1831 / 73 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

zien, statt des General⸗Major Vatable, Personalien im zum Ma⸗

loupe und Depende 1 den Staatsrath Pouyer zum Direktor der Marine⸗Ministerium und den Baron Lemarrant

rine⸗Praͤfekten von ee 1 Der Messager des Chambres giebt die Gesammt⸗

Summe der von Frankreich fuͤr die Kriegs⸗Ruͤstungen ver⸗ wendeten Gelder auf 98,626,000 Fr. an, wovon 12 Mill. auf die Equipirung dtr Armee, 26,500,000 auf Ankauf von Pferden, Sattel⸗ und Riemzeug fuͤr die Kavallerie, 12 Mil⸗ Uonen fuͤr die Verproviantirung und die Lazarethe, 32,900,000 fuͤr die Artillerie und Munition und 15,145,000 Fr. auf die Beduͤrfnisse des Ingenieur⸗Corps kommen.

Der Abbé v. Pradt macht im Temps folgende Be⸗ trachtungen: „Wenn sich jetzt zwei Personen begegnen, so fragen sie sich: Was soll aus uns werden? Diese Frage ist an die Stelle der bisher uͤblichen Hoͤflichkeits⸗Formeln getre⸗ ten. Was helfen aber alle klaͤgliche Schilderungen unserer Lage? Wenn man mir hundertmal sagt: Sie sind sehr krank; bin ich darum dem Tode weniger nahe? Wozu nuͤtzt diese bestaͤndige Besichtigung unsers gesellschaftlichen Koͤrpers? Er

ist verwundet, tief verwundet; das weiß, fuͤhlt und saͤgt alle Welt. Wie sollte man es auch nicht fuͤhlen, wenn der Kre⸗ dit sinkt, wenn das Elend mit seinen Lumpen und seiner Un⸗ zufriedenheit unter dem Volke um sich greift, wenn schmutzige Schlupfwinkel mit ihrem Auswurf sogar die Wohnung des Fuͤrsten nicht verschonen, wenn Janus blutduͤrstig seinen Tempel wieder oͤffnet, wenn die eine Haͤlfte der Nation un⸗ ter den Waffen steht, um die andere im Zaume zu halten, wenn die Tempel neben ihren bedrohten Priestern zusammen⸗ stuͤrzen, wenn die Seine die Opfer des Ungluͤcks und der Habsucht mit sich fortwaͤlzt? Da ist Stoff zu duͤstern Gemaͤl⸗ den. Wenn man aber auch noch so dunkle Farben auftraͤgt, gelangt man damit zur wahren Quelle des Uebels? Sind die Umstäaͤnde nicht vielmehr von der Art, daß man die Quelle nicht mit Sicherheit aufzeigen kann? Manchmal gerathen die Kranken in Wuth, wenn man ihnen nur den Namen ihrer Krankheit nennt, und Ihr wollt heilen, was Ihr nicht einmal zu nennen wagt? Eine ungeheure Masse von Geschaͤften lastet auf denen, die den Muth haben, diese bisher in der Welt noch beispiellose Buͤrde auf ihre Schultern zu nehmen. Und wenn man die ausgezeichnetsten Staatsmaͤnner aus ihren Graͤbern hervor⸗ rufen koͤnnte, in acht Tagen wuͤrden sie von dieser unaufhoͤr⸗ lichen Spannung aufgerieben seyn. Wie viel Menschen und Dinge sind nicht seit einigen Jahren so zu sagen verzehrt worden? Hegen wir die Ueberzeugung, daß, wenn Jedermann regiert, Niemand regiert, noch regieren kann, daß die Re⸗ gierung von oben, nicht von unten ausgehen muß, und daß diese zuͤgellose Tadelsucht, die sich mit schoͤnen Namen schmuͤckt, in Wurm ist, der am Herzen der Gesellschaft nagt, der sie wohl vernichten, aber ihr auch nicht auf eine Viertelstunde eben verleihen kann. Fuͤgt man zu diesen Ingredienzien noch den mephitischen Hauch der Unsittlichkeit und den Unter⸗ richt hinzu, den das Volk durch das Aushaͤngen der ekelhaftesten Bllder erhaͤlt, auf denen Alles, was von der Ehrfurcht be⸗ b schuͤtzt werden sollte, dem Spotte preisgegeben wird, so kann man, wenn das so fortgeht, die nahe bevorstehende

