1831 / 77 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Fri, 18 Mar 1831 18:00:01 GMT) scan diff

Vorschriften Art. 2 und 3 des Reichstags⸗Beschlusses vom 3ten Febr. d. J. statthaben.“ Hierauf beschaͤftigten sich die Kammern mit Durchsicht der Protokolle der beiden im 4ten

und 8ten Stadt⸗Bezirk von Warschau abgehaltenen Landtage.

Die Wahl des 4ten Bezirks, welche auf Doͤminikus Kry⸗ sinski gefallen war, wurde einstimmig bestaͤtigt. Die Wahl des Finanz⸗Ministers aber, welche in dem 8ten Bezirke ge⸗ troffen worden, wurde mit geringer Majoritaͤt fuͤr unguͤltig erklaͤrt, mit Bezug auf den 31sten Artikel der organischen Statuten, wonach kein Regierungs⸗Mitglied in die Kammer der Repraͤsentanten zugelassen werden darf. Aus einer Rede, welche sodann der Minister des Innern hielt, geht hervor, daß auch in den Distrikten von Wielun und Warta neue Wahlen vorgenommen werden sollen. Nachdem hier⸗ auf noch einige Diskussionen uͤber den oben genannten Arti⸗ kel stattgefunden hatten, legte der Augustower Landbote Dombrowski zwei Gesetzes⸗Vorschlaͤge beim Marschalls⸗ stabe nieder, nach deren ersterem das Budget fuͤr 1831 den Kammern im Verlauf von 14 Tagen vorgelegt werden, nach dem anderen aber in Zukunft keine Pension von Civil⸗ Beamten irgend eines Ranges die Summe von 6000 Fl. über⸗ steigen sollte.

Die Warschauer Staats⸗Zeitung enthaͤlt folgen⸗ den Artikel (welchen wir unsern Lesern nicht vorenthalten zu duͤrfen glauben, da aus demselben die gegenwaͤrtig in War⸗ schau herrschende Stimmung zu ersehen ist): „Landsleute! Der jetzige Kampf, ein hartnaäͤckiger, blutiger und vielleicht der letzte, wird um die Existenz, Aufrechterhaltung, Freiheit und Unabhaͤngigkeit Polens gekaͤmpft. Mit festem Entschluß ha⸗ ben wir zu siegen oder ruhmvoll unterzugehen geschworen!

Ja, wir haben geschworen, daß wir, wenn es der Vorsehung

gefaͤllt, uns den Untergang zu bereiten, gleich den Juden nach der Zerstoͤrung Jerusalems nirgends aufhoͤren wollen, Polen u seyn; schwoͤren wir, daß wir unsere Nationalitaͤt vor den ugen des Feindes tief in unseren Herzen bergen wollen, daß niemals eines der uͤbrig gebliebenen Mitglieder unserer gro⸗ ßen ungluͤcklichen Nation sich durch Bande des Blutes oder der Freundschaft mit unseren Feinden vereinigen, daß wir und unsere Nachkommenschaft fuͤr ewige Zeiten in Verfol⸗ gung, Elend und Erniedrigung Polen nie verlaͤugnen, einan⸗ der als Bruͤder betrachten, uns in Muͤhen, Schmach und Ungluͤck beistehen, in der Erinnerung leben, unsere moralische Existenz stets bewahren und lieber in der weiten Welt zerstreut umherirren, als uns unter das Joch der Knechtschaft beugen werden. Moͤgen die unserer Sache befreundeten Maͤchte uns wenigstens das auswirken, daß uns nach unserem Fall erlaubt werde, die heilige Erde unserer Vaͤter mit H verlassen. Der Reichstag, welcher unser Stolz ist, schreibe uns eine Eidesformel vor, vollziehe sie selbst mit der Nation und lasse dieselbe durch den Mund der Geistlichen von den Kanzeln herab verkuͤndigen. Dem Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten aber befehle er, eine Note anzufertigen und sie an England und Frankreich abzusenden, mit der Bitte an diese Maͤchte, daß sie im Fall unseres Sturzes den hinter⸗ bliebenen und in Gefangenschaft gerathenen Uaberresten un⸗ serer Nation die Freiheit verschaffen, das durch die Anwe⸗ senheit des Feindes entheiligte, mit unserem Polnischen Blut befleckte und von Gebeinen bedeckte Land zu verlassen, da⸗ mit wir ungehindert unsere Habe veraͤußern und unser bewegliches Gut mit fortnehmen koͤnnen. Sie werden uns doch wohl diesen letzten Dienst dafuͤr, daß wir 10 Jahrhunderte hindurch Europa gegen den Norden und Osten geschuͤtzt haben, nicht verweigern; und der Sieger wird sich gern eines ihm verhaßten Geschlechts entledigen, ja er wird, wenn er von den großmuͤthigen Gesinnungen erfuͤllt ist, welche er vor der Welt bezeugt, zur Einwilligung bereit seyn, denn sein Ruhm und Wohl werden ihm die Erfuͤllung die⸗ ses Wunsches gebieten. Wir aber, denen der Himmel den Tod verweigert, oder die wir mit Wunden bedeckt in Gefan⸗ genschaft gerathen, werden mit Thraͤnen im Auge, mit einem vom Schmerz zerrissenen Herzen das Land unserer Vaͤter verlassen und uns in entfernten Gegenden Asiens, Afrika's oder Amerika's, die uns die goͤttliche Vorsehung und die Gastfreundschaft bestimmt, eine Wohnung bereiten, dankend dem Geber fuͤr das bewilligte Asyl, wo unserer Nationalitaͤt

