DBenvenuti gefaͤnglich eingebracht; die Insurgenten hatten
sich seiner Person zu Osimo, wovon er Bischof ist, bemaͤch⸗ tigt, und beschuldigten ihn, daß er von Rom mit großen Geldsummen und einer Instruction zu Organisirung einer
Gegen⸗Revolution nach den insurgirten Provinzen abgeschickt
vorden sey.“ 1
— Nachrichten aus Bologna vom 15. Febr. (in der
Gazzetta di Venezia) zufolge, waren an die Stelle des Pro⸗ fessors Orioli, der Advokaten Ant. Zannolini und Ant. Sil⸗ vani, dann des Conte Cesare Bianchetti, welche im Begriff standen, in wichtigen Sendungen abzureisen, vier andere In⸗ Zividuen der dortigen revolutionnairen Regüerungs⸗Behörde provisorisch beigegeben worden.
In späteren Nachrichten aus Bologna vom 19. Febr. (gleichfalls in der Gazzetta di Venezia) heißt es: „Die pro⸗ visorische Regierung zeigt offiziell an, daß die Stadt und das Fort St. Leo mit 40 Kanonen sich den Truppen der Stadt Bologna unter Kommando des Obersten Sercognani erge⸗ den habe, und daß hierbei 28 Staatsgefangene, die in diesem Fort saßen, losgelassen worden sind. Die Stadt und Festung Ankona standen am 18ten auf dem Punkte, zu kapituliren. (Die Capitulation soll, wie der Oestexreichische Beobachter meldet, spaͤteren Nachrichten zufolge, wirklich erfolgt seyn.)
Auch die Einwohner von Cento ünd Pisve haben sich der
28 id, 10. Febr. Schon seit mehreren Mona⸗ gen beschaͤftigen sich, wie verlautet, die Koͤnigl. Staats⸗Minister, mit Zuziehung des Geyeral⸗Direktors des oͤffentlichen Schaz⸗ zes und der Contadores de Valores y de Distribucion, um 8 mit den hinsichtlich der Unantastbarkeit der geistlichen üter angenommenen Grundsaͤtzen uͤbereinstimmendes Mit⸗
del ausfindig zu machen, wie den Geldbeduͤrfnissen des Staats abhgeholfen werden koͤnne. Da dieser Umstand das Publi⸗ kum im hoͤchsten Grade interessirt, so sind auch die Konjektu⸗ rven unzoͤhlig, welche in dieser Hinsicht gebildet werden. Man sfpricht von einer bedeutenden Erhoͤhung der Abgaben, die in Beziehung auf den Ackerbau jedoch unter den dermaligen NKnstaͤnden schwerlich moͤglich seyn duͤrfte. Andere sind der Mieinung, daß alle Gehalte um 10, 15 bis 20 pCt. herabge⸗ fetzt werden sollten, Andere, daß die sich auf 100 Millionen belaufende Summe, welche die Koͤnigl. Freiwilligen jaͤhrlich der Nation kosten (welche Summe durch erhoͤheten Thorzoll auf Gegenstaͤnde der ersten Beduͤrfnisse aufgebracht wird) — zu anderen Zwecken angewendet werden solle; noch Andere meinen, daß der Ueberrest der unter der Benennung from⸗
mer Stiftungen begriffenen Besitzthuͤmer und Guͤter, davon