Aufloͤsung der Gesellschaft selbst voraussagen.“ Die Gazette de France bemerkt: „Man beschaͤftigt sich viel mit der Stimmung in den Nachbarstaaten, um die Zukunft Frankreichs zu ergruͤnden; es ist jedoch jetzt sowohl durch die diplomatischen Berichte, als durch die Diskussionen des Englischen Parlaments, mehr als jemals erwiesen, daß unser Schicksal ganz in unsern Haͤnden liegt. Alle Fragen uͤber Krieg und Frieden, Ordnung und Unordnung, Freiheit und Willkuͤr, innere Ruhe und Buͤrgerkrieg, kurz alle Fra⸗ gen, welche Frankreich und ganz Europa interessiren, sind ber in Paris koncentrirt. Um zu beurtheilen, ob diese großen rragen eine gute Loͤsung haben koͤnnen, ist es nuͤtzlich, einen Blick auf die Lage der Regierung und der Parteien zu wer⸗ fen. Die Aufloͤsung der Kammer wird gewiß stattfinden, nachdem vergebliche Versuche gemacht worden sind, ein neues Miinisterium T. das unter der Leitung ddes Herrn Cas. Périer oder des Marschall Soult die jetzige Kammer beibehalten sollte. Man wird also die neue Kam⸗ mer abwarten, ehe man das Ministerium veraͤndert. Um aber dahin zu langen, sind anderthalb Monate fuͤr die An⸗ fertigung der Wahllisten, ein Monat fuͤr die Auslegung der⸗ selben und fuͤr die Reclamationen gegen sie, acht Tage fuͤr die Wahlen und wenigstens zwanzig Tage fuͤr die Reise der neu gewaͤhlten Deputirten nach Paris noͤthig; inzwischen kommt der Juli heran, das Ministerium wird also laͤnger als vier Monate ohne Kammern seyn, da es die Pairs⸗ ammer außerhalb der Session nicht zusammenberufen kann, wird diese Zeit uͤber unter dem alleinigen Einflusse der

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„Fleurus, Jemmappes, Arcole u. s. w. angedeutet seyn.

Neuilly zuruͤckgezogen, in erster

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liberalen

n Presse den errichtet hat; es wird zwischen der Anarchie und der Willkuͤr zu waͤhlen haben. Die neue Kammer wird unter schwierigen Umstaͤnden und inmitten der Hundstage und der Erinnerungen des Juli zusammentreten.“

Eben dieses Blatr tadelt es als ein Mißverhaͤltniß, daß dem neuen Wahlgesetze zufolge von den 200,000 Waͤhlern, 35,000 allein auf Paris kommen werden. also mit seinen 600,000 Einwohnern nach Abzug der Frem⸗

von 34 Millionen Menschen. Der Auxiliaire Breton meldet aus dem Departe⸗

wie der Behoͤrde angezeigt wurde, Waffen und Munition verborgen seyn. Eine Abtheilung des in Ploermel liegenden 12ten Infanterie⸗Regiments und ein Detaschement der Na⸗ tional⸗Garde wurden an Ort und Stelle geschickt, um sich von der Wahrheit der Angabe zu uͤberzeugen. Vor dem Schlosse angekommen, wurden die Truppen mit lebhaftem Flintenfeuer aus den Fenstern empfangen, das sie sogleich er⸗ wiederten. Ein Offizier, ein Karabinier und ein National⸗ Gardist wurden verwundet. Die Truppen drangen ohne Schwierigkeit in das Schloß, wo sie keine Spur von den Entflohenen fanden. Der Fehdehandschuh ist hingeworfen; im Departement des Morbihan bilden sich Haufen von Chouans.“ Das Journal des Deébats erzaͤhlt nach einem Schreiben aus Bressuires, Departement der beiden Sevres, daß Diot, ein ehemaliger Kammerdiener der Fa⸗ milie Larochejacquelein, mit einigen bewaffneten Leuten das einsam liegende Schloß les Dorides uͤberfallen, den Eigen⸗ thuͤmer desselben zur Auslieferung der in seinem Besitz be⸗ findlichen Waffen gezwungen und die auf dem Schlosse we⸗ hende dreifarbige Fahne abgenommen habe.

