1834 / 79 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

. uͤber die Anbahnung eines Konkordats zu Regulirung der Weg⸗ und Bruͤcken⸗Gelder. Das Maximum 8e Weg Gelds 8 8icen zufolge 5 Rappen fuͤr ein angespanntes Pferd fuͤr eine Weg⸗ stunde von 16,000 Schweizer Fuß. 3) Einen Bericht uͤber Re⸗ gulirung des Eingangs⸗Zolles fuͤr den Zwischen⸗Handel in den Kantonen. 4) Einen Bericht uͤber die Regulirung von Konsumo⸗ Zoͤllen, Verbrauchs⸗Steuern und Markt⸗Zoͤllen, ferner uͤber Auf⸗ eines eidgenoͤssischen Zoll⸗Verwesers und die Bestimmung seiner Attribute. 5) Einen Bericht uͤber die eidgenoͤssischen Graͤnz⸗ 8 Gebuͤhren und ihre Verwendung. Eine fernere Aufgabe die⸗ ser Kommission war es, im Einverstaͤndnisse mit dem bei den Suͤd⸗ Deutschen Hoͤfen akkreditirt gewesenen Praͤsidenten v. Genzenbach, die Art und Weise zu berathen, wie den Verhaͤltnissen des chwei⸗ zerischen Handels der Deutschen Zoll⸗Union gegenuͤber eine sichere Basis gegeben werden koͤnne. Dieser Abschnitt der Kom⸗ missional⸗Arbeiten ist noch nicht publik geworden, wahrscheinlich, um angefangenen Unterhandlungen in keiner Weise vorzugreifen. Gestern Abend den 3ten d. ist der K. Franzoͤsische Gesandte in der Schweiz, Graf v. Rumigny, in Zuͤrich eingetroffen. Da derselbe erst vor wenigen Tagen Paris verlassen, so ist zu er⸗ warten, daß derselbe Ueberbringer von Instructionen sey, welche eine endliche Befreiung der Schweiz von ihren Polnischen Gaͤsten moͤglich machen.

Spanien.

Madrid, 4. Maͤrz. In der hiesigen Hof⸗Zeitung vom eutigen Tage liest man: „In der Nacht vom 2. Maͤrz wurde die Regierung benachrichtigt, daß an einem in der Straße To⸗ ledo gelegenen Vesammlungsorte, genannt „Paradizo“, sich Symp⸗ tome von Unordnungen aͤußerten, und dort aufruͤhrerische Wuͤnsche nd Geschrei ertoͤnten. Ehe die Polizei⸗Behoͤrden und die Trup⸗ pen an Ort und Stelle angekommen waren, hatten sich schon eine große Anzahl ehrenwerther Buͤrger aus der Nachbarschaft dorthin verfuͤgt, um diesen Unfug zu unterdruͤcken und so ihre Ergebenheit fuͤr die legitime Sache Ihrer Majestaͤt Isabellas II. an den Tag zu legen. Unter den Individuen, welche verbrecherisches Geschrei ausstießen, blieben zwei todt auf dem Platze, und meh⸗ rere andere wurden verwundet, indem sie sich den Truppen wi⸗ dersetzen wollten oder zu entfliehen suchten. Alles, was ergriffen werden konnte, ward gleich in das Gefaͤngniß abgefuͤhrt, und die naͤmlichen Buͤrger aus der Nachbarschaft wirkten fortwaͤh⸗ rend nebst den Truppen und den Behoͤrden zur Verhaftung der Aufruͤhrer mit. Ihre Majfestaͤt die Koͤnigin⸗Regentin hat, die Wichtigkeit dieses Ereignisses in Erwaͤgung ziehend, ob⸗ gleich die Ruhe des Ueberrestes der Hauͤptstadt dadurch nicht zu leiden hatte, fuͤr dienlich erachtet, nach Anhoͤ⸗ rung des Minister⸗Raths folgende Maßregeln zu verordnen: 1) Die Militair⸗Behoͤrde wird in Gemaͤßheit des Art. 7 des De⸗ krets vom 18. Maͤrz 1831, daß die Abkuͤrzung der Prozeß⸗For⸗ men gestattet, zum Urtheile uͤber dieses Vergehen schreiten; 2) zur schnelleren Instruction des Prozesses und zur schnellsten Be⸗ strafung der Schuldigen sollen getrennte Proceduren statthaben; 3) damit die Kommission schneller verfahren kann, sollen die durch die Koͤniglichen Dekrete bestimmten Empoͤrungs⸗ und Verschwoͤ⸗ rungs⸗Sachen ausschließlich zu ihrer Kompetenz gehoͤren, indem die gewoͤhnlichen Gerichte sich nur mit den gemeinen Vergehen beschaͤftigen werden; 4) um den naͤmlichen