der irdischen Reste Napoleons und des Herzogs von Reichstadt, so wie die Aufhebung des Verbotes verlangt, das den verschie⸗ denen Mitgliedern der Familie Buonaparte den Franzoͤsischen Boden verschließt. Der Kriegs⸗Minister ergriff uͤber diesen Gegenstand vorweg das Wort. Er erklaͤrte, daß er dem Genie Napoleons volle Gerechtigkeit widerfahren lasse, daß jedoch dessen Ruhm ein rein persoͤnlicher gewesen sey und sich nicht uͤber seine Familie erstrecke; Frankreich habe gewiß alles moͤgliche ge⸗ than, um den großen Mann, von dem es eine Zeit lang regiert worden, zu ehren; an dem Tage aber, wo es der Nation frei⸗ gestanden, sich einen neuen Koͤnig zu waͤhlen, habe sie an des Kaisers Sohn nicht einmal gedacht; es sey ein Ungluͤck fuͤr die Familie Napoleons, daß man sich, gewiß gegen ihren Willen, dieses großen Namens bediene, um strafbare Hoffnungen hinter dem⸗ selben zu verbergen, und die Regierung sey daher, wenigstens fuͤr jetzt, fest entschlossen, die in den vorliegenden Bittschriften ausgesprochenen Wuͤnsche zuruͤckzuweisen. Herr Sappey hielt diesen Entschluß fuͤr ein Zeichen großer Schwaͤche von Sei⸗ ten der Regierung und meinte, daß Letztere sich schon aus Stolz den Antraͤgen der Bittsteller nicht widersetzen sollte. In gleichem Sinne aͤußerte sich Herr Limperani, Depu⸗ tirter von Korsika. Die Regierung, bemerkte er, traͤume von nichts, als von erdichteten Gefahren; es gebe in ganz Frankreich keine Napoleonische Partei und die fortdauernde Verbannung der Familie Buonaparte erscheine hiernach dop⸗ pelt hart. Auch die Herren Levéque⸗de⸗Pouilly und Teulon widersetzten sich dem Antrage des Berichterstatters, der alle jene Bittschriften durch die Tagesordnung beseitigt wis⸗ sen wollte. Endlich trat ein Redner zu Gunsten der Regierung auf: Es war Herr Viennet. Wenn man sehe, aͤußerte er, wie sehr die Herren Deputirten sich scheuten, die Zuruͤckweisung jener Bittschriften zu begehren, so sollte man meinen, daß der Schatten Napoleons noch uͤber der Versammlung schwebe und seinen Gegnern drohe. Die jetzige Regierung habe allerdings Grund, die fortwaͤhrende Nebenbuhlerschaft der Mitglieder der Familie Buonaparte zu vermeiden; auch die Politik habe ihr Ge— setz der Nothwendigkeit, und die Kammer muͤsse sich in dasselbe fuͤgen. Herr Salverte unterstuͤtzte zwar die eingegangene Pe⸗ tition, doch widersetzte er sich der Auslieferung der irdischen Reste Napoleons. Das Grab des ehemaligen Kaisers, meinte er, muͤsse auf St. Helena bleiben, um daselbst zu einer gro⸗ ßen moralischen Lehre zu dienen; die Nachwelt muͤsse sich— bei dem Anblicke desselben sagen: „Hier endete der Ruhm des Mannes, der an dem Prinzipe zum Verraͤther wurde, welchem er seinen Stand verdankte.“ Herr Saiverte stimmte schließlich fuͤr die Ueberweisung derjenigen Bittschriften, in denen die Zuruͤck⸗ berufung der Familie Buonaparte verlangt wird, an den Mi⸗ nister⸗Rath. Herr von Bricqueville sprach sich ganz in dem Sinne des Herrn Limperani aus, waͤhrend Herr Hervé es fuͤr bedenklich hielt, der Napoleonischen Familie die Ruͤckkehr zu ge— statten. Der General Bertrand suchte namentlich die Theil⸗ nahme der Versammlung fuͤr die Mutter Napoleons zu erregen. Endlich kam es zur Abstimmung, wobei diejentgen Petitionen, in denen die Aufhebung des Verbots gegen die Familie Buona⸗ parte verlangt wird, von denjenigen, welche die Auslieferung der Asche des ehemaligen Kaisers betreffen, geschieden wurden. Ueber die ersteren schritt die Versammlung zur Tagesordnung; die letzteren dagegen wurden an den Minister⸗Rath verwiesen.
Heute Morgen um 10 Uhr hatten sich mehrere Minister bei dem Herzoge von Broglie zu einer Konferenz versammelt, der einige Mitglieder des diplomatischen Corps beiwohnten.
Der Moniteur promulgirt heute die beiden Gesetze we⸗ gen der Pensionirung der Wittwen des Marschalls Jourdan und des General⸗Lieutenants Decaen.
Eben dieses Blatt meldet, daß die gestern eingegangenen Depeschen aus Lyon die Nachrichten vom 20sten bestaͤtigten. Die Seidenweber schienen geneigt, unverzuͤglich wieder an ihre Ar⸗ beit zu gehen.
Seit einigen Tagen bemerkt man den Marschall Lobau nicht in der Kammer, und will daraus schließen, daß er nach Lyon abgegangen sey, um den Ober⸗Befehl uͤber die dort zusammengezo⸗ genen Truppen zu uͤbernehmen. Man sagt, daß der General Bernard eben dahin abgegangen sey.
