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von panischem Schrecken uͤberwaͤltigt, ihren Posten verlassen e, in ein benachbartes Land (nach Bologna) zu fluͤchten. In solchen Augenblicken sind rasche, wirksame und entscheidende Maaßregeln erforderlich, die nicht wohl erzielt werden koͤnnen, wenn sich die Verwaltung der oͤffentlichen Angelegenheiten in den Haͤnden mehrerer Personen befindet. Aus diesen Gruͤnden und durch die gebieterischen Beduͤrfnisse des Vaterlandes bewogen, uͤbernehme ich die Regierung die⸗ ser beiden Provinzen in der Eigenschaft als Praͤsident, be⸗ staͤtige provisorisch saäͤmmtliche Civil⸗ und Militair⸗Behoͤr⸗ den, die ihren Posten nicht schaͤndlicherweise verlassen haben, und fordere sie auf, mit mir zum besseren und sorgfaͤltige⸗ ren Gange der oͤffentlichen Angelegenheiten zu wirken. — Wackere Bewohner der Provinzen von Modena und Reggio! fahret fort, stets die Ordnung zu lieben, und sehr bald mit dem bereits regenerirten Theile Italiens vereinigt, werden wir uns dadurch eine Repraͤsentativ⸗Regierung, eine dauer⸗ hafte Gluͤckseligkeit versichern. Modena, den 7. Maͤrz 1831. Der Divisions⸗General Carlo Zucchi.“ — Außerdem ließ General Zucchi allenthalben verbreiten, daß das Ganze nur ein Versuch der Modenesischen Truppen sey, um eine Reac⸗ tion im Lande zu bewirken; daß die Oesterreicher sie zwar durch eine Aufstellung an der Graͤnze unterstuͤtzt haͤtten, aber daß kein Oesterreicher die Graͤnze uͤberschritten habe, noch uͤberschreiten werde. Unter diesen Umstaͤnden ließ der K. K. Feldmarschall⸗Lieutenant, Freiherr von Geppert, welcher am Zten Carpi besetzt hatte, alle erforderliche Dispositionen zum Angriffe treffen. Nachdem die von den Insurgenten bei ihrem
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Ruͤckzug in Brand gesteckte Bruͤcke uͤber die Secchia wieder
hergestellt war, setzten sich die K. K. und Modenesischen Truppen heute Morgens um 6 Uhr gegen Modena in Marsch und ruͤckten Mittags ohne Widerstand in diese Stadt ein, welche General Zucchi mit 7— 800 Mann in der Nacht verlassen und sich gegen Bologna, zwei Kanonen, ungefaͤhr 1000 Ge⸗ wehre und alles Geld, was er zusammenraffen konnte, mit⸗ nehmend, zuruͤckgezogen hatte.“
„Se. Koͤnigl. Hoheit der Erzherzog, Herzog von Mo⸗ dena, ist allenthalben in Seinen Staaten, und vorzuͤglich in der Hauptstadt, mit den lebhaftesten Freudensbezeigungen empfangen worden. — Auch Reggio hat sich bereits unter⸗ worfen. — Se. Koͤnigl. Hoheit der Herzog hatte unterm 2. Maͤrz folgende Proclamation aus Cattajo erlassen:
„Franz IV., von Gottes Gnaden, Herzog von Modena,
Reggio, Mirandola, Massa und Carrara, Erzherzog von Oesterreich, Koͤniglicher Prinz von Ungarn und Boͤhmen ꝛc. ꝛc. ꝛc. In dem Augenblicke, wo Wir, unter dem Beistande Gottes, in der Mitte Unserer getreuen Truppen, unterstuͤtzt von denen, welche Se. Majestaͤt der Kaiser von Oesterreich, als erlauchtes Haupt Unserer Familie, Uns zur Huͤlfe geschickt hat, um die durch eine Verschwoͤrung von Aufruͤhrern auf kurze Zeit gestoͤrte rechtmaͤßige Ordnung der Dinge wieder⸗ herzustellen, in Unsere Staaten zuruͤckkehren, erklaͤren Wir, mit Beziehung auf Unsere, unterm 14ten v. M. aus Mantua erlassene Proclamation, saͤmmtliche Akte, Befehle und Anord⸗ nungen, die von den revolutionnairen Usurpatoren der Regie⸗ rung Unserer Staaten ausgegangen sind, fuͤr null und nich⸗ tig, erklaͤren ferner, daß alle vor der letzten Revolution