einem Deus ex machina uͤberließ man ruhig die Aufloͤsung des Kno⸗ tens; an dramatischen Plan war gar nicht zu denken. Hier beginnt nun, auf Apostolo Zenos Fußstapfen weiter fortschreitend, Metasta⸗ sio's Weg zur Verbesserung, ja in gewissem Betracht zur Schoͤpfung oder doch wenigstens zu rechter Gruͤndung des Singspiels, wenn es An⸗ spruch auf den Namen Kunstwerk machen soll. Er hat, wenn auch nicht allen seinen Singspielen, doch den meisten, einen dramatischen Plan verliehen, den abgeschmackten mythologischen Stoff durch einen angemessenen historischen verdraͤngt und die damals bis zum Un⸗ maß uͤberhand genommene Spielerei mit Decorationskuͤnsten in ein weises Maß zuruͤckgefuͤhrt, das gegenwaͤrtig leider wieder ganz in die alte einseitige, alles harmonischen Zusammenban es entbehrende Gleisnerei mit Prunk zuruͤckzukehren scheint. In bloß mustkalischem Betracht steht ihm vornehmlich das Verdienst zur Seite, der Arie zu ihrem gebuͤhrenden Rang und Gegengewicht ge⸗
en das Recitativ geholfen zu haben. Doch das ist es nicht, was üan zum Liebling, ja man darf sagen zum Goͤtzen des Italiaͤni⸗
schen Publikums machte, sondern der Wohllaut und die unuͤbertreff⸗ V
iche Sangbarkeit seiner Sprache, die gluͤckliche Erregung der Lei⸗ denschaften, die Kunst das Herz zu ruͤhren, das lene tormentum des Horaz, und daß er, was einige Kunstrichter ihm zum Fehler anrechnen, die Liebe üͤberall zur vornehmsten Triebfeder der menschlichen Hand⸗ lungen erhoben hat. Gerade in einer solchen Gemuͤthsstimmung und solchem Schwung des Geistes, gehemmt und gedruͤckt durch die außeren unwuͤrdigen Schranken, hat ihn uns der Dichter des hier erwaͤhnten Drama's vor Augen gefuͤhrt, und ihn sowohl, wie die kontrastiren⸗ den Verhaͤltnisse und Personen, die ihn druͤcken und erheben, recht lebhaft dargestellt, die einen, ohne widerlich abzustoßen, die andern,
———8é8—— St.-Schuld-Sch.
um fuͤr sich und den Metastasio, dem sie leidenschaftlich ergeben sind, aguch unsern Antheil zu gewinnen. Und diesen Intentionen des
Dichters hat die mimische Darstellung eine lebendige Wahrheit und ein Kolorit gegeben, das dem Talente der Darstellenden wie der
Wahl des Intendanten und der Achtsamkeit des Regisseurs zur hoͤch⸗ sten Ehre gereicht. Wir heben nur vorzugsweise heraus die ge⸗ muͤthliche Kraft des Herrn Grua als Metastasio, die so auf ein Haar charakteristrende des Herrn Lemm als Gennaro, die Feinheit der Kunst und des gesellschaftlichen Anstandes des Fraͤuleins von Hagn und die reiche, bluͤhende Fuͤlle des Naturells der Dlle. Hulda Erck, die in ihrer ersten Jugendbluͤthe der Buͤhne eine lange, schoͤne Wirksamkeit im Fache der sogenannten zaͤrtlichen und mun⸗ tern Liebhaberinnen und naiven Maͤdchen verspricht.
— % —
Meteorologische Beobachtung.
Morgens Nachmitt. Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.
Luftdruck.. 336,37“ Par. 335,9 5 Par. 336,2 2“ Par. Luftwaͤrme 15,9 °R. A, b6 *ʒ R. 18,5 °R. Thaupunkt 10,5 °R. 12,6 °R. 11,4 °R. Dunstsaͤttg. 67 pCt. 42 pCt. 58 pCt. Wetter... heiter. Wind . Wolkenzug —
1834. 7. Juli.
Quellwärme 7,8 ° R. Flußwärme 19,0 °R. Bodenwärme 14,s °R. Ausdünst. 0,29 1“%Rh. Niederschlag 0, 1 60 Rh. Abends 9 Uhr Gewitter. Nachts Regen.
Pr. Engl. Anl. 18. Pr. Engl. Anl. 22. Pr. Engl. Obl. 30. Präm. Sch. d. Seeh. Kurm. Obl m. l. C Neum. Int Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do.
Elbing. do.
Danz. do. in Th. Westpr. Pfandbr.
We
Grofshz. Pos. do. Ostpr. Pfandbr. Pomm. do.
Kur- u. Neum. do. Schlesische do. Rkst. C. d. K.- u. N. Z.-Sch. d. K.-u. N.
95 ½⅔ 58 ⅔ 99 98 ¾ 99 ½ 98 ½ 98 ½ 37 100 ¾
Holl. vollw. Duk. Neue do.
Friedrichsd'or ..
Disconto..
===veO
100 ¾
chsel-Cours.
102½ — 101 106 ¼ 106 ¾
105 ¾
106 69 69 ½
17 ½
18¾
14 ½ 13 ½ B
hreusfs Cour Eriet] Geld.
18
Amsterdam dito
London
Paris
Wien in 20 Xr. Augsburg Breslau
Leipzig
Frankfuürt a. M. WZ.
Petersburg Warschau
Kurz
2 Mt. Kurz
2 Mt.
3 Mt. 2 Mr. 2 Mt. 2 Mt. Mt. 8 Tage 2 Mt. 3 Woch. Kurz
250 Fl. 250 Fl. 300 Mk. 300 Mk. 1 LSt. 300 Frn. 150 Fl. .150 Fl. 100 Thl. 100 Thl.
2 2₰
A
Niederl. wirk! Kanz-Bill. 23 ¼.
Preuss. Prämien-Scheine. 33 419.
72 ½.
Span.
Span. 5 9 71. 100 ¾. Belg. 98 ½.
Oesterr. 59 19 23 ⅞. Br B
Loose zu 100 Fl. 209 ½. Br.
Loose 65 ⅛. 65 ⅛.
uswärtige Börsen. Amsterdam, 3. Juli. .Schuld 52 ½ 59 do. 97½ 4½9 Amort. 91. 3 ½ 8 74. 103. do. 49½ Anl. 98 ¾.
