diese oder jene Weise geaͤußert, sondern darin, daß derselbe dem Ministerium oder irgend einem Mitgliede desselben eine Mitthei⸗ lung gemacht oder eingesandt haben solle, worin er auf die Durch⸗ fuͤhrung einer Maßregel gedrungen, der er sich oͤffentlich aufs hef⸗ tigste widersetzt haͤtte. Als der Antrag des Herrn O'Connell Jur Abstimmung gebracht wurde, ergaben sich 192 Stimmen fuͤr und 54 gegen denselben, er wurde also mit einer Majoritaͤt von 138 Stimmen angenommen. Der Ausschuß, welcher in Folge dessen zur Untersuchung der Sache niedergesetzt wurde, besteht aus den Herren Robinson, Hawkins, Parrott, Shaw, Hume, Gillon, Lefevre, Warburton, Grote, Abercromby, Oberst Ma⸗ berly, Oberst Verner, Major Francourt, Sir H. Hardinge und Sir Roberl Peel. Das Haus vertagte sich um halb 9 Uhr.
— Oberhaus. Sitzung vom 11ten Auf den Antrag des Lord Ellenborough wurde ein besonderer Ausschuß ernannt, die Mittel zur Erleichterung des Austausches, der Eintheilung und Absonderung von Grundstuͤcken auf Gemeinde⸗Feldern, Wie⸗ sen und Waldungen in Erwaͤgung zu ziehen und dem Hause daruͤber Bericht zu erstatten. In Erwiederung auf eine Frage des Lord Strangfort sagte Graf Grey, daß die von Groz⸗ britanien einerseits und Frankreich andererseits ernannten Kommissarien zur Pruͤfung der Zoll⸗Gesetzgebung beider Länder und zur Abfassung von beiderseitig vortheilhaften Arrangements einen ausfuͤhrlichen Bericht angefertigt haͤtten, der auf die Tafel des Hauses niedergelegt und auch der Franzoͤ⸗ sischen Deputirten⸗Kammer mitgetheilt worden sey. Der Graf fuͤgte hinzu, daß die Kommissarien diesem Gegenstande die an⸗ gestrengteste Aufmerksamkeit gewidmet haͤtten, und daß ihr Be⸗ richt viele nuͤtzliche Bemerkungen enthalte; Schwierigkeiten aber, die aus dem Einfluß der oͤffentlichen Meinung, aus der Kolli⸗ sion verschiedenartiger Interessen und aus den widerstreiten⸗ den Ansichten der Handelswelt herruͤhrten, machten es ihm, wie er sagte, fuͤr jetzt noch nicht moöͤglich, etwas Naͤheres daruͤber mittheilen zu koͤnnen, welche Maßregeln in die⸗ ser Sache getroffen werden duͤrften Indeß meinte der Minister, daß zuletzt gewiß vernuͤnftige Grundsaͤtze in dieser Beziehung die Oberhand behalten und daß die Franzosen einsehen wuͤrden, wie es keinesweges in ihrem Interesse liege, bei einem Absper⸗ rungs⸗System gegen England zu beharren. Das Haus vertagte sich dann bis Donnerstag.
— Unterhaus⸗Sitzung vom 11ten In der Morgen⸗ Sitzung nahm das Unterhaus heute, wie gewoͤhnlich, Bittschrif⸗ ten entgegen. Als sich das Haus um 5 Uhr Abends wieder versammelte, sagte Lord Althorp, daß er jetzt im Stande sey, in Erwiederung auf die ihm in fruͤheren Sitzungen vorgelegten Fragen dem Hause anzuzeigen, daß das Ministerium jedenfalls noch in dieser Session eine Maßregel zur Einfuͤhrung von oͤrt⸗ lichen Gerichtshoͤfen einbringen werde. Diese Ankuͤn⸗ digung wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Herr O'Connell bat sodann um die Erlaubniß, eine Bill einbringen zu duͤrfen, wodurch der Graf⸗ schaft von Carrickfergus in Irland das Wahl⸗Recht entzogen wuͤrde, weil es durch zwei Comité's ermittelt worden, daß man bei den dortigen Wahlen Bestechung angewandt; das Haus ging ohne Weiteres auf diesen Antrag ein. Hierauf erhob sich Herr Robinson und trug auf Vorlegung einer Rechnung uͤber die von dem Jahr⸗Gehaste, welches dem Prinzen Leopold von Sach⸗ sen⸗Koburg durch eine Parlaments⸗Akte bewilligt worden, seit der Thron⸗Besteigung desselben, als Koͤnigs von Belgien, in die Schatz⸗Kammer gezahlten oder anderweitig von der Verwaltung in Empfang genommenen Geld⸗Summen nebst Angabe der Zah⸗ lungs⸗Termine an; er aͤußerte sich bei dieser Gelegenheit im We⸗ sentlichen folgendermaßen: „Es ist allgemein bekannt, daß der Prinz Leopold, ehe er England verließ, um den Belgischen Thron zu be⸗ steigen, mit einigen Vorbehalten auf das ihm bei seiner Vermaͤhlung mit der Prinzessin Charlotte ausgesetzte Jahr⸗Gehalt verzichtete. Im Lauf der letzten Session wurde der Kanzler der Schatz⸗Kam⸗ mer befragt, ob nach dieser Verzichtleistung noch Summen an die Schatz⸗Kammer gezahlt worden seyen, und die Antwort des Lord Althorp, obgleich sie in dem Hause nicht viel Erstaunen zu erregen schien, wurde doch im Lande mit großer Verwunderung aufgenommen, denn es ergab sich daraus, daß das Publikum von der Verzichtleistung des Prinzen auf die Pension noch nicht den geringsten Nutzen gezogen hatte, obgleich derselbe schon anderthalb Jahr von England entfernt gewesen. Und dasselbe scheint leider auch jetzt der Fall zu seyn, wo schon wieder ein Jahr seitdem verflossen ist. Man koͤnnte vielleicht sagen, daß die Akte bloß erklaͤre, Prinz Leopold solle, so lange er lebe, jaͤhr⸗ lich 50,000 Pfund beziehen, ohne daß irgend eine sonstige Be⸗ dingung an diese Pension geknuͤpft waͤre; aber ich behaupte, daß die Bewilligung mit einer andern Akte in Zusammenhang stand, mit einer Naturalisations⸗Akte näͤmlich, durch die der Prinz bei seiner Vermaͤhlung mit der Prinzessin Charlotte ver⸗ pflichtet worden, dem Souverain