des Vaterlands und die Leiter der Dinge in den Stunden der Krisis, statt jetzt, rebus feliciter peractis, nach dem Bei⸗ spiel der so oft angerufenen großen Maͤnner des republikani⸗ schen Roms, freiwillig in den Privatstand zuruͤckzutreten und somit einen schlagenden Beweis von Uneigennuͤtzigkeit und Reinheit ihrer bisherigen Absichten und Handlungen zu ge⸗ ben, ihre vortheilhafte Stelle benutzen und alle die wich⸗ tigsten Posten in Besitz nahmen, bel vielen weniger Unter⸗ richteten Verdacht und Mangel an Zutrauen erregen koͤnnte. Man ersieht aus dieser boͤsartigen Stimmung, welche leider auch in Belgien herrscht, wie leicht die glaͤnzendsten Erschei⸗
nnungen in der constitutionnellen Welt der Gefahr ausgesetzt
sind, verkannt zu werden, und das Geschrei in vielen btaͤd⸗ ten: daß man nunmehr unter einer Aristokratie von Advo⸗ katen sich befinde, ist ein noch schlagenderer Beweis fuͤr die Wahrhelt unserer Behauptung. Mit gespannter Aufmerksamkeit und aͤngstlicher Besorgniß erwartet Jedermann hier den Aus⸗ gang der blutigen Tragoͤdie von Warschau, welchem vielleicht bald eine zweite in Italien folgen wird. Waͤhrend so der Parteigeist und der Buͤrgerkrieg manches Europaͤische Land jetzt aufregen, bietet jedoch Holland das beneldenswer⸗ the Bild eines Staates, welcher auch nach einer so bei⸗ sppiellosen Krise, wie die vorangegangene, zu neuer Kraft er⸗ staͤrkt, sobald er nur aus dem eigenen Volks⸗Charakter, aus dem Vertrauen auf sich selbst und aus besonnener Wuͤrdi⸗ gung der aͤußeren Umstaͤnde frische Lebenssaͤfte schoͤpft. Dies ist in einem ungewoͤhnlichen Grade hierseits der Fall. Waͤh⸗ rend in anderen Staaten die Individualitaͤt immer trotziger, gewaltsamer, eigenwilliger aus dem alten Geleise tritt, in dem
sie bisher gewandelt und an dem Werke des Ganzen ruͤttelt,
welches auf dem Blute, den Seufzern, den Anstrengungen und Opfern mehr als eines Jahrhunderts muüͤhsam genug zusammengekittet worden, verstummen die Anspruͤche der Parteien vor dem entschiedenen Willen eines hoͤheren Gesetzes, die hoffaͤrtige Kotterie legt ihren kuͤnstlich angeborgten Schmuck 8 mit ruͤhmlicher Selbstuͤberwindung ab, und selbst der Fana⸗ tismus, noch vor kurzem eisrig und wirksam, erschrickt vor den Fol⸗ gen seines eigenen Werkes, welches ihn wie die gesetzliche Freiheit in gemeinsamer Anarchie erdruͤcken kann, und er verstummt darum und bringt der Nothwendigkeit seine duͤsteren Begier⸗ den zum unfreiwilligen Opfer dar. Alle Meinungs⸗Diver⸗ genzen in unserem Lande machen sich nun einzig durch heftige, aber unschaͤdliche Polemik in Flugschriften Raum, und der nicht selten langweilige Ton in vielen derselben benimmt dem Stachel den groͤßeren Theil seiner Spitze. Eine Rethe von Reformen, durch das wuͤthende Geschrei der fruͤheren Belgi⸗ schen Opposition, aus Scheu vor gefaͤhrlichen Ruͤckwirkungen und grundlosen Nachaͤffungen vertagt, treten nun ruhig, auf gesetzlichem Wege und mittelst friedlichen Verstaͤndnisses, hin⸗ ter einander ins Leben. Der Geist, welcher im Ganzen herrscht, zeigt die gluͤckliche und frohe Stimmung der aͤlteren Bewohner eines gemeinsam bewohnten Hauses an, welche lange Zeit, nachdem die wilden, tobenden Mitgaͤste ausgezo⸗ ggen, mit verdoppeltem Eifer und ruhigem Behagen das durch einander Geworfene wieder aufrichten die Gemaͤcher rei⸗ nigen, und die alte Ordnung herstellen, mit Beruͤcksichtigung mancher neuen inzwischen noͤthig gewordenen Ennrichtungen. Die Theilnahme der Preußen und andrer Deutschen an der Feier des Andenkens desherrlichen Juͤnglings van Speyk, hat hier den angenehmsten Eindruck gemacht. Es