Kuss.
Antwerpen, 2 Juli. 39 48. Zinsl. 19. Neap. 90.
Frankfurt a. M., 5. Juli. Metall. 100 ¾. 100 r. 49 91 ½. 91;3⅛. unk -Actien 1547. Holl. 5 98 Obl. v. 1832 95⁄ n, be
12
Preuss. Präm.-Scheine 578½.
Oesterr. 98.
rang 763³ Bras, 76 .
1545. Part. -Obl.
142 141 ½ 152 ½ 151 ½⅔
[104 ½ 103 ½ 99 103 ½ 103 ⅔ 30 ½
Ausgesetzte Schuld 1¼.
(V. 1831) 98 58
Metall.
1 0 3ö 2 ½ 8 542. Br. 139 ¾. Br.
2 [11 4. 9lv†. Poin.
do. 4 9% Anl. 95.
94 ¾. 5 9 Span. Rente 71 ¾. 71 ½. 33 do. perp. 47 ⅛. 478⅝.
59 Rente pr.
Paris. 2. Juli. compt. 106. 25. fin cour 106. 65.
8
pr. compt.
77. 50. fin cour. 77. 80. 59 Neap. pr. compt. 94. 30. fin cour. 94.
—
gang, Lustspiel in 2 Akten.
38% 46 ½. (Coup. dét.) Cortes 38 ½.
75. 59 Span. Rente 71 ½.
Ausg. Span. Schuld. 18 ½. Warschau, A. Juli.
Pfandbr. 95 ¼.
Koͤnigliche Schauspiele.
Mittwoch, 9. Juli. Im Opernhause: Das Landhaus an der Heerstraße, Posse in 1 Akt, von Kotzebue. Hierauf: Die Schweizer⸗Familie, Singspiel in 2 Abth. Musik von Weigl.
Zu dieser Vorstellung werden Opernhaus⸗Billets, mit Frei⸗ tag bezeichnet, verkauft. 8
Donnerstag, 10. Juli. Im Schauspielhause: Zum ersten⸗ male wiederholt: Das Crimen plagii, oder: Die Gleichen haben sich gefunden, Lustspiel in 1 Akt, von Albini. Hierauf: Pietro Metastasio, historisches Drama in 4 Abth., frei nach dem Ita⸗ liaͤnischen des Federici, von C. Blum.
Freitag, 11. Juli. Im Opernhause: Der Templer und die Juͤdin, große romantische Oper in 3 Abth., mit Tanz. Mu⸗ sik von Marschner. (Dlle. Grosser: Rebecca, als Gastrolle.)
Zu dieser Oper bleiben die bereits geloͤsten mit Mittwoch bezeichneten Opernhaus⸗Billets guͤltig; auch werden die dazu noch zu verkaufenden Billets, ebenfalls mit Mittwoch bezeichnet seyn.
Koͤnigstaͤdtisches Theater. Mittwoch, 9. Juli. Zum erstenmale wiederholt: Helene, Charakter⸗Gemaͤlde in 4 Akten, von Bauernfeld. Hierauf: Der Hofmeister in tausend Aengsten, Lustspiel in 1 Akt, frei nach dem Franzoͤsischen, von Th. Hell. Donnerstag, 10. Juli. Der Liebestrank, komische Oper in 2 Akten. Musik von Donizetti. Hierauf: Nach Sonnenunter⸗
Freitag, 11. Juli. Der boͤse Geist Lumpacivagabundus, oder: das liederliche Kleeblatt, Zauber⸗Posse mit Gesang in 3 Ak⸗ ten, von J. Nestroy. Musik von A. Muͤller.
—
Markt⸗Preise vom Getraide. Berlin, den 7. Juli 1834. Zu Lande: Roggen 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf, auch 1 Rthlr.; kleine Gerste 21 Sgr. 3 Pf., auch 20 Sgr; Hafer 22 Sgr. 6 Pf, auch 17 Sgr. 6 Pf. Zu Wasser: Weizen (weißer) 1 Rthlr. 25 Sgr., auch 1 Rthlr. 20 Sgr. und 1 Rthlr. 12 Sgr. 6 Pf.; Roggen 1 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf.; große Gerste 25 Sgr.; Hafer 22 Sgr. 6 Pf, auch 21 Sgr. 3 Sf
8 Sonnabend, den 5. Juli 1834. Das Schock Stroh 8 Rthlr. 5 Sgr., auch 6 Rthlr.; der Cent⸗ ner Heu 1 Rthir. 5 Sgr. auch 20 Sgr. 8
Redacteur Cottel. a Tnec de—⸗ Gedruckt bei A. W. Hayn
chungen.
Avertissement. Auf den Antrag eines Hypothekarischen Glaͤubigers ist die nothwendige Subhastation des dem Kaufmann George David Wilhelm Bontin allhier gehoͤrigen, in der langen Straße hierselbst sub No. 62 belegenen, im
ypothekenbuche sub No. 87 verzeichneten Wohnhau⸗ es nebst Zubehoͤr, taxirt zu 6068 Thlr. 5 sgr. 5 pf. 1834 verfuͤgt, und ein Bietungs⸗Termin auf
den 13. Januar 1835,
Vormittags 11 Uhr, in unserm Geschaͤftslokale ange⸗ setzt, sa welchem wir besitz⸗ und zahlungsfaͤhige Kauf⸗ liebhaber mit dem Bemerken einladen, daß die Taxe des Grundstuͤcks und der neueste Hypothekenschein besfelben in unserer Prozeß⸗Registratur eingesehen wer⸗ den koͤnnen. 3
Havelberg, den 12. Mai 1834. Koͤnigl. Preuß. Land⸗ und Stadtgericht.
