1831 / 86 p. 4 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung, Sun, 27 Mar 1831 18:00:01 GMT) scan diff

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der gegenwaͤrtige, der Regierung einen Schein von Schwaͤch giebt, die man ihr in der That nicht zuschreiben darf. Das Wahre an der Sache ist, daß man jetzt großes Geschrei fuͤr Reduction der Taxen erhebt und zu gleicher Zeit wenig Nei⸗ gung zeigt, sich an deren Stelle neue Lasten auferlegen zu lassen eine Einnahme muß jedoch stattsinden; keine Re⸗ gierung in der Welt kann bestehen, wenn sie nicht so viel einnimmt, als sie zu ihren Ausgaben bedarf. Der Kapitalist rhebt sich gegen eine Abgabe auf Transferirungen, als eine en Umsatz hemmende Taxe; der Eigenthuͤmer von Dampf⸗ booten gegen eine Taxe auf Dampfmaschinen; und so will der nach Kanada handelnde Kaufmann, daß das ganze Land zahle, damit sein Handel beschuͤtzt werde. Eine jede Taxe faͤllt irgend Jemanden zur Last, und doch muß sie er⸗ hoben werden, wenn das Land seine Verbindlichkeiten er⸗ fuͤllen soll. Ob Lord Althorp oder Herr Goulburn kuͤnftig Kanzler der Schatzkammer seyn werde, ist eine schwer zu entscheidende Frage. Eine Eigenthums⸗Taxe mag gangz billig seyn; das letzte Ministerium sah jedoch die Schwierigkeit ein, sie durchzusetzen, und dieselbe Schwierigkeit findet auch jetzt statt. Man schreie auch, wie man wolle, gegen das Budget werden wir etwa kein Geschrei hoͤren, wenn man einen Versuch mit der Eigenthums⸗Taxe machen wollte?“

Bei Erwaͤhnung des gestrigen Siegs der Oppositlon uͤber den Kanzler der Schatzkammer, bemerkt die Times unter Anderem: „Wie wir vernehmen, haben gewisse Leute, welche die Majoritaͤt gegen den Kanzler benutzen wollen, die Mei⸗ nung geaͤußert, die Minister muͤßten abdanken. Natuͤrlich werden die Minister nicht so thoͤricht ja, wir haͤtten bei⸗ nahe gesagt, nicht so gottlos seyn. Was, abdanken! mit einer ganzen Nation, die ihnen mit lautem Beifall zuruft, ihren so edel begonnenen Reformations⸗Plan auszufuͤhren! Wir stimmen ganz mit Herrn Hobhouse uͤberein, daß das Abdanken der Minister in diesem Augenblick das groͤßte Un⸗ gluͤck seyn wuͤrde, das dem Lande widerfahren koͤnnte. Die obige Aeußerung ist indessen zu albern, als daß wir noch ein Wort daruͤber verlieren sollten.“

Ueber denselben Gegenstand liest man im Globe: „Die Folgen der Niederlage der Minister koͤnnen an und fuͤr sich von keiner Bedeutung seyn. Ihr Vorschlag bestand darin, eine Taxe herabzusetzen und dadurch einem Theile ihrer der⸗ maligen Einkuͤnfte zum Besten des Volkes zu entsagen, und wenn es das Unterhaus vorzieht, diese Taxe nicht herabzu⸗ setzen, um eine parlamentarische Combination oder die Burg⸗

flecken zu beguͤnstigen, so kann ein solcher Entschluß die Plaͤne der Regierung nicht stoͤren. Wir denken gar nicht daran, daß die Minister die Absicht haben sollten, abzudan⸗ ken. Da sie anerkanntermaßen eine Parlaments⸗Reform vor⸗ geschlgen haben, weil sie, in Uebereinstimmung mit dem ande, die jetzige Zusammensetzung des Unterhauses nicht fuͤr gut halten, so wuͤrde es thoͤricht seyn, wenn sie abdanken wollten, ehe sie ihren großen Plan ausgefuͤhrt haben, und zwar nur deswegen, weil sie bei einem Gegenstande von kei⸗ ner Wichtigkeit fuͤr ihr allgemeines System in der Minori⸗ taͤt blieben.“ 8 Wie es heißt, haben sich mehr als 300 Mitglieder des Unterhauses zu Gunsten der Reform erklaͤrt. In einer in Hampshire gehaltenen Versammlung aͤußerte Sir Thomas Baring, es wuͤrden von 5 Individuen 4 fuͤr die Refoym stimmen; auch der Herzog von Gordon hat sich fuͤr dieselbe ausgesprochen.