giebt gewisse Gefuͤhle, wo alle loyale und wackergesinnte Voͤlker gemeinschaftlich sich be⸗ ruͤhren, und Stunden, wo fuͤr viele Jahre hinaus Buͤndnisse der Freundschaft fester geschlossen werden moͤgen. Wenn im moralischen Reiche eine einzige schlimme That oft eine unbe⸗ Frechenbare Reihe von Uebeln erzeugen kann, so elektrisirt oft eine einzige klar durchdachte und kraͤftig ausgefuͤhrte zu vie⸗ len andern, welche den Glauben an den Sieg des Guten Hund Rechten aufrecht erhalten und trotz aller Zerstoͤrungen und Verirrungen unseres Geschlechtes sein gerettetes Kleinod immer gleich schoͤn und immer gleich unverwuͤstlich von Zeit
zzu Zeit wiederum vorweisen. Sollten Stunden der Gefahr
uunbd der Bedraͤngniß jemals auch uͤber Deutschland kommen, so wird dieser Satz gewiß auch hier eine siegreiche und glaͤn⸗ zende Anwendung finden. 4 Bruͤssel, 10. Maͤrz. In unserm Minister⸗Rathe soll man sich gestern uͤber eine Proclamation berathen haben, die man an die Einwohner des Graßherzogthums Luxemburg er⸗ lassen will. 1 Die Belgischen Kommissarien der Niederlaͤndischen Han⸗ dels⸗ Gesellschaft sind von dem Praͤsidenten derselben, Herrn Schimmelpennink, aufgefordert worden, zur General⸗Ver⸗ sammlung nach dem Haag zu kommen. Die hier befindlachen Kommissarien sind vorgestern dahin abgereist. Die Besatzung von Gent wird naͤchstens wied
er veraͤn⸗
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1
Warschau, 10. März. Der General⸗Gouverneur der
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aus denen sie derma Gent einruͤcken wird.
gelungen seyn soll, seiner Haft zu entkommen und sich aufs neue an die Spitze einer Empoͤrung zu stellen. has
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Hauptstadt hat bekannt gemacht, daß sich Niemand erlauben duͤrfe, Militair⸗Gebaͤude fuͤr Leute oder Pferde in Beschlag
den zu seyn. Wer in den Kasernen Quartier erhaͤlt, muß dem Orts⸗Inspektor daruͤber eine Quittung ausstellen. Fuͤr die Unversehrtheit und Reinerhaltung der Wohnung muß der Commandeur der Armee⸗Abtheilung sorgen, welche daselbst einquartiert wird. Beim Auszuge aus dem bewohnten Quar⸗ tier muß der Commandeur Alles in dem Zustande, wie er es empfangen hat, an den Inspektor zuruͤckstellen und den an⸗ gerichteten Schaden ersetzen. — Auch befiehlt der General⸗
schau befinden, sich innerhalb 24 Stunden auf
Aufenthalts zu legitimiren, widrigenfalls sie zu ihren betref⸗ fenden Corps transportirt werden sollen. Die Veranlassung zu diesem Befehl war, daß bei dem Uebergange der Polni⸗ schen Truppen auf das linke Weichselufer sehr viele Offiziere, Unteroffiziere und Gemeine, ohne dazu Erlaubniß erhalten
ihre Posten zu begeben. — Ferner zeigt der General⸗Gou⸗ verneur den Einwohnern von Warschau an, daß er elnen
einen Paß verlangt habe, um die Stadt und das Land zu verlassen, in diesen entscheidenden Augenblicken, wo die Dienste eines jeden Buͤrgers dringend gebraucht wuͤr⸗ den, sein Gesuch, das von mehr Vorsicht als Patriotismus zeuge, unmoͤglich habe bewilligen koͤnnen. — Dagegen hat der General⸗Gouverneur allen Soldaten⸗Frauen, welche Quartierbillets fuͤr Warschau haben, anbefohlen, sich bereit
Regimenter bestimmt sind, zu denen ihre Maͤnner gehoͤren; die von jenen Frauen in Warschau eingenommenen Quartiere sollen eine andere Bestimmung erhalten. — Endlich warnt derselbe die Bewohner Warschau's davor, Milttair⸗Effekten irgend einer Art aufzukaufen, indem ihnen diese nicht nur wieder weggenommen werden wuͤrden, sondern auch der Kaͤu⸗ fer einer dem Werth des gekauften Gegenstandes angemesse⸗ nen Geldstrafe unterliegen solle.