Im Messager des Chambres liest man: „Wir erfah⸗ ren mit Bestimmtheit, daß eine Kolonne der Piemontesischen Fluͤchtlinge unter Anfuͤhrnng des General Rejis nach mehre⸗ ren geschickten Maͤrschen und Contre⸗Maͤrschen in der Nacht vom 28. Febr. auf ben 1sten d. M. durch Faucigny an der Graͤnze der Schweiz in Savoyen eingeruͤckt ist. Mehrere Dorfschaften van Faucigny fraternisirten mit den Fluͤchtlin⸗ gen und pflanzten sogleich die dreifarbige Franzoͤsische Fahne auf. Die Fluͤchtlinge, deren Anzahl sich zusehends vermehrte, nahmen die Richtung auf Annecy, wo sie als Befreier aufge⸗ nommen worden seyn sollen.“

Der Koͤnig hat mehreren hiesigen Literaten und Ge⸗ lehrten den Orden der Ehrenlegion verliehen; unter Andern nennt man die Herrn Duval, Mitglied des Instituts, Tissot, Professor am Collège de France, die Buͤhnendichter Fontan und Despagny und die Zeitungs⸗Redaktoren Etienne, Jay, Evariste Dumoulin, Bert und Année.

Der Minister hat bestimmt, daß die 32 Statuen, welche fuͤr die Attika des Arc de l'Etoile bestimmt sind, die 32 be⸗ deutendsten Staͤdte des Landes darstellen sollen. Das Bas⸗ relief an der Pariser Seite wird den Ausmarsch der Fran⸗ zoͤsischen Aemeen darstellen; in der Mitte werden sich neben dem Altare des Vaterlandes die Repraͤsentanten der Nation und verschiedene Deputationen besfinden, welche Fahnen em⸗ fangen und den Eid fuͤr die Unabhaͤngigkeit Frankreichs lei⸗ sten; auf den Seiten⸗Basreliefs werden die Armeen von Das andere Haupt⸗Basrelief, auf der nach Neullly blickenden Seite, wird die Heimkehr der Armeen darstellen, welche Sieges⸗Kraͤnze aus den Haͤnden dreier Figuren, des wieder⸗ gebornen Frankreichs, des Friedens und der oͤffentlichen Wohl⸗ fahrt, empfangen.

Der Polizei⸗Präfekt, Hr. Vivien, hat eine Kommission beauftragt, ihm uͤber das fruͤhere Verhalten der Polizei⸗Be⸗ amten Bericht zu erstatten und Verbesserungen in der Ver⸗ waltung vorzuschlagen.

Ein Huissier des Koͤnigl. Gerichtshofes zu Toulouse hat dort die Verordnung des Pairs⸗Hofes ausgerufen, durch wel⸗ che der des Hochverraths angeklagte Ex⸗Minister der Finanzen, Seeen Montbel, aufgefordert wird, sich binnen 10 Tagen zu stellen.

Der Redacteur der Quotidienne, Hr. v. Brian, war we⸗ gen eines Artikels, worin er bei Gelegenheit der Oktober⸗ Unruhen gemeldet hatte, Ludwig Philipp habe sich nach

Instanz zu halbjaͤhrigem Gefaͤngniß kondemnirt worden. Dieses Ucki 88 blahesfen tions⸗Hof gestern bestaͤtigt. 88

Die gestrige Nummer des Figaro und der Tribune sind auf den Antrag des Kron⸗Anwalts auf der Post in Beschlag

genommen worden. b

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und der Partei stehen, welche die Barrika-⸗

Paris absorbire

den beinahe ein Viertheil der Wahlrechte bei einem Volke

ment des Morbihan: „In dem Schlosse Talhouet sollten, 4

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Beilage 8

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amun 3 Der Pfarrer der Kirche St. Germain l'Auxerrois ist gestern Abend auf mortiers in Freiheit gesetzt worden, ohne daß die Anklage⸗ Kammer ein Urcheil gefaͤllt hat.

Der General Pepe, der sich mit einem auf Konstanti⸗

noopel lautenden Passe in Marseille nach Neapel einschissen 8 wollte, ist vom dortigen Praͤfekten Thomas auf Befehl der Regierung angehalten worden.

Grneral Clauzel ist am 28. v. M. in Toulon angekom⸗ men und wird nach beendigter Quarantaine hier erwartet.

