1834 / 167 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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liken gegen sie gendthigt, das Land zu verlassen und ein bedeuten⸗ des Eigenthum mit fortzunehmen. Waͤre gegen Irland Gerechtig⸗ keit geuͤbt worden, so wuͤrde es schon laͤngst ein protestantisches Land seyn. (Hoͤrt, hoͤrt!) Der edle Graf hat von der Nothwendigkeit gesprochen, daß man dem Zeitgeist nachgeben muͤsse. Nun sage ich aber dem edlen Grafen, daß er selbst großentheils diesen Zeitgeist hervorgerufen hat. Er hat in der That einen Geist in diesem Lande heraufbeschworen, den er nicht wieder zu bannen im Stande seyn wird. Indem der edle Graf zu der vorliegenden Maßregel rieth, hat er seinem Souverain einen Rath gegeben, den Se. Ma⸗ jestaͤt nicht befolgen konnen, ohne den Krönungs⸗Eid zu verletzen. Dieser Eid verpflichtet den Souverain, die herrschende Kirche sowohl in England als Irland unversehrt zu erhalten C(hoͤrt, hoͤrt!), und ich bin uͤberzeugt, daß Se. Majestaͤt die Sache in ihrem richtigen Licht sehen werden. Ich bin uͤberzeugt, daß der Ruin, womit man die Kirche bedroht, bäͤld eine Aeußerung jenes Geistes der Anhaͤng⸗ lichkeit an die protestantische Religion hervorrufen wird, der, wie ich weiß, im Lande herrscht. Ich fordere die Protestanten in Ir⸗ land auf, zu zeigen, daß ihnen ihre Religion theuer und werth ist. Ich fordere sie bei der Liebe auf, die sie zu ihrem Vaterlande hegen, dei ihrem Pflichtgefuͤhl und bei der Ehrfurcht, die sie der Gottheit schuldig sind, kuͤhn aufzutreten und sich dieser Maßregel zu wider⸗ setzen. Wie wuͤrde es jeden Vater schmerzen, wenn seinen Kindern die Religion, die er verehrt und in der er auferzogen worden, ent⸗ rissen werden sollte? Und das ist die Aussicht, die sich vor den Ir⸗ kändischen Protestanten oͤffnet. Ew. Herrlichkeiten wissen, daß es jetzt zwei große Parteien in diesem Lande giebt, die, welche glau⸗ ben, daß in den Augen des Staats alle Religionen als gleich gelten sollten, und die, welche sich um gar keine Religion kuͤmmern, und also natuͤrlich dem Bestehen der Kirche entgegen sind. Wider diese beiden Parteien hat die protestantische Staatskirche jetzt zu kaͤmpfen, und ich fordere noch einmal alle ihre Freunde auf, hervorzutreten und sich um dieselbe zu sammeln.“

Hiernaͤchst ließ sich der Bischof von London gegen das Verfahren der Minister vernehmen und erklaͤrte, daß er sich in die im vorigen Jahre eingebrachte Bill in Bezug auf den Zehn⸗ ten nur darum gefuͤgt habe, weil die Minister damals versichert haͤtten, es solle dies die letzte Maßregel der Art seyn. Der Graf von Harewvod meinte, man habe zwar gesagt, daß die Kommission das Resultat der reiflichsten und besonnensten Ueber⸗ legung sey, aber er glaube kein Wort davon; im Gegentheil, sie scheine ihm in der groͤßten Eil, um einem augenblicklichen Zweck zu dienen, entworfen und in rohem, menem Zustande eingerichtet zu seyn (hoͤrt, hoͤrt!); er wuͤnsche, Ihre Herrlichkeiten nicht mit dem anderen Parlamentshause in Kollision zu bringen, koͤnne aber die Drohungen der Regierung nicht geduldig anhoͤren, die dieses Haus fuͤr den Fall, daß es nicht einer besonderen Maßregel gegen seine Ueberzeugung bei⸗ pflichten wolle, vor jener unvermeidlichen Kollision warne. (Hoͤrt!) Der Graf von Limerick sagte, er sey einer von den wenigen hier anwesenden Irlaͤndischen Pairs, die zu der Zeit, wo die Unions⸗Akte angenommen worden, Mitglieder des Irlaͤndischen Parlaments gewesen; er habe aber damals eben so wenig wie irgend Einer in der Versammlung daran gedacht, daß sich unter den Resultaten der Union ein Vorschlag, wie der gegenwaͤrtige, befinden duͤrfte, sonst wuͤrde er sich mit demselben Eifer, wie der edle Lord Farnham, der neben ihm gesessen, dieser Union wider⸗ setzt haben. Der Marquis von Westmeath erklaͤrte sich eben⸗ falls gegen die Maßregel; der Marquis von Clanricarde aber nahm sie in Schutz und behauptete, daß die edlen Lords auf seiner Seite eben 6 gute Protestanten waͤren, wie die ed⸗ len Lords gegenuͤber, dennoch aber koͤnnten sie nicht laͤugnen, daß triftiger Grund vorhanden sey, den Zustand der Irlaͤndischen Kitrche zu untersuchen. Der Bischof von Exeter, der sodann das Woͤrt nahm, erinnerte das Haus daran, daß schon eine kirchliche Untersuchungs⸗Kommission in Irland eingesetzt sey, und daß die Resultate dieser Kommission wahrscheinlich hoͤchst wichtig seyn wuͤrden; was aber den vermeintlichen Reichthum der Kirche

anbelange, so habe er im vorigen Jahre den ministeriellen Wort⸗ fuͤhrer im Unterhause erklaͤren hoͤren, daß uͤber nichts so uͤber⸗ triebene Vorstellungen verbreitet seyen, als uͤber die Kirche von Irland (hoͤrt, hoͤrt!); die jetzige Kommission sey, wie der edle Graf an der Spitze der Regierung geradezu eingestanden habe, nach dem Grundsatze ernannt, daß der Besitz der Kirche eine an⸗ dere Art von Besitz waͤre, wie sonstiges Eigenthum, und nicht nur das, sondern auch, daß das Parlament auf ganz andere Weise daruͤber schalten koͤnne, wie uͤber Eigenthum anderer Art, ja, daß es in Faͤllen und unter Umstaͤnden angetastet werden koͤnne, wo eine Antastung des Privat⸗Eigenthums nicht gerecht⸗ fertigt seyn wuͤrde; freilich habe der edle Graf dies nicht aus dem Recht hergeleitet, sondern aus dem Geist der Zeiten.