Folgendes ist das (vorgestern erwaͤhnte) Antwort⸗Schrei⸗ ben des Kommandanten von Modlin an den Feldmarschall Grafen von Diebitsch⸗Sabalkanski: „Herr Marschall! Da der Oberst Kiel, Adjutant Sr. Kaiserlichen Hoheit des Ce⸗ sarewitsch, welcher mir Ihren Brief uͤberbrachte, nicht auf schriftliche Antwort von mir warten konnte, so habe ich heute die Ehre, Ihnen dieselbe durch den Lieutenant Sobieski zu uͤbersenden. Sehr schmeichelhaft sind mir die zuvorkommenben Ausdruͤcke, mit denen Sie mich als Privatmann beehrt haben, ich werde mich bemuͤhen und hege die Hoffnung, es auch im Stande zu seyn, durch mein ferneres Verhalten Ihre Achtung, Herr Marschall, und die wohlgeneigte Meinung eines so erfahre⸗ nen Kriegers zu verdienen. Da ich den Geist der Besatzung von Modlin, welche ich zu kommandiren die Ehre habe, genau kenne, so kann ich Ihnen dreist versichern, Herr Marschall, daß sie in nichts der Armee nachstehen wird, deren Tapferkeit es Ih⸗ nen gefallen hat die gebuͤhrende Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Ohne mich auf den Inhalt Ihres Schreibens ein⸗ zulassen und besonders ohne die Stelle desselben zu eroͤrtern, welche des Vortheils erwaͤhnt, den das Kaiserl. Russische Heer in den Tagen des 19. und 25. Februars errungen ha⸗ ben soll, kann ich jedoch nicht umhin, Ihnen, Herr Marschall, zu erklaͤren, daß wir alle Veranlassung haben, die Ereignisse dieser Tage aus einem ganz andern Gesichtspunkte zu betrach⸗ ten. Aber wenn auch die Lage unserer Armee wirklich so waͤre, wie es Ihnen gefallen hat uns dieselbe darzustellen, wenn uns auch nichts Anderes uͤbrig bliebe, als mit unsern Personen die Zahl so vieler Tausende von Opfern fuͤr die Vertheidigung der Natlonal⸗Freiheit zu vermehren, selbst dann wuͤrde die Besatzung von Modlin in der gewissenhaften Bewahrung ihrer militairischen Ehre nicht schwanken und den Beweis ihrer buͤrgerlichen Hingebung darlegen, uͤberzeugt,
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daß sie auf diese Weise sich die Achtung, selbst von Seiten
E. werden sich nach der Graͤnze oder in das Innere des Landes verfuͤgen, waͤhrend ein Regiment Luͤtticher und Wallonen in
In Antwerpen wollte man Briefe aus Batavia haben, wonach es dem bekannten Rebellen⸗Haͤuptling Diepo Negoro
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zu nehmen, ohne vorher durch ihn dazu bevollmächtigt wor.