Zweck zu erreichen, jenen naͤmlich, den Schluß der schwebenden Sachen zu beschleu⸗ nigen, soll die Militair⸗Komission sich in drei oder mehrere Sec⸗ tionen theilen, deren jede aus einer Anzahl kompetenter Richter bestehen soll. Zu diesem Ende wird der General⸗Capitain die⸗ ser Provinz die Mitglieder dieser Kommission und die General⸗ Prokuratoren, die noͤthig seyn werden, ernennen; 5) die Militair⸗ Kommission wird unverzuͤglich und vor jeder andern Sache zur Instruction der Angelegenheit in Betreff des in der Straße To⸗ ledo stattgehabten Vorfalls schreiten und Ihrer Majestaͤt alle 24 Stunden von dem Zustande des Prozesses Bericht abstatten.“ Die Zeitung el Siglo legt diesen Ereignissen einen ernst⸗ haftern Charakter bei. Nach der Erzaͤhlung dieses Blattes be⸗ faͤnde sich Madrid in einer Art von Anarchie. Mehrere Ein⸗ wohner, deren Namen dasselbe anfuͤhrt, sind in den Straßen durch Karlisten angegriffen und genoͤthigt worden, zu ihrer Ver⸗ theidigung die Waffen zu ergreifen. Unter den verhafteten Per⸗ sonen befinden sich merkwuͤrdigerweise viele Anhaͤnger der Koͤnigin. Das Boletino do Comercio beschuldigt die Koͤnigl. Frei⸗ willigen wegen dieser Vorfaͤlle; es gesteht, daß die Unordnungen mehrere Naͤchte dauerten, und daß endlich eine Rotte Ruhestoͤrer so weit gegangen ist, auf die Anhaͤnger der Koͤnigin in dem Viertel Cebada unter dem Rufe: Es lebe Don Carlos! Feuer zu geben. Bald zogen sie sich in ein Haus der Straße Toledo, das sie mit dem Namen „Schloß Karls V.“ geschmuͤckt hatten, zuruͤck, wo sie einen verzweifelten Widerstand leisteten; ihrer 5 oder 6 wurden getoͤdtet und etwa 30 verwundet: die Soldaten haben diese letztern in das Gefaͤngniß geschleppt. Auch die Trup⸗ pen hatten auf ihrer Seite Verwundete; Wurfgeschosse jeder Art wurden durch die Aufruͤhrer geschleudert. Am Schlusse sagt dieses Blatt ebenfalls, daß man kein Mitleiden mit den Rebel⸗ len 8n de 8 ekanntli at das Dekret uͤber die staͤdtische Miliz fa in allen Theilen Spaniens Widerspruch hshe; Zu Cn fas haben alle staͤdtische Freiwillige, die unter den Waffen standen, sich aufgeloͤst, als sie die Grundlagen dieses Dekrets erfuhren; das Naͤmliche geschah zu Valladolid, Santander, Salamanca und uͤberall, wo es bekannt ward. Die Koͤnigin hat daher am 1. Mäaͤrz folgendes Dekret erlassen: „Die bewaffnete Macht, welche auf mehreren Punkten des Konigreichs, die unter der Benennung: „Staͤdtische Miliz“, „Freiwillige Isabella's II.“, oder unter jedem andern Namen schon organisirt ist, soll unter den unmittelbaren Befehlen der General⸗Capitaine fortbestehen.“ Das Dekret vom 16. Februar hatte den Zweck, diese bewaff⸗ nete Macht aufzuloͤsen. Das neue Dekret verordnet, die staͤdti⸗ 82 ferner hia 21n eane dem Dekret vom 20. Februar gebildet werden sollte, da on eine erste ificati des Dekrets vom 16. Februar war. 1““ Ein Befehl der Koͤnigin⸗Regentin an die Verwaltungs⸗De⸗ putation der Provinzen Alava, Guipuzcoa und Biscaya enthaͤlt Folgendes: „Die Empoͤrung, welche die Provinzen heimsucht verursachte und verursacht ihnen noch taͤglich ungeheure Kosten, Um diese zu bestreiten, sind die Deputationen ermaͤchtigt, eine außerordentliche auszuschreiben, und diese auf die Geistlichen nach dem buchstaͤblichen Texte des Gesetzes VI. Tit. III. Buch J. der novissima recopilacion auszudehnen, das sie fuͤr verbindlich erklaͤrt, zu den Unkosten, welche die Bewachung und Vertheidigung des Landes zum Zweck haben, beizutragen.⁷