Eine in zwei Morgenblaͤttern enthaltene Nachricht von Ausruͤstung mehrerer Linienschiffe und Fregatten, die sich un⸗ er Befehl des Sir Thomas Hardy nach der Schelde begeben sollen, wird vom Courier fuͤr ungegruͤndet erklaͤrt.

Globe dagegen heißt es: „Es ist, wie wir glau⸗ hen, nur zu wahr, daß man fuͤr die Schelde eine aus Linienschiffen, aus mehreren großen Fregatten und an⸗ dderen Schiffen bestehende Flotte augruͤstet. Wir hossen, daß ees nicht die thoͤrichtste Expedition seyn werde, die England seeit dem letzten großen Unternehmen in jener Richtung machte; eine jede Ausruͤstung aber in Bezug auf die Haͤndel zwischen Belgien und Holland, die uns in eine Lage versetzen koͤnnte, 288 4.2 2 ruhmvoll herausziehen moͤch⸗ , icher fuͤr uns seyn 1 ition Walcheren.7”⸗ V seyn, als die Expedition von

8 lügüs cen E 1 84 1““ Niederlande.

Aus dem Haag, 21. Maͤrz. Se. Koͤnial. Hohei Prinz von Oranten ist heute mit hen aus 8n e dee nen Dampfboote de Batavier“ in Rotterdam eingetroffen, wo Se. Koͤnigl. Hoheit von dem versammelten Volke mil großem Jubel begruͤßt wurde.

Die Staats⸗Courant enthaͤlt eine Berichtigung, aus

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welcher hervorgeht, daß der Amsterdamer Buͤrgermeister, Hr. her gemeldet wurde, eine Musterung uͤber die Schutterei seiner Vaterstadt, in Herzogenbusch, gehalten, als seinem, bei derselben als Freiwilligen befindlichen Sohne einen Besuch abgestattet habe.

Der Kommandant von Mastricht hat neuerdings ven einigen Patrioten in Amsterdam ein sehr ansehnliches Geld⸗ geschenk fuͤr die Besatzungstruppen erhalten.

Bruͤssel, 21. Maͤrz. Ueber die neue Formation un⸗ seres Ministeriums verlautet noch nichts; inzwischen scheint sich die Dimission V staͤtigen. 2 „Gestern hat der Regent wieder eine Musterung uͤber eine Truppen⸗Abtheilung gehalten, die von Mons nach Ant⸗ werpen hier durchgegangen ist.

Der Vrai Patriote meldet: Wir erfahren aus guter Auelle, daß die militairische Besetzung des Großherzogthums Luxemburg mit der Zustimmung Frankreichs stattfinden wird. 8 Mehrere Franzoͤsische Milztairs, welche die Uniform des Franzoͤsischen 22sten Linien⸗Regiments und die Franzoͤsische dreifarbige Kokarde tragen, sind gestern in den hiesigen Stra⸗ ßen gesehen worden. Sie hatten, wie der Vrai Patriote versichert, Einquartierungs⸗Billets erhalten und wollten, ihrer eigenen Angaͤbe nach, der Belgischen Sache dienen. Der Emancipation zufolge, waͤren diese Soldaten Deserteurs.

Eine hiesige Zeitung berichtet, daß der Regent 50,000 Piken anfertigen lasse, um damit das Landvolk zu be⸗ waffnen.

General Mellinet ist vorgestern gerichtlich vernommen

und darauf seines Stuben⸗Arrestes entlassen worden.

