1834 / 155 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Man vernimmt, daß auf diesseitige Vorstellungen die Franz. Regierung ihre letzten strengen Verfuͤgungen gegen Niederl. Rei⸗ sende zuruͤckgenommen hat, was hier das Reciprokum zur Folge haben wird.

Amsterdam, 31. Mai. Der seit einigen Wochen ein⸗ getretene hohe Stand der Fonds⸗Preise erhielt sich auch noch in den ersten Tagen der heute endigenden Woche, doch trat spaͤter ein Zu⸗ ruͤckweichen, wenigstens der Hollaͤndischen Staats⸗Paptere, ein. Man will dieses wieder einer minder guten Erwartung von dem Erfolge der Unterhandlungen in Bezug auf die Belgischen Angele⸗ genheiten und auch der Besorgniß zuschreiben, daß die Veraͤnderung im Englischen Ministerium politische Folgen haben moͤchte. Die auswaͤrtigen Staats⸗Papiere, mit Ausnahme der Spanischen, haben indeß ihre Preise besser behauptet, und Preußische Loose sind selbst bedeutend gestiegen, so daß diese gestern zu 106; Fl. begehrt blieben. Fuͤr Spanische Obligationen ist bei nicht erheblichem Umsatz, so⸗ wohl fuͤr Perpetuelle als Cortes⸗Bons, eine etwas flauere Stim⸗ mung eingetreten. Fonds fand wenig Handel statt, weshalb deren Preiswechsel nur unbedeutend war. Der Geld-⸗Cours steht wieder auf 2 ½ à 2 ¾⅜ pCt. Am gestrigen Getraide⸗Markt war es ziemlich lebhaft. Polni⸗ scher Weizen wurde bei Partieen zu den fruͤheren Coursen abgenom⸗ men; auch fuͤr rothe Waare zeigten sich viele Liebhaber, welche, da die Verkaͤufer zuruͤckhielten, selbst etwas bessere Preise anlegten. Roggen war preishaltend bei gutem Umsatz. Hafer wurde hoch⸗ gehalten, weshalb dieser Artikel nicht abging. Folgende Preise sind bedungen: fuͤr 129 pfünd. schoͤnen neuen bunten Polnischen Weizen 206 Fl., fuͤr 124. 127pfünd. geringern dito 178 192 Fl. nach Guͤte, fuͤr 128. 129pfuͤnd. jaͤhrigen rothen Schlesischen 170. 172 Fl., fuͤr 12½. 128.130pfünd. neuen Rostocker 148. 155. 163 Fl., fuͤr 127pfuͤnd. Pommerschen 155 Fl., fuͤr 127pfuͤndigen Anklamer 152 Fl.; fuͤr 12lpfuͤnd. alten Preuß. Pommerschen Roggen 153 Fl., fuͤr 121pfuͤnd. neuen Pommerschen 120 Fl., fuͤr 123. 124. 125pfuͤnd. Rheinischen 130. 132.125 Fl.

Belgien.

Bruͤssel, 30. Mai. Der Moniteur enthaͤlt das Verzeich⸗ niß aller bisher ernannten Belgischen Konsuln, deren es bereits 58 giebt, die in den hauptsaͤchlichsten Europaͤischen Seestaͤdten, mit Ausnahme der Niederlaͤndischen und Russischen, ihren Wohnsitz haben.

Belgischen Blaͤttern zufolge, ist der Fuͤrst Hieronimus von Montfort bereits wieder in Ostende (aus England kom⸗ mend) angelangt.

Der bekannte General Don Juan van Halen hat auf ein Jahr Urlaub genommen und eine Reise nach Spanien angetre— ten. Dem Independant zufolge, ist derselbe, zur Belohnung seiner Dienste als Freiwilliger im Monat August 1831, zum Ritter des Leopold⸗Ordens ernannt worden.

Nachrichten aus Bogota zufolge, genießt von den drei Columbischen Provinzen nur Venezuela einer gesegneten Ruhe, in Neu⸗Grenada dagegen und in Aequator macht sich der alte Insurrections⸗Geist noch immer bemerklich.

Polen.

Warschau, 1. Juni. Am 27sten v. M. starb hier der ehemalige Starost von Plozk und Plonsk, Onufrius Bromirski, im 95sten Jahre seines Alters. Der Verstorbene begann seine Laufbahn im Kriegsdienst und war General⸗Adjutant des Het⸗ mans Branizki; spaͤterhin, im Jahre 1776, wurde er zum Land⸗ boten gewaͤhlt. Der Koͤnig Stanislaus August verlieh ihm den Weißen Adler⸗ und den St. Stanislaus⸗Orden. 1

Deutschland.

Schwerin, 2. Juni. Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Erb⸗ Großherzog und die Erb⸗Großherzogin sind am 30sten v. M. von Rostock hier eingetroffen und haben sich am folgenden Tage von hier nach Ludwigslust begeben.

Altona, 3. Juni. Den gestern erwaͤhnten Verordnungen gemaͤß, wird eine eigene einheimische Regierung fuͤr die beiden Herzogthuͤmer Schleswig und Holstein gemeinschaftlich einge⸗ setzt, die unter der Benennung: „Koͤnigliche Schleswig⸗ Holsteinsche Regierung“ ihren Sitz auf dem Schlosse See haben und die Administration in den Herzogthuͤmern leiten wird. Der Wirkungskreis dieser Regierung umfaßt alle Zweige der innern Verwaltung, mit Ausschluß des eigentlichen Finanz⸗ und Steuerwesens, der Verwaltung der Domainen und Regalien, der Landwesens⸗Sachen in den Aemtern und Land⸗ schaften, der Land⸗ und See⸗Militair⸗Angelegenheiten und des Ju⸗ stizꝛwesens, mit welchem die obervormundschaftlichen Func⸗ tionen und die Aufsicht uͤber das Hypotheken⸗ und De⸗ positenwefen wie bisher vereinigt bleiben. In den zu ih⸗ rem Ressort gehoͤrigen Geschaͤften erstreckt sich der Wirkungs⸗ treis der Regierung auf alle Theile und Distrikte der Herzog⸗ thuͤmer Schleswig und Holstein, und auf die daselbst befindlichen Einrichtungen und Behoͤrden. Jedoch ist die Univers itaͤt Kiel davon ausgenommen, welche unter der unmittelbaren Lei⸗ tung der Schleswig⸗Holstein⸗Lauenburgischen Kanzlei in Kopen⸗ bagen verbleibt, und ein Gleiches gilt bis weiter in so fern von der Stadt Altona, als vorlaͤufig nur deren kirchliche und Schul⸗Angelegenheiten dem Wirkungskreise der Regierung beigelegt ind. Die Regierung ist der Statthalter der Herzogthuͤmer Schles⸗ wig und Holstein als Chef vorgesetzt, der in dieser Eigenschaft den Titel: „Ober⸗Praͤsident der Regierung““ fuͤhrt. Sie besteht, neben den außerordentlichen Mitgliedern, aus einem Praͤsiden⸗ ten, 8 Regierungsraͤthen und. 2 Assessoren. Der Ober /Praͤsident uͤbt eine Kontrolle der Geschaͤfts⸗Verwaltung im Allgemeinen,