Inland.

Berlin, 18. Maͤrz. Des Koͤnigs Majestaͤt der Bestreitung mehrerer kirchlichen Bedürfaise 8 ehale zu Lissen, Reg. Bezirk Merseburg, eine Beihuͤlfe von 300

316 Rthlrn. als ein Gnaden⸗Geschenk mittelst Allerhoͤchster Kabinets⸗ Ordre vom 13ten v. M. zu bewilligen geruht.

Vorgestern Nachmittag fiel die Sjaͤhrige Tochter eines hiesigen Buͤrgers, als sie auf dem Hofe eines am Fortifications⸗ Graben belegenen Hauses in der Jerusalemer⸗Straße spielte, ins Wasser und wurde von der jetzt besonders starken Stroͤmung fortgerissen. Der Kuirassier Friedrich Loͤsch, von der 3ten Esca⸗ dron des Garde⸗Kuirassier⸗Regiments, der erst seit 8 Tagen aus dem Lazareth entlassen war, und gerade des Weges ging, warf sich sofort bei dem Wassergange an der Mohrenbruͤcke in den Graben, und rettete mit hoͤchster Lebensgefahr unter der genann⸗ ten Bruͤcke das Kind, das zwar bewußtlos war, jedoch durch an⸗ gestrengte aͤrztliche Bemuͤhungen wieder ins Leben zuruͤckgerufen wurde. Der Garde⸗Kuirassier Loͤsch sank nach vollbrachter Ret⸗ tung gleichfalls in Bewußtlosigkeit und mußte aufs Neue nach dem Lazareth geschafft werden.

Am 5ten d. M. beging der evangelische Prediger Jo⸗ hann Christoph Hergesell an der Kirche zu Ottendorf im Kreise Bunzlau seine 50 jäͤhrige Amts⸗Jubelfeier.

Die Gemeinden im Regierungs⸗Bezirke Koblenz haben im Jahre 1833 folgende Leistungen gemacht: 11“ J. Fuͤr kirchliche Zwecke. . . 23,228 Rthlr. II. Fuͤr Schul-Zwecke.... 55,109 Rthlr. III. Fuͤr Medizinal⸗Zwecke. . 9,797 Rthlr. —-——

88,134 Rthlr.

Der Graf von Hohenthal zu Hohenprießnitz hat der Hohmannschen Stipendien⸗Kasse zu Koͤnnern, welche alljaͤhrlich eine Anzahl armer Kinder kleidet, ein Geschenk von 200 Rthlrn. gemacht. Zu dem projektirten Buͤrger⸗Schulbau in Zeitz hat die dasige Maurer⸗, Steinhauer⸗- und Ziegeldecker⸗Innung einen Beitrag von 200 Rthlrn. offerirt. Die aus Wettin gebuͤrtige, zu Breslau verstorbene Handschuhmacher-Wittwe Pickard hat den Armen in Wettin ein Legat von 500 Rthlrn. vermacht.

