2 oder nicht. verneinende Antwort. Herr Sheil, der bekannte Advokat, that dieses nicht, sondern suchte in einem langen Briefe, den er in die Zeitungen einruͤcken ließ, zu beweisen, daß er der Mann nicht seyn koͤnne. Aber eben darum hatten ihn Viele in Ver⸗ dacht, und nach dem bekannten Charakter O Connells schließend, vermuthen Viele, dieser Demagoge habe nur deswegen so vielen Eifer gezeigt, „die Verraͤther“, wie er sich ausdruͤckt, ans Licht zu ziehen, um seinen kraͤftigsten Mitbewerber um die Volks⸗ gunst fuͤr immer zu stuͤrzen. Dem sey aber, wie ihm wolle;
'Connell brachte die Sache gleich zur Sprache, und nach vie⸗ lem Hin⸗ und Herreden erklaͤrte Lord Althorp, daß er es von guter Quelle habe, daß mehrere Mitglieder sich so ausgedruͤckt, wie Hr. Hill es angegeben, daß er bereit sey, es einem jeden zu sagen, ob er mit genannt worden oder nicht, demjenigen aber, von dem er die Mittheilung erhalten, nicht nennen wuͤrde. 9O Connell und mehrere andere erhielten verneinende Antworten, aber dem Hrn. Sheil erklaͤrte der Lord, daß Er einer der genannten sey. Da nuͤn Hr. S. bei Gott und allem, was sonst dem Menschen heilig ist, seine Unschuld betheuerte, und vom Lord A. Genugthuung ver⸗ langte, so schlug sich das Haus ins Mittel, und beide Herren wurden der Haft des Hauses uͤbergeben, bis sie versprachen, ihre Sache dem Hause zur Entscheidung zu uͤberlassen. Auch hat OConnell bereits angekuͤndigt, daß er naͤchsten Montag auf eine strenge Untersuchung antragen werde. Der Auftritt war einzig; und manche Kammern duͤrften sich an der Art und Weise ein Beispiel nehmen, wie, fuͤr den Augenblick wenigstens, ein so bedrohlicher Streit geschlichtet worden. Das Parlament gruͤndet sein Verfahren bei solchen Gelegenheiten besonders dar⸗ auf, daß, wenn beleidigte Mitglieder sich durch Zweikaͤmpfe Genugthuung zu verschaffen pflegten, die Freiheit der Debatten auf eine gefaͤhrliche Weise beeintraͤchtigt werden wuͤrde.
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Aus dem Haag, 9. Febr. Aus Vliessingen wird ge⸗ meldet, daß die im dortigen Dock liegenden Kriegsschiffe zu Ende dieses Monats denselben verlassen werden, wonaͤchst an dem Dock selbst einige Ausbesserungen vorgenommen werden sollen. Das Kauffahrtei⸗Schiff „Schimmelpenning“ wird in Vliessingen Trup⸗ pen einnehmen, um dieselben nach Java uͤberzufuͤhren.
Am 5ten d. M., als an dem Jahrestage der That van Speyks, ist einem der fuͤnf auf wunderbare Weise von dem Ka⸗ nierboote Nr. 2 geretteten Matrosen, der sich jetzt in Vliessingen befindet, im Namen des Kollegiums „Seemanns⸗Hoffnung“ ein Geschenk verabreicht worden. mitse tz11 1112 fnn 11,N. nenm⸗ Bruͤssel, 10. Febr. Herr Jamme, Buͤrgermeister von Luͤttich, ist heute hier angekommen. Man glaubt, daß er eine Audienz bei dem Koͤnige nachsuchen werde, um einen gruͤndlichen Bericht uͤber die Streitigkeiten in Betreff der Luͤtticher Muni⸗ cipal⸗Wahlen abzustatten. . Durch eine Verordnung des Ministers des Innern ist der Doktor Lombard zum Praͤsidenten der Medizinal⸗Kommission des Koͤnigreiches ernannt worden.
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8 8 61 8 Fannenm b Kopenhagen, 8. Febr. Die Jahres⸗Rechnung der Na⸗ tional⸗Bank vom August 1832 bis 183 l ist mit der AQuittung der Repraͤsentanten durch den Druck bekannt gemacht. Aus dersel⸗ ben und dem angehaͤngten Status der Bank vom 31. Juli 1833 ersieht man, daß von den 1813 circulirenden Repraͤsentativen zum Belaufe von 48,834,356 Rbthlr. 87 ßl. bereits die Summe von 31,622,437 Rböthlr. 94 ßl. eingezogen ist, und daß also nur 17,211,918 Rbthlr. 89 ßl. an Bankzetteln und Zinsen in Circu⸗ lation sind. Das Kapital der Bank besteht aus 4,429,519 Rbthlr. 46 ßl. und die sichernde Bankhaft betraͤgt 26,809,001 Röthlr. 14 ßl.
Herr Franz Anton Everlof, erster Expeditions⸗Secretair der Schwedischen Kanzlei, ist als Koͤnigl. Schwedisch⸗Norwegi⸗ scher General⸗Konsul in Kopenhagen anerkannt. — Der Daͤni⸗ sche General⸗Konsul in Schweden, welcher bisher in Gothen— burg wohnte, wird kuͤnftig seinen Aufenthalt in Stockholm ha⸗ ben, und fuͤr Gothenburg wird ein eigenes Koͤnigl. Daͤnisches Konsulat errichtet werden.
In den letzten Stuͤrmen ist die Landzunge am westlichen Lümfsord noch mehr durchbrochen und der Huͤgel, auf dem die Kirche von Agger steht, von den Wellen so untergraben, daß die Kirche abgebrochen werden muß, wozu auch schon vom Amte der Befehl gegeben ist. tatr n 1 48199 90
Warschau, 11. Februar. Vorgestern, als am 36sten Ge⸗ burtstage Sr. Kaiserl. Hoheit des Großfuͤrsten Michael, fand in der hiesigen Kathedrale und in der Schloß⸗Kapelle feierlicher Gottesdienst statt. Darauf nahm der Fuͤrst Statthalter in den Zimmern des Schlosses die Gluͤckwuͤnsche der Behoͤrden und des Militairs entgegen. Abends war die Stadt erleuchtet.
In diesen Tagen kehrte der Großmeister des Hofes Sr.
Majestaͤt des Kaisers, Senator und Mitglied des Koͤnigl. Pol⸗ nischen Staats⸗Raths, Fuͤrst Maximilian Jablonowski, nach langer Abwesenheit aus Rußland hierher zuruͤck. Die Stadt Kalisch hat durch Ueberschwemmung sehr gelit⸗ der kleine Fluß Prosna trat zu zwei verschtedenen Malen seine Ufer, daß mehrere Straßen ganz unter Was⸗ ser gesetzt wurden. Die Einwohner, besonders die der Vorstadt, haben dadurch großen Schaden gehabt. Der schoͤne Park bei der Stadt wurde durch einen Sturmwind fast ganz zerstoͤrt; uͤber die Haͤlfte der Baͤume sind entwurzelt. 1 965.
