1834 / 44 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

fern ist, wo die Kolonieen im Stande seyn werden, die gaͤnz⸗ Ausrottung der Selaverei, dieses groͤßten aller Fluͤche, die ie⸗ ils auf dem Menschen⸗Geschlecht gelastet, zu verkuͤndigen. (Beifall.) glaube ich bei dieser Gelegenheit hieruͤber nicht sagen zu brauchen.

dill daher nun zu unserer auswaͤrtigenPolitik uͤbergehen. Da hat nun vedle Herzog nichts gefunden, was nicht von seiner Seite den strengsten Tadel, die strengste Verurtheilung verdiente. Was zuvoͤrderst Holland betrißt, so will ich den edlen Herzog nur daran erinnern, in wel⸗ der Lage die jetzigen Minister die Hollaͤndisch⸗Belgische Angelegenheit vorgefunden haben. (Hoͤrt!) Ich brauche den edlen Herzog nicht zu erinnern, daß damals bereits eine thatsaͤchliche Trennnng scen Holland und Belgien stattgefunden, daß die Konferenz gewisse Grundsaͤtze festgestellt hatte, um eine feindliche Koleson zwischen den beiden fruͤher vereinigten Gliedern des Kö⸗ mareichs der Niederlande zu verhindern, und daß man schon uͤber ine Demarcations⸗Linie uͤbereingekommen war, die deutlich genug die ost mit Bezug auf den kuͤnftigen Vergleich zwischen den betreffenden ebietstheilen der beiden Laͤnder bezeichnete. (Hoͤrt!) Ich will nicht gen, daß nicht der edle Herzog bis dahin noch Hoffnungen auf ne moͤgliche Wiedervereinigung zwischen Holland und Belgien ge⸗ hogt haͤtte; aber das wage ich zu behaupten, daß sonst kein vernuͤnf⸗ ger Mann in England noch an diese Moͤglichkeit dachte. Aber, nach der Ansicht des edlen Herzogs, soll das Englische Ministerium em Koͤnige von Holland ungerechte Bedingungen auferlegt haben. In Allem aber, was es vorschlug, wurde es von der Absicht gelei⸗ et, eine Kollision zwischen Hollaänd und Belgien abzuwenden, und un der edle Herzog nur die Papiere nachsehen will, die auf die tel des Hauses niedergelegt wurden, so wird er finden, daß nach vie⸗

en vergeblichen Bemuͤhungen, die Angelegenheit zu einem befriedigen⸗ ten Schluß zu bringen, alle Mitglieder der Konferenz einstimmig der enung waren, es sey vergeblich, von friedlichen Mitteln einen soig in dieser Sache zu hoffen, und man muͤsse in der That zu 9s⸗Maßregeln schreiten, wenn sie auch nicht vorbereitet waren, Erreichung des beabsichtigten Zwecks so weit zu gehen, als die vfe von Frankreich und England entschlossen waren. Ungeachtet Lser Rechtfertigung, welche das Ministerium zu seinen Gunsten anfuͤhren kann, hat der edle Herzog doch behauptet, es habe ungerecht egen den Koͤnig von Holland gehandelt. Der edle Herzog i ohne Zweifel eine hohe Autoritaͤt in diesem Hause und n ganz Europa, und ich habe daher nicht ohne Leidwesen ine solche Ansicht von ihm aussprechen hoͤren, denn ich veiß sehr wohl, daß der Koͤnig von Holland darin eine Ermunte⸗ kung sinden kann, bei seinem hartnaͤckigen Widerstande gegen eine Uebereinkunft, von der doch die Sicherheit und Wohlfahrt seines Koͤnigreichs abhaͤngt, zu beharren. (Hoͤrt!) Der edle Herzog sagt, le Sachen staͤnden noch gerade eben so, wie vor einigen Jahren. Ich glaube aber im Gegentheil, daß sie sich wesentlich veraͤndert laben, daß Belgien jetzt gegen jeden Angriff von Seiten Hollands gesi⸗ hert ist, daß man keine Stoͤrung des Friedens zu befuͤrchten braucht, ind daß sich, wenn man die vielen Vortheile in Betracht zieht, deren sich Belgien beider jetzigen Lage der Dinge erfreut, kein Grund finden laͤßt, eres veranlassen koͤnnte, auf eine Erledigung derStreitfragen zu dringen. Ich hoffe jedoch, daß die Zeit nicht mehr fern ist, wo in dem Rath dee Hollaͤndischen Regierung andere Ansichten vorwalten werden, und wo diese Regierung den Nachtheil einsehen wird, der fuͤr ihre

ruarr Haran

eegene Nation aus der Verzoͤgerung einer Entscheidung dieser Sache

hervorgeht Der naͤchste Punkt, den der edle Herzog beruͤhrt hat, ist der Krieg in Portugal; ich fuͤhle so gut wie der edle Herzog den ungluͤcklichen Zustand der Dinge in jenem Lande; was aber haben die mit Hom Miguels Usurpation zu thun, daß wir ihn anerken⸗ n sollten? (Hoͤrt!) Wie kam es, daß waͤhrend der dreijaͤhri⸗ gen Verwaltung des edlen Herzogs, obgleich Dom Miguel da⸗ nals de facto eben so sehr Souverain von Portugal war, wie zu egend einer spaͤteren Zeit, wie, ich wiederhole es, kam es, daß der die Herzog ihn nicht anerkannte? (Hoͤrt!) Wie kam es, daß as Ministerium desselben kurz vor seinem Ausscheiden gewisse Punkte uls nothwendige Bedingungen von Dom Miguel forderte, ehe es in anerkennen wollte? Diese Punkte sind seitdem nicht erfuͤllt wor⸗ een; die Amnestie, welche sich darunter befand, ward nicht bewilligt, oudern die Regierung Dom Miguels uͤbte im Gegentheil taͤglich Hrausamkeiten und Bedruͤckungen aus, und derselbe Grundsatz, nach velchem der edle Herzog beschlossen hatte, ihn nicht anzuerkennen, fechtfertigte das jehige Ministerium, indem es diese Anerkennung verwelgerte. (Hoͤrt!) Wodurch es sich aber haͤtte rechtfertigen lassen, venn wir uns der Expedition Dom Pedro's haͤtten widersetzen wol⸗ en, kann ich unter so bewandten Umstaͤnden nicht einsehen. Wir aben in jenem Kampfe wirkliche Neutralitaͤt beobachtet, indem wir keine Partei des Beistandes beraubten, den sie auf Privatwegen aus un⸗ erem Lande erhalten konnte; und wir hatten auch das Recht, Spa⸗ en zur Beobachtung einer aͤhnlichen Reutralitaͤt zu noͤthigen. Der ble Herzog bat die seltsame Meinung geaͤußert, daß, wenn wir Dom Miguel anerkannt haͤtten, die Thronfolge der jungen Koͤnigin don Spanien jetzt ohne Schwierigkeit befestigt seyn wuͤrde, denn vir haͤtten dann das Recht gehabt obgleich die Ausuͤbung eines wichen Rechtes eine wirkliche Einmischung in die Angelegenheiten iner anderen Nation gewesen waͤre von Dom Miguel zu for⸗ ern, und auch die Macht, es durchzusetzen, daß er Don Carlos zicht in seinem Lande aufgenommen, sondern ihn gendthigt haͤtte, Portugal zu verlassen und nach Italien in’s Exil zu gehen. Wuͤrden aber wohl, angenommen die Anerkennung Dom Miguel'’s aͤtte sich thun lassen, dieser und die apostolische Partei in Portugal üf eine solche Vorstellung mit Bezug auf Don Carlos gehoͤrt aben? Und im Fall, daß sie es gethan, welcher Vortheil haͤtte sich daraus ergeben, wenn man es Dom Miguel haͤtte uͤberlassen wollen, dasjenige zu thun, was zur friedlichen Feststellung der Spanischen Thronfolge noͤthig war? (Hbrt!) Angenommen, Dom Miguel waͤre uf dem Portugiesischen Thron befestigt und die apostolische Partei