Sie wissen aber“, fuhr der Redner fort, „nicht nur aus den Bekennenissen des edlen Grafen, sondern auch aus seinem Beneh⸗ men, daß er den Geist der Zeit in dem einen Jahre anders verstan⸗ den wissen will, als im naͤchsten. Jetzt sagt er Ihnen, daß Alles, was der Geist der Zeit als sbertessg fuͤr die Kirche von Irland betrachtet, fortgenommen werden muͤsse. (Graf Grey: Ich habe nichts der Art gesagt.) Ich will nicht gerade behaupten, daß ich genau die Worte des edsen Grafen anfuͤhre, aber das ist doch der Sinn seines Arguments, naͤmlich, daß alle Gesetzgeber, besonders aber dieses Haus, bereit seyn sollen, nach dem Geist der Zeiten zu g er deshalb auch zu der Kommission gerathen habe, deren In tionen auf die Tafel des Hauses niedergelegt werden sollen’ Hierauf citirte der Redner eine Stelle aus einem Vortrage, den der jetzige Lord⸗Kanzler von Irland, Lord Plunkett, vor eini⸗ en Jahren als General⸗Anwalt fuͤr Irland im Unterhause gehal⸗ en, und worin derselbe gesagt hatte, er wolle zwar nicht behaup⸗ en, daß das Eigenthum der Kirche in Faͤllen dringender Staats⸗Beduͤrfnisse nicht eben so wohl angegriffen werden koͤnnte, wie jedes andere Eigenthum, aber man solle bedenken, daß nach die⸗ fem Grundsatz dann auch Jedermanns Eigenthum im Konigreich herhalten muͤsse, und da das Kirchen⸗Eigenthum gewiß so heilig sey, als irgend ein anderes, so moͤchte der Gutsbesitzer sich vorsehen, wenn erst mit jenem der Anfang gemacht waͤre. (Hoͤrt!) Diese Aeußerung empfahl der Redner allen Lords, besonders aber den Mit⸗ gliedern des Ministeriums, da sie von einem ihrer Kollegen ausge⸗ gangen, und vor Allen dem jetzigen Vice⸗Koͤnig von Irland, dem Marquis von Wellesley, dessen große Besitzungen in Irland das ganze geistliche Einkommen mehrerer Irlaͤndischer Dideesen aufwoͤgen, zur Beachtung an. „Ich brauche den edlen Marquis“, sagte er weiter, „oder Ew. Herrlichkeiten nicht erst zu erinnern, daß derselbe seine großen Guͤter vermoͤge der Irlaͤndischen Grundbesitz⸗Ordnungs⸗ kte besitzt. Diese Akte gruͤndet sich auf die Erklaͤrung Karls II., eine Erklaͤrung, die ihm Ehre macht und deren Jeder gedenken sollte, der auf dem Thron sitzt, den Je⸗ ner so unwuüͤrdig ausfuͤllte, auf die Erklaͤrung, daß er die⸗ ses Gesetz dem Himmel als ein Zeugniß seiner innigen Dankbarkeit dafur schuldig sey, daß der Allmochtige ihm und seinem Volke das Gluͤck der elt Jahrhunderten bestehenden Monarchie dieses Landes zu einer Zeit wiedergegeben habe, wo eine Restauration nicht zu boffen gewesen. Deshalb belieh er nicht nur den edlen Marquis, sondern auch die Kirche mit ihren jetzigen Guͤtern und war ent⸗ die frommen Absichten seines ermordeten Vaters auszu⸗ fuͤhren und das Einkommen der Irlaͤndischen Kirche zu vermehren. Diese Verleihungen legte er auf die Altäre des Koͤnigs der Koͤnige nieder. Ruͤbren Sie dieselben an, wenn Sie wollen, wenn Sie duͤrfen, und moͤge Gott Sie nicht ob dieses Tempelraubes mit sei⸗ gem Fluch belasten.“ Nun ging der Redner auf die von dem

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folglich unvollkom⸗

Grafen Grey gemachte Bemerkung uͤber, daß, wenn man die Kommission nicht ernannt haͤtte, vom Unterhause der durch Herrn Ward vorgeschlagene Beschluß angenommen worden waͤre, daß dann die jetzigen Minister ihre Entlassung haͤtten einrei⸗ chen und ein neues Ministerium haͤtte gebildet werden muüuͤssen, und antwortete auf die von Lord Grey erhobene Frage, was ein solches Ministerium, wenn nun eine auf den Wardschen Antrag gegruͤndete Adresse des Unterhauses an Se. Majestaͤt eingegangen waͤre, darauf erwiedert haben wuͤrde, daß ein rechtschaffener Rathgeber der Krone, seines Eides eingedenk, folgendermaßen zu Sr. Majestaͤt gesprochen haben muͤßte: „Sire, es muß fuͤr einen Fuͤrsten, der seine ganze Regierung hindurch eine unveraͤnderliche Liebe zu seinem Volke und die moͤglichste Beruͤcksichtigung der ihm durch das Unterhaus aus⸗ gedruͤckten Wuͤnsche dieses Volkes gezeigt hat, schmerzlich, sehr schmerzlich seyn, eine von diesem Unterhause kommende Bitte zu verwerfen, aber dessenungeachtet kann ich, als ein getreuer Rathge⸗ ber Ew. Majestaͤt, nicht umhin, Sie an Ihren Eid zu erinnern; ich muß Ew. Majestaͤt sagen, was Sie sich gewiß selbst sagen wuͤrden, wenn ich Ew. Majestaͤt nicht daran erinnerte, daß Sie dem Ge⸗ such des Unterhauses Ihre Zustimmung verweigern muͤssen, weil Sie alle Rechte der Geistlichkeit und der Kirche von England und Jrland nach Ihren besten Kraͤften bewahren zu wollen, geschworen haben. Einige von Ew Majestaͤt Rathgebern haben zwar gemeint) daß Sie in Betreff Ihres Eides eine andere Stellung als Gesetzgeber und eine andere als Mitglied der vollziehenden Regierung einnehmen, aber wir duͤrfen Ew. Majestaͤt nicht verhehlen, daß all diese feinen und spitzfindigen Unterscheibungen, moͤgen sie gegruͤndet seyn oder nicht, in diesem Fall keine Anwendung finden, denn Ew⸗ Majestaͤt sind jetzt nicht berufen, einem von beiden Parlamentshaͤusern gefaß⸗ ten Beschluß Ihre Zustimmung zu geben, so daß derselbe nur Ihrer Einwilligung in Ihrer legislativen Eigenschaft beduͤrfte, um ein Landesgesetz zu werden, sondern man will, daß Sie in Ihrer voll⸗ ziehenden Eigenschaft etwas thun sollen, was eine direkte Verletzung Ihres Eides waͤre. Ew. Majestaͤt sind Ihrem Gott verpflichtet, treu an dem einfachen Sinn dieses Eides festzuhalten, und auf alle Gefahr hin, selbst auf die Gefahr, Ihren Thron zu verlie⸗ ren, muͤssen Sie eingedenk seyn, was Sie Ihrem Gott schuldig sind.“ (Hoͤrt!) Endlich bemerkte der Bischof noch, daß das Un⸗ terhaus, das sich dem Throne mit einer solchen Adresse na⸗ hen koͤnnte, gar nicht der Repraͤsentant des Englischen Volks seyn wuͤrde (hoͤrt!), denn das Englische Volk sey noch nicht so weit gekommen, - verhoͤhnen und die Religion, die es in dieser und in der kuͤnftigen Welt als seine Gluͤckseligkeit und Hoffnung anzusehen gewohnt sey, mit Fuͤßen treten werde „Was den Geist der Zeit anbetrifft“, so schloß der Redner, „bemerkt da der edle Graf so wenig die Veraͤnderun⸗ gen, die in diesem Geist vorgehen, daß er nicht, besonders in der letzten Woche, einige Anzeichen davon wahrgenommen hat, daß der Geist der Zeit bald ein ganz anderer seyn wird, als er es war, da der edle Graf seinem Souverain zu dieser Kommission rieth? My⸗ lords, es hat sich von Seiten des Volks eine feste Entschlossenheit kund gegeben, die erhabene Erklaͤrung unseres Souverains, die noch in Aller Ohren klingt und stets den Herzen eingepraͤgt bleiben wird, daß er die Religion und die Rechte der Kirche von England und Irland unerschuͤtterlich aufrecht erhalten wolle, so aufzunehmen, wie es sich geziemt.“