Der Maire von Lyon hat unterm 18ten do folgende zweite Proclamation erlassen: „Meine lieben. Mitbuͤrger, Ein Haufe von 12 bis 1500 Personen hat sich gestern Nachmittag gegen 5 Uhr vor dem Stadthause gebildet. Dieser Haufe suchte ge⸗ gen 6 Uhr die Schildwachen zu umringen, und verkuͤndete seine Gegenwart durch Ausrufungen, die nicht deutlich verstanden wurden. Polizei⸗Kommissarien und andere Agenten, denen die Aufrechthaltung der oͤffentlichen Ordnung uͤbertragen worden war, wurden beschimpft. Der Ruf: Nieder mit den Drago⸗ nern! wurde in dem Augenblicke vernommen, wo ein Piguet dieser Waffe vorruͤckte, um die Menge auseinanderzutreiben. Man ergriff einige Pferde beim Zuͤgel, und drei bespannte Wagen wurden mitten in die Kavallerie⸗Abtheilung hineingeschoben. Hierauf wur⸗ den die drei durch das Gesetz vorgeschriebenen Aufforderungen erlassen; und da die Raͤumung des Platzes nicht erfolgte, so wurden 10 Personen verhaftet; eine derselben wollte eben einen Stein auf die Truppen schleudern, und hatte einen zweiten in der Tasche. Ich habe zu meinem groͤßten Vergnuͤgen gesehen, daß sich unter den verhafteten 10 Personen nur 3 Lyoner und 2 Seiden⸗ Arbeiter befinden; ich hatte also Recht, zu behaupten, daß die recht⸗ lichen Arbeiter an etwa stattfindenden Unordnungen keinen Theil nehmen wuͤrden. Das obenerwaͤhnte Ereigniß ist an sich von keiner Wichtigkeit; sehr wichtig aber ist der Schrecken, den das allgemeine Arbeits⸗Verbot in allen Klassen der Gesellschaft erregt hat. Seit vorgestern sind eine große Menge Fabrikanten aus ihren Wohnungen gefluͤchtet; viele Eigenbhuͤmer von Webestuͤhlen haben gestern ein Gleiches gethan, um den Gewaltthaͤtigkeiten zu entgehen, denen sie seit vier Tagen ausgesetzt sind. — Die Fortdauer eines solchen Zu⸗ standes der Dinge wuͤrde unvermeidlich und sehr bald den gaͤnz⸗ lichen Untergang unserer Stadt herbeifuͤhren. Moͤgen die recht⸗ lichen Arbeiter uͤber dieses Resultat nachdenken, und dann wer⸗ den sie augenblicklich ihre Sache von der solcher Leute trennen, fuͤr welche die Unordnung ein Beduͤrfniß ist, und durch die sie in eine Lage versetzt worden sind, welche in so augenscheinlichem Widerspruche mit ihrem Interesse steht. Lyon, 18. Febr. 1834.
(gez.) Prunelle.“
Aus St. Etienne schreibt man vom 18ten d.: „Die Auf⸗ regung in Lyon hat sich bei uns nicht sehr fuͤhlbar gemacht. Un⸗ sere Weber haben ihre Arbeiten nicht eingestellt. Man sprach nur davon, daß ungefaͤhr 1000 derselben in dieser Nacht nach Lyon aufbrechen wollten. Aber die Nachricht, daß die Lyoner Arbeiter sich unterworfen haͤtten, kuͤhlte ihren kriegerischen Eifer ab. Wenn die Arbeiter in Lyon die Oberhand behalten haͤtten,
so wuͤrde hier großes Ungluͤck nicht ausgeblieben seyn, da die Haͤlfte unserer Garnison auf dem Wege nach Lyon in Echellon aufgestellt ist...
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Auch gestern Abend sammelten sich wieder Gruppen auf dem Boͤrsen⸗Platze. Hin und wieder ließ sich ein aufruͤhrerisches Ge⸗ schrei vernehmen, und die Laͤden wurden fruͤher als gewoͤhnlich geschlossen. Es waren ziemlich bedeutende Streitkraͤfte zusam⸗ mengezogen worden; aber sie hatten nicht noͤthig, einzuschreiten. Die Stadt⸗Sergeanten sollen einige Personen verhaftet haben.
Alle hiesigen Theater hatten es gestern so eingerichtet, daß die Vorstellung erst nach 11 Uhr zu Ende war, und die Polizei hat nirgends fuͤr gut befunden, auf die Ausfuͤhrung des neuen Polizei⸗Reglements zu bestehen. Indeß heißt es, daß saͤmmt—⸗ liche Direktoren heute auf die Polizei⸗Praͤfektur geladen worden seyen.
Der Redacteur des Bon Sens hat anzeigen lassen, daß er morgen seine Ausrufer wie gewoͤhnlich mit dem Verkaufe sei⸗ nes Blattes beauftragen werde, ohne dazu die Erlaubniß der Polizei einzuholen. Er wolle, bemerkt er, dadurch beweisen, daß er nur der materiellen Gewalt nachgebe.
Das Journal du Havre meldet: „Der Admiral Mackau ist von Carthagena auf dem Fort Royval in Martinique ange⸗ kommen, nachdem er von den Columbischen Behoͤrden jede Ge⸗ nugthuung erhalten und Herrn Barrot wieder als General⸗Kon⸗ sul installirt hat.“
— In einem Straßburger Blatte liest man Folgendes: „Wir geben hier das genaue Inventarium des Aktiv⸗Bestandes der alten Civil⸗Liste zur Zeit der Abdankung Karls X.: Diaman⸗ ten, Edelsteine, Perlen u. s. w. auf 287,792 Fr. geschaͤtzt; Ge⸗ maͤlde und Antiquitaͤten 2,565,976 Fr.; wissenschaftliche und literarische Werke 357,804 Fr.; aus dem Muͤnzhause kommende Medaillen 288,964 Fr.; verfuͤgbarer Ertrag der Manufakturen von Sevres, der Gobelins und von Beauvais 3,419,212 Fr.; Vermehrung des Mobiliars in den Schloͤssern 4,288,740 Fr.; Werth der von Karl X. angekauften Waldungen und Haͤuser 1,923,908 Fr.: Ueberschuß an Werth beim Tausche von Mobi⸗ lien Karls X. gegen Guͤter der Krone. Der Gesammtwerth dieser Gegenstaͤnde belaͤuft sich auf 13,647,152 Fr., welche die neue Civil⸗Liste fuͤr gut gefunden hat, sich zuzueignen, waͤhrend sie die Bezahlung der Schulden ihrer Vorgaͤngerin der Nation uͤberließ, ein Auftrag, den die Deputirten Frankreichs jetzt auch zur allgemeinen Zufriedenheit erfuͤllt haben. Es ist unmoͤglich, egoistischer einerseits und gefaͤlliger andrerseits zu seyn.“
Großbritanten und Irland.
London, 22. Febr. Bei dem Lever, welches der Koͤnig gestern im St. James⸗Palast hielt, wurde Sr. Majestaͤt Herr Schiras als Geschaͤftstraͤger des Koͤnigs von Griechenland vor⸗ gestellt.
*Das Oberhaus hat sich gestern bis zum 25. d. vertagt. Im Unterhause wurde die Motjon des Marquis von Chan⸗ dos in Bezug auf die dem Ackerbau treibenden Theil der Be— voͤlkerung zu gewaͤhrende Erleichterung von den auf ihm ruhen⸗ den Lasten zuletzt mit einer Majoritaͤt mit 4 Stimmen, naͤmlich mit 206 gegen 202, des von den Ministern dagegen eingelegten Widerspruchs ungeachtet, angenommen. Sir E. Knachtbull machte darauf seinen fruͤher angekuͤndigten Antrag, daß der Be⸗ schluß des Hauses vom 13ten d. hinsichtlich der Ernennung eines besonderen Ausschusses uͤber das Benehmen des Richters Baron Smith wieder aufgehoben werden moͤchte; auch dieser Antrag ging mit einer Majoritaͤt von 161 gegen 155 Stimmen durch. Beide Diskussionen hatten so viel Zeit weggenommen, daß das Haus sich an diesem Tage nicht mehr in einen Ausschuß uͤber die Mittel und Wege verwandeln konnte. Es wurde schließlich noch uͤber die Vorschlaͤge des Herrn Littleton in Bezug auf die Zehnten in Irland Bericht erstattet und Letzterem die Erlaubniß ertheilt, eine Bill zur Abschaffung dieser Zehnten und zur Ein⸗ fuͤhrung einer Grundsteuer an deren Statt einzubringen. Auf den Antrag des Herrn Spring Rice wurde ein neues Wahl⸗ Ausschreiben fuͤr Dudley an die Stelle des zum General-An⸗ walt ernannten Sir J. Campbell erlassen. Endlich kuͤndigte noch Herr Sheil zum 25sten d. eine Motion auf Vorlegung der Korrespondenz an, welche uͤber die Unterdruͤckung des Blattes „der Pilot“ zwischen der Irlaͤndischen Regierung und dem Stempel⸗Amte gepflogen worden.