n Portugal haͤtte gesiegt, so kann ich mir die Moͤglichkeit eines solchen Zuͤstandes der Dinge nicht denken, ohne die noch groͤßere Ge⸗ wißheit eines Buͤrgerkrieges in Spanien und ohne eine noch be⸗ stimmtere Aussicht auf das Ungluͤck, von welchem Spanien jetzt bedroht ist. Der edle Herzog scheint auch unser Benehmen mit sicht auf Svpanien zu mißbilligen. Wie steht es nun aber da⸗ Der Koͤnig von Spanien haͤtte das Thronfolge⸗Gesetz geaͤn⸗

ert, oder vielmehr, er war zu den alten Gesetzen des Koͤnigreichs diesen Punkt zuruͤckgekehrt, und da also die Minister nach sei⸗ Pode seine Tochter als Koͤnigin von Spanien de jure und de

cto vorfanden, so glaubten sie, dieser Regierung zu ihrer Befesti⸗ gung eine mwralische Kraft verleihen zu muͤssen, und sie erkannten dieselbe daher augenblicklich an. Ehe jedoch noch der Tod des Kd⸗ nigs von Spanien erfolgt war, hatte die Englische Regierung, da darum zu thun seyhn mußte, die Spanische Thronfolge auf tierlichem Wege festgestellt zu sehen, durch Vermittelung des Spa⸗ nischen Gesandten einen Vorschlag thun lassen, der, waͤre er ange⸗ nommen worden, ohne Zweifel, jenen wuͤnschenswerthen Zweck gesichert haͤtte. Er wurde aber nicht angenommen, und es kam lei⸗ der zu dem von dem edlen Herzog angefuͤhrten unheilvollen Zustand der Hinge in Spanien, der jedoch keinesweges eine Folge der Schritte unserer Regierung ist. Wir haben Alles gethan, um ihm vorzubeugen, und die Minister von England koͤnnen sich keinesweges fuͤr die jetzige ungluͤckliche Lage der Dinge in den beiden Laͤndern Spa⸗ nien und Portugal verantwortlich fuͤhlen. Aber der edle Herzog hat die Finister angeklagt, daß sie Dom Pedro direkt aufgemuntert und unter⸗ stuͤtzt, und daß ihm unsere im Duero und im Tajo befindlichen Schiffe Beisand geleistet haͤtten. Nun geschah es aber, daß in Folge des Buͤr⸗ gerkeieges in Portugal Britisches Eigenthum und Britische Ünterthanen dasclost in Gefahr geriethen, und zu ihrem Schutz allein wurden unsere Sife nach dem Duero und nach dem Tajo gesandt. Die Regierung Pflicht verabsaͤumt haben, wenn sie ihnen nicht den Schutz gewaͤhrt haͤtte, den sie, als Britische Unterthanen, zu fordern fanten. Uebrigens beobachteten diese Schiffe die strengste Neutrali⸗ s 8t, und veit entfernt, daß sie Dom Pedro Beistand geleistet haͤt⸗ ten, alaube ich vielmehr, daß man sich, wiewohl sehr mit Unrecht, 8-. veichmert bate baß ibre Gegenwart daselbst der Sache Dom

wuͤrde ihre

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Miguels guͤnstig gewesen sey. (Hoͤrt) eg. . der edle Herzog hervorgehoben, ist die Lage der Tuͤrkei. Ich bin fest uͤberzeugt, daß die Unabhaͤngigkeit dieser Macht erhalten werden wird, da sie zur Bewahruͤng des Europaͤischen Frie⸗ dens hoͤchst wesentlich ist. Wie und nach welchem Grund⸗ satz wir uns aber in den Streit zwischen der Pforte und Mehmed Ali haͤtten mischen sollen, ist mir nicht klar. Als die Pforte in Gefahr war, zoͤgerten wir nicht, Maßregeln zur Abwendung dersel⸗ ben zu ergreifen. Schon im April 1833 erließ die Regierung in dieser Hinsicht eine sehr starke Erklaͤrung an Mehmed Ali, die sehr viel zur Verhuͤtung einer weiteren Fortsehung des Kampfes beitrug. Ich glaube nicht, daß die Englische Regierung verpflichtet war, in einen Krieg zwischen dem Sultan und seinem aufruͤhrerischen Vasall, in einen Krieg, der uns nur in so fern etwas anging, als die endlichen Folgen desselben den Europaͤischen Frieden gefaͤhrden konnten, sich direkt einzumischen und gegen Mehmed Ali, uͤber den wir uns nicht zu beschweren hatten, und zu dem wir in dem Augenblick in ausgedehnten Handels⸗Verhaͤltnissen standen, deren Unterbrechung gegen unser Interesse gewesen waͤre, Feindseligkeiten zu beginnen. Wir thaten jedoch unser Moͤglichstes, um einer solchen Ausdehnung des Kampfes, die der Unabhaͤngigkeit der Pforte haͤtte gefaͤhrlich werden koͤnnen, zu verhindern; und ich glaube, daß die in dieser Beziehung ergriffenen Maßregeln von Er⸗ folg waren. In Betreff dessen, was der edle Herzog uͤber die jetzige Abyaͤngigkeit der Pforte von Rußland gesagt hat, will ich nicht de⸗ haupten, daß England einen solchen Zustend nicht zu beklagen und zu fuͤrchten haͤtte; aber das behaupte ich, daß die jetzigen Englischen Minister nicht daran Schuld sind. Ich kann an den Traktat von Adrianopel nicht denken, ohne die Ueberzeugung zu fuͤh⸗ len, daß dieser ungluͤckselige Traktat und die Lage, in wel⸗ che die Pforte dadurch versetzt worden, der Sicherheit und Unabhaͤngigkeit dieser Europaͤischen Macht einen toͤdtlichen Schlag gegeben hat. (Hoͤrt!) Ich kann mich auf die damals von dem Euglischen Staars⸗Sekretariat abgefertigten Depeschen beziehen, worin aufs staͤrkste gegen jenen Traktat protestirt und erklaͤrt wurde, daß durch den Abschluß desselben die Unabhaͤngigkeit der Pforte aufgeopfert und folglich der Frieden Europa's gefaͤhrdet werden wuͤrde. Ich bedaure es im hoͤchsten Grade, daß dieser Traktat zur Ausfuͤhrung gekommen ist, obgleich wir zur Verhinderung desselben weiter nichts zu thun vermochten. Rußland erhielt durch die⸗ sen Traktat das Recht der Schifffahrt auf der Donau bis zu deren Muͤndung ins Schwarze Meer; der Tuͤrkei ward dadurch ein Tribut auferlegt, den sie niemals bezahlen konnte, und Rußland behielt als Unterpfand dafuͤr zwei ihrer schoͤn⸗ sten Europaͤischen Provinzen, die Moldau und Wallachei, auf 10 Jahre oder bis zur Abzahlung des Tributs; durch diesen Traktat wurde auch den Hospodaren der Moldau und Wallachet fuͤr die Zukunft die vollkommene Unabhaͤngigkeit, nicht von Ruß⸗ land, soͤndern von der Pforte verbuͤrgt, und sie sind nur schuldig, ihrer gesetzmaͤßigen Regierung eine kleine Steuer zu entrichten. Beim Anblick alles dessen, wenn man sieht, daß den im Osmani⸗ schen Reiche lebenden Russischen Unterthanen eine gaͤnzliche Exemtion von der Autoritaͤt der Pforte garantirt ist, und daß sie sogar wegen Vergehungen gegen die Tuͤrkische Regie⸗ rung nur vor den Gerichten ihrer eigenen Landsleute verhoͤrt und bestraft werden koͤnnen, so muß man erkennen, daß die Pforte sich in einer Erniedrigung befindet, die ihrer Unabhaͤngigkeit ge⸗ faͤhrlich ist, ihrer Unabhaͤngigkeit, deren Erhaltung stets das Ziel unserer Politik haͤtte seyn sollen, und die wir, so lange wir koͤnnen, immer zu hehaupten suchen werden. In diesem Sinn hat das Mi⸗ nisterium in dieser wichtigen Angelegenheit gehandelt und handelt es noch. Andere wichtige Betrachtungen, die sich auf diese Sache beziehen, kann ich aus sehr natuͤrlichen Gruͤnden fuͤr jetzt nicht beruͤhren.“