von England den Unterthanen⸗ Eid zu leisten; und es waͤre abgeschmackt, wenn man behaupten wollte, Koͤnig Leopold koͤnne seine 50,000 Pfd. jaͤhrlich beibehal⸗ ten, nachdem er aufgehoͤrt, ein Unterthan des Koͤnigs von Großbri⸗ tanien zu seyn, und nachdem er der Souverain eines unabhaͤngigen Staats geworden, der abgesonderte und vielleicht denen dieses Landes ganz widerstreitende Interessen hat. Man hat dem Prin⸗ zen Leopold hohes Lob deshalb gespendet, weil er auf sein Jahr⸗ Gehalt verzichtete, aber ich frage, ob man dabei der Meinung war, daß drei Jahre verstreichen wuͤrden, ehe das Land einen Vortheil von dieser Entsagung zoͤge. Unter diesen Umstaͤnden glaube ich also, daß das Haus und das Land zu erfahren berechtigt sey, was mit jenem Gelde geschehen ist, seitdem Prinz Leopold England verlassen hat.“ Herr Robinson verlas sodann den (seiner Zeit mitgetheilten) Brief des Koͤnigs Leopold an den Grafen Grey vom 15. Juli 1831, worin Ersterer auf seine Pension verzichtet, und fuhr darauf fort: „Was die Vorbehalte anbetrifft, die Se. Majestaͤt sich mit Hinsicht auf milde Schenkungen und auf Pensionen fuͤr seine Dienerschaft gemacht, obgleich vielleicht die letztere mit dem Koͤ⸗ nige ausgewandert ist, so habe ich nicht das Geringste dagegen einzuwenden; anders aber steht die Sache mit Hinsicht auf die Erhaltung von Claremont sammt dessen Park und Gaͤrten, denn es waͤre wohl moͤglich, daß der ganze Ueberrest zu diesem Zweck verwandt werden koͤnnte. Ich wuͤnschte nun zu wissen, wer dazu berechtigt ist, in dieser Beziehung eine entscheidende Gewalt aus⸗ zuuͤben. Was die pecuniairen Verpflichtungen des Koͤnigs Leo⸗ pold betrifft, so scheint es mir unmoͤglich, daß Se. Majestaͤt bis zu dem Zeitpunkt seiner Abreise eine solche Masse von Schul⸗ den gemacht haben sollte, daß die ganze Pension dieser drei Jahre zur Tilgung derselben erforderlich Füncseg waͤre. Ohne irgend etwas Respektwidriges gegen Se. Majestaͤt sagen zu wol⸗ len, stehe ich nicht an, zu behaupten, daß man die Lebensweise des Prinzen Leopold waͤhrend seines Aufenthalts in England eher fuͤr sparsam hielt, und daß man allgemein glaubte, er habe einen großen Theil seines Einkommens zuruͤckgelegt. Das Haus moͤge bedenken, daß die Englische Nation in ihrer Freigebigkeit
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dem Prinzen Leopold seit dem Tode der Prinzessin Char⸗ lotte beinahe 1 Million Pfund Sterling gezahlt hat. — Lord Althorp bemerkte, daß er nicht beabsichtigte, der Motion entgegenzutreten; gleichwohl sey es nach dem, was sich ergeben, zugleich nothwendig, daß er dem Hause einige wenige Bemer⸗ kungen mittheile. Das geehrte Mitglied habe bemerkt, daß Prinz Leopold waͤhrend seines Aufenthalts in diesem Lande fuͤr einen Mann galt, der seine Vermoͤgens⸗Umstaͤnde sorgfaͤltig beachtete; aber das geehrte Mitglied duͤrfe nicht in Abrede stellen, daß Seine Koͤnigl. Hoheit, ohne der Verschwendung beschuldigt werden zu koͤnnen, wegen Kauf⸗Angelegenheiten oder sonstiger Ursachen, seine Einnahme uͤberschritten habe. Die Summe der Ausfaͤlle in der Kasse des Prinzen Leopold zu der Zeit, als er den Brief an den Grafen Grey geschrieben, sey nicht bekannt, und in Folge dieses Umstandes weigerten sich die Personen, die der Prinz als seine Bevollmaͤchtigten angab, diese Function anzu⸗ treten. Ueber diese ganze Angelegenheit habe er zwei Briefe vom Baron v. Stockmar, dem Privat⸗Secretair des Koͤnigs der Belgier, erhalten, die er vorlaͤufig dem Parlament mittheile. Diese Brief n 2. Februar datirt und lauteten, wie folgt: MNearlbovough House, 2 Febr.
1. „Mylord, — mit Bezugnahme auf die Briefe, die ich an Ew. Herrlichkeit in diesen Tagen zu richten mich beehrt hatte, bin ich der Meinung, es sey ersprießlich, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken, daß der Betrag der Schulden Seiner Majestaͤt des Koͤnigs der Belgier zur Zeit, als er dies Land verließ, keineswegs mit Be⸗ stimmtheit angegeben werden konnte. Es hat sich ergeben, daß die⸗ selben sich auf ungefaͤhr 83 000 Pfd. belaufen. Die gewoͤhnlichen Ausgaben fuͤr Claremont, Marlborongh⸗ House und die uͤbrigen Schuldbezahlungen, wie sie sich aus Sr. Majestaͤt Brief an den Grafen Grey ergeben, belausfen sich ungefahr auf. 20,0,00 Pfd. jäͤhr⸗ lich, welche Summe von den seit Sr. Majestät Abreise ange⸗ wachsenen jaͤhrlichen Einkuͤnften gedeckt werden duͤrfte. Was die naͤchstdem bemerkten jaͤhrlichen Schuldbezahlungen betrifft, so werden dieselben zukuͤnftig dem von Sr. Majestaͤt Bevollmächtig⸗ ten anheimfallen und in ihrem Betrag dadurch, daß der Nießbrauch von Marlborongh⸗House fuͤr 1835 aufhoͤrt, sowie durch andere moͤg⸗ licherweise eintretende Umstaͤnde vermindert werden. — In wie weit diese Mittheilung zur weitern Benutzung noͤthig oder zulaͤssig er⸗ scheinen mag, stelle ich lediglich Ew. Herrlichkeit besserem Urtheil anheim, und habe die Ehre mich zu unterzeichnen, Ew. Herrlichkeit gehorsamster Diener “ — Baron von Stockmar.“
Il. „An den sehr ehrenwerthen Viscount Althory u. T
Marlborough⸗House, 2. Febr.