Theilnahme an dem Detail der Geschaͤfte; seinem

ohne specielle Ermessen ist anheimgestellt, wie oft er den Sitzungen der Regie⸗ wenn er gegenwaͤrtig ist,

3 unsohnen fuͤr gut sindet;

vfesh beutgeehbbne der Stimmen die seinige den Ausschlag. Es werden der Regierung zwei geistliche Mitglieder fuͤr die kirchlichen und Scheil⸗Angelegenheiten beigeordnet, welche nach Aufforderung des Praͤftdenten den Sitzungen beiwohnen, oder ihre Vota uͤber die ihnen zugestellten Akten schriftlich abge⸗ ben. Auch wird zum Behuf der Aufsicht uͤber die Gelehrten⸗ Schulen der Regierung ein außerordentliches Mitglied beigeord⸗ net. Dieses hat die von ihm verlangten Gutachten uͤber Ange⸗ legenheiten der Gelehrten⸗Schulen zu erstatten. Zu diesem Be⸗ huf ist es verpflichtet, die Gelehrten; Schulen von Zeit zu Feis namentlich waͤhrend der Schul⸗Pruͤfungen, zu besuchen. Auch hat es sich bei wichtigern Angelegenheiten, in welchen seine An⸗ wesenheit bei den muͤndlichen Diskussionen in der Regierung fuͤr noͤthig erachtet werden sollte, nach der Aufforderung des Praͤsidenten, dazu einzufinden. Die zu dem Ressort der Regierung gehoͤrigen Sachen werden theils in Plenar⸗Sitzungen berathen und entschieden, theils in Sectionen oder Abtheilungen vorbereitet oder erledigt. Der Abtheilungen sind zwei. Jede derselben besteht aus vier Regierungs⸗Raͤthen, deren Einer Sections⸗Dirigent ist, und aus einem Assessor. Um die Regierung in einer lebendigen Kenntniß von dem Zustande des Landes und namentlich von der Amtsfuͤhrung der unter ihr stehenden Beamten zu erhalten, wer⸗ den die Mitglieder abwechselnd einen Theil der Herzogthuͤmer

Auch in Griechischen und Suͤdamerikanischen

bereisen, nach naͤherer Bestimmung des Regierungs⸗Praͤsidenten. Die Beamten sind verpflichtet, ihnen die Akten, Registraturen und sonstigen Dienstpapiere vorzuweisen, so weit sie nach dem Urtheile der Regierungs⸗Mitglieder einen der Regierung zugewiesenen Ge⸗ e betreffen. Auch der Regierungs⸗Praͤsident bereiset zu glei⸗ chem Zwecke von Zeit zu Zeit einen Theil der Herzogthuͤmer. Die Regierung hat ihre Vorschlaͤge und Antraͤge beikommenden Orts einzureichen. In ihren Anordnungen und Entscheidungen verfaͤhrt jedoch die Regierung lediglich in Gemaäͤßheit der beste⸗ henden Gesetze und Verfuͤgungen. Ist nach dem Erachten der Regierung fuͤr einen vorkommenden Fall keine gesetzliche Vor⸗ schrift vorhanden oder treten der Vollziehung der vorhandenen Bedenklichkeiten entgegen, so hat die Regierung den Fall, unter Hinzufuͤgung ihres Gutachtens, an die obere Behoͤrde, zu deren Ressort diese Angelegenheit gehoͤrt, einzuberichten. In Faͤllen, wo eine Verfuͤgung, zu welcher die Regierung nicht ermaͤchtigt ist, dringender Umstaͤnde wegen schleunig zu erlassen und Gefahr im Verzuge ist, hat der Statthalter oder, wenn er behindert ist, der Praͤsident der Regieruna, uͤber die zu treffenden Maßregeln zu entscheiden, ohne die Antwort aus der Hauptstadt abzuwar⸗ ten. Diese neuorganisirte Regierung tritt mit dem 1. Okto⸗ ber d. J. ins Leben.

Kassel, 28. Mai. In der Sitzung der Staͤnde⸗Versamm⸗ lung am 27. Mai uͤbergab der Landtags⸗Commissair, Herr Mi⸗ nisterial⸗Direktor Meisterlin, den Entwurf zum Finanz⸗Gesetz, der dem Budget-Ausschuß zur Pruͤfung uͤberwiesen wurde. Nachdem sodann verschiedene Petitionen ihre Erledigung gefun⸗ den hatten, entwickelte Herr Hahn seinen Antrag, die Staats⸗ Regierung um Auskunft uͤber die faktischen Verhaͤltnisse zu er⸗ suchen, die den neuesten Ernennungen im Forst⸗Departement zu Grunde laͤgen. Der Landtags⸗Commissair ertheilte diese Auskunft, und die Staͤnde⸗Versammlung beschloß, hiermit den Antrag als erledigt zu betrachten. Es wurde dann der vorgelegte Ge⸗ setzes-⸗Entwurf, die zu suspendirende Erhebung der Huͤlfs⸗ steuer und der Concessions⸗ und Stempel⸗Abgabe vom Brannt⸗ weinbrennen im Kreise Schmalkalden betreffend, nachdem Herr von Starck I. daruͤber berichtet hatte, in geheimer Abstimmung angenommen. Endlich ward auf den Bericht des Herrn von Starck I. uͤber Nachverwilligung eines Kredits von 1000 Rthlr. zur Unterhaltung der Baͤder beschlossen, diese Nachverwilligung abzulehnen. Nachdem sodann noch verschiedene Reclamationen erledigt waren, und entschieden worden war, den Gesetz⸗Entwurf, betreffend die fernere Guͤltigkeit der bestehenden Zoll-Gesetzge⸗ bung, in geheimer Sitzung zu behandeln, ging die oͤffentliche Sitzung in eine geheime uͤber, in welcher, dem Vernehmen nach, uͤber den zuletzt erwaͤhnten Gesetz⸗Entwurf berathen wurde, eine Beschlußnahme jedoch nicht zu Stande gekommen ist.

Dresden, 31. Mai. Se. Koͤnigl. Majestaͤt und des Prin⸗ zen Mitregenten Koͤnigl. Hoheit haben, auf wiederholtes Ansu⸗ chen des im Gesammt⸗Ministerium vorsitzenden Staats⸗Ministers von Lindenau, denselben der Geschaͤfte als Vorstand des Mini⸗ sterial-Departements des Innern, unter Bezeugung gnaͤdigster Zufriedenheit mit dessen zeitheriger ausgezeichneter Dienstleistung, nunmehr enthoben, und solche dem Staats⸗Minister von Carlo⸗ wiz definitiv uͤbertragen, jedoch mit Ausnahme der Direction der Kommission fuͤr die allgemeinen Straf⸗ und Versorg⸗Anstalten, so wie der Kunst- und wissenschaftlichen Sammlungen und der Kunst⸗Academieen, mit welcher der Staats⸗Minister von Lindenau unter dessen eigner ministerieller Verantwortlichkeit, neben Bei⸗ behaltung des Vorsitzes im Gesammt⸗Ministerium, ferner beauf⸗ tragt worden ist.