68 dntt; “ 5 Fars Schweiz.
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Lausanne, 5. Febr. Die Waadtlaͤndische Regierung hat unterm 2ten d. M. folgendes Umlaufschreiben an die Schultheißen und staäͤdtischen Behoͤrden des Kantons erlassen: „Der Auftrag der zu den Waffen berufenen Buͤrger⸗Soldaten hat nur die Ruhe und oͤffentliche Ordnung zum Ziel. Die im Kanton Bern be⸗ sindlich gewesenen Polnischen Fluͤchtlinge, so wie andere von verschiedenen Nationen, haben sich gleichzeitig im Kanton Waadt versammelt, in der Absicht, eine Invasion in die Sardinischen Staaten zu unternehmen. Die Behoͤrde, beauftragt, uͤber die Sicherheit des Kantons zu wachen, und durchdrungen von den Pflichten, die ihr durch das Voͤlker⸗Recht, durch die zwischen be⸗ nachbarten Staaten bestehenden Verhaͤltnisse und durch das der Schweiz garantitb'te Neutralitaͤts⸗System, an dessen Aufrecht⸗ erhaltung nach allen Seiten hin ihr so sehr gelegen seyn muß, auferlegt sind, konnte, als sie von diesen Plaͤnen unterrichtet wurde, nicht gestatten, daß das Gebiet eines eidgenoͤssischen Staates zum Ausgangs⸗Punkt fuͤr feindliche Unternehmungen gegen einen benachbarten Staat gemacht wuͤrde. — Der Staats⸗ Rath mußte also Maßregeln ergreifen, um sich den Plaͤnen der Polnischen und Italiaͤnischen Fluͤchtlinge zu widersetzen. Er
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ten; 1 so weit uͤber
Viele thaten dieses auch, und erhielten Alle eine
Boden festzusetzen.
augenblickliche Entwaffnung zu
einen Metropoliten zu eines solchen ihren Staͤnden zu empfehlen.
lichkeit;
wollte sich Anfangs auf guͤtliche Mittel beschraͤnken, und die Herren Schultheißen am Ufer des Genfer Sees wurden beauftragt, die in ihren Bezirken befindlichen Polen aufzufordern, sich nach der Nord⸗Graͤnze hin zuruͤckzuziehen. Aber das Beneh⸗ men der Fluͤchtlinge zeigte sehr bald, daß das Mittel der Ueb er⸗ redung nicht hinreichen werde, um sie zur Verzichtleistung auf ihr Unternehmen zu bewegen. Mehrere von ihnen hielten ihr Versprechen nicht, obgleich sie auf ihr Ehrenwort versichert hat⸗ ten, daß sie die Straße nach dem Kanton Bern wieder einschla⸗ gen wollten, und suchten sich auf alle moͤgliche Weise der Wachsamkeit der Behoͤrde zu entziehen. — Nur war die Nothwendigkeit unverkennbar, daß man die bewaff⸗ nete Macht zu Huͤlfe nehmen und die Fluͤchtlinge, die man zur Umkehr noͤthigen wolle, eskortiren lassen muͤsse; aber diese Fremdlinge hatten so viel Zeit gehabt, sich laͤngs des Sees zu zerstreuen und zu verbergen; die Bemuͤhungen der Be⸗ hoͤrden mußten also vorzuͤglich darauf gerichtet seyn, sie an der Einschiffung nach dem Savoyischen Ufer hin zu verhindern. Dies war der Hauptgrund, weshalb in den an den See graͤn⸗ zenden Bezirken Truppen in Bewegung gesetzt wurden, wozu die Herren Schultheißen am 27. Jan. fuͤr den Nothfall Autorisation erhielten, um den Gendarmerie⸗Dienst zu unterstuͤtzen, waͤhrend sie spaͤter, naͤmlich am 30sten, den ausdruͤcklichen Befehl dazu erhielten. — Um diesen militairischen Maßregeln mehr Zusammenhang und Wirksamkeit zu verleihen, wurde die obere Leitung derselben fuͤr die Bezirke von Morges, Rolle und Nyon einem einzigen Chef anvertraut. Dieser Chef ist Herr Gély, Kommandant des Be⸗ zirks von Lausanne. — Aber ungeachtet der getroffenen Vorkeh⸗ rungen gelang es einer großen Anzahl von Fluͤchtlingen, in die Stadt Nyon und deren Umgegend zu kommen, wo sie sich ver⸗ borgen hielten. Und am 1. Februar gegen 4 Uhr Morgens ver⸗ sammelten sie sich, ohne daß man ihre Plaͤne hatte vorhersehen koͤnnen, ungefaͤhr 150 an der Zahl, vollstaͤndig bewaff⸗ net und mit Munition versehen, im Hafen und bemaͤchtigten sich eines mit Brettern beladenen Fahrzeuges, dessen Ladung sie ohne weiteres ins Wasser warfen. — Auf die erste Nachricht von diesem Ereigniß wurden die Wacht⸗Truppen von Nyon zu⸗ sammengezogen; da die Polen aber sehr rasch zu Werke gingen, so war es nicht moͤglich, eine hinreichende Zahl von Mannschaf⸗ ten zusammenzubringen, um sich ihrer Einschiffung und Abfahrt zu widersetzen; der Herr Kommandant mußte sich darauf beschraͤn⸗ ken, eine Aufforderung an die Polen zu richten, der sie aber nicht gehorchten, und das Fahrzeug gewann augenblicklich das Weite. — Unter solchen Umstaͤnden kann es der Kanton Waadt, welches
Mitleid man auch dem Ungluͤcke schuldig seyn mag, Fremdlingen
mit Waffen⸗Gewalt auf seinem Grund und Die erste Bedingung, welche diejenigen er⸗ fuͤllen muͤssen, die auf Gastfreundschaft Anspruch machen, ist die Unterwerfung unter die in dem Lande herrschenden Gesetze und unter die Befehle der Behoͤrde. Diese den Buͤrgern auferlegte Verpflichtung liegt eben so auch Auslaͤndern ob. — Der Staats— Rath hat daher anbefohlen, so schnell als moͤglich ein Bataillon Infanterie und eine Compagnie Carabiniere mobil zu machen. Diese Truppen, so wie diejenigen, welche bereits auf den Beinen sind, sollen unter dem Kommando des Herrn Géely stehen und die Bestimmung erhalten, die bewaffnete Ruͤckkehr der Fremdlinge, fuͤr den Fall, daß sie aus einem Nachbarlande zuruͤckgedraͤngt werden, in unseren Kanton zu verhindern, noͤthigenfalls ihre bewerkstelligen und sie nach den zu bezeichnenden Punkten zu geleiten. — Dies, meine Herren, ist das ganze Sachverhaͤltniß der Ereignisse, deren Schauplatz unser Kanton gewesen ist, und die Auseinandersetzung der Beweggruͤnde, die zu den fuͤr die Erhaltung der Ruhe