Mylord. — Von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige der Belgier be⸗ auftragt, beehre ich mich, Ew. Herrlichkeit davon in Kenntniß zu setzen, daß die ausstehenden Schulden Sr. Majestat in diesem Lunde gegenwaͤrtig zum groͤßten Theil, am 5. April. 1. J. jedoch gaͤnzlich getilgt seyn werden. Vielleicht ist Ew. Herrlichkeit bvereits dee Mit⸗ theilung gemacht worden, daß Se. Maiestät inn August des J. 1832 bereit war, seine Einkuͤnfte der Kontrolle seiner Bevollmaͤchtigten unterwerfen zu wollen, diese dagegen beim Beginn der Liquidation sich weigerten, damit fortzufabren, bis Sr. Maj⸗ Privat⸗-Angelegenheiten in diesem Lande gaͤnzlich in Ordnung gebracht seyn wuͤrden. Da die noch uͤbrig gebliebene, nicht liquidirte Summe jetzt bestimmt angegeben wer⸗ den kann, so beabsichtige ich, die Bevollmaͤchti ten Sr. Mai. dabin zu bewe⸗ gen, das Geschaͤft in Ausfuͤhrung zu beingen; sollten sich dieselben jedoch fortgesetzt weigern, die Angelegenheit in Ordnung zu bringen, bis alle Schwierigreiten beseitigt waͤren, — d. h. bis zum naͤchsten 5 April, — so kann Ew. Herrlichkeit sich fuͤr uͤverzeugt halten, daß die erse Auszahlung an die Koͤnigl. Schatz⸗Kammer im Laufe des April geschehen wird, und von diesem Zeitvunkt an alle Hindernisse geho⸗ ben seyn duͤrften, welche den Bevollmaͤchtigten bei der Vollziehung der Liquidation im Wege standen. — Ich habe die Ehre, u. s. w.
88 Baron von Stockmar.“
„Das ehrenwerthe Mitglied“, fuhr Lord Althorp fort, „hat auf einige Geruͤchte angespielt, die mir fruͤher nie zur Kenntniß gekommen, daß naͤmlich ein Theil der jaͤhrlichen Pension in das Ausland ginge. Wenn dergleichen Geruͤchte existirten, so schaͤtze ich mich gluͤcklich, davon Kunde erhalten zu haben, weil sie mir die Gelegenheit geben, zu versichern, daß dieselben meines Wis⸗ sens aller Begruͤndung ermangelten.“ — Was des Koͤnigs der Belgier gerechte Anspruͤche auf das Jahr⸗Gehalt anginge, so seyen dieselben durch einen foͤrmlichen Parlaments⸗Beschluß festgestellt. Der Lebenswandel des Prinzen Leopold waͤhrend seiner Ehe und nach dem Tode seiner Gemahlin sey von der Art gewesen, daß er Allen als Muster empfohlen werden darf, und er selbst sey uͤberzeugt, das Haus wuͤrde den Vorschlag, ihn seines Jahr⸗ Gehalts zu berauben, verwerfen, zumal da er freiwillig auf Alles, ausgenommen auf den Theil, verzichtet hatte, welcher zur Erfuͤl⸗ lung seiner uͤbernommenen Verpflichtungen, von denen er in sei⸗ nem Briefe an den Grafen Grey spricht, erforderlich waͤre. Das ehrenwerthe Mitglied erwaͤhnt nicht den Umstand, daß ein Theil des Jahr⸗Gehalts auf Werke der Wohlthaͤtigkeit und auf die Pensionirung seiner Diener verwendet worden ist, und es koͤnnte nicht anders als sehr natuͤrlich erscheinen, wenn der Koͤnig der Belgier den Wunsch hegte, die Besitzung Claremont zu behalten. Schließlich hoffe er, daß die von Sr. Majestaͤt ernannten Bevollmaͤchtigten jetzt gemeinschaftlich die Liquidation in's Werk setzen wuͤrden, und daß in Folge der An⸗ ordnungen, welche in dem Briefe des Barons v. Stockmar zur Sprache gebracht wurden, alsbald eine ansehnliche Summe an die Koͤnigl. Schatz⸗Kammer wuͤrde gezahlt werden. (Hoͤrt!) Herr Cobbett meinte, es thaͤte ihm sehr leid, daß der edle Lord glaube, das Haus wuͤrde einem Vorschlag, der darauf hinauslief, dem Koͤnige der Belgier seine Pension zu entziehen, nicht ge— nehmigen, da es doch klar sey, daß Letzterec, indem er kein Eng⸗ lischer Unterthan, auch kein Jahr⸗Gehalt aus dem Englischen Staats⸗Fonds beziehen koͤnne; hoͤchst unbillig aber waͤre es obenein, einem fremden Souverain eine so ungeheure Summe zu zahlen, waͤhrend das eigene Volk unter der Last der Armen⸗Tarxen er⸗ liege; die Pension betrage so viel, als die ganzen Armen⸗Taxen der Grafschaft Huntingdon, etwa doppelt so viel, als die von Westmoreland und ungefaͤhr halb so viel, als die der Graf⸗ schaft Bedford, man sage, daß nur 20,600 Pfund jaͤhr⸗ lich von der ganzen Pension beibehalten werden und daß das Uebrige in die Schatz⸗Kammer fließen solle; aber wozu solle auch nur jene Summe bezahlt werden? Um ein Haus in Stand zu halten? Doch nicht etwa als Residenz eines frem⸗ den Souverains? Er sey uͤberzeugt, fuͤgte er schließlich hinzu, daß ein reformirtes Parlament eine solche Ausgabe nicht geneh— migen werde, und er moͤchte amendementsweise darauf antragen, daß es angemessen sey, die ganze Pension aufhoͤren zu lassen. Oberst Evans faßte die Sache vom rechtlichen Standpunkte auf und bemerkte, es koͤnnte die Frage erhoben werden, ob wirk⸗
lich eine Person unter dem Namen Prinz Leopold von Sachsen⸗Koburg, der die Pension ausgesetzt sey, noch existire. Beilaͤufig machte der Oberst auch darauf auf⸗— merksam, daß noch immer einige Franzoͤsische Civil⸗ und Militair⸗Beamte, die jetzt im Sold des Koͤniges der Franzosen staͤnden, Pensionen von England bezoͤgen; er werde, sagte er, diesen Gegenstand naͤher zur Sprache bringen, wenn die Geld⸗
Bewilligungen an die Reihe kommen wuͤrden. Hierauf nahm
—