Als der Bischof von Exeter sich unter vielem Beifall nie⸗ dergelassen hatte, stand der Graf von Radnor auf, der die Maßregel der Minister unterstuͤtzte, und machte Jenem den Vor wurf, daß er seine jetzige Stelle von einem Minister angenom⸗ men habe, den er selbst vorher in einer Broschuͤre gegen die ka⸗ tholische Emancipation einen „Verworfenen“ genannt, weil der⸗ selbe die Emancipattons⸗Bill durchgesetzt. (Hoͤrt! und Gelaͤch⸗ ter.) Der Marquis von Lansdowne suchte ebenfalls das von dem Ministerium beobachtete Verfahren zu vertheidigen und versicherte, daß, seiner Absicht zufolge, die etwanigen uͤberfluͤssigen Einkuͤnfte der Kirche nur zu frommen und wohlthaͤtigen, mit dieser Kirche in Verbindung stehenden Zwecken angewandt wer⸗ den sollten. Mach ihm erhob sich der Herzog von Welling⸗ ton und bekaͤmpfte die beabsichtigte Kommission aufs heftigste, indem er behauptete, sie sey ganz unnoͤthig, da auch ohne die⸗ selbe schon hinreichende Aufschluͤsse im Bereich des Parlaments seyen, und man habe an deren Ernennung vorher nicht im geringsten ge⸗ dacht, bis sich die Schwierigkeiten im Schoße des Ministeriums erhoben haͤtten. Als einen großen Anstoß bezeichnete er es fer⸗ ner, daß man die Einsetzung der Kommission habe vom Koͤnige ausgehen lassen (Beifall), und nicht von einem der beiden Par⸗ lamentshaͤuser oder durch deren Vermittelung (hoͤrt, hoͤrt!), da gar kein Grund vorhanden gewesen sey, zu einem so außerordentlichen Mittel seine Zuflucht ün nehmen, außer daß das Ministerium einige Stimmen im Unterhause damit habe gewinnen wollen. (Beifall.) Er prorestirte daher feierlichst gegen die Untersuchungs⸗ Kommission, als eine hoͤchst gefaͤhrliche Maßregel, und druͤckte sein groͤßtes Mißfallen uͤber das Benehmen der Minister aus. Zuletzt antwortete noch der Lord⸗Kanzler auf einige Angriffe der Oppositions⸗Partei und ließ sich besonders sehr spoͤttisch uͤber den „salbungsvollen Hauch“ aus, den, wie er sagte, die Rede des Bischofs von Exeter geathmet habe. Dann auf den Gegen⸗ stand selbst naͤher eingehend, bemerkte er:

„Einer meiner edlen Freunde hat eine Bittschrift von einem Irlaͤndischen Kirchspiel uͤberreicht, welches 2000 Einwohner zaͤhlt, worunter sich nicht ein einziger Protestant befindet, und das dennoch eine betraͤchtliche Summe, jäͤhrlich 200 Pfund und daruͤber, zur Er⸗ haltung eines Nichts, wie die Bittsteller sich ausdruͤcken, entrichten muß. Wer, frage ich, wird aber die Kuͤhnheit haben, zu behaupten, daß, wenn es sich um eine Fuͤrsorge fuͤr die geistlichen Beduͤrfnisse einer Bevblkerung handelt, die Zahl der letzteren gar nicht in Be⸗ tracht zu ziehen sey? Angenommen, es waͤren gar keine Protestan⸗ ten in Irland, wuͤrde man dann dennoch verpflichtet seyn, die herr⸗ schende Kirche dort aufrecht zu erhalten? Wenn die Argumente der edlen Lords gelten sollen, dann muͤßte dies freilich geschehen. Ich behaupte aber, daß die edlen Lords sich mit Hinsicht auf das soge⸗ nannte Kirchen⸗Eigenthum in einem gewaltigen Irrthum befinden. Sie moͤchten die Kirche gern wie eine Corporation betrachten und ihr die Rechte einer Corporation vindiciren. Ein solches Ding aber ist die Kirche nicht. Die Kirche ist bloß die Vereinigung der Glaͤubigen, nicht eine Koͤrperschaft von Geistlichen. Man sehe doch die Inconsequenz⸗ die grobe Verblendung derjenigen, die es fuͤr einen Tempelraub erklaͤren, in das von ihnen so genannte Kirchen⸗Eigenthum einzugreifen, wenn es sich um die eine Art und Weise der Verwendung desselben han⸗ delt, waͤhrend sie gern bereit sind, in eine andere zu willigen. Es heißt ihnen Tempelraub, einen etwanigen Ueberschuß zu milden und frommen Zwecken anzuwenden, aber es ist kein Tempelraub, den Be⸗ trag des den verschiedenen Mitgliedern der Staatskirche zugetheil⸗ ten Einkommens zu veraͤndern. Mit anderen Worten, diese Ein⸗ kuͤnfte unter alle Mitglieder der Kirche gleichmaͤßig zu vertheilen, waͤre kein Tempelraub, waͤhrend es ein Tempelraub von der schnd⸗ desten Art seyn soll, auch nur den kleinsten Theil der Einkuͤnfte zu

irgend einem anderen, wenn auch von der Kirche gehelligten Zweck

zu verwenden. Ich daͤchte doch, das Eine waͤre ein eben so starker Eingriff in alle Eigenthumsrechte, als das Andere. Was jedoch das anbetrifft, daß die katholische Kirche auch nur ein Dezimaltheilchen von einem Heller aus dem Fonds erhalten sollte, so kann kein edler Lord auf der anderen Seite des Hauses, ja, nicht einmal der edle Graf (von Winchilsea), der so eifrig uͤber diesen Punkt gesprochen hat, einem solchen Vorschlage mehr entgegen seyn, als ich es 1- wuͤrde, wenn ein Vorschlag der Art nur einen Augenblick denkbar waͤre. (Hoͤrt, hoͤrt!) Ich will noch weiter gehen: ich glaube nicht einmal, daß die auf⸗ geklaͤrten und freisinnigen Katholiken selbst im mindesten dafuͤr sind, shre Religion als eine pozitische Kirche begruͤndet zu sehen. Sie