8 g 6 6 ö N h, He. ea gras deg, anctt Warschau, 22. Maͤrz. Der General⸗Gouverneur der Hauptstadt hat einen Befehl an die Armee⸗Commandeur erlassen, worin er sie ermahnt, fuͤr die Reinlichkeit und Ord nung in den Kasernen zu sorgen. In einer andern Bekannt machung belobt er die musterhafte Einrichtung, die er be der Inspection der Warschauer Militair⸗Anstalten in dem Lazareth angetroffen, welches unter Aufsicht der Theater⸗Mit glieder in den Redouten⸗Saͤlen errichtet ist. Ferner erneuer derselbe den Befehl wegen Ablieferung der in den Haͤnden von Civil⸗Personen befindlichen Waffen und setzt in dieser Hinsicht den aͤußersten Termin auf morgen fest. In einem Artikel des Blattes Neu⸗Polen wird dem

Eifer und der Betriebsamkeit des jetzigen General⸗Gouver⸗ neurs Krukowiecki großes Lob gespendet. Es heißt darin, daß man allgemein behaupte, es wuͤrde Vieles im oͤffentlichen

die Hauptstadt von Anfang an ein solches Oberhaupt gehabt haͤtte. General Krukowiecki habe die Verwaltung der Stadt

Augenblicke Tausende von verwundeten Kriegern der sorgfaͤl⸗ tigsten Pflege bedurften; doch alle diese Schwierigkeiten habe er zu uͤberwinden gewußt und den Sieg uͤber alle Hinder⸗ nisse davongetragen, weiche Altersschwaͤche wegen nicht wuͤrde haben beseitigen koͤnnen. Die Polnische Zeitung sagt: „Die Ordnung kehrt in der Hauptstadt wieder ein; wir hoffen noch den ge⸗ wuͤnschten Augenblick zu sehen, wo es keinem Natlo⸗

len der Fall war, sich von dem Wachtdienst und at üüir eree* 4 rp ren Dasselbe Blatt enthaͤlt einen Aufsa worin das Manifest des Franzoͤsischen Central⸗Comités 2. die Polni⸗ sche Ration gegen die Angriffe des Polnischen Kuriers ver⸗ theidigt wird. Die hiesigen Blaͤtter fahren fort, die schon seit ei⸗ niger Zeit von ihnen angenommene Zuruͤckhaltung hinsichtlich der Mittheilung der militairischen Operatlonen und Kriegs⸗ begebenheiten zu beobachten. Heute befindet sich in dieser Beziehung nur ein einziger kleiner Artikel in der Staats⸗ Zeitung, welcher noch dazu Nachrichten auf indirektem Wege, naͤmlich aus Briefen von Lomza und Mlawa, enthaͤlt, welche man angeblich uͤber Preußen erhalten haben will. Es heißt darin, daß sich die Russen bis jenseits Ruzan zuruͤck⸗ gezogen haͤtten; am 14ten sey ein Gefecht zwischen einem . 82 88 Abtheilung Russischer Kavallerie an der Wkra bei dem Dorfe zy oenzcches enrn fe Maluszyn vorgefallen, bhl Mfws Eaanmmns Spanien.

—Madrid, 9. Maͤrz. Seit einiger Zeit durch⸗

bcbtch. Ahaha

streifte eine nicht unbetraͤchtliche B

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unter sehr kritischen Verhaͤltnissen uͤbernommen, da in diesem

nal⸗Gardisten mehr erlaubt seyn wird, wie es bisher zuwei⸗

ande von Revolutionnasrs

van de Poll, nicht sowohl, wie nach anderen Blaͤttern fruͤa

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des Hrn. Tielemans noch nicht zu be⸗ 6“

Dienste eine ganz andere Gestalt angenommen haben, wenn

der General Woyczynski seiner

sehr gelitten habbebzbt. in Cgeemn R,

mmer das Bessere.