recht⸗ maͤßig konstituirte Behoͤrden wieder eingesetzt sind, und be⸗ fehlen Allen und Jeden, welche zur Zeit des Ausbruchs ge⸗ dachter Revolution im Amte waren, unverzuͤglich die Aus⸗ uͤbung ihrer Functionen wieder anzutreten.”) „ Wir setzen in die Aahaͤnglichkeit und in die Treue der großen Mehrzahl Unserer geliebten Unterthanen, von denen Wir bei mehreren Gelegenheiten, und namentlich bei den letzten Ereignissen, so vlele Beweise erhalten haben, das Ver⸗ trauen, daß sie, Unserer Stimme Gehoͤr gebend, jeder in sei⸗ nem Wirkungskreise, zur Wiederherstellung der rechtmaͤßigen Ordnung mitwirken und die Befreiungstruppen mit Gesuͤh⸗ len der Dankbarkeit aufnehmen werden. Gegeben in Cat⸗ tajo den 2. Maͤrz 1831. Franz.“
Der Gemeinde⸗Rath von Carpi hatte am 7. Maͤrz nach⸗ stehenden Aufruf an die Einwohner dieser Stadt und der Umgegend erlassen:
„Die gestern bekannt gemachte und angeschlagene Pro⸗ clamation Sr. Excellenz des Freiherrn von Frimont *) zeigt uns, wie sich Jeder bei dem hoͤchsterfreulichen Anlasse zu be⸗ nehmen hat, wo unser allergnaͤdigster Landesherr mit wieder⸗ holten Versicherungen der Milde fuͤr pflichtmaͤßige Unterwer⸗ fung, aber gerechter Strenge gegen verbrecherische Halsstar⸗ rigkeit, in Seine Staaten Füsee et h
„Wir, deren groͤßter Ruhm seit so vielen Jahrhunder⸗
*) Wir haben dieselbe im vorgestrigen Blatte der St. Z. mit⸗ getheilit. *
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ten darin bestanden hat, daß wir uns unter allen ergebenen Unterthanen durch Treue und wahre Anhaͤnglichkeit an das Regentenhaus Este ausgezeichnet haben, duͤrfen nicht einen Augenblick zoͤgern, Alles anzuwenden, um einen so großen Ruhm zu behaupten.“
„Dem Gemeinde⸗Rath ist wohl bekannt, daß, außer den Wenigen, die sich bereits entfernt haben, alle Uebrigen stets Gesinnungen der Unterwuͤrfigkeit und Treue gegen den rechtmaͤßigen Landesherrn bewahrt haben, Gesinnungen, wel⸗ che der Gemeinde⸗Rath selbst nicht ermangelt hat, Sr. Koͤ⸗
niglichen Hoheit mittelst einer ansehnlichen Deputation zu
*
unterbreiten.“ 8 6
„Carpigianer! Gebt, wie immer, und besonders im ge⸗ genwaͤrtigen Augenblicke, der Stimme eurer Vorgesetzten Ge⸗ hoͤr, wo sich die Bahn euch oͤffnet, um euch zu jener Wohl⸗ fahrt zuruͤckzufuͤhren, deren ihr immer unter dem Schutze der Estensischen Adler genossen habt. Fuͤr den Podesta: Der delegirte Administrator, Francesco Tarabini. — G
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Barzelli, Secretair.“ “ Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
MNew⸗York, 17. Febr. Die zeitherigen Kongreß⸗Ver⸗ handlungen bieten im Allgemeinen nichts von besonders er⸗ heblichem Interesse dar. In den ersten Sitzungen beschaͤf⸗ tigte man sich wie gewoͤhnlich mit Ernennung der verschie⸗ denen Comités, um die einzelnen, in der Botschaft des Praͤ⸗ sidenten dem Kongreß zur Berathung anempfohlenen Ge⸗ genstaͤnde in Erwaͤgung zu ziehen. Spaͤter reichten die ver⸗ schiedenen Staatssecretaire der Finanzen, der Marine und des Krieges, ihre Jahresberichte ein. Nach dem Finanzbe⸗ richt betrug die gesammte Staatseinnahme des Jahrs 1830 24,161,018 Dollars 79 Cenis. und die Gesammt⸗Ausgabe 25,096,941 Doll. 82 Cents. Nach Abzug des hieraus her⸗ vorgehenden Desicits von 835,923 Doll. 3 Cents., von dem aus dem Jabre 1829 im Schatz nachgebliebenen Saldo von 5,755,704 Doll. 79 Cents., ergiebt sich in der Bilanz vom vorigen Jahre ein Ueberschuß von 4,919,781 D. 76 C.