Der Redner ging nun auf die inneren Angelegenheiten uͤber, namentlich auf die Angelegenheit der Municipal⸗Corporationen, auf die Verwaltung der Armen⸗Gesetze und auf das geistliche Patro⸗ nat und die Einkuͤnfte der Englischen Kirche, uͤber die der Her⸗ zog von Wellington in der Thron⸗Rede naͤhere Andeutungen ver⸗ mißte. Graf Grey meinte, daß es zur reiflichen Untersuchung und Erwaͤgung aller dieser Gegenstaͤnde Zeit beduͤrfe, und daß sie alle der Reihe nach zur Sprache kommen wuͤrden. Nachdem darauf der Herzog von Wellington noch einige Worte entgegnet hatte, indem er es namentlich den Ministern zum Vorwurf machte, daß sie in der Thron⸗Rede nicht angedeutet, ob sie eine Maßregel in Bezug auf die Armen⸗Gesetze einbringen wollten, wurde die Adresse angenommen, und das Haus vertagte sich um halb 8 Uhr.

Unterhaus. Sitzung vom ü. Febr. Nachdem (wie gestern erwaͤhnt) die Herren Lefevre und Morison die An⸗ traͤge auf die Adresse gestellt hatten, lietzen sich zunaͤchst Oberst Evans und Herr Hume vernehmen. Der Erstere wider⸗ sprach der in der Thron⸗Rede vorkommenden Bemerkung, daß sich der Landbau jetzt in mißlichen Umstaͤnden befinde. Dies sey, meinte er, keinesweges der Fall, und er halte den Widerspruch fuͤr um so nothwendiger, weil aus der Erwaͤhnung einer Noth, die gar nicht vorhanden sey, die Absicht der Minister hervorzu⸗ blicken scheine, keine Aenderung der Korn-Gesetze zuzugeben. Ferner habe er zu bedauern, daß nichts von Abschaffung der so druͤckenden Haus⸗ und Fenster⸗Steuern erwaͤhnt worden sey. Was helfe die Empfehlung der Sparsamkeit, die zur stehenden Redensart in jeder Thron⸗Rede geworden, wenn dieselbe kein we⸗ sentliches Resultat habe? Er fordere den Minister (Althorp) auf, zu erklaͤren, ob es seine Absicht sey, die Haus⸗ und Fenster⸗Steuern abzuschaffen der edle Lord scheine durch sein Stillschwei⸗ gen anzudeuten, daß er diese Absicht nicht habe, weshalb er sich denn fuͤr verpflichtet halte, hier auf die ungerechte Ver⸗ theilung dieser hoͤchst druͤckenden Steuer aufmerksam zu machen. Der Redner ließ sich nun ausfuͤhrlich uͤber diesen Gegenstand aus und suchte vornehmlich zu beweisen, wie sehr die Stadt London durch jene Steuern benachtheiligt werde. Was die auswaͤrtigen Angelegenheiten betreffe, so sey er mit dem, was uͤber Portugal gesagt worden, einverstanden. Seit der vorigen Session habe er sich eine Zeit lang in diesem Lande aufgehalten; er koͤnne daher aus eigener Erfahrung sprechen. Als Lissabon von den Truppen der jungen Koͤnigin besetzt worden, haͤtten ei⸗ nige Englische Zeitungen die Nachricht verbreitet, daß es Eng⸗ lands Absicht sey, den Regenten Dom Pedro von jedem Ein— flusse, oder mindestens von jeder direkten Macht⸗Ausuͤbung im Namen der Koͤnigin zu entfernen. Dies, muͤsse er bekennen, habe ihm (dem Redner) leid gethan, denn nach Ailem, was er ge⸗ sehn, glaube er, daß Niemand so sehr, als dem Regenten Dom Pedro, Portugals Gluͤck am Herzen liege. Wenn gesagt werde daß dieser die Constitution noch nicht zur Ausfuͤhrung gebracht, so muͤsse man bedenken, in welchem Zustande sich gegenwaͤrtig das Land befinde. Sey doch im vorigen Jahre in Irland, wo kein Buͤr⸗ gerkrieg wuͤthe, die Verfassung suspendirt worden; um wie viel nothwendiger muͤsse es also fuͤr Portugal erscheinen. Dom Pedro benehme sich mit Maͤßigung; er reite ganz allein, nur von einem Bedienten begleitet, durch die Straßen von Lissa⸗ bon, das uͤbrigens nicht mehr als 200 Polizei⸗Soldaten habe. Erfreulich sey es ihm, daß die Englische Regierung bei ihrer Neutralitaͤt beharre und sich zu keiner Einmischung habe ver⸗ leiten lassen. Nachdem der Redner hier auch noch mehrere an⸗ dere Gegenstaͤnde der Thron⸗Rede besprochen hatte, erklaͤrte er schlieslichdan es ihm leid thue, die jetzige Verwaltuna fruͤ⸗

Der naͤchste Gegenstand, den

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angenommen.

her unterstuͤtzt zu haben, da sich Erwartungen und der Reform

gezeigt habe. Herr Hume sprach sein Bedauern aus, keine groͤßeren Anstalten zur Einschraͤnkung gemacht zu sehen, waͤhrend man andererseits fuͤr Volks⸗Unterricht und Erziehung gar nichts thue. Hierin sollte man sich nur an Preußen ein Beispiel nehmen. Nach jahrelangen Declamatio— nen uͤber Reform und Einschraͤnkungen haͤtten doch die Minister so gut als gar nichts gethan. Er trage demnach auf ein in die⸗ ser Beziehung abzufassendes Amendement an. Dieser Antrag wurde jedoch nach einer Erwiederung des Lord Althorp von 191 gegen 39 Stimmen verworfen. Herr O'Connell machte darauf ein neues Amendement, das zwar von mehreren Mitglie⸗ dern (unter Anderen von Herrn Cobbet) unterstuͤtzt, aber doch ebenfalls von 189 gegen 23 Stimmen verworfen wurde. Hier⸗ auf, so wie auf einen Vortrag des Sir Rob. Peel, der von Lord Palmerston beantwortet wurde, werden wir morgen zuruͤck, kommen.

diese keinesweges seinen des Parlamentes gemaͤß

London, 5. Februar. Der General⸗Postmeister hat an⸗ zeigen lassen, daß vom 5. April d. J. die Privilegien und Nut⸗ nießungen aufhoͤren wuͤrden, welche bisher einige Post⸗Secre, taire von dem Debit der Englischen Zeitungen gehabt. Diese werden demnach jetzt außerhalb Londons zu maͤßigeren Preisen als bisher zu haben seyn.

