1831 / 78 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

urch den Frieden, ls durch den Krieg gelingen.

7 sie rts, a n 2. 8 Lieder angestimmt hat, welche man in fruͤhern Zeiten bloß aus dem Munde blutduͤrstiger Kannibalen vernahm. B

gung erregt mir Schaudern, und eben so wenig 9e mir nach

2 Der Krieg, m. H., hat mir immer als das groͤßte Truͤbsal geschienen, das unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden Frankreich treffen konnte; rechtfertigen ließe sich ein solcher nur, wenn wir selbst angegrif⸗ fen wuͤrden. Verhehlen wir uns nicht, m. H., in welcher Noth sich bei uns der Handel und Gewerbfleiß befinden; bei einem all⸗ gemeinen Kriege waͤre der Ruin unseres Seehandels unvermeid⸗ lich, und der Stoß, den die Kuͤsten⸗Departements dadurch erlit⸗ ten, wuͤrde sich auch fuͤr die Fabriken im Innern des Landes durch den Mangel alles Absatzes bemerklich machen. Ungeachtet dieser allgemeinen Noth muͤßte man von dem Volke neue Con⸗ tributionen an Mannschaft und baarem Gelde verlangen, und dies ist es, was die kriegerisch gesinnte Partei nur allzu oft ver⸗ ißt. Zu einem Kriege wuͤrden die gewoͤhnlichen Steuern nicht inreichen; wir muͤßten also, wenn es uns an Kredit fehlte, zu Requisttionen schreiten und, nachdem wir dem Steuerpflichtigen seine Einkuͤnfte genommen, ihm auch noch seine Kapitalien neh⸗ men. Wohl weiß ich, daß man sich darauf beruft, wir wuͤrden den Kriegsschauplatz sofort außerhalb Landes versetzen, und alle Voͤlker wuͤrden uns mit Freuden aufnehmen. Gesetzt auch, dies waͤre der Fall, so wuͤrden die Voͤlker, wenn sie unsere Armeen ernaͤhren muͤßten, sehr bald von ihrer Begeisterung zuruͤckkommen. Der Ruhm ist ein schoͤner Traum, auf den aber nur zu oft ein bitteres Erwachen folgt. Lassen Sie uns daher nicht zum Kriege herausfordern, m. H. Unter den Maͤnnern, die ihn wuͤnschen, giebt es welche, die von den hochherzigsten Gefuͤhlen getrieben werden; Andere aber, und dies ist die groͤßere Zahl, wollen ihn nur als Mittel zu ihren Privatzwecken benutzen; dies sind die Republikaner (Be⸗ wegung auf der linken Seite), die Napoleonisten und die Anhaͤn⸗ ger der vorigen Dynastie. Huͤten wir uns wohl, uns durch eigne Unvorsichtigkeit den Krieg zuzuziehen. Wie kann z. B. die Re⸗ gierung es zugeben, daß Franzosen Fremdlingen behuͤlflich sind, sich auf unserem eigenen Gebiete gegen Maͤchte zu waffnen, mit denen wir in Frieden leben? Wenn dies nicht Anarchie ist, so weiß ich nicht, was man darunter versteht. Wie koͤnnen jene remdlinge Frankreich als Lohn fuͤr seine Gastfreundschaft so sehr ompromittiren? In gewissen Gemuͤthern giebt sich die Absicht kund, uns in die Streitigkeiten aller Koͤnige und Voͤlker zu ver⸗ weben. Lassen Sie uns dafuͤr sorgen, m. H., daß die Grundsaͤtze unserer eigenen Regierung nicht angefochten werden, uns aber