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Der Gesammt⸗Betrag der oͤffentlichen Schuld war am 1.
Jan. 1831: 39,123,191 Dollars 68 Cents, wovon die eine
Haͤlfte nach dem Belieben der Regierung und die andere Ä
verschiedenen festgesetzten Terminen zuruͤckgezahlt werden muß. Die Waaren-Einfuhr betrug 68,500,000 und die Ausfuhr 73,800,000 Dollars.
Die Botschaft des Praͤsidenten an den Kongreß ist eben so sehr der Gegenstand großer Lobeserhebungen, als anderer⸗ seits des bittern Tadels gewesen. Die Anhaͤnger der Regie⸗ rung ruͤhmten sie wegen der einfachen Darstellung der wich⸗ tigsten Gegenstaͤnde und wegen ihres patriotischen Geistes; dagegen nannten die Gegner derselben sie ein gefaͤhrliches, Besorgniß erregendes Aktenstuͤck, das unter einem Schwall von Worten die verderblichsten Doktrinen verberge. Die gemaͤ⸗ ßigte Partei erwartet indessen mit Ruhe die Verhandlungen des Kongresses, um einst ihr Urtheil nicht auf Worte, son⸗ dern auf Handlungen zu begruͤnden.
Die Arkansas⸗Zeitung meldet, daß Oberst Butler, Geschaͤftstraͤger der Vereinigten Staaten in Mexiko, der den speziellen Auftrag hatte, mit der Mexikanischen Regierung wegen eines Ankaufes von Texas zu unterhalten, in Folge des Einflusses der Partei des Vice⸗Praͤsidenten Bustamente, nicht im Stande gewesen ist, einen Vertrag abzuschließen.
Der Britische Gesandte Hr. Vaughan hat dem Was⸗ hingtoner⸗Verein zur Unterstuͤtzung armer Auslaͤnder ein Ge⸗ schenk von 200 Dollars gemacht.
Die in Philadelphia erscheinende National⸗Zeitung macht darauf aufmerksam, daß der Praͤsident Washington unter Ludwig XVI. zum Marschall von Frankreich ernannt wurde, um den Befehl uͤber den Franzoͤsischen General Ro⸗ chambeau uͤbernehmen zu koͤnnen, der im Dienstalter dem Praͤsidenten voranstand.
In einem Schreiben des Generals Lafayette an einen Freund in Washington, vom September v. J., heißt es un⸗ ter Anderem: „Ich bin zwar nicht der Meinung, daß der bei uns errichtete republikanische Thron die beste Verfassung darbietet, indem ich die der Vereinigten Staaten bei weitem vorziehe, jedoch glaube ich, daß wir Alles gethan haben, was die Umstaͤnde erlaubten. In Frankreich giebt es keine 12 richtigere und aufgeklaͤrtere Vaterlandsfreunde, als den Koͤ⸗ nig und seinen Sohn. Fruͤher kannte ich sie nur wenig; doch seitdem ich ihnen naͤher trat, haben sie mir die groͤßte Freundschaft und das vollkommenste Vertrauen eingefloͤßt; und diese Gesinnung ist wechselseitig.“
Ein Herr Joseph Lee in Boston schenkte vor kurzem einer dortigen Irren⸗Anstalt 20,000 Dollars, mit Vorbehalt eines 4 Jahre lang jaͤhrlich zu zahlenden Honorars von
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250 Dollars an den Arzt und Ober⸗Aufseher der genannten
Schulen legirt und geschenkt worden.
Literarische Nachrichten.
Opere di Lorenzo de' Medici, detto il Magni-: Firenze, per Giuseppe Molini, to'
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Anstalt. Im Jahre 1790 hatte die Stadt New⸗York 33,022,
Philadelphia 42,520 und Baltimore 13,503 Einwohner. Nach der letzten, im vorigen Jahre vorgenommenen Zäaͤh⸗ lung, betraͤgt die Volksmenge in New⸗York 200,942, in Phi⸗ ladelphia 170,000 und in Baltimore 81,000 Individuen. In Moravia, der Hauptstadt der Afrikanischen Kolonie Liberia, hat sich eine Gesellschaft gebildet, Strom untersuchen zu lassen. 11“
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Berlin, 2 Jahre die ersten Schiffe von Swinemuͤnde aus in See gegangen, und am Tage darauf ist das erste Schiff, von Luͤ⸗ beck aus mit Ballast kommend, daselbst angelangt. Die Was⸗ sertiefe im Swinemuͤnder Fahrwasser betrug vom 12ten bis 14ten d. M. 18 ¾ Fuß.