Dem ersten Inspektor bei der Koͤnigl. Gemaͤlde⸗Gallerie, Pro⸗ fessor Friedrich Matthaͤi, ist der Charakter als Gallerie⸗Direktor ertheilt worden.

Dresden, 2. Juni. Heute fruͤh haben IJ. KK. HH. der Prinz⸗Mitregent nebst Gemahlin eine Badereise von hier nach Marienbad angetreten. Privat⸗Briefen aus Teplitz zufolge ist Se. Maj. Karl X. nebst dem Herzoge von Bordeaux am 30. Mai daselbst angekommen, um etwa 4 Wochen lang das dortige Bad zu gebrauchen.

Muͤnchen, 30. Mai. In der heutigen Sitzung der Kam⸗ mer der Abgeordneten wurde zuerst vom Abgeordneten Rietzler, als Referenten des zweiten Ausschusses, Vortrag erstattet uͤber den Gesetz⸗Entwurf, die Errichtung einer National⸗ und Wech⸗ sel⸗Bank betreffend. Der Gegenstand wurde auf eine der naͤch⸗ sten Tagesordnungen gesetzt. Nachher wurde uͤber die Ruͤck⸗ aͤußerung der Kammer der Reichs⸗Raͤthe, die Vervollstaͤndigung der Gesetzgebung im Rhein⸗Kreise hinsichtlich der Brandstiftun⸗ gen betreffend, die Diskussion eroͤffnet. b

Ein Armee⸗Befehl vom 28. Mai meldet die schon fruͤher erfolgte Ernennung Sr. Koͤnigl. Hoheit des Kronprinzen zum Oberst⸗Inhaber des 5ten Chevauxlegers⸗Regiments. 1

Stuttgart, 1. Juni. Im Schwaͤbischen Merkur be⸗ findet sich folgender eingesandter Artikel: „Einige Schweizer Zeitungen enthalten die Nachricht, es habe die Regierung des Kantons Freiburg den Beschluß gefaßt, Reisenden aus Wuͤrttem⸗ berg und Baden nur dann den Lintritt in das Kantons⸗Gebiet zu gestatten, wenn die Paͤsse derselben von den eidgenoͤssischen Geschaͤftstraͤgern zu Paris oder Wien visirt seyen. Eine solche Zumuthung an die Reisenden ist zu exorbitant, als daß ich der Nachricht Glauben beizumessen vermoͤchte; sie sieht vielmehr eher einem scherzhaften Einfall aͤhnlich. Denn auch die Badische Re⸗ gierung hat nach den amtlichen Erlassen in den dortigen Zeitun⸗ gen von Reisenden aus der Schweiz mehr nicht verlangt, als daß sie (wie es in allen andern Staaten ohnehin zu geschehen pflegt) ihre Paͤsse von einem bei der Schweiz selbst beglaubig⸗ ten und daselbst residirenden Minister visiren lassen sollen. Von einem Handwerksburschen aus Langenargen habe ich indeß zu meinem Erstaunen erzaͤhlen gehoͤrt, daß ihm eine aͤhnliche Zumu⸗ thung wirklich gemacht worden sey. Sollte diese Angabe sich be⸗ staͤtigen, so moͤchte doch unsere Regierung zu ersuchen seyn, auf ernstliche Gegenmaßregeln Bedacht zu nehmen.“

Darmstadt, 1. Juni. In der gestrigen Sitzung der zwei⸗ ten Kammer wurde uͤber die Finanz⸗Verwaltung in der 3ten Finanz⸗Periode in den Jahren 1827 29 zur Abstimmung ge⸗ schritten. Dieselbe erfolgte einstimmig nach der beim vorigen Landtag gefaßten Beschlußnahme.

Mainz, 31. Mai Am 11. Juni wird hier die feierliche Weihung unseres neuen Bischofs, Herrn Humann, stattfinden. Man erwartet bei dieser Gelegenheit, außer mehreren hohen Praͤlaten, auch den Bruder des Bischofs, den Franzoͤsischen Sinar. Neßgkses Herrn Humann.

iesbaden, 29. Mai. Gestern, am Namensfest Sr. Durchl. des Herzogs, hielt die hiesige Gesellschaft fuͤr Alterthums⸗ Kunde und Geschichtsforschung ihre 12te General⸗Versammlung. Ueber das weitere Gedeihen dieses Vereins und die Vermehrung der Sammlungen durch schaͤtzbare Erwerbungen, Beitraͤge und Schenkungen vom In⸗und Auslande, worunter auch ein Roͤmischer Schild⸗Umbo, erstattete der Archivar Habel einen umfassenden und erfreulichen Jahres⸗Bericht. Unter den neufundirten Ge⸗

genstaͤnden zeichnet sich besonders aus ein juͤngst im Wald unfen der Platte gefundenes Kohorten⸗Zeichen von Bronze, den Lapr cron vorstellend, bis jetzt wohl einzig in seiner Art.

Wiesbaden, 31. Mai. Das heute erschienene Verorz, nungsblatt enthaͤlt folgendes landesherrliche Edict: „Wir Wilhelm. von Gottes Gnaden souverainer Herzog zu Nassau ꝛc. ꝛc., haben, nach nunmehr im verfassungsmaͤßigen Wege erfolgter Festsetzung des diesjaͤhrigen Landes⸗Exigenz⸗Etats, zu Deckung des Bedarsz der Landes⸗Steuer⸗Kasse fuͤr das gegenwaͤrtige Jahr, außer den au den 15. Jan. und 15. Maͤrz bereits ausgeschriebenen zwei Sim, peln Grund⸗, Gebaͤude⸗ und Gewerbesteuer, mit Zustimmung um Bewilligung der Landstaͤnde Unseres Herzogthums weiter ein und ein halbes Simplum direkter Steuern erheben zu lassen beschlef sen, wollen demnach und verordnen, wie folgt: §. 1. Ein Sim plum Grund⸗, Gebaͤude⸗- und Gewerbe⸗Steuer soll am 10. Jul⸗ und ein halbes Simplum Grund⸗, Gebaͤude- und Gewerbsteuen am 15. September laufenden Jahres erhoben werden. §. 2. Die Receptur⸗Beamten haben die Erhebung nach der ihnen von Un— serer General-Steuer-Direction zugehenden Instruction den be⸗ stehenden Vorschriften gemaͤß zu besorgen. §. 3. Gegenwaͤrtiger Beschluß soll durch das Verordnungs⸗Blatt zur oͤffentlichen Kennt niß gebracht werden. So gegeben Bibrich, den 24. Mai 18 31 Wilhelm.“ b

Oesterveich.

Wien, 31. Mai. hoͤchstihren Gesandten in der Schweiz, Ludwig Grafen pon Bombelles, zum Geheimen Rath ernannt.