Großbritanien und Irland.

heges Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 3ten Maͤrz. (Nachtrag.) Sir Robert 8 Peel erhob sich, als der Minister der auswaͤrtigen Angele⸗ genheiten seinen Vortrag beendigt hatte. Nachdem er einige

der Staats⸗Zeitung mitgetheilte) Bemer⸗

bbereite in Nr. 70 eigene Verwaltung, im Vergleiche mit der

kungen uͤber seine jetzigen, und die Ansichten Canning's uͤber Reform vorange⸗ schickt hatte, ließ er sich folgendermaßen vernehmen:

„Ehe ich zu der Betrachtung der fuͤrchterlichen Frage selbst, die jetzt dem Hause vorliegt, uͤbergehe, sey mir die Bemerkung veergöoͤnnt, daß ich mit unbeschreiblicher Betruͤbniß erfuͤllt bin, eeine solche Aufgabe loͤsen zu muͤssen. Man fordert mich auf, ich woeill eben nicht sagen, eine Revolution in diesem Lande zu be⸗

foͤrdern, doch fuͤr die gegenwaͤrtige eine ganz andere Constitution zu machen; und zwar thut man dies nicht etwa nach einer ruhigen leidenschaftslosen Untersuchung, sondern will mich durch die Berufung auf Gruͤnde, denen zufolge ich nicht die Furcht dem Verstande, sondern den Verstand der Furcht Unterwerfen wuͤrde, verleiten, einen voreiligen Schritt zu thun. Warum, frage ich zunaͤchst, ist der Name des Koͤnigs in diese Diskussion verfochten worden? Wozu ist gesagt worden, daß dieser Plan die besondere Sanction des Koͤnigs erhalten habe? Man hat dabei auf die katholische Frage hingewiesen; al⸗ lein die beiden Faͤlle haben keine Aehulichkeit mit einander. Denn bei jener Gelegenheit ist oͤffentlich verbreitet worden, die Maaßregel habe die Sanctionirung des Koͤnigs nicht erhalten; die Minister hatten daher keine andere Wahl, sie mußten er⸗ llaͤren, daß die Maaßregel, vom Koͤnige gebilligt, ins Parlament gebracht worden sey. Wenn jedoch eine Frage, wie die vorlie⸗ gende, von der Verwaltung zur Sprache gebracht wird, wozu raucht da wohl täͤglich in beiden Haͤusern sowohl, als durch das DOrgan der Zeitungen erklaͤrt zu werden, daß diese Maaßregel, ijn 22 die Genehmigung des Koͤnigs erhalten haben muß, mit deer gusdruͤcklichen Sanction des Koͤnigs eingebracht worden sey? Ich glaube meine Achtung und loyale Gesinnung gegen die Kroͤne nicht zu verletzen, wenn ich auf jene Insinuation durch⸗ aus keine Ruͤcksicht nehme und die Maaßregel nur nach ihrer miinnern Verdienstlichkeit beurtheile. Aber nichtsdestoweniger muß ich es doch bedauern, daß man des Koͤnigs Namen taͤglich auf diese Weise gebraucht. Da ich mich naͤmlich des Zweifels an der Gerechtigkeit und Nuͤtzlichkeit einer so ungewoͤhnlichen Wahl⸗ rrechts⸗Entziehung nicht enthalten kann und die Maaßregel als hearrt gegen die loyalen Koͤrperschaften, die ihre anhe hegf tchen Rechte aufopfern sollen, anerkennen muß, so begreife i nicht, warum man, wenn auch ein Recht zur Einbringung der Maaß⸗ rregel vorhanden war, den Koͤnig als ihren besondern Abfasser nennen mußte? Naͤchstdem drohte man dem Hause mit einer Auf⸗ bsung. Die Aufloͤsung ist aber eben so wahrscheinlich, wenn die Maaßregel durchgeht, als wenn sie durchfaͤllt. h bekuͤmmere mich übrigens nicht darum, ob das Haus aufgeldst wird, oder anicht; ich wuͤrde der Ausuͤbung meines legislativen Berufes gan unwerth seyn, wenn eine solche Drohung den geringsten Einflu auf mich ausuͤbte. Ich bekuͤmmere mich nicht darum, ob ich wieder erwaͤhlt werde, oder nicht; *) waͤre ich jedoch in diesem Punkte nur irgend besorgt, so wuͤrde ich mit der Bill in der Hand meinen Konstituenten mich gegenuͤber stellen, und auf mei⸗ nen entschiedenen Widerstand dagegen wuͤrde ich meinen beson⸗ dern Anspruch auf ihr erneuertes Vertrauen begruͤnden. Ich