fortzudauern gestattet wird.“ In der Staats⸗Zeitung liest man auch folgende Nach⸗

ricchten: „Am gten d. zogen sich die Russen von Praga bis nach

Wawer zuruͤck. In diesem Dorfe befindet sich das Haupt⸗ Quartier des Generals Geismar, welchem das Kommando UÜber die bei Seeeescss üeehem Russischen Truppen üuͤbergeben worden ist. Am folgenden Tage drang von unse⸗ rer Seite General Jankowski nach Wawer vor, um die Stellungen des Feindes zu rekognosciren. Die Augustower

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ab und Gut zu

Reiterei zersprengte ein Kosaken⸗Corps, welches die Russischen Streitkraͤfte deckte. Bei dieser Rekognoscirung wurden uns 2 Mann getoͤdtet und 20 verwundet; unter den Verwunde⸗

ten befinden sich 2 Stabs⸗Offiziere. Es zeigte sich, daß der

Feind seine Positionen bei Wawer noch mit 15 20,000 Mann Kavallerie, Infanterie und Artillerie besetzt haͤlt. Der Eisgang auf der Weichsel hat nun begonnen und das Wasser ist bis jetzt um 11 Zoll gestiegen; am 11. schon riß das Eis 3 Weichselschiffe von der Bruͤcke los. Gestern ist die Nachricht hier eingegangen, daß General Dwernicki wie⸗ der ein Russisches Bataillon zersprengt und dem Feinde 2 Stuͤck Geschuͤtz abgenommen habe.“

Der Oberst Dzialkowski macht in demselben Blatte bekannt, daß der Generalissimas ihn beauftragt habe, die Auswechselung des in Russische Gefangenschaft gerathenen schwer verwundeten Oberst-Lieutenants Spendowski auszu⸗ wirken, und daß ihm der General Korff mit der groͤßten Zuvorkommenheit die diesfaͤllige Bereitwilligkeit des Generals Geismar eroͤffnet habe. Der Warschauer Zeitung zu⸗ folge ist jener Gefangener nachher fuͤr den Russischen Oberst⸗ Lieutenant Butowicz ausgewechselt worden.

Der Befehlshaber der bewaffneten Militairmacht auf dem linken Weichsel-Ufer, Divisions⸗General Klicki, hat ein Cirkular an alle Civil⸗ und Militair⸗Behoͤrden folgenden In⸗ halts erlassen: „Die Geruͤchte, welche von uͤbelgesinnten und zaghaften Leuten verbreitet werden, sind eines Theils beunru⸗ higend, anderen Theils ungereimt und falsch; sie schwaͤchen den Geist der Einigkeit und des Vertrauens, oder hemmen. die Energie im Handeln, waͤhrend sie auf leeren Erwartun⸗ gen oder Ahnungen beruhen. Indem ich dergleichen Per⸗ sonen fuͤr Feinde der allgemeinen Sache ansehe, trage ich⸗

allen Behoͤrden, sowohl in der Hauptstadt als in den Pro⸗- vinzen, und allen Gutgesinnten auf, die Verbreiter solcher Geruͤchte als Verdaͤchtige zu ergreifen und den betreffenden