— Seit dem 1. Okt. 1829 besteht in der Stadt Koͤslin ein Verein zur Besserung sittlich verwahrloseter Kinder, dessen erster Jahresbericht jetzt im Druck erschienen ist. In der allein auf milden Gaben begruͤndeten Anstalt, welche fuͤr jetzt noch in einem gemietheten Lokal untergebracht ist, befan⸗ den sich im Jahre 1829 vier und im verflossenen Jahre sechs Zoͤglinge, welche sowohl in sittlicher Beziehung, als auch in Betreff ihrer Kenntnisse, hoͤchst verwahrlost zur Anstalt kamen. Die am 10. Sept. v. J. in Gegenwart der Direction gehal⸗ tene Pruüͤfung gewaͤhrte die erfreuliche Ueberzeugung, daß die Bemuͤhungen des angestellten Lehrers einen recht gluͤcklichen Erfolg gehabt haben, indem nicht allein die Kenntnisse der Zoͤglinge, sondern auch ihre moralische Bildung sichtlich fort⸗ geschritten waren. Die Stadt hat der Anstalt 2 Morgen Ackerland zum Aufbau eines Gebaͤudes und zur Benutzung als Garten uͤberwiesen, in welchem letzteren die Zoͤglinge außer den Unterrichtsstunden mit dem Gartenbau beschaͤftigt werden.
— Im Jahre 1830 sind im Oppelnschen Regierungs⸗ bezirke uͤberhaupt 4192 Rthlr. 16 Sgr. 6 Pf. an Kirchen und Die Legate und Ge⸗ schenke zu wohlthaͤtigen Zwecken betrugen 3642 Rthlr. 12 Sgr. 10 Pf.
ü8 Im Laufe des verflossenen Jahres sind im Regie⸗ rungs⸗Bezirke Marienwerder 9 Stuͤck alte Woͤlfinnen, 5 alte Woͤlfe, 17 junge Woͤlfe und 12 Nest⸗Woͤlfe, zusam⸗ men 43 Stuͤck, getoͤdtet und dafuͤr die gesetzlichen Praͤmien mit uͤberhaupt 342 Rthlrn. gezahlt worden.
— Das Naumburger Kreisblatt enthaͤlt die Rech⸗ nungs⸗Ablegung des dasigen Magistrats uͤber die Karl Nied⸗ nersche Schul- und Waisenstiftung und uͤber den Praͤmien⸗
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“ Fonds fuͤr fleißige, sittliche und beduͤrftige Jungfrauen der
Stadt Naumburg. Bei erstgedachter Stiftung hat im Jahre 1830 eine Einnahme von 1092 Rthlr. 7 Sgr. 4 Pf. und eine Ausgabe von 400 Rthlr. staatgefunden; der Ueberschuß ist verzinslich angelegt worden. Der letztgenannte Fonds, welcher von dem dortigen Frauen⸗Verein im Jahre 1817 zur
Feier des dritten Reformationsfestes gestiftet wurde, hat im verwichenen Jahre eine Einnahme von 112 Rthlr. 12 Sgr. gehabt, wogegen die Ausgabe nur 67 Rthlr. 17 Sgr. be⸗
trug; der Ueberrest aber ist ebenfalls verzinslich angelegt worben.
fico. tipi Bodoniani. 1825. 4 Baͤnde, imp. 4to, zu⸗ sammen 1003 Seiten.