ein Theil zu Zeiten des Friedensfuͤrsten Don Manuel de Ga⸗ doy öoͤffentlich versteigert und zu hoͤchst niedrigen Preisen ver⸗ schleudert wurde, an den Meistbietenden verkauft werden follte; Andere endlich, daß der unverkauft gebliebene Theil des Siehentheils aller Klosterguͤter, zu dessen Veräͤußerung die Spanische Krone mittelst einer Bulle Pius VI. befugt worden war, jetzt auf das vortheilhafteste verkauft werden muͤßte und so weiter. — Bei mehreren Gelegenhei⸗ ten hat die Lotterie⸗Kasse den General⸗Schatzmeister Leeaeber Verlegenheit gezogen. Die Lotterie⸗Kasse hat naͤm⸗ lich jaͤhrlich 10 Mill. Realen in den General⸗Schatz abzu⸗ fuͤhren. Zu Ende Dezember v. J. jedoch fand sich der Ge⸗ neral⸗Direktor des Schatzes bewogen, sich mehrere Millionen im Voraus von der Lotterie zahlen zu lassen, um mehrere dringende Ausgaben, namentlich Gehaltszahlungen der Mit⸗ glieder des „ 0 Rathes, zu bestreiten. Fuͤr aͤhnliche Faͤlle ist nun von dem General⸗Direktor ein Abkommen mit der General⸗Lotterie⸗Direction getroffen worden, daß Ersterer auf Letztere mehrere Millionen in Wechseln drei Monat nach Datop zahlbar zieht, solche mit der Aecceptation versehen laͤßt und negoziirt und zur Verfallszeit wiederum einloͤst und auch renovirt. — Von Seiten der betreffenden Behoͤrde ist bei dem Finanz⸗Ministerium der Vorschlag eingereicht worden, zinen Ausfuhrzoll auf Blei und Bleierz zu legen. ““
1“ Portugal. s v
„Englische Blaͤtter bringen folgende Nachrichten aus Lissabon bis zum 12. Febr.: „Am 8ten bei Anbruch des Tages sah man in der Naͤhe der Kasernen der Garnison von Lissabon einige Raketen in die Luft steigen. Bald darauf zeigten sich bei der gewoͤhnlichen Musterung der Truppen einzelne aufruͤhrerische Bewegungen unter den gemeinen Sol⸗ daten, die aber bald aufhoͤrten, indem die Insurgenten sich aberzeugten, daß sie verrathen waren, und daß man bereits Anstalten gegen sie getroffen hatte. In der That war ihr, wie man sagt, sehr wohlgeordneter Plan der Regierung be⸗
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suln foͤrmlich protestirt.“ “ 88 9 4 8
Versuch im Keime erstickt. sonen, die man auf den Straßen antraf, und mehrere in der Nachbarschaft der Kasernen wohnende Individuen verhaftet.
Unter diesen befand sich auch ein alter Franzoͤsischer Brauer,
Namens Souvinet, ein allgemein geachteter Mann, der ruhig in seinem Bette lag, mit allen seinen Leuten. Dom Miguel hat 2 Kommissionen fuͤr Lissabon und Porto ernannt, um alle Personen zu verhoͤren und zu verurtheilen, die sich in genannten beiden Staͤdten und in einem Umkreise von 5 Mei⸗ len um dieselben als mit der Regierung Unzufriedene bekannt gemacht haben. haben, wie es heißt, alle in Lissabon befindliche fremde Kon⸗
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Die Allgemeine Zeitung giebt folgendes Schreiben aus Konstantinopel vom 6. Februar: „Es hat sich hier
nichts zugetragen, das bei den großen Ereignissen in Westen und Norden von Europa noch Aufmerksamkeit verdiente. Die Pforte scheint sich mit diesen fast ausschließend zu be⸗
schaͤftigen, und uͤber die Befestigung der neuen Regierung in Frankreich, so wie uͤber den Ausgang der Polnischen Revo⸗ G
lution, alle eingehende Nachrichten begierig aufzusammeln.