In das Koͤnigliche Landarmen⸗Verpflegungs⸗Institut zu

Tapiau wurden im Laufe des vorigen Jahres 390 maͤnnliche und 125 weibliche Armen und Vagabunden gebracht. Am Schlusse des Jahres 1832 befanden sich in diesem Institute 248 mäaͤnnliche und 88 weibliche Individuen. Von dieser Ge⸗ sammt⸗Zahl von 851 Personen sind waͤhrend des vorigen Jahres 32 verstorben und 457 entlassen worden, so daß am letzten De⸗ zember noch 362 (276 maͤnnliche und 86 weibliche) in dem In⸗ stitute vorhanden waren. Die Einnahme belief sich auf 28,493 Rthlr. 9 Sgr. 4 Pf., wozu der Bestand aus dem Jahre 1832 von 14,846 Rthlr. 28 Sgr. 11 Pf. kommt. Die Gesammt⸗ Einnahme war also 43,340 Rthlr. 8 Sgr. 3 Pf. Die Ausgabe betrug 30,495 Rthlr. 26 Sgr. 5 Pf., so daß am 1. Januar d. J. ein Bestand von 12,844 Rthlr. 11 Sgr. 10 Pf. blieb, wovon 10,000 Rthlr. bei der Koͤnigl. Bank deponirt sind. Man schreibt aus Hirschberg unterm 11. d. M.: „Seit gestern Abend herrschte bei uns ein schrecklicher Sturm mit untermischtem Hagelwetter. Heute fruͤh um halb 4 Uhr, als er mit furchtbarer Wuth hauste, hoͤrte man ploͤtzlich einen starken Donnerschlag, und der damit verbundene Blitzstrahl er— hellte die Nacht. Viele Personen glaubten, es sey, weil es den Abend vorher schon gewetterleuchtet hatte, ein mit dem Sturme verbundenes Gewitter gewesen, welches das Grauen der Nacht erhoͤhte; allein nach Aussage mehrerer Personen, die sich auf der Straße befanden, ist es eine glanzvolle Feuerkugel gewesen, die mit heftigem Donnerschlage zersprang und in der Umgegend un⸗ serer Stadt (nordoͤstlich) niedergefallen zu seyn scheint.“

Wissenschaftliche Nachrichten

Wenn man die unendliche Arbeit bedenkt, welche auf die Beobachtung des Mondes, auf die Bestimmung seiner so hoͤchst zusammengesetzten Bewegung verwendet worden ist, so kann man fragen, hat der Erfolg diese Muͤhe gelohnt? Gewiß, denn durch den Mond wissen wir, daß vor 2.00 Jahren ein Tag genau so lang war, wie jetzt; an ihn knuͤpfte Newton die Ent⸗ deckung der allgemeinen Schwere, jenes Grund⸗Prinzips aller himmlischen Bewegungen, durch ihn endlich hat die Schifffahrt jene Sicherheit erhalten, die uns imponiren wuͤrde, waͤren wir weniger an sie gewoͤhnt. Und hat es nicht etwas Wunderbares, wenn Capitain Basil Hall uns erzaͤhlt, daß, als er nach Sgtaͤgi⸗ ger Fahrt, auf welcher er in der Ferne nur ein einziges Segel gesehen, von der West-Kuͤste Mexiko's aus um das Kap Horn herumgeschifft und nach der Berechnung seiner Mond⸗Beobach⸗ tungen sich dicht vor Rio Janeiro befindet, dies dem Schiffs⸗ Volke sagt, und als der Nebel sich ploͤtzlich verzieht, wirklich der Fels am Eingang des Haͤfens so dicht vor ihm steht, daß, um einzulaufen, er den Cours des Schiffes nicht im geringsten zu aͤndern braucht? Einen so treuen Fuͤhrer naͤher kennen zu lernen, erfordert die Pflicht der Dankbarkeit. Das, was uns als Knaben die verwitterten Zuͤge eines Greisen⸗Antlitzes zu seyn schienen, be⸗ stimmt sich in einem besseren Fernrohr zu einer mannigfaltig ge⸗ stalteten Karte. Dunkle Schatten lassen scharf abstuͤrzende Ge— birge vermuthen, Ketten schließen sich an Ketten fecherfoͤrmig von bestimmten Punkten sich verbreitend, aus kraterfoͤrmigen Vertiefungen erheben sich Huͤgel, vielleicht durch eben dieselben Kraͤfte emporgehoben, als die zuerst gesprengte Decke; Alles eigt sich so scharf begraͤnzt, wie durch keine Atmosphaͤre getruͤbt. er aber kann sich ohne Fuͤhrer in diesem Chaos zurecht fin— den? Mit vollem Recht glauben wir hierzu die Herren Wilh. Beer und Maͤdler empfehlen zu koͤnnen, welche die Ergeb⸗ nisse mehrjaͤhriger mit vorzuͤglichen optischen Huͤlfsmitteln an⸗ gestellten Beobachtungen in einer Mond-Karte niedergelegt haben, deren erstes Viertel: die nordwestliche Section, welche eben bei Simon Schropp und Comp. erschienen ist, be— weist, daß in Deutschland neben der hohen Ausbildung der theo⸗ retischen Astronomie die physische sich ebenfalls eine wuͤrdige Stelle 9 sichern wisse. Die Projection ist orthographisch fuͤr mittlere ibration geltend, die Karte, lithographirt von Herrn Vogel, entspricht, so weit es der Maßstab derselben zuließ, der Lehmann⸗ schen Bergzeichnungs⸗Theorie. Die von Schroͤter eingefuͤhrte und von Lohrmann angenommene Eintheilung des Lichts in 10 Abstufungen ist beibehalten, Farben⸗-Nuancen außerdem durch eine unterscheidbare Bezeichnungsweise hervorgehoben. Die Be⸗ obachtungen wurden mit einem achromatischen Fernrohr von 4 ½* Brennweite und 42 Dec.⸗Linien Apertur, welches bei voller Schaͤrfe der Bilder eine 300malige Vergroͤßerung gestattete, an⸗ gestellt und dadurch 106 Hauptpunkte bestimmt, zwischen denen dann die zweite und dritte Ordnung eingeschaltet wurden.

Die Abtheilung der 3 Fuß im Durchmesser haltenden Karte in 4 Viertel ist besonders bequem, wenn man sie vor dem Fern⸗ rohr zu brauchen wuͤnscht, doch kann sie auch zusammengefuͤgt werden und wird mit der versprochenen Erlaͤuterung in dieser Form ein Bild unsers Nebenplaneten in wuͤnschenswerther Voll⸗

staͤndigkeit und Deutlichkeit gewaͤhren.

8 8 8

Meteorologische Beobachtung.

Morgens Nachmitt. Abends 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr.

340,1 7 Par. 341,4 Par 341,9 0“ Par. 1,2 °R. + 2,8 ° R. 0,s8 ° R. 4, 8 0 R. 1, 1 9 R. 2,0 ° R. 72 pCt. 72 pCt. 90 pCt. heiter(Reif) halbheiter. heiter. N. NNO

NS. NNs.