Sir S. Whalley das Wort, der schon fruͤher dem Hause an, gezeigt hatte, daß er am 27. Maͤrz die Motion machen werde einen besonderen Ausschuß zu ernennen, um die Verwendung des von dem Koͤnige der Belgier dem Englischen Volke huldvollst zu⸗ ruͤckgegebenen Jahr⸗Gehalts von 50,00)0 Pfund aucszu⸗ mitteln. Diesen Antrag schlug er jetzt gleich als Amendement zu der Motion des Herrn Robinson vor. Der Spre⸗ cher bemerkte aber, daß dies oroͤnungswidrig sey, weil das ehrenwerthe Mitglied seinen Antrag nicht vor dem bezeick⸗ neten Termin einbringen und also das, was er noch nicht alz urspruͤngliche Motion dem Hause voriegen koͤnne, auch nicht als Amendement anbringen duͤrfe. Auf die Frage des Oberst Evans ob man nicht eine Gerichtsperson in Bezug auf diese Pension um ihre Meinung befragt, erwiederte Lord Althorp, daß dies nicht geschehen sey, weil er heute zum erstenmal einen Zweifel uͤber das Recht der Auszahlung derselben habe aufwerfen hoͤren, Herr Hume bemerkte dagegen, dem moͤchte seyn, wie ihm wolle so waͤre doch soviel sicherlich gewiß, daß das Parlament, haͤtte 66 die Thron⸗Besteigung des Prinzen Leopold voraussehen koͤnnen das Jahr⸗Gehalt auf die Zeit bis zu diesem Ereigniß beschraͤnkt haben wuͤrde, und er sehe daher auch keine Ungerechtigkeit darin, wenn man jetzt das thaͤte, was man gethan haben wuͤrde, haͤtte man die Zukunft vorausgeahnt. Lord John Russell meinte jedoch man muͤsse die rechtliche Ansicht der Frage so lange ganz beiseit lassen, bis die richterlichen Beamten der Krone gegenwaͤrtig wi⸗ ren; zur Rechtfertigung des Charakters des Koͤnigs Leopold fuͤgte er hinzu, daß nach der Bezahlung einiger Renten und nach Deckung der Kosten, die der Unterhalt von Claremont⸗House erfordere, immer noch eine Summe von 30,000 Pfund von dem Jahr⸗Gehalt Sr. Majestaͤt fuͤr den Englischen Schatz uͤbrig bleiben wuͤrde, und da sich hieraus ergele, wie edelmuͤthig und uneigennuͤtzig Se. Majestaͤt gehandel, so sey er uͤberzeugt, das Haus werde sich nicht auf eine weitere Untersuchung dieser Sache einlassen. Herr Gillon aber hielt auch die jaͤhrliche Summe von 20,000 Pfund auf Rechnung des Koͤnigs der Belgier immer noch fuͤr eine viel zu große Last far die Nation und wunderte sich, daß der Prinz bei dem Einkom⸗ men, das er gehabt, eine solche Schulden⸗Masse habe anhaͤufen koͤnnen, daß von dem ihm ausgesetzten Jahr⸗Gehalt noch Glzu⸗ biger desselben befriedigt werden muͤßten. Herr Hardy be⸗ zweifelte ebenfalls das Recht des Koͤnigs Leopold, die Pen⸗ sion noch laͤnger zu beziehen, denn, sagte er, in der ersten Klausel der erwaͤhnten Parlaments⸗Akte werde dem Prinzen und der Prinzessin, natuͤrlich unter der Bedingung, daß sie in Enaland blieben, eine jaͤhrliche Summe von 60,000 Pfund be⸗ willigt, und die zweite Klausel besage, daß 50,000 Pf., als ein Theil der ersten Summe, dem Prinzen nach dem etwanigen W. leben der Prinzessin fortbezahlt werden sollten, sicherlich aber nicht unter anderen Bedingungen, als unter den in der ersten Klausc festgesetzten. Nachdem sich hierauf Herr Robinson nochmals gegen die Meinung verwahrt hatte, als ob er irgendwie dem Cha⸗ rakter des Koͤnigs Leopold haͤtte zu nahe treten wollen, wurde sein Antrag vom Hause angenommen. Hiernaͤchst wurde auf den Antrag des Herrn Hume ein besonderer Ausschuß ernannt, dem die Rechnungen uͤber die bei den letzten allgemeinen Wahlen in den Grafschaften und Staͤdten von England und Wales von den Wahl⸗Beamten verausgabten Gelder vorgelegt werden sollen, um danach eine allgemeine Norm fuͤr die Kosten seder Wahl festzustellen und in Erwaͤgung zu ziehen, von wemn diese Kosten zu bestreiten seyen. Ein anderer Ausschuh wurde auf den Antrag des Herr Warburton ernannt, um die Gesetze und Vorschriften in Betreff des Medizinalwesens in dem ganzen Koͤnigreiche zu untersuchen. Lord Howick er⸗ hielt die Erlaubniß, eine Bill zur Vereinfachung und Beschleu, nigung der gerichtlichen Verhandlungen vor den Friedens⸗Richtern einbringen zu duͤrfen; er haͤtte dabei die Absicht, bemerkte er, ei nerseits die Strafen zu mildern, welche auf die Vernachläͤssigung gewisser durch Parlaments⸗Akten festgestellter Vorschriften gesetz waͤren, und andererseits den Spielhaͤusern in der Hauptstadt, die leider immer mehr uͤberhand naͤhmen, ein Ende u machen. Auf eine Motion des Herrn Ward ernannte das Haus einen Ausschuß, um daruͤber zu berathschlagen, wie man am besten richtige und authentische Listen uͤber die Abstimmun, gen im Parlament erhalten koͤnne, und dem Hause sobald al moͤglich daruͤber Bericht zu erstatten. Nachdem sodann noch Sit T. Freemantle darauf angetragen hatte, der Stadt Staffotd aus aͤhnlichen Gruͤnden, wie sie Herr O Connell im Anfange der Sitzung mit Hinsicht auf Carrickfergus angefuͤhrt, das Wahe⸗ Recht zu entziehen, und nachdem die von diesen beiden Herrm in dieser Hinsicht eingebrachten Bills zum erstenmale verlesen worden waren, vertagte sich das Haus um halb 11 Uhr Abende⸗
London, 12. Febr. Der Herzog von Cumberland speist am Freitage bei dem Herzog von Wellington und beehrte dang den Fuͤrsten Talleyrand und die Herzogin von Dino mit einem Besuch. —
Die hiesigen Blaͤtter sind uͤbereinstimmend der Mii nung, daß der persoͤnliche Streit zwischen Lord Althorp und Hrn. Sheil die Arbeiten des Parlamentes auf unangenehme Weise stoͤre und daß man der Sache ein kurzes Ende werde machen muͤssen, weil bei einer Untersuchung, wie die beabsichtigte, doch nichts herauskommen koͤnne.