Subhastations⸗Patent. Zum Verkauf des im Inowraclawschen Kreise bele⸗ genen, zur erbschaftlichen Creditmasse des Benediet Johann Alexander Jeszka gehoͤrigen freien Allodial⸗ Ritterguts Balczewo Nr. 3, relche landschaftlich auf 11,815 Thlr. 18 sgr. 8 pf. abgeschaͤtzt ist, steht, da in dem am 3 Juni 1833 angestandenen peremtorischen Termine sich kein Kauflustiger gemeldet hat, im Wege der nothwendigen Subhastation ein neuer peremtori⸗ scher Bietungs⸗Termin auf den 11. September d. J., vor dem Herrn Ober⸗Avpellationsgerichts⸗Assessor Magnus, Vormittags um 11 Uhr, in unserm Instruc⸗ tions⸗Zimmer an, zu welchem Kauflustige mit dem Gemerken eingeladen werden, daß die Taxe, der neueste ypotheken⸗Schein von diesem Gute und die beson⸗ deren Kaufbedingungen in unserer Subhastations⸗Re⸗ gistratur eingesehen werden koͤnnen. 8 Bromberg, am 2. Mai 1831. “ Koönigl. Preuß. 88 1I
gebuͤhrt; III) daß die
und Nichtreden.
mern.
mation.
don.
Allgemeiner Anzeig
Koͤnigli
der Spielkarten. — Paris waͤhrend des Direktoriums. gebuche des Herrn Charles de Constant. — Wissen⸗ schaftlicher Zustand Europa's zu Anfang des sechszehn⸗ ten Jahrhunderts. Vo
— Politische Lage Europa's beim Eintritt der Refor⸗ Von Capefigue. — Politischer Charakter der ersten Periode der Reformation (1517 — 1535) in Frankreich. Von Capefi zue. — Durlessis Mornay, Heinrich's IV. Zeitgenosse. — Bibliographische Mit⸗ stheilungen in 7 Nummern.
11) daß deren hinterlassenes Vermoͤgen denjenigen Personen zufalle, denen es, nach der gesetzlichen Erbsolge und dem hiefuͤr gelieferten Bseweise,
Kosten der Todeserklaͤrung aus dem Ver⸗ moͤgen der üaighao- 18 nehmen seyen.
Pleinfeld (im Rezatkreis von Bapern), am 14. Juni
es Landg
er fuͤr die Preußischen Staaten.
T“ 1
underer, Koͤnigl. Landrichter.
Nord⸗Amerika.
Patrck Watkins. — Die letzten Augenblicke ausge⸗ jeichneter Menschen. — Bibliographische Mittheilun⸗ gen in 2 Nummern. Mannigfaltiges. 8 Unbesangenheit Richard Cromwell's. — Skrupulöoͤser Stelzengang der alten Logik. — Unendlichkeit des Himmelsraumes. — Die Bervoͤlkerung der Erde auf inem Punkte beisammen. — Kean, der Liebling des Englischen Publikums. — Das Feldgeschrei. — Ein Wald unter dem Meere. — Eine neue Wunderhoͤhle. — Seefahrten der Bewohner von Cochinchina — Um⸗
ericht.
Literarische Anzeigen.
Magaz i fuͤr die Literatur des Auslandes.
Verzeichniß der im Monat Juni von dieser Zeit⸗ schrift gelieferten Arkikel:
Spanien.
Die Verschwoͤrung von Venedig im Jahre 1310, von Don Francisco Martinez de la Rosa. — Eine Spanische Parabel. — Die feindlichen Freunde oder der Buͤrgerkrieg. Original⸗Novelle von Don Rafael Humara y Sala⸗ manca. — Bäbliographische Mittheilungen in
rankreich.
F Das Leichenbegaͤngniß Heinrich's IV. — Ursprung Von dem Bibliophilen P. L. Jacob.
1450 — 1517.
England.
Ein blinder Taubstummer. — Die Theater in Lon⸗ Zweiter Artikel. — Ayescha, James Morjern
blick auf einer Fahrt von Norkoͤping nach Stockholm. — Das neu entdeckte Manuscript Torquato Taso's. — Genie und Talent. — Jean Paul's Titan, von Chasles. — Portugiesische Ansichten in Theatersachen. — Sammlung Italiaͤnischer Sonnette. — Badende Indierinnen. — Allmaͤlige Ausrottung der Thiere. — Fußzaͤnger⸗Virtuositaͤt. — Katherine Howard. — Ge⸗ traidebau in Frankreich. — Versuch mit einem Dampf⸗ schiff im Jahre 1543 — Kunst⸗Ausstellungen mit lee⸗
n
einer Elephanten⸗Heerde. — Koͤnig Lear. — Persische Prinzen. — Franzosen und Englaͤnder bei Tische. Zucker, ein Gegengift gegen Veraiftungen durch Gruüͤnspan. — Ibrahim Pascha. — Fassungskraft der Irlaͤnder. — Neue Schwedische Oper. — Medizini⸗ 8855 Kollegium in Konstantinopel. — Schifffahrt de. Wilden.
Der Praͤnumerations⸗Preis fuͤr diese woͤchentlich drei Mal in eng gedrucktem klein Folio erscheinende Zeitschrift betraͤgt vierteljaͤhrlich 22 ¾ sar., wofuͤr sie sowohl durch die Expedition der Allg. Preuß. Staatz⸗ Zeitung (Mohren⸗Straße Nr. 34) als durch alle Koͤ⸗ nigliche Post-Aemter portofrei zu beziehen ist.
Reden Historische 3 Num⸗
Aus dem Ta⸗
Von Capefigue.