nicht gestatten, sich
und Vollziehung der Gesetze getroffenen Maßregeln gefuͤhrt
haben. Der Staais⸗Rath bringt dies zur Kenntniß der Orts⸗Behoͤrden, um sie zur Mitwirkung an den von ihm anbefohlenen Maßregeln aufzufordern. Es muß strenge Wachsamkeit geuͤbt werden, um den ungesetzlichen Aufenthalt je⸗ des Fremden, der mit keinem Paß versehen ist, zu verhindern; und die Munizipalitaͤten duͤrfen die den Gemeinden durch die Artikel 67, 68, 69 und 70 des Gesetzes vom 28. Mai 1828 uͤber das Domicil und den Aufenthalt der Fremden auferlegte Verantwortlichkeit nicht aus den Augen verlieren. Diese Ver⸗ antwortlichkeit wird ihnen hiermit foͤrmlich wieder in Erinnerung gebracht, damit sie alle Vorsichts⸗Maßregeln treffen, die sie in ihrem eigenen Interesse fuͤr noͤthig erachten.“
In Bezug auf die geistliche Konferenz in Baden liest man noch in Schweizer Blaͤttern: „Der Berathung uͤber den Metropolitan⸗Verband, welche unter den auf der Badener Kon⸗ ferenz zu behandelnden Gegenstaͤnden bei weitem der wichtigste war, wurden die beiden Sitzungen vom 20. und 21. Januar gewidmet. Alle Glieder waren uͤber das Recht einig, von Rom fordern, und den Antrag zur Aufstellung
Sie sahen es als Verletzung der Kirchen⸗Gesetze selbst an, daß die Schweizerischen Bisthuͤmer dem Roͤmischen Stuhle unmittelbar unterworfen sind. Reiflich ward auch die Frage eroͤrtert, ob ein Schweize⸗ rischer Metropolit aufgestellt oder aber der erzbisthuͤmliche Ver⸗ band in einem auswaͤrtigen Staate gesucht werden solle. Die Versammlung entschied sich fuͤr ersteres, um dem Grundsatze der Nationalitaͤt nichts zu vergeben, und da das Bisthum Basel aus verschiedenen Gruͤnden am besten zum Erzbis⸗ thum sich eignet, so fiel die Auswahl auf dieses, dem sonach die uͤbrigen Schweizerischen Bisthuͤmer einzuverleiben seyn wuͤrden. Die Anschliezung an ein auswaͤrtiges Erzbis⸗ thum soll bloß auf den Fall vorbehalten seyn, wenn im Innern der Schweiz das Gesuchte nicht gefunden werden wuͤrde. — An den folgenden vier Tagen, vom 22. bis 25. Januar, wur⸗ den folgende Punkte zur Eroͤrterung vorgelegt: die Verhaͤltnisse der Nuntiatur; die Abhaltung der Synoden, Aufrechthaltung der bischoͤflichen Jurisdiction; Verfuͤgungen uͤber das landesherr⸗ liche Placet; Vollziehung von Urtheilen kirchlicher Obern; die Matrimonial⸗Fragen mit Einschluß der gemischten Ehen; das Aufsichts⸗Recht uͤber die Seminar⸗Anstalten und die Pruͤfung der angehenden Geistlichen; die Eides⸗Leistung der Geist⸗ Maßnahmen gegen Uebertragung von Patronat⸗ Rechten an kirchliche Behoͤrden; ebenfalls gegen Schmaͤ⸗ lerung der Rechte des Staats in Besetzung der Lehrstellen; Verhaͤltnisse der Regular⸗Orden, namentlich Unterstellung der⸗ selben unter die bischoͤfliche Gewalt; Reduction der Feiertage und Beschraͤnkung des Fasten⸗Gebotes. Mit Umsicht eroͤrterte die Konferenz alle diese Gegenstaͤnde, uͤber welche sofort dann angemessene Antraͤge an die participirenden Staͤnde vorberei⸗ tet wurden, so oft die Konferenz Grund und Beduͤrfniß vor⸗ handen sah. Unter die erheblichern Verfuͤgungen, die durch das Konferenz⸗Protokoll angetragen werden, gehoͤren: die Ein⸗ fuͤhrung der Synoden unter Aufsicht der Staats⸗Behoͤrden, die Beschuͤtzung der Bischoͤfe in ihren oberhirtlichen Befugsamen, die Ausuͤbung des Placets nach gleichen Regeln, namentlich die Anwendung desselben nicht nur auf allgemeine Verord⸗
nungen u. dgl., sondern auch auf beschwerende Verfuͤgunge jeder Art gegen Individuen und Corporationen, und die Ven pflichtung der Geistlichen, was immer im Widerspruch mit diesen Vorschriften ihnen zukaͤme, der Staats⸗Behorde angu⸗ zeigen; die Ermaͤßigung der Dispens⸗Gelder; die Gewaͤhrlei⸗ stung der gemischten Ehen; Pruͤfung sowohl der in die Semi⸗ narien Aufzunehmenden, als der Geistlichen vor ihrer Ansteg, lung; Erklaͤrung der Unzulaͤsstakeit von Abtretung der Col⸗ latur-Rechte an kirchliche Behoͤrden; die Ausdehnung der bi— schoͤflichen Gerichtsbarkeit uͤber die Kloͤster, so daß ihr unmit, telbares Verhaͤltniß zu Rom aufhoͤrt; gemeinschaftliche Ver⸗ wendung fuͤr bedeutende und gleichfoͤrmige Reduction der Feier⸗ tage oder Verlegung derselben auf Sonntage. — Am N.
hielt die Konferenz noch eine Schlußsitzung zur Vereinigung th.
rer Entwuͤrfe, und loͤste sich am gleichen Tage auf.”)
Itabzen. 1
Deutsche Blaͤtter melden von der Italiaͤnischen Graͤnze vom 3. Februar: „Der graͤßliche Bund unter dem Namen Giovine lItalia giebt neuerdings wieder haͤufige Kunde von seiner furchtbaren Existenz. Neben der neulichen Erdolchung V des Polizei⸗Direktors in Parma, hat sich derselbe in wenigen Tagen eines zweiten Meuchelmordes, an einem als Obersten in K. K. Oesterreichischen Militair⸗Diensten stehenden gebornen Italiaͤner, Namens Castiglione, schuldig gemacht.“
Spanten.