daß es den Eid seines Souverains verlachen und

wuͤrden sich aus religidsen Gruͤnden eben so sehr dagegen straͤube als nur irgend Jemand aus politischen Ursachen dawider seyn köͤnm Es thut mir leid, waͤhrend der Debatte gewissermaßen einen Va⸗ such, religidsen Allarm zu schlagen, vernommen haben zu muͤssen. 9 verweise auf die Aeußerung des edlen Grafen (von Winchilseh welcher erklaͤrte, daß wir durch Aufregung viel verloren hätter und daher die Hoffnung haben wuͤrden, durch Aufregung wiesg etwas ruͤckwaͤrts zu gelangen. Auch der sehr ehrwuͤrdige Präin (der Bischof von Exeter) scheint geneigt, dieser neuen Firma pal⸗ tisch⸗geistlicher Aufregung beizutreten. Mir ist aber vor den Folga nicht sehr bange, denn erstens bedurfte es zu einer tuͤchtigen un regung in sonstigen Faͤllen eines ganz anderen Kapitals, als das welches diese neue fromme Firma angelegt hat. Rechtlichkeit mn immerhin ein gut Theil dazu beitragen, ich zweifle sogar nich daß sie in dem sichtbaren Ersolg, der die Aufregung in Irlug begleitet hat (Gelaͤchter), dazu beitrug; aber waͤre Neche lichkeit, wenn auch in noch so hohem Grade, das einzige angelta Kapital gewesen, so weiß ich gewiß, die „Rente“ wuͤrde weit gern⸗ ger ausgefallen seyn. (Großes Gelaͤchter und Beifall.) Ich trij mich also mit der Hoffnung, daß man, wenn man die geaußen Drohung wirklich auszufuͤhren gesonnen seyn sollte, eine so glig zende und vollstaͤndige Niederlage erleiden wuͤrde, wie man es we⸗ diente, und wie es sich von dem gesunden Sinn der Bevoͤlkernn⸗ Englands und Irlands erwarten laͤßt. (Hoͤrt, hoͤrt!) Niemand hmm den Verlust der rechtschaffenen, ehrenwerthen, talentvollen und brat⸗ baren Kollegen, die sich von uns getrennt haben, tiefer empfinda

daß das Gewoͤlk, welches auf einen Augenblick die Verhaͤltni welche die Mitglieder des Ministeriums mit einander verbinden, ne verdunkelte, aber nicht zerriß, gluͤcklich voruͤbergezogen ist.“ (in

Hiermit schloß diese interessante Debatte, und der Anta des Grafen von Wicklow auf Vorlegung der Instructionen, w der mehrerwaͤhnten Kommission ertheilt worden, ward ohne V. derspruch genehmigt. 1

London, 11. Juni. Der neu ernannte Muͤnzmeister, 9ü. Abercromby, stattete gestern mehreren Ministern Besuche ab we begab sich dann nach Edinburg, um daselbst seine Wiedererwi lung zu betreiben.

Gestern begannen die zur Feier der Installation des Hma⸗ zogs von Wellington, als Kanzlers der Universitaͤt Oxford, i dieser Stadt veranstalteten Festlichkeiten mit der Auffuͤhrung we Crotchschen Oratoriums „die Gefangenschaft Juda's“ im dorz, gen Theater. Schon am fruͤhen Morgen war Alles in Bem gung; Fußgaͤnger und Kutschen draͤngten sich nach dem Thean das um 10 Uhr geoͤffnet wurde. Kurz vor 11 Uhr setzte sich i langer Zug, der Herzog von Wellington an der Spitze, von e Universitaͤt aus nach dem Theater in Bewegung. Der Herp von Cumberland, der in der Uniform des 15ten Husaren⸗Nag. ments im Theater erschien, wurde mit lautem Beifall empfanzan, eben so die Lords Wynford und Lyndhurst, nicht so der Lat Kanzler, und Graf Grey sogar mit Zeichen des Mißfalleme Dem Herzog von Wellington wurde der groͤßte Applaus 1 Theil; er war in einen schwarzen Rock gekleidet, uͤber den den schwarzseidenen mit goldenen Frangen besetzten Kanzler⸗Manmt und das blaue Band des Bath⸗Ordens trug. Der Herzog e oͤffnete die Feierlichkeit mit einer kurzen Lateinischen Rede, worn er unter Anderem sagte, daß man eine Anzahl von Persona honoris causa zu Doktoren der Rechte zu creiren beschlossa habe; er las sodann die Liste derselben vor; es waren der Nut derlaͤndische Gesandte Baron Dedel, der Graf Matuszewicz, die Herzoge von Buccleuch und von Newcastle, die Marquis von Salisburh und von Bute und die Grafen von Winchilsea, vog Warwick, von Lawarr, von Roßlyn, von Wilton, von Browp low und von Falmouth, die Herren Fitzroy Sommerse Granville Sommerset, F. Egerton, Viscount Strangfeth Lord Burghersh, die Richter Sir J.⸗ Vaughan u Sir J. A. Park und der ehemalige General⸗Anmwy. Sir J. Scarlett. Dr. Phillimore stellte sodann die 1 creirten Doktoren dem Kanzler vor und hielt bei dieser Gch genheit eine Rede, worin er gedachte, daß er vor 20 Jaßte hier eine aͤhnliche Versammlung von ausgezeichneten M sonen vor sich gesehen und die Ehre gehabt, habe, der Unin⸗ sitaät die erlauchten Helden, die mit dem Kaiser von Rußla und dem Koͤnig von Preußen nach England gekommen warn als Doktoren vorzustellen; nur der groͤßte Feldherr seiner 3 der Herzog von Wellington, habe leider damals in der Versam lung gefehlt; er ging nun auf die Verdienste des Letzterenme und erwaͤhnte auch Einiges zum Lobe der neuen Doktoren;n Hrn. Dedel, den er namentlich hervorhob, sagte er, daß er von e Koͤnige der Niederlande, dem er den Titel pacis amicus hierher gesandt worden ad componendas controversias. wa rend England ihn gewissermaßen zu den Seinigen zaͤhlen koͤnn da er inter Elonenses nostros seine Studien gemacht hab Um 2 Uhr war diese Feierlichkeit beendigt, und ein paar Suu den darauf begann das Konzert, in welchem auch Mad. Caradet Allan eine Partie uͤbernommen hatte. -

Herr Spring Rice und Sir E. Sugden haben sich gesten Abend den Waͤhlern der Universitaͤt Cambridge praͤsentirt un Beide eine Rede gehalten, worin sie ihre Ansichten und Pif zipien auseinandersetzten. Dem Ersteren scheint der groͤtzte vBa fall zu Theil geworden zu seyn.

Die Spanischen und Suͤd⸗Amerikanischen Obkigationen vin gen an der gestrigen Boͤrse betraͤchtlich in die Hoͤhe; die Time schreibt das Steigen der ersteren der vortheilhaften Lage zu, walg die Madrider Regierung durch die letzten Ereignisse in Portug versetzt worden sey, und das der letzteren dem Umstande, d man allgemein glaube, Spanien werde nun nicht laͤnger mah mit der Anerkennung der Unabhaͤngigkeit seiner fruͤheren Kat nieen zoͤgern.