Sie hat den hier befindlichen oder anlangenden Fremden es
zur Pflicht gemacht, alle an sie eingehende Briefe dem Reis⸗ Efendi mitzutheilen und ihn von Allem zu unterrichten, was uͤber politische Ereignisse zu ihrer Keuntniß kommt. Um aber nicht hintergangen zu werden, oder sich nicht wichtige Mittheilungen entzogen zu sehen, hat sie ein eigenes Tri⸗ bunal errichtet, das die Fremden unter Aufsicht haͤlt und sich mit ihnen allein zu beschaͤftigen hat. Eigentlich ist dies eine Art von Inquisition, die, wie es scheint, durch auswaͤr⸗ tigen Einfluß eingefuͤhrt wurde, damit die Regierung von allen etwanigen ihr gefaͤhrlichen Umtrieben in Kenntniß ge⸗ setzt und vor deren Folgen gewarnt wuͤrde. Denn seit der Franzoͤsischen Revolution, der bald die Belgisch
nicht mit Unrecht), welche den Voͤlkern, Aufruhr predi⸗ gen. In Asien zeigen sich wirklich Umtriebe zur Stoͤrung der oͤffentlichen Ruhe und zur Aufwiegelung des Volkes, die, wie man behaupten will, von einigen Englaͤndern gelei⸗ tet werden, und denen man auf der Spur ist. Sir Robert Gordon scheint indessen seinen Landsleuten wenig Schutz zu versprechen, wenn sie auf einem Verbrechen dieser Art ergrif⸗ fen wuͤrden, und Graf Gutlleminot beobachtet bei jeder Ge⸗ legenheit die seinem Charakter angemessene Zuruͤckhaltung, so daß seine Landsleute nicht auf ihn rechnen duͤrften, wenn sie die Gastfreundschaft und den Schutz in dem Ottomani⸗ schen Reiche durch Umsturz oder Gefaͤhrdung von dessen Re⸗ gierung zu vergelten sich beigehen ließen. Der Einfluß des Russischen Botschafters ist noch sehr groß, und die Pforte zeigt seit dem letzten Feldzuge eine hohe Achtung fuͤr Ruß⸗ land und dessen maͤchtigen Kaiser. Sie bemuͤht sich aber zu⸗ gleich, die Zuneigung ihrer christlichen Unterthanen durch Nachsicht und allerlei Konzessionen zu gewinnen, und beob⸗ achtet ein System der Milde gegen sie, um sich nach und nach den moralischen Einfluß zuzueignen, den Rußland bisher uͤberwiegend auf sie ausuͤbte. So hat die Pforte unter Anderm befohlen, die fuͤr den Staatsschatz bestimmten Summen der Paschas von Bulgarien, Albanien und Rumelien, zur Unter⸗ stuͤtzung der christlichen Voͤlkerschaften jener Provinzen dem Fuͤrsten Milosch zu verabfolgen; man schaͤtzt deren Gesammt⸗ betrag auf drei Millionen Tuͤrkische Piaster. Im See⸗Ar⸗ senal wird stark gearbeitet und die Organisation der Land⸗ Armee eifrig betrieben.“ 1“ 1 . 1 Griechenland.
Die Allgemeine Zeitung meldet in einem Privat⸗ Schreiben ans Muͤnchen, vom 22. Febr.: „Wir haben Nach⸗ richten aus Aegina und Nauplia uͤber Griechenland, die bis zur Mitte Dezembers reichen. Die aͤußere Ruhe war, Dank sey es der Gegenwart der Franzosen und dem Benehmen des Praͤsidenten, nicht gestoͤrt worden; die Parteien zwar in Be⸗ wegung, aber ohne Kraft. Das Volk hat jetzt fast uͤberall sich zu naͤhren und zu kleiden. Es ist von einer exemplari⸗ schen Folgsamkeit, Maͤßigkeit und Arbeitsamkeit, und der un⸗ ruhige Ehrgeiz mißvergnuͤgter Archonten, Kapitani's und zahl⸗ loser Abenteurer und Taugenichtse aller Nationen und Klas⸗ sen hat nun Gelegenheit, sich in den Kaffeehaͤusern und im Courrier von Smyrna Luft zu machen, was er auch eben so ungestoͤrt wie ungenirt thut. Die Mittel der Regierung sind zwar geordnet, aber gegen ihr Beduͤrfniß noch schwach, und aus Mangel an kraͤftiger Unterstuͤtzung leiden der oͤffentliche
111““ fc “ “ 1 kannt geworden. In Folge dessen wurde gleich der erste
Bald darauf wurden alle Per⸗ 2 1
Gegen die Errichtung dieser Kommissionen
folgte, will man uͤberall Emissaire erblicken (und zum Theil wohl
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Dienst, der Handel, die Industrie, so auch der öffentliche Unterricht. Es fehlte in den Schulen fast an Allem, außer an dem guten Willen und der Gelehrigkeit der Schuͤler.