Durch das in Falmouth angekommene Schiff „Carron⸗ he ben wir wichtige Nachrichten aus Lissabon bis zum 2. Februnr erhalten. Im Monat Januar haben die Pedroisten mehren Vortheile erlangt, von denen bisher noch keine naͤhere Kunde hierher gekommen war. Folgendes ist eine Art von Tagebuch daruͤber: Jan. 3. Oberst de Soares marschirte von Fara ma ungefaͤhr 700 Mann gegen die bei Boa⸗Vista vortheilhaft aus gestellten und 1000 Mann starken Miguelisten, die er schlug Und denen er an 180 Gefangene und 3 Artilleriestuͤcke nebst Munn tion fuͤr 1500 Mann abnahm, waͤhrend er selbst nur einen seht unbedeutenden Verlust erlitt. Bei der Bagage des Miguelift schen Befehlshabers fand sich ein Schreiben Dom Miguelt worin derselbe den Rath ertheilte, den Muth der Soldaten da durch aufrecht zu erhalten, daß man ihnen erzaͤhle, die Englan⸗ der blokirten Lissabon u. s. w. — Jan. 6. Die Miguelisten von Portalegre, 2000 Mann stark, grisfen 1500 Pedroisten bei Marvah an und wurden geschlagen. — Jan. 15. General Saldanha nahm bel seinem Vorruͤcken in noͤrdlicher Richtung Leiria. — Jan. 18. Die Miguelisten wurden abermals bei Lagos geschlagen. —. Jan. 22. Es ging ein Schreiben Dom Miguel's an seinen Bruder ein, das dieser jedoch nicht oͤffnen will, und das, wie man behauptet, die Anzeige von dem Tode der Infantin, ihrer Schwester, enthaͤlt. — Jan. 25. General Saldanha nahm Torres Novas durch einen glaͤnzenden Coup und vernichtete 8 Kavallerie von Chaves, welches die beste im ganzen Miguelisti schen Heere ist. — Jan. 30. Die Miguelisten unternahme einen gleichzeitigen Angriff auf das Corps von Saldanha h- auf das des Herzogs von Terceira, von denen das erstere be
enes und das andere bei der Bruͤcke von Affeca stand. Beide ngriffe hatten jedoch keinen guten Erfolg. Saldanha, von
Mann unter General Povoas (der zum Gefangenen ge⸗ macht worden seyn soll) angegriffen, machte 800 Gefangene; eben so erlangte auch der Herzog einen Triumph uͤber seine Gegner. Das Naͤhere ist jedoch noch nicht genau bekannt. Die Lage Dom Miguel's in Folge aller dieser Unfaͤlle wird fuͤr sehr limm angesehen, und man sagte sogar, daß er Santarem verlassen habe; doch bedarf dieses Geruͤcht noch der Bestaͤti⸗ gung.“ (Vgl. Portugal.)
Privat⸗Nachrichten aus Madrid vom 29. Januar zufolge welche sich in der Times befinden), staͤnde der General⸗Capitain von Estremadura in Begriff, mit einem Heere von 8000 Mann eine Demonstration gegen die Portugiesische Graͤnze zu unter—
en. nehmoe⸗ Hinsicht auf das Geruͤcht, daß Spanien die Suͤd⸗ Amerikanischen Freistaaten unter der Bedingung der Uebernahme eines Theils seiner Schulden anerkennen wolle, macht die Times darauf aufmerksam, daß in Mexiko ein Gesetz vom Jahre 1826 bestehe, wodurch die Todesstrafe darauf gesetzt sey, wenn Je⸗ mand auf irgend einen Vorschlag Spaniens oder einer anderen Macht eingehen wollte, ohne daß vorher die Anerkennung der Mexi⸗ kanischen Republik von Seiten einer solchen Macht erfolgt waͤre, und eine achtjaͤhrige Gefaͤngnißstrafe, wenn Jemand die Zahlung eines Tributs an Spanien, oder an irgend eine andere Macht im Namen Spaniens, als Aequivalent fuͤr die Verzichtleistung auf die von dieser Macht fruͤher uͤber die Republik Mexiko ausge⸗ üͤbte Ober⸗Herrlichkeit in Vorschlag bringen wollte. In den an⸗ hhe ein solcher Fall nicht vorgesehen, und sie wuͤrden sich daher, wenn ihnen ein Vorschlag der Art gemacht wuͤrde, erst daruͤber nach den Umstaͤnden zu entscheiden haben. Schiffs⸗Nachrichten zufolge, ist ein Theil der Englischen Unterthanen, welche mit dem Schiffe „Clio“ nach den Falk⸗ lands⸗Inseln gekommen waren und sich daselbst eine Zeit lang befanden, ermordet worden. Unter den Ermordeten wird ein Capitain Brisbane genannt. v
Niederlande.
Aus dem Haag, 13. Februar. Berichten von der Insel Ameland vom 5ten d. zufolge, sind daselbst vor einigen Tagen wei Schiffe gestrandet, das eine von 125, das andere von 80 asten; beide sehr reich beladen. Das erste kam von Bordeaux mit 600 Faͤssern Wein und Brantwein; das andere von Hull mit Fabrik⸗Waaren in Ballen, Kisten und Faͤssern, von denen einige ans Land getrieben sind.
Aus Rotterdam meldet man vom 12ten d.: „Seit eini⸗ gen Tagen werden hier Versuche gemacht, die Stadt mit Gas zu beleuchten, wodurch immer eine große Menge Neugieriger serbeigelockt werden. Die Einwohner interessiren sich sehr leb⸗ haft fuͤr dieses Unternehmen.“
Hel˖gien.
Bruͤssel, 13. Febr. Die mit der Entwerfung eines Gesetzes üͤber den oͤffentlichen Unterricht beauftragte Kommission hat ihre Ar⸗ beit beinahe beendigt. Es bleibt nur noch das Kapitel uͤber den Universitaͤts⸗Unterricht zu entwerfen, mit welcher Arbeit Herr Ernst beauftragt worden ist. Als Grundsatz hat die Kom⸗ mission aufgestellt, daß im ganzen Koͤnigreiche nur zwei Univer⸗ sitaͤten, die eine in Luͤttich, die andere in Gent, bestehen sollen.
In der gestrigen Sitzung der Repraͤsentanten⸗Kam⸗ mer begannen die Berathungen uͤber das Budget des Ministe⸗ riums des Innern, und wurden mehrere Artikel desselben ohne wesentliche Eroͤrterungen angenommen. Das Post⸗Budget wurde wegen der beabsichtigten neuen Verbindungen mit Preußen um 8000 Fr. erhoͤht.
Polen.
Warschau, 14. Febr. Se. Durchlaucht der Fuͤrst Statt⸗ halter ist vorgestern Abends von hier nach St. Petersburg ab⸗ gereist. Waͤhrend der Abwesenheit des Fuͤrsten wird der Gene⸗ ral der Kavallerie, Baron Kreutz, das Kommando der aktiven Armee fuͤhren, und im Administrations⸗Rath wird der General⸗ Lieutenant Rautenstrauch, im Staats⸗Rath der General⸗Adjutant und Militair⸗Gouverneur Pankratjeff praͤsidiren.
Der General Kreutz ist vorgestern in hiesiger Hauptstadt angekommen.
In Krakau hat man am 4. d. zwischen 8 und 9 Uhr Abends eine praͤchtige Feuerkugel bemerkt, die Alles rings umher wie ein Blitz erleuchtete. Nachdem sie geplatzt war, zeigten sich noch zwei feurige Strahlen in der Luft, die aber bald verschwanden.
Deutschland.
Kassel, 13. Febr. Unsere vor drei Monaten vertagten Staͤnde werden etwa in 14 Tagen wieder zusammentreten.
Weimar, 15. Febr. In einigen Gegenden des Großher⸗ zogthums hat die Wollschur bereits begonnen und die Wolle ist zu 16 bis 20 Thaler fuͤr den Stein verkauft worden. Die alte⸗ 5 Leute erinnern sich nicht, einen so hohen Preis erlebt zu haben.