In einem von der Times mitgetheilten Privat⸗Briefe aus Madrid vom 22sten (dem zweiten der im gestrigen Blatte der Staats⸗Zeitung unter Spanien erwaͤhnten Schreiben) liest man unter Anderem: „Sollte man Burgos aus dem Kabinet ver⸗ draͤngen, so wuͤrde wahrscheinlich Las Amarillas, wenn auch nicht ein foͤrmliches Mitglied, doch das wirkliche Haupt desselben werden. Ohne Zweifel haben Martinez de la Rosa und die an⸗ deren neuen Minister ihre Ernennung seinem Einfluß zu ver⸗ danken, und so lange sie es sich gefallen lassen werden, ihre Jm⸗ structionen von dem eigentlichen Chef des Regentschafts⸗Rachs zu empfangen, ist keine Gefahr einer Kolliston zwischen diesem unabsetzbaren Koͤrper und der verantwortlichen Verwaltung vor⸗ handen. Die Koͤnigin-⸗ Regentin, als wollte sie die solchergestalt bewirkte Aussoͤhnung bekraͤftigen, stattete am Morgen des 17, den Tag, nach dem die neuen Ernennungen in der Hof⸗ Zeitung erschienen waren, dem Regentschafts⸗Rath in den Saal des Palastes, wo er gewoͤhnlich seine Sitzungen zu halten pflegte, zum erstenmale einen Besuch ab. Ihre Majestat soll sich mi den Mitgliedern des Raths bei dieser Gelegenheit sehr freimi⸗ thig uͤber die letzten Veraͤnderungen besprochen und dadurch das beste Vernehmen im Schoße desselben hervorgebracht haben. — Es ist jetzt so ziemlich klar, daß sich die Koi— nigin⸗Regentin durch das ungestuͤme Schreiben des Ge— neral⸗Capitains von Alt⸗Castilien, Vicente Auesada, hat ein⸗ schuͤchtern und zu etwas weit gehenden Zugestandnissen bewegen lassen. Er forderte im anmaßendsten Ton seine eigene Wieder⸗ einsetzung in das Ober⸗Kommando der Koͤniglichen Garde, in⸗ dem er so gewissermaßen die Beschuͤtzung der Person der sun gen Koͤnigin in seine Haͤnde bekommen wollte. Nun sagt man, daß ihm dieses Begehren gewaͤhrt worden sey, und Sie wissen ja, wie gut es ihm gelang, in Verbindung mit seinem noch trotzigeren Genossen, dem General⸗Capitain von Catalonten, die Entlassung des Herrn Zea durchzusetzen, obgleich sie wahrschen lich die Herren Las Amarillas und Martinez de la Rosa, wer cher von beiden nun eigentlich Minister seyn mag, eden so wenig, wie Herrn Zea Bermudez, geneigt finden moͤch⸗ ten, sich von einem oder von allen General⸗Capitainen der Provinzen leiten zu lassen. Der Centralisations⸗Geis, wie er in der neuen von Burgos vorgenommenen Gebiets⸗Ein theilung des Koͤnigreichs entwickelt ist, hat sich als ein so maͤch⸗ tiges Werkzeug in den Haͤnden des Madrider Kabinets erwit⸗ sen, daß es, wenn auch der Minister des Innern morgen enr⸗ lassen wuͤrde, darin gewiß Kraft genug faͤnde, um dem wider⸗ setzlichen Geist der Provinzen die Stange zu halten. Die neuen Minister werden aber wahrscheinlich die Einsicht haben, reiflicher, als vielleicht manche ihrer Freunde es thun wuͤrden, in Erwaͤgung zu ziehen, wie viel es ihnen nutzen kann, wenn sit einen Mann von so energischem Charakter, wie Herrn Burgos, im Kabinet behalten. Man nennt schon mehr als einen Kandidaten, der ihm nachfolgen duͤrfte; aber der Wunsch des Herrn Burgot, dem Werke, das er so geschickt begonnen hat, auch das Siegel aufzudruͤcken, hat seinen Stolz wahrscheinlich bis jetzt verhindere, sich zuruͤckschrecken zu lassen und seine Abdankung einzureichen. — Herr Zea zeigt sich jetzt viel oͤfter im Publikum, als da er noch Minister war. Man sieht ihn oft des Morgens im Prado und auf den anderen Spaziergaͤngen, wo er durch seine hohe Ge⸗ stalt sogleich auffaͤllt, und sein offenes und sorgloses Benehmen scheint anzudeuten, daß er sich der Muͤhen der Verwaltung sehe gerne uͤberhoben sieht.“
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Konstantinopel, 7. Januar. (Englische Blaͤtter.) In Folge eines Beschlusses des Diwans, der den Botschaftern Frankreichs, Englands und Rußlands vorgelegt worden, und de⸗ ren Beifall erhalten hat, ruͤstet der Kapudan Pascha eine kleim Abtheilung der Flotte aus, die nach dem Ende des Ramasant (gegen Ende Februars) nach Samos absegeln wird. Vor wenit gen Tagen wurde eine Proclamation des Sultans dorthin ge— sandt, welche die Einwohner auffordert, den von der Pforte ernannten Statthalter anzunehmen, und sie ermahnt, nicht durch laͤngeren Ungehorsam das Ungluͤck uͤber ihre Haͤupter herbeizu— ziehen, das unvermeidlich mit Anwendung der Gewal eintreten muͤsse. Es wird Amnestie fuͤr fruͤhere Ueber tretungen zugesagt, und jedem, der das Land verlassen will, die Freiheit zugestanden, uͤber sein Eigenthum su verfuͤgen und sich, wo er will, hinzubegeben. — Osman Nu⸗ reddin erhaͤlt taͤglich neue Beweise von der Zufriedenheit des Sultans daruͤber, daß er Mehmed-Alt's Dienst verlassen hat Es ist ihm ein glaͤnzender Palast elegant moͤblirt gegeben, un eine betraͤchtliche Summe auf Befehl Sr. Hoheit geschenkt wor⸗ den. Die verschiedenen Tuͤrkischen Minister haben Feste zur Feier der Ruͤckkehr dieses verlorenen Sohnes gegeben. Eine Zeitlang hatte nicht ausgemittelt werden koͤnnen, was ihn zu sei nem so unerwarteten Schritte bewogen habe; jetzt ist es aber gewiß, daß die Depeschen, welche Mehmed⸗Ali an ihn gesandt, und worin derselbe ihm befahl, mit der Flotte nach Alexandrien zuruͤckzukehren, so schwere Vorwuͤrfe wegen seines Benehmens in Kandien enthalten haben, daß er sich scheute, nach Aegypten zuruͤckzukehren, und beschloß, seine Zuflucht zum Hofe des Sultans zu nehmen Mehrere vornehme Offiziere von dem Aegyptischen Heere in Syrien haben denselben Schritt gethan. Ihren Angaben zu
Tuͤrkei.
folge ist die Unzufriedenheit unter den Offizieren so allgemein, daß sie es alle thun wuͤrden, koͤnnte es nur mir Sicherheit fuͤ
se geschehen.