nicht zu Don Quigpote's eines absoluten Princips, nicht zu Wie⸗

derherstellern alles begangenen Unrechts aufwerfen. Damit man jedoch unsere Regierung ehre, muͤssen wir auch den uͤbrigen nicht u nahe treten. Eine dienstliche Vermittelung ist erlaubt und ich atte eine solche zu Gunsten der Polen gewuͤnscht: zugleich aber hat das Ministerium daruͤber zu wachen, daß das Voͤlkerrecht bei uns nicht verletzt werde. Ein festes und gemaͤßigtes Betragen wird uns den Frieden erhalten; ich stuͤtze diese Hoffnung auf den Umstand, daß die fremden Maͤchte mir eben falls nicht im Stande zu seyn scheinen, einen Offensiv⸗Krieg zu fuͤhren. Wuͤrde aber dennoch der Krieg un⸗ vermeidlich, so frage ich, ob innere Unruhen und, als eine Folge derselben, der sinkende Kredit wohl eben dazu geeignet sind, uns

zu einem solchen vorzubereiten? Von den vielen Volksaufstaͤnden,

die seit dem Monat August v. J. stattgefunden haben, hat der des 14. Febr. die verderblichsten Folgen gehabt. Man konnte 2 Tage lang glauben, daß Frankreich gar keine Regierung habe, und diesem Umstande muß man die Fortsetzung des Unfugs in verschiedenen Departements beimessen. Sollte es wahr seyn, daß es eine foͤrmliche Associgtion zur Anstiftung von Unruhen gebe? Ich befrage hieruͤber das Ministerium. (Mehrere Stimmen: Giebt es denn noch ein Ministerium?) Man hat in dieser Kammer viel von einer Partei der Bewegung und einer Partei des Wider⸗ standes gesprochen. Auch ich gehore der ersteren an, insofern man darunter die natuͤrliche und fortschreitende Entwickelung jedes gesellschaftlichen Zustandes meint. Was ich aber unbedingt verwerfe, und was Sie, m. H., mit mir verwerfen werden, ist jene ungeregelte Bewegung, die, sich selbst unbewußt, nicht weiß,

ijon die rothe Muͤtze aufgepflanzt und

Diese Bewe⸗

einer solchen, die uns in die Zeiten der Republik zuruͤck⸗ versetzte. Moͤchten die Ruhestoͤrer doch einsehen, dng sie durch ihre Umtriebe nur das Wohl ihres eigenen Landes gufs Spiel setzen! Moͤchte anderer seits die Regierung sich be⸗ reiten, mit Festigkeit aufzutreten, um die Ruhe und Ordnung

wiederherzustellen und den Parteigeist zu unterdruͤcken; nur 5 Pat ; nur so wird das Vertrauen und mit ihm der Handel und G rebe s

Per hen „nur kutionen hewabren.“

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Versammlung machte, ließ sich Hr. Barthe zur Vertheidi⸗

so kann Frankreich sich seine Unabhaͤngigkeit ein verfassungsmaͤßiges Köͤnigthum und seine freisinnigen gnsti LEEEEEEE1“

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Nach dieser Rede, die den lebhaftesten Eindruck auf die

gung des Ministeriums vernehmen. er, habe kein ihr zu Gebote stehendes Mittel verabsaͤumt, um die innere Ruhe aufrecht zu erhalten; wenn diese gleichwohl gestoͤrt worden, so sey die Gewalt der Dinge daran Schuld, und man koͤnne das Ministerium nicht fuͤr Ereignisse verant⸗ wortlich machen, denen keine menschliche Vorsicht vorzubeu⸗ gen im Stande gewesen waͤre. Hr. Berryer erklaͤrte sich ebenfalls gegen den Verkauf der Waldungen; zugleich hielt er es fuͤr bedenklich, einem Ministerium, das so wenig