„Wie
Der vorgestrige Globe enthielt folgenden Artikel: wir hoͤren, hat Sir William Horne die ihm an ebotene Ehre zum Richter ernannt zu werden, deshalb abgelehnt, weil sich hinsichtlich der Befreiung des neuen Richters von der Pflicht, die Bezirks⸗Gerichte zu bereisen und den Sitzungen der Old⸗ Bailey beizuwohnen, bedeutende Schwierigkeiten erhoben haben, waͤhrend es doch durch die neueren Parlaments⸗Akten gebiete⸗ risch erheischt wird, daß waͤhrend der Zeit, wo die Richter die Bezirke bereisen, wenigstens immer einer in London bleibe, um bei den Kammer⸗Verhandlungen gegenwaͤrtig zu seyn. Die Ernennungen des Sir John Campbell und des Herrn Pepys zum General⸗Anwalt und General⸗Fiskal, wofuͤr die Patente bereits an⸗ gefertigt waren, sind nun natuͤrlich suspendirt worden.“ Hierzu be⸗ merkt die Times: „Wenn wir recht unterrichtet sind, so walten in diesen Angaben einige Irrthuͤmer ob. Sir William Horne hatte Anfangs das Richter⸗Amt angenommen, und erst, als die Koͤnig⸗ liche Zustimmung zu der von den Ministern vorgeschlagenen und von dem gelehrten Richter angenommenen Ernennung in der Stadt anlangte, sprach der bisherige General⸗Anwalt den Wunsch aus, die ihm dargebotene Ehrenstelle abzulehnen. Wir fuͤrchten aber, seine Weigerung kommt zu spaͤt, wenigstens da⸗ fuͤr zu spaͤt, um es ihm moͤglich zu machen, das Amt wieder zu uͤbernehmen, zu dem in Folge seiner Befoͤrderung schon Sir John Campbell ernannt worden war. Wir sind der festen Meinung, daß diese Anordnung durch die Koketterie des Str William Horne nicht gestoͤrt werden darf. Moͤge daher im Unterhause auf ein neues Wahl⸗Ausschreiben fuͤr Dud⸗ ley (welches Sir John Campbell repraͤsentirt) angetragen werden! Die Minister koͤnnen natuͤrlich Sir William Horne nicht zur Annahme des Richter⸗Amts zwingen, aber sie sind es ihrem Ansehen schuldig, sich nicht zum Spielball von Jeder⸗ manns Laune machen zu lassen. Sir William Horne kann na⸗ tuͤrlich seinen Parlaments⸗Sitz fuͤr Marylebone beibehalten, aber er hat aufgehoͤrt, General⸗Anwalt zu seyn. Sein gelehrter und leidenschaftsloser Rathgeber, dessen Namen wir nicht zu nennen brauchen, wird wahrscheinlich uͤber die Folgen laͤcheln, die sich sein gelehrter Freund durch seine Einfalt sugezogen hat. Es wuͤrde ihm ohne Zweifel das groͤßte Vergnuͤgen gemacht haben, haͤtte er das Ministerium in Verlegenheit bringen koͤnnen; in⸗ deß auch das macht ihm gewiß Vergnuͤgen, wenigstens einen Freund gedemuͤthigt zu haben.“
Das Schiff „Pantaleon“, welches von Lissabon in Fal⸗ mouth angelangt ist, hat neuere Nachricht von dort mitgebracht, die bis zum 9. d. reichen und nicht ohne Interesse sind. (Vergl. den Artikel Portugal.) 1
Aus New⸗York sind Zeitungen bis zum Lten d. hier ein⸗ gegangen, woraus hervorgeht, daß die Geldverlegenheit daselbst noch immer fortdauert.
8 3
Die letzte Steigerung in den Fonds⸗Coursen soll dadurch
veranlaßt worden seyn, daß sich das Geruͤcht verbreitete, die Bank oder die Ostindische Compagnie habe beschlossen, ein gro⸗ ßes disponibles Kapital zu 2½ pCt. gegen Deponirung von Ef⸗ Getraide⸗Durchschnittspreise in vergangener Woche. bbFbbIbp. 48 Sh. 11 P. 38 Sh. 8P. ““ 1181I11“ 4 » Roggen 1““
Bohnen 1[16 ö3
fekten auszuleihen.
Woͤchentl. Sechswoͤchentl. Zoll Hafer 11A1““ - 9 » Erbsen
ederlande.
Amsterdam, 24. Februar. Die Handels⸗Kammer macht bekannt, daß die Regierung, im Interesse der Niederlaͤndischen Handels⸗Schifffahrt, nach den Portugiesischen Haͤfen, in denen die Autoritaͤt Ihrer Maj. der Koͤnigin Donna Maria anerkannt ist, die einstmweilige Zulassung des Herrn Luiz Carlos Rebello als General-Konsul von Portugal fuͤr die besagten Haͤfen auto⸗ risirt habe.
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Bruͤssel, 23. Febr. Der Kriegs⸗Minister hat den Chess der Armee⸗Corps befohlen, den Urlaub, den man taͤglich den Offizieren und Soldaten bewilligt, bis auf neuen Befehl ein⸗ zustellen.
Das zu Charleroi garnisonirende iste Linien⸗Regiment hat Befehl erhalten, nach dem Luxemburgischen aufzubrechen. Ein Bataillon dieses Regimentes steht schon zu Arlon.
Gestern wurden von Bruͤssel Estafetten nach Arlon, Paris und London abgesandt.
In der Sitzung der Repraͤsentanten⸗Kammer am 21.