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Verschiedene, die sich anschickten, zu entweichen, sind von Ibrahim ergriffen und kriegsrechtlich zum Erschießen verurtheilt worden. — Briefe aus Baadad melden, daß der Pascha durch die Belagerung der Araber auf s aͤußerste gebracht sey, und, wenn er nicht in Monatsfrist Huͤlfe erhalte, capituli⸗ aa , amhe ., Ih sicnn 8 c ., 214 iamzsin r Ind Snu. üllagt. nszüng
Inland. Sis im vnams
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15. Febr. Aus Naugardt schreibt man un⸗ term 10ten d. M.: „Nachdem des Kaisers von Rußland Ma⸗ sestät den Vorstehern der hiesigen Schuͤtzen⸗Gilde einen silber⸗ nen Pokal, mit dem Allerhoͤchsten Namenszuge und dem Kai⸗ serlichen Adler verziert, zustellen zu lassen geruht, weil bei dem Soͤnigsschießen pro 1832 der beste Schuß von dem Buͤrgermei⸗ ster Hartmann fuͤr Se. Kaiserliche Majestäͤt geschah, wurde gestern dieses Allerhöͤchste Geschenk durch die Vorsteher der zu diesem Zwecke versammelten Gilde feierlichst uͤbergeben. Die Schuͤtzen Gilde zog darauf mit fliegenden Fahnen und mit klin⸗ gendem Spiele, unter Vortragung des Pokals, nach einem zur ze er des Tages festlich geschmuͤckten Saale; dort wurde aus demselben von allen Mitgliedern der Gilde auf das Wohl un⸗ ses allverehrten Koͤnigs und des Allerhoͤchsten Geschenkgebers neteunken. Musik und Tanz beschlossen das Fest, dessen Erin⸗ nerung unserer Stadt unvergeßlich bleiben wird.“
— Die Pariser Akademie der Wissenschaften hat in ihrer Situng vom 25sten v. M. den Dr. N. H. Julius in Berlin, Berfasser mehrerer Schriften uͤber das Gefaͤngnißwesen, zu ihrem korrespondirenden Mitgliede in der Section der moralischen Vissenschaften gewaͤhlt. A
— Die Rheinischen Amtsblaͤtter enthalten die nach⸗ stchende Bekanntmachung des General⸗Prokurators am Appel⸗ lations⸗Hofe zu Koͤln: „Es hat sich seit einiger Zeit der Fall hwg ereignek, daß Beamten, namentlich Notarien, erklaͤrt ha— ben, ihr Amt unter der Bedingung niederlegen zu wollen, daß dassebe einem von ihnen bezeichneten Kandidaten uͤbertragen verde. Des Herrn Justiz⸗ Ministers Excellenz erklaͤrt es jedoch durchaus unzulaͤssig, ein öͤffentliches Amt auf diese Art zum Gegenstande des Verkehrs und der Privat⸗ Verfuͤ⸗ gung zu machen, auch ist dieser Grundsatz bisher als Regel festgehalten worden, weshalb denn auch in der Zu⸗ kunst soiche bedingte Resignationen unbeachtet bleiben werden. Um allen weiteren fruchtlosen Versuchen bedingter Resignationen zu begegnen, und die hieruͤber vielleicht noch bestehenden irrigen Ansichten zu beseitigen, bin ich ermaͤchtigt, dieses zur allgemei⸗ nen Kenntniß zu bringen. Koͤln, den 29. Januar 1834.
Der General⸗Prokurator, (gez.) Ruppenthal.“
— Ueber die Ueberschwemmungen des Rheins wird nach⸗ teaͤglich noch Folgendes aus Duͤsseldor f gemeldet: „In dem Kreise Krefeld wurden zwei Drittel der Gemeinde Linn unter Wasser gesett. In dem Kreise Duͤsseldorf ist das Schicksal der Buͤr⸗ germeisteret Kaiserswerth am meisten zu beklagen. Das dem Dorfe Bookum daselbst benachbarte Ufer wurde in einer Läͤngen⸗ Ausdehnung von etwa einer Stunde durch den Wellenschlag ab⸗ gespuͤt und zerrissen. Vier Haͤuser unbemittelter Einwohner sind unterwuͤhlt und haben zur Versetzung bestimmt werden muͤssen. Die Stadt Kaiserswerth selbst, welche, in Folge der politischen Veraäͤnderungen, gegen ihre fruͤheren reichen Nah⸗ rungs⸗Quellen den Zustand der Nothduͤrftigkeit eingetauscht hat, ist abermals von den Fluthen verderblich heimgesucht wor⸗ den. In kurzer Zeit hatte das Wasser eine Menge von Arbei⸗ tern aus ihren Werkstaͤtten vertrieben und bald zeigte sich ein großer Nothstand; nicht weniger als 109 Familten oder 443 Per⸗ sonen fehlte es an Brod und Heizung. Erfreulich waren bei dieser Gelegenheit die Beweise eines schoͤnen Wohlthaͤtigkeits⸗ Sinnes. Zuvoͤrderst suchte der Orts und Armen⸗Vorstand dem augenblicklichen Beduͤrfnisse abzuhelfen. Dann kamen raͤglich ganze Fuhren mit Lebensmitteln herbei, theils von den Guts⸗ besitzern der Umgegend gesandt, theils von den Pfarrern zusam⸗ mengebracht. Es wurden von Einzelnen und von Vereinen Geld⸗Beitraͤge zur Disposition der Behoͤrden gestellt, z. B. von den Israeliten in Duͤsseldorf 11 Rthlr. 10 Sgr., von einer Knaben⸗Schule in Ratingen 2 Rthl., von der 6 pfüᷓndigen Fuß⸗ batterie MNr. 35 17 Rthlr. 17 Sgr. 6 Pf., welchen Betrag sie freiwilig und in Anerkennung der in ihrer fruͤheren Garnison Kaiserswerth genossenen Gastfreundschaft zusammengelegt hatten; groͤßerer Summen nicht zu gedenken, welche von den Reicheren dargebracht wurden. Eben so wurden in Duͤsseldorf zur Unter⸗ stuͤzung der nahe gelegenen Doͤrfer Hamm, Volmerswerth und Flehe, unter eifriger Mitwirkung des Ober⸗Buͤrgermeisters, in Kurzem 800 Rthlr. bereit gestellt. 3