Aus Guatimala vom 4. Februar schreibt eine Perst die, wie die Times sagt, dort eine hohe amtliche Sth lung hat: „Das ganze Land erfreut sich setzt der Ruh und sein Handel beginnt in Flor zu kommen. Ich hoff daß, wenn die naͤchste Legislatur sich versammelt, die NüC dauernd befestigt seyn wird.“ Von ebendaselbst ist eine ug 20. Jannar datirte Antwort des dortigen Finanz⸗Ministers - eine von den Londoner Inhabern Guatimalaer Obligationen’

daß es nicht die Schuld der Regierung gewesen sey, wenn die Forderungen ihrer Londoner Glaͤubiger noch nicht habe friedigen koͤnnen, weil die politischen Verhaͤltnisse es bis jet nicht erlaubt haͤtten; Herr Marcial Zebadua, dies ist der Na des Finanz⸗Ministers, verspricht jedoch, daß die Regierung - naͤchsten gesetzgebenden Versammlung, deren Eroͤffnung im Man stattfinden werde, die Sache zur Beruͤcksichtigung anempfehle werde. Die Schuld beläͤuft sich angeblich auf 222,088 Pfun

Niederlande.

Aus dem Haag, 11. Juni. Ihre K. K. Hoheit

Prinzessin von Oranien wird morgen in Begleitung Ihrer Toch

ter vom Schlosse Soestdyk aus eine Reise nach Weimar ann⸗

ten, von wo Hoͤchstdieselbe zu Ende des naͤchsten Monats wiede zuruͤckkehren duͤrfte.

als ich, aber Niemand kann sich auch aufrichtiger daruͤber freug

Iselten die Forschungen der Astronomen in Europa;

ihn gerichtete Vorstellung hier eingegangen, worin derselbe san

1“ 1“

Unser Geschaͤftstraͤger in Neapel, Herr von Mollerus, ist

von dort zuruͤckberufen worden. ““ 8 Ig ““ Bruͤssel, 12. Juni. Der heutige M thaͤlt Koͤnigl. Verfuͤgung vom 3lsten v. M., wodurch der Ge⸗ (Goblet der ihm fruͤher uͤbertragenen Functionen eines Ge⸗ andten in Berlin enthoben, jedoch in dem Range eines außer⸗ ordentlichen Gesandten und bevollmaͤchtigten Ministers mit dem Vorbehalte bestaͤtigt wird, daß er als solcher wieder bei den Un⸗ an welchen er bereits fruͤher Theil ge⸗

eine nera

terhandlungen in London, nommen, mitwirke.

Mehrere Kaufleute von Antwerpen, Eigenthuͤmer der bei dem Brande des Entrepots der Stadt Antwerpen durch das Bombardement vom 27. Okrober 1830 vernichteten Waaren, ha⸗ hen der Repraͤsentanten⸗Kammer eine Bittschrift uͤberreicht,

und man wußte noch nicht, wann sie beginnen

worin sie sich daruͤber beklagen, daß die Regierung keine Maß⸗ regel vorschlage, um ihnen die Summen zuruͤckzuzahlen, die sie bei diesem Ereignisse verloren haben. 8

Man wilk hier ein Manuskript aus dem Jahre 1527 auf⸗ gefunden haben, das uͤber viele seit laͤngerer Zeit verloren gegan⸗ gene Vortheile der Kunst, auf Glas zu malen, interessante Auf⸗ schluͤse enthalten soll.

1“ 8

Warschau, 13. Juni. Se. Majestaͤt der Kaiser haben dem Oberst⸗Lieutenant Franz Datzewski vom Garde⸗Grenadier⸗ Regiment der ehemaligen Polnischen Armee mit Ruͤcksicht auf dessen 23jaͤhrigen Dienst und seine waͤhrend der letzten Revolu⸗ tion bewiesene Treue ein lebenslaͤngliches Jahrgehalt von 5968 Gulden bewilligt. 1

Der General Rautenstrauch, der jetzt die Functionen der ehemaligen Kommission zur Unterstuͤtzung der Offiziere und Beam⸗ ten der ehemaligen Polnischen Armee versieht, bringt zur oͤffent⸗ lichen Kenntniß, daß wiederum 37 Personen, worunter der Oberst⸗Lieutenant Ignaz Prondzynski, eine dreijaͤhrige Pension von zusammen 33,160 Fl. jaͤhrlich ausgesetzt worden. .

Beunt sbvhhland.

Hannover, 14. Juni. In der hiesigen Zeitung liest man: „Den Freunden der Astronomie wird es sehr angenehm seyn, zu erfahren, daß Sir J. Herschel (laut Briefen vom Vor⸗ gebirge der guten Hoffnung an seine in Hannover wohnende Tante Miß TCaroline Herschel) seine astronomischen Instrumente, namentlich seinen 20fuͤßigen Telescop bereits aufgestellt, und seine Beobachtungen jetzt ohne Zweifel begonnen hat. Sein letzter Brief ist vom 28. Maͤrz dieses Jahres datirt. In diesem Briefe wiederholt und schildert er nochmals seine in jeder Hinsicht und Beziehung gluͤckliche Reise, vorzuͤglich die gluͤckliche Wie⸗ derausschiffung seiner kostbaren Instrumente, welches Ge⸗ schaäft gewoͤhnlich in dieser Jahreszeit, der widrigen Winde wegen, mit vielen und großen Schwierigkeiten verknuͤpft ist. Er wohnt auf dem Lande, 5 Meilen von der Kapstadt, nahe am Tafelberge, in einem hoͤchst paradiesischen Thale, kraͤftige Baͤume, koͤstliche Gewaͤchse und Straͤuche mit ihrem bluͤthenrei⸗ chen Dufte umgeben seine Wohnung; das Auge sieht in den klaren Himmel ohne Wolken und Nebel, in den prachtvollen Himmel mit zahllosen Massen von Sternen, der, wie er sich begeisterungsvoll ausdruͤckt, seine kuͤhnsten Erwartungen bei Wei⸗ um übersteigt! So nach Wunsch vollkommen eingerichtet, wird es seinem hohen Forschungstriebe, der keine Opfer scheut, nicht fehlen, der Wissenschaft wichtige Entdeckungen zu machen. Selbst klare, heitere und wolkenleere Naͤchte erschweren nicht welche Aus⸗ sicht hat Herschel auf dem Kap! Von fuͤnf Naͤchten fand er drei voͤllig rein und heiter.”“

Weimar, 14. Juni. Am 10ten d. M. uͤberraschte der Prinz Johann von Sachsen Koͤnigl. Hoheit auf der Ruͤckkehr von einer Harzreise das Großherzogliche Haus mit einem Be⸗ suche und setzte darauf den Weg nach Dresden fort.

Gotha, 13. Juni. Morgen erwarten wir hier Se. Durch⸗ laucht den Herzog, dessen Gemahlin bereits heute hier eingetrof⸗ fen ist. Die hohen Herrschaften werden waͤhrend der Dauer des am naͤchsten Sonntage zu eroͤffnenden Landtages abwechseind hier und in Reinhardsbrunn verweilen.