Gouverneur allen Militairs, welche sich gegenwaͤrtig in War⸗ K der Platzz Kommandantur zu melden und sich uͤber die Ursache ihres
zu haben, in Warschau zuruͤckgeblieben sind, statt sich auf
ihrer verdienstvollsten Mitbuͤrger, Adam Gurowski, welcher
zu machen, um binnen 3 Tagen die Hauptstadt zu verlassen und sich in die Staͤdte zu begeben, welche zu Depots fuͤr die
den Kammern an Se. Majestaͤt den Koͤni
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der Ueberwaͤltiger, und die Theilnahme derjenigen Nationen,
deren Wuͤnsche und Hoffnungen sich unserm heldenmuͤthigen Aufstande anschließen, erwerben werde. Ich habe die Ehre, Herr Marschall, Ihnen mit Hochschaͤtzung meinen Gruß ab⸗ zustatten. Modlin, 5. Maͤrz 1831. Der Kommandant der Festung Modlin (unterz.) Graf Ign. Ledochowski.“
Der sogenannte patriotische Verein zeigt dem Publikum an, daß seine Statuten vom 17. Februar von heute an bin⸗ dende Kraft erhalten und seine Berathungen auch ferner in dem Sitzungssaale der Universitaͤt um 5 Uhr Nachmittags statthaben sollten. Das Abzeichen dieses patriotischen Klubs soll in einem weißen Adler und der Hand mit dem Saͤbel, so wie der Unterschrift: „Seyn oder nicht seyn — den 29. Nov. 1830“‧, bestehen. 8 gch
Die Warschauer Zeitung enthaͤlt Folgendes: „Waͤh⸗ rend der Schlacht am 25. Februar lag ein Polnischer Offi⸗ zier schwer verwundet auf der Chaussee; neben ihm ein eben⸗ falls, jedoch nur leicht verwundeter Russischer Soldat. Die⸗ ser Letztere hoͤrt, daß Polnische Reiterei heransprengt; von Menschlichkeit geruͤhrt, macht er den Polnischen Offizier dar⸗ auf aufmerksam und heißt ihn, sich auf den Rand der Chaussee zuruͤckziehen, damit er nicht zertreten werde; da er aber von dem Offizier erfaͤhrt, daß dieser sich wegen seiner schweren Wunden nicht fortbewegen koͤnne, kriecht er, obgleich selbst verwundet, an ihn heran, zieht unseren Offizier uͤber die Chaussee hinweg und legt sich neben ihn. Die Reiterel sprengt voruͤber, beide bleiben unbeschaͤdigt; hinter der Kavallerie aber faͤhrt ein Fourgon. Auf diesen nimmt unser Offizier, von Dankbarkeit durchdrungen, den Russischen Soldaten mit hinauf, sorgt von nun an auf das eifrigste fuͤr ihn, laͤßt im Lazareth dessen Bett neben das seinige stellen, betrachtet ihn als seinen Bruder und verspricht ihm, stets seines Schick⸗ sals eingedenk zu seyn. Man hofft, daß beide bald genesen werden.“”“
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Muͤnchen, 11. Maͤrz. *) In der vorgestern gehaltenen
ersten oͤffentlichen Sitzung der Kammer der Abgeordneten wurde ein Schreiben der Kammer der Reichsraͤthe, worin diese von ihrer erfolgten Konstituirung und von der Ernennung des Grafen von Montgelas zum zweiten Praͤsidenten Nachricht giebt, demnaͤchst aber ein Reskript Sr. Majestaͤt verlesen, wonach die Staatsroͤthe von Schirmer und von Kopp zu Koͤnigl. Kommissarien ernannt worden sind. Der Finanz⸗ Minister, Graf von Armannsperg uͤbergab der Kammer den Rechenschaftsbericht uͤber die Staatseinnahmen und Ausga⸗ ben in den Jahren 1826, 1827 und 1828, desgleichen den
Nachweis uͤber die Einnahmen und Ausgaben der Staats⸗
Schulden⸗Tilgungs⸗Anstalt in denselben Jahren, so wie uͤber deren jetzigen Stand. — Auf den Antrag des Abgeordneten Kulman wurde der Druck der Sitzungs⸗Protokolle der Kam⸗ mer, Behufs deren Veroͤffentlichung, beschlossen, auch der Beschluß gefaßt, daß diejenigen, die sich mit der Verbreitung der Verhandlung in den oͤffentlichen Blaͤttern befassen, in ihrem Unternehmen von dem Sekretartat der Kammer un⸗ terstuͤtzt werden sollen. 1
Die Verhandlungen in der gestrigen (zweiten) oͤffentli⸗ chen Sitzung der Kammer der Abgeordneten betrafen haupt⸗ saͤchlich die Anstaͤnde, welche gegen die Wahl des Aogeordne⸗ ten v. Dresch erhoben worden waren; dieselbe ward schluͤß⸗ lich fuͤr guͤltig erklaͤrt.