Schweiz. 8

Bern, 27. Mai. (Allgemeine Schweizer Zeitung) Es soll die Antwort des Vororts an den Sardinischen Gesan ten, Herrn von Vignet, diesen so wenig befriedigt haben, daß a nur auf Ansuchen der uͤbrigen Gesandten von dem Entschluse habe abgehalten werden koͤnnen, die Schweiz zu verlassen. Einst weilen hat er sich nun begnuͤgt, die Antwort nach Turin 1 schicken und Verhaltungs⸗Befehle abzuwarten.

Das Lager in Thun wird unter dem Kommando der Hen⸗ ren Hirzel, General⸗Inspektor der Artillerie, und Dufour, Ge⸗ neral⸗Quartiermeister, stehen. Staͤrke des Lagers: 645 Offtzierr 5685 Unteroffiziere und Soldaten, und 599 Pferde. Das agg soll zu Anfang August zusammengegogen werden.

Schaffhausen, 28. Mai. ie Nachricht, daß im hiese gen großen Rathe ein Antrag gestellt worden sey: der Kanton moͤge sich gleich Neuenburg von der Eidgenossenschaft trennen wird jetzt dahin berichtigt, es sey nur die Rede davon gewesen ob es bei den drohenden Beschraͤnkungen des Handels nicht vor theilhaft fuͤr Schaffhausen erscheinen koͤnnte, dem Deutschen Zoll⸗Vereine beizutreten? Da es aber im §. 8. der Bundes⸗Ver⸗ fassung heißt: „Handels⸗Vertraͤge mit auswaͤrtigen Staaten werden von der Tagsatzung geschlossen“, so koͤnnte ein solcher Schritt nicht einseitig von Schaffhausen, sondern nur mit Ve⸗ harcth. b8 werden.

Basel, 29. Mai. Es hat (bemerkt die hiesige Zei dem ministeriellen Franzoͤsischen „Abendblatt 1Ale,Ze e. sache, daß Frankreich von den Schweizer⸗Regierungen die Aus⸗ lieferung von sechs aus Lyon entflohenen Indtviduen begehrt hat zu leugnen. Doch ist sie ganz richtig; indessen bleibt dem Fran⸗ zoͤsischen Blatte die Ausflucht, daß nicht die Auslieferung, son⸗ dern die Verhaftung verlangt worden sey. Beileaͤufig muͤssen wir uns wundern, daß gar nichts daruͤber verlautet, wie die anden Kantone, außer Basel und Freiburg, das obige Ansuchen beant worteten.

In der Allgemeinen Zeitung liest man: „Der soge, nannten geheimen Konferenz der drei Vororte, auf der Kreug⸗ Straße bei Arburg, wird nun nach gerade in den meisten ein, heimischen Zeitungen erwaͤhnt. Vor Allem ist daruͤber zu bo— merken, daß, wenn sie geheim seyn sollte, der Ort der Zusam⸗ menkunft, wo sich, wie aus der Benennung desselben hervorgeh!, die Schweizerischen Haupt⸗Straßen durchkreuzen, unzweckmaͤßing gewaͤhlt war. Auch hatte man in den benachbarten Kantonen und im Aargau gleich den zweiten Tag nachher von eben so vie⸗ len Seiten Kunde davon, als Straßen von dort auslaufen. Daß hinderte aber nicht, daß wenigstens der Berichterstatter von Zuͤrich nicht genau von den begleitenden Umstäaͤnden unterrichter war, wenn er annimmt, der Franzoͤsische Botschafter sey da⸗ bei oder in der Naͤhe gewesen, und zwar unter dem Vors wande einer Reise nach Schinznach. Davon ist so viel wahr daß derselbe wirklich einen Augenblick in der Naͤhe des Ortes wo die Konferenz stattfand, gewesen, indem er den 15. als an Tage derselben, von Bern her an der Kreuzstraße vorbei nach Schinznach gefahren ist, ohne aber auch nur zum Pferdewech seln daselbst anzuhalten. Uebrigens ist seine Reise nach Schin nach so wenig eine angebliche, daß sie vielmehr in allem Ernser zum Zwecke einer vollstaͤndigen Köur an diesem Badeorte unten nommen ist, die, wie versichert wird, auf diesen Tag lange vor⸗ aus bestimmt war, bevor man sich von einer Konferenz an der Kreuzstraße traͤumen ließ. Um nun aber uͤber die Konferenz an der Kreuzstraße zu sagen, was unsers Wissens daran war, nachdem wit bemerkt, was von anderswo daruͤber Gesagtem unrichtig ist, so fuͤgen wir nur bei, daß Zuͤrich dabei durch die Regierungsraͤthe Meyer von Knonau und Hegetschweiler; Bern durch die Regierungsraͤthe Kan Schnell und von Tavel; Luzern durch den Schultheiß Eduard Pfpffer vertreten war. Die Berathungs⸗Gegenstaͤnde sind aber fuͤr uns ein Geheimniß, koͤnnen jedoch auf keinen Fall von groͤßernn Wichtigkeit seyn, als die Mehrheit der uͤbrigen Staͤnde sie wer⸗ den lassen will. Privat⸗Berichte aus Schwytz sind insofern im⸗ mer noch von beunruhigendem Inhalte, als nach ihnen auf der Kantons⸗Landsgemeinde vom 2. Juni neue Unordnungen zu be sorgen seyn duͤrften. Die Besetzungs⸗Kosten werden zum Vor⸗ wande gebraucht, um die gemaͤßigte Partei beim Volke, das sich schon so lange her durch eine, so zu sagen, eingeborne Antipathie gegen alles Gemaͤßigte und Konsequente auszeichnet, zu verdaͤch⸗ tigen. Auch wird von dem festen Entschlusse des Landammans von Reding, sich von allen Geschaͤften zuruͤckzuziehen, gesprochen. Hinwieder soll so viel als ausgemacht seyn, daß Abyberg zum Kantons⸗Landamman erwaͤhlt werden wird.“

Chamb 289, 23 das Turiner Kabinet zu vermuthen anfin daß die Schweij seine beiden Noten in Beziehung auf dhs Serde gca der un⸗ ruhigen Polen und Italiaͤner, und die Untersuchung gegen die

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Schweizer nicht beruͤcksichtigen wolle, hat es, ungeachtet seinet sonst so freundlichen Verhaͤltnisse gegen die 2sha achatg saac hinsichtlich der Paͤsse strengere Maßregeln ergriffen, sie ließen aber bald wieder nach, und die Communication dauert bisher noch immer fort. Indessen wurden die Garnisonen in

Thonon, St. Julien, Annecy, [Hopital und Bonneville

Se. Majestaͤt der Kaiser haben Aller

Mai. (Allgemeine Zeitung.) Seitden

Ueberlaͤufer und einige andere

an der Savoyischen Insurrection vom 1. Febr. theilnehmenden

und jetzt bildet sich ein Lager zwischen Aix⸗ Rumilly und Annecy, das wohl mit der gaͤnzlichen Sperrung Savopens gegen Wallis, Waadt und Genf in Verbindung stehen und zu deren Auf⸗ echthaltung dienen duͤrfte. Dadurch wuͤrde besonders der so 6 aber so produktenarme Kanton Genf beim Ausbleiben igen Getraide⸗, Holz⸗, Butter⸗ und Gefluͤgel⸗Zufuhr ꝛc.