Febr. ward die Eroͤrterung des Budgets des Innern fortgesetzt. Im Kapitel X. ist fuͤr den Handel und die Industrie die Summe von 260,000 Fr. angesetzt. Die Central⸗Section schlug vor, diese Summe auf 150,000 Fr. zu vermindern. Der Mi⸗ nister des Innern vertheidigte seinen Anschlag. Herr Meeus nahm hierauf das Wort und sagte: „In dem Augenblick, wo die Industrie und der Handel im Hinsterben liegen, wo die Kla⸗ gen unaufhoͤrlich ertoͤnen, glaube ich, daß es mehr als Zeit ist, ein Handels⸗Ministerium zu ernennen, das zugleich mit dem Zoll⸗ wesen beauftragt waͤre. Wir beduͤrfen eines Mannes, der sich gaͤnzlich mit der Industrie und dem Handel, den einzigen Auel⸗ jen der Wohlfahrt und des Gluͤckes der Nationen, beschaͤf⸗ tigen kann; denn Sie wissen, meine Herren, was in dem Jahrhundert, worin wir leben, aus den Nationen wird, die weder industriell sind, noch Handel treiben. Fahren wir so fort, wie wir seit drei Jahren gethan haben, so unterliegt es keinem Zweifel, daß wir bald weder Handel noch Industrie mehr haben werden. Eine ganz weise und vorhersehende Regierung muß die Zweige der Wehlfahrt ermuthigen. Man erinnert sich noch der Klagen, die im Jahre 1814 ertoͤnten; seitdem ward eine Handels⸗Gesellschaft gebildet und man sah denselben wieder auf⸗ bluͤhen. Sie ward als eine neue Maßregel getadelt; allein man sah bald die Fabriken zu Gent sich vervielfaͤltigen und gedeihen; man sah den Handel von Antwerpen eine ungeheure Ausdehnung nehmen, was ein Beweis der Nuͤtzlichkeit der Ermuthigung war. Ich votire daher fuͤr die durch den Minister geforderte Summe.“ — Herr Gendebien behauptete, es sey unmoͤglich, daß die Er⸗ muthigung der Industrie und dem Handel Gedeihen geben koͤnne, wenn ihnen Absatzwege und Sicherheit fehlen. „Das einzige Mittel, sie zu beguͤnstigen“, sagte er, „ist in diesem Augenblick, daß man das System abaͤndere, daß man nicht die Hoffnung naͤhre, Frankreich werde unserer Industrie guͤnstig seyn, waͤh⸗ rend man dieselbe vielmehr in einem Zustand von Abzehrung halten moͤchte, um uns zur Vereinigung mit Frankreich zu zwingen. Das Zoll⸗System abaͤndern, ist das Mittel, das Loos der Industrie zu verbessern.“ Nach einigen Debatten
ward die durch den Minister verlangte Summe angenommen.
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Kop hagen, 22. Februar. In dem Staats⸗Kalender von 1831 ist Isabella Ii. als Koͤnigin von Spanien, und ihre Mutter, Maria Christina, als Regentin aufgefuͤhrt.
Sowohl in Korsoͤer als in Nyborg ist die bedeutende Er⸗ hoͤhung der Bruͤcken-Taxe, welche gegen 40 Jahre stattgefun⸗ den, nun aufgehoben, und das Bruͤcken⸗Passage⸗Geld fuͤr Fuhrwerke auf die urspruͤnglich sehr billige Abgabe von respective † und „ der bisherigen herabgesetzt, wodurch die Kosten der Ueberfahrt uͤber den großen Belt sehr ermaͤßigt werden. ““
Deutschland. 8 Hannover, 25. Februar. Zur Feier des Geburtstages
Sr. Koͤnigl. Hoheit des Vice⸗Koͤnigs Herzogs von Cambridge
gab die Frau Herzogin Koͤnigl. Hoheit gestern Abend ein glaͤn⸗ zendes Fest, wobei Scenen aus der Geschichte des Guelphen⸗ hauses in Tableaux dargestellt wurden. Heute Abend wird im Koͤnigl. Schauspielhause ein von Wilhelm Blumenhagen ver⸗ faßter Prolog gesprochen, und darauf die Oper Cortez aufge⸗ fuͤhrt werden.
Jena, 25. Febr. (Weimarsche Zeitung.) Am 28sten d. M. fruͤh um 10 Uhr verschied in seinem neunzigsten Lebens⸗ jahre der Major von Knebel, Ritter des Ordens der Wachsam⸗ keit oder vom weißen Falken. Geliebt und betrauert geht die⸗ ses letzte beruͤhmte Mitglied aus dem Kreise der Herzogin Anna Amalia, Wielands, Herders, in die Gruft; sein Charakter und seine Schriften werden ihm im immerwaͤhrenden Andenken sei⸗ ner Bekannten und Freunde erhalten, wie in der Literatur, die ihm manches Meisterwerk verdankt. Er war es, wie man weiß, der in Frankfurt a. M. die Bekanntschaft des Großherzogs Karl August mit Goethe vermittelte.
Wuͤrzburg, 18. Februar. (Wuͤrzburger Zeitung.) „Es ist im Verlaufe der letzten Woche uͤber 20 bis 26 Indivi⸗ duen hiesiger Stadt die Haupt⸗Untersuchung wegen Majestaͤts⸗ Beleidigung erkannt worden, jedoch sind nur etwa sechs des Verbrechens, die uͤbrigen nur des Vergehens der Majestaͤts⸗Be⸗ leidigung beschuldigt. Unter der Zahl der Beschuldigten befin⸗ den sich auch die Landtags⸗Deputirten J. Leinecker und A. Ziegler von hier, die nun nach den gesetzlichen Normen diesmal ihren Sitz in der Kammer nicht einnehmen werden, sondern statt ih⸗ nen werden die Ersatz⸗Maͤnner Feller von Aschaffenburg und Buͤrgermeister Kurz von Lohr einberufen werden. — Ein aus⸗ waͤrtiges Blatt giebt auch schon Nachricht uͤber diese Vorfaͤlle, verdoppelt aber die Zahl der Beschuldigten und laͤßt sie Wuͤrz⸗ burger Buͤrger seyn. Es muß dies dahin berichtigt werden, daß keineswegs alle Betheiligten das Buͤrgerrecht besitzen und wenigstens ein Drittheil aus Individuen besteht, die ohne Buͤr⸗ gerrecht hier leben.“ ;
v 8 80 “ S 2
zuge Antheil genommen,
Luxemburg, 22. Februar. In Bezug auf die von der Belgischen Repraͤsentanten⸗Kammer an den Koͤnig Leopold ge⸗ richtete Adresse, bemerkt das hiesige Journal: „Um was handelt es sich im Grunde, und wozu all' dieser Lääͤrm? Ein Distrikt⸗Kommissarius ist verhaftet worden, weil er die Miliz⸗ Aushebung in dem strategischen Rayon der Festung vornehmen jassen wollte. Es ist augenscheinlich, daß die Verletzung der Convention, welche einen beschraͤnkteren Rayon, als den im Jahre 1815 auf 4 Stunden bestimmt gewesenen, fest⸗ stelte, das Gouvernement der Festung veranlaßte, diesen letzterSen Rayon als den fortan allein bestehenden 29 nehmen, und daß also der Uebertreter des Verbotes, die Mi⸗ liz auszuheben, mit Fug und Recht außerhalb des kleinen Rayons verhaft worden ist. Was die Thatsache jener Uebertre⸗ tung betrifft, so kennen wir sie, und lassen uns fuͤr jetzt nicht ausfuͤhrlicher daruͤber aus. Wir haben Grund zu glauben, daß die Aktenstuͤcke, welche dieselbe beweisen, der Oeffentlichkeit wer⸗ den uͤbergeben werden. Die Belgische Regierung hat in vollem Umfange von dem Rechte Gebrauch gemacht, ihre Sache als in jeder Hinsicht begruͤndet darzustellen. Die Antwort wird jedoch auch nicht auf sich warten lassen.“
eehscch— “ Wien, 16. Febr. Von unserem beruͤhmten Orientalisten,
Hofrath von Hammer, ist kuͤrzlich wieder ein interessantes Werk
des Morgenlandes in Deutscher Bearbeitung erschienen. „Gul und Buͤlbuͤl, d. i. die Rose und die Nachtigall“, von dem Tuͤrkischen Dichter Faslik, ist, metrisch bearbeitet, mit dem in Tuͤrkischen Musterschriften gedruckten Texte, bei Hartleben in
ist erschienen. Die typographische Ausstattung ist dem orien⸗ talischen Werke angemessen und der Preis (2 Gulden C. M.) daher auch sehr billig. 8