Kassel, 12. Juni. Die hiesige Zeitung sagt: „Siche⸗ rem Vernehmen nach, hat das Ober⸗Appellationsgericht nunmehr auch in der ersten gegen den Vorstand des Ministeriums des Innern, Herrn Geheimen Rath Hassenpflug, von Seiten des staͤndigen Ausschusses der vorigen Staͤnde⸗Versammlung erhobe⸗ nen Klage ein den Angeschuldigten von den betreffenden Klag⸗ punkten freisprechendes Erkenntniß erlassen.“

Darmstadt, 13. Juni. S. K. H. der Großherzog haben dem Großh. Regierungs⸗Rath von Zangen, welcher bisher in aͤhnlicher Weise bei der K. Preuß. Provinzial⸗Steuer, Direction zu Koͤln verwendet war, den Auftrag ertheilt, die Stelle des Beamten einzunehmen und zu versehen, welcher von Seiten der Großh. Staats⸗Regierung nunmehr in Gemaͤßheit der neueren Zoll⸗Vereinigungs⸗Vertraͤge zu der K. Wuͤrttembergischen Zoll⸗ nach Stuttgart als Vereins⸗Bevollmaͤchtigter abzuord⸗ nen ist.

Muͤnchen, 12. Juni. Die heutige Sitzung der Kammer der Abgeordneten zeichnete sich dadurch aus, daß der Abg. Cul⸗ mann ganz unvermuthet seinen Sitz einnahm. Es laͤßt sich so⸗ nach nicht bezweifeln, daß die gegen ihn erhobene Untersuchung ohne weitere Folgen ihr Ende erreicht hat. Hr. Culmann ver⸗ weilte nur einige Augenblicke in dem Sitzungs⸗Saal. Der Referent der vereinigten zweiten, dritten und vierten Ausschuͤsse erstattete Bericht uͤber den Gesetz⸗Entwurf, die Erbauung eines Kanals zur Verbindung der Donau mit dem Rheine betreffend. Derselbe wurde auf den 14ten zur Berathung auf die Tages⸗ Ordnung gesetzt. Endlich erstattete der Secretair des Beschwerde⸗ Ausschusses Bericht uͤber die gepruͤften und zur Vorlage an die Kammer nicht geeignet befundenen Beschwerden; darunter war die Beschwerde der Hofraͤthin Behr zu Wuͤrzburg, die Unter⸗ suchung gegen ihren Gatten und ihren Sohn betreffend.

Der Professor der Theologie an der Universitaͤt Wuͤrzburg, Dom⸗Kapitular Dr. Roͤsch, ist am 7ten d. M. mit Tode abge⸗ gangen.

Muͤnchen, 14. Juni. Briefe hier angekommen, welche bis zum 12. Mai reichen. Die Ruhe

des Landes hatte Bestand, und die Organisation der Tribunale

hatte ihren Fortgang. Jeder Bezirk soll ein Friedens⸗Gericht, jeder Kreis ein Kreis⸗Gericht bekommen, das ganze Land zwei Appellations⸗Gerichte und einen Ober⸗Appelhof. Auch hatte man zu Anfang des Mai eine hinlaͤngliche Anzahl von Lehrern fuͤr das Gymnasium zu Nauplia zusammengebracht, die Schule war sofort eroͤffnet worden und hatte vielen Zugang. Die Ver⸗ handlungen uͤber den Prozeß der des Hochverraths angeklagten

affen⸗Haͤuptlinge waren auch damals noch nicht angefangen,

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Gestern sind aus Griechenland

rden. Aus Ankona hoͤren wir, daß dort Graf Saporta, der im April als Courier nach Griechenland von hier abging, am 2. d. M. in der Quarantaine angekommen, und neun Tage nach seinem Eintritte in dieselbe seine Reise hierher fortzusetzen ermaͤchtigt sey. Die Schwierigkeiten, welche bis jetzt gegen die Auszahlung der dritten Serie des Anlehens von 60,000,000 Fr. von einer Seite gemacht wurden, scheinen nun definitiv gehoben zu seyn, und die Regentschaft wird sich nun bald im Besitze auch dieses letzten Theiles der dem jungen Reiche zu seiner Einrichtung und Kon⸗ solidirung bewilligten Huͤlfs⸗Summen befinden. Der neue K. Griechische Gesandte, Herr Michael Schinas, ist uͤber Paris hier angekommen. Auch werden noch neun Griechische Knaben erwartet, welche von der K. Regentschaft hierhergeschickt werden, um gleich den fruͤher angekommenen in das Privat⸗Erziehungs⸗ Institut des Herrn Parrhisiades einzutreten.

Wuͤrzburg, 10. Juni. Heute Mittag um 1 Uhr sind Ihre Maj. die Koͤnigin und Ihre Koͤnigl. Hoheiten der Prinz Adalbert und die Prinzessin Adelgunde hier angekommen, und nach eingenommenem ellta enahi⸗ nach Kissingen weitergereist.

Aus Tann im Untermainkreise wird unterm 5. Juni gemel⸗ det: „Gestern hat sich in unserer Naͤhe bei Wintershausen ein trauriger Fall ereignet. Indem sich die Arbeiter aus einem Steinbruch des Majors von der Tann waͤhrend eines heftigen Gewitterregens unter einen Baum fluͤchteten, wurden sieben durch den Blitz zu Boden gestuͤrzt, waͤhrend alle zwanzig beinahe bewußtlos zu Boden fielen. Dr. Frech, welcher sogleich, nachdem ihm die Kunde hievon wurde, erschien, wandte alle der Kunst zu Gebote stehenden Mittel an, um von den ungluͤcklichen Opfern so viele als moͤglich zu retten. Drei Mädchen waren durch den Blitz geroͤdtet, indessen gelang es seiner Sorge, die uͤbrigen vier Personen ins Leben zu rufen, obwohl sie am Ruͤcken und an den Beinen mit Brandblasen bedeckt sind.“

Frankfurt a. M., 13. Juni. Die heutige Nummer des Amts⸗Blatts enthaͤlt folgende oͤffentliche Vorladung: „Da in der wegen revolutionnairer Umtriebe eingeleiteten Untersuchung die Vernehmung des Literatus Johann Christoph Frepeisen nothwen⸗ dig geworden, derselbe aber, nach der Angabe seiner Angehoͤri⸗ gen, gegenwaͤrtig hier nicht anwesend ist, man auch, zum Behufe einer Subsidial⸗Ladung, uͤber seinen dermaligen Aufenthalt keine genuͤgende Auskunft erlangen kann, so wird der genannte Freyei⸗ sen hierdurch aufgefordert, binnen vier Wochen vor unterzeich⸗ neter Behoͤrde um so gewisser zu erscheinen, als im entgegen⸗ gesetzten Falle schaͤrfere Maßregeln gegen ihn verfuͤgt werden sollen. Polizei⸗Amt.“

Oesterreich.

Wien, 6. Juni. Es wird im Laufe des Sommers ein großes Lager bei Turas in Maͤhren abgehalten werden, das Se. Maj. der Kaiser mit einem persoͤnlichen Besuche zu erfreuen ge⸗ denkt. Die Truppen werden sich in den letzten Tagen des Au⸗ gusts versammeln, und vier Wochen im Lager stehen. Dasselbe wird aus 20 Bataillonen, 40 Eskadronen und 12 Batterien (etwa 30,000 Mann) zusammengesetzt seyn.