Seeit zwoͤlf Monaten hat der Praͤsident ungefaͤhr 4½ Mil⸗
lionen Franken eingenommen. Dazu kommen die spaͤrli⸗ chen Subsidien der drei Maͤchte, so daß er eben im Stande
sist, im Peloponnes, auf den Inseln und im Norden Ordnung
zu halten. Auf Attika, Boͤotien und die angraͤnzenden Laͤn⸗ der hat die Regierung leider ihre Huͤlfe noch nicht ausdeh⸗ nen koͤnnen, und diese Laͤnder leben so zu sagen in einer gnarchischen Ruhe. Die Tuͤrken sitzen noch unbeweglich auf der Akropolis, haben das Fort neulich wieder frisch verpro⸗ viantirt und die Besatzung gewechselt. Eine Nachricht von doöoort schließt mit den Worten: „ „Moͤchten doch die drei Maäͤchte, welche Griechenland auf halbem Wege zu seiner Un⸗ ab9haͤngigkeit liegen gelassen, durch ihre anderen allerdings drin⸗ genden Geschaͤfte nicht laͤnger abgehalten werden, ihr Werk zu vollenden, und unser Gebiet durch die zugesagte Erweite⸗ rung der Graͤnzen, die Wahl eines Fuͤrsten und die Garan⸗ tie einer Anleihe endlich einmal feststellen. Es ist weder ihrer Wuͤrde noch ihrem Vortheile gemaͤß, uns in diesem Zustande zu lassen, den in diesem vulkanischen Orient eine jede zufaͤl⸗ lige Erschuͤtterung umstoßen und mit der Arbeit so vieler Jahre vernichten kann, um mit neuer Anarchie neue Ver⸗ wickelungen und Schwierigkeiten fuͤr Europa und fuͤr uns
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Berlin, 4. März. Zu Koͤnigsberg wurde am 27sten v. M. der vierte Provinzial⸗Landtag von Ost⸗ und West⸗ preußen mit den gewoͤhnlichen Feierlichkeiten eroͤffnet. Die Herren Deputirten der drei Staͤnde wohnten in den Kirchen ihrer Konfession dem Gottesdienste bei, dem in der Schloß⸗ kirche der Herr Erzbischof von Borowski durch eine salbungs⸗ reiche Predigt erhoͤhte Feierlichkeit gab. Demnaͤchst begaben sich die Herren Deputirten in das General⸗Landschaftshaus, wo⸗ selbst der Koͤnigl. Kommissarius, wirkl. Geh. Rath und Ober⸗Praͤ⸗ sident v. Schoͤn, Excell., den Landtag eroͤffnete und dem Landtags⸗ Marschall die von des Konigs Majestaͤt vollzogenen Land⸗ tags⸗Propositionen uͤbergab. Bei Sr. Excellenz dem ge⸗ nannten Koͤnigl. Kommissarius waren demnaͤchst saͤmmtliche Deputirte zu einem Mittagsmahle vereinigt, zu welchem auch die ersten Militair⸗ und Civil⸗Beamten der Stadt ein⸗ geladen waren. Abends wurde im Theater zur Feier des Tages das vaterlaͤndisch geschichtliche Trauerspiel vom Frei⸗ herrn v. Eichendorf: „Der letzte Held von Marienburg“, zum erstenmale aufgefuͤhrt.
— Aus Frankfurta. d. O. vom 1. Maͤrz schreibt man: „Die schon eingetretenen und noch befuͤrchteten politischen Er⸗ eignisse haben, wie zu erwarten war, auf den Ausfall der gegenwaͤrtigen hiesigen Reminiscere⸗Messe den wesentlichsten Einfluß ausgeuͤbt. Der ausgebrochene Kampf in Polen hat fast alle Einkaͤufer von dort und aus den benmchbarten Rus⸗ sischen Provinzen abgehalten, hierher zu kommen, und bei der fuͤr Handels⸗Speculationen unguͤnstigen Lage der Dinge im suͤdlichen Deutschland, sind auch die gewoͤhnlichen Kaͤufer aus diesen Gegenden ausgeblieben, so daß der Meßhandel sich fast allein auf den Bedarf des Inlandes beschraͤnkt hat. Au⸗ berdem haben die neuen Waaren aus entfernten Fabrikplaͤtzen bei der jetzigen Jahreszeit noch nicht zu dem Meßplatz ge⸗ langen koͤnnen, und man zieht es daher vor, diese auf der naͤchsten Naumburger Messe zu erwarten, weshalb die Ver⸗ legung der letzteren wohl der hiesigen Fruͤhjahrs⸗Messe einen bleibenden Nachtheil zufuͤgen moͤchte. Der Eingang an frem⸗ den sowohl als inlaäͤndischen