Die Regierung, meinte

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sten Wege zu ver

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bs 8 1 1“ Sicherheit fuͤr die Zukunft und Vertrauen fuͤr die Gegenwart

einfloͤße, als das jetzige, einen Kredit von mehr als einer

Milliarde zu bewilligen, naͤmlich 300 Mill. fuͤr die 4 ersten

Mill. aus dem Emigranten⸗Entschaͤdigungs⸗Fonds; jetzt wie⸗

der 200 Mill. in Schatzkammer⸗Scheinen und 300 Mill. an abermaligen Steuer⸗Zwoͤlftheilen. „Ich mag nicht untersu⸗ chen,“ aͤußerte Hr. Berryer am Schlusse seiner Rede, „ob

das Ministerium haͤtte einen Krieg herbeifuͤhren sollen oder

nicht; dem sey indessen wie ihm wolle, so behauptet man

laut, daß Belgien, Polen und Italien nur auf unser Anstif⸗

ten revolutionnirt worden sind. In den Augen von ganz Europa gelten wir sonach fuͤr die Anstifter der Empoͤrung in diesen drei Laͤudern. Man muß eingestehen, daß das Mini⸗ sterium unsere aͤußere Angelegenheiten eben so schlecht, wie die inneren, gefuͤhrt hat. Unfaoͤhig, die Ruhe und Ordnung im Innern zu handhaben, hat es uns in eine falsche Stellung, den uͤbrigen Voͤlkern von Europa gegenuͤber, gebracht; unmoͤg⸗ lich kann ich ihm daher bei dem gegenwaͤrtigen Zustande des

Steuer⸗Zwoͤlftheile; 150 Mill., zu deren Ausgabe in Schatz⸗ kammer⸗Scheinen die Minister autorisirt worden sind; 60

Landes einen Kredit von mehr als einer Milllarde bewilligen.“

Der Minister der auswaäͤrtigen Angelegenheiten trat zur Widerlegung des vorigen Redners auf. So wenig auch, aͤußerte er, das jetzige Mintsterium Berryer Ver⸗ trauen einfloͤße, so sey es doch noch am Staatsruder, und man mache sich gewissermaßen strafbar, wenn man ihm die

Mittel verweigere, den ihm gewordenen Auftrag zu erfuͤllen.

(Unterbrechung: Ein jeder Deputirter hat dazu das Recht.) „Es ist nicht meine Absicht“, fuhr der Graf Sebastiani fort,

„den Vorrechten der Kammer zu nahe zu treten; wenn man

uns aber angreift, so muͤssen wir uns auch vertheidigen koͤn⸗ nen. Frankreich und seine Regierung sollen an der Polni⸗ schen Revolution Schuld seyn. Hat man wohl das ganze Gewicht dieses Vorwurfs gefuͤhlt? Nein, m. H, das Polni⸗ sche Blut kommt nicht uͤber unser Haupt; es faͤllt auf diejenigen zu⸗

ruͤck, die Polen zu einem Aufstande verleitet haben, der es ins Ver⸗

derben stuͤrzen mußte. Was Frankreich, was uns betrifft, die wir die traurigen Folgen der Empoͤrung nur allzurichtig voraussahen, so sagt uns unser Gewissen, daß wir nichts verabsaͤumt ha⸗ ben, um das jetzige Truͤbsal von einer Nation abzuwenden, die von jeher unsere Theilnahme erregt hat. Ich habe mein

Blut an der Spitze der Polnischen Legionen verspruützt, und,

glauben Sie mir, m. H., Erinnerungen und Neigungen, die sich vom Schlachtfelde herschreiben, verwischen sich nie⸗

mals. Das Ministerium hat von dieser Rednerbuͤhne herab jeden

Gedanken an ein System der Propaganda zuruͤckgewiesen.