Bis
Im Verlage von Theodor Pergay in Ascheffen⸗ burg ist erschienen und durch alle solide Buchhandlun⸗ gen (durch E. S. Mittler in Berlin, Stechbahn 3, Posen, Bromberg, Gnesen und Culm) zu be⸗ ziehen: Katholisches Museum fuͤr die gebildete Lesewelt. Herausgegeben von Dr. J. V. Hoe,
ren Rahmen. — Unerwarteter Tyeatereffekt. — Marsch
Diese Uebersicht wird genuͤgen, die Aufmerksamkeit sedes Gebildeten auf eine eben so sehr durch Wahl und Anorbnung interessanter Stoffe, als durch hoͤchst an⸗ ziehende Darstellang, ausgezeichnete Schrift zu richten, welche bereits nach Maaßgabe ihres Bekanntwerdent mit einstimmigem, entschiedenem Beifall begruͤßt wird, und deren allgemeine Verbreitung durch den aͤuperst billigen Preis von 54 Kreuzern (15 sgr.) füͤr das in
gen in gr. 8vo. moͤglichst erleichtert ij
Aeusserstempfehlenswerthes Werk für all⸗ Aerzte, Chirurgen und die Medizin Studirende:
Pfennig -Encyclopädie 6616A4*“ oder bildliche Darstellung der gesammten menschlichen Anatomie nach Rosenmüller, Loder, Carl Bell, Gordon, Bock ete. Gestochen von J. F. Schröter, mit erklärendem
Text von Dr. Th. Richter. Wir lassen die vollsrändlige menschliche Anatowie, welche fertig in unsern Händen ist, so dass das Er- scheinen nie eine Unterbrechung und Verzögerung er- fahren wird, in Lieferungen zu 4 schwarzen Kupfertafeln in Quart, nebst dein dazu gehörigen Texte,
z um Preis von 9 sgr. für jede Lieferung von Monat zu Monat erscheinen. Diese Art der Veröffentlichung macht es sogar dem Unbemittelten leicht, sich in den Besitz des schätzba- ren Werkes zu setzen, da dazu nur die geringe Er- sparniss von 1 ⅞ gr. wöchentlich erforderlich ist, wo- durch der Subscribent in einer kurzen Zeit eine voll- ständige nach den besten Quellen bearbeitete Anatomie erhält. Leipaig. Baumgärtners Buchhandlung. In Berlin wendet man sich an die Stuhrsche Buch- handlung, Schlossplatz No. 2, um zu subscribiren.
So eben ist erschienen und in allen Buchhandlungen, in Berlin in der Enslinschen (Ferd. Muͤllet), Breiteßraße Nr. 23, zu haben:
Sammlung der Verordnungen uͤber die
geschmackvollem Umschlage broschirte Hets von 10 Bo⸗
II1 In dem Todeserklaͤrungs⸗Prozesse gegen Johann Marx Ammon und Cons. erkennt das Koͤnigl. Baie⸗ rische Landgericht Pleinfeld andurch zu Recht: 1) daß nachstehende Personen, naͤmlich: 1) Ammon, Johann Marx, geb. 19. Febr. 1796, 8 aus Barnsdorf;
8 8
aus Spalt; — 3) B;pdhringer, Wolfgang, geb. 12. Juni 1784, aus Roth; 1 4) Boͤhringer, Martin, geb. 5. Nov. 1790,
2) Asam, Raimund Anlon, geb. 8. Jan. 1789,
nengeste Sittenschilderung. — Englische Notizen uͤber Haͤndel. — Die Sprache der Phoͤniziir in Irland. — Das Berg⸗Steigen auf der noͤrdlichen und suͤdlichen Erdhaͤlfte. — Die Organisation einiger Thierpflanzen. — Erinnerungen eines alten See⸗Capitains. Von Flexible Grummet. I. Der erste Ausflug. — Kandien und seine Bewohner. Von einem Britischen Marine⸗ Offizier geschildert. — Bebliographische Mittheilungen
in 5 Nummern. Schweden. Biographie von Kraus, nebst 50 Briefen von ihm. — Bibliographische Mittheilungen. 1
Franzoͤfischen. 2. Missionen in der Levante — in Wohlthaͤtigkeits⸗Anstalten in Roͤm. lienischen des Abtes Piazza, von Dr. F. J. He — Apostolischer Stammbaum der roͤmisch⸗katholischen Kirche. Vom Beischof Dr. John Milner. Englischen von Dr. M. Lieber. — Bei dem Tode
ninghaus. Inhalt: jahres. Vom Professor Dr. F. A — Schilderung katholischer Orden und Misstonen. Vom Vicomte F. A. de Chateaubriand. Aë 1. Anstalten der Barmherzigkeiten ꝛc.
15 Hefr.
Der Festeyklus des katholischen Kirchen⸗ Staudenmaier.
Gewerbe⸗, Handels⸗ und Abgaben⸗ Verhaͤltnisse in den Vereinsstaaten Deutschlands. 1 Herausgegeben von dem Koͤnigl. Preuß. Geheimen Rechnungs⸗Revisen choͤnbrodt. Ersten Bandes zweite Lieferun
Aus dem
China. — Die Nach dem Ita⸗ erbst.
Aus dem
Erschienen und versandt ist: Journal für praktische Chemie. Herausgegebes von O. L. Erdmann und F. W. §S er⸗
aus Roth;
Persien.
Pius VII. Sonett. Vom Staatsrath E. von Schenk —. Die Kroͤnung Pius VIII. — Zwei Briefe von
1 chweigg Seidel 2ten Bandes 14 Hest, 1834. No. 9. gr. 8vo.
5) Denk, Jakob Ferdinand, geb. 15. Oct. 1793, aus Roth;
6) SS Konrad, geb. 8. Maͤrz 1790, aus oth; 7) Heinlein, Stephan, geb. 6. Nov. 1788, aus
Roth 8) Loy, . aus Stirn;
9) Meck, Joh. Balthasar, geb. 11. Januar 1792,
aus Roth;
10) Oeder, Johann, geb. 4. August 1790, aus
Mauk; 11) Roͤßlei Untersteinsbach a. d. H.; 12) Scheuerlein, Johann 1790, aus Kauernhofen,
th; y, Johann Mathias, geb. 30. Aug. 1789,
lein, Karl, geb. 12. April 1779, aut Adam, geb. 2. Juli
ersische Art zu reisen. Pßi6 H'stindien.
Indische Panoramen. Delht.
in a.
Güutzlaff's dritte Reise an den Chinesischen Kuͤsten. Morgenlaͤndische Literatur. 1
Der Arabische Dichter Achtal. — Die weißen Ele⸗ ohanten im Reiche der Birmanen. Aus des Italiaͤ⸗ nischen Pater Sangermano Werk uͤber das Birmani⸗
sche Reich. Aegypten.