Ueber die Thron⸗Rede aͤußert sich der Albion folgenderma⸗ ßen: „Mit Ausnahme der uͤbertriebenen Anpreisung der in der letzten Session vollbrachten Geschaͤfte und des uͤber die Gebuͤhr hervorgehobenen Vertrauens auf die Freundschaft Frankreichs, ent⸗ haͤlt die Thron⸗Rede Vieles, das bei den Konservativen Beifal finden muß, und Weniges, das von ihnen zu tadeln waͤre. Der gedruͤckte Zustand des Ackerbaus wird zugegeben. Von einer be⸗ absichtigten Neuerung in der Englischen Staats⸗Kirche ist nichts gesagt, auch nicht im entferntesten die Absicht angedeutet, die be⸗ stehenden Korn-Gesetze abzuschaffen. Von Irland scheint uns etwas zu viel Aufhebens gemacht zu seyn. Herrn O'Con⸗ nell, gegen den augenscheinlich ein großer Theil der Rede gerich⸗ tet ist, hat man dadurch zu viel Gewicht beigelegt. Besser waͤre es, die Minister haͤtten uͤber diese Sache weniger gesagt und mehr gethan. Sie haben ihrer den Zustand der Dinge zuzuschreiben, der sie jetzt so sehr beun— ruhigt. Zum Gluͤck ist von einer Aufmunterung der Englischen Dissenters, die gern die bischoͤfliche Kirche umstuͤrzen moͤchten, keine Rede; es wird nicht im geringsten auf ihre Forderungen angespielt. Was die Verhaͤltnisse zu den fremden Maͤchten be⸗ trifft, so wurden nicht nur die staͤrksten Versicherungen, in Bezug auf die wahrscheinliche Fortdauer des Friedens ertheilt, sondern auch mit besonderer Emphase betont, als ob Sr. Majestaͤt ein persoͤnl— ches Vergnuͤgen daruͤber empfänden, dies ankuͤndigen zu koͤnnen. Leider bemerkten wir, daß der Koͤnig ein wenig ensbrustig zu seyn schien, indem er bei der Verlesung seiner Rede mehrmals durch Husten unterbrochen wurde. Im Ganzen jedoch war sein Vortrag nicht nur deutlich, sondern auch ausdrucksvoll. Wir wuͤnschten nur, daß die bevorstehenden Verhandlungen der Session einen eben so konservativen Geist athmen moͤchten, wie die wesentlichsten Erklaͤrungen in der Koͤniglichen Thron⸗Rede.“

Die Einwohner des Kirchspiels Marylebone hielten vorgestern wieder eine Versammlung, die zum Zweck hatte, dem Parlamem die Anspruͤche der Bevoͤlkerung auf Befreiung von der Haus⸗ und Fenster⸗Steuer dringend vorzustellen. Man vernimmt jetzt, daß die Haus⸗Steuer wirklich mit dem 5. April aufhoͤren, die Fenster⸗Steuer aber beibehalten werden soll, weil die finanziele Lage des Landes die Abschaffung der letzteren nicht erlaube. Diese Mittheilung wurde von der Versammlung mit großem Mißfallen aufgenommen; man brachte mehrere Beschluͤsse im Vorschlag, wodurch diese Steuern, als unbillig und ungerech', verworfen wurden, und diese Resolutionen wurden einstimmig Die Versammlung erhielt dadurch, daß Lord Kenyon, angeblich, um die Ordnung aufrecht zu erhalten, den Vorsitz in derselben fuͤhrte, groͤßere Bedeutung, als sie sonst vielleicht gehabt haͤtte. Se. Herrlichkeit erklaͤrte jedoch, als er diese Function uͤbernahm, ausdruͤcklich, daß er von allem Parteigeist fern sey und hier nur in seiner Eigenschaft als Bewohner des Kirchspiels handle. Eine aͤhnliche Ver⸗ sammlung, in welcher aͤhnliche Beschluͤsse angenommen wur⸗ den, fand gestern auch im Kirchspiel St. Pancratius stat, und man erwartet, daß ihnen noch mehrere andere folgen werden. Der Albion meint, die Minister haͤtten, so wie in der Irlaͤndischen Zehnten⸗Angelegenheit, die Verlegenheit, in der sie sich wegen der Fenster-Steuer befaͤnden, nur ihrem unmaͤß gen Streben nach Volksgunst zuzuschreiben; sie haͤtten sich das durch verfuͤhren lassen, Hoffnungen zu erregen, deren Erfuͤllung sie bei naͤherem Nachdenken fuͤr unmoͤglich halten mußten.

Im Globe liest man: „Es erscheint ganz uͤberfluͤssig, daß wir uns laͤnger noch um die Hollaͤndisch⸗Belgischen Differenzen bekuͤmmern. Belgien ist faktisch bereits im Genusse aller Vor⸗ theile, die es durch eine endliche Abmachung erlangen kann. Co lange nun die Luxemburger Frage nicht erledigt ist, kann nichts weiter gethan werden; ist aber diese Frage erst einmal beseitigt, so duͤrfte ein Zeitraum von acht Tagen hinreichen, um die ganse Unterhandlung zu beendigen.“

Am vorigen Sonnabend hat mit vieler Pracht das Leichen⸗ Begaͤngniß der Gemahlin des Lord Lyndhurst stattgefunden Die angesehensten Personen wurden in dem Gefolge bemerkt.

Aus Kalkutta sind Nachrichten bis zum 17. September hier eingegangen, welche melden, daß am 26. August zu Kat⸗ menduh und in der Umgegend ein furchtbares Erdbeben stattge⸗ funden hat, wodurch 10,000 Haͤuser in mehreren Staͤdten des Thals zerstoͤrt wurden und 6 800 Menschen das Leben ver⸗ loren. Besonders wurde die Residenz Nepaul sehr beschaͤdigt Das Erdbeben nahm seine Richtung von Nord⸗Ost nach Suͤd⸗ West, und man fuͤrchtete, daß es sich noch weiter erstreckt haben moͤchte. Die Duͤrre dauerte in mehreren Theilen von Indien noch im⸗ mer fort; besonders in dem Lande Alwas war die Hitze unertraͤglich zes fiel eine Menge Vieh, und das ganze Land war mit Kadavern und Gerippen bedeckt. Nur an einigen Orten hatte es gerege net, und an solchen war wieder durch Ueberschwemmungen gro⸗ ßer Schaden angerichtet worden. Der General⸗Gouverneut hatte seine beabsichtigte Reise von Kalkutta nach Madras noch verschieben muͤssen, weil einer von den eingebornen Fuͤrsten bei ihm zum Besuch war.

. NMiedellae Aus dem Haag, 7. Febr. Ueber Curacao ist hier die Nachricht eingegangen, daß sich General Gamarra, bisheriger Praͤsident der Peruanischen Republik, zum Kaiser von Peru habe ausrufen lassen und mit einem Heere von 15,000 Mann gegen die Republik Neu-Grenada im Anzuge war. Auch die Einwohner von Bolivien sind besorgt, daß ihre kleine Republik

der Gewalt Gamarra's unterliegen werde. Dgs Heer dieles M

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eigenen ungluͤckseligen Politik

Lebens

rals kann nach Neu⸗Grenada nicht kommen, ohne die Rept vengor zu passiren; man glaubt daher auch, daß der Praͤsident v letzteren, General Flores, mit jenem Eroberer einverstanden sev.