wuͤrde einer Gemeinde gegenuͤberstehen, deren Bevoͤlkerung im

Jahre 1821 keine 4000 Einwohner betrug; ich wuͤrde ihr sagen,

daß diese Bill ohne irgend eine Nothwendigkeit und, ohne daß

ggeegen sie (die Gemeinde) selbst etwas gesagt worden waͤre, ein⸗ gebracht worden sey, und daß ich mich ihr widersetzt habe. Ich weiß, daß meine Konstituenten ihre Rechte niemals gemißbraucht

haben, und daß auch der Aermste unter ihnen fuͤr sein Votum nie eine Bestechung erhalten oder verlangt habe. Mich erwaͤhl⸗ ten sie, nachdem ich die Schmach einer Verstoßung **) wegen eines Verfahrens erlitten, das ich fuͤr eine Handlung der

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* *) Sir Rob. Peel ist Mitglied für den Burgflecken Tamworth, der un⸗ ter diejenigen Orte gehört, die in der Folge nur Ein Mitglied, statt zweier, erwählen sollen. Lord C. Toweshend ist das zweite Mitglied für Tamwofth.

8 **) Als Vertreter der Universität Orford, die, statt des damaligen Mini⸗ sters, wegen seiner Einvringung der katholischen Emancipations⸗Bill, den Sir Rob. Inglis erwahlte.

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Beilage zur Allgemeinen Preußischen St

Befehl des Instructions⸗Richters Des⸗

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s⸗Zeitung N. 73.

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Pflicht selbst gegen die Kirche hielt, deren demuͤthiges Mitglied ich bin. Dagegen will ich jetzt meine Zustimmung nicht erthei⸗ len, daß dieselben Waͤhler ihres Rechtes veraubt werden, bevor nicht triftigere Gruͤnde als die vorgebracht worden, die ich bis⸗ her gehhrt habe. Man will zwar die Opponenten der Maaß⸗ regel durch die Moglichkeit eines Aufstandes und einer Niedermetzelung erschrecken; dies soll mich jedoch ebenfalls nicht zuruͤckhalten, meine gufrichtige Meinung abzugeben. Den Ministern will ich zunaͤchst sagen: „„Waͤlzt nicht von Eu⸗ ren eigenen Schultern die Last der Verantwortlichkeit, eine solche Maaßregel vorgeschlagen zu haben; sagt nicht: wir wollen be⸗ weisen, daß wfr regieren koͤnnen, sondern ruͤhmt Euch vielmehr Eurer Geschicklichkeit im Zerstoͤren.““ (Beifall von der Oypo⸗ sition.) Ich mindestens habe nicht zu denen gehoͤrt, die mit ab⸗ sichtlichem Fleiße, wie ein Sturm, die wogende Menge gufreg⸗ ten und alle ihre Talente dazu gebrauchten, Unzufriedenheit und Mißvergnuͤgen auszustreuen. Ich habe niemals die Sprache ei⸗ nes edlen Lords (Russell) gefuͤhrt, der im Jahre 1827 sein Leid⸗ wesen daruͤber zu erkennen gab, daß das Volk, welches er ruhig, friedfertig und zufrieden fand, sich nicht unwillig ge⸗ gen die Verfassung des Unterhauses erhebe. Ich habe nie⸗ mals, wie ein edler Baronet (Sir J. Graham), die Namen⸗Liste von 113 Geheimen Raͤthen verlangt, um auf sie die volle Stroͤmun des Volks⸗Widerwillens, wegen der Gehalte, die sie bezoͤgen, auszuschuͤtten. Eben so wenig habe ich jemals Leute aufgefordert oder ermuthigt, unter den Fensteen selbst des Re⸗ gierungi Halats ein auslaͤndisches Sinnbild der Revolution we⸗ hen zu lassen. Ich habe nie das Volk bis zum Wahnsinne auf⸗ geregt, damit es aus seiner Gleichguͤltigkeit heraustrete und ein Nacheiferer revolutionnairer Ausschweifungen werde. Wenn da⸗ her diese Maaßregel, die der gemeine Menschenverstand wohl sich gehuͤtet haͤtte in einer Krisis unserer auswaͤrtigen und inneren Angelegenheiten, da neue Ursachen zur Aufregung weislich ver⸗ mieden werden sollten, ins Parlament zu bringen; wenn daher, sage ich, diese ganz ungewoͤhnliche Maaßregel durchfallen sollte, so wuͤrde ich niemals gestatten, daß die Verantwortlichkeit der Folgen mir oder einem andern Privat⸗Judividuum in diesem Hause beigemessen werde. Es ist darauf hingewiesen worden, daß ein Gegner der Maaßregel sich nicht mit gehoͤriger Achtung uͤber die Mittel⸗Klassen des Landes ausgesprochen habe. Hat er dies wirklich gethan, so theile ich seine Gesinnung nicht; im Gegentheile, ich weise sie von mir; denn Alles, was ich bin, alle meine Kraft beruht auf diesem Stande; ich gehoͤre selbst dazu und werde immer stolz darauf seyn. (Beifall.) Von dem Urtheile und dem gesunden Sinne der Mittel⸗Klasse hege ich eine sehr hohe Mei⸗ nung, und leicht koͤnnte es seyn, daß sie mehr Einsicht und Maͤßigun jetzt zeigen, als ihre Beherrscher; geschieht dies nicht, so muß ich freilich an dem Schicksale des Laͤndes verzweifeln. Inzwischen bieten sich taͤglich Anzeichen dar, daß mein Vertrauen in ihren Scharfblick uͤber politische Gegenstaͤnde im Allgemeinen nicht ge⸗ taͤuscht werden duͤrfte.“ Der Redner ging nun zum Lobe der Britischen Constitution uͤber und meinte, daß selbst Cicero keine andere Regierungsform im Auge gehabt haben koͤnne, als er ge⸗ sagt: „Existimo eam esse optimam rempublicam, quae eonstituta est ex tribus generibus.“ Auch Tacitus habe eine aus Koͤnig, Edlen und Volk zusammengesetzte Regierung als die beste und dauerhafteste geschildert. Er berief sich ferner auf Burke, ja selbst auf Lord J. Russell, der in einer im Jahr 1819 gehalte⸗ nen Rede gesagt habe, daß er die Wahlrechts⸗Entziehung der nicht der Bestechung uͤberfuͤhrten Burgflecken als eine Umfor⸗ mung des ganzen Unterhauses betrachte, und hinzugefuͤgt habe, daß der bekannte Flecken Old⸗Sarum in seiner jetzigen Gestalt bereits eristirt habe, als Montesquieu von der Britischen Con⸗ stitution gesagt, sie sey diejenige, die unter allen bisherigen Ver⸗