Dem Vernehmen nach hat auch die Kammer der Reichs⸗ raͤthe in ihrer vorgestrigen Sitzung beschlossen, ihre Verhand⸗ lungen durch den Druck bekannt zu machen.
Aus dem von dem Finanz⸗Minister, Grafen Armannsperg, in der ersten Sitzung der Kammer der Abgeordneten erstat⸗ teten Rechenschafts⸗Bericht uͤber die Finanz⸗Verwaltung der Jahre 1825, 183 ⅞ und 18 ⅔ ½, und üuͤber die Verwaltung des Staatsschulden⸗Tilgungs⸗Wesens fuͤr dieselben Jahre, ergeben sich folgende erfreuliche Resultate: Trotz eines Ausfalls an den Taxen, Stempel⸗ und Domainen⸗Gefaͤllen, haben die Staats⸗Einnahmen den im Budget angenommenen Betrag in 4 Jahren um mehr als 2 Millionen uͤberstiegen, wovon der Grund zum Theil an dem groͤßeren Ertrage des Malz⸗ Aufschlags, der Zoll⸗- und Salinen⸗Gefaͤlle liegt, so daß an den Krediten der Minister uͤber 3 ½ Mill. in Ersparung kamen, daß die letzte Rechnung mit einem Aktivreste von mehr als 4½ Mill. Gulden abschloß, uͤberdies uͤber eine Million Gulden an Vor⸗ raͤthen und Ruͤckstaͤnden auf das folgende Jahr uͤberging
2888 *) Einen Artikel Muͤnchen vom 8ten d., welcher die von bei⸗ in Erwiederung der
Thronrede, gerichteten Dank⸗Adressen enthaͤlt, s. in der zweiten
Modena ist General Zucchi zum Ge
und um eine weitere Million das Verlagskaplcal vermehrt
wurde — ferner, daß den Tilgungs⸗Anstalten 1,100,000 Fl. uͤber ihre Dotation zugewendet werden konnten, daß die Til⸗
gung bei der Haupt⸗Anstalt uͤber 3 ½⅞ Mill., bei der Special⸗
Anstalt in Wuͤrzburg uͤber 400,000 Fl. betrug, daß die Last der Pensions⸗Amortisation am Schlusse von 18 1 6 schon um die jaͤhrliche Summe von 1,167,000 Fl. vermindert war, die 5procentige und die aufkuͤndbare Schuld gleich sam ver⸗ schwunden, von ersterer insbesondere uͤber 30 Mill. Gulden in 4Aprocentige umgewandelt, fuͤr 21 Mill. Staats⸗Papiere au porteur bereits vernichtet wurden, daß der Zinsfuß auf den Durchschnitt von 322 pCt. sich herabstellte und 43 Millionen Gulden der Staatsschuld in 4procentige Mobilist⸗ rungs⸗Obligationen konsolidirt wurden.
Kassel, 10. Maͤrz. Der Landtag ist gestern im Aller⸗ hoͤchsten Auftrag Sr. Koͤnigl. Hoheit des Kurfuͤrsten durch die Landtags⸗Kommissarien, Herren Ober⸗Appellationsgerichts⸗ Praͤsidenten von Porbeck Excellenz und Regierungsrath Eg⸗ gena, nach Verlesung und Unterzeichnung des Landtags⸗Ab⸗ schieds, geschlossen worden.