11“

Nach einmal Beobachtange

7 90

1834. 17. Maͤrz.

Luftdruck.. Luftwaͤrme Thaupunkt Dunstsaͤttg. Wetter.... Wind ..... Wolkenzug

Quellwärme 6,

Flußwärme 3,7

Bodenwärme 3,4 FS

Ausdünst. 0,0 41“ R

Niederschlag 0,02 7„1.

Nachmittags dn Schnee.

Berliner Börse. Den 18. März 1834.

Amtl. ö“ und Geld-Cours-Zettel.

TI Eri TDrl 1 St.-Schuld-Sch. 4 ] 98 ¾ Pr. Engl. Anl. 18. Pr. Engl. Anl. 22. Pr. Engl. Obl. 30. Präm. Sch. d. Seeh. Kurm. Obl. m. J. C Neum. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do. Elbinger do. Danz. do. in Th. Westpr. Pfandhr.

(Preuss. Cour,

98 ½ sbenen Pos. do.] 4 102 ¼ 100p

103 ½ [Ostpr. Pfandbr. 100 103 ½ [Pomm. do. 106 ½ 93 [Kur- u. Neum. do. 54 [Schlesische do. 97 [RKkst. C. d. K.- u. N. - 97 [Z.-Sch. 6. K. u. N. IHIoll. vollw. Duk. Neue do. Friedrichsd'or .. Hisconto 8 1 198 ee WechsuuI[8. 1 b“ ———

Kurz 142% 2 Mt. I1 Kurz 152 ½ 152½ 2 Mt. 152 151 3 Mt. 6 25 6 29% 2 Mt. 8122 u—

2 Mt. 103

93 55 ½ 97⁄ 97¾ 99 98 97 ½ 37 303 993

4 4 4 4

1059%

8—

SüEEEE=SgSe

250 Fl. 250 Fl. 300 Mk.

300 Mk.

Amsterdam dito HIamburg dito London Paris WWn in 20 INrr... Augsburg Breslau Leipzig Frankfurt a. M. WZ Petersburg Warschau

109 2 Mt.

2 Mt.

8 Tage 2 Mt.

3 Woch. Kurz

99 102 103

30*

100 Thl. —. 150 Fl.

100 Rbl.

600 Fl.

.““

Auswärtige Börsen. 8 Amsterdam, 13 März 8 Niederl. wirkl. Schuld 49 . 58 do. 94 ½. Ausgesetzte Schald 18. Kanz-Bill. 22 ¼ 418% Amort. 88½. 3 ½ 9 71. Oesterr. 96. Preuss. LPrümien-Scheine 96 ½ Kuss. (v. 1828) —. (v. 1831, 94 ½ 5 % Span. 612r. 38 40 ½ Paris, 12. März.

58 Rente (Coup. det.) pr. compt. 104. 70. fin. cour. 104. 90. 39 pr. compt. 78 45 fin cour. 78. 60. 5 8 Neap. pr. compt. 94. 70. fin cour. 94. 90. 5 % Span. perp. 62 ½,. 58 Belg. 99 ½. à 100. 5 9 Köm. 93 ¾. à 94.

St. Petershurg, 8. März.

Hamb. 3 Mon. 9 ⅞. Lond. 3 Mon. 10 ½. 3½. 69 Inscr. 127 ½. 5 9% do. 94.

Warschau, 14 März. Pfandhbr. 93 ¼. 94 ½. Part.-Obligat. 378 Kuss. Assign. 184. 185.

Warschau, 15. März.

Nummern der Haupt-Prämien, welche bis zum Abgange der Post gezogen sind: No. 95011 à 40000 Fl. 66229 à 2500 Fl. 43448 à 10000 FI. 41737 à 1000 Fl. 41137 à 2500 Fl. 51542 à 2500 F. 81200 à 1000 Fl. 54666 à 2500 Fl. 45693 à 1000 Fl. 96824 à 1000 Fl. 110294 à 2500 Fl. 108117 à 2500 Fl. 59000 à 1000 Fl. 16832 à 25 0 Fl. 86651 à 5000 Fl. 46634 à 5009 Fl. Nachschrift. Auf No. 70017 ficl die Haupt-Prämie von 300000 Fl. 58127 à 1000 Fl. 41115 à 2500 Fl. 57943 à 1000 Fl.

Silb.-Rub.

3593.

Koͤnigliche Schanspiele.

Mittwoch, 19. Maͤrz. Im Opernhause: Das erste Debüͤt, komisches Gemaͤlde in 3 Abtheilungen, von L. Angely. Hierauf: Die Maskerade, komisches Ballet in 1 Akt. (Dlle. Th. und F. Elsler werden hierin tanzen.)

Im Schauspielhause: La seconde représentation de: Le retous, ou: La suite de Michel et Christine, vaudeville en 1 acte, par Seribe. 2) La seconde représentation de: Le rêve du mari, ou: Le manteau, comédie en 1 acte et en vers. 3) Monsieur Maufflet, ou: Le duel au troisième étage, vau- deville comique en 1 acle.

Donnerstag, 20. Maͤrz. Im Schauspielhause: Zum er⸗ stenmale: Koͤnig Konradin, historische Tragoͤdie in 5 Abthei— lungen und einem Vorspiel, von Raupach.

Freitag, 21. Maͤrz. Im Opernhause: Fernand Cortez, Oper in 3 Abtheilungen, mit Ballets. Musik von Spontini. (Dlles. Th. und F. Elsler werden hierin tanzen.)

Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung

8 Koͤnigstaͤdtisches Theater. 8 Mittwoch, 19. Maͤrz. Hinko, der Stadtschultheißen⸗Sohn von Nuͤrnberg, Schauspiel in 5 Akten, mit einem Vorspiel „der juͤngere Sohn“, von Charlotte Birch⸗Pfeiffer.

Donnerstag, 20. Maͤrz. Die Schachmaschine, Lustspiel in 4 Akten, von Beck. Freitag, 21. Maͤrz. Zum erstenmale: Die Unzertrennlichen, Posse in 1 Akt, frei nach dem Franzoͤsischen des Scribe, vom Dr. Arendt. Hierauf: Philipp, Drama in 1 Akt, nach dem Franzoͤsischen, von Fr. Genée. Zum Beschluß: Zum erstenmale: Der Zweikampf im dritten Stock, Posse in 1 Akt, nach dem Franzoͤsischen von L. Angely.