Aegypten im Jahre 1834. Von Achille de Vaula⸗ gelle. — Die Irren⸗Anstalt in Kahira. Akri 1
Das Vorgebirge der auten Hoffnung. Von einem
bare
Kreuz.
de Camoens, vom K.
fuͤr todt zu erklaͤren seyen;
Britischen Offizier. — Eine Seene in der Libyschen Wuͤste.
aͤuptlingen
Rom. —
Sonett
1 nordamerikanischer Staͤmme an den heil. Vater. schen u. Irokesischen. — Das große Weltseminar in — Reliquien v. d. ungluͤcklichen Maria Stu⸗ art, Koͤnigin von Schottland. — Ueber den Ka⸗ tholizismus in Schweden. - Montalembert. Aus dem Franzoͤstschen. — Noth⸗ ruf au alle apostolische Hirten und ihre Heerden, in Betreff der armen katholischen Gemeinde zu Stock⸗ holm. Von dem apostol. Vikar J. L. Studach. — Der liebe Priester. Irisches Volksliedchen. — Dank⸗ Erinnerung eines protestantischen Daͤnen an die barmhertzigen Schwestern zu Chambery. — An das Nach de Fesragiecschen des Luit 28 1 of⸗Bibliot J. Merkel. — Miszellen.
Aus dem Algonkini⸗
Veoem Grafen Ch. de
wilden Indianer⸗ lit 2 Kupfertafeln. Preis des Jahrgangs von 3 Bän- den oder 24 Heften. 8 Thlr.
Inhalt: Heiz- und Verkohlungs-Apparate- I. Heeren, Beschreibung eines Thermostat. — II. Roscher, Beschreibung eines, für die ununter⸗ brochene Verkohlungsarbeit constrvirten, zunächst för die Verkohlung der Braunkohlen und des Torses be- mimmten und für eratere auch in Ausfübrung gebrach- ten Ofens; nebst Bemerkungen über die Anwendbar- keit desselben bei andern technischen Anstalten. — Mittheilungen ver mischten Inhalt«.
Leipzig, den 9. Juni. 1834. Joh. Ambr. Barth.
Zu beziäeben in Berlin Jurch “ Ludwig Oehmigke, Durgstrasse No. 8.
ekar Profe ssor
Preußische
Allgemeine
Berlin, D
nnerstag den
10ten Juli
tliche Nachrichten Kronik des Tages.
Des Koͤnigs Majestaͤt haben den Ritterauts⸗Besttzer Frei⸗ herrn von Zedlitz auf Boguslawitz zum Landrath des Warten⸗ berger Kreises, im Regierungs⸗Bezik Breslau, Allergnaͤdigst zu ernennen geruht.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben den Land⸗ und Stadtgerichts⸗ Direktor von Braun zu Kelberg zum Kreis⸗Justizrath fuͤr den Fuͤrstenthum Kamminschen Kreis, im Departement des Ober⸗ Landesgerichts zu Koͤslin, mit Ausschluß des Land⸗ und Stadt⸗ gerichts in Koͤslin, zu ernennen und die desfallsige Bestallung E 5t I1“
Alerhoͤchst zu vollziehen geruht.
Des Koͤnigs Majestaͤt haben den Pfarrer an der St. Mar⸗ iins⸗Kirche zu Posen, Johann Jabezynski, zum Domherrn an der Metropolitan⸗Kirche daselbst zu ernennen und die desfall⸗ sige Urkunde Allerhoͤchstselbst zu vollziehen gerusllt.
— —
* [I1.
Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz August ist nach Pom⸗
mern abgegangen.
Der Professor Dr. Poggendorf hierselbst ist zum außer⸗ erdentlichen Professor in der philosophischen Fakultaͤt der hiesigen Koͤniglichen Universitaͤt ernannt worden. 1
Der Justiz⸗Kommissarius Buͤsching zu Sandau ist zugleich zum Notar im Departement des Koͤniglichen Ober⸗Landesge⸗ richts zu Magdeburg bestellt worden.
Bekanntmachung.
Auf hoͤheren Befehl macht die unterzeichnete Direction hier⸗ durch bekannt, daß saͤmmtliche Stellen bei der Koͤniglichen Tele⸗ graphen⸗Linie zwischen Berlin und Koblenz besetzt, auch so viele Erpektanten notirt sind, daß sich jetzt noch meldende Individuen emehreren Jahren auf keine Anstellung rechnen koͤnnen.
Die Geruͤchte von einer Erweiterung der Linie sind voͤllig ngegruͤndet.
Fernere Eingaben mit Gesuchen um Anstellung koͤnnen also icht beruͤcksichtigt werden.
Berlin, den 5. Juli 1834.
Koͤniglich Preußische Telegraphen⸗Direction. 8 O'Etzel,
Major im Generalstabe ꝛc.
Abgereist: öten Landwehr⸗Brigade, von Hedemann, nach Brandenburg.
Nachrichten. laga nd. Rußland.
tungs Ah
Zei
8
St. Petersburg, 1. Juli. Se. Majestaͤt der Kaiser ha⸗ I. zum General⸗Gouverneur
en den General⸗Major Temiriasew on Astrachan ernannt und demselben zugleich die Eivil⸗Admi⸗ istration dieses Gouvernements verliehen. Der Ober⸗Stallmeister, Fuͤrst Dolgorukow, hat den Wladi⸗ ir⸗Orden erster Klasse, der General⸗-Major Majewski den An⸗ en⸗Orden erster Klasse und der Adjutant des Koͤnigs von Sar⸗ inien, Oberst Marquis von Arvillars, den Annen⸗Orden zweiter Klasse erhalten. Einem Kaiserl. Ukas zufolge, soll zur Bequemlichkeit füͤr ie Handels⸗Verhaͤltnisse mit Polen eine neue Goldmuͤnze, von Rubel in Gold, gepraͤgt und selbige den Namen 3 Rubel⸗ zmperial oder Russischer Dukaten fuͤhren. Die Inschrift auf jeser Muͤnze lautet in Russischer Sprache: „3 Rubel“, und Polnischer: „20 Slot.“ Diese Goldmuͤnze soll auch in Warschau gepraͤgt werden; zugleich wird dem Muͤnzhofe in War⸗ hau erlaubt, auch die bisher hier gepraͤgten Russisch⸗Polnischen Silbermuͤnzen von 15 Kop., 75 Kop. und 1 ½ Rub. mit der Polnischen Inschrift 1, 5 und 10 Slot zu praͤgen, wie auch ne neue von 30 Kop. oder 2 Slot. — Alle diese Silbermuͤn⸗ en, wie auch die obige goldene, sollen im ganzen Reiche, wie Rußland so auch in Polen, im Cours angenommen werden.
Frankreich.