n augenblickliche Verlegenheit kommen, jedoch nur in momen⸗ da ihm Frankreich auf Umwegen das Noͤthige zufuͤhren

vermehrt’, les⸗ Bains, angekuͤndigten

tane,

wuͤrde, wenn gleich theurer. Savoyen selbst aber, dessen Prd⸗ vinzen Carouge, Genevois, Faucigny und Chablais an Genf bisher einen so wichtigen und ergiebigen Markt fuͤr den schnel⸗ len Absatz ihrer Produkte hatten, duͤrfte noch mehr dabei lei⸗ den, als Genf. Diesen Umstand wird vielleicht unser Kabinet um so mehr bedenken, da die Schweiz jetzt wirklich die unruhi⸗ gen Polen, Italiaͤner u. s. w. mit Franzoͤsischen Paͤssen ausweist.

1ö1“

Der Oesterreichische Beobachter enthaͤlt folgende aͤl⸗ tere Nachrichten aus Portugal: „Den neuesten Nachrichten aus Porto zufolge, hatten sich die Pedroistischen Behoͤrden in Chaves veranlaßt gesehen, ein Bataillon Spanischer Truppen aus dem benachbarten Galizien zu Huͤlfe zu rufen, um die Stadt durch diese Besatzung vor den Miguelistischen Guerillas u schuͤtzen, welche sich in der Umgegend, namentlich bei Mont⸗ forte, bildeten, seitdem Villaflor das rechte Ufer des Duero ver⸗ lassen hatte und gegen Suͤden marschirte. Ueberhaupt scheint man sich immer mehr zu uͤberzeugen, daß nur eine laͤngere Oc⸗ cupation Portugals durch fremde Truppen Dom Pedro in den Stand setzen kann, seine Herrschaft zu konsolidiren, obwohl andererseits dieses Mittel selbst wieder sehr geeignet seyn duͤrfte, die Unpopularitaͤt der constitutionnellen Regierung

(langte den 30sten Nachmittags an, griff den Feind mit dem Ba⸗

u vermehren. In Lissabon gewaͤhrte, wegen der in allen Harteien gleichmaͤßig verbreiteten Abneigung gegen Fremde, besonders gegen Englaͤnder, 1

Sir J. M. Doyle und General Bacon dem großen Publikum viel Unterhaltung, und vermehrte natuͤrlich sehr die Mißachtung egen die in Dom Pedros n st emden; Die erwaͤhnten Briefe, in denen sie sich gegenseitig die schmutzig⸗ sten Vorwuͤrfe machen und die aͤrgsten Schimpfreden fuͤhren, wurden von lautem Gelächter der Zuhoͤrer wiederholt vorgesesen, und Anfangs weifelte man nicht, caß es zu einem Duelle zwischen ihnen bommen wuͤrde. Nunmehr sah man aber bloß einer oͤffentlichen Pruͤgelei entgegen, da sie beide, mit Reitpeitschen bewaffnet, in den Straßen der Stadt umhergengen, und sich, nach ihrer Behauptung, einander gegenseitig aufsuchten, ohne daß sie sich jedoch bisher wirklich begegnet waͤren. Waͤhrend Dom Pedro seiner Seits die Privilegien, welche den Englaͤn⸗ dern in Portugal zustehen, auf jede Art zu beschraͤnken suchte, machte er sich dieselben Englaͤnder zum Nachtheile seiner Gegner u Nutze, theils um sich Nachrichten aus den von Dom Mi⸗ guel besetzten Theilen des Landes zu verschaffen, theils um den Operationen des Feindes alle moͤglichen Hindernisse entgegenzu⸗ setzen. Namentlich hatte man in Figueira einen dort etablirten Englischen Kaufmann auf der That ertappt, als er Miguelisti⸗ schen Soldaten Geld anbot, um sie zur Theilnahme an einer Conspiration zur Uebergabe der Stadt zu verleiten. Auch hat⸗ ten die Miguelistischen Behoͤrden einen Brief aufgefangen, in welchem der Sohn des dortigen Englischen Konsuls dem Pedroistischen Gouverneur von Leiria eine detaillirte Beschreibung der vorhande⸗ nen Vertheidigungs⸗Mittel, so wie der b der Festungswerke mittheilte. Um den Truppen in Santarem die Zufuhr an Lebensmitteln zu erschweren, hatte man von Lis⸗ sabon aus Englische Handels⸗Commis in die umliegende Gegend eschickt, die so viel Wein, Korn und Fourage als moͤglich fuͤr ng (wenigstens dem Scheine nach) von Englischen Haͤu⸗ sern aufkauften, diese Vorraͤthe dann als Englisches Eigenthum geltend machten, und auf solche Weise die Verproviantirung der Miguelistischen Armee zu hindern suchten; so z. B. hatte ein in Lissabon lebender Englaͤnder, der fruͤher nie mit Wein handelte, und dem es notorisch an dem zu dielem Geschaͤft noͤthigen Ka— pital mangelt, kuͤrzlich vierhundert Pipen ganz nahe bei Santa⸗ rem aufkaufen lassen, und ein anderer, der in Toͤpfer⸗Waaren Detail⸗Handel treibt, hatte 1200 Bund Stroh und 200 Scheffel Weizen ebenfalls in jener Gegend aufgekauft. Außerdem sind noch die sogenannten Englischen Handels⸗Commis, welche der⸗ gleichen Einkaͤufe betreiben, privilegirte Spione, welche das ganze Land nach allen Richtungen durchstreifen, und, wenn ihnen die mindesten Schwierigkeiten von den Miguelistischen Civil⸗ oder Militair⸗Behoͤrden gemacht werden, ihre Privilegien als Eng⸗ laͤnder vorschuͤtzen.“