die Umgegend von Algesiras; am 21. Febr. zeigte sich dieselbe bei dem Dorfe los Barrios, wo sie auch Requisitionen machte. Dieselbe ist, wie man glanbt, durch den beruͤchtigten Rebel⸗ len⸗Chef Manzanares gebildet, welcher, nachdem das Unter⸗ nehmen auf Isle verde gescheitert (am 3. Jan.), fluͤchtig ge⸗ worden und nicht wieder nach Gibraltar zuruͤckgekehrt war. Am 18. Februar wurde ein, von dieser Bande auf den an der Kuͤste gele⸗ genen Punkt Namens los Pinares gemachter, Angriff durch Spa⸗ nische Kavallerie zuruͤckgeschlagen, und am 2üsten naͤherten sich die Rebellen wie man glaubt, unter Anfuͤhrung von Torijos, Palarea und Merconchint der Gegend von San⸗Roque. Am 3ten d. M. wurde von den Feinden der oͤffentlichen Ruhe, auf der Insel San Fernando, mit Huͤlfe von 200 Marine⸗Soldaten, die sich wahrscheinlich hatten bestechen lassen, die Constitution der Kortes von 1812 proklamirt, und am selben Tage wurde in Cadix der dasige Gouverneur Don Antonio del Hierro Oliver, als er sich aus dem Gouverne⸗ ments⸗Gebaͤude nach seiner Wohnung begeben wollte, an hellem Tage (Nachmittags nach 3 Uhr) von sechs ver⸗ mummten Maͤnnern angefallen und durch Dolchstiche ermordet. Sobald das schreckliche Ereigniß kund wurde, schloß man in Cadix uͤberall die Haͤuser, und es herrschte allgemeine Be⸗ stuͤrzung, so wie der lebhafteste Unwille uͤber die schauder— hafte That. Alles blieb indeß unstreitig ganz wider Er⸗ warten der Verschwornen voͤllig ruhig. Der General⸗ Capitain von Sevilla, welcher sich in Puerto de Santa Ma⸗ ria befand, ruͤckte alsbald mit Truppen in Cadix ein und beugte somit weiteren Uebelthaten vor. Auch dem verbreche⸗ rischen Treiben der Rebellen auf der Insel San Fernando wurde schnell ein Ende gemacht; sie wurden bei Estepona ge⸗ schlagen und verfolgt; 21 derselben, deren man habhaft ge⸗ worden, wurden sogleich erschossen. Die hiesige Hof⸗Zeitung enthaͤlt bereits die offiziellen Berichte uͤber diese Vorgaͤnge. *) Die rebellischen Marine⸗Soldaten sind auf dem Dampfschiffe von Chiclana nach Vejer entflohen, wahrscheinlich um sich mit den Rebellen im Lager von Gibraltar zu vereinigen. Die Zahl saͤmmtlicher, von Chiclana abgegangenen Aufruͤhrer wird auf 1600 Mann angegeben. Der Geist der Einwohner jener Staͤdte und Gegenden hat sich bei den gedachten Vor⸗ faͤllen sehr gut bewaͤhrt, wie auch die Gesinnung der Trup⸗ pen im Allgemeinen vortrefflich ist. Die oͤffentliche Ruhe ist, abgesehen von jenen Ereignissen, auf keinem Punkte gestoͤrt worden, und man darf jetzt um so weniger Besorgnisse in dieser Beziehung hegen, als auch der General⸗Capitain von

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GSranada mit Truppen herbeigeeilt ist. In der Nacht vom

5ten zum 6ten d. M. ist hier auf der Plaza Real, von un⸗ bekannter Hand, eine dreifarbige Fahne an einer Laterne be⸗ festigt worden; auch fand man auf gedachtem Platze ein paar Tausend dreifarbige Kokarden von Pappe. Beides wurde am Morgen beseitigt, ohne daß die Ruhe im Mindesten ge⸗ stoöͤrt worden waͤre; auch ist sehr zu bezweifeln, daß irgend Jemand im Ernste habe glauben koͤnnen, auf solche Weise eeine Ruhestoͤrung zu bewirken, und ist man vielmehr geneigt, zu glauben, daß eine unloͤbliche Absicht anderer Art von Seiten gewisser Leute im Spiele gewesen seyn moͤge, denen die wohlwollenden Intentionen des Koͤnigs nicht zusagen. Dem Vernehmen nach ist der Versuch gemacht worden, den Koͤnig zu Errichtung von Militair⸗Kommissionen in Madrid und andern Orten, als einer noͤthigen Vorsichtsmaaßregel gegen geheime Umtriebe, zu bewegen; Se. Majestaͤt haben jedoch Ihre w Seee nicht gegeben. Dagegen ist die Rede davon, daß die Abfassung eines den Umstaͤnden ent⸗ sprechenden Gesetzes gegen Conspirationen und Meutereien