6 Schweiz.
zuͤrich, 19. Febr. CAllgemeine Zeitung.) Frank⸗ reich hat sich nunmehr gegenuͤber der Schweiz durch seinen Ge⸗ schaͤftstraͤger uͤber die gegen Savoyen aufgebrochenen Polen er— klaͤrt. Auch jetzt noch zeigt die Französische Regierung ihre Ge⸗ neigtheit, besonders die Regierungen von Waadt und Genf (der Bernerischen geschieht keine specielle Erwaͤhnung), ihrer Polen zu entledigen. Es wird ihnen näͤmlich der Durchpaß durch Frank⸗ reich auf Franzoͤsische Kosten gestattet, in der Meinung jedoch, daß sie zuvor schriftlich sich erklaͤren: 1) nach welchem Seeha⸗ fen, um weiter zu kommen, sie abgehen wollen; 2) daß sie sich allen Verfuͤgungen der Franzoͤsischen Behoͤrden auf der Durchreise genau unterziehen wollen. Der Vorort hat die Staͤnde Bern und Waadt ermahnt, die Polen zu dem geforderten Versprechen anzuhal⸗ ten und weiter zu schicken. So werden wir hoffentlich dieser eingedrungenen Gaͤste bald los werden. Vergangenen Sonntag hat der hiesige Universitäts⸗Rath die Frage berathen, wie gegen die hier immatrikulirten Studenten, welche an dem zu verfahren sey. Daruͤber hat sich derselbe, wie man vernimmt, sehr bestimmt ausgespro⸗ chen, daß dergleichen Unwesen mit dem Bestehen einer wis⸗ senschaftlichen Anstalt rein unverträaͤglich sey, und solche Glie⸗ der einer wahren Soldateska nicht in eine den reinen Bestre⸗ bungen der Wissenschaft und Bildung gewidmete Gemeinschaft gehoͤren. Dagegen glaubte er, da ihm keinerlei Gerichts⸗ barkeit zustehe, auch nicht eine Untersuchung gegen sie di⸗ rekt anheben zu koͤnnen, sondern hielt es seiner Stellung ge⸗ maͤß, dem Erziehungs⸗Rathe von seiner Ansicht uͤber die Sache Kenntniß zu geben, und diesem alle weitern amtlichen Schritte zu uͤberlassen. Dieser Schritt ist fuͤr die Universitaäͤt doppelt wichtig, einmal damit sie sich gegenuͤber dem In⸗ und Auslande reinige von jedem Verdachte, als ob sie geneigt waͤre, einer re⸗ volutionnairen Partei, die uͤberall verwegen einzuwirken trach⸗ tet, und in der Schweiz einen passenden Zufluchtsort oder viel⸗ mehr Sammelplatz suchte, irgend welchen Vorschub zu leisten; dann aber auch, damit die nachläͤssigen, auf Abenteuer herum schweifenden Studenten, die es vorziehen, statt wissenschaftlichen Arbeiten obzuliegen, ihre Zeit mit Hionen von Revolutionen zu vergeuden, und ihre Phantasie mit langweiligen Traͤumen unrei⸗ fer Republiken zu fuͤllen, einsehen lernen, sie seyen auf keinen fuͤr ihre Thorheiten fruchtbaren Boden gekommen.
In spaͤteren Berichten liest man: „Mit der Genferisch⸗ Waadtlaͤndischen Unterhandlung in Bern war es, nach den letz⸗ ten Berichten, nicht zum Ziele geruͤckt, obschon Genf, wie man nun versichert, sich durch seine Abgeordneten, im Namen des dortigen Staats⸗Raths, der hierzu durch die hoͤchste Behoͤrde bevollmaͤchtigt ist, dahin aussprach, daß es die im Bernschen Beschlusse vom 10ten enthaltenen Bedingungen annehme; wo⸗
durch es freilich zunaͤchst seiner eigenen Ruhe, aber zugleich auch
dem Interesse der Schweiz ein neues Opfer bringt. Da nun aber die Bernsche Regierungs⸗Behorde von Waadt eine gleiche Erklaͤrung verlangte, bevor sie jenem Beschlusse Folge gebe, und der Waadtlaͤndische Abgeordnete von seinem Staats⸗Rathe wohl die gleiche Geneigtheit, aber nicht auch dieselbe Bevollmaͤchti⸗ gung versichern konnte, welche dort erst noch von dem großen Rathe zu ertheilen ist, so mußte einstweilen die Sache unent⸗ schieden bleiben, bis dieser Abgeordnete, der sich wieder nach Lausanne verfuͤgt, von da bestimmtere Weisung zuruͤckbringt. Im Falle nun aber, daß der dortige große Rath nicht sogleich versammelt werden koͤnnte, um jene Vollmacht zu ertheilen, duͤrfte, da dem Waadtlaͤndischen Staats⸗Rathe, wie dem Genfer— schen, daran gelegen scheint, die Polen aus seinem Gebiete zu entfernen, der besagte Abgeordnete gleichwohl vorher wieder in Bern eintreffen, um, gemeinschaftlich mit dem Genferschen, von der dasigen Regierung zu verlangen, daß sie ihr Ansuchen um vorlaͤufige Wiederaufnahme der Polen, vor der woͤrtlich voll⸗ saͤndigen Erfuͤllung der gemachten Bedingungen, noch einmal vor den großen Rath bringe. In Genf sollen sich noch unge⸗ faͤhr 40 Polen befinden; die von Rolle hergebrachten stehen nicht in Wiflisburg, wie fruͤher irrig behauptet wurde, sondern in Peterlingen (Payerne) fortan Unter Aufsicht Waadtlaͤndi⸗ scher Miliz.“
zuͤrich, 22. Februar. (Schweizer Blaͤtter.) Der Vorort hat eine Note vom Oesterreichischen Hofe erhalten, wo⸗ rin dieser im Allgemeinen das Benehmen der Bundes⸗ und Kantonal⸗Behoͤrden bei Gelegenheit des Einfalls in Savoyen als voͤlkerrechtsgemaß anerkennt; aber zugleich sein Bedauern ausdruͤckt, daß einige Kantons⸗Regievungen nicht Kraft genug besessen, um ihren Beschluͤssen gehörigen Nachdruck zu geben, und einige andere nicht die wuͤnschbare Vorsicht bewiesen haͤtten. Die Oesterreichische Regierung verlangt daher zur Beruhigung der Nachbar⸗Staaten Garantieen, damit kuͤnftig aͤhnliche Vorfaͤlle nicht zu besorgen seyen, und von dem Asylrecht kein die Rechte und Interessen Dritter gefaͤhrdender Mißbrauch gemacht werde.