Lissabon, 10. Mai. Waͤhrend die schlechte Witte⸗ rung in der vorigen Woche uns aller bestimmten Nachrichten vom Kriegs⸗Schauplatze beraubte, hat das bessere Wetter in die⸗ ser Woche uns reichlich dafuͤr entschaͤdigt. Die Begebenheiten sind so mannigfaltig und folgten sich so rasch, daß ich, um nicht ermuͤdend zu werden, nur kurze Auszuͤge zu geben beabsichtige. Lassen Sie uns mit Algarbien beginnen. Man wird sich erinnern, daß, nachdem der Baron de Saà da Bandeira durch die Kolonne von St. Ubes nicht gehoͤrig unterstuͤtzt worden, er Alemtejo mit Verlust raͤumen mußte, und in Algarbien einzog, wo ihm neue, aber nur geringe, Verstaͤrkungen zugefuͤhrt wur⸗ den. Inzwischen besetzte er nicht allein den ganzen Kuͤstenstrich, sondern auch mit Ausnahme der hohen Gebirge das Innere je— ner Provinz. In und bei Alcacer hatte Dom Miguel unge⸗ faͤhr 2500 Mann aufgestellt, welche St. Ubes bedrohten. Von dieser Division entfernten sich 2000 Mann, nahmen die Rich⸗ tung nach Algarbien, wo sie einruͤckten und sich mit den auf den Gebirgen befindlichen Streitkraͤften vereinigten und am 24. April den Baron de Saà bei St. Bartholemeu de Messines ohnweit Silves angriffen. Zehn Stunden lang dauerte das Gefecht, interessante Stellungen wurden dreimal genommen und dreimal verloren, aber der Mangel an fester Haltung, den die Pedroistischen Uh— lanen bei einem Angriffe des Feindes bewiesen, und das darauf erfolgte Vordringen der Miguelisten gegen den diesseitigen lin⸗ ken Fluͤgel, der aus Belgiern bestand, die zwar wie Helden thun und aussehen, aber sich im Felde keinesweges als solche bewaͤh⸗ ren, entschieden den Tag zu Gunsten Dom Miguels., Das Schlachtfeld, viele Munition, Bagage, Pferde, 100 Belgische Gefangene mußte der Baron de Sa zuruͤcklassen, der sich jedoch in ziemlicher Ordnung nach Sil⸗ ves und von dort nach Villanova de Portimao zuruͤckzog, von wo aus er einen Theil seiner Truppen nach Faro einschiffte, Der Verlust an Todten von beiden Seiten soll ziemlich gleich gewesen seyn; 800 Mann ungefaͤhr blieben im Ganzen. Die Folge dieses Sieges aber war, daß ganz Algarbien, mit Aus⸗ nahme von Faro, Lagos, Olhao, Villanova de Portimao, Sagres und Castro marine, wieder unter die Herrschaft Dom Miguels

die skandaloͤse Korrespondenz zwischen

1. der bei Buarros mit 600 Mann landete, Figueira's. Diensten stehenden fremden Ofstziere.

den Verfassern selbst in den Kaffeehaͤusern unter

Besatzung, und einen Plan

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kam. Wahrscheinlich ist es, daß, wenn die Kolonne von St. Ubes gleich nach Abgang der 2000 Mann von Alcacer die Of⸗ fensive ergriffen haͤtte, jener Handstreich der Miguelisten ganz anders ausgefallen waͤre; „der Kriegs⸗Minister Freire aber hat wieder vergessen, Befehle einzusenden.“ Durch jenen Sieg wurden die Miguelisten kuͤhn gemacht, stuͤrmten Faro mit 5000 Mann am 5ten d., wurden aber mit Verlust von 2 300 Mann zuruͤckgeschlagen. Wenn dergestalt im Suͤden der Sieg fuͤr Dom Miguel sich erklaͤrte, so trat dagegen im Norden der umgekehrte Fall ein. Wir verließen in unserem letzten Bericht den Herzog von Terceira in Moncorvo als Mei⸗ ster des Duero. Er ging uͤber diesen Fluß bee Pocinho, und kam nach Lamego. Die Festung Almeida, wo angeblich 1100 poli⸗ tische Gefangene eingesperrt waren, hatte sich in Folge Spanischer Manoͤver fuͤr Donna Maria erklaͤrt, und Oberst Valdez, einer der bisher Gefangengehaltenen, uͤbernahm das Ober⸗Kommando derselben. Pinhel, Trancozo und die umliegenden Gegenden folgten diesem Beispiel. Die in Minho und Tras os⸗Montes bereits geschlagene Division des Generals Cardozo, welche einen neuen Chef und frische Verstaͤrkungen erhalten hatte und sich in Vizeu befand, eilte, um die schoͤne militairische Stellung bei Castro⸗Daire zu nehmen. Terceira erfuhr es am 29. April und, des aͤußerst schlechten Wetters ungeachtet, setzte er sich in Marsch,

jonett an, verfolgte ihn, bis er sich debandirte, und ruͤckte am 2. Mai in Vizeu ein, nachdem er den Miguel isten 200 Mann außer Gefecht gesetzt hatte. Hier nahm er Ruͤcksprache mit dem Spanischen General Rodil, der bei Covilhan und Fundav mit 4000 Mann steht, und dessen Instruction von Madrid aus seit dem 1sten d. veraͤndert worden zu seyn scheint, da er Miene macht, mit den Truppen Donna Maria's gegen Dom Miguel gemeinschaftliche Sache zu machen. Der Herzog ruͤckte in Coimbra, den Schluͤssel der noͤrdlichen Provinzen, am 8ten d. M. ohne Widerstand ein, und en demselben Tage be⸗ maͤchtigte sich eine Kolonne von 4000 Mann, welche von Leiria aus nach Figueira vorgeruͤckt war, und Admiral . Die beiden Provinzen Ober⸗ und. Nieder⸗Beira sind der Regierung Dom Miguels also entzogen. Alle seine Streitkraͤfte, welche in jenen beiden Provinzen standen, scheinen Befehl erhalten zu ha⸗ ben, sich bei und um Santarem zu reconcentriren. Bedeutend ist die Anzahl der Offiziere jedes Ranges, welche sowohl dem Herzoge von Terceira, als den Militair⸗Gouverneurs der erober⸗ ten Provinzen sich vorgestellt haben, und da der groͤßte Theil aus Miliz Offizieren besteht, welche Alle Grundeigenthum besiz⸗ zen, so ist es klar, warum das Landvolk die Truppen Donna Maria's jetzt mit offenen Armen empfaͤngt. Man bemerke aber wohl aus den Chronica's, daß der groͤßte Theil aller Uebertre⸗ tenden sich dem Militair⸗Gouverneur von Ober⸗Beira vorstellt. Und warum? Weil dieser ehrliche General Azeredo ein aͤußerst gemaͤßigter Mann ist, welcher nur das Wohl und das Gluͤck seiner Landsleute wuͤnscht; er war im Jahre 1828 bereits Gou⸗ verneur jener Provinz, und emigrirte nachher.

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Juni. Ueber die am 31sten v. M. fortgesetz⸗ ten Pferde-Rennen des Schlesischen Vereins meldet man aus Breslau Folgendes: „Den Anfang machte das Rennen um den von der Stadt Breslau ausgesetzten silbernen Pokal, um welchen mit Schlesischen Pferden, von Herren geritten, gekaͤmpft wurde. Von den hierzu gemeldeten 11 Konkurrenten waren lei⸗ der sechs nicht erschienen, und von den fuͤnf Pferden, welche abliefen, brach das eine aus, und ein zweites ward durch das Springen der Sattel⸗Gurte außer Kampf gesetzt; die drei uͤbri⸗ gen, als: die dreijaͤhrige Fuchs⸗Stute „Rebekka“ des Amtsrath Braune zu Rothschloß, geritten vom Sohne des Besitzers; der sechsjaͤhrige Hengst „Gideon“ des Amtsrath Heller zu Chrzelitz, geritten vom Bruder des Besitzers, und die sechsjaͤhrige Schwarz⸗Schimmel⸗Stute „Zaide“ des Lieute⸗ nant von Rudolphi, geritten vom Besitzer selbst, machten ein hoͤchst ergoͤtzliches Rennen, indem sie fast gleichzei⸗ tig das Ziel erreichten, so daß nur eine halbe Pferde Laͤnge den Sieg fuͤr Gideon entschted. Hierauf rannten sieben der ge⸗ stern aufgetretenen Landleute um den von dem Fuͤrsten zu Carolath ausgesetzten Preis von 100 Rthlr., welchen der Bauer Hirsch⸗ felder aus Froͤbel, Glogauer Kreises, errang. Jetzt folgte das Rennen der Offiziere mit ihren vor der Fronte gerittenen Pfer⸗ den um einen fuͤr die Einsaͤtze angeschafften silbernen Pokal und einen vom Vereine ausgesetzten Englischen Sattel. Eilf Pferde waren gemeldet, davon erschienen jedoch nur acht, und unter ihnen machten sich lange den Sieg streitig: der dunkelbraune Wallach „Eclipse“ des Lieutenant v. Lieres,