Aus Korfu hat man Nachrichten von Griechenland; sie sind uͤber den Zustand des Landes befriedigend, und geben alle Hoffnung, daß die Wiedergeburt dieses ungluͤcklichen Landes mit schnellen Schritten vor sich gehen wird. Die Regentschaft soll fortwaͤhrend bemuͤht seyn, ihre große Aufgabe mit Ehre zu oͤ⸗ sen, und es ist ihr, so weit es nur moͤglich war, bis jetzt ge⸗ lungen. Es scheint aber, daß im Schoße der Regentschaft selbst eine Veraͤnderung vorgehen duͤrfte, daß wenigstens die den ein⸗ zelnen Regentschafts⸗Mitgliedern beigelegten Attributionen mo⸗ difizirt und nicht mehr in dem ausgedehnten Sinne festgehalten werden sollen, als es zeither geschah. So duͤrfte Graf Ar⸗ mannsperg nicht mehr ausschließlich der Regentschaft praͤsidiren, vielmehr das Regentschafts⸗Conseil abwechselnd dazu berufen werden.

Schweiz.

Zuͤrich, 11. Juni. Ein Kreisschreiben des Standes Bern vom 6. Juni spricht das Begehren aus, daß Hr. v. Effinger, Geschaͤftstraͤger in Wien, abberufen werde, und ersucht die Staͤnde, ihre Gesandtschaften fuͤr die naͤchste Tagsatzung dar⸗ uͤber zu instruiren.

Der Vorort hat eine Gesandtschaft nach Chambery abgeord⸗ net, um daselbst den Koͤnig von Sardinien im Namen der Schweiz zu begruͤßen Sfaltleee

Turin, 4. Mai. (Allgemeine Zeitung.) Die Diffe⸗ renzen mit der Schweiz sind noch nicht gehoben Es werden strenge Absperrungsmittel ergriffen werden, wenn der Vorort nicht genuͤgend einschreiten will oder kann, und die Beschwerden der Nachbar⸗Laͤnder unberuͤcksichtigt bleiben. Wahrscheinlich wird noch eine letzte Aufforderung nach Zuͤrich ergehen, damit man nicht uͤber zu schnelles Verfahren der Maͤchte klagen kann, falls die commerziellen Zwangs⸗Maßregeln in Ausuͤbung gebracht wer⸗ den. Nachdem die Schweiz den Revolutionnairen zum Zufluchts⸗ ort und Centralpunkt ihrer gefaͤhrlichen Plaͤne gedient hat, sucht sie sich das Ansehen zu geben, als wenn die gegen sie gerichte⸗ ten Klagen unzeitig und unverdient waͤren, und hat in dieser Vor⸗ aussetzung ihre divlomatische Korrespondenz in wenig versoͤhnen⸗ dem Tone gefuͤhrt; wenigstens geschah dies in dem Antwortschrei⸗ ben, das unserm Bevollmaͤchtigten zugekommen ist, woruͤber er sich mit Recht zu beschweren hat, wie er es auch gethan. Man muß sich wundern, daß dige Eidgenossenschaft sich so weit her⸗ auswagte, und kann sich natuͤrlich des Gedankens nicht erweh⸗ ren, daß hier fremder Einfiuß Platz genommen, und auf di⸗ rekte oder indirekte Weise einen gewissen Impuls gegeben habe. Es soll nun der letzte Versuch gemacht werden, auf guͤtlichem Wege die bestehenden Mißverhaͤltnisse beizulegen, und ernst⸗ liche Reibungen zu entfernen. Zu diesem Ende waͤre es gut, wenn von Seiten der Schweiz mit mehr Umsicht vorgegangen wuͤrde, wenn sie sich weniger rekalzitrant, mehr zuvorkommend zeigte, und unserem Hofe eine Art Genugthung gaäbe. Es duͤrfte dies der beste und leichteste Weg seyn, die alten freund⸗ schaftlichen Verhaͤltnisse mit den Graͤnzlaͤndern augenblicklich wie⸗ der hergestellt zu sehen, und Maßregeln zu verhindern, die den Handel und Verkehr der Schweizer empfindlich treffen wuͤrden.

Rom, 31. Mai. (Allgemeine Zeitung.) Waͤhrend der letzten Nacht hat man auf Regierungs⸗Befehl das Wappen Donna Maria's von dem Hotel abgenommen, wo der Agent die⸗ ser Prinzessin wohnt. Man hat oft von diesem Wappen gespro⸗ chen, und die Sache sehr verschiedenartig zu deuten versucht. Folgendes ist der wahre Verlauf der Sache. Als der Papst den Befehl gab, das Portugiesische Wappen von dem Hotel des Mar⸗ quis von Funchal abzunehmen, antwortete man, da der Marquis mit dem Hause Braganza verwandt sey, so duͤrfe man ihm in dieser

Eigenschaft das Vorrecht nicht verweigern, an seiner Wohnung das

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„Wappen dieser Familie zu befestigen, indem der Papst auch den

Roͤmischen Fuͤrsten gestatte, das Wappen der Koͤniglichen Fami⸗ lien, mit denen sie verwandt sind, zu fuͤhren. Man begnuͤgte sich mit dieser Antwort. Bei dem Tode des Marquis erneuerte der Ritter von Rossi, Geschaͤftstraͤger Dom Miguels, das naͤmliche Begehren, und reklamirte uͤberdies die Archive der Gesandtschaft. Aber er erhielt nochmals eine plausible Antwort: die Moͤbeln des Marquis waͤren noch in seinem Hause, so koͤnne man wohl noch sein Wappen daran lassen, und was die Archive anbelange, so habe man sie schon seit einiger Zeit in Sicherheit gebracht. Endlich haben die unerhoͤrten Beleidigungen gegen den Grafen von Curoli die Geduld der Regierung erschoͤpft. Man hat zwa Beschwerden und Protestationen hoͤren lassen; aber eine Abthei⸗ lung Reiterei war aufgestellt und bereit, auf den Nothfall Ge⸗ walt zu brauchen. . 1 Neapel, 2. Juni. Der Namenstag Sr. Majestaͤt des Köoͤnigs wurde am 30sten v. ⸗M. mit vielen Festlichkeiten began⸗ gen; eben so fand gestern die wegen eingetretenen schlechten Wet⸗ ters bis dahin aufgeschobene Frohnleichnams⸗Prozession statt. Der Koͤnig nahm an beiden Festlichkeiten oͤffentlichen Antheil und wurde bei beiden Gelegenheiten von dem Volke mit unbe⸗ schreiblichem Jubel begruͤßt. c 8

Spanien.