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nehmigung vorgelegt werden solle.

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Historische Parallelen und Zeitstimmen, Belgien und die Belgier betreffend. (Fortsetzung des in Nr. 79. d. Zeit. abgebrochenen Aufsatzes.)

Der Adel hatte in der Niederlaͤndischen Revolution und zumal in Belgien, eine bedeutende Rolle gespielt, aber es zeigte sich bald, daß sein Widerstand gegen die Spanische Herrschaft nicht aus Haß der Tyrannei, sondern aus Liebe zu seinen Privilegien und der Begierde entsprungen war, das Volk nach eigener Laune und Willkuͤhr zu regieren. Der Adel verrieth in der Mehrzahl nicht nur bei jeder Gelegen⸗ heit, wo man ihm von oben herab Zugestaͤndnisse machte, die Sache der uͤbrigen Klassen ohne Bedenken, sondern auch da, wo er wirksam und kaͤmpfend auftrat, hinderte er durch bbeschraͤnkten Eigensinn und unruͤhmliche Eifersucht fast im⸗ Die Berlaymont, welche in neue⸗ öA14A4“

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ster Zeit abermals in Belgien mit seltsamer Rolle aufge⸗ treten, waren schon damals Hindernisse der Freiheit und Einheit. Noch mehr aber die Aerschot und Croy's. Es bildete sich gegen die Familie Nassau, welche, trotz ihrer Na⸗ turalisation, ihrer zahlreichen Guͤter, ihrer langjaͤhrigen Dienste und ihrer ungeheuren Austrengungen und Opfer fuͤr das In⸗ teresse der Niederlande, fortwäͤhrend als eine fremde betrach⸗ tet wurde, ein System, das in neuesten Zeiten, bei ihrem Wiedererscheinen in Belgien, frisch ergriffen und ausgefuͤhrt worden ist. Die Religions⸗Verschiedenheit liefert den osten⸗ siblen Vorwand; aber es war eine sehr materielle Politik, die ihren gluͤhenden Haß unter der Maske orthodoxen Eifers versteckte. So wie man nach hergestellter Selbststaͤndigkeit der Niederlande, unter der Herrschaft jener Dynastie den Koͤnig Wilhelm I. als Heuchler und Unterdruͤckrr der Bel⸗ gischen Freiheit so wie des katholischen Glaubens in der Volksmeinung hinzustellen sich Muͤhe gegeben hat, also wurde schon im 16ten Jahrhundert gegen Wilhelm dem Schweigen⸗ den, Aehnliches verbreitet. Derselbe große Mann, welcher zuerst dem Adel die Idee und den Muth des loyalen Wider⸗ standes gegen das fremde Joch eingehaucht, dessen Beispiel zu den ersten und wichtigsten Unternehmungen begeistert und dessen Rath in den gefahrvollsten Augenblicken fast allein sicher geleitet hatte, ward als ein Schuͤler Macchiavells hin-⸗ gestellt, dessen ganzes Trachten dahin gehe, die aus Spani⸗ scher Knechtschaft befreite Nation in eine noch schimpf⸗ lichere Tyrannei zu versetzen. Die phrasenreichen Tira den des Herren Vilailn XIV., Rodenbach und Anderer finden sich schon in Flugschriften aus Flandern, Brabant und Hennegau im 16ten Jahrhundert ausgesprochen. Man rechnete allem Schaden und allen Graͤueln nach, so den suͤdlichen Provinzen durch die verschiedenen Nassau's zugefuͤgt worden. Man war frech genug, selbst die Dienste Engelbrechts II., welcher gegen Empoͤrun⸗ gen ohne vernuͤnftigen Zweck und Sinn die verfassungmaͤßi⸗ gen Rechte Mariens, Marximilians und Philipps des Schoͤ⸗ nen verfechten half, als eben so viele Attentate gegen die Eingebornen hinzustellen; die schimpflichen und aben⸗ theuerlichen Verraͤthereien der Genter, Bruͤgger und Philipp von Cleves, welche, wie heutzutage die Kuͤnste und Operationen der Union, den Wohlstand bluͤhender Staͤdte und Provinzen auf lange Zeit hinaus zerstoͤrt, wurden als Sache der Freiheit bezeichnet; die beispiellosen Unthaten,