Paris, 2. Juli. Nachstehendes sind die Betrachtungen, denen ein anonymer Deputirter sich im Courrier fran— gis durch die Koͤnigl. Verordnung, welche die Eroͤffnung der Session schon auf den 31. Juli anberaumt, veranlaßt sieht: „Der A2ste Art. der Charte verpflichtet die Regierung, bei einer ufloͤsung der Deputirten⸗Kammer innerhalb dreier Monate eine dere an deren Stelle zusammen zu berufen. Was ist der Zweck ieser Bestimmung? Kein anderer, als die Regierung, die sich ihrer öchsten Macht gegen eine der beiden anderen Staats⸗Gewalten be⸗ ent hat, zu verhindern, daß sie sich von der Kontrolle dieser letz⸗ in losfage und eine politische Richtung nehme, die dem National⸗ illen widerstrebt. Durch jene Bestimmung wird sonach das Auf⸗ sungs Necht gewissermaßen beschraͤnkt, und sie ist mit dem Proro⸗ tions⸗Rechte unvertraͤglich. In der That, wenn es hinreichte, ne neu gewaͤhlte Kammer zu prorogiren, um sie an der Kontrol⸗ ung der Regierung zu behindern, so wuͤrde die Anordnung der Charte, onach die Zusammenberufung der neuen Kammer binnen 3 Mo⸗ aten erfolgen soll, ganz zwecklos seyn. Das Prorogations⸗Recht un erst eintreten, nachdem die Kammer sich konstituirt hat; es arf der Kammer nicht hinderlich seyn, die Minister in Anklage⸗ uf and zu versetzen, oder fuͤr solche Gesetze Sorge zu tragen, die v Lande dringend Noth thun und keinen Aufschub gestatten. ir geben zu, daß wir uns diesmal weder in dem einen, noch in in andern Falle befinden; es darf aber kein boͤses Beispiel gege⸗ n werden, auf das man sich bei andern Gelegenheiten berufen Innte. Unseres Erachtens wuͤrde es nun aber eine offenbare Ver⸗ zung des 42sten Art. der Charte feyn, wenn man eine nicht kon⸗ Fggis Kammer prorogiren wollte, denn eine solche Kammer ist so als ob sie gar nicht bestaͤnde; die Charte verbietet gber, daß das
Der General⸗Major und Commandeur der
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Land laͤnger als 3 Monate ohne Kammer sey. Umsonst schuͤtzen die Mini⸗ ster vor, daß um die angegebene Zeit kein Ge agn eng schben⸗ Budget vorbereitet seyn wuͤrde. Den Kammern steht die Initiative zu und sie koͤnnen die nachlaͤssigen Minister ersetzen. Umsonst fuͤhrt man an, daß die meisten Mitglieder der neuen Kammer auch der vorigen angehoͤrt haͤtten, und daß sie der Ruhe beduͤrften; die Deputirten sind die Diener des Landes, und schwerlich wird ein Einziger von ihnen bei feiner Wiederernennung den Waͤhlern den Einwand ge⸗ macht haben, den das Ministerium angeblich in ihrem, eigentlich aber in seinem eigenen Interesse erhebt. Der Artikel des Moniteur ist nichts als eine Benachrichtigung der Deputirten, daß ihre Ein⸗ berufung auf den 31. Juli eine bloße Formsache sey, und daß sie sich deshalb nicht weiter zu inkommodiren brauchten, indem es keine Session geben werde. Wollten die Deputirten dieser Einflͤsterung Gehoͤr geben und von dem ihnen angewiesenen Posten entfernt blei⸗ ben, so wuͤrden sie dem Lande einen traurigen Beweis ihres Eifers geben, und das Versprechen, das sie ohne Zweifel ihren Kommittenten gegeben haben, schlecht halten. Die Achtung vor der Charte ver⸗ langt, daß die neue Kammer die Vollmachten der Dezutirten veri⸗ ficire, und sich innerhalb dreier Monate konstituire. Diese Opera⸗ tionen sind schon deshalb unerlaͤßlich, damit die mehrfach gewaͤhlten Deputirten optiren und die durch diese Option erledigten Stellen neu besetzt werden koͤnnen. Karl X. hat eine neu gewaͤhlte Kammer aufgeloͤst, noch ehe sie wirklich eroͤffnet worden war, und man be⸗ trachtete damals diese Handlung als einen Eingriff in die Rechte des Landes. *) Jetzt verkuͤndigt das Ministerium im Voraus die Prorogirung der neuen Kammer, bevor sie konstituirt worden. Wenn der Zweck auch nicht derselbe ist, so klebt ihm doch dieselbe Verfas⸗ sungzwidrigkeit an. Es ist die Pflicht alle: Deputirten, den ihnen von den Ministern gelegten Fallstrick zu vermeiden; sie moͤgen sich zum 31. Juli auf ihren Posten begeben, und Frankreich wird ihnen fuͤr dieses leichte Opfer dankbar verpflichtet seyn.“ “
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 2. Juli. Lord Wynford beantragte, daß Tho⸗ mas Biddleston, nachdem er Reue uͤber sein Vergehen gezeigt, vor die Schranken geladen, einen Verweis empfange und zur Bezahlung der Kosten verurtheilt werde. Der Antrag wurde angenommen, Thomas Biddleston erschien vor den Schranken, und der Lord-Kanzler redete ihn mit folgenden Worten an: „Thomas Biddleston, Sie haben eingestanden, der Herausgeber eines Aufsatzes zu seyn, welchen dieses Haus einstimmig fuͤr eine große Verletzung seiner Gerechtsame erklaͤrt hat. Sie haben ferner eingestanden, daß Sie die Oberaufsicht und Kontrolle uͤber die Zeitung haͤtten, worin dieser Aufsatz erschien, und daß es bei Ihnen gestanden, denselben gan zu unterdruͤcken oder zu veraͤndern, wenn Sie es fuͤr gut befunden. eitdem haben Sie diesem Hause eine Bittschrift uͤberreicht, worin Sie Reue uͤber Ihr Vergehen aus⸗ druͤcken und zugleich das Haus bitten, daß es demselben gefallen moͤge, bei Ausuͤbung der Gerechtigkeit, die es sich selbst und den
haben.
vvö des Koͤnigs schuldig sey, die Milde vorwalten zu lassen.