8 Deurtschlansd. annover, 8. Februar. Das Schatz⸗Kollegium des Koͤ⸗ fgreichs hat bekannt gemacht, daß fuͤr die Schulden⸗Tilgungs⸗ ng. an 4⸗ und 3 prozentigen Landes⸗Obligationen bis ult. De⸗ 1833 uͤberhaupt fuͤr 1,683,212 Rthlr. 9 gGr 2 Pf. ta— eraͤßig nach Conv.⸗Muͤnze eingeloͤset und vernichtet worden sind, Uhs daß dergleichen Obligationen fortwaͤhrend fuͤr jene Kasse ein⸗

geldset werden.

Weimar, 8. Febr. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog haben dem Kaiserl. Russ. Botschafter am Oesterreichischen Hefe, Feh. Rath von Tatitscheff, dem Koͤnigl. Bavyerschen Gesandten d; bevollmaͤchtigten Minister an Hoͤchstihrem Hofe, Grafen 1 Luxburg, dem Koͤnigl. Saͤchsischen General⸗Lieutenant, Mi⸗ niter von Watzdorf, und dem Großherzogl. Hessischen the von Kopp das Großkreuz Hoͤchstihres Hausordens der Wach⸗ samkeit oder vom weißen Falken verliehen.— Am Geburts⸗ feste des Groͤßherzogs am 2ten d. M. wurde im Hoftheater der koͤwe von Kurdistan, von dem Ober⸗Intendanten, Ober⸗Mar⸗ schall von Spiegel, hoͤchst sinnig und geschmackvoll angeordnet, gegeben, und Se. Koͤn. Hoh. empfingen bei uͤberfuͤllrem Hause den Jubelruf ungeheuchelter Theilnahme. An diesem Tage wurde zur allgemeinen Freude unser wuͤrdiger General⸗S uͤperintendent hr. Roͤhr von Sr. Koͤnigl. Hoh. durch das Comthur⸗Kreuz des Falkenordens ausgezeichnet. „Im Por gen Jahre wurde der Major v. Germar mit einer Militair⸗Abtheilung nach Jena ge⸗ sendet, um Aufregungen der Studenten zu stillen und Ordnung zu handhaben. Es scheint nicht unbeachtet geblieben zu seyn, daß der genannte Offizier dieses Kommando eben so mit maͤnn⸗ licher Festigkeit, als mit kluger Besonnenheit ausgefuͤhrt hat, denn die Universitaͤt uͤberreichte demselben, ebenfalls am Geburts⸗ feste des Großherzogs, in dankbarer Anerkennung einen Ehren⸗ degen mit werthvoller Scheide und passenden Schildereien, mit der Inschrift: Forti, qui non pngnandg restiluit rem. Pli⸗ nius). Der General⸗Superintendent Dr. Schwarz in Jena wird dem an ihn ergangenen ehrenvollen Rufe nach Oldenburg nicht folben, sondern dem allgemeinen Wunsch der Kirche und

Universitaͤt erfuͤllen, und in Jena bleiben.

Ansbach, 4. Febr. Nachstehendes ist der Schluß des (vor⸗ gestern abgebrochenen) Artikels uͤber Kaspar Hauser: 8 9 Auf nicht besserem oder noch schlechterem Grunde scheint die Anklage zu beruhen, daß Hauser sich als einen boshatten Menschen gezeigt, womit nicht nur Fruerbachs Zeugniß in Widerspruch steht, der S. 144 seiner Darstellung sagt: Beispiele von Bosheit und Tuͤcke sehen von Hauser nicht zu erzaͤhlen; sondern auch des Herrn Pfar⸗ rers Fuhrmann zu Ansbach, der ebenfalls nichts von Bosheit wissen muß, die Hauser ausgeuͤbt, da er noch in einem nach dessen Tode geschriebenen Briefe „dessen außerordentliche Gutmüthigkeit“ ruhmt. Was endlich die gegen Hauser erhobene Beschuldigung der Luͤgenhaftigkeit betrifft, so ist nicht zu leugnen, daß sich Hausers Charakter in dieser Hinsicht von seiner ersten hohen Reinheit*) allmaͤhlich⸗entfernt und eine sehr bedauerliche Richtung zur Unauf⸗ richtigkeit, Unwahrhaftigkeit und Verstellung genommen hat, von der er sich, so tief er zuweilen das Unwuͤrdige derselben empfinden mochte, und so schmerzlich er das Geschehene in Momenten der Erschütterung und Besinnung, selbst mit Verwuͤnschung seines beklagte **), nie wieder ganz loszumachen vermochte. Daß es so gekommen, werden jedoch nicht feindselig eingenommene, besonnene und psychologisch einsichtige Beurtheiler, wenn sie Hau⸗ sers ganz eigenthuͤmliche Stellung zur Welt bedenken, Jumak bei näherer Kenntniß der, aller paͤdagogischen Bemuͤhungen spottenden, absonderlichen Lagen und Verhaͤltnisse, in die er geworfen ward, sehr natuͤrlich und begreiflich finden, ohne deshalb in unbillige An⸗ klagen gegen ihn auszubrechen, oder daraus folgern zu wollen, hHausers ganze Erscheinung habe auf Luͤge und Betrug beruht. Fene eigenthuͤmliche, zur Unwahrhaftigkeit draͤngende und un⸗ aufbörlich in ihr uͤbende Stellung zur Welt, hat schen Feuerbach treffend bezeichnet, indem er S. 145 O. sagt:

seiner Darstellung „Als reifer Juͤngling, der seine Kindheit und Jugend verschlafen, zu alt, um noch als Kind, zu kindisch unwissend, um, als Juͤng⸗ ling zu gelten; ohne Altersgenossen, ohne Vaterland, ohne Aeltern und Verwandte; gleichsam das einzige Geschoͤpf seiner Gattung, erinnert ihn jeder Augenblick an seine Einsamkeit mitten im Ge⸗ wuͤhl der ihn umdraͤngenden Welt, an seine Unmacht, Schwaͤche und Unbehülflichkeit gegen die Macht der uͤber sein Schick⸗ sal gebietenden Umstaͤnde, vor Allem an die Abhaͤngigkeit sei⸗ ner Person von der Gunst oder Ungunst der Menschen. seine, ihm gleichsam zur Nothwehr abgedrungene Ferrigkeit in Be⸗ obachtung der Menschen, sein umsichtiger Scharfblick, womit er schnell ihre Eigenthuͤmlichkeiten und Schwaͤchen auffaßt, die Klug⸗ heit, womit er sich in diejenigen, die ihm wohl oder wehe thun fönnen, zu bequemen, Anstoͤßen auszubeugen, sich gefaͤllig zu er⸗ wiisen, seine Wuͤnsche geschickt anzubringen, dem guten Wilen sei⸗ ner Goͤnner und Freunde sich dienstbar zu machen weiß.“ Welche Folgen solche Auffassung und Benutzung der Schwaͤchen Anderer solche Anbeqguemung an die Sinnesatt und die Launen der verschie⸗ denartigsten Menschen, mit denen er zu thun hatte, solches Schmiegen, Schmeicheln, Ausweichen und Bestreben, seine Beherrscher durch List zu beherrschen, Jahre lang fortgesetzt, fuͤr⸗ Hauser's moralische Be⸗ schafenheit haben mußte, laͤßt sich denken; es konnte ihm dies erst zur Rothwehr gebrauchte truͤgliche Spiel am Ende sogar zu einer Art von Vergnüͤgen gereichen, seine Eitelkeit kitzein, ihm ein ange nehmes Gefuͤhl geheimer Ueberlegenheit uͤber Andere geben und ein Wesen aus ihm machen, dem Luͤge und Verstellung zur andern Na⸗ tur wurde. Schon im Oktober des Jahres 1829 schrieb ich uͤber die an Hauser bemerkbar gewordene und kurz vorber zum Erstenmale in auffallender „Weise hervorgetretene Neigung zur Unwahrhaftig keit, an Hrn. Buͤrgermeister Binder Folgendes: „Es ist aus den eigenthuͤmlichen Umstaͤnden, unten denen er in der menschlichen Gesellschaft auftrat, gar wohl zu begreifen, wie es so gekommen sey. Eine Welt der peinlichsten Einfluͤsse und Verhältnisse be⸗ dräͤngte auf einmal seine Sinne und sein Gemuͤth, und unbekannt mit seinen Empfindungen auaͤlten ihn Anfangs auch diejenigen, die es gut mit ihm meinten. Er konnte, zumal bei dem fruͤhern Erhoͤhtseyn seiner Verstandeskraͤfte, bald auf den Wunsch kommen, durch List, die Waffe der Schwachen, sich seinen Zustand etwas er⸗ traͤglicher zu machen, Widerwaͤrtiges zu umgehen und sich der un⸗ geheuern Zudringlichkeit, womit mang dies unglaublich schwache und zarte Wesen unablaͤssig bestuͤrmte, zu erwehren. Wie es oft bei Kindern vorkommt, daß sie den Erwachsenen und Vorgesetzten ihre Schwaͤchen abmerken und sich darnach zu verhalten lernen, so war es auch bei Hauser der Fall. Ueberall wollte man von ihm geschmeichelt seyn, und so schmeichelte er denn, lernte seine Ge— fuͤhle verstellen oder verbergen und uͤbte sich wohl schon in einem