„Wenn mein Gemuͤth durch den Tumult oͤffentlicher Ge⸗ chaͤfte gestoͤrt, meine Ohren durch das a * Buͤr⸗ er betaͤuht sind, wie wuͤrde es mir moͤglich seyn, solchen An⸗ rengungen zu widerstehen, faͤnde ich nicht Erholung in der Wissenschaft.“ So schreibt Lorenzo in einem seiner Briefe an
Ficino, und gleicherweise in dem Kommentar uͤber seine Sonette:
Es giebt vielleicht Einige, die mich beschuldigen werden, durch
Schreiben und Erlaͤutern uͤber Gegenstaͤnde des Hersene beson⸗
ders mitten unter meinen zahlreichen und unvermeidlichen Ge⸗
schaͤften, meine Zeit verschleudert zu haben: auf diese Anklage
erwiedere ich bloß, daß die Beschuldigung gerecht veeeses 'nei⸗ 1
Ratur dem Menschen die Kraft verliehen, zu jeder Zeit
ol⸗ chen Dingen hinzugeben, welche wahrhaft schaͤtzenswerth sind. Da aber diese Kraft nur Wenigen zu Theil geworden und bei
8 diesen Wenigen die Gelegenheit, sie auszuuͤben, nicht oft im Le⸗ benslaufe vorkommen mag,
* 8 “ 8 G
so scheint es mir, daß in Betracht
um den St. Pauls⸗
1. Maͤrz. Am 14ten d. M. sind in diesem
den ihnen das hoͤchste Lob.
neirschet werden muͤssen, an denen am wenigsten zu ta⸗ eln ist. und vielbeschaäͤftigte Staatsmann, der durch klassische Literatur
8 1 “ 8” — 1 1““ 8 18 1. 8 “ B 1 4 unserer unvollkommenen Natur, solche Beschaͤftigungen als die
In solcher Weise spricht sich Lorenzo, der gewandte
und Philosophie, so wie durch genauen Umgang mit den groͤßten Gelehrten seines Jahrhunderts, genaͤhrte Geist (vielleicht aus al⸗ len Zeiten eines der schoͤnsten Muster wahrer Humanitaͤt) uͤber die Poesie aus, welcher er sich namentlich in seinen jugendlichen
Jahren mit so vielem Eifer hingab.
G Es ist diesem Dichter im Laufe der Zeit nicht die Anerkennung geworden, auf welche er
Anspruch machen kann; von Wenigen ist er naͤher gekannt, und von diesen Wenigen meist nur, nachdem Roscoe's schoö-⸗
nes Werk, welches namentlich seine Verdienste um Literatur
und Kunst in ein so helles Licht setzt, zu Ende des vorigen Jahrhunderts die Ausmerksamkeit mehr auf ihn gelenkt hatte. Und doch muß man Lorenzo de’ Medici als eine der Epochen in der Geschichte der Italiaͤnischen Poesie betrachten. Seit dem Tode Petrarca's und Boccaccio's ( der Literatur, dessen Aufbluͤhen mit Brunetto Latini, Guido Cavalcanti u. A. begonnen, sich in Dante zur hoͤchsten Stufe em⸗ porgeschwungen hatte, in Mattigkeit und Charakterlosigkeit ver⸗ sunken, waͤhrend Philosophie und klassische Literatur beinahe die ungetheilte Aufmerksamkeit der großen Geister der Nation in Anspruch nahm. Ein thaͤtigeres Leben begann sich nun in Lo⸗ renzo's Jugendzeit (er war geboren 1448) zu Florenz, nament⸗
lich durch die drei Bruͤder Pulci, *) so wie durch Burchiellöo Von der frühen
zu regen, worin er selber freudig einstimmte. Reife seines Geistes zeugt der Umstand, daß er schon vor seinem 17ten Jahre viele Sonette, Kanzonen u. s. w. gedichtet hatte, wovon er 1465 dem Sohne des Koͤnigs von Neapel (Friedrich von Aragon) zu Pisa einige mittheilte. Außer den Genannten
gesellten sich zu ihm nun noch der treffliche Poliziano und der Graf Bojardo, welche vereint die Bluͤthezeit des romantischen
Epos, die mit Ariosto und Tasso eintrat, verkuͤndeten und einleiteten. An einzelne Lebens⸗Ereignisse Lorenzo'’s knuͤpft sich das Wirken einiger dieser Dichter, so Lucag Pulei's Gedicht auf das Turnier (Ciostra) Lorenzo’'s (1468), welchem die Stan⸗ zen Polizians, damals erst 14 Jahre alt (daß er sie so fru ge⸗
2
“
1
1374 und 75) war dieser Zweig