Die hiesige Zeitung meldet aus Marburg vom 7. Maͤrz: „Gestern Abend um 7 ½ Uhr erschollen Allarmhoͤrner und Trommeln; Buͤrger und Militair traten unter die Waf⸗ fen. Ein Buͤrger⸗Capitain, welchen das Offizier⸗Corps zwer Tage vorher wegen anstoͤßiger Umtriebe von seiner Function suspendirt hatte, hatte durch Vertheilung von Branntwein einen Auflauf unter seiner bisherigen Compagnie zuwege gebracht. Nur der Maͤßigung und dem naͤchsichtigen Verfahren des Commandeurs der Buͤrger⸗Garde war es zu verdanken, daß kein Blut vergossen wurde; es gelang endlich, die Ruhe da⸗ durch wiederherzustellen, daß der 3. Compagnie von dem Major gestattet wurde, sich den andern drei Compagnieen anzuschließen. Es ist zu hoffen, daß solchem anarchischen Unwesen durch kraͤftige Maaßregeln ein fuͤr alle Mal ein Ende gemacht werde.“
— — Dessau, 13. Maͤrz. Gestern fruͤh um 2 Uhr starb der Dichter Friedrich von Matthisson, Koͤnigl. Wuͤrtembergischer Geheimer Legationsrath, Ritter des Or⸗ dens der Wuͤrtembergischen Krone und des Großherzogl. Sachsen⸗Weimarschen weißen Falkenordens, zu Woͤrlitz, wo er seit mehreren Jahren dei den Verwandten seiner ihm vor sechs Jahren durch den Tod in der schoͤnsten Bluͤthe ihres Lebens geraubten Gattin lebte, im 71sten Lebensjahre, an Altersschwaͤche und Entkraͤftung. p“ 8 8 S chweiz. EeEE1A““ Luzern, 6. Maͤrz. In der Sitzung vom 3ten d. hoͤrte die Tagsatzung einen Rapport des Kriegsrathes uͤber die Maaßregeln, die die Neutralitaͤt sichern sollen, an; sie beste⸗ hen darin: daß 2 Contingente sogleich in marschfertigen Stand gesetzt werden. Durch ein Schreiben vom 2ten kuͤn⸗ digt der Ober⸗General einen Aufstand in Savoyen und das wahrscheinliche Einruͤcken der Lyoner Freiwilligen an; er hat 3 Bataillons unter dem Befehl des Obersten Forrers in Aktivitaͤt gesetzt, naͤmlich bei der Bruͤcke von St. Moritz in Martignac, und 2 Compagnieen Schanzgraͤber, eine in St. Moritz, die andere nach Nugaz beordert, um einige Festungswerke anzulegen. Ein 5tes Kontingent an Geld wurde zugestanden, um die Militairkosten vom Monat Maͤrz zu bestreiten. Die eine Haͤlfte soll aus der Militairkasse, die andere Haͤlfte soll von den Kantonen enthoben werden. MNeapel, 1. Maͤrz. Der Koͤnig wurde vorgestern im Florentinischen Theater, das er mit seiner Gegenwart be⸗ ehrte, von dem Publikum mit wiederholten Freudenbezeugun⸗
gen empfangen. Rom, 2. Maͤrz. Se. Heiligkeit ertheilte vorgestern in einem oͤffentlichen Konsistorium den von Leo XlI. und Pius VIII. mit dem Purpur bekleldeten Kardinaͤlen de Inguanzo e Ribera, Erzbischof von Toledo, de Cienfuegos⸗y⸗Jove⸗Llanos, Erzbischof von Sevilla, und Fuͤrst Rohan⸗Chabot, Erzbischof von Besangon, den Kardinalshut und ernannte demnaͤchst in einem geheimem Konsistorium drei Erzbischoͤfe, worunter sich Monsignor v. Dunin fuͤr Posen und Gnesen und Monsignor Kolowrat Krakowsky fuüͤr Prag befindet, so wie 20 Blschoͤfe⸗ worunter 1 fuͤr Ost⸗Indien und 6 fuͤr Amerika, näͤmlich fuͤr Tlascala, Chiapa, Linares, Guadalaxara, Durango und
Mechoacan. 3n an Nach Privat⸗Nachrichten von der Italtäaͤnischen Graͤnze vom 6. Maͤrz (welche die Allg. Zeitung mit⸗ theilt), ist Se. Kaiserl. Hoheit der Herzog von Modena am Zten d. M. von Wien wieder in Mantua neneh. In neral⸗Praͤfekten des
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