Meuchelmorde, Pluͤnderungen, Rechts⸗Verletzungen jeder Pe⸗ riode galten fuͤr Akte heroischen Aufschwungs der Bevoͤlke⸗ rung. Auch Heinrich von Nassau's Verdienste als Minister und Feldherr Karls V. wurden gebrandmarkt, und man machte den Flamaͤndern glauben, daß selbst seine Wohnung zu Bruͤs⸗ sel aus dem geraubten Gut des Landes aufgefuͤhrt und mit den Thraͤnen der unterdruͤckten Bewohner die Diamanten sei⸗ ner Gemahlin bezahlt worden seyen. Ein Gleiches kam auf Wilhelms von Oranien und seines Vaters Rechnung, welche doch Guͤter und Reichthuͤmer genug besaßen, ehe sie nur ir⸗ gend einen Gedanken zu Staatsaͤmtern in den Niederlanden gehegt. Um den Beweis zu liefern, wie schlagend die Aehn⸗ lichkeit zwischen den Beschuldigungen und Verleumdungen des 16. und des 19 Jahrhunderts, hinsichtlich der Familie Nassau, von Seiten ihrer Gegner und die Politik des Belgischen Hoch⸗ adels gegen sie zu allen Zeiten dieselbe war, wollen wir die frappantesten Stellen aus verschiedenen der wichtigsten Staats⸗ schritte, Manifeste, Pamphlets und Pasquille der aͤlteren Periode hier mittheilen und eben so auch die hoͤchst merkwuͤr⸗ digen Urtheile, die von bedeutenden Staatsmaͤnnern und Ee⸗ lehrten des 16ten und 17ten Jahrhunderts uͤber die Belgier gefaͤllt worden sind. (Fortsetzung folgt.) 8

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Literarische Nachrichten. Geschichte der Griechischen Literatur von M. S. Schoell. Tom. II. und III., üͤbersetzt von Dr. Mo⸗

eitz Pinder. Berlin, Duncker 1830.

Gewiß empfahl sich das vorliegende Werk, dessen Original, obwohl von nen Deutschen herruͤhrend, in Franzbsischer * zu Paris in den Jahren 1823 bis 1825, 8 Baͤnde in Oktabv, er⸗ schien, ganz besonders zu einer Deutschen Uebersetzung. Den Werth des Originals hat Franz Passow in Jahns Jahrbuͤchern fuͤr Philol. und gchas, ersten Jahrgangs erster und zweiter Band, gruͤndlich betrachtet, und zwar außer voͤlliger Billigung der hier befolgten Methode einer Behandlung nach Faͤchern, wie sie guch Fr. A. Wolf der chronologischen vorgezogen wissen wollte, 8 ders das geraͤuschlose Verfahren bei Anfuͤhrung der benutzten Huͤlfsmittel anerkannt, das die seltene Mittelstraße zwischen vor⸗ nehm thuender Leichtfertigkeit und pedantischer Strenge mit sicherm Takt behauptet. Passow selbst sprach am Schluß seiner Beurtheilung den Wunsch aus, daß man eine zusammengedraͤngte Lateinische oder Deutsche Uebersetzung davon unternehmen moͤchte. 1

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