Markt⸗Preise vom Getraide. . Berlin, den 17. Maͤrz 1834.

Zu Lande: Weizen 1 Rthlr. 20 Sgr., auch 1 Rthlr. 11 Sgr. 3 Pf, (schlechte Sorte) 1 Rthlr. 6 Sgr 3 Pf.; Roggen 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 5 Sgr.; große Gerste 25 Sgr.: kleine Gerste 1 Rthlr., auch 22 Sgr. 6 gi Hafer 25 Sgr., auch 20 Sgr. 5 Pf.

Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr, auch 1 Rthlr. 25 Sgr. und 1 Rthlr. 15 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf., auch 1 Rthlr. 6 Sgr. 3 Pg. große Gerste 1 Rthlr. 1 Sgr. 3 Pf.: kleine Gerste 23 Sgr. 9 Pf.; Hafer 23 Sgr. 9 Pf.; Erbsen (schlechte Sorte) 1 Rthlr. 12 Sgr. 6 Pf. 3

Sonnabend, den 15. Maͤrz 1834.

Das Schock Stroh 10 Rthlr., auch 8 Rthlr.; der Centner Heu

1 Rthlr. 5 Sgr., auch 20 Sgr.

Redacteur Cottel.

Gedruckt bei A. W. Hayn.

8

renßische Staats⸗Zeitun

Berlin,

Donnerstag den 26ten

Nachrichten. Froiik des Tages.

Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrich der Niederlande und Hoͤchstihre Tochter, die Prinzessin Louise Koͤnigl. Hoheit, sind nach dem Haag zu⸗ ruͤckgekehrt.

Der bei dem Kammergericht angestellte Justiz⸗Kommissar ius von Tempelhoff ist zugleich zum Notar in dem Departement dieses Kollegiums ernannt worden.

ung

Mit dem 1sten k. M. wird versuchsweise fuͤr die Sommer— Monate eine zweite taͤgliche Schnell⸗Post zwischen Berlin und Magdeburg in Gang gesetzt werden, welche aus beiden Orten um 5 Uhr Morgens abgeht, und gegen 9 Uhr Abends an bei⸗ den Orten eintrifft. Zu dieser Schnell⸗Post kommen sechssitzige Wagen in Anwendung. Auch werden in noͤthigen Faͤllen Bei⸗ Chaisen gestellt. Hinsichtlich des Personen⸗Geldes und des Reise⸗ Gepaͤcks treten dieselben Bestimmungen ein, welche fuͤr die bereits bestehende Berlin⸗Magdeburger Schnell⸗Post guͤltig sind.

Zur Erleichterung des Reise⸗Verkehrs zwischen den Staͤdten Berlin, Potsdam und Brandenburg ist bei der neu eingerichte⸗ ten Schnell⸗Post das Personen⸗Geld fuͤr die Orts⸗Reisenden

zwischen Berlin und Brandenburg auf 1 Rthlr. 20 Sgr. und zwischen Potsdam und Brandenburg auf 1 Rthlr. festgestellt worden, wofuͤr jedoch nur die freie Mitnahme kleiner Reise⸗Beduͤrfnisse bis zur Schwere von 10 Pfund gestattet ist.

Fuͤr die Orts⸗Reisenden zwischen Berlin und Potsdam kom⸗ nen bei dieser neuen Schnell⸗Post die fuͤr die Journaliere zwi⸗ chen diesen Staͤdten guͤltigen Bestimmungen in Anwendung.

Waͤhrend des Bestehens der neuen Schnell⸗Post wird die Berlin⸗Potsdamer Journaliere

aus Berlin abgefertigt um 8 Uhr Morgens, um 11 Uhr Vormittags, um 2 Uhr Nachmittags, um 6 Uhr Abends, um 10 Uhr Abends,

und aus Potsdam im Sommer um 5 Uhr fruͤh (im Winter um 6 Uhr fruͤh)

um 9 Uhr Morgens,

11““

um 12 Uhr Mittags, Bum 3 Uhr Nachmittags, um 8 Uhr Abends. .M., den 15. Maͤrz 1834. Der General-Postmeister, von Nagler.

Angekommen: Se. Erlaucht der Graf Henrich zu Stolberg⸗Wernigerode, von Wernigerode.

v 1“ Paris, 12. Maͤrz. Der zur Begruͤndung des Gesetz⸗Ent⸗ vurfes wegen eines Zuschusses von 1,500,000 Fr. zu geheimen Ausgaben in der gestrigen Sitzung der Deputirten⸗Kam⸗ er von dem Minister des Innern gehaltene Vortrag lau⸗ eete im Wesentlichen folgendermaßen: 1 „M. H., das Budget von 1833 enthaͤlt eine Bewilligung von 265,500 Fr. fuͤr geheime Ausgaben des Ministeriums des Innern. Da jenes Budget im Anfange des Jahres 1833 votirt wurde, so onnte ich nicht, wie es in den fruͤheren Sessionen geschehen war, ogleich auf einen Supplementar⸗Kredit antragen. Ich mußte den Anfang des Jahres 1834 abwarten, um die Beduͤrfutsse dieses heils des oͤffentlichen Dienstes besser wuͤrdigen und einen Zu⸗ chuß von Ihnen verlangen zu koͤnnen, den Sie seit drei kahren fuͤr unumgaͤnglich nothwendig erkannt haben. Sie wis⸗ en, meine Herren, daß die in dem gewoͤhnlichen Budget fuͤr geheime Ausgaben bewilligte Summe durch bestimmte und be⸗ fändige Verwendungen absorbirt wird, und daß fuͤr die drin⸗ gendsten Beduͤrfnisse des Sicherheits⸗Dienstes nichts uͤbrig bleibt. Die jetzige Unzulaͤnglichkeit jenes Kapitels ist um so begreiflicher, s es sich in ruhigeren Zeiten doppelt so hoch belief. Die Noth⸗ vendigkeit jenes Kredits ist rein politischer Natur. Die Beweg⸗ gruͤnde desselben heißt also gewissermaßen den moralischen Zu⸗ and des Landes darlegen. Ich bencsg h . nicht, die allgemeine üntersuchung wieder zu eroͤffnen, welche alljäͤhrlich bei Eroͤrterung er Adresse angestellt wird; aber ich habe Ihnen wenigstens die Mo⸗ hificationen zu bezeichnen, die seit Erbffnung der Session in dem zustande der Dinge eingetreten seyn duͤrften. Dabei sind vier Punkte hauptsaͤchlich zu beruͤcksichtigen: der Zustand der westlichen Departements, die Intriguen der Anhaͤnger der vorigen Regierung, ie Umtriebe der revolutionnairen Gesellschaften und das Betragen er fremden politischen Fluͤchtlinge. Diese vier Pumkte schließen alle Fragen der oͤffentlichen Ordnung in sich, und die Kammer wird mir eshalb erlauben, etwas naͤher auf dieselben einzugehen. In den vestlichen Departements ist eine Besserung nicht zu verkennen, denn er Saame des Buͤrgerkrieges ist daselbst erstickt. Auch hat die Re⸗ jerung von den beiden Kammern das Mittel verlangt und erhalten, belches gegen die jetzt noch dort herrschenden Unordnungen das ein⸗ ig wirksame ist: eine Vermehrung der Gendarmerie. Aber dadurch nd die geheimen Ausgaben in jenen Gegenden nicht entbehrlich eworden. Es ist schwer, inmitten einer Bevoͤlkerung, welche sich b gut unter einander versteht, Agenten zu unterhalten. Man muß aher seine Zuflucht zu mobilen Kolonnen nehmen, die aus dem be⸗ onderen Fonds monatliche Gratificationen erhalten Jede Verhaf⸗ ang, die durch Kundschafter bewerkstelligt wird, zieht ebenfalls eine erguͤtung nach sich. Eine einzige Operation der Art hat 6000 Franken gekostet. Fuͤr wichtige Verhaftungen haben nicht eniger bedeutende Versprechungen gemacht werden muͤssen.