Wir verlangen fuͤr Frankreich Unabhaͤngigkeit und Freiheit,

aber wir uͤberlassen es den uͤbrigen Nationen, fuͤr ihre eigene Frei⸗

heit und Unabhaͤngigkeit zu sorgen; und Thatsachen bekunden 8

es, daß unser Betragen mit diesem Grundsatze stets im Ein⸗ klange gewesen ist. Von der Spanischen Graͤnze haben wir diejenigen entfernt, die das Recht der Gastfreund⸗ schaft dazu mißbrauchten, das Spanische Gebiet zu be⸗ drohen, und neuerdings hat unsere Wachsamkeit und Vorsicht die Plaͤne vereitelt, die man gegen Piemont und Italien schmiedete. jeden Verdacht, unser Betragen uͤber jeden Vorwurf erhaben. Will man hiernach noch dem Ministerium die Mittel verwei⸗ gern, deren die Regierung zur Verwaltung des Landes be⸗ darf? Die jetzigen Minister, m. H., werden abtreten und mit der Ueberzeugung in den Privatstand zuruͤckkehren, daß sie alle ihre Kraͤfte der Aufrechthaltung des Friedens im In⸗ nern wie nach außen hin gewidmet haben. Aber es ist die Pflicht der Kammer, namentlich einer solchen, wie die jetzige, die Thron und Verfassung gegruͤndet hat, dasjenige zu bewilligen, was von ihr verlangt wird, und ihre Weigerung wuͤrde ein großer Fehler seyn. Ich hoffe, m. H., daß Sie diesen Eifer einem Minister verzeihen werden, der, von den lautersten Gesinnungen beseelt, die friedliche Bahn, die er eingeschlagen, niemals verlassen hat und sie so lange ver⸗ folgen wird, als der Koͤnig ihm sein Vertrauen zu erhalten die Gnade hat.“ Nach dem Grafen Sebastiani ließen sich noch Herr Bailliot, der Graf v. Mosbourg und Herr Salverte uͤber den vorliegenden Gesetz⸗Entwurf vernehmen. Letzterer meinte, man muͤsse die verlangten 200 Millionen nicht diesem oder jenem Minister, sondern dem Lande, seinen Beduͤrfnissen, seiner gegenwaͤrtigen Lage und sei⸗ ner Zukunft bewilligen. In demselben Sinne äußerte sich Hr. Laffitte, welcher zugleich die Gruͤnde angab, wes⸗ halb die Regierung sich entschlossen habe, von ihrem urspruͤng⸗ lichen Plane abzugehen und sich demjenigen der Kommission anzuschließen, wonach es dem Finanz⸗Minister uͤberlassen blei⸗ ben soll, sich die shaecheaen 200 Mill. auf dem vortheilhafte⸗ chaffen; es verstehe sich uͤbrigens von selbst,

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Unsere redliche Absicht ist uͤber

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fuͤgte Hr. Laffitte hinzu, daß das Ministerium die Summe der 200 Mill. selbst nicht uͤberschreiten duͤrfe. Am Schlusse der Sitzung bestieg noch der ehemalige Kriegs⸗Minister, Vi⸗ comte Decauyx die Rednerbuͤhne, um die mehrmals aufge⸗ stellte Behauptung zu widerlegen, daß das Kriegswesen un⸗ teer der Regierung Karls X. voͤllig vernachlaͤssigt worden sey.

Am 1. Januar 1829 habe sich in den Magazinen ein 6mo⸗

natlicher Proviant fuͤr eine Armee von 180,000 Mann und ein Vorrath an Bekleidungs⸗Gegenstaͤnden fuͤr 60,000 Mann befunden; zu derselben Zeit waͤren in den festen Plaͤtzen und Zeughaͤusern 1,200,000 Feuergewehre und 400,000 blanke Waffen vorraͤthig gewesen; ferner 11,152 Geschuͤtzstuͤcke, 10,580 Laffetten, 8612 Munitions⸗Wagen, 1200 Bagage⸗ Wagen, 9 Millionen Kilogramme Blei und 41 Millionen Patronen; daß die Festungswerke gaͤnzlich vernachlaͤssigt wor⸗ den, lasse sich eben so wenig behaupten, da sonst jetzt schwer⸗ 8 lich 15 Millionen zu ihrer Instandsetzung hinreichen wuͤrden. MNach einer kurzen Erwiederung des Marschalls Soult faßte er Berichterstatter die Berathung zusammen, worauf die Diskussion uͤber die einzelnen Artikel des Gesetz⸗Entwurfes -aauf den folgenden Tag verlegt wurde.