Berlin, 5.

die braune Stute „Rovena“ des Lieutenant v. Schickfuß, und die hellbraune Stute „Kennedy“ des Hauptmann im Gene⸗ ralstabe Baron v. Vinke,

welche letztere den Sieg um einige Pferde⸗Laͤngen davon trug. Das vierte Rennen war das um den silbernen Pokal, wel⸗ chen Ihre Durchlaucht die Frau Fuͤrstin von Liegnitz gnaͤdigst ausgesetzt hatte, mit 5 Friedrichsd'or Einsatz. Von sechs gemel⸗ deten Pferden liefen nur 3 ab, und unter ihnen entschied sich von Anfang an der Sieg ganz unzweifelhaft fuͤr „Miß Littleton“, eine braune Vollblut Stute des Fuͤrsten zu Careolath, so daß zwar nicht die Spannung des zweifelhasten Ausgangs, wohl aber das hohe Vergnuͤgen, ein solch' ausgezeichnetes Pferd laufen zu se— hen, den Zuschauern zu Theil wurde. Waͤhrend die Vorbe⸗ reitungen zum letzten Rennen getroffen wurden, unterhielt der Bauer Lorenz aus Wettschuͤtz, Glogauer Kreises, aus freiwilli⸗ gem Erbieten das Publikum, indem er mit seinem sechsjaͤh⸗ rigen hellbraunen Wallach die Bahn mit Hindernissen ohne Anstoß und trotz dem besten Kavallerie⸗Pferde zu⸗ ruͤcklegte. Die Bravour des Pferdes und des Reiters (eines Sohnes des Besitzers) erweckte so allgemeinen Beifall, daß sofort eine ansehnliche Summe zusammengeschossen wurde, um diesen Ritt durch ein Ehrengeschenk zu belohnen. Im letzten Rennen um den von dem Berliner Verein fuͤr Pferdezucht und Pferde⸗Dressur ausgesetzten Kaufpreis von 150 Friedrichsd'or lie⸗ fen anstatt der angemeldeten sechs Pferde nur vier. Im ersten Laufe siegte die braune Stute „Beauty“ des Grafen Renard auf Groß; Strehlitz, zunaͤchst gefolgt von der dunkelbraunen Stute „Anthée“ des Amtsraths Braune und dann von dem schwarzbraunen Wallach „Portland“ des Banquier Kraker. Auch im zweiten Laufe blieb,,‚ Beauty“ Siegerin, ihr zunaͤchst kam diesmal „Portland“ und dann Anthée“ ans Ziel, und da der Graf Renard erklaͤrte, sein Pferd dem Berliner Verein fuͤr den Kauf⸗ preis nicht uͤberlassen, sondern den fuͤr diesen Fall gesetzten Sie⸗ gespreis von 30 Friedrichsd'or annehmen zu wollen, so haͤtten

Kaufpreis von 120 Friedrichsd or nochmals laufen muͤssen, wenn nicht der Amtsrath Braune zuruͤckgetreten waͤre, wonach denn „Portland“ als zweites Pferd dem Berliner Verein kaͤuflich uͤberlassen wurde. In der Zwischenpause, die den Pferden des letzten Ren⸗ nens zwischen dem ersten und zweiten Laufe gewährt werden mußte, producirten die Lieutenants Graf v. Schweinitz und Ba⸗ ron v. Bose ihre wohlgerittenen Campagne⸗Pferde, beide mit allgemeinem Beifall des Publikums. Wer von ihnen den aus gesetzten Ehren⸗Preis erhalten wird, ist von dem Ausspruch der hierzu berufenen Schiedsrichter abhaͤngig. Waͤre nicht auch heute das Wetter unguͤnstig und, zum noch groͤßern Ungluͤck, das Gestell der Zelt⸗Bedachung uͤber der Tribune gestern Abend durch einen Windstoß zerstoͤrt worden, so wuͤrde der Schau⸗Ge⸗ nuß des heutigen Rennens, welches so viele hoͤchst anziehende Bil⸗ der darbot, gewiß zu den erfreulichsten gehoͤrt haben.“

In den Breslauer Zeitungen liest man unterm 2ten d. M. Folgendes: „Nachdem wir seit acht Tagen ganz unge⸗ woͤhnlich kalte und unfreundliche Witterung gehabt, hat es in der verflossenen Nacht in den Umgebungen unserer Stadt so stark gefroren, daß die Huͤlsen⸗- und Garten⸗Fruͤchte dadurch bedeutend gelitten haben. Im Hochgebirge muß in diesen Tagen sogar Schnee gefallen seyn, denn seit gestern sieht man in der Ferne die Riesenkoppe und den ganzen Kamm des Riesen⸗Gebirges schneeweiß schimmern.“

Im Laufe des verflossenen Monats sind in die Haͤfen des Reg. Bez. Stralsund 73 Schiffe ein⸗ und 105 aus den⸗ selben ausgelaufen. Mit letztern wurden unter Anderm verschifft: 2180 Wsp. Weizen, 2777 Wsp. Roggen, 2490 Wsp. Gerste, 247 Wsp. Hafer und 975 Wsp. Malz. Außerdem gingen durch

die Binnenfahrt nach anderen Provinzen der Monarchie: 132 235 Wsp. Hafer und 317 Wsp. Malz.

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Wsp. Gerste,

Koͤnigliche Oper. Der Beschluß, die „Montecchi und Capuletti“ von Bellini auf dem Koͤniglichen Theater zu geben, erregte in mancher Beziehung Aufmerksamkeit und verankapts entgegengesetzte Urtheile. Die Einen naͤmlich sprachen: schon laͤngst haͤtte man diese und aͤhnliche Opern, welche die neuesten Fortschritte der Italiaͤnischen Kunst⸗Entwickelung darlegen, nicht vorsaͤtzlich zur Seite schieben, sondern sie rascher und wo moͤglich besser wie auf der Koͤnigstaͤdter Buͤhne auffuͤhren sollen Wir muͤssen es also der Madame Schroͤder⸗Deyrient danken, daß sie hierzu einen nuͤtzlichen Anstoß gab, und die Direction loben, daß sie sogleich, mit Zuruͤcksetzung widersprechender Ansichten, darauf einging. Denn die Rolle des Romeo ist ohne Zweifel die vorzuͤg

lichste jener Kuͤnstlerin, und mit Recht hat sie dieselbe zu ihrem Benefiz gewaͤhlt.