Behoͤrden zu uͤbergeben, von denen sie verhoͤrt uud vor Ge⸗ richt gestellt werden sollen.“ Derselbe General macht durch einen Tagesbefehl bekannt, daß sich die Kommission fuͤr die

Beduͤrfnisse der Armee daruͤber beschwere, daß bei Verthei⸗

lung der Lebensmittel und Fourage nicht die noͤthige Spar⸗ samkeit, noch weniger aber irgend eine Ordnung beobachtet werde. Es sey ihm sehr unangenehm, daß er sich deshalb

genoͤthigt sehe, die Offiziere jedes Ranges, welche Lebensmit⸗ tel fuͤr sich oder ihre Untergebenen in Empfang nehmen, daran zu erinnern, daß die Anstrengungen der Einwohner, welche ihr Hab und Gut zum Opfer bringen muͤßten, nicht weit ausreichen koͤnnten, wenn sie nicht durch sparsame und ordentliche Benutzung unterstuͤtzt wuͤrden; auf diese Weise werde die Armee bald von Mangel bedroht seyn. Deswegen befehle er allen Militairs, sich vor allen Mißbraͤuchen in die⸗ ser Hinsicht zu huͤten; widrigenfalls werde er sie zu persoͤn⸗ 888 Verantwortung ziehen und den Kriegsgerichten uͤber⸗ iefern. Unter amtlicher Rubrik enthaält die hiesige Staats⸗ Zeitung einen Armee⸗Bericht des Kommandanten der Fe⸗

stung Zamose, Artillerie⸗Oberst Krysinski, vom 7ten d. M..,

folgenden Inhalts:

„„Einige Stunden nach Absendung meines an den chemaligen Generalissimus, Fuͤrsten Radziwil, erschteten Berichts uͤber die istrikt und deren Chef, den

Sicherheits⸗Garde im Hrubieszower Kommissar Bromirski, nahm die genannte Garde, welche meine Auftraͤge stets treu und eifrig erfuͤllte, 2 Dragoner⸗Unteroffiziere, die als Couriere vom General Creutz aus Lublin an den in Dubienka stehenden General Balbekow abgeschickt wurden, in Hrubieszow gefangen. Die von diesen Courieren uͤberbrachten

Depeschen, welche zugleich mit den Courieren selbst nach der Festung gesandt wurden, enthielten den Befehl, die in Wolhy-⸗

nien stehenden Russischen Reserve⸗Bataillone aufs schleunigste zusammenzuziehen und sich mit denselben in forcirten Maͤrschen zu dem bei Lublin stehenden Corps des Generals Creutz zu be⸗

eben. Da ich dies verhindern wollte, beschloß ich, einen Aus⸗ gan aus der Festung bis nach Useilug zu machen, um das dort stehende Russische Bataillon aufzuheben. Diese Expedition bestand aus einer Compagnie vom 2ten Jaͤger⸗Regiment zu Fuß, unter Anfuͤh⸗

rung des Capitains Troszezyecki, einer Compagnie vom 4ten Regiment

derselben Wossengattung, unter Anfuͤhrung des Capitains Po-⸗ e des 3ten Linien⸗Infanterie⸗Regiments, unter dem Lieutenant Kossowski, einer Compagnie des 7ten Linien-⸗

morski, einer Compagn

Infanterie⸗Regiments, unter dem Capitain Kawickt, aus 4 Drei⸗ pfuͤndern, unter dem Kommando des Capitains der Fuß⸗Artillerie,

Raszewski, und des Unter⸗Lieutenants der reitenden Artillerie,

Lauden; ferner aus 35 Krakusen unter Anfuͤhrung des ehemaligen

Uhlanen⸗Capitains Kuzminski. Das Kommando uͤber die ganze Expedition, welche sich am 4ten d. M. nach Hrubieszow bezabe * em

fuͤhrten die Majore Bulewski und Szymanowski. Nach sich dieses Corps in Hrubieszow mit der vom Kommissar Bro⸗ mirski und Capitain Twarowski befehligten Sicherheits⸗Garde