Paris, 11. Maͤrz. Der Koͤnig hielt gestern Abend um 8 8 einen Ministerrath, dem Herr Casimir Perier bei⸗ wohnte. 6 )Der Herzog von Orleans beehrte gestern einen Ball, der in der Straße Taitbont zum Besten der Waisen gegeben wurde, mit seiner Gegenwart; um Mitternacht senkte sich ploͤtzlich der aus Brettern leicht zusammengezimmerte Fuß⸗ dböoden des Tanzsaales und unterbrach das Fest; zum Gluͤck wurde Niemand dabei beschaͤdigt. Deer heutige Moniteur meldet unterm 10ten Folgen⸗ des: „Gestern Abend um 9 Uhr versammelte sich ein Hau⸗ fen von einigen zwanzig Individuen vor dem Russischen Gesandtschafts⸗Hotel; zwei Schuͤsse ließen sich vernehmen, und einige Fensterscheiben wurden mit Steinen eingeworfen. Die Buͤrger wurden mit Unwillen daruͤber erfuͤllt; die National⸗ Garde eilte herbei, und die Ruhestoͤrer ergriffen die Flucht. Heute durchzogen Unruhestifter mehrere Straßen mit einer in einen Trauerflor eingehuͤllten Fahne; sie gingen an dem Rus⸗ sischen Gesandtschafts Hotel voruͤber, ohne sich aufzuhalten; es ließ sich Geschrei vernehmen, aber die Gegenwart der Na⸗ tional⸗Garde und einiger Compagnieen Linien⸗Truppen, die sich sogleich an Ort und Stelle begaben, unterdruͤckte diese ungeziemenden Aeußerungen. Die Achtung, die man dem Repraͤsentanten einer fremden Macht schuldig ist, beruht auf dem Principe des Voͤlkerrechts, die keine civilisirte Nation verkennen darf, und welche die Regierung aufrecht zu erhal⸗ ten wissen wird.“ Ueber denselben Vorfall liest man in andern Blaͤttern noch Folgendes: „Gestern zwischen 4 und 5 Uhr Nachmittags zog ein Haufe von 12 1500 jungen Leuten, groͤßtentheils Studirende, uͤber die Quais auf dem linken Seine⸗ Ufer; sie ließen sich eine dreifarbige Fahne mit einem langen schwarzen Flor vortragen und riefen: „„Es leben die Polen! Es leben die Patrioten! Nieder mit den Karlisten!““ Die Mehrzahl trug Florbinden am Arme und eine Immortelle im Knopfloch. Sie begaben sich nach der Wohnung des General Lafayette, an welchen der Fahnentraͤger eine Anrede hielt, worin das Polnische Comité um Errichtung eines Denk⸗ mals fuͤr die gefallenen Polen gebeten wurde. Der General er⸗ wiederte, daß die Sache der Polen noch nicht ganz verloren sey; man muͤsse bestimmtere Nachrichten abwarten, den Gedanken der Errichtung eines Monuments billige er u. s. w. Hierauf zogen die jungen Leute ab, und der Ruf: Nach-⸗Ste. Pelagie! schien die Absicht kund zu geben, die dort in Haft sitzenden Staats⸗ gefangenen zu befreien. Die in der Naͤhe des Gefaͤngnisses aufgestellten National⸗Garden und Linientruppen machten je⸗ doch jeden Versuch dieser Art unmoͤglich. Abends rottete sich ein zahlreicher, aus jungen Leuten und brodtlosen Arbeitern bestehender Haufe auf dem Platze vor dem Palais⸗Royal zu⸗ sammen, hielt die Wagen an, noͤthigte die Kutscher, die Ra⸗ men ihrer Herren anzugeben und ging erst auseinander, nach⸗ dem die Polizei⸗Kommissarien, an der Spitze von Deta⸗ schements der National⸗Garden, die gesetzlichen Aufforde⸗ rungen hatten ergehen lassen. Auch die herbeigestroͤmte neugierige enge und Wagen mit Karnevals⸗Masken, welche die Passage gehemmt hatten, verloren sich bald, und gegen 10 Uhr trat vollkommene Ruhe ein. Die Straße, in welcher das Hotel des Russischen Botschafters liegt, wurde von zahlreichen Patrouillen durchzogen. Vor dem Palais⸗Royal wurden einige Individuen verhaftet.“ Der Temps spricht sich mit großem Unwillen uͤber die Verletzung des Domtcils des Russischen Botschafters aus: „Wer sind diese Leute,“ sagt er unter