Hierauf erwiederten Andere: es ist nicht die Aufgabe der Koͤ⸗ niglichen Buͤhne, alles und jedes Neue, ohne Ruͤcksicht auf innern Werth, einzulernen; vielmehr soll sie der oberflaͤchlichen Mode da⸗ durch einen Damm entgegenstellen, daß sie (weniger auf Geldge⸗ winn, als auf hoͤhere Kunstzwecke hingewiesen) nur das wahrhaft Klassische und Vollendete hervorhebt und ausstattet. Nachgiebigkei der Directionen gegen unkuͤnstlerische Forderungen fuͤhrt, wie nur zu viele Beispiele erweisen, dem Untergange der Kunst unausweichlig entgegen. Wo Shakespeare, Calderon, Goͤthe und Schiller den greuel vollen, ekelhaften, zucht⸗ und geschmacklosen Stuͤcken weichen maͤß sen, welche der Pariser literarische Terrorismus jetzt verpestend uͤber Europa zu verbreiten strebt; wo ebenmaͤßig die groͤßten Tonkuͤnst⸗ ler, nicht bloß dem leichtsinnigen, aber talentvollen Rossini, sondern dessen schwaͤchlichen Nachahmern und Schuͤlern nachgesetzt werden: da sinkt die Buͤhne zu einem oberflaͤchlichen Zeitvertreibe herab, ja sie wird leider oft ein verdammlicher Mittelpunkt fuͤr sittliche und aͤsthetische Ausartung.

Weil der Wunsch, Mad. Schroͤder⸗Devrient in einer hochgeruͤhm⸗ ten Rolle zu sehen, indeß sehr natuͤrlich und der Beruͤcksichtigung werth erschien; so wuͤrde die Direction des Koͤnigstaͤdter Theaters ihr gewiß gern den Romeo fuͤr einigemale uͤbertragen und die Koͤnigliche Direction hiedurch Kosten und Zeit fuͤr andere Opern gespart haben. Denn nach der baldigen Abreise der Madame Schroͤder⸗Devrient wird jene Oper doch wieder ganz, und mit Recht, der Koͤnigstadt anheimfallen

Wir koͤnnen ferner nicht zugeben, daß die Rolle des Romeo die bese der Madame Schroͤder-Devrient, und die Wahl der Oper zu ihrem Benefiz deshalb die angemessenste sey. Denn so wenig Juͤnglinge (welche sonst alle Frauen⸗Rollen spielten) jemals die Weiblichkeit in hoͤchster Vollendung und Natur dargestellt haben, so wenig kann je eine Mannsrolle der hoͤchste Triumph einer Frau seyn. Eleonore im Fidelio darf hier nicht zur Widerlegung ange⸗ fuͤhrt werden, denn sie ist eben kein Mann, Hee eine edle Frau Ferner kann eine Rolle auch durch die hoͤchste Genialitaͤt des Kuͤnst⸗ ers nicht aus der Totalitaͤt des ganzen Stuͤcks herausgehoben wer⸗ den; ja dies soll nicht einmal geschehen, weil es den Standpunkt verruͤcken und die Harmonie aufloͤsen wuͤrde.

Nun hat aber der angebliche Dichter der Oper „Montecchi und Capuletti“ Shakespeares Wunderbau so niedergerissen und zerstoͤrt, daß kaum einige Ruinen davon aufzufinden sind; er hat die tiefste, geistreichste und gefuͤhlvollste Dichtung verwandelt in ein trockenes⸗ nuͤchternes, strohernes, widersinniges Texr buͤchlein. Und weil nun ein Paar pikante Situationen aus dieser Oede grell herausqucken (wie etwa einzelne gruͤn gebliebene Zweige aus einem von Raupen abgefressenen Walde), sollen hier reichere Siegeskraͤnze zu flechten seyn als in den Lorber⸗Hainen der Vestalin, und den Rosen⸗ und Myrtenbuͤschen der Armide?? Credat Jadaeus Kpella!

Allerdings ist die Musik nicht so schlecht wie der Tert, allein sie erhebt sich nirgends uͤber das Mittelmaͤßige und im Verhaͤltniß zu der heutigen Ausbildung der Tonkunst hat Bellini bei weitem nicht so viel geleistet, als fruͤher Zingarelli und Georg Benda bei Behandlung desselben Gegenstandes. 8

Ueberhaupt zeigt die Oper nur da das Allergroͤßte, wo aus Poe⸗ sie, Musik und Darstellung ein einziges, zusammengehoͤriges, gleich⸗ maͤßig vollendetes Ganzes erwaͤchst; sobald hingegen das eine, oder das andere dieser Elemente fehlt, oder zuruͤckbleibt, oder nur hinein⸗ gekuͤnstelt wird, ist der rechte Gwoyfel noch auf keine Weise erreicht

Armide, dies Meisterwerk einer romantisch⸗dramatischen Oper, diese Rolle, welche alle Tonleitern der mannigfachsten Ge⸗ fuͤhle und Leidenschaften entwickelt und der Persoͤnlichkeit der Ma⸗ dame Schroͤder⸗Devrient mehr zusagt wie irgend eine andere, fuͤr deren musikalische und poetische Berichtigung Spontini und Rell⸗ stab mit gleicher Liebe Alles vorgearbeitet hatten; Armide waäre das rechte Benefiz und der hoͤchste Triumph der Madame Schroͤder Devrient gewesen!

So etwa lauteten vor der Auffuͤhrung der Montecchi die ver⸗ schiedenen Meinungen, und nur in einem Punkte traten die Strei⸗ tenden zusammen: naͤmlich in ihrer Verehrung fuͤr Madame Schroͤ⸗ der⸗Devrient. Ja sie behaupteten, daß hauptsachlich diese Verehrung und Theilnahme den wechselseitigen Eifer hervorgerufen habe.

Ueber die Darstellung der gedachten Oper behalten wir uns unser Urtheil vor.

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0— 0

Auswürtige Börsen. Amsterdam, 31 RMai.

Niederl. wirkl. Schuld 51 ½.é 5 70 97 Ausgesetzte Schafd Kanz-Bill. 23 7k. 4 ½ 8 Amort. 90 ¾, 3¼13 73. Russ. (v. 1831) 98 Preuss. Prümien-Scheine 106 ¾¼ do. 48 Anl. —. Ge 98. 8 Spau. 70 ¾ 3 % 453. C“

Antwerpen, 30 Mai

Span. 59 69 ½ 3 ½% 14. Zinsl. 15 ½. Metall. 10]1

die beiden folgenden Pferde, da sie ihre Stelle gewechselt, um den

Bras. 76 ¾.

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8 8