Es ist dies das einzige Mittel, dem dortigen Zustand der Dinge ein Ende zu machen. Eine Bande Chouans und eine Kolonne koͤnnen in geringer Entfernung neben einander vorbeigehen, ohne sich zu begegnen. Eine geheime Beaufsichtigung und das maͤchtige Mittel der Belohnung sind weit wirksamer. Jersey, Guernsey und die Kuͤsten muͤssen ebenfalls beobachtet werden. Die Polizei und die geheimen Fonds haben uͤberall zu thun. Die Intriguen der legiti⸗ mistischen Partei haben sich von dem Westen, wo sie ihren Einfluß verloren, nach anderen Punkten gewendet und zu anderen Angriffs⸗ Mitteln ihre Zuflucht genommen. Sie bezahlen Zeitungen, die von einem in 18 errichteten Comité das Losungswort erhalten. Meh⸗ rere Korrespondenten haben sich muͤndliche Instructionen geholt. In Toulouse hat sich ein Comité gebildet, welches mit Bordeaux kor⸗ respondirt. Lyon hat im Verein mit Marseille und Avignon eine legitimistische Agentur. Die Legitimisten der an Spanien graͤnzen⸗ den Provinzen hoͤren nicht auf, sich in die Angelegenheiten der Halbinsel zu mischen. Es ist daher nothwendig geworden, die Be⸗ aufsichtigungs⸗Mittel zu vermehren. Dasselbe gilt von der Italiaͤ⸗ nischen und Schweizerischen Graͤnze. Die Vendéer und andere An⸗ haͤnger der vorigen Regierung, die die Sache Dom Miguels ver⸗ lassen haben, sammeln sich an den Kuͤsten des Mittellaͤndischen Mee⸗ res; Nizza hat deren schon einige aufgenommen. Die Reisen nach Ita⸗ lien und nach Prag haben unsere Aufmerksamkeit erregen muͤssen. Neuere Versuche zu Aix und Marseille haben bewiesen, daß unsere Beauf⸗ sichtigung weder uͤerfluͤssig noch ohnmaͤchtig war. Da jen Faction keine Art von Heuchelei verschmaͤht, um ihr Ziel zu erreichen, so hat sie zuerst die Vereine fuͤr die politische Emancipation und fuͤr die Wahl⸗Reform gestiftet; sie, die von 1817 bis 1830 alle ihre An⸗ strengungen gegen die Wahl⸗Freiheiten gerichtet hatte, behauptet jetzt, die Nation emancipiren zu wollen. Aber nur in der entgegen⸗ gesetzten Partei hatesie Thoren oder Mitschuldige gefunden; alle gu⸗ te Buͤrger haben den Fallstrick erkannt. Man mißtraut dem, was ein Feind wuͤnscht, und jene Partei hat sich laut genug fuͤr den Feind Frankreichs erklaͤrt. Wie groß uͤbrigens ihre Ohnmacht auch seyn moͤge, so muß sie doch genau beobachtet werden. Ihre Verzweigungen sind nicht weniger thaͤtig, als die der entgegen H Faction. Sie stuͤtzen sich auf die alte halb politische, halb religioͤse Organisation einer jesuitischen Verbruͤderung, die der Restauration so verderblich gewesen ist. Auf alle diese Verbindungen hat man ein sehr wachsames Auge. Andere gleich ohnmaͤchtige Leidenschaften haben andere Elemente der Un⸗ ordnung geschaffen. Schon im vergangenen Jahre habe ich Gele⸗ genheit gehabt, Sie auf die revolutionnairen Vereine aufmerksam zu machen, welche in Frankreich im Schatten unserer Freiheiten estiktet worden sind. Die Plaudereien und Prahlereien einiger df⸗ sentlichen Blaͤtter haben Ihnen schon genug von jenen Gesellschaf⸗ ten gefagt, die wir nicht mehr geheime nennen koͤnnen, da sie selbff laut eine solche Benennung von sich abgelehnt haben. Ihre Intriguen, ihre Schriften, ihre Komplotte, Alles ist bekannt. Man kennt auch ihre traurigen Hoffrungen: das Bestehende um jeden Preis umstuͤrzen, die gesellschaftliche Ordnung uͤber den Haufen sto⸗ ßen und sich dazu aller moͤglichen sich etwa darbietenden Ereignisse und Ungluͤcksfaͤlle bedienen zu wollen. In allen ihren Aufruhr⸗Versuchen be⸗ siegt, von den Straßen mit ihren Ausrufern vertrieben, von den Kammern mit ihren Bittschriften zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechtes uruͤckgewiesen, sehen wir jetzt die revolutionnairen Gesellschaften ihre ganze Thaͤtigkeit den arbeitenden Klassen zuwenden und sich der so schwierigen Frage des Arbeitslohnes als eines Elementes der Unordnung bemaͤchtigen. Hier beginnt ihre wahrhafte Gefahr, und hier hat die Regierung die Legislatur zu Huͤlfe rufen muͤssen. Schon laͤngst hat man sich nicht mehr daruͤber gewundert, daß man in der Kaiserlichen Gesetzgebung keine hinreichende Huͤlfsmittel gegen die geheimen Gesellschaften vorfand. Napoleon, als er seine Gesetzbuͤ⸗ cher entwarf, war in der That weit davon entfernt, an eine soche Gefahr zu denken. Frankreich hatte seit langer Zeit die blutige Er⸗ innerung an die politischen Gesellschaften mit Abschen zuruͤckgewiesen. Der Gesetzgeber dachte nicht daran, die Gesellschaft gegen eine Gefahr zu vertheidigen, die er auf ewige Zeiten fuͤr unmoͤglich hielt. Und brauchte uͤbrigens die Kaiserliche Regierung irgendwo anders, als in ihrer unumschraͤnkten Gewalt, ein Unterdruͤckungs⸗Mittel gegen irgend eine Gefahr zu suchen? Wer haͤtte es gewagt, wer haͤtte es auch nur gekonnt, sich unter einer Regierung, die durch ihre Censur alle Arten von Oeffentlichkeit im Zaume hielt, fuͤr einen Republi⸗ kaner oder fuͤr einen Royalisten zu erklaͤren? Die Anwesenheit der fremden politischen Fluͤchtlinge vermehrt ebenfalls die Beduͤrf⸗ nisse des Sicherheits⸗Dienstes. Man hat aus dem kuͤrzlich gegen Savoyen gemachten Versuche abnehmen koͤnnen, wie nothwendig es im Interesse unserer eigenen Ruhe ist, die Bewegungen jener Fluͤchtlinge an unseren Graͤnzen zu bewachen, und zu verhindern, daß ihre Unvorsichtigkeiten nicht auf unser Ge⸗ biet und auf unsere Bevoͤlkerungen zuruͤckwirken. Ein neuer⸗ liches Beispiel hat Ihnen bewiesen, welche Buͤrgschaft eine vorbeu⸗ ende Beaufsichtigung nicht allein gegen stuͤrmische Auftritte, Fhvdera auch den Parteien selbst gewaͤhrt, um sie vor unsinnigen Versuchen, deren Opfer sie immer selbst sind, zu bewahren. An dem Tage, wo Sie den Manen eines Ihrer Kollegen die letzte Ehre er⸗ wiesen, fehlte es sicher nicht an aufruͤhrerischen Anreizungen, noch an Vorbereitungen zu Unruhen. Aber man wußte, daß die Verwal⸗ tung benachrichtigt und die oͤffentliche Meinung auf ihrer Hut war. Durch maͤchtige Demonstrationen wußte die Behoͤrde jeder Unord⸗ nung vorzubeugen, und der Tag verlief ruhig. Ein neuer Beweis dafuͤr, daß die Agenten der Behoͤrde niemals den Vorwand zu Kol⸗ listonen geben, und daß die Unruhen in der Regel nur an den Ta⸗ gen und auf den Punkten stattfinden, wo man die Behoͤrde nicht geruͤstet glaubt. Sie wird dies aber immer und uͤberall seyn, so lange Ihr Beistand derselben nicht frhlt. Sie nimmt denselben in Anspruch, im Namen der bereits erlangten Resultate, und im Ramen so vieler öͤffentlichen und Privat⸗Interessen, die fuͤr die Zukunft gleicher Buͤrg⸗ schaften beduͤrfen.“ In einem Schreiben aus Rouen heißt es: „Die Arbeiter in den Faͤrbereien des Thales Maromme haben ihre Werkstaͤtten verlassen. Es steht zu befuͤrchten, daß die Arbeiter der Spinne⸗ reien, welche taͤglich 15 Stunden arbeiten, versucht werden, die⸗ sem Beispiele zu folgen. Dies koͤnnte ernsthaft werden; denn man zaͤhlt deren ungefaͤhr 60,000 im Departement der Nieder⸗