Es hat dem Hause gefallen, dieser Bitte Ihrer Petition Gehoͤr zu geben und mich zu beordern, Ihnen vor den Schran⸗ ken einen Verweis zu geben und dann Ihnen anzuzeigen, daß Sie von der Haft befreit sind und die Gebuͤhren zu bezahlen haben. Waͤre ein Anderer, als ich, die Ursache dieser Verletzung der Gerechtsame des Hauses, so wuͤrde ich mich laͤngere Zeit bei dieser unerhoͤrten Beleidigung aufgehalten haben, auch haͤlt mich nicht ein falsches Gefuͤhl von Delikatesse ab, dieses Vergehen mit seinem wahren Namen zu nennen, weil ich es bin, gegen den es begangen wurde. Es war eine Beleidigung, die nicht gegen die Person, sondern gegen die Wuͤrde gerichtet war, — und zwar nicht gegen die Wuͤrde eines bloßen Pairs in seiner Eigenschaft als Parlaments⸗Mitglied, sondern gegen die hoͤchste richterliche Wuͤrde, welche ein Unter⸗ than des Koͤnigs zu erlangen vermag; und ließe man eine solche Beleidigung ohne die verdiente Strafe voruͤbergehen, so wuͤrde es bald zu Ende seyn mit den hohen richterlichen Functionen, welche dieses Haus verwaltet. Nichtsdestoweniger ist genug ge⸗ schehen, um von Seiten dieses Hauses die einstimmige Mißbil⸗ ligung Ihres Vergehens auszudruͤcken, und glauben Sie nicht, daß, bei Wiederholung eines Vergehens gegen die Gerechtsame dieses Hauses durch Sie oder einen Anderen, die Gelindigkeit der in dem gegenwaͤrtigen Falle verhaͤngten Strafe die geringste Richtschnur fuͤr das kuͤnftige Verfahren des Hauses in derglei⸗ chen Faͤllen abgeben duͤrfte. Ich kuͤndige Ihnen jetzt an, daß Sie aus dem Gefaͤngnisse entlassen sind und die Gebuͤhren zu bezahlen haben.“ — Herr Biddleston verbeugte sich und zog sih zuruͤck. Hierauf wurde die Armen⸗Bill aus dem Unter⸗ hause eingebracht und zum erstenmale verlesen; die zweite Lesung derselben beantragte Graf Grey auf den naͤchsten Dienstag. Der Graf v. Malmesbury machte bemerklich, daß man sich schon im sechsten Monat der Session befinde und doch noch uͤber eine Maßregel entscheiden solle, die von nicht geringerer Wichtigkeit sey, als die Reform⸗Bill; er protestirte gegen die so spaͤte Einbringung dieser Bill. „Die Maßregel“, sagte er, „be⸗ steht aus 3 wichtigen Theilen, aus der Kirchspiels⸗Unterstuͤtzung, der Ansiebelung und der Frage uͤber die unehelichen Kinder. Diese Theile haͤtten in abgesonderte Bills gebracht werden sollen, und zwei davon haͤtten vom Oberhause ausgehen koͤnnen. Die Maßregel besteht in ihrer jetzigen Gestalt aus 90 Klauseln. Sie hat das Unterhaus seit dem 17. April beschaͤftigt, also 76 Tage lang, und wenn Ew. Herrlichkeiten sich dieselbe Zeit dazu nehmen, was soll dann werden? In 76 Tagen sind wir im Monat Sep⸗ tember. Weit vernuͤnftiger waͤre es, die Maßregel bis zur naͤch⸗ sten Parlaments⸗Session zu verschieben.“ Graf Grey gab zu, daß die Bill die reiflichste Erwaͤgung fordere, und bedauerte, daß sie nicht fruͤher haͤtte eingebracht werden koͤnnen, indeß meinte er, man sey ja durch die langen Eroͤrterungen, die schon uͤber diese Bill stattgefunden haͤtten, hinlaͤnglich zur Diskussion dersel⸗
*) Der National erinnert daran, daß der jetzige Minister des Innern, Hr. Thiers, von dem die obenerwahnte Königliche Verordnung contrasignirt ist, sich im Jahre 1830 in der bekannten Protestation der Journalisten gegen die da⸗ malige Auflösung der Kammer also außerte: „Der Koͤnig kann die Deputirten⸗ Kammer auflösen; doch muß sie vorher versammelt und als Kammer konstituirt ö Ve end n0, vor Konstituirung giebt es nichts
tgttgehabte Wahlen. Nirgends aber steht in der Charte geschrieben, daß der König die Wahlen kassiren durfe.“ 1 1a“
ben vorbereitet; er wollte daher in die Aussetzung derselben bis zur naͤchsten Session nicht einwilligen, indem er die Besorgniß aus⸗ sprach, daß ein solcher Aufschub, statt eine wohlthaͤtige Wirkung hervorzubringen, gerade das Umgekehrte zur Folge haben und das ganze Land in die groͤßte Aufregung versetzen wuͤrde. „Der Gedanke“, fuhr er fort, „die Bill zu theilen, wie der edle Graf es vorgeschlagen hat, ist auch der Aufmerksamkeit der Minister nicht entgangen; aber nach gehoͤriger Erwaͤgung wurde er fuͤr unraͤthlich befunden. Ich glaube auch, daß der edle Graf sech irrt, wenn er glaubt, daß dieses Haus die Befugniß habe, Maßregeln in Bezug auf die unehelichen Kinder oder in Bezug auf die Ansiedelung aus seinem Schoß ausgehen zu lassen. (Hoͤrt!) Ich hoffe uͤbrigens, daß das Haus diese Maßregel ruhig und desonnen in Bera⸗ thung nehmen wird, da es die wichtigste ist, die ich seit neeinem Eintritt ins Parlament, also fast seit einem halben Jahrhun⸗ dert, habe einbringen sehen. Ja, wenn es selbst noͤthig seyn sollte, daß Ew. Herrlichkeiten bis spaͤt in den Herbst hinein ver⸗ sammelt blieben, so baß⸗ ich doch, daß sie sich diese Muͤhe, die sie einer so wichtigen Maßregel widmen, nicht verdrießen lassen werden.“ An demselben Abend uͤberreichte der Bischof von Lon⸗ don mehrere Petitionen wegen Heilighaltung des Sonntages und erklaͤrte sich, im Widerspruch mit den bisher uͤber diesen Gegenstand in beiden Parlamentshaͤusern vorgebrachten Ansichten, dahin, daß der Zweck der Gesetzgebung nicht der seyn koͤnne noch duͤrfe, durch Zwangs⸗Maßregeln die gehoͤrige Beobachtung des Sonn⸗ tags zu bewerkstelligen, sondern nur denjenigen, welche diese Feier wuͤrdig begehen wollten, hinreichenden Schutz gegen Ruhe⸗
stoͤrer zu verleihen.