— Ueber die Temperatur in den Rhein⸗Gegenden schreibt man aus Trier unterm 5ten d. M.: „Die regnerische und stuͤrmische Witterung, mit welcher das verflossene Jahr zu Ende ging, blieb auch im Laufe des vorigen Monats vorherrschend; selbst auf den Bergen der Eifel und des Hochwaldes ließ sich nur selten und nur auf kurze Zeit Schnee erblicken und die Temperatur erhielt sich, dem Charakter der Jahreszeit zuwider, fortwährend bei starken Schwankungen des Barometers so ge⸗ linde und mild, daß die jetzt lebende Generation eines aͤhnlichen Wetters um diese Zeit sich nicht erinnert, und daß bei einer mehr⸗ fach auf 8 — 9 Grade gesteigerten Waͤrme in der Vegetation sich haͤusig Erscheinungen zeigten, welche in den Annalen dieser Gegend zu den groͤßten Seltenheiten gehoͤren. Waͤhrend sonst die Natur in diesen Monaten im Winterschlafe sich erholt, er⸗ schienen jetzt allerwaͤrts die Vorboten des Fruͤhlings, wie sie ge⸗ woͤhnlich erst der Maͤrz zu bringen pflegt; die fruͤheren Obst⸗ baͤume, Aprikosen und Kirschen, stehen auf dem Punkte, ihre Knospen aufzuschließen oder prangen theilweise schon in Bluͤthen, Fruͤhlingsblumen schmuͤcken die Gaͤrten und Wiesen, bluͤhender Winterkohl die Felder und Ginsterbluͤthe die Waldungen, in de⸗ nen sich ebenfalls thaͤtiges Leben regt, so daß sich hier und da kraͤftige Buchen schon durch junges Laub auszeichnen. Selbst die Voͤgel nisten und bruͤten, und im Moselthal stehen einzelne Weinreben schon in vollem Treiben und zeigen sogar hin und wieder lange frische Ausschuͤsse mit gruͤnen Blattern von ansehn⸗ licher Groͤße. Auch das Eifel⸗Gebirge ist hierin nicht zuruͤck geblieben, und schon am 15ten Januar d. J. ward auf einem Berg⸗Abhange im Kreise Daun, 12 — 1300 Fuß uͤber der Nordsee, Gras gemaͤht. Wiesen und Saatfelder prangen uͤberall im uͤppigsten Gruͤn und die Wintersaaten fangen an zu schießen und sogar Halme und Aehren zu treiben; dabei sah man das Vieh, wie im Oktober, in den Fluren weiden, und dadurch, daß es sich großentheils im Freien oder mit gruͤnem Futter naͤhrte, die fruͤher gehegte Furcht vor Futtermangel beseitigt. Die ge⸗ dunde Witterung wirkte wie gewoͤhnlich auf die Gesundheit der eg. wohlthaͤtig, und nirgends zeigten sich gefaͤhrliche Krank⸗
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— Im Monate Januar d. J. wurden im Regierungs⸗
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Berlin,
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Bezirk Duͤsseldorf geboren 2295 Personen, es starben 1657
Personen, also Zuwachs 638 — Am 23. Dezember v. J. fand zu Wetzlar, wo vor Kurzem erst die Vereinigung der beiden evangelischen Konfessio⸗ nen vor sich gegangen war, auch die Vereinigung der beiden Elementar⸗Schulen statt, und zwar in einem neuen, dazu ange⸗ kauften und eingerichteten Schulhause. Der Landrath, die Leh⸗ rer des Gymnasiums, die katholischen und evangelischen Geistli⸗ chen, der Magistrat mit dem Kirchen, und Schul⸗Vorstande holten die Kinder aus dem bisherigen Lokale ab und begleiteten sie in feierlichem Zuge in das neue Schulhaus, wo zunaͤchst das Lied: „Allein Gott in der Hoͤh' sey Ehr’“ gesungen wurde. Dann hielt der Superintendent und erste Pfarrer Schmidborn eine dem doppelten Zwecke der Feier angemessene Rede. Den Schluß machte das Lied: „Nun danker Alle Gott.“ Durch diese Vereinigung erhaͤlt die Union erst ihre wahre Vollendung, indem sie den Lebenskeim zu unirt⸗evangelischen Gesinnungen bei der naͤchsten Generation bildet. — Der verstorbene Kaufmann Moecke zu Breslau hat der daselbst zu errichtenden Buͤrgerschule, Behufs einer Freischule fuͤr arme Kinder beider Konfessionen, 500 Rthlr. ausgesetzt; und von dem in Reichenbach verstorbenen Partikulier Gerber und dessen Ehefrau sind der dortigen evangelischen Kirche 400 Rthlr., der evangelischen Schule 50 Rthlr., imgleichen zur Bekleidung armer Kinder beim erstmaligen Genuß des heiligen Abendmahls 1000 Rthlr. vermacht worden. — Im Monat Januar sind in die Haͤfen des Regierungs⸗ Bezirks Koͤslin gar keine Schiffe eingelaufen und nur 3 Schiffe in See gegangen. ser Schiffe exportirte 38 Klaf⸗
Personen.
Das eine dieser ter Brennholz und 15 Ctr. graue Leinwand nach Kopenhagen, die andern beiden waren Nothhafner und gingen nach Stettin.
Ueberhaupt sind im Laufe des verflossenen Jahres in die 3 Haͤfen des genannten Reg.⸗Bezirks 262 Schiffe, einschließlich 206 Preußen, eingelaufen und 257, einschließlich 230 Preußen, von da ausgegangen. Jene enthielten im Ganzen 8628 Last Tragbarkeit und waren mit 3455 Last Waaren und mit 5173 Last Ballast beschwert; diese, von uͤberhaupt 8231 Last Tragbar⸗ keit, waren mit 5722 Last befrachtet und mit 2509 Last gebal⸗ lastet. — Am Schlusse des Jahres 1833 belief sich die Zahl der dem Koͤsliner Reg.⸗Bezirk angehoͤrigen Schiffe auf 43 Stuͤck und es sind in dem genannten Jahre, außer einer in Kolberg gebauten Schaluppe von 19 Lasten Groͤße, keine neuen Schiffs⸗ bauten vorgekommen. Der Handel mit Schwarzvieh ist nicht unbedeutend gewesen; es wurden im Laufe des verflossenen
Jahres durch die Staͤdte Falkenburg und Zanow in mehreren Triften 21,066 Schweine nach Berlin getrieben.
