelebt habe, und

koͤnne es nicht gleichguͤltig mit ansehen, wenn man Maaßregeln

einfuͤhren wolle, die eben so dem Interesse Portugals, als

den bestehenden Vertraͤgen zuwider seyen. Zu diesen Maaßre

geln zaͤhle er die im Budget vorgeschlagene Gleichstellung der

Abgabe von allen fremden Weinen; waͤhrend es in dem

mit Portugal fruͤher abgeschlossenen Vertrag von Methuen

heiße, daß Portugiesische Weine ein Drittel weniger bezahlen

sollten, als Franzoͤsische, wogegen Portugal die Britischen

Wollen⸗Waaren ebenfalls zu einem niedrigeren Zoll⸗Verhaͤlte⸗ nisse als andere ausläͤndische Wollen⸗Fabrikate zulasse. Er trug demnach auf Vorlegung aller zwischen Großbritanien und Portugal destehenden Vertraͤge u. s. w., so wie auf Ab⸗ schriften der Instructionen an, die seit dem 30. Nov. 1830 den Befehlshabern der an der Portugiesischen Kuͤste befind⸗ lichen Englischen Flotte zugesandt worden. Lord Gode⸗ rich suchte die Regierung gegen die Anschuldigung zu vertheidigen, als habe sie einen mit Portugal eingegangenen Vertrag gebrochen. Es heiße vielmehr in demselben, daß es, wenn England sich nicht mehr bewogen finden sollte, die Portugiesischen Weine zu einem niedrigeren Zolle einzulassen, dem Koͤnig von Portugal auch freistaͤnde, die Stipulation in Bezug auf die Wollen⸗Waaren aufzuheben. Lord Ellen⸗ borough schloß sich den Bemerkungen des Lord Strangford an, indem er noch andere Vertraͤge mit Portugal in Erin⸗ nerung brachte. Der Lord⸗Kanzler suchte dagegen in einer ausfuͤhrlichen Rede nachzuweisen, daß die Regierung durch nichts gebunden sey, eine Maaßregel, wie die angeregte, nicht zu nehmen. „Ich wuͤrde“, sagte er, „lieber meine rechte Hand mir abhauen lassen, als in eine Maaßregel gewilligt haben, die nur im Geringsten die Ehre des Landes und der Krone oder den rechtlichen Charakter der Regierung und des Par⸗ lamentes kompromittiren wuͤrde.“ Der Herzog v. Welling⸗ ton bezeichnete die Art, wie der Lord⸗Kanzler (Brougham) die Maaßregel der Regierung vertheidige, als advokatenmaͤ⸗ ßig und meinte, die Minister haͤtten eben so den Traktat von Methuen vernachlaͤssigt, wie sie mehrere andere Dinge ver⸗ nachlaͤssigt haͤtten, bloß um recht fruͤhzeitig im Parlamente mit angeblichen Verbesserungen auftreten zu koͤnnen. Sey auch der Traktat von Methuen widerruflich, so haͤtte man doch der Portugiesischen Regierung zeitig genug die Anzeige machen muͤssen, daß die Britische ihn annulliren wolle. Um etwa eine Revenue von 100,000 Pfd. mehr zu erhalten, gebe man die Handels⸗Verhaͤltnisse mit einem Lande auf, nach welchem

nem andern Lande von Europa, Deutschland allein ausge⸗ nommen. Die Britischen Ausfuhren nach der Pyrenäͤischen Halbinsel betruͤgen der Gesammt⸗Ausfuhr nach dem Euro⸗ paͤischen Kontinente, waͤhrend der Handel mit Frank⸗ reich, zu dessen Gunsten man jene Abaͤnderung treffe, kaum v1. des Handels mit der Pyrenälschen Halbinsel be⸗ trage. die Anspruͤche Dom Miguels und der Donna Maria hier nicht auslassen, denn dies ist nicht die paffende Gelegenheit dazu; aber meine entschiedene Meinung will ich doch abgeben, daß Portugals Freundschaft unserem Lande 8% wendig sey. Begeht man, um einer Revenue von 100, Pfd. halber, einen Treubruch gegen Portugal und beraubt dieses Land des Weinhandels mit uns, so daß es zu Repres⸗ salien seine Zuflucht nimmt, so machen wir dadurch zugleich einen der aͤrgsten politischen Fehler, der seit vielen Jahren began⸗ gen worden ist.“ Lord King und schließlich Graf Grey antworteten auf diese Bemerkungen, wonaͤchst der Antrag des Lord Strangford auf Vorlegung der Papiere, mit Ausnahme gewisser Instructionen, zugestanden wurde. 1 Im Unterhause rechtfertigte sich Sir J. Graham wegen des Ausdruckes „Demagogen“, den er in der 2 Sitzung gebrauchte, als die Rede von Irland gewesen. Hr. O'Gormman Mahon hatte diesen Ausdruck naͤmlich auf sich bezogen und den ersten Lord der Admiralitaͤt (Sir J. Gra⸗ ham) durch den Capitain Macnamara um eine Erklaͤrung

bitten lassen. Durch Vermittelung dieses Copitains und des

Großbritanien mehr Waaren einfuͤhre, als nach irgend ei⸗

„Ich will mich,“ sagte der Herzog ferner, „uͤber