Gegenwaͤrtig befindet sich das Russische Horn⸗Musik⸗Corps bei uns, welches seit drei Jahren in England und Frankreich so viel Aufsehen gemacht, und das man mit dem Namen „die le⸗ bendige Orgel“ belegt hat. Jeder der Musici hat auf seinem Instrumente nicht mehr als einen ganzen und zwei halbe Toͤne, und auf diese Art fuͤhren sie die schwierigsten Ouvertuͤren von Mozart u. A. mit einer Praͤciston aus, wie sie bei dem besten Orchester nur gefunden werden kann. Sie haben sich be⸗ reits im Theater und bei Hofe hoͤren lassen, und fanden auch hier die groͤßte Anerkennung. Wie es heißt, werden sie den Ge⸗
burtstag Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Frau Großherzogin noch
mit feiern helfen und dann uͤber Leipzig nach Berlin reisen.
Frankfurt a. M., 14. Febr. Das heutige Amtsblatt der freien Stadt Frankfurt enthaͤlt folgende Bekanntmachung: „Dem Vernehmen nach, ist in der letzten Zeit versucht worden, eine bei Silbermann in Straßburg 1833 erschienene Schrift, unter dem
itel: „Blicke auf die Deutschen Lande, eine Beilage zu jedem Volkskalender“, in hiesiger Gegend zu verbreiten. Da nun, in Ge⸗ mäßheit Beschlusses hoher Bundes⸗Versammlung vom 5. Juli 1832, eine in einem nicht zum Deutschen Bunde gehoͤrigen Staate in
eutscher Sprache erscheinende Zeit⸗ oder nicht uͤber 20 Bogen betragende sonstige Druckschrift in einem Bundes⸗Staate ohne vor⸗ gaͤngige Genehmigung der Regierung desselben zugelassen oder ausgegeben werden darf, so wird dieses Verbot sowohl im All⸗ vennesng. als auch insbesondere in Bezug auf die oben erwaͤhnte 1. wiederholt mit dem Bemerken in Erinnerung ge⸗ 1. ht, daß der Verkauf sowohl, als das oͤffentliche Auslegen, so 51g das sonstige Verbreiten solcher Druckschriften, bei ernstge⸗
essener Strafe untersagt ist, und gegen die Uebertreter des
v“
Suͤd⸗Amerikanischen Staaten aber ist, der Times zu⸗
Verbots eben so, wie gegen die Verbreiter verbotener Druck⸗
—
schriften verfahren werden wird.“ 1G .
Schweiz.
Zuͤrich, 12. Febr. haben unterm 25. Januar saͤmmtliche Staͤnde eingeladen, auf die kuͤnftige ordentliche Tagsatzung zu Aufstellung eines Muͤnz⸗ fußes nach den im Bundes⸗Entwurf von 1833 aufgestellten Grundsaͤtzen, ihre Gesandtschaften mit umfassenden Vollmachten zu versehen.
Den 3. Febr. starb in Bern Dr. Samuel Wyß im 77sten Lebensjahre, gleich beruͤhmt als Arzt, wie als vielseitig wirkender Staatsmann.
In Antwort auf die voroͤrtlichen Kreisschreiben, hinsichtlich der Polensache, hat die Regierung des Standes Basel die leb⸗ haften Besorgnisse fuͤr das gemeinsame Vaterland ausgedruͤckt, welche die Nachricht von dem frevelhaften Unternehmen bei ihr hervorgerufen. Die zweckmaͤßigen Maßregeln der Regierung von Genf habe sie mit Vergnuͤgen vernommen; aber bei der Lauigkeit, womit bisher in Bern die Zuruͤckweisung der Polen nach Frankreich betrieben worden, bei der Unterlassung aller Vorkehrungen gegen den heimlichen Abmarsch derselben nach Savoyen, sehe sich Basel veranlaßt, dringend auf die Nothwen⸗ digkeit aufmerksam zu machen, diese Fluͤchtlinge zu entfernen und fuͤr die Zukunft außer Stand zu setzen, unsere Neutralitaͤt zu gefaͤhrden.
Die hiesige Zeitung meldet aus Waadt: „Die im Schlosse zu Rolle gefangen gehaltenen Polen und Deutschen hatten anfaͤnglich foͤrmlich protestirt, sich abfuͤhren zu lassen, bis ihnen die freie Ruͤckkehr nach Bern zugesichert sey. Die Regie⸗ rung befahl hierauf dem Oberst Gely unter dem 6ten d., erfor⸗ derlichen Falls die aͤußerste Gewalt anzuwenden, um ihren Be— fehlen Gehorsam zu verschaffen. In Folge dessen ließ der Oberst am 7ten ein ganzes Bataillon Milizen und gegen 50 Gendar⸗ men aufmarschiren, und in Gegenwart der Gefangenen die Gewehre laden. Indeß setzten sich die Polen und Deutschen zuletzt von freien Stuͤcken in Marsch, und wurden nach Cossonay eskortirt, um von dort weiter uͤber Peterlingen und Wiflisburg in den Kanton Bern geleitet zu werden. Der letztere hat aber bekanntlich seine bestimmte Weigerung ausgesprochen, die ohne Paß und Erlaubniß ausgezogenen Polen wieder bei sich aufzunehmen. Auch Freiberg hat ihnen auf diese Nachricht seine Graͤnzen gesperrt; zugleich aber, so wie Waadt die Staatsraͤthe La Harpe und Jaquet, seinerseits den Staatsrath Maͤder nach Bern geschickt, um bei der dortigen Regierung die Wiederaufnahme der Polen zu erwirken. Im Falle dieses nicht gelingen sollte, wollen Waadt, Genf und Freiburg sogar Klage deshalb beim Vorort erheben, und haben ihn vor der Hand zur Unterstuͤtzung ihres Begehrens um seine Vermittelung angespro⸗ chen. Der Vorort hat in dieser Beziehung auch bereits Schritte bei der Berner Regierung gethan, und dieselbe im Interesse der Ruhe und des Friedens in der Eidgenossenschaft nicht nur zur einstweiligen Wiederaufnahme der Polen, sondern zur Wegwei⸗ sung derselben auf dem legalen Wege, durch Vermittelung der Franzoͤsischen Gesandtschaft, nach Frankreich aufgefordert. Die Berner Regierung will nun den Zusammentritt des großen Ra⸗ thes am 10. Februar abwarten, um ihm die Sache zur Ent⸗ scheidung vorzulegen.“