——CqV-

. *) Zur Zeit dieser ersten Reinheit war, nach einem Ausdruck des verstorbenen Dr. Preu, ein wahrhaft heiliges Wahrheits⸗Gefüuhl an ihm zu erkennen, und kaum konnte ihn etwas mehr empoören, als eine Lüge, die er selbst im Scherze nicht dulden wollre. Niemand war ihm damals zu einflußreich und vornehm, um ihn über eine Unwahrheit zur Rede zu setzen; so wie mir vom Hrn. Bürgermei⸗ ster Binder zu Nürnberg, dem er mit unbeschreiblicher, sich immer gleich geblie⸗ dener Eyrfurcht und Liebe zugethan war, erzahlt worden ist, daß, als derselbe in Hausers Gegenwart dem Bedienten befahl, ihn vor einem lastigen Ankömmling zu verleugnen, Hauser verwundert sagte: „Aber, Hr. Vürgermeister, das ist ja nicht wahr! Sie sind ja zu Haus!"“

ni ) Er schrieb mir einst: „Sie schreiben mir, ich soll es recht bedenken, es Whnide noch in meiner Macht; ich wollte, es ware nie in meiner Macht gestanden, aunn ware ich auch nicht zu dieser Erbarmlichkeit gekommen.“

Republik u Verhal er nur ein

Daher

unun snen Bewußtseyn davon hatte, in⸗ dem er sich gegen die Menschenwelt, die ihn umgab, wie gegen ein Heer von Feinden verhielt, durch welches er sich mit den Mitteln, die ihm zu Gebote standen, so gut es gehen wollte, durchzuschlagen, vom Naturtrieb der Selbsterhaltung gedrungen ward. Auch konnte er bald bemerken, daß in unsern conventionellen Verhaͤltnissen und Hoͤflichkeitsformen keine Aufrichtigkeit sey; er beobachtete das falsche Spiel, das die Menschen gegen einander treiben, ja oft zu treiben ge⸗ zwungen sind, und konnte sich Faͤlle solcher Art zum Muster, wie zur Entschuldigung nehmen. Ich bin sonach nicht der Meinung (zumal bei so manchen noch immer vorkommenden Proben seiner Herzensguͤte), daß ein schlimmgeartetes Gemuͤth der Grund dieser Erscheinung sey, die ihn jedoch bei Anderen der haͤrtesten Beurtheilung, und seine Erziehung und Behandlung, auf welche so vieler, zum Theil tadelsuͤchtiger Menschen Augen gerichtet sind, unbilligen und unge⸗ rechten Anklagen Preis zu geben vermag“ Ich setze hinzu, daß außer diesem noch die geflissentlichen Abfuͤhrungen vom Wege des Wahren und Rechten durch Andere, denen er ausgesetzt war, bei Beurtheilung desselben in die Wagschale zu legen sind. Als ich ihm, da er schon nicht mehr in meinem Hause lebte, aber noch in ge⸗ nauer Verbindung mit mir stand, eine sehr ernste schriftliche Er⸗ mahnung und Verwarnung in Betreff seines unwahren Verhaltens gegeben, und die Besorgniß geaͤußert hatte, es moͤchte in das, was ich aus seinem Munde uͤber ihn zu Pavpier gebracht, schon manches Falsche und Erdichtete gekommen seyn, schrieb er mir: „Dieses erbaͤrmliche Luͤgen habe ich nicht daher verwendet, sondern ich hatte es nur da angewandt, wenn die Leute zu mir sagten, ich moͤchte doch den Nachmittag kommen, dann sagte ich: ja, der Hr. Professor wirds schwerlich erlauben, dann sagten sie, ich muß es nicht gerade sagen, wo ich hingehe, und da ließ ich mich zu den schaͤndlichen Luͤgen verleiten“ Manches noch Wichtigere, was ich beibringen koͤnnte, eignet sich nicht zur Oeffentlichkeit; aber auch ohne dies werden billige und menschliche Beurtheiler in Hau⸗ sers Entwicklung zur Unwahrheit und Verstellung kaum etwas An⸗ deres zu sehen im Stande seyn, als den schlimmsten Theil des viel⸗ fachen Ungluͤcks, das das sonderbare Leben dieses merkwuͤrdigen Menschen kraf, und waͤre noch etwas noͤthig, um nicht feindselige und uͤbelwollende Gemuͤther mit seinen Verirrungen zu versoͤhnen, so muͤßte es die bittere und herzliche Reue seyn, mit welcher er auf dieselben im Sterben zuruͤckgeblickt hat.

Nuͤrnberg, im Januar.

. G. Fr. Daumer, Professor.

Frankfurt am Main, 8. Februar. de Francfort sagt in Bezug auf die Expedition der Po⸗ len gegen Savoyen: „Wer ist es, der den unsinnigen Ver⸗ such wagt, die Fackel des Buͤrgerkrieges uͤber den Suͤden von Europa zu schwingen? Eine Hand voll unruhiger Koͤpfe, die sich kein Gewissen daraus machen, wo sie sich auch be— finden moͤgen, Verschwoͤrungen anzuzetteln. Man bewillige diesen Leuten Unterstuͤtzungen wie in Deutschland, Pensionen wie in Frankreich, eine Freistaͤtte wie in der Schweiz, Ruhe werden sie nirgends halten. Und doch trifft sie keine Strafe. Wenn Franzosen sich in der Vendée gegen die Regierung ver⸗ schwoͤren, so straft man sie mit dem Tode, wenn Deutsche straf— bare Komplotte schmieden, so macht man ihnen den Prozeß. Mit dem Namen eines Polen allein ist eine moralische Unver⸗ letzlichkeit verknuͤpft. Was die Polen auch thun moͤgen, Niemand wagt es, ihnen das Recht streitig zu machen, die Welt zu revolutionniren und die bestehenden Regie⸗ rungen mit bewaffneter Hand anzugreifen. Wir wollen daher auch kein Wort weiter hieruͤber verlieren. Mag immer⸗ hin die gastfreie Aufnahme mit dem Buͤrgerkriege gelohnt wer⸗