(welche schon fruͤher die in Grabowiec und den naͤchstgelegenen

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oͤrfern zur Bewachung der von Krasnystaw nach Woyslawice 22 Landstraße aufgestellten Detachements deckte) vereinigt und die Stadt selbst mit einer starken Abtheilung dieser Garde besetzt hatte, theilte sich dasselbe in zwei gleiche Abthei⸗ lungen, von denen die erste, unter dem Kommando der Majore Bulewski und Ostrzykowski, in der Nacht vom 4ten auf den 5ten den Bug bei Strzyzewo passirte und sich auf dem Wege nach Wlodzimierz aufstellte, die andere aber, unter dem Major Szy⸗ manowski, auf dem Wege von Hrubieszow bis an die Faͤhre mar⸗ schirte und, nachdem sie auf einer in der Eil aufgeschlagenen Bruͤcke unter dem feindlichen Feuer den Uebergang bewerkstelligt hatte, mit Geschuͤtz sich auf der Straße jenseits des Bugs po⸗ irte. Eine in der Abtheilung des Majors Bulewski abgebrannte Rakete gab das Signal zum Angriff. Unsere jungen und im

Kajmpfe unerfahrenen Krieger warfen sich mit Blitzesschnelle in

die Stadt Useilug, wo sie Haus fuͤr Haus stuͤrmen mußten, und auf die Abtheilungen vor der Stadt. Unter dem Schutz unseres Kartaͤtschenfeuers cefochten die Polnischen Truppen einen voll⸗ staͤndigen Sieg. Das Ergebniß desselben sind: 360 Miegigeben⸗

ene, unter welchen ein verwundeter Oberst⸗Licutenant, Namens Pobomoles, und 8 Subaltern⸗Offiziere sich befinden, ferner eine

Fahne, gegen 300 Stuͤck Waffen, Patrontaschen und Tornister und

einige 100 Pferde. Von Seiten des Feindes wurden 70 Todte auf dem Schlachtfelde gezaͤhlt, unter ihnen auch der Oberst Czerwony. Unserem Corps sind 10 Mann getoͤdtet und 4 verwundet worden. Der Marsch dieses Corps von Zamose nach Uscilug und wieder zuruͤck wurde innerhalb 3 Tagen in der groͤßten Ordnung bewerk⸗ stelligt. Ich habe die Ehre, dem Generalissimus anzuzeigen, daß

die in die Festung gebrachten Kriegsgefangenen in den Kasemat⸗ ten untergebracht, die Waffen und die Fahne aber im Zeughause niedergelegt worden sind.“ Hierauf folgt noch eine Belobung der einzelnen Militairs, welche sich bei dieser Expedition beson⸗ ders ausgezeichnet haben. Unter den vielen Aufmunterungen von Seiten der Be⸗ oͤrden, um die Kampflust der Soldaten aufrecht zu erhalten, befindet sich auch eine Proclamation des Ministers der geist⸗ lichen Angelegenheiten, Grafen A. Bninski, worin dieser be⸗

kannt macht, daß die Kinder verabschiedeter Militairs jedes

Nanges, welche von neuem in den aktiven Dienst treten, so wie auch die Kinder derer, welche erst jetzt in die Kriegs⸗ reihen eingetreten sind, bei der Vorschlagung von Kandidaten zu Regierungs⸗ oder Privat⸗Stipendien fuͤr die studirende und Schul⸗Jugend, vor anderen bei gleichen Qualificationen

den Vorrang haben sollen. Die in den Warschauer Lazarethen befindlichen Verwun⸗

deten leiden noch immer an den dringendsten Beduͤrfnissen Mangel; so fehlt es unter Anderem an Bett⸗Ueberzuͤgen und Strohsaͤcken; der Municipal⸗Rath sieht sich daher genoͤthigt, nochmals das Menschlichkeitsgefuͤhl der Einwohner in An⸗ spruch zu nehmen und sie um Lieferung von 2000 Stuͤck beider Gegenstaͤnde zu ersuchen. Auch die National⸗Regie⸗ rung fuͤgt dieser Aufforderung des Municipal⸗Raths ihrer⸗ seits eine Proclamation an die Bewohner der Hauptstadt hinzu, worin sie dieselben zur Mildthaͤtigkeit ermahnt, da trotz aller Bemuͤhungen die Schnelle der Ereignisse nicht ge⸗ stteattet habe, die Militair⸗Lazarethe mit der erforderlichen