Waaren ist gegen die Reminiscere⸗ Messe des vorigen Jahres in der Menge nicht zuruͤckgeblie⸗ ben, aber nur in einigen Artikeln ist der Absatz zufriedenstel⸗ lend gewesen. Inlaͤndische ordinaire Tuche haben, wiewohl zu niedrigen Preisen, guten Absatz gefunden, und auch in feinen Tuchen ist derselbe nicht ganz unguͤnstig gewesen. An Leder ist, zu erhoͤhten Preisen, die hergebrachte Quantitaͤt aus dem In⸗ und Auslande fast gaͤnzlich und schnell ver⸗ kauft worden. Groͤbere Leinwand fand einen starken Absatz, in feineren Waaren aus Leinen aber wurden nur geringe Geschaͤfte gemacht. In wollenen Zeug⸗Waaren, so wie in baumwollenen, seidenen und halbseidenen Waaren, war der Verkehr nur mittelmaäͤßig und zum Theil gering. Von kur⸗ zen Waaren wurde nur das dringendere Beduͤrfniß befriedigt, und Luxus⸗Artikel sind nur sehr wenig begehrt worden. Die⸗ ses Verhaͤltniß trat auch bei den Glas⸗Waaren, Porzellan, Eisen⸗ und Stahl⸗Waaren ein. Dagegen wurden die bedeu⸗ tenden Quantitaͤten an rohen Produkten, besonders an rohen Haͤuten und Fellen, so wie an Wolle, ganz und schnell, letz⸗ tere auch zu erhoͤhten Preisen verkauft. Weniger Nachfrage
* 8 2
ce¹]; erfuhren Bettfedern und Feberposen, so wie rohrs Wachs und Schweineborsten. Der Pferdemarkt war zwar ziemlich stark besetzt, es wurden aber Luxus⸗Pferde nur sehr wenige, und auch die von geringerer Aualitaͤt nicht in bedeutender Menge und zu mittelmaͤßigen Preisen abgesetzt. Baares Silbergeld war viel auf dem Platz, der Diskonto hielt sich auf 3 ½ pCt., und es fehlte an Wechseln. In auslaͤndischen Wechseln ist groͤßerer Verkehr gewesen, die Preußischen Kassen⸗Anweisun⸗ gen aber wurden fuͤr Danzig und Koͤnigsberg und selbst fuͤr das benachbarte Ausland gesucht. In Fonds war gar kein Umsatz. Fallissemente sind, außer dem eines nicht bedeuten⸗
Tuch⸗Fabrikanten aus Guben, bis heute nicht vorge⸗
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Zu dem Aufsatz „uͤber das neue Franzoͤsische As⸗ sisen⸗Gesetz“ in Nr. 48 der Staats⸗Zeitung.
Sehr dankenswerth ist das Résumé, welches der Herr Refe⸗ rent von den bisherigen Debatten uͤber den Entwurf des neuen Franzoͤsischen Asstsen⸗Gesetzes gegeben hat, die in einzelnen Zei⸗ tungsblaͤttern zerstreut, in den Deutschen Zeitungen verstuͤmmelt und in den Franzoͤsischen außerhalb Berlin nicht Jedermann zu⸗ gaͤnglich sind, der daran Interesse sfindet. 1
„Mehr der Wunsch, durch Anerkennung dieser Verdienstlich⸗ keit dem Herrn Referenten die Ueberzeugung zu gewaͤhren, daß er zu einem nicht theilnahmelosen Publikum rede, als die Eitel⸗ keit des Besserwissenwollens, veranlaßt den Unterzeichneten, sich jum Korreferenten aufzuwerfen.
„Auf die Ansicht des Herrn Referenten von den Geschwornen⸗ erichten uͤberhaupt, als einer durch den Begriff der Rechtspflege uͤr alle civilisirte Nationen geforderten Institution,*) werden wir ein anderes Mal zuruͤckkömmen. Dem geschichtlichen Vor⸗
trage uͤber den Inhalt der Debatten in der Franzoͤsischen Depu⸗ tirten⸗Kammer finde ich nichts Wesentliches hinzuzusetzen; in der Beurtheilung länbe ich aber von dem Standpunkte der heutigen Franzoͤsischen Bildung ausgehen zu muͤssen, die ihre Befriedigung in legislativer Hinsicht nicht in dem Festhalten ererbter Institu⸗ tiogen, und in administrativer Hinsicht nicht in der Autoritaͤt der Beamten oder uͤberhaupt in irgend einem substantiellen Zu⸗ trauen findet, sondern uͤberall mit ihrer Einsicht dabei seyn will, welche sich in den Schranken des reflektirenden Verstandes bewegt.