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Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher, Dr. logie und ordentlicher Professor an der hiesigen Universitaͤt, Se⸗ cretair der philosophischen Klasse der Koͤnigl. Akademie der Wis⸗ senschaften und Pastor an der Dreifaltigkeirs⸗Kirche, war gebo⸗ ren zu Breslau am 21. November 1768. Seine wissenschaft⸗ liche Bildung begann er auf dem Paͤdagogium der Bruͤder⸗Ge⸗ meinde in Niesky, wo er die tiefen und unausloͤschlichen Ein⸗ druͤcke jener christlichen Froͤmmigkeit empfing, die den innersten Kern seines Lebens ausmachte und die so bedeutend geworden ist fuͤr die ganze Gestalt und fuͤr den Einfluß seines spaͤteren theologischen Wirkens. Dem Studium der Gottesgelahrtheit widmete er sich zuerst auf dem Seminarium der Bruͤder⸗Ge meinde zu Barby und bezog hierauf 1787 die Universitaͤt Halle. Nachdem er dieselbe verlassen, wurde er Hauslehrer bei dem Grasen zu Dohna auf Schlobitten in Preußen und hierauf Mit⸗ glied des Seminars fuͤr gelehrte Schulen in Berlin unter Ge⸗ dike's Leitung. Im Jahre 1794 ging er als Huͤlfsprediger nach Landsberg an der Warthe, kehrte aber 1796 nach Berlin zuruͤck, wo er bis 1802 Prediger am Charité⸗Krankenhause war. In diesem Jahre nahm er die Hofprediger⸗Stelle zu Stolpe an, wurde indessen bald als Universitaͤts⸗Prediger und außerordent⸗ licher Professor der Theologiw und Philosophie nach Halle beru⸗ fen, wo er fuͤr beide Wissenschaften neue Bahnen brach und die edelsten Juͤnglinge, die sich um ihn sammelten, begeisterte 1804 — 1806). Die Aufloͤsung der Universitaͤt Halle nach dem Ungluͤck des Jahres 1806 bewog ihn, sich nach Berlin zu bege ben, wo er zuerst Vorlesungen vor einem gemischten Publikum hielt und dann 1809 als Prediger an der Dreifaltigkeits⸗Kirche, 1810 aber als ordentlicher Prosessor der Theologie bei der neu errichteten Universität angestellt wurde. Von dieser Zeit an hat er in den genannten Aemtern (bis 1814 auch als Theilnehmer an den Arbeiten fuͤr den oͤffentlichen Unterricht im Ministerium des Innern und seit 1811 als Mitglied der Akademie der Wis⸗ senschaften) unter uns und weit in die Ferne mit bewunderungs⸗ wuͤrdiger Kraft und mit dem reichsten Einfluß gewirkt. Es ist hier nicht der Ort, weder seine zahlreichen Schriften anzufuͤhren (das Verzeichniß derselben findet sich im gelehrten Berlin vom Jahre 1825), noch eine Charakteristik von ihm zu geben, die ungleich mehr Zeit und Raum erfordern wuͤrde, als uns zu Geboͤte steht; nur das Bedeutsamste aus dem Wirken und Le⸗ ben des ausgezeichneten Mannes wollen wir mit wenigen Wor⸗ ten hervorheben.
Was ihm unter den Heroen der Wissenschaft fuͤr alle Zei⸗ ten einen hohen Platz sichern wird, das ist nicht sowohl die außerordentliche Vielseitigkeit seines Wissens, welche auch in sol⸗ chen Gebieten der Erkenntniß sich einheimisch fuͤhlte, die seinen Haupt⸗Bestrebungen fern lagen, als vielmehr einerseits die spe⸗ kulative Tiefe seines Geistes und die organisirende Kraft, mit welcher er die zerstreuten Elemente zu einem Ganzen der Wis⸗ senschaft zu gestalten wußte, andererseits die scharfe Durch⸗ dringung und innige Verschmelzung dreier Wissenschaften, deren jede fuͤr sich, wenn etwas in ihr geleistet werden soll, die ganze Kraft und das ganze Leben eines Menschen in Anspruch nimmt, der Philologie, der Philosophie und der Theologie. Dem Bunde der ersten und zweiten in ihm verdanken wir die Uebersetzung und die Einleitungen, welche zuerst das wahre Verstaͤndniß des Plato und der Hellenischen Weltweisheit uͤberhaupt uns eroͤffnet haben. Große Gestaltungen der Philosophie, wie er sie seinen Zuhoͤrern in Vorlesungen gegeben hat, ans Licht treten zu lassen, verhinderte ihn leider die Menge und Vielseitigkeit seiner Be⸗ rufs⸗Geschaͤfte; doch ist Hoffnung vorhanden, daß das Wichtigste davon, was er in seinen Papieren hinterlassen hat, durch Freun⸗ des Hand, wenn auch vielleicht nur fragmentarisch, zu Tage ge⸗ foͤrdert werden wird. Freuen wir uns nur, daß wir seine „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre“ besitzen,
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der Theo⸗
welche, verbunden mit seinen akademischen Abhandlungen uͤber Gegenstaͤnde der Ethik, fuͤr diese Wissenschaft eine neue Epoche begruͤnden werden und welche Jean Paul nennt: „ein Werk voll lichter und heißer Brennpunkte, voll antiken Geistes, Ge⸗ lehrsamkeit und großer Ansicht, worin kein Gluͤcksrad zufaͤlliger
Kenntnisse von einem Blinden gedreht wird, sondern worin sich ein Feuer- und Schwungrad eines Systems bewegt, so⸗ gar in einem Style, der des Geistes wuͤrdig ist.” Aber ungleich mehr noch als Schleiermacher der Philosoph, hat Schleiermacher der Theologe gewirkt auf dem Lehrstuhl, auf der Kanzel, als Schriftsteller. Seine begeisternden „Re⸗ den uͤber die Religion“ sielen in eine kalte und finstere Zeit wie ein zuͤndendes Feuer, wodurch viele schlafende Geister er⸗ weckt und erleuchtet, viele todte Herzen belebt und erwaͤrmt wurden. Spaͤter hat er in seiner Dogmatik eine wissenschaft⸗ liche Darstellung des evangelischen Glaubens gegeben, in welcher sich der spekulative Gedanke mit dem religioͤsen Gefuͤhl lebendig durchdringt, ein geistreiches tiefsinniges Werk, das theils durch die Anerkennung, theils durch den Widerspruch, den es gefun⸗ den, eine heilsame und durchgreifende Bewegung in der theolo⸗ gischen Welt hervorgebracht hat. Die Wirkungen seiner leben⸗ digen Rede aber, wer will sie berechnen; Die Tausende von Schuͤlern, die in den Hoͤrsaͤlen zu des Meisters Fuͤßen gesessen haben, sie sind hinausgegangen in die Welt, befruchtet aus der Fuͤlle seines reichen Geistes und wirkend in seinem Sinne; die Tausende, die sonntaͤglich um seine Verkuͤndigung des Wortes sich sammelten, wie hat er sie hineingefuͤhrt in ein tiefes Ver⸗ staͤndniß der heiligen Schrift, wie hat er sie bewegt durch die Macht seiner Rede, wie hat er den Glauben an Christum in ihnen befestigt! Wie segensreich hat er gestanden unter der zahl⸗ reichen Jugend, die alljaͤhrlich seinem Religions⸗Unterricht an⸗ vertraut war! So ist er es vornehmlich gewesen, auf welchen der seit etwa zwei Decennien erfolgte Umschwung der religioͤsen Gesinnung unter den evangelischen Christen und das Wieder⸗ erwachen des fast erstorbenen christlichen Glaubens zuruͤckgefuͤhrt werden muß, und dies werden auch diejenigen anerkennen, die, zuerst von ihm erregt, sich spaͤter anderen religioͤsen Richtungen zugewendet haben, weil sie in der seinigen nicht mehr Befriedi⸗ gung finden zu koͤnnen meinten.