Unterhaus. Sitzung vom 2. Juli. Die Bill in Betreff einer allgemeinen Registrirung der Todesfaͤlle, Trauun⸗ gen und Geburten ging durch den Ausschuß. Dann erhob sich Herr Poulett Thomson, Praͤsident der Handels⸗Kammer, und schlug mehrere Zoll⸗Reductionen fuͤr eine Menge von Arti⸗ keln vor, welche saͤmmtlich genehmigt wurden. Hierauf entspann sich eine Debatte uͤber die Bill des Herrn Wood wegen Zulas⸗ sung der Dissenters zu akademischen Wuͤrden, die in den Aus⸗ schuß gebracht werden sollte; diese Gelegenheit benutzte Sir G. Murray, um das allgemein verbreitete Geruͤcht zu widerlegen, daß er, den bei seiner Wahl zum Parlaments⸗Mitgliede ausge⸗ sprochenen Ansichten zuwider, der Gleichstellung der Dissenter mit Mitgliedern der herrschenden Kirche abhold gewor⸗ den sey. t
Unterhaus. Sitzung vom 3. Juli. Herr Little⸗ ton trug auf Erneuerung der Irlaͤndischen Zwangs⸗Bill an un fand, wie sich voraussehen ließ, an Herrn O'Connell eine heftigen Gegner. Die Debatte beschraͤnkte sich eigentlich auf ei⸗ nen Wortwechsel zwischen Letzterem und dem Antragsteller, in⸗ dem Herr O'Connell behauptete, daß der sehr ehrenwerthe Se⸗ cretair fuͤr Irland ihm fruͤherhin die Versicherung gegeben habe, die Regierung werde nicht zu einer Erneuerung jener Maßregel ihre Zuflucht nehmen, wogegen Herr Littleton sich daruͤber be schwerte, daß das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied eine im Vertrauen zu ihm geaͤußerte Meinung auf solche Weise miß⸗ brauche. Endlich lenkte Herr O'Connell wieder ein, und bean⸗ tragte eine Adresse an den Koͤnig, worin Se. Majestaͤt um Vorle⸗
gung der zwischen der Regierung und dem Lord⸗Lieutenant von Irland in Bezug auf die Erneuerung der Zwangs⸗Bill gepflogenen
Korrespondenz ersucht werden sollten. Dieser Antrag wurde zwar verworfen, Herr Littleton versprach jedoch aus freien Stuͤcken, jene Korrespondenz vorzulegen, so weit sie zur Recht fertigung des Verfahrens der Regierung dienen koͤnne. Am Schluß der Sitzung verlas noch Lord Althorp die Antwort des Koͤnigs auf die Adresse des Hauses, wodurch Se. Majestaͤt um Bewilligung einer Entschaͤdigung fuͤr die Offiziere und Matrosen ersucht wurden, die in der Schlacht bei Navarin Verluste erlitten haben. Der Koͤnig wird, laut dieser Antwort,
die gewuͤnschten Befehle ertheilen. London, 4. Juli.
Muͤnzmeister, und der Capitain Byng, als Lord des Schatzam⸗ tes, vorgestellt wurden. Der Koͤniglich Saͤchsische Gesandte, Herr von Gersdorff, der sich auf drei Monate nach Deutschland
begiebt, und der Englische Gesandte bei der Republik von La Plata, Herr Hamilton, beurlaubten sich bei Sr. Majestaͤt. Der
Koͤnig wird die Zeit waͤhrend der Abwesenheit der Koͤnigin, die bis zum 20. August wegzubleiben gedenkt, in Gesellschaft der Herzogin von Gloucester zu Schloß Windsor zubringen.
Es werden hier große Vorbereitungen zur Abreise der Koͤ⸗ nigin getroffen, die am 6. Juli Morgens vor sich gehen soll. Die Koͤnigl. Yacht wird mit kostbaren Stoffen ausgeschmuͤckt, um die Koͤnigin in Begleitung des Lord⸗Mayors nach Woolwich zu bringen, wo sie sich auf dem „Royal George“ einschiffen soll; in ihrem Gefolge befinden sich die Grafen von Denbigh, von Errol, von Howe und Brownlow, nebst deren Gemahlinnen. Drei Dampfschiffe und der „Castor“ (von 36 Kanonen) werden sie begleiten. hre Majestaͤt wird in Rotterdam landen und dann auf ihrer Reise nach Sachsen einen kurzen Umweg ma⸗ chen, um ihre Schwester, die Herzogin Ida von Weimar, in Bextel (in der Naͤhe von Herzogenbusch) zu besuchen.
Don Carlos hat am Dienstag mit seiner Gemahlin und den Prinzen seiner Familie einen Besuch in London gemacht, dessen Zweck indessen nur die Besichtigung des Tunnels unter der Themse war. — B
Der erste Lord der Admiralitaͤt hat ein t Dampfschiff nach Woolwich hin beordert, wo dasselbe den Fuͤrsten und die Fuͤrstin von Lieven mit ihrem Gefolge aufnehmen soll, um sie nach Hamburg zu fuͤhren. Der Fuͤrst hatte am 2. Juli eine lach He Abschieds⸗Audienz beim Koͤnige; sein aͤltester Sohn bleibt als zweiter Gesandtschafts⸗Secretair in London.
Vorgestern ging der Koͤniglich Schwedische Gesandte, Ge⸗ neral Graf Bjoͤrnstjerna, mit seiner Familie auf Urlaub von Hull
nach Gothenburg ab; er wird vor sechs bis sieben Monaten nicht
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Der Koͤnig hielt gestern ein Lever, bei welchem Sr. Majestaͤt der Belgische Gesandtschafts⸗Attaché, Herr Achart, der Belgische Major Tieldorp, Herr Abercromby, als