Dieser Thaͤtigkeit des reflektirenden Verstandes, dem die letzte Begruͤndung seiner Axiome unerreichbar bleibt, konnte der Widerspruch nicht entgehen, welcher darin lag, daß nach der bisherigen Assisen⸗Verfassung, bloß damit entschieden werde, mit Beiseitsetzung der ganzen Eigen⸗ thuͤmlichkeit des Geschwornen⸗Gerichtes, die Richter unter Um⸗ staͤnden mit den Geschwornen in ein Kollegium zusammentraten und dann sogar durch eine Minoritaͤt den Ausschlag gaben.
Der neue Gesetz⸗Entwurf, insoweit er nunmehr von beiden Kammern angenommen ist, setzt die Geschwornen in die ihnen zukommende ausschließliche Befugniß ein, uͤber das Faktum zu entscheiden. In der Billigung dieser Bestimmung kann ich dem Hrn. Referenten nur beitreten; nicht so in der apodiktischen For⸗ derung der Unanimitaͤt in den Entscheidungen der Jury.
Die abstrakt subjektive Form der Unanimitaͤt in den Ent⸗ scheidungen des Englichen Geschwornen⸗Gerichts wollen die Franzosen nicht, und mit Recht von ihrem Standpunkte aus. Sie verlangen auch von dem einzelnen Geschwornen, daß er sein Urtheil objektiv, fuͤr die anderen Geschwornen durch Gruͤnde gel⸗ tend und uͤberzeugend mache. Dies ist darin ausgedruͤckt, daß in der Berathung der Geschwornen Stimmen⸗Mehrheit den Ausschlag geben, also ein Austausch der Ansichten und Gruͤnde
dem Beschlat vorhergegangen seyn soll, der zwar von der Be⸗ rathung der Englichen Geschwornen nicht ausgeschlossen ist, aber bei dem Zwange der Unanimitaͤt durch Beschraͤnktheit, Eigensinn 8 . Willen eines Einzelnen ganz unwirksam gemacht wer⸗
en kann. 8 Herr Referent selbst will den Geschwornen die Befugniß einraͤumen, unter sich die Stimmen⸗Mehrheit gelten zu lassen. Es ist nicht abzusehen, warum diese Befugniß nicht als Geset auss e nehe und dann auch gesetzlichen Schranken unterworfen werden soll, warum man vielmehr die Luͤge der Unanimitaͤt füär die hoͤhere Wahrheit (vere dictum) ausgeben will. E
Die Zahl 12 bei der Formirung der Geschwornen⸗Gerichte erscheint zunaͤchst traditionell, ohne eigne innere Nothwendigkeit, nur in der Mehrheit die Subjektivitat des Willens und die Zu⸗ faͤlligkeit der Einsicht des Einzelnen aufhbebend. — Von der For⸗-⸗ berung einer Entscheidung durch Stimmen⸗Mehrheit asgegan⸗
en, liegt aber eine Sinnigkeit darin, daß nach dem Gesetzes⸗Vor⸗ schlag, auf welchen die Pairs⸗Kammer mit Verwerfung des Amendements der Deputirten⸗Kammer zuruͤckgegangen ist, eine Mehrheit von wenigstens : gegen zur Bedingung gemacht wird, um das Schuldig auszusprechen; denn wenn mit der Gerechtig⸗ keit eben so wenig vereinbar ist, einen Schuldigen freizusprechen, als einen Unschuldigen zu verurtheilen, so darß man nicht ver⸗ gessen, daß die Schuld erwiesen werden muß und bei Verschie⸗
denheit der Meinungen uͤber die Vollstaͤndigkeit dieses Beweises
villig nicht ein Geringerer den Ausschlag zu geben hat, als die sich zunaͤchst gleichstehenden Opponenten, so daß in Ermangelung