1
schrieben, bezweifelt GinguenC), auf das Turnier Giulianod's de' Medici (des juͤngeren Bruders Lorenzo's, und in der Ver⸗
schwoͤrung der Pazzi uümgekommen) S gleicherweise die vie⸗ len Lateinischen Gedichte von Polizian, Ugolino Verini u. A., die sich guf Lorenzo beziehen. 1
Die umfassendste Charakteristik und Wuͤrdigung des poeti⸗ schen Verdienstes dieses Mannes hat Roscoe schon genannten Werke geliefert, worauf ich, da ein Ein⸗ ehen darauf nicht der Zweck dieser literarischen Notiz seyn ann, verweise. Nur bleibt mir noch uͤbrig, von der Aufnahme zu reden, welche diese Gedichte bei den Zeitgenossen fanden. Sie mußte fuͤr ihren Verfasser sehr schmeichelhaft seyn. Bewaͤhrte Maͤnner, wie Poliziano und Pico della Mirandola, spen⸗ ih s h „Es werden (sagt Letzterer in einem Lateinischen Briefe an Lorenzo, vom Juli 1484) besonders zwei Dichter der Florentinischen Mundart hochgeachtet, Francesco Pe⸗ trarca und Dante Alighieri; in dem ersten aber vermissen Ge⸗ lehrte haͤufig die Gegenstaͤnde, in dem zweiten die Worte. In
Dir hingegen wird, wer Geist und Ohr hat, keines von beiden
vermissen, da es bei Dir zweifelhaft ist, ob die Sache mehr durch die Rede, oder das Wort durch den Sinn geziert werde. Einer der neueren kompetentesten Kunstrichter, Ginguené, sagt von Lorenzo (Histoire de la Litt. ital. P. I. Chap. 22), daß er hin
sichtlich seines poetischen Verdienstes zu den ersten Geistern der Italiaͤnischen Literatur zu rechnen sey und seine Sonette die de
Petrarca nicht selten an Natur und Einfachbeit uͤbertraͤfen. Die Urtheile der Literar⸗Historiker Tiraboshi und Muratori (Della perfetta poesia italiana. Vol. 2. p. 376) sind nicht minder anerkennend.
Es waren bisher, neben mehreren Einzeldrucken, drei Ge⸗ sammt⸗Ausgaben der Werke Lorenzo's erschienen: die Abdina, 1554; die von Pietro Lancellotti zu Bergamo, 1763, und die von Nardini und Dulau in London, 1801. Keine von diesen Edi⸗
5
tionen ist indeß vollstaͤndig, und ihre kritische Bearbeitung laͤßt
viel zu wuͤnschen uͤbrig. Es muß daher mit der groͤßten barkeit anerkannt werden, daß ein erhabener Freund und Beschuͤz⸗ Ler der Kunst und Literatur, des jetzigen Großherzogs von Toskana K. Hoheit, dem die Wohlfahrt so sehr als der alt⸗
nen Mußestunden einer von ihm mit einer Vorrede ausgestatte⸗
ten neuen Ausgabe der Werke des Mannes widmete, dem Florenz
und Toskana so viel verdanken. Diese im Aeußern sowohl als
im Innern vortreffli
und mit der groͤßten Sorgfalt ausgestat⸗
ererbte Ruhm seines schoͤnen Landes am Herzen liegt, seine eige⸗
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“]
tete EI1““ en 1825. Zum Grunde wurde dahei gelegt
die Bergamer und Fr stellun Drucke vollstaͤndigt und gelaͤutert. Von diesen weder hloß Werke eÄA. oder auch solche anderer Dichter sei⸗ ner Zeit enthalten, gehoͤren 7 der Bibliotheca Mediceo-L
usgabe als die vorzuͤglichste; zur Berichtigun dcs Textes wuren S 2„.
*) Luca P.
ndeß neben den uͤhrigen n 35 Codices benutzt und derselbe dadurch moͤglichst ver⸗ andschriften, die ent⸗
auren-
tiana zu Florenz, 7 der Bibl. Magliabecchiana daselbst, 3 I“
ulci's Ciriffo calvanco, nach dem Volksbuche: IIl povero 8
avveduto, ist das erste eigentliche vomantische Epos der Italiäner in Quaverime.
Vergl. darüber A. Panizzi's „Essay on the romantic narrative Poetry of ibe Ualians“ (in seiner Ausgabe des Bojardo und 5 London, 1830. Bd. 1. p. 193). Bekannter ist der Morgante maggiore seine Bruders Luigi.
8 „ 8 *