Seine und in der Umgegend von Rouen. Bis jetzt zeigt Nichts

an, daß politische Einfluͤsse dabei im Spiele sind.“ Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 13. Maͤrz. Die Bill uͤber die Zucker⸗Zoͤlle und uͤber die Ausdehnung des Wahlrechts von Warwick auf den Flecken Lea⸗ mington Spa, die am Dienstag im Unterhause die dritte Lesung erhalten hatten, wurden eingebracht, und Graf Durham, der auf die erste Lesung der letzteren Bill antrug, welche auch ge⸗

nehmigt wurde, bemerkte, daß er vor der zweiten Lesung in keine Eroͤrterungen uͤber diese Maßregel eingehen wolle, die das Unter⸗ haus fast einstimmig angenommen habe; wenn sich nicht einer der edlen Lords der Bill widersetzen wollte, wuͤrde es uͤberhaupt nicht noͤthig seyn, sich in die Details jener hoͤchst unange⸗ nehmen Angelegenheit einzulassen, wenn sie aber Widerspruch faͤnde, so wuͤrde es besser seyn, die zweite Lesung bis nach den Oster-Ferien zu verschieben. Lord Ellenborough. wuͤnschte zu wissen, wie lange diese Ferien diesmal dauern soll⸗ ten, worauf Graf Grey erwiederte, daß die Vertagung am 26. d. stattfinden sollte, und daß wohl zehn Tage Fene duͤrften, ehe die Verhandlungen wieder beginnen koͤnnten, weil viele Pairs einige Zeit in den Provinzen beschaͤftigt seyn wuͤrden, da in der naͤchsten Woche die Vierteljahrs⸗Sessionen stattfaͤnden. Unter den Bittschriften, welche sodann dem Hause vorgelegt wurden, befand sich eine vom Grafen Durham uͤberreichte, die von ei⸗ ner großen Zahl der in London praktisirenden Aerzte, welche Li⸗ centiaten des medizinischen Kollegiums sind, unterzeichnet war, die sich daruͤber beschweren, daß sie von gewissen Privilegien ausgeschlossen seyen, auf welche sie Anspruch zu haben glaubten. Lord Durham wies nach, daß sich in Lon⸗ don und seiner Umgegend nur 203 Aerzte erster Klasse befaͤnden, und hielt diese Zahl fuͤr viel zu gering bei einer so starken Be⸗ voͤlkerung. In Berlin, sagte er, das eine Bevoͤlkerung von 249,000 Seelen habe, befaͤnden sich 228 Aerzte, in Paris, bei einer Bevoͤlkerung von 935,000 Seelen, 925; London aber, das eine Bevoͤlkerung von 1,500,000 Seelen habe, zaͤhle nur 203 Aerzte, von denen nur 108 in der Hauptstadt und in einem Um⸗ kreise von 10 Englischen Meilen praktisirten. Berlin, fuhr er fort, habe 174 Chirurgen und Apotheker, Paris 159, London 2000. Nun beschwerten sich die Bittsteller daruͤber, daß Niemand als Arzt in London praktisiren duͤrfe, wenn er nicht erst eine Pruͤ⸗ fung vor dem medizinischen Kollegium bestanden haͤtte, obgleich dieses Kollegium keine so große Verdienste besitze, denn in den 200 Jahren, seitdem es bestehe, habe es nur 18 Bande an's Licht gefoͤrdert, waͤhrend von den medizinischen und chirurgischen Gesellschaften auf dem Kontinent in den letzten 30 Jahren allein 80 Baͤnde publicirt worden seyen; das Publikum leide durch das jetzige System großen Nachtheil, denn es befaͤnden sich unter den von der Praxis ausgeschlossenen Aerzten viele sehr tuͤchtige Leute, deren Rath und Huͤlfe ihm von nicht geringem Nutzen seyn wuͤrde. Nachdem noch Lord Ellenborough bemerkt hatte, daß er sich der Ernennung eines Ausschusses zur Pruͤfung dieses Gegen⸗ standes nicht widersetzen wolle, daß aber London doch wohl Aerzte genug haben muͤsse, da ja die Sterblichkeit in dieser Hauptstadt im Durchschnitt viel geringer sey, als in Berlin und Paris, denn in Paris verhalte sie sich wie 1 zu 32, in Berlin wie 1 zu 34, in London wie 1 zu 55, wurde die Bittschrift genehmigt.

Unterhaus⸗Sitzung vom 12ten. In dieser Sitzung kam nichts von allgemeinem Interesse vor, außer daß die Bill, wodurch der Stadt Hertford das Wahlrecht entzogen werden soll, die zweite Lesung erhielt, und die Bill, wonach die Frei⸗ sassen zu Liverpool das Wahlrecht verlieren sollen, durch den Ausschuß ging.

Unterhaus. Sitzung vom 13ten. Unter den Bitt⸗ schriften, welche in der Morgen-⸗Sitzung uͤberreicht wurden, be⸗ fand sich auch eine, in welcher die Polizei der Hauptstadt als den Grundsaͤtzen der Britischen Verfassung widersprechend dar⸗ gestellt und das Haus ersucht wurde, dieselbe unter die Aufsicht der Orts⸗Obrigkeit zu stellen. Lord Howick, der Unter⸗Secre⸗ tair im Ministerium des Innern, vertheidigte bei dieser Gele⸗ genheit die Art und Weise, wie die Polizei verwaltet werde, und die Sparsamkeit, die bei der Verausgabung der dafuͤr an⸗ gewiesenen Gelder beobachtet worden sey, und Sir Robert Peelsprach die Ueberzeugung aus, das Haus werde auf diese Frage nicht eher eingehen, als bis der zur Untersuchung derselben niederge⸗ setzte Ausschuß seinen Bericht werde abgestattet haben; Ausgabe, meinte er, sey ein sehr relativer Begriff, und wenn man die verausgabte Summe bestimmen wolle, muͤsse man nothwendig untersuchen, wie viel fuͤr Kleidung und Besoldung angewiesen worden, oder ob die Polizei zu Patronats⸗Zwecken gebraucht worden sey; Maͤnner, die mit Autoritaͤt bekleidet seyen, muͤßten auch eine hinreichende Remuneration vg. damit sie keiner Versu⸗ chung ausgesetzt waͤren (hoͤrt!); uͤbrigens sey er sehr dagegen, daß man die Polizei unter die Aufsicht der Kirchspiels⸗Beamten stelle, und halte es fuͤr besser, die Regierung allein dafuͤr verantwortlich zu machen; sobald man die Polizei der Autoritaͤt der Kirchspiele unter⸗ werfen wollte, wuͤrde die Verantwortlichkeit der Kommissarien und der Regierung vernichtet seyn, und in Zeiten einer Bewegung duͤrfte es sehr schwierig werden, die Kirchspiele zu einstimmiger Hand⸗ lungsweise zu bringen. (Hoͤrt! Hoͤrt!) Der Major Beauclerk dagegen unterstuͤtzte die Petition und erklaͤrte die Polizei fuͤr eine sehr kostspielige Institution; er hielt es fuͤr sehr verkehrt, daß sie unter der Aufsicht des Ministeriums des Innern stehe, und empfahl die Ernennung eines aus verschiedenen Kirchspielen zu waͤhlenden Koͤrpers, der eine Art von Polizei⸗Amt bilden und die ganze Hauptstadt⸗Polizei beaufsichtigen sollte. (Hoͤrt!) Die Zahl der Polizei⸗Soldaten wollte er bedeutend reducirt wissen, dagegen betrachtete er die jetzige Besoldung, naͤmlich woͤchentlich eine Guinee fuͤr den Mann, als zu niedrig und sah darin den Grund, weshalb es so viele untuͤchtige Individuen darunter gebe. Sir E. Codrington machte darauf aufmerksam, daß sich unter der jetzigen Polizei die Diebstaͤhle sehr vermindert haͤtten, und bemerkte, daß dadurch die vermehrte Ausgabe, welche diese Polizei verur⸗ sache, hinlaͤnglich aufgewogen werde. (Hoͤrt, hoͤrt) Sir R. Peel erwiederte noch Einiges auf den Vorwurf, daß die Polizei mit der Verfassung im Widerspruch stehe, indem er sagte, daß un⸗ ter dem alten System die Regierung in Faͤllen außerordentlicher Bewegungen und Tumulte zur Militair⸗Macht ihre Zuflucht ge⸗ nommen haͤtte, weil die alte Polizei nicht ausreichend gewesen sey, und daß man daher die Anwendung der Polizei in solchen Faͤllen unmoͤglich fuͤr verfassungswidrig ausgeben koͤnne, da die Regierung sich fruͤher sogar des Militairs habe bedienen duͤrfen. (Hoͤrt, hoͤrt!) Herr Capley billigte zwar die jetzige