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8 It alien. Turin, 15. Febr. Unsere Zeitung meldet aus Savoyen 8 19 daselbst befindlichen Rekruten der Brigade „Savona“ 9 8 unsch geaͤußert haben, nicht bloß, wie gewoͤhnlich, im Laufe de ages, sondern auch waͤhrend der Nacht in ihren Quartie⸗ resecs sast zu herden⸗ 1 sie um so rascher in den Stand buͤrden, bei vorfallenden Ereigni 6 ei ihr Füneabe .a gcl e gnissen in den Reihen ihrer In Bologna ist gestern ein lei chtes Erdbebe Bol n verspuͤrt wor den, das seine Richtung von Suͤd⸗Suͤd⸗West nach Nord⸗Nord⸗ Ost nahm und etwa 10 bis 12 Sekunden dauerte.
Turin, 15. Febr. (Allgemeine Zeitung.) Die Par⸗ tei der Bewegung hat durch ihren letzten sinnsosen Versuch den empfindlichsten Streich erlitten, der ihr seit langer Zeit versetzt worden; sie wird sich schwer davon erholen. Ihr blindes Werkzeug die Polen, haben nun die Rolle von privilegirten Ruhestoͤrern auf dem Kontinente vermuthlich ausgespielt, denn unsere Regierung wird Alles anwenden, um zu verhindern, daß das Schweizer Ge⸗ biet nicht ferner der Sammelplatz aller Mißvergnuͤgten und politischen Schwaͤrmer unseres Welttheils sey; sie wuͤnscht eine Uebereinkunft getroffen zu sehen, durch welche man sich wechsel— seitig verpflichtet, die politischen Verbrecher eines fremden Lan⸗ des auszuliefern oder wenigstens zu entfernen. Es ist deshalb nach Wien und Paris geschrieben worden, und es waͤre moͤglich daß das Oesterreichische wie das Franzoͤsische Kabinet sich mit diesem Vorschlage einverstanden erklaͤrten, und den politischen Fluͤchtlingen in Zukunft ein Asyl verweigerten. Geschieht dies, so wuͤrde die Schweiz solcher Uebereinkunft wohl beitreten, und ihr Gebiet von fremden Abenteurern reinigen muͤssen. 6 Die Regierung von Genf hat die Gefahr kennen gelernt, die eine zu große Gastfreundlichkeit ihr fast bereitet haͤtte; man sollte glauben, sie werde bei den anderen Kantonen darauf dringen, alle fremden Revolutionnairs zu entfernen, und ihnen fuͤr die Folge den Eintritt in die Schweiz zu verweigern. Wenigstens ist unserm Hofe von Genf aus versichert worden, daß man Alles aufbieten werde, um nicht wieder Scenen erneuert zu sehen, die alle Wohldenkenden mit Abscheu erfuͤllt haͤtten. Sollte jedoch auf guͤtlichem Wege nicht erreicht werden, was die Ruhe Curopa's gebieterisch verlangt, und die Neutralitaͤts⸗Gerechtsame der Schweiz dazu dienen, den Umwaͤlzungs⸗Maͤnnern einen siche⸗ ren Centralpunkt fuͤr Revolutions⸗Plane offen zu lassen, so wuͤrde wohl die Zeit der Transactionen voruͤber seyn, und mit Nachdruck verlangt werden, was man freundschaftlichen Vor⸗ stellungen nicht zugestehen wollte. Es waͤre dazu allerdings ein Einverstaͤndniß mit Frankreich noͤthig, allein man hat allen Grund zu glauben, daß die Franzoͤsische Regierung dem Ge⸗ bote der Selbsterhaltung gehorchen, und selbst dazu mitwirken werde, ihre Graͤnzen von den gefaͤhrlichen Gaͤhrungsstoffen zu befreien, durch welche der innere Friede ihres Landes spwoht als der Nachbar⸗Staaten unaufhoͤrlich bedroht ist. Der hiesige Franzoͤsische Gesandte soll vollkommen die Ansichten unsers Hofes in diesem Falle theilen, und sie in Paris zu unterstuͤtzen ver⸗ sprochen haben. eb
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Lissabon, 9. Februar. Die Chronica theilt in einem Supplement vom 4. d. Saldanha's Bericht vom 31. Januar
uͤber den Sieg bei Pernes mit; der General versichert darin,
daß er nur drei Todte in dieser Affaire gehabt habe; man will jedoch wissen, daß der Verlust seines 8”- 82 auf 190 bis 200 Mann an Todten und Verwundeten, der des Feindes aber auf 500 Mann belaufen habe.
In ihrem Blatt vom 6. d. enthaͤlt die Chronica ein De⸗ kret, wodurch vom 1. Maͤrz an die Einfuhr von 54,000 Quarter Weizen erlaubt wird. Die Getraide⸗Preise sind jetzt sehr hoch, weil es an Vorraͤthen mangelt und die Zufuhr aus Spanien fast ganz unterbrochen ist.