den, wir wollen bedenken, daß wir uns in einer Zeit befinden,

wo man alle Welt beschuldigen darf, nur nicht die Polnischen Fluͤchtlinge; ja, wir wollen sogar denen nicht einmal mehr ant⸗ worten, die uns noch jetzt behaupten moͤchten, daß die Sache dieser Maͤnner eine gerechte ist.“ 1 Wiesbaden, 2. Februar. (Schwaͤbischer Merkur.) Der Herzog Ferdinand von Wuͤrttemberg, Gouverneur von Mainz, welcher dort starb, hat auch in unserer Stadt, wie in Mainz, durch zahlreiche Unterstuͤtzungen an Arme und Duͤrftige sein Andenken erhalten. Die Stelle des hier verstorbenen Herzogl. Nassauischen Staats⸗Ministers Frhrn. von Marschall⸗ Bieberstein soll, wie man sagt, nicht wieder in der fruͤheren Art besetzt werden Wenn auch nothwendigerweise ein Minister ernannt werden muß, wird er nicht die ausgedehnte Befugniß erhalten, wie sie der Verstorbene besaß. Die oͤffentliche Stimme bezeichner, ob mit Grund, muß sich zeigen, den Schwiegersohn

des Freiherrn v. Marschall als kuͤnftigen Staats⸗Minister.

. Schweiz.

N e Nachrichten (als die gestern mitgetheilten) uͤber die vereitelte Expedition Ramorino’s nach Savoyen sind noch zu erwarten. Der Schwaͤbische Merkur enthaͤlt dagegen noch folgende Korrespondenz⸗Mittheilungen:

„Genf, 2. Februar, Morgens 10 Uhr. Gestern 1 Uhr Morgens erhielt man hier die Nachricht, daß Polen von Nyon aus (Kanton Waadt) in unseren Kanton eindringen wollten. Der Staats⸗Rath versammelte sich, und schon um 3 Uhr mar⸗ schirte ein Theil unserer Garnison nach Hermance. Die Polen, gegen 200 Mann stark, bemaͤchtigten sich in Nyon einer Barke und landeten um 9 Uhr bei la Belotte (Kanton Genf). Unsere hier stationirte Miliz trennte die Gelandeten von ihrem Schiffe, worin sie ihre Waffen hatten, und die Polen ergaben sich der⸗ selben gutwillig als Gefangene. Diese wurden nach Vezenas gebracht und die Barke mit den Waffen an den Kai gefuͤhrt. Hier versammelte sich die niedrige Volksklasse in großer Menge und versuchte, sich der Barke zu bemeistern, jedoch ohne Erfolg. Spaͤter gelang es drei mit Leuten jener Klasse bemannten Na⸗ chen, etwa 60 Gewehre wegzunehmen. Es wurde nun Ge⸗ neralmarsch geschlagen, und die dadurch versammelte Mi⸗ litair⸗Gewalt daͤmpfte endlich den durch den patriotischen Kub angestifteten Aufruhr. Die Regierung erließ hierauf den Be⸗ fehl, die Polen einzuschiffen, im Nothfall mit Wassen⸗Gewalt. Dies geschah Abends 4 Uhr. Um sie die Nacht uͤber zu bewa⸗ chen, stellte sich zwischen dem Polenschiff und dem Landungs⸗Platz eine mit einer Compagnie Soldaten bemannte Regierungs⸗Barke auf, und heute Morgen 5 Uhr bugsirte das Dampfschiff die Po⸗ len jenseits der Genfer-Gewaͤsser. Nachschrift. Heute fruͤh um 2 Uhr sind Italiaͤner und einige Polen, alle mit den noͤthi⸗ gen Paͤssen versehen, von auf der Straße von Chable in Savoyen eingedrungen. Dieses gegen 800 Mann starke Corps ist von Ramorino befehliget, und dieser General hat bereits in Anemasse, einem kleinen Savoyardischen Graͤnz⸗ Ort, eine provisorische Regierung proklamirt.“

„Basel, 4. Febr. Aus dem Waadtlande erfaͤhrt man, daß die Truppen unter die Waffen gerufen sind. Wie es scheint, sind die Befehle der Regierung in Betreff der Polen nur an wenigen Orten befolgt worden; in Nyon z. B. wurden 250 Polen von der Bevoͤlkerung, gegen den Willen der Behoͤrden, geschuͤtzt und gepflegt, und die in Morges verhafteten Individuen derselben Nation, die an die Franzoͤsische Graͤnze gebracht wer⸗ den sollten, sind in Echallens vom Volke mit Gewalt in Frei⸗

Das Journal

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sorgfaͤltig gereinigt werden,

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814 21 e2s A 22 z0s8 Z 8 heit gesetzt worden. Es wird erzählt, die Polen haͤtten in Mor⸗ ges einen Handstreich auf das dortige Zeughaus ausfuͤhren wol⸗ len, welcher ihnen aber mißgluͤckt sey.“ 1

Die Allgemeine Schweizer Zeitung meldet vom * Februar: „Zuverlaͤssigen Nachrichten aus Nyon zufolge, wur⸗ den in Roll etwa 20 Polen durch die Behoͤrden nach Lausanne gewiesen. In Morsee trafen sie auf einen Boten vom kleinen Rath, der den Befehl brachte, daß dieselben ruͤckwaͤrts nach Cossonay zu instradiren seyen, indem die oͤffentliche Stimmung in Lausanne jede polizeiliche Aufsicht uͤber die Polen vereiteln duͤrfte. Diese langten nun in Cossonay an, fanden aber, der Schildwachen ungeachtet, Mittel in der Nacht zu entweichen. Es ist zu vermuthen, daß sie den Weg nach Nyon einschlugen. Den 1. Februar fruͤh Morgens bemächtigten sich bei 200) aus allen Ecken hervorkommende Ausgewichene, wie man behaup⸗ tet unter Anfuͤhrung des Generals Romarino, mehrerer im Hafen von Nyon liegender Barken, und warfen die darauf liegenden Waaren ins Wasser. Die Poltzei⸗Behoͤrde machte Laͤrm, der Generalmarsch wurde geschlagen, und brachte von der Mann⸗ schaft von zwei aufgebotenen und einquartirten Miliz⸗Compag⸗ nieen 4 Mann auf die Beine. Der erste Polize⸗Beamte, Saugy, ein unerschrockener, tuͤchtiger Mann, begab sich auf eines der Schiffe und suchte die Schiffe am Abstoßen zu verhindern; allein er mußte selbst mit auf den See, und wurde, nachdem er be⸗ deutende Mißhandlungen erlitten, etwas weiter an einer einsa⸗ men Stelle wieder an das Land gesetzt.“

Konstantinopel, 17. Jan. Bei Gelegenheit des Rama⸗ zan hat der Seraskier⸗Pascha ein hoͤchst charakteristisches Rund⸗ schreiben an die Patriarchen der Griechen, Armenier, Katholi⸗ ken und Juden erlassen, welches folgendermaßen lautet:

„Getreuer Patriarch! Ich glaube die gegenwaͤrtige Gelegen⸗ heit benutzen zu muͤssen, um Ihnen die Pflichten ins Gedaͤchtniß zuruͤckzurufen, welche getreue und gutgesinnte Unterthanen gegen unsern Monarchen, dessen wohlwollender Schutz Allen auf gleiche Weise zugesichert ist, zu erfuͤllen haben. Die erste dieser Pflichten besteht darin, sich immer in den Graͤnzen des Gehorsams zu halten, den Gewohnheiten getreu zu bleiben, welche einfachen Leuten gezie⸗ men, und sich nur in der Kleidung zu zeigen, welche den verschiedenen Klassen der tributpflichtigen Unterthanen vorgeschrieben ist, ohne diejenige nachzuahmen, welche ausschlieslich der Tuͤrkischen Armee vorbehalten ist. Die Unterhaltung der Gebaͤude, die taͤgliche Rei⸗ nigung des Platzes vor dem Hause und dem Laden, sind Sorgen, denen jeder Unterthan obliegen muß, und denen sich Niemand ent⸗ ziehen kann, ohne sowohl gegen die Gesetze als gegen sein eigenes Interesse zu verstoßen. Denn die Reinlichkeit wird durch den Islam ganz besonders anbefohlen, sie schuͤtzt vor sehr vielen Uebeln, na⸗ mentlich in zahlreich bevoͤlkerten Orten. Es ist zu allen Zeiten nothwendig, daß die Aufmerksamkeit und die Sorg⸗- falt jedes Einzelnen auf jene Punkte erichtet sey; aber ganz besonders muß dies an den geheiligten Tagen des Ramazan der Fall seyn, die nun, Gott sey. gepriesen, bald erscheinen werden. Waͤhrend dieses Monats wird unser machtiger Monarch, unter des⸗ sen Schutz Ihr Euch der Ruhe und einer gluͤcklichen Existenz er⸗ freut, abwechselnd die beiligen Moscheen besuchen, um daselbst seine Gebete zu verrichten, und seine religibsen Pflichten zu erfuͤllen. Mehr als jemals ist es daher noͤthig, daß alle Theile der Stadt daß die Wohnungen und die Laͤden kurz, daß

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ußerlich in den saubersten Zustand versetzt werden, auf der oͤffentliche Straße Alles den Augen unsers Souve rains ein Volk zeige, das sich bestrebt, die zum Vortheil Aller vorgeschriebenen Anordnungen genau zu vollziehen. Wenn Se. Hoheit bei dem Besuch der Moscheen, entweder auf dem Wege von der einen zur anderen, oder an Orten, wo Er anhalten sollre, um Seine getreuen Unterthanen durch Seine Gegenwart zu be⸗ gluͤcken, Raya's begegnen sollte, so brauchen diese nicht von Furcht ergriffen zu werden, sondern sie moͤgen im Gegentheil ihren Weg ruhig fortsetzen, indem sie die Ehrerbietung und Hochachtung an den Tag legen, welche sie dem Oberhaupte des Reiches schuldig sind. Die Bescheidenheit ihrer Haltung in Gegenwart des Fuͤrsten wird der Ausdruck jener Gesinnungen seyn, und er wird darin einen sicherern Beweis von der Anhaͤnglichkeit seiner Unterthanen er⸗ blicken, als in den Aeußerungen der Furcht, welche sich unter einem Monarchen nicht zeigen muͤssen, dessen suͤßestes Vergnuͤgen es ist, sie gluͤcklich zu wissen Nur am Freitag ist es erlaubt, Birt⸗ schriften zu uͤberreichen. Der Bittsteller darf seine Absicht nicht durch Laͤrm oder Geschrei kund geben; er findet sich auf dem Wege Sr. Hoheit ein, bleibt ruhig auf dem einmal gewaͤhlten Platze ste hen, und haͤlt seine Bittschrift in die Hohe. Waͤhrend der Dauer des Ramazan darf sich kein Raya bei Nacht in den Muselmaͤnni⸗ schen Vierteln aufhalten, wenn ihn nicht dringend nothwendige Ge⸗ schaͤfte dorthin rufen. Die lahmen, blinden und bettelnden Raya’'s düͤrfen sich nicht in den Straßen und auf den Maͤrkten zeigen, und diese Zeit, in welcher unsere heilige Religion die Ausuͤbung der Wohlthaͤtigkeit vorschreibt, benutzen, um unsern Muselmaͤnnischen Unterthanen laͤstig zu fallen Eurer Sorgfalt faͤllt es anheim, fuͤr den Unterhalt jener Ungluͤcklichen zu sorgen. Denen, welche durch Verstuͤmmelung oder Krankheit wirklich huͤlfsbeduͤrftig sind, werdet Ihr beistehen, indem Ihr sie in Euren Hospitaͤlern unter⸗ bringt; dort wird durch die Gemeinden fuͤr ihren taͤglichen Unter⸗ halt gesorgt werden. Dtejenigen, welche nicht dieselbe Entschuldi⸗ gung fuͤr ihre Arbeitslosigkeit haben, und doch kein Handwert trei⸗ den, sich auch nicht Muͤhe geben eins zu lernen, das Land nicht bauen, und uͤberhaupt kein ehrenvolles Mittel aufsuchen, um sich ihren Unterhalt zu sichern, werden ebenfalls der Gegenstand Eurer Sorgfalt seyn Denienigen von ihnen, welche Arbeit suchen, aber keine finden koͤnnen, muͤßt Ihr Beschaͤftigung verschaffen; wer sich aber entschieden dem Muͤßiggange in die Arme wirft, der muß in sein Vaterland zuruͤckgeschickt, oder unter eine Aufsicht gestellt werden, die ihn zwingt, von seinen Kraften einen nuͤtzlichen Gebrauch zu machen. Denn wir sind dem Schwachen und Kranken Huͤlfe und Schutz, dem Arbeitsamen Beschaͤftigung schuldig; aber gegen den Muͤßi ggaͤnger, der nur auf Kosten seiner Mitgeschoͤpfe leben will, muͤssen wir eine unbeugsame Strenge an den Tag legen. Das be⸗ fiehlt uns Gott, und das schreibe ich Euch vor. Wenn Ihr in Euren Kirchen duldet, daß die Bettler die oͤffentliche Wohlthatigkeit anrufen, so werdet Ihr dasuͤr sorgen, daß sich dieser Gebrauch nicht weiter ausdehne. Da indeß diese Maßregeln nicht den Zweck haben, die Muselmaͤnner an der Ausuͤbung der Wohlthaͤtigkeit gegen die Armen aller Religionen zu hindern, sondern nur sie vor laͤstigen Quaͤlereien und vor dem Uebelstande zu schuͤtzen, daß sie ihre All⸗ mosen an Unwuͤrdige verschwenden, so werdet Ihr durch die Priester Eurer Kirchspiele besondere Kollekten bei Euren Glau⸗ bensgenossen, und durch erwaäͤhlte Kirchen⸗Vorsteher allgemeine Kol⸗ lekten herumgehen lassen. Ihr werdet mir die Personen bezeich⸗ nen, welche den Bestimmungen dieser Instruction entgegenhandeln, damit sie nach Verhaͤltniß ihres Vergehens bestraft werden koͤnnen. Jene Bestimmungen werdet Ihr öffentlich bekannt machen las⸗ sen, und mit Euren besonderen Instructionen zur strengsten Beob⸗ achtung derselben begleiten. (gez.) Der Seraskier Pascha.“

Der Moniteur Ottoman erwaͤhnt eines allgemein ver⸗ breiteten Geruͤchtes, daß med Ali in Begriff stehe, mit dem Franzoͤsischen Banquier Aggkädo eine Anleihe von 25 bis 30 Mil⸗ lionen Franken abzuschließen.

Konstantinopel, 21. Jan. Die Tuͤrkische Zeitung enthaͤlt eine ausfuͤhrliche Auseinandersetzung der in der Organi⸗ sation der Staats⸗Aemter vorgenommenen Neuerungen und de

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