Die Allgemeine Zeitung schreibt von der Mittel⸗ Aar vom 9. Februar: „Die bekannte Proclamation des soge⸗ nannten „Gouvernement provisoire insurreciionnel“ unterm 1. Februar von St. Julien datirt, war zwar gedruckt in Ballen vorhanden, und wurde wirklich verbreitet, das Datum und der Ort waren aber eine Fiction, indem weder am 1sten, noch spaͤter, ein Insurrections⸗Trupp nach St. Julien vordringen, geschweige denn, sich daselbst festsetzen konnte. Privat⸗Nachrichten melden, daß, nach dem Plane des Angriffs, die Eindringenden in vier Kolonnen haͤtten vorruͤcken sollen, naͤmlich außer der von Ra⸗ morino, und der bei Carouge gesammelten noch zwei andere, die uͤber die Franzoͤsische Graͤnze einbrechen sollten. Von diesen sey die eine durch die Maßregeln der Franzoͤsischen Behoͤrden selbst zuruͤckgehalten worden; der andern Kolonne, ungefaͤhr 200 Mann stark, sey es augenblicklich gelungen, durchzukommen, und in der Richtung von Echelles durch das eingeschlossene Thal vorzudrin⸗ gen. Hier habe sie aber Anstalten des im Ruͤckhalte befindlichen Sardinischen Militairs bemerkt (vergleiche den Bericht der Pie⸗ montesischen Zeitung unter Turin), worauf sie sich in Eile wieder zuruͤckgezogen und zerstreut habe. In Betreff Ramori⸗ nos melden alle Berichte, daß er, als er jeder weitern Unter⸗ nehmung entsagte, sich mit Noth aus den Haͤnden seiner eige⸗ nen Leute zu retten und uͤber den Genfer See zu fluͤchten ver⸗ mocht habe. Gegen ihn sind nun auch vorzuͤglich die Verdeaͤch⸗ tigungen einiger oͤffentlichen Blaͤtter gerichtet. Von Genf brin⸗ gen die letzten Berichte von einiger Glaubwuͤrdigkeit volle Be⸗ staͤtgung der wiederhergestellten und nun gesicherten Ruhe. Die aufgestellte Mannschaft von etwa 3000 Mann ist bewaffnet und im fortwaͤhrenden Dienste geblieben. Zugleich ergiebt sich, daß die eigentlich tumultuirende und schlimmer Absichten verdaͤch⸗ tige Menge, obschon durch Zuzug von allen Gegenden her ver⸗ staͤrkt, nie von betraͤchtlicher Zahl war. Aus einem von dem Comité der Fluͤchtlinge dem Genfer Staats⸗Rathe eingereichten
Gesuche ergiebt sich, daß noch eine Anzahl Fluͤchtlinge, unter de⸗
nen, wie es heißt, ungefaͤhr 60 Polen, die urspruͤnglich nicht zu der von Bern her gekommenen Abtheilung gekoͤrten, zuruͤckge⸗ blieben sind. Diese will man nun in Genf nicht behalten, und zu diesem Behufe wurde von da der Alt⸗Syndikus Fatio als Depurirter zuerst nach Bern geschickt, wo zugleich die Waadtlaͤn⸗ dischen Deputirten, die Herren de la Harpe und Jaquet, ange⸗ kommen waren. Die dortige Regierung wird wahrscheinlich die Sache dem ohnehin auf den 11ten wieder zusammen berufenen großen Rathe zur Entscheidung anheim stellen. — Inzwischen sollen die Waadtlaͤndischen Deputirten, gemeinschaftlich mit dem Genferischen, den Weg nach Zuͤrich eingeschlagen haben.
— Man liest in der Karlsruher Zeitung folgendes Schreiben vom Ober⸗Rhein, 10. Febr.: „Die innere Zerruͤttung und die Aufloͤsung aller gesetzlichen Ordnung in der Schweiz, eine nothwendige Folge der gewaltsamen Verfassungs⸗Veraͤnde⸗ rungen, kommt immer mehr an den Tag. Waͤhrend gerade in den radikalsten Kantonen am meisten uͤber die zunehmende Sit⸗ tenlosigkeit des Volks geklagt wird, wozu die freigebige Erthei⸗ lung von Wirthschafts⸗Patenten nicht wenig beigetragen, waͤh⸗ rend Voͤllerei, Unzucht, Raub, Mord, Brandstiftung in furcht⸗
barer Schnelligkeit zunehmen, und Widersetzlichkeit gegen die
Staats⸗Gewalt uͤberall die wachsende Zuͤgellosigkeit beweisen, mußte endlich noch der eingeleitete Polen⸗Zug nach Savoyen hin⸗ zukommen, um die Schwaͤche der Regierungen auf der einen Seite, die graͤnzenlose Frechheit des Volkes auf der anderen Seite zu beweisen. Von Zuͤrich reisen 22 Universitaͤts⸗An⸗ ehoͤrige nach Bern und Lausanne mit der nicht ver⸗ ehlten Absicht, den Aufstand zu unterstuͤtzen; Niemand haͤlt sie
Buͤrgermeister und Regierungs⸗Rath
auf. Aus dem Kanton Bern ziehen einige hundert Polen durch die Kantone Freiburg und Waadt an den Genfer See. Die sehr langsamen Befehle der Regierung werden nachlaͤs⸗ siger ausgefuͤhrt, und eine ganze Stadt (Nyon) beherbergt, der Regierung zum Trotz, 250 dieser bewaffneten Abenteurer. Die aufgebotenen Truppen sollen ihr Einschiffen hindern; nur vier Mann erscheinen auf den Befehl des Obersten. Diesel⸗ ben Scenen wiederholen sich in Genf, nur daß hier der Poͤbel noch frecher und zuͤgelloser ist. Wenige Miliz⸗Pflichtige gehor⸗ chen; ganze Compagnieen laufen davon, andere muͤssen entlassen werden, um aͤhnlichen Unordnungen vorzubeugen. Endlich offe⸗ ner Widerstand gegen die bewaffnete Macht. Die Waffen der Polen werden dem Genfer Militair mit Gewalt entrissen und den Polen zuruͤckgegeben. Nach Beendigung des Raubzuges werden die Fluͤchtlinge gegen den Befehl der Regierung im Triumph durch die Stadt gefuͤhrt, ihre Einquartierung erzwun⸗ gen, ihr Abmarsch gewaltsam verzoͤgert. Vergebens demuͤthigt sich die Regierung und laͤßt ihre Befehle durch die Vorsteher der Zuͤnfte sanctioniren; nur durch die Erinnerung an die bedrohte Industrie koͤnnen die gebildeten Genfer (bei denen Deutsche Barone, Russische Grafen und Englische Lords ihre Bildung holen) endlich dahin gebracht werden, daß sie den Auf⸗ ruhr nicht offenbar unterstuͤtzen. Das ist der politische Zustand der Kantone Genf, Waadt, Bern, Zuͤrich, Solothurn, Basel⸗ Landschaft. Das Volk gehorcht, so lange man seinen Leidenschaf⸗ ten schmeichelt, die Achtung vor dem Gesetze ist dahin. Die Schweiz gleicht einem Schiff mit trunkenen Matrosen bemannt, aber ohne Steuermann. ÜUnstaͤt treibt es auf dem wogenden Meere hierhin und dahin, Klippen, Sandbaͤnke, Untiefen uͤberall, aber in toller Dreistigkeit uͤberlaͤßt die Mannschaft das Schiff dem Spiel der Winde. Lange hat ein schwuͤler Suͤdwest den Horizont mit Wolken umzogen; wann wird ein kuͤhler und trock⸗ ner Nordost die Nebel verscheuchen, und die mit elektrischen Duͤnsten angefuͤllte Luft reinigen?