fassungen der Vollkommenheit am naͤchsten sich befinde; er (Lord

Russell) wolle daher nicht das Werkzeug, das schon so viel Na-⸗ tional⸗Gluͤck geschaffen, gegen ein aufgestutztes polirtes Stuͤck moderner Fabrik⸗Arbeit vertauschen. Dieses Citat aus einer Rede des jetzigen Antragstellers der Reform⸗Bill erregte bei der Opposi⸗ tion großes Gelaͤchter. Sir Robert Peel fuͤgte dann hinzu, er sehe in der vorgeschlagenen Maaßregel nichts weiter als ein Mit⸗ tel, das Maͤnner in Anwendung braͤchten, die gern im Amte blei⸗ ben moͤchten. Es sey zwar das Geruͤcht verbreitet worden, dat er und seine Freunde die jetzigen Minister wieder dadurch aus dem Amte verdraͤngen wollten, daß sie eine gemaͤßigtere Reform⸗ Maaßregel vorschlagen wollten; dieses Zeitungs⸗Ge chwaͤtz wider lege er jedoch am besten dadurch, daß er keinen Vorschlag jener Art mache, wiewohl er, wenn er es thaͤte, nicht inkonsequent handeln wuͤrde, da er sich in den letzten Jahren zur Sprache gekommenen Re⸗ formirungs⸗Maaßregeln niemals heftig widersetzt habe. Darum wuͤr⸗

de er auch, zwar nicht so lange er im Amte war, doch als Privatmann,

einer gemaàßigten Reform seine Unterstuͤtzung geliehen ha⸗ ben. Nachdem er darauf kutz auseinander gesetzt, was er un⸗ ter einer solchen gemaͤßigten Reform verstehen wuͤrde, hauptere er im Widerspruche mit Herrn 1 . wenn man die Burgflecken nach der allgemeinen Tendenz ihrer Wahlen und nicht nach den Zufaͤlligkeiten betrachte, das Resul⸗ tat sich sehr guͤnstig fuͤr sie stelle. Denn fast alle ausgezeichne⸗

Macauley, daß, eben