Wir uͤberlassen es kuͤnftigen Beschreibern seines Lebens, dar⸗ zustellen, mit welcher Kuͤhnheit und Kraft er von seinem Stand⸗ punkte aus, in bedeutenden historischen Momenten, fuͤr das Va⸗ terland und die Kirche gewirkt hat. Nur noch Einiges uͤber ihn als Menschen. Manchen, die ihn nur einmal oder zweimal ge⸗ sehen, ist er schroff und unzugaͤnglich erschienen; die das Gluͤck gehabt haben, ihm naͤher zu stehen, kennen nur die bezaubernde
Nacht seiner Liebe. Im Anfange seiner hiesigen Wirksamkeit als Geistlicher blieb er in seinen großartigen Ansichten und Be⸗ strebungen Vielen unbegriffen, die mit ihm denselbigen Beruf hatten; seitdem er aber Praͤses der 1817 hier versammelten Spnode geworden und auf diese Weise mit seinen Amtsbruͤdern in naͤhere Beruͤhrung gekommen war, wurde er von ihnen in seiner großen Bedeutung erkannt und genoß ihrer immer stei⸗ genden Verehrung und Zuneigung. Ganz wuͤrdigen aber koͤn⸗ nen den ausgezeichneten Mann nur Die, welche dem Kreise seiner naͤheren Freunde angehoͤrt und ihn oft in seinen haͤusli⸗ chen und geselligen Verhaͤltnissen beobachtet, welche seine rast⸗ lose Thaͤtigkeit, die Energie seines Geistes, die Kraft seines Wollens im Thun und im Leiden geschaut, welche sich seiner immer gleichen Lebendigkeit, seines heiteren Witzes, seiner inni⸗ gen Theilnahme an allen wichtigen Ereignissen ihres Lebens er⸗ freut haben. Wie er in seinen wissenschaftlichen Bestrebungen besonders auf dem Gebiete der Ethik die große Bedeutung des Individuellen hervorgehoben hat, so ließ er auch im Leben und in der Geselligkeit jede Eigenthuͤmlichkeit frei, und erkannte sie um so lieber an, je kraͤftiger sie sich entwickelte. An seinen pole⸗ mischen Schriften hat man nicht selten schneidende Schaͤrfe ge⸗ tadelt; aber wenn man weiß, mit welcher Milde er im geselli⸗ gen Verkehr theils uͤber nicht bedeutende wissenschaftliche Er⸗ zeugnisse, theils feindlich entgegentraten; Verhaltnisse zwischen sich und Anderen aufrecht zu halten ver⸗ stand, so wird man jene Schaͤrfe sich erklaren aus seinem gluͤ⸗ henden Eifer fuͤr die heiligsten Interessen der Menschheit. zunehmenden 2 ihm ab und machten ihn immer milder und reiner; nur an der jugendlichen Geisteskraft, die ihn beseelte, haben sie nichts abge⸗ brochen, und ihm ist geworden, was er
bis an den Tod.
durch eine Lungen⸗Entzuͤndung.
Einer dahingegangen, wie die Jahrhunderte sie selten hervor bringen. Bald wurde bekannt, mit welchem Ausgang der Voll⸗ Todes fuͤhlend, hatte er selbst mit gehobener verklaͤrtem Antlitz sich und den Seinigen das Mahl des Herrn ausgetheilt, Gemeinschaft in haben, zu einem Zeichen, wie tief in ihm selber gewurzelt und welch' eine siegende Macht in ihm der Glaube gewesen ist, den er so oft mit begeisternden Worten verkuͤndiget “] 8. 1121126 8 1 er heirnk nezns an na Uaß u. (8
1
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ewigten zur Dom⸗Prediger und zeitige Rektor der Universitaͤt, Professor D;
Strauß, dem Verstorbenen eine Gedaͤchtniß⸗Rede gehalten, setzte der Zug sich langsam Thore in Bewegung; vier Pferden bespannte Leichenwagen, hterauf ein zweites Musik⸗ Corps, das abwechselnd mit jenem geistliche Lieder spielte, dar⸗ auf der von Studirenden getragene Sarg, oben auf die heilige Schrift und frische Blumenkränze; ihm schlossen sich in einer langen Reihe die zahlreichen Freunde und Verehrer des Verstor⸗ benen, saͤmmtlich zu Fuß, so wie die Studirenden, nach den Fakul⸗ taͤten, denen sie angehoͤren, unter Vortritt der von ihnen gewaͤhlten Marschaͤlle mit den schwarz umflorten Staͤben, dann die Prinzlicheen und eine unabsehbare Menge anderer Equipagen an. Am Grabe sprach der Prediger an der St. Nikolai⸗Kirche, Professor Pi⸗ schon, einige erhebende Worte, in denen er der mannigfachen Verdienste des Verstorbenen erwaͤhnte und auf den großen Ver⸗ lust hinwies, den der Staat und die Wissenschaft durch seinen Tod erlitten, worauf der Sarg in die stille Gruft gesenkt wurde. Unmittelbar nach der Bestattung hielt noch der Prefessor ör. Steffens dem Andenken Schleiermachers eine feierliche Rede in der großen Aula der Untversitaͤt, zu welcher der zeitige Rektor
saͤmmtliche Studirende besonders eingeladen hatte. FsI9 cn.
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uͤber den Charakter derjenigen urtheilre, die ihm mir welcher Schonung er wankende
— Die Jahre klaͤrten auch in dieser Beziehung Vieles in
von sich selber geweissagt hat, daß der Puls des inneren Lebens ihm frisch bleiben sollte
Dieser traf ihn am 12. Februar Vormittags gegen 11 Uhr
Die Nachricht von diesem traue rigen Ereignisse verbreitete sich schnell durch die Hauptstadt, und erregte eine allgemeine Bestuͤrzung; es war der großen Menschen
endete das wuͤrdig gefuͤhrte Leben gekroͤnt hatte. Die Naͤhe des Stimme und mit
ihnen und sich zum Unterpfand unvergaͤnglicher Christo, Allen aber, die ihn verehrt und geliebt
8
Heute Nachmittag (15ten) wurde die sterbliche Huͤlle des Ver⸗ Ruhe bestattet. Nachdem im Leichenhause der Hof⸗ und
nach dem Kirchhofe vor dem Halleschen voraus ein Musik⸗Corps, dann der mit
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