J1.
Turin, 6. Febr. Die Piemontesische Zeitung vom heutigen Tage theilt die gestern von uns nach dem Oesterrei⸗ chischen Beobachter gegebenen Einzelnheiten uͤber den Auf⸗ ruhr⸗Versuch vom 2ten d. mit. Sie enthaͤlt auch in Franzoͤsi⸗ scher Sprache die von Mazzini, Melegari, Ruffini und Ruübin unterzeichnete Proclamation, welche die Aufruͤhrer zuruͤckgelassen, und verspricht die fernere Mittheilung aͤhnlicher Aktenstuͤcke, falls ihr dergleichen zugehen sollten. Demnaͤchst berichtet sie uͤber den Invasions⸗Versuch an der Franzoͤsischen Graͤnze, wo es be⸗ kanntlich zu einem Treffen kam, Nachstehendes: „Waͤhrend die von Genf abgegangene Expedition ein so schmaͤhliches Ende nahm, trug sich auf der Franzoͤsischen Graͤnze ein anderes Er⸗ eigniß zu, bei welchem ein Detaschement unserer Truppen Gele⸗ genheit hatte, Beweise von Muth und Tapferkeit zu geben, welche den Vaterlands⸗Freund an den alten Ruhm unsers Heeres erinnern. Am 3ten d., Nachmittags um 4 Uhr, passirte eine Bande von etwa 200 Revolutionnairs, die aus der Gegend von Grenoble gekommen waren, die Graͤnze und begab sich nach der Kaserne der Karabiniers zu Les Echelles, wo sich nicht mehr als ein Brigadier und 2 Soldaten befanden, welche, bevor sie sich noch in Vertheidigungs⸗Zustand setzen konnten, uͤberfallen wurden. Die Kaserne wurde der Pluͤnderung preisgegeben. In der Zwi⸗ schenzeit gelang es jedoch einem der Karabinieres, denjenigen, der ihn bewachte, zu Boden zu werfen, und nachdem er von einem Balkon herabgesprungen war, eilte er auf die Post, nahm ein Pferd und ritt nach Ponte Voisin, welches 6 Miglien von Les Echelles entfernt ist. Der Kommandant von Ponte, der Karabinier⸗Lieutenant Viano, ging sogleich mit 45 Mann ab und erreichte um 11 Uhr Nachts die Bande, welche unter freiem Himmel bei den Grotten auf der Straße von Les Echelles nach Chambery kampirte. Unsere Soldaten griffen sie mit Uner⸗ schrockenheit an, und setzten sie in vollstaͤndige Deroute. Zwei dieser Elenden wurden getoͤdtet, viele verwundet, und zwei zu Gefangenen gemacht. Die Uebrigen nahmen die Flucht auf das Franzoͤsische Gebiet. In der Verwirrung des Treffens fanden die beiden von den Aufruͤhrern gefangenen Karabiniers Gelegen⸗ heit, zu entfliehen. Von unserer Seite haben wir einen Korporal von der Savoyischen Brigade verloren, der auf dem Platze blieb; ferner haben wir den Tod des Karabiners Scapaccini zu beklagen, der von jenen Buben heimtuͤckischer Weise ermordet wurde. Er kehrte allein von Chambery zuruͤck, als er in dem Augenblicke, da er in die Kaserne eintrat, von ihnen umringt wurde. Sie wollten ihn zwingen, einen Ruf des Aufruhrs ertoͤnen zu lassen; als er jedoch den Muth hatte, dies zu verweigern, so ermordeten sie ihn. — Es ist ein Wagen mit Waffen in unsere Haͤnde ge⸗ fallen; die Bande hat jedoch die Pferde, das Sattelzeug und die Uniformen der Karabiniers mitgenommen, welche Sachen noch am 4. d. auf Franzoͤsischem Gebiete beisammen gesehen worden sind. — Einige andere Banden von derselben Art ließen sich auf der Seite von Pontcharra und Seysel blicken, es ist jedoch Grund, zu hoffen, daß der schlechte Ausgang der Expeditionen von Genf und Les Echelles, so wie die Anordnungen der Fran⸗ zoͤsischen Regierung, dergleichen Zusammenrottungen nicht wieder werden zu Stande kommen lassen.“
— Das Diario di Roma berichtet aus Neapel vom 1. Februar, daß der Marschall Bourmont mit seinen Gefaͤhrten aus Malta dort angekommen sey und sich im Quarantaine⸗Lazareth
Der Englische Courier, welcher versichert, daß sich der Buͤrgerkrieg in Portugal seinem Ende naͤhere, enthaͤlt nachste⸗ hendes Schreiben aus dem Hauptquartiere des Herzogs von Terceira:
Auinta da Ribeira, den 30. Jan.
„Ich verspraͤch Ihnen Neuigkeiten mitzutheilen, sobald ich dergleichen haͤtte. Nun, ich habe Ihnen jetzt zu berichten, daß uns die Miguelisten heute den ganzen Tag viele Unruhe ge⸗ macht haben. Ein nicht sehr ansehnliches Corps nahm gegen Mitternacht seinen Marsch nach Valada, welches gepluͤndert wurde. Wir wurden zu spaͤt davon benachrichtigt. Zugleich vernahmen wir, daß der Feind noch ein anderes Truppen⸗ Corps ausgesandt und sich bereits der Straße nach Lis- sabon bemaͤchtigt habe. Sie koͤnnen sich unsere Ueberraschung bei diesen Nachrichten denken. Wir brachen sofort auf und marschirten nach der Bruͤcke von St. Anna und nach Valada, wo eine Eskadron des 11ten Kavallerie⸗Regiments nebst unge⸗ faͤhr 20 Uhlanen hinreichend waren, den 700 Mann starken Feind zur Ruͤckkehr uͤber den Tajo zu zwingen. Waͤhrend wir seinen Bewegungen folgten, unterhielt der Feind ein Musketen⸗ feuer und gab einige Kanonenschuͤsse gerade der Bruͤcke gegen⸗ uͤber, im Angesicht unseres Corps, um dadurch eine Bewegung zu verbergen, die er gegen Saldanha gemacht hatte. (Vergl. den Art. London.) Jenen Angriff unternahm er in drei starken Kolonnen, die