Der Herzog von Terceira hat, man weiß nicht, ob freiwil⸗ lig oder gezwungen, das Kommando wieder niedergelegt und ist am 5. Abends in Lissabon eingetroffen. Am folgenden Tage hatte er eine Audienz bei Dom Pedro, mit dem er im besten Ver⸗ nehmen stehen soll. Es heißt, der General Saldanha habe nicht
unter ihm dienen, sondern den Ober⸗Befehl fuͤhren wollen, und
die Zwistigkeiten zwischen beiden seyen eines Tages so heftig ge⸗ worden, daß die Miguelisten, waͤren sie entschlossener gewesen, die unter dem Herzoge stehende Armee⸗Abtheilung mit dem besten Erfolg haͤtten angreifen koͤnnen. Wenigstens fanden sie Zeit, aus dem Norden und aus Alemtejo noch 7000 Mann regulairer Truppen und Guerillas nach Santarem heranzuziehen, so daß sie jetzt, obgleich sie in den drei Gefechten bei Leiria, Torres⸗No⸗ vas und Pernes uͤber 3500 Mann verloren haben sollen, doch noch staͤrker sind, als zu der Zeit, wo Saldanha seinen Marsch nach Leiria antrat. An die Stelle des Herzogs von Terceira ist der General Stubbs ernannt worden.
Am 2ten d. schienen Dom Miguels Truppen Santarem raͤumen zu wollen und marschirten, um diesen Plan zu maski⸗ ren, in großer Anzahl gegen Pernes zu; da sie aber die Straße nach Gallegas offen fanden, zogen sie sich bei Nacht dorthin und fin⸗ gen am Morgen des 3ten an, sich auf der Straße nach Abran⸗ tes aufzustellen. Der Brigade⸗General Bacon, hiervon unter⸗ richtet, drang mit einem Kavallerie⸗Detaschement vor und trieb die feindlichen Vorposten zuruͤck. Dies schien den Miguelisti⸗ schen Truppen die Meinung beizubringen, daß Saldanha's ganze Macht im Anmarsch sey und ihnen den Ruͤckzug abschneiden wolle; sie zogen sich daher wieder nach Santarem zuruͤck. Ge⸗ neral Bacon folgte ihnen auf dem Fuße, und sobald er sich uͤber⸗ zeugt hatte, daß sie nicht, wie er geglaubt, bei Chanusca uͤber den Tajo zu gehen Miene machten, verließ er sein kleines Detaschement auf einen Augenblick und eilte zum General Saldanha, um diesen von der Lage der Dinge zu benachrichtigen. In Santarem wa⸗ ren, dem Vernehmen nach, nur 2000 Miguelisten zuruͤckgeblieben, und Bacon hielt es daher fuͤr ein Leichtes, daß Saldanha mit seinem Corps die ausgezogene Miguelistische Heeres⸗Macht von jener Stadt abschneiden koͤnne; dieser aber ließ die Gelegenheit unbenutzt voruͤbergehen. Hierauf unternahm der General Bacon mit einer Schwadron noch einen Angriff gegen 3 feindliche Ka⸗ vallerie⸗Schwadronen und 200 Jaͤger bei Val de Figueiras und draͤngte dieselben auf ihre Infanterie zuruͤck.
In Santarem sollen die Krankheiten und der Mangel an Lebensmitteln so uͤberhand genommen haben, daß man in Lissa⸗ bon glaubt, die Miguelisten wuͤrden sich jedenfalls nur noch sehr kurze Zeit dort behaupten koͤnnen.
Seit dem 3ten d. M. sind von Lissabon 2000 Mann, wor⸗ unter 400 Briten, nach dem Haupt⸗Quartier der constitution⸗ nellen Armee und 300 Mann nach Setubal abgegangen.
Bei Agoas de Moura, einem Ort, 8 Stunden von Setu⸗ bal, kamen am 6ten d. 3000 Mann Miguelisten an; da sie aber erfuhren, daß die Garnison und die Batterieen des Platzes zu stark seyen, um es mit ihnen aufnehmen zu koͤnnen, kehrten
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sie wieder um. Gestern erschienen 1200 Miguelisten in Aldea Gallega und Alcochete am Tajo, die sich damit begnuͤgten, eine Anzahl Vieh mit fortzunehmen.
— Die Times faͤhrt fort, die in Lissabon aufgefundene Korrespondenz zu publiciren. Folgendes ist die Abschrift eines Schreibens oder einer Vorstellung des Visconde v. Santarem an Dom Miguel (ohne Datum, aber, wie sich aus dem Inhalte ergiebt, vom Ende des Jahres 1832):
„„Senhor! Die letzten Dokumente, die ich Ew. Majestaͤt zu uͤbersenden die Ehre hatte, zeigten Ew. Majestaͤt 1) die verzweifelte Lage, in der sich die Rebellen seit dem 29sten befinden; 2) die allge⸗ meine Meinung in England, daß ein weiterer Angriff von unseren Truppen, wenn derselbe unverweilt erfolgt, sie vernichten werde; 3) die erfolgreichen Bemuͤhungen der Rebellen, ihre Truppen nicht nur zu verstaͤrken, sondern sie unserer Armee sogar uͤberlegen zu machen; 4) ihre Thaͤtigkeit in Organisirung von Kavallerie⸗Corps, um die Sfanfin⸗ ergreifen zu koͤnnen. Ich habe nun die Ehre, Ew. Majestaͤt zu melden, daß ich durch das eben angekommene Packetboot, das Nachrichten bis zum 18ten d. brachte, Folgendes er⸗ fuhr: Am 16ten wurden 16 Offiziere, 160 Mann und 100 Pferde sammt dem Englischen Obersten Bacon in Portsmouth fuͤr den Dienst der Rebellen eingeschifft. Aus den beigeschlossenen geheimen Mittheilungen werden Ew. Matestaͤt ersehen, 8 diese und andere Huͤlfssendungen in Folge der Hoffnungen geschehen, welche unsere Unthaͤtigkeit seit dem 28sten einfloͤßte. Mir wurde versichert, daß vortes und andere Englische Offiziere, die am 29sten in Porto waren, agen, wenn auf unserer Seite nur irgend ein Plan, wie schlecht er auch seyn moͤchte, gewesen waͤre, wir Porto in Besitz bekommen haͤtten. Wird die Bewegung, die man gegen Foz vorhat, eben so isolirt seyn, wie die am 14ten gegen Serra, so wird sie dasselbe Resultat haben. Wird sie nicht von einer allgemeinen Bewegung laͤngs der ganzen Linie begleitet, so werden wir abermals einen schrecklichen Verlust an unseren tapfersten Truppen erleiden, ohne irgend einen Vortheil zu erlangen. — In dem Auszuge Nr. 2 habe ich die Ehre, Ew. Majestaͤt die Ultimat⸗Ansicht des Herzogs von Wellington uͤber das, was wir thun sollten, zu uͤbersenden. Ich flebe um Ew. Koͤnigliche Majestaͤt Aufmerksamkeit auf die Meinung eines so großen Feldherrn. Der Plan, der, wie mir scheint, fort⸗ waͤhrend befolgt wird, ist der des Visconde do