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BPeihrz habeei und Bequemlichkeit einzurichten. Um eine bestaͤndige Aufsicht uͤber die Militair⸗Lazarethe

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zu begruͤnden, hat die National⸗Regierung durch eine beson⸗ dere Verordnung ein Inspections⸗Comité dieser Lazarethe unter Vorsitz von Taddaͤus Lubienski errichtet, welches seine Sitzungen im Prymasower Palast halten soll; alle Behoͤr⸗ den und Privat⸗Personen haben sich in Lazareth⸗Angelegen⸗ heiten an genanntes Comité zu wenden.

Der Polnische Kurier berichtet, das Corps des Fuͤr⸗

nesweges aber, um ihr Leben einem nutzlosen Kampfe und Habe und Gut der Einaͤscherung preiszugeben, wurde dieselbe von ihm hart angelassen, und gleich darauf erfolgte die Entwaff⸗ nung der National⸗Garde. In diesem Augenblicke herrscht in Warschau eine dumpfe Gaͤhrung, aber bis jetzt wagt Nie⸗ mand, sich laut auszusprechen, weil man die Gesinnung der dermaligen Machthaber kennt und ihre Strenge fuͤrchtet; lange kann indessen dieser Zustand nicht dauern. Die Zahl der Fliehenden aus dem Koͤnigreich Polen ist sehr groß; hier⸗ her (nach Posen) allein haben an 600 ihre Zuflucht genom⸗ men. Ueber den Stand der Russischen Haupt⸗Armee er⸗ faͤhrt man nichts Zuverlaͤssiges; man vermuthet sie zwischen Modlin und Plock in der Gegend von Wyszogrod. Vor Praga steht nur ein Beobachtungs⸗Corps. Der Suͤdosten des Koͤnigreichs Polen soll ganz von den Russen geraͤumt seyn und der Partisant Dwernicki mit seinem Frei⸗Corps uͤber Lublin hinaus bis in die Gegend von Uscilug streifen. Der Exdiktator Chlopicki hat, wie man sagt, sich aus War⸗ schau entfernt.“

Nach Privat⸗Nachrichten aus Warschau vom 8ten d., welche die Breslauer Zeitung mittheilt, glaubte man, daß der Feldmarschall Diebitsch, da er noch nirgend ernstlich Miene gemacht, uͤber die Weichsel zu gehen, die Ankunft der Garden abwarte, welche am 1sten d. M. bei Kauen die

Polnische Graͤnze uͤberschritten haben und daher, bei den durch⸗ weichten Wegen, kaum vor dem 20sten in der Naͤhe von

Warschau eintreffen koͤnnen.

Von der Polnischen Graͤnze, 13. Maͤr Bei Mlawa sollen am 11ten d. fruͤh saͤmmtliche Polnische Graͤnz⸗Aufseher verschwunden seyn. Auch heißt es, daß die Polnischen Beamten aus Mlawa sich entfernt haͤtten, und

daß man daselbst am 11ten Russische Truppen erwartet habe.

Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 9. Maͤrz.

Statt des 67sten transitorischen Artikels des Wahlgesetzes, woruͤber die Berathungen an diesem Tage beendigt wurden, hatte Hr. C. Dupin eine Bestimmung des Inhalts in An⸗ trag gebracht, daß die Anfertigung der Wahl⸗Listen fuͤr 1831 innerhalb 45 Tagen nach der Bekanntmachung des Wahl⸗ gesetzes (nicht nach der Aufloͤsung der Kammer) beendigt seyn solle. Hr. v. Salvandy widersetzte sich diesem Vorschlage, wodurch man noch waͤhrend der Anlegung der Wahl⸗Listen die jetzige Kammer fortbestehen lassen wolle; waͤre die Regie⸗ rung der Meinung gewesen, daß diese Kammer ihr noch von Nutzen seyn koͤnnte, so wuͤrde sie das Wort Aufloͤ⸗ sung nicht ausgesprochen haben; da dies aber einmal gesche⸗ hen sey, so muͤsse man auch annehmen, daß die Regierung keine Gefahr darin erblicke, sich auf einige Zeit des Beistan⸗ des der Kammer zu entaͤußern. Hr. Jacquinot de Pampelune war ebenfalls der Meinung, daß das Amen⸗ dement des Herrn Dupin keinen anderen Zweck habe, als moͤglichst viel Zeit zu gewinnen, damit auf die jetzige Kammer fast unmittelbar die neue folgen koͤnne. Am Schlusse seines Vortrages brachte der Redner abermals die in mehre⸗ ren Provinzen verfuͤgten Haussuchungen zur Sprache, die er als voͤllig gesetzwidrig schilderte. Der Minister des In⸗ nern bestritt diese Ansicht; uͤberall, wo bisher noch Haussu⸗ chungen stattgefunden, seyen die uͤblichen Foͤrmlichkeiten dabei beobachtet worden, und an einem einzigen Orte, wo dies nicht der Fall gewesen, habe der Maire auch seinen Abschied er⸗ halten. Ueber den Antrag des Hrn. Dupin aͤußerte der Mi⸗

sten Schachoffskoi versammle sich in der Gegend von Plock. Am 9ten und 10ten d. M. sind in den 8 Stadt⸗Be⸗ zirken von Warschau, dem Regierungs⸗Ausschreiben gemaͤß, die Wahlen zu neuen Municipalraͤthen vorgenommen und fuͤr jeden Bezirk 4 Mitglieder gewaͤhlt worden. Wie der Warschauer Kurier meldet, sind schon vor⸗ gestern mehrere Posten in Warschau nicht mehr eingetroffen, welchen Umstand man dem Aufthauen der Fluͤsse zuschreibe.

Die Luftschifferin Garnerin ist mit ihrem Vater hier an⸗ 1 gekommen.

cDie Posener Zeitung vom 1öten d. enthaͤlt Fol⸗ gendes: „Nach Aussage glaubwuͤrdiger Reisenden, welche Warschau vor wenigen Tagen verlassen haben, herrschen dort geegenwaͤrtig die Terroristen, an deren Spitze der Generalis⸗ simus Serzynecki steht, ein aͤußerst tollkuͤhner Mann, der einen Kampf auf Leben und Tod beschlossen hat. Diese Ge⸗ sinnung theilen aber die Einwohner Warschau's nicht, welche in ihrer gegenwaͤrtigen hoͤchst bedauernswerthen Lage die alte Ordnung der Dinge lebhaft zuruͤckwuͤnschen. Als juͤngst eine Deputation der Buͤrgerschaft dem Generalissimus er⸗ klaͤrte, daß sie sich nur bewaffnet habe, um fuͤr die Ruhe und Sicherheit im Innern der Hauptstadt zu wachen, kei⸗

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nister sich folgendermaßen: „Die Aufloͤsung der Kammer ist eine Frage, die wir hier gar nicht zu eroͤrtern haben; sie ist auch voͤllig unabhaͤngig von dem Ihnen vorgeschlagenen Amen⸗ dement, wodurch bloß, falls die Aufloͤsung wirklich stattfinde, ein moͤglichst kurzer Zwischenraum zwischen beiden Sessionen bewirkt werden soll. Ich habe bereits die Praͤfekten aufge⸗ fordert, die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, damit die Wahllisten moͤglichst rasch angelegt werden koͤnnen. Zu diesem Geschaͤft kann ganz fuͤglich die Zeit benutzt werden, die zwischen der Bekanntmachung des Wahlgesetzes und der Koͤniglichen Verordnung, wodurch die Kammer aufgeloͤst wuͤrde, verfließen wird, denn die Aufloͤsung selbst koͤnnte immer erst stattfinden, nachdem die Ihnen noch vorliegenden Finanz⸗ Gesetze votirt worden. Hr. v. Vatimesnil erwiederte hier⸗ auf, daß in derselben Zeit, wo die Pairs⸗Kammer das Wahl⸗ gesetz, die Deputirten⸗Kammer auch jene Finanz⸗Gesetze an⸗ genommen haben wuͤrde; durch Amendement bloß der Regierung See machen, die Existenz der jetzigen Kammer noch einen Monat lang zu fristen; wenn sich indessen auch an der gesetzlichen Autoritaͤt dieser Kammer nicht zweifeln lasse, so sey doch ihre moralische Au⸗

Hr. C. Dupin wolle es durch sein

toritaͤt sehr geschwaͤcht, seitdem das Ministerium erklaͤrt, daß es

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