Madrid, 2. Juni. Ein Extrablatt der Hofzeitug vom heutigen Tage enthaͤlt Nachstehendes: „Die am 31. v. M. von uns angekuͤndigten Neuigkeiten haben sich vollkommen bestaͤtigt. Sie ist endlich entschieden, jene ernste Portugiesische Frage, die einen so genauen Zusammenhang mit der vollstaͤndigen Pacifica⸗ tion der Halbinsel hat. Nach den dem Kriegs⸗Minister von dem Ober⸗General des Operations⸗Heeres zugekommenen Berichten vom 29. und 30. Mai, so wie nach anderen bei der Regierung eingegangenen Depeschen sollten Dom Miguel und Don Carlos am 30. von Evora abgehen, um sich, der Erstere zu Sines und der Andere zu Aldea⸗Gallega, mit ihrer Familie und ihrer Di nerschaft unter Eskorte einzuschiffen. Die Truppen Dom Mi⸗ guels sollten unter den Bedingungen der von Sr. Kaiserlichen Majestaͤt dem Herzoge von Braganza bewilligten Amnestie in ihre Heimath zuruͤckkehren. Die Parteigaͤnger des Don Carlos, welche sich bei ihm in Evora befanden, sollten in das Innere von Portugal abgefuͤhrt werden, um daselbst den von der Spanischen Regierung in Beziehung auf dieselben zu fassen⸗ den Beschluß zu erwarten. Die von den Spanischen Truppen blokirten Orte Elvas, Campo⸗Major und Auguela waren auf dem Punkte, sich zu ergeben, und die Unterhandlungen waren zu diesem Zwecke bereits eingeleitet. Der Muth und die Loyalitaͤt, welche das Spanische Heer in dem benachbarten Koͤnigreiche be⸗ wiesen, die Entschlossenheit und Geschicklichkeit seines Anfuͤhrers, das musterhafte Betragen der Chefs und Offiziere, so wie die ausgezeichnete Mannszucht der Truppen haben ihnen die allge⸗ meine Achtung der Einwohner erworben. Der Herzog von Terceira, zu dessen Triumph unsere Soldaten so thaͤtig mitge⸗ wirkt haben, hat seine Erkenntlichkeit dafuͤr in nachstehendem, an den Ober⸗General Don Ramon Rodil gerichteten Schreiben ausgedruͤckt: „„Hauptquartier Azerajo, 22. Mai.

Herr General! Obgleich mir meine Beschaͤftigungen keine Muße lassen, kann ich doch nicht verfehlen, Ew. Excellenz meine Gluͤckwuͤnsche zu der Beendigung des Buͤrgerkrieges in Portu⸗ gal und zu der Einschiffung von Don Carlos, woraus fuͤr Spa⸗ nien ein aͤhnlicher Vortheil erwaͤchst, zu uͤbersenden. Ew. Excel⸗ lenz werden durch Ihren wuͤrdigen Adjutanten das Detail von Allem erfahren haben, was vorgefallen ist, und ich weiß im Vor⸗ aus, daß Ew. Excellenz eben so viele Freude, als ich selbst, dar⸗

lauchten Ehefs vereitelt die Plane aller ihrer Anhaͤnger.

aus schoͤpfen werden. Es bleibt mir nur noch uͤbrig, Ew. Ex⸗

cellenz zu versichern, daß der Beistand, welchen Sie mir gelei⸗

stet, nicht minder als die offene und verbindliche Art und Weise, mit der Sie dabei zu Werke gegangen, meinem Gedaͤchtnisse stets eingepraͤgt bleiben wird. Empfangen daher Ew. Excellenz den Ausdruck ꝛc. ꝛc. 8 Der Herzog von Terceira.““

Folgendes ist der Inhalt der insbesondere auf Dom Mi⸗ guel Bezug habenden Artikel der von Dom Pedro am 26. Mai genehmigten Capitulation: „Es wird dem Senhor Dom Miguel eine jaͤhrliche Pension von 60 Contos de Reis (95,000 Thaler Pr. Crt.) mit Ruͤcksicht auf den hohen Rang seiner Geburt bewilligt, und es wird ihm gestattet, uͤber sein persoͤnliches Ei⸗ genthum unter der Bedingung zu verfuͤgen, daß er die Kleinodien und andere der Krone oder Privatleuten gehoͤrige Gegenstaͤnde zuruͤck erstattet. Der Senhor Dom Miguel wird am 31. Mai Evora verlassen. Derselbe wird sich auf einem Kriegsschiffe ei⸗ nes der in Gemaͤßheit des Traktates vom 22. April verbuͤndeten vier Maͤchte einschiffen, um mit aller Sicherhett fuͤr seine Person und sein Gefolge, so wie mit allen seiner hohen Geburt schuldigen Ruͤck⸗ sichten, nach dem von ihm zu bezeichnenden Hafen gebracht zu werden. Der erwaͤhnte Senhor Dom Miguel verpflichtet sich, Por⸗ tugal binnen 14 Tagen zu verlassen, und macht sich anheischig, niemals wieder irgend einen Punkt des Portugiesischen oder Spanischen Gebietes zu betreten, auch in keiner Weise die Ruhe dieser Koͤnigreiche zu stoͤren. Im entgegengesetzten Falle verliert er sein Recht auf die sestgesetzte Pension und setzt er sich allen Folgen seines Benehmens aus. Der Generalstab des Senhor Dom Miguel wird sofort an alle Befehlshaber von festen Plätzen oder Feld⸗Truppen, so wie an alle Behoͤrden, welche seine Re⸗ gierung noch anerkennen, die Ordre zusenden, daß sie sich unver⸗ zuͤglich der Regierung Ihrer Allergetreuesten Majestaͤt Donna Maria II., unter Verguͤnstigung der Bedingungen der Amnestie, unterwerfen.“

In Franzoͤsischen Blaͤttern liest man folgendes Privat⸗Schreiben aus Madrid vom 1. Jüuni: „Jedermann ist jetzt mit der aus Portugal eingegangenen Nachricht beschaͤf⸗ tigt und ganz davon eingenommen; die Abreise der beiden er⸗ In⸗ deß darf man deshalb noch nicht voraussetzen, daß diese sich nun gutwillig den Verfuͤgungen unserer Regierung unterwerfen wer⸗ den; aber ihre Kriegfuͤhrung wird nun einer tauben Nuß glei⸗ chen, und das Ministerium kann ihr nichts Besseres entgegen stellen, als weise Gesetze, versoͤhnende Maßregeln und wirkliche Reformen. Man kann sich uͤbrigens nicht verhehlen, daß die Exaltirten diese Ereignisse benutzen werden, um ihre For⸗ derungen zu erhoͤhen. Das Dekret, wodurch die Cor⸗ tes einberufen werden, hat im ganzen Koͤnigreich eine sehr gute Wirkung hervorgebracht, und die Wahlen werden in gemaͤßigtem Sinne vor sich gehen, denn das Gesetz, welches den Wahl⸗Modus bestimmt, ist nicht dazu geeignet, eine dema⸗ gogische Kammer hervorzurufen; ganz im Gegentheil, man muß gewaͤrtig seyn, eine starke Minoritaͤt darin zu sehen, welche die Fortschritte hemmen wird, unter dem Vorwande, eine anarchische Bewegung zu vermeiden, und das duͤrfte die Regierung gar nicht ungern sehen. Man glaubt noch immer, daß das Kabinet der