Anderm, „oder viel⸗

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1“” . mehr diese Kinder, die nach ihrem Belieben die Gesetze äͤn⸗ dern wollen, auf denen die Treue und der Glauben der Re⸗ gierungen und die Sicherheit der Nationen beruht. Muͤssen sie als Zoͤglinge der Schulen nicht erst noch lernen, bevor sie Lehren geben, oder wenn sie schon einem Stande angehoͤren, haben sie keine Pflichten zu erfuͤllen, statt auf den Straßen umherzulaufen und in der Hauptstadt eines großen Koͤnig⸗ reiches Besorgnisse zu verbreiten, die allen Eigenthuͤmern schaͤd⸗ lich und nur fuͤr diejenigen vortheilhaft sind, welche nichts, nicht einmal die Liebe zur Arbeit und zum Erwerbe, besitzen? Das sind also die Diplomaten, welche die Vertraͤge, Unter⸗ handlungen, das Voͤlkerrecht, alle Garantieen des Friedens, alle Gesetze der Schicklichkeit uͤber den Haufen werfen. Diese sind es, welche die Ehre des Franzoͤsischen Charakters durch

niedrige Herausforderungen gegen eine Gesandtschaft kompromit⸗

tiren, dessen einziger Schutz die Franzoͤsische Loyalitaͤt und die National⸗Wuͤrde ist. In den unheilvollsten Zeiten unserer langen Revolutionen haben wir kein so beschäͤmendes Er⸗ eigniß erlebt!“

Folgendes ist, den hiesigen Blaͤttern zufolge, das (gestern erwaͤhnte) Schreiben, das der Oberst Cadoudal an⸗ geblich an die Herzogin von Berry gerichtet haben, und das bei einer in dessen Wohnung angestellten Haussuchung von einem Gendarmerie⸗Offizier den Flammen, in welche die Ge⸗ mahlin des Obersten dasselbe geworfen hatte, entrissen worden seyn soll:

„Madame! Die Usurpation regiert bereits seit sechs Mona⸗ ten, und seit dieser fuͤr Frankreich und Europa ungluͤcklichen Epoche erwarten wir vergebens die Befehle der Legitimitaͤt, fuͤr die unsere Vaͤter, in deren Fußstapfen wir zu wandeln wuͤnschen, ihr Blut vergossen haben. Einige Emissaire sind von Seiten Ewr. Koͤnigl. Hoheit zu uns gekommen; aus ihren Aeußerungen sehen wir aber mit Betruͤbniß, daß noch kein allgemeiner Plan festgestellt is. Man naͤhrt aufs Unbestimmte hin unsere Hoff⸗ nung, ohne unserer Ungewißheit einen festen Halt zu geben. In⸗ zwischen organisirt sich der Feind, vermehrt seine Kraͤfte, und die schwankenden Menschen, die auf dieser Erde keine andere Rolle zu spielen haben, als daß sie sich den Staͤrkern zugesellen, naͤhern sich ihm in der Ueberzeugung, daß seine Macht von Dauer seyn wird. Die Bretagne bietet große Huͤlfsquellen fuͤr unsere Sache dar; die Gesinnung ist hier gut; wie kann man aber ohne Geldmittel sich durch Emissaire verstaͤndigen und der Sache ei⸗ nen solchen Anstoß geben, daß sie zugleich im Westen, Suͤden und Norden losbricht? Man darf es sich nicht verhehlen, daß jede partielle Bewegung im Departement des Mor⸗ bihan oder in der Vendée nur eine imposante Streit⸗ macht dahin ziehen wuͤrde, welche diese Provinzen erdruͤcken und solche Furcht verbreiten wuͤrde, daß man spaͤter dort gar nichts unternehmen koͤnnte. Ohne Zweifel wuͤrde die Regie⸗ rung uͤber einen partiellen Aufstand hoch erfreut seyn, um sich jener angeblichen Juli⸗Helden zu entledigen, mit denen sie nicht weiß, was sie anfangen soll, und die nur guf eine Gelegenheit warten, um zu morden und zu pluͤndern. Jeder partielle Auf⸗ stand muß daher sorghältig vermieden werden. Kann man jetzt, auch ohne Huͤlfe des Auslandes, an einen Aufstand im Innern des Landes denken, vorausgesetzt, daß alles dazu vorbereitet ist? Ja, wenn Se. Koͤnigl. Hoheit der Dauphin in 8— einen Auf⸗ ruf an den Suͤden ergehen laͤßt, wenn Eure Koͤnigl. Hoheit in unsere Mitte zu kommen geruhten und die Dauphine zu gleicher Zeit im Rorven erscheint, schließt Frankreich noch genug hoch⸗ herzige Seelen in sich, die unter den Augen ihrer rechtmaͤßigen Fuͤrsten Alles wagen wuͤrden. In diesem Falle wuͤrde die Bre⸗ tagne 40 50,000 Mann unter die Waffen stellen. Aber man darf es sich nicht verhehlen, ohne die Fuͤrsten wird man nichts thun. Hieruͤber herrscht nur eine Stimme, und uͤberall hoͤrt man sagen: „‚Da die Mitglieder der Koͤnigl. Familte an der Wieder⸗

herstellung der Ordnung mindestens eben so viel Interesse haben.,

wie wir, so ist es nicht mehr als billig, daß sie sich, wie wir

allen Gefahren aussetzen.““ Inzwischen rechnet man allgemein auf das Ehren gen der fremden Wescher, die durch ihr eigenes Interesse genoͤthigt werden, diese Partie zu ergreifen. Sie muͤs⸗ sen mehr als irgend sonst Jemand uͤberzeugt seyn, daß die U un- pation sich selbst momentan nur dadurch behaupten kann, daß sie in den Nachbarlaͤndern Repolutionen bewirkt. Buonaparte und die Geschichte bestaͤtigen diese Wahrheit, die bisweilen nur vo den verblendeten Kabinetten verkannt wird. Wenn man nicht lauben kann, daß die Koͤnige lebensmuͤde oder verblendet sind, o muß man annehmen, daß sie Alles aufbieten werden, um die seit 15 Jahren in Frankreich vorbereitete Revolution zu ersticken. Spanien uͤberschreite die Alpen, Oesterreich, Rußland aa . ßen gehe uͤber den Rhein, und bald werden wir von der je ger befreit seyn. Was 888 die liberalen Zei⸗ nger des Sohnes des Koͤnigsmoͤrders sagen evolution aus⸗ Man kann eine

ephemeren Reglernng tungen und die Anh

moͤgen, der Enthusiasmus, der bei unserer ersten brach, ist in Frankreich nicht mehr vorhanden. Million National⸗Garden bekleiden und bewaffnen, aber es ist nicht eben so leicht, sie ihren Penaten zu entreißen nund. geeen

den Feind zu fuͤhren. In den Devpartements straͤu Mehrzahl 4 ar, auf die Wache 6 ziehen, und wenn sie in Pa⸗ ris mehr 8 zeigen, so geschieht es nur, um ihr Besitzthum in

bewahren. Die Vernichtung des Handels, die taͤglich qusbrechen⸗