Pezo da Regoa, naͤmlich Porto durch eine regelmaͤßige Belagerung zu bezwin⸗ gen. Dieser Plan ist hinsichtlich des Erfolgs nicht nur von anger Dauer, sondern unterliegt auch dem weiteren Ein⸗ wurf, daß die Belagerung nicht vollstaͤndig gemacht werden kann, ohne uns in einen Krieg mit England zu verwickeln, denn die Britischen Kriegsschiffe werden nicht dulden, daß sie in der Douro Muͤndung vollstaͤndig ausgefuͤhrt werde, und bleiben sie dort, so wird die Belagerung rein illusorisch seyn. So werden die Sa⸗ chen taͤglich verwickelter. Werden die Rebellen nicht vor dem Win⸗ ter niedergeschlagen — geht die eindrucksvolle Wirkung des Triumph⸗ Zugs Ew. Maj., als Sie die Hauptstadt verließen, verloren — und wird nicht durch einen Europaͤischen Krieg eine Aenderung der Mei⸗ nungen und Absichten der Englischen und Franzoͤsischen Minister be⸗ wirkt, so wird die Rebellen⸗Partei eine furchtbare Kraft erlangen, welche die Verblendeten bloß noch zu sehen brauchen, sie, die nicht wissen, was ihre Pflicht gegen Ew. Maj. und die Monarchie ihnen gebietet. Doch setze ich in Ew. Maj. Festigkeit und Weisheit mein ganzes Vertrauen, uͤberzeugt, daß die von Ew. Maj. ge⸗ troffenen Maßregeln die Monarchie retten werden aus den vielen Gefahren, die sie umgeben, und von ihrem gaͤnzlichen Untergange in dem Sturme der Revolution. Meine Feinde, die auch die Feinde Ew. Majestaͤt sind, werden auf alles dies sehr ehaͤssig antworten, daß ich nichts von militairischen Sachen ver⸗ ehe; aber zugegeben, daß ein Nicht⸗Militair die Strategie nicht verstehen kann, wie es bei mir der Fall ist, g kann ich doch immer⸗ bin, wie ich bereits that, solche Dinge in ihrer Beziehung auf den wesentlichsten Punkt der Staats⸗Politik betrachten, da dies meiner Pflicht und Verantwortlichkeit entspricht, in Folge des Vertrauens, das Ew. Maj. in mich setzten, indem Sie ein so wichtiges Amt meinen Haͤnden anvertrauten. Auch hat meine Berührung der mi⸗ litairischen Frage keinen Bezug auf das, was ich meine, sondern was die ersten Feldherrn Europas meinen, welche den ersten Krieger der neueren Zeiten besiegt und zwar an derselben Stelle, wo wir jetzt die Rebellen bekaͤmpfen, bestegt haben. Senhor, ich bereue es kei⸗ nesweges, daß ich schon oft, ehe die Ereignisse wirklich eintraten, die 5 Gefabren geschildert habe, denen die heilige Sache Euer Majestaͤt und der Monarchie ausgesetzt ist. Dies ist nicht nur eine Pflicht des Amtes, das ich durch die Gnade Euer Maiestaͤt erhielt, sondern auch eine Pflicht meines Gewissens, meiner Treue und meines Dankes fuͤr die vielen großen und steten Ehren und Auszeichnungen, die Ew. Majestaͤt mir zu verleihen geruhten. Man kann aber die aͤußern Gefahren unsrer Lage, die feindlichen Plane zweier der maͤchtigsten Nationen Europa'’s gegen uns nicht berechnen und erwaͤgen, ohne zugleich deren Verwandtschaft und innige Verbindung mit unsern inneren Gefahren, so wie die Mittel, ihnen zu begegnen, in Betracht zu ziehen. Dies ist gerade das, was ich that. ngluͤcklicherweise haben sich meine Voraussagungen und Befuͤrchtungen verwirklicht. Diese Befuͤrchtungen haben jetzt noch groͤßeres Gewicht durch die Beweise, die dafuͤr der gegenwaͤrtige Zustand Europa's und der Maͤchte in Bezug auf Portugal, so wie Portugal's in Bezug auf sie liefert.“ 1“
“ shrlet.
Konstantinopel, 28. Jan. (Allgemeine Zeitung.) Wir genießen scheinbare Ruhe, und wuͤrden ohne das große Mißtrauen, welches Jeden wegen der naͤchsten Zukunft erfuͤllt, den Handel wieder aufbluͤhen sehen, der seit der letzten Kata⸗ strophe beinahe voͤllig erloschen ist. So aber werden Jahre vergehen, bevor ein regelmäaͤßiges Geschaͤft unternommen wird, denn kein angesehenes Haus will sich Gefahren aussetzen. Dieser Zustand ist druͤckend und wirkt auf die Regierung zu⸗ ruͤck, der das allgemeine Wohl wirklich am Herzen liegt, und die gern abhelfen moͤchte, wenn es in ihren Fraͤften stuͤnde. Allein die Umstaͤnde sind gebieterisch, und man muß in Ge⸗ duld bessere Zeiten abwarten. Die Aussichten sind aber we⸗ nig erfreulich, und die Araber richten uns systematisch zu Grunde; denn statt sein stehendes Heer zu vermindern, ver⸗ mehrt Mehmed Ali dasselbe taͤglich, und zwingt so den Sul⸗ tan ein Gleiches zu thun, bis der ohnedies erschoͤpfte Staats⸗ Schatz gaͤnzlich geleert, und die geringen Mittel verschwun⸗ den seyn werden, an welchen man noch zehrt. Wohin das fuͤh⸗ ren wird, ist nicht abzusehen, denn das Projekt zu einer An⸗ leihe, das neuerdings wieder auf's Tapet gebracht und ernst⸗ lich berathen ward, duͤrfte, wie man jetzt wieder hoͤrt, schwer⸗ lich realisirt werden. Die dem Sultan befreundeten Maͤchte fuͤhlen das Mißliche unserer Lage; sie sind daher rastlos be⸗ muͤht, Mehmed Ali zur Verminderung seines Heeres zu ver⸗ moͤgen. Allein dieser giebt freilich die schoͤnsten Versicherungen spricht von seiner Ergebenheit fuͤr den Großherrn, unterläß aber nicht, frische Truppen und Kriegs⸗Material nach Asten uͤberzuschiffen, und Anstalten bei seiner Marine zu treffen, als gaͤlte es, morgen den Feldzug wieder zu eroͤffnen. Der Eng⸗ lische Botschafter soll dem hiesigen Agenten Mehmed's deshalb ernstliche Vorstellungen gemacht und gedroht haben, daß seine Regierung sich ins Mittel legen werde, wenn der Stand der Aegyptischen Armee nicht vermindert, und dem Sultan die Ueber⸗ eugung verschafft wuͤrde, daß die friedlichen Gesingungen des ascha’'s nicht nur durch Worte, sondern auch durch Handlun⸗ 889 sich bewaͤhrten. Das ist Alles recht schön, allein der viele ort⸗Aufwand, welcher schon lange an Mehmed verschwendet
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