Bewohner derselben, alle Waffen, welche bei der T
rung von Verwundeten verloren gingen und von ihnen ge⸗ funden wuͤrden, augenblicklich an den Generalstab abzuliefern; wer dies nicht thaͤte, solle als Verbrecher gegen die Sicher⸗ heit des Landes betrachtet und vor das Kriegsgericht gezogen werden. Außerdem sey zu seiner Kenntniß gekommen, daß sich in den Haͤusern der Hauptstadt eine bebeutende Anzahl Marodeurs verborgen halte; er warne daher alle Buͤrger, indem er ihnen bekannt mache, daß, wer einen gesunden Mi⸗ litär aus den Linien⸗Regimentern verberge, als ein uͤbelge⸗ finnter, dem oͤffentlichen Wohl schaͤdlicher Buͤrger betrachtet und zu persoͤnlicher Verantwortlichkeit gezogen werden solle. In der Polnischen Zeitung befindet sich ein einge⸗ sandter Artikel, worin ein Buͤrger daruͤber Klage fuͤhrt, daß er fuͤr seinen verwundeten Sohn keine Huͤlfe in Warschau habe finden koͤnnen. Sobald dieser in die Stadt gebracht worden, habe er sich zu mehreren Aerzten begeben und dar⸗ auf, da alle in den Lazarethen beschaͤftigt gewesen, zu einem ihm bekannten Dokrtor Niedzielski. „Ich traf denselben“, heißt es weiter, „bei einem Gastmahl. Auf mein Flehen, — denn ich flehte ihn als Vater an, obgleich ich es nicht noͤthig hatte, um seine Dienste zu betteln, da ich, Gott sey Dank, seine Forderungen befriedigen konnte und ihm gern mehr ge⸗ geben haͤtte, als er forderte, — auf mein Flehen antwortete er, er sey ermuͤdet, „„schicken Sie morgen ihren Sohn in den Kossowskischen Palast, da werde ich nach seiner Wunde se⸗ hen.“% Keine Bitten, nicht die Vorstellung der dringend⸗ sten Gefahr vermochten etwas uͤber ihn. Seht da einen wuͤrdigen Polen, einen seinen Beruf ehrenden Arzt! Mit Schmerz mache ich diese That bekannt; aber die Welt soll wissen, was fuͤr Entartete wir noch unter uns haben, die 558 Beruf, dem Namen Polen und der Menschheit Schmach ringen. ,
Die Steuerpflichtigen von Warschau und Praga werden unterm 22ͤsten v. M. von dem Municipalrath ermahnt, die erste Rate der gewoͤhnlichen und erhoͤhten Rauchfangs⸗Steuer vom 3. Maͤrz bis zum Ende dieses Monats regelmaͤßig zu entrichten, widrigenfalls sie es sich selbst zuzuschreiben haͤtten, wenn man sich zu Executions⸗Maaßregeln genoͤthigt saͤhe.
Die Polnische Bank hat gestern bekannt gemacht, daß, zufolge der fruͤheren Anzeige, heute um 10 Uhr Vormittags in ihrem Bureau reglementsmaͤßig die Nummern⸗Ziehung derjenigen Serie der Partial⸗Obligationen stattfindet, deren Verlosung, nach dem Plan der Anleihe von 42 Millionen, am 15. Maͤrz d. J. erfolgen soll.
— — Von der Polnischen Graͤnze, den 2. Mäarz. Nach Privat⸗Nachrichten aus Warschau ist die Russische Armee groͤßtentheils nach Plock, ein Theil nach Gora mar⸗ schirt, und vor Warschau ist nur ein Observations⸗Corps zu⸗ ruͤckgeblieben. Man haͤlt die Truͤmmer der Polnischen Armee nicht mehr fuͤr stark genug, um noch einmal eine offene Feld⸗ schlacht annehmen zu koͤnnen. Der Wille der Buͤrgerschaft, die Stadt nicht der Zerstoͤrung preiszugeben, spricht sich, jenen Nachrichten zufolge, immer lauter aus; die herrschende Partei der Exaltirten scheint es aber aufs Aeußerste kommen lassen zu wollen und findet eine große Stuͤtze in der Anwe⸗ 111“
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annover, 1. Maͤrz. Se. Koͤnigl. Maäjestaͤt haben
Sr. Erlaucht dem regierenden Grafen von Castell, Sr.
Durchlaucht dem Fuͤrsten Franz zu Hohenlohe⸗Schillingsfuͤrst
und Sr. Durchlaucht dem regierenden Fuͤrsten von Thurn
und Taxis das Großkreuz des Guelphen⸗Ordens und dem
Kammerrath Grafen von der Schulenburg⸗Wolfsburg das Commandeur⸗Kreuz desselben Ordens zu verleihen geruht.
Die, nach den Befehlen Sr. Majestaͤt in der hiesigen Residenz zu etablirende hoͤhere Gewerb⸗Schule wird, fuͤr alle bei selbiger zu lehrende Disciplinen, am 3. Okt. d. J. eroͤff⸗ net werden. Faw⸗
Denjenigen Kontribuenten, welche die Grundsteuer bis⸗ her zu voll eingezahlt haben, soll, zufolge der Bekanntmachung des Ober⸗Steuer⸗Kollegiums vom 21. Febr., die nach der Koͤ⸗ niglichen Verordnung vom 5. Juli v. J. ihnen zukommende Verguͤtung des zehnten Theils der Sceuer vom Ackerlande fuͤr das ganze Rechnungsjahr vom 1. Juli 1830 bis dahin 1831 im Monat April d. J. bei Einzahlung der laufenden Grundsteuer, durch Anrechnung auf selbige oder durch baare Ruͤckzahlung, zu Theil werden; mit dem 1. Juli d. J. nimmt die Erhebung der Grundsteuer in dem nach der vorgedachten Verordnung herabgesetzten Maaß ihren Anfang.
Zu Bevensen ist versuchsweise eine Haupt⸗Legge⸗Anstalt
errichtet, welche am 7ten k. M. eröoͤffnet werden wirr.
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8 Dresden, 1. Maͤrz. Se. Majestaͤt der Koͤnig Koͤnigl. Hoheit der Prinz Mitregent haben diesen Mor⸗ gen, in feierlicher Audienz, unter Beiwohnung des Gehei⸗
men Raths, einer Deputation der einberufenen Landstaͤnde
den Entwurf der Verfassung uͤbergeben, welche Allerhoͤchst⸗ und Hoͤchstdieselben dem Lande zu ertheilen sich entschlossen haben, und woruͤber die staͤndische Berathung sofort eroͤffnet
“ Sopanien.
— Madrid, 17. Febr. Am 14ten d. M. fand hier ein Subscriptions⸗Ball statt, der dadurch zu einer Merkwuͤr⸗ digkeit und hohen Festlichkeit wurde, daß, der sonstigen Eti⸗ quette des hiesigen Hofes ganz entgegen, Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin, in Begleitung des IJJ. KK. HH. In⸗ fanten Don Francisco de Paula und Hoͤchstdessen Gemahlin, den⸗ selben unverhofft mit Ihrer Gegenwart zu beehren und von neun Uhr Abends bis zwei Uhr Morgens auf demselben zu verweilen geruhten. Ihre Majestaͤten erschienen ohne Ge⸗ folge, und die Koͤnigin, so wie die Frau Infantin und der In⸗ fant, tanzten saͤmmtliche Taͤnze mit und bezauberten alle An⸗ wesenden durch ihre Huld und Leutseligkeit. Zuerst tanzte Ihre Majestaͤt mit Allerhoͤchst Ihrem Schwager dem Hrn. In⸗
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fanten, hierauf mit dem Franzoͤsischen Botschafter, sodann mit 8
dem Koͤnigl. Preußischen Gesandten und mit mehreren Gran⸗ den von Spanien. Um halb ein Uhr geruhten J. J. M. M. und J. J. K. K. H. H. sich in den Speise⸗Saal zu verfuͤgen, nach aufgehobener Tafel aber kehrte die Koͤnigin mit der Frau Infantin in den Tanz⸗Saal zuͤruͤck, waͤhrend der Koͤnig noch im Speise⸗Saale verweilte und sich mit den daselbst anwe⸗ senden Personen auf das leutseligste unterhielt. Der Koͤnig und die Koͤnigin verließen das Ball⸗Fest, wie schon gesagt, um 2 Uhr. Der Herr Infant und die Frau Infantin nahmen jedoch noch bis um 5 ⅛ Uhr an dem Balle Theil. Vom di⸗ plomatischen Corps waren der Franzoͤsische Botschafter, der Koͤnigl. Preußische und der Koͤnigl. Siecilianische Gesandte, desgleichen der Gesandte der Vereinigten Staaten von Nord⸗ Amerika und die Geschaͤftstraͤger von Sachsen, Daͤnemark ꝛc. zugegen. Der Graf Figueira, Gesandter Dom Miguels am Spanischen Hofe, hatte sich ebenfalls eingefunden. — Der ehemalige Franzoͤsische Botschafter, Vicomte de St. Priest, Her⸗ zog v. Almazan, hat Madrid am 15. d. M. verlassen und sich nach Barcelona begeben, wo ein nach Genua bestimmtes Sar⸗ dinisches Schiff seiner wartet, und wo er mit seiner Gemah⸗ lin zusammentrifft, die in Montpellier in der zweiten Haͤlfte des Monats Januar ihr Wochenbett gehalten hatte. Sie begeben sich nach Rom und Neapel und werden, wie es ver⸗ lauten will, sich in Sicilien niederlassen. — Der Ban⸗ guier der Spanischen Krone in Paris, Herr Aguado, ist vor einigen Tagen hier angelangt. — Es ist wohl außer Zweifel, daß von einer Anleihe oder Negociation von Renten die Rede ist. Um dies zu bewerkstelligen, was unter den gegen⸗ waͤrtigen politischen Verhaͤltnissen schwieriger als jemals er⸗ scheint, duͤrfte, wie man meint, vielleicht von Anerkennung einer etwa durch, das Loos zu bestimmenden Anzahl Bons
der Cortes die Rede seyn. — Mit Herrn Aguado ist auch
der beruͤhmte Komponist Rossini hier angelangt; derselbe be⸗ absichtigt, wie man vernimmt, wo moͤglich ein Darlehn ein⸗ zukassiren, welches vor mehreren Jahren von seiner jetzigen Frau (ehemals Mademoiselle Colbran, eine Spanierin und fruͤher als ausgezeichnete Saͤngerin bekannt) einem vorneh⸗ men Spanier in Italien gemacht worden. — Nach den neue⸗ sten Nachrichten aus Lissabon haben dermalen alle Auslaͤnder, namentlich auch die Konsuln der andern Europaͤischen Maͤchte, einen sehr schweren Stand und sind selbst persoͤnlichen Angriffen ausgesetzt; ein Versuch, den Großbritanischen Vice⸗Konsul
V anzufallen, lst mißlungen, indem Letzterer so gluͤcklich war, zu
entkommen, allein der Daͤnische Konsul ist waͤhrend vier Stunden in gefaͤnglicher Haft gewesen und nur erst nach Vorzeigung seines Exequaturs in Freiheit gesetzt worden. Zwei Militair⸗Kommissionen sind, die eine zu Lissabon, die
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andere zu Porto, errichtet, um diejenigen summarisch und in
aller Kuͤrze zu richten und
deckt worden war, kompromittirt sind. zahl Menschen hat man deshalb kuͤrzlich arretirt. ö
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Berlin, 5. Maͤrz Durch die Thaͤtigkeit
1 zu verurtheilen, welche in der Verschwoͤrung, die am 8ten d. M. ausbrechen sollte und ent⸗
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stehenden Vereins fuͤr die Besserung der Straf⸗Gefangenen und 8—
verwahrlosten Kinder, sind im verflossenen Jahre in den verschie; denen Bezirken der Stadt neun Schul⸗ und Erziehungs⸗Anstal⸗
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thheils aus der bisherigen Stellung verruͤckt schen sind dabei nicht verungluͤckt.
ten errichtet worden, in welchen jetzt 287 arme verwahrloste Kin⸗ der erzogen, unterrichtet und mit nuͤtzlichen Hand⸗Arbeiten beschaͤftigt werden. Drei von diesen Anstalten sind fuͤr ganz kleine Kinder beiderlei Geschlechts, deren Eltern den Tag uͤber außer dem Hause Arbeit suchen, vier Anstalten sind fuͤr Maͤdchen, und eine von zwei Abtheilungen fuͤr Knaben von 5 bis 15 Jahren, die bisher auf den Straßen umherliefen, bettelten und Unfug trieben, und eine Anstalt ist fuͤr verbre⸗ cherische Knaben bestimmt, die des Diebstahls oder anderer grober Vergehungen wegen, schon vom Gericht bestraft wor⸗ den sind. — Die Anstalt fuͤr verbrecherische Kinder, in wel⸗ che bis jetzt 12 verbrecherische Knaben aufgenommen sind, ist in einem besondern Hause mit einem geraͤumigen Garten er⸗ richtet. Die Knaben wohnen in der Anstalt, leben Tag und Nacht unter der Aufsicht des angestellten Lehrers, dem alle Pflichten eines Hausvaters uͤbertragen worden sind, und werden aus der Kasse des Vereins gekleidet, verpflegt und mit allen geistigen und leiblichen Beduͤrfnissen ver⸗ sorgt. Einige Kandidaten der Theologie unterstuͤtzen den Lehrer freiwillig bei dem Unterricht und bei der Erziehung, und einige Handwerker unterrichten die Knaben taͤglich in Handarbeiten. Bei der Wahl des Hausvaters ist auf Kennt⸗ niß der Gartenkunst Ruͤcksicht genommen, damit die Knaben im Sommer mit Gartenarbeiten beschaͤftigt werden koͤnnen. Zwei Mitglieder des Vereins fuͤhren das Kuratorium der Anstalt. — In der Anstalt fuͤr verwahrloste Knaben, aus zwei Abtheilungen bestehend, von welchen die eine 35, die andere 30 Zoͤglinge zaͤhlt, werden die Kinder taͤglich vom fruͤ— hen Morgen bis zum spaͤten Abende durch Handwerke und durch Schulunterricht abwechselnd beschaͤftigt. Außer den zwei ange⸗ stellten Lehrern geben auch hier Kandidaten der Theologie unent⸗ geltlichen Schulunterricht, und geschickte Handwerker besorgen den Unterricht in verschiedenen Handwerken, welche hier gleichfalls im Sommer mit Garten⸗Arbeit abwechseln. Auch diese Knaben werden groͤßtentheils aus der Kasse des Ver⸗ eins gekleidet. Die Anstalt steht unter einem Kuratorium von zwei Vereins⸗Mitgliedern. Bei jeder von den sieben An⸗ stalten fuͤr verwahrloste Maͤdchen und fuͤr kleine Kinder, ist eine Lehrfrau angestellt, welche uͤber die Kinder die von 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends in der Anstalt bleiben, ununterbrochene Aufsicht fuͤhrt. In jede Anstalt sind 30 Kinder aufgenommen. Sie werden alle aus der Vereins⸗ Kasse gekleidet, die aͤrmsten auch bekoͤstigt. Der Unterricht in Schulkenntnissen und in weiblichen Hand⸗Arbeiten, so wie das ganze Erziehungsgeschaͤft, wird von den gebildetsten Frauen und Jungfrauen der Stadt persoͤnlich besorgt.
— Aus Stralsund wird gemeldet, daß, in Folge der von dem hohen Ministerium der geistlichen ꝛc. ꝛc. Angelegen⸗ heiten im verwichenen Jahre veranlaßten Einfuͤhrung des Unterrichts in Handarbeiten in den Volksschulen, in den kleineren Staͤdten des dasigen Regierungs⸗Bezirks bereits 22 meistens ausschließlich von Maͤdchen besuchte Schulen beste⸗ hen, in welchen in Handarbeiten unterrichtet wird; daß fer⸗ ner auf dem platten Lande 37 dergleichen Schulen in der Mehrzahl in gutem Gange sind, und daß in 39 anderen Landschulen, wo sich Gelegenheit zur Anweisung in Handar⸗ beiten findet, die Sache bereits in Anregung gebracht und schon im Werden begriffen ist.
— Nachrichten aus Magdeburg zufolge, hat der Staat und die Kirche durch den am 1sten d. daselbst erfolgten Tod des Herrn Bischofs und General⸗Superintendenten Dr. Westermeyer einen hoͤchst schmerzlichen Verlust erlitten.
— Aus Duͤsseldorf vom 28. Februar wird gemeldet: Gestern passirte hier der Herzog von Sachsen Weimar, Ge⸗
neral in Koͤnigl. Hollaͤndischen Diensten, auf dem Dampf⸗
schiffe nach Koͤln, von wo derselbe die Reise weiter nach ee. „seinem neuen Bestimmungsorte, fortzusetzen ge⸗ dachte. — — Gestern fruͤh um 7 Uhr ist die Pulvermuͤhle Nr. 6 bei Berlin durch eine Explosion theils in die Luft gesprengt, worden; Men⸗ L1“]
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Historische Parallelen und Zeitstimmen, Belgien
und die Belgier betreffend. (Fortsetzung des in Nr. 54. abgebrochenen Aufsatzes.) Die Belgier, in Denkschriften, Preisfragen und Pane⸗ yriken neuerer Zeit, besonders in solchen, welche absichtlich
verfaßt schienen, um zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Parallelen, und zwar zum Nachtheil der letzteren, aufzustel⸗
len und eine Sehnsucht nach der ersteren zu erwecken, haben
die Periode Philipp's des Guten als die bluͤhendste und gluͤck⸗ ringendste ihrer ganzen Geschichte aufgestellt; nun fuͤhrten sie aber, die Flamaͤnder zumal, gegen diesen Fuͤrsten so un⸗
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welche die Marktplaͤtze des
aufhoͤrliche Kriege und zettelten so viele Empoͤrungen an, daß der Tiefgereitzte endlich einen Theil ihrer maaßlosen Privile⸗ gien und Rechtsame beschnitt und durch ein neues, keaftsges
zugleich und mildes, Regiment Ordnung und Einheit begrün⸗
Sein Sohn, der streitbare Karl, welcher solchen Trotz
noch weniger zu dulden in der Stimmung war und die Wiederkehr mit blutiger Strenge ahndete, setzte dieses Sy⸗ 7 stem fort; allein, wenn wir Thatsachen und Gruͤnde genau
mit einander vergleichen, so finden wir, daß haͤufig das Recht auf seiner Seite war und die unbaͤndige Stimmung des Vol⸗ kes, welches den Besitz und Genuß wirklicher Freiheit einem unbestimmten und graͤnzenlosen Streben nach Erweiteruug derselben sich selbst betruͤgend aufopferte, das terroristische System des Herrschers erzeugte. Staͤnde nicht das Leben Philipp's des Guten vor uns, so wuͤrden die Kaͤmpfe der Genter und ihrer Verbuͤndeten gegen seinen Sohn als noth⸗ wendige Ruͤckwirkungen der Volkskraft gegen die Tyrannei erscheinen; allein so gewahren wir, daß die Großmuth und Rechts⸗Achtung keiner besseren Anerkennung sich erfreut, als die Strenge und die Willkuͤr, und somit finden sich fuͤr letz⸗ tere sogar Titel der Billigung. — Als der stolze, kriegerische
Fuͤrst seinem Schicksale erlegen, befand sich seine Tochter Ma⸗ ria, eine huͤlflose Waise, zwischen die Usurpation Ludwig's XI., den Verrath der Großen und den Uebermuth des Volkes ge⸗ stellt. Sie hatte mit ruͤhrendem Vertrauen der Rechtlichkeit dieses letzteren und dem Schutze der Haͤupter sich uͤberliefert; sie beschwor alle alten Freiheiten, wie sie vor deren Beschnei-⸗ dung in Kraft gestanden; sie erfuͤllte alle Bedingungen, welche ihre Stellung mit sich brachte, im allerweitesten Sinne. Statt K dessen buhlten die Edlen um die Gunst des Franzoͤsischen Mo⸗ narchen und verkauften um Geldsummen und Stellen die Provinzen und Staͤdte; die Kommunen aber behandelten die rechtmaͤßige Fuͤrstin mit brutaler Gewalt, hielten sie wie eine Gefangene, kaum die noͤthige Ruͤcksicht gegen ihr Geschlecht beobachtend; sie verspritzten, nach grausamer Folterung, das Blut ihrer getreuen Raͤthe vor ihren Augen und also, daß es fast das Gewand der um ihr Leben Flehenden befleckte, und der Poͤbel sah ohne Ruͤhrung diejenige auf den Straßen von Gent in Ohnmacht sinken, welcher er Gehorsam und Achtung schuldig war. Nicht zufrieden daa-⸗ mit, sie ihrer vertragsmaͤßigen Herrscher⸗Rechte beraubt zu haben, mischten die Demokraten sich sogar in die Privat⸗ Angelegenheiten ihrer Herzogin. Sie wollten ihr den aͤrge⸗ sten Feind des Hauses, einen beruͤchtigten Wuͤstling, einen. erklaͤrten Vatermoͤrder, der im Gefaͤngniß saß, als Gemahll aufzwingen, nachdem sie ihn wider ihren Willen zum Feld herrn bestallt. Sie mißbrauchten die ungluͤckliche Lage der fuͤrstlichen Jungfrau auf eine Weise, die man in wenigen Volksgeschichten wiederfindet. Nachdem nun endlich der Erzherzog Maximilian von Oesterreich, allen Anstrengungen seiner Gegner zum Trotz, als Gemahl der Maria in den Niederlanden aufgetreten, nachdem er alle Feinde des Lan-⸗ des besiegt oder beschwichtigt, als er die Verehrung der ihn b als Retter begruͤßenden Einwohner aller Provinzen genossen, als er, zuerst gemeinsam mit Maria, sodann, nach ihrem Tode, als Momboir des minderjaͤhrigen Philipps des Schoͤ⸗ nen, alle Rechte und Gefreitheiten des Landes zwei⸗ und dreifach und mit allen nur erdenklichen Ceremonien und Klauseln, zum Ueberfluß beschworen hatte, — hoͤrte gleich. wohl die Reaction nicht auf. Die Großen des Landes zeig⸗ 8 88 ten die unmaäͤnnlichste Eifersucht gegen den fremden Prin⸗ I.““ zen, welcher sie doch aus schimpflicher Erniedrigung befrei, nachdem sie die noch schimpflichere Erniedrigung, worin iillh— Vaterland vor seiner Ankunft sich befunden, nicht hatten absz; wehren koͤnnen. Die Gemeinen dagegen erhoben Schwierig keiten, Hemmungen, Aufstaͤnde ohne Maaß und Ende; sie begegneten den ritterlichen, milden, hochherzigen, gerechten Reden des tapfersten und gebildetsten Deutschen Prinzen mit baͤurischer Rohheit; sie trennten den Sohn von dem Vater und setzten den Sohn des Reichs⸗Oberhauptes, dessen An⸗ sehn sie doch gehuldigt und welchem sie Ehrfurcht geschwo⸗ ren, zu Bruͤgge gefangen, nachdem sie, gleich Raͤubern, sein Vertrauen uͤberrascht und seine Person bewaͤltigt. Sie be⸗ schworen und brachen einen Vertrag nach dem andern und klagten stets uͤber Abbruch ihrer Freiheiten. Die Grund⸗ Idee, Grundrichtung und Grundstimmung des Volkes druͤckte um diese Zeit kein Anderer so vollständig, so getreu und lebendig aus, wie der hoffaͤrtige Philipp von Kleve, wel⸗ cher als der Liebling der damaligen Demobkratie erscheint, ohne daß man jedoch genau gewußt haͤtte, welches eigentlich das Ziel seiner Anstrengungen war? So kam das Land um Ruhe und Frieden und um allen Ge⸗ nuß der Frecheit, und die bluͤhendsten